Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 569 - Jutta von Josten - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 569 E-Book

Jutta von Josten

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Beschreibung

Sabine und Burkhard Keppler sind verheiratet und haben eine niedliche kleine Tochter. Nach außen hin scheint alles perfekt. Doch ihre Rolle als Mutter und Hausfrau füllt Sabine auf die Dauer nicht aus. Und als sie es gegen den Widerstand ihres Mannes durchsetzt, wieder in ihrem alten Beruf als Fotografin zu arbeiten, gerät die Ehe in eine schwere Krise. Der Gedanke, nicht mehr der Alleinverdiener zu sein, versetzt dem Selbstwertgefühl des Architekten einen herben Schlag. Als ihm dann auch noch ein wichtiger Auftrag durch die Lappen geht, fühlt er sich mehr denn je als Versager. Schließlich sucht er Bestätigung in den Armen einer anderen Frau ...

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Inhalt

Cover

Der Pascha

Vorschau

Impressum

Der Pascha

Warum er die Wünsche seiner Frau ignorierte

Sabine und Burkhard Keppler sind verheiratet und haben eine niedliche kleine Tochter. Nach außen hin scheint alles perfekt. Doch ihre Rolle als Mutter und Hausfrau füllt Sabine auf die Dauer nicht aus. Und als sie es gegen den Widerstand ihres Mannes durchsetzt, wieder in ihrem alten Beruf als Fotografin zu arbeiten, gerät die Ehe in eine schwere Krise.

Der Gedanke, nicht mehr der Alleinverdiener zu sein, versetzt dem Selbstwertgefühl des Architekten einen herben Schlag. Als ihm dann auch noch ein wichtiger Auftrag durch die Lappen geht, fühlt er sich mehr denn je als Versager. Schließlich sucht er Bestätigung in den Armen einer anderen Frau ...

Das Kleid war schwarz und saß wie eine zweite Haut. Sabine Keppler drehte sich darin vor dem Spiegel und war zufrieden. Sie hatte in den fast fünf Jahren, in denen sie dieses teure Modellkleid nicht mehr angezogen hatte, kein Gramm zugenommen. Ihrer Figur hatte Anjas Geburt nicht geschadet.

Sabine probierte verschiedene Ketten aus und entschied sich schließlich für das dreireihige weiße Perlencollier, dem nur ein Kenner ansehen konnte, dass es sich um eine Imitation handelte. Es passte sehr gut zu dem schlichten Kleid.

Als die Haustür aufgeschlossen wurde, lief sie erwartungsvoll in die Diele. Um sich und ihre Aufmachung ins rechte Licht zu rücken, stellte sie sich unter die Dielenlampe.

Aber Burkhard Keppler hatte keinen Blick für seine Frau.

»Guten Abend«, grüßte er mürrisch. »Das war wieder ein Tag! Ich bin nicht mal zum Essen gekommen. Mir ist vor Hunger richtig schlecht. Was gibt's denn zum Abendbrot?«

Sabine war entschlossen, sich nicht die Laune verderben zu lassen.

»Du wirst dir aussuchen können, was du essen willst«, erwiderte sie munter. »Wir gehen nämlich aus.«

»Was?« Burkhard hatte seine Wildlederjacke ausgezogen und an die Garderobe gehängt. Jetzt wandte er sich um. »Himmel, das passt mir aber überhaupt nicht! Ich bin hundemüde. Was ist das denn für ein Kleid? Ist es neu? Das war bestimmt nicht billig, und du weißt genau, dass wir ...«

»Das Kleid ist nicht neu, Schatz.« Sabine ging zu ihm und schmiegte sich an ihn. »Ich habe dieses Kleid getragen, als wir uns kennenlernten. Du hast im Theater neben mir gesessen, weil Eva Schicksal spielen wollte und uns die Karten geschenkt hat. Das kannst du doch nicht vergessen haben!«

»Ich hab's auch nicht vergessen, nur das Kleid ... Wirklich, es tut mir leid, dass du dich vergebens so herausgeputzt hast. Aber ich mag heute nicht ausgehen. Außerdem können wir es uns nicht leisten, im Restaurant zu essen. Und du wirst doch wohl auch Anja nicht allein lassen wollen.«

»Das ist alles geregelt. Gudrun von nebenan passt auf sie auf. Und wegen der Kosten brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen. Ich lade dich ein.« Sie lächelte zu ihm auf. »Und nun hör auf, brummig zu sein. Geh unter die Dusche und zieh dich um. Ich habe dir schon alles zurechtgelegt. Aber beeil dich, ja?«

Burkhard Keppler schob seine Frau von sich. Was war nur los mit ihr? So hartnäckig bestand sie doch sonst nicht darauf auszugehen, wenn er es nicht wollte.

»Was soll das heißen, du lädst mich ein? Woher hast du das Geld? Und den Babysitter musst du ja auch bezahlen«

»Ich habe seit Monaten für diesen Abend gespart.« Sabine lächelte immer noch, aber es wirkte bereits reichlich verkrampft.

»Für diesen Abend? Ist denn etwas Besonderes? Ach herrje!« Burkhard versetzte sich einen leichten Schlag gegen die Schläfe. »Unser Hochzeitstag! Verflixt! Vor ein paar Tagen habe ich noch daran gedacht und mir fest vorgenommen, ihn diesmal nicht zu vergessen. Aber wenn man so in der Tretmühle steckt ... Du, es tut mir wirklich furchtbar leid. Kannst du mir noch einmal verzeihen?«

»Schon vergessen. Aber nun beeile dich, damit ich nicht zu lange auf dich warten muss.«

Während Burkhard unter der Dusche stand, klingelte es. Sabine öffnete die Tür für Gudrun, eine kesse siebzehnjährige Schülerin, die im Nachbarhaus wohnte.

»Fein, dass du pünktlich bist, Gudrun. Anja schläft schon, und wahrscheinlich brauchst du gar nichts zu tun. Es geht ja nur darum, dass jemand da ist, falls sie aufwachen sollte. Ich habe dir etwas zum Knabbern hingestellt.«

»Danke, Frau Keppler, aber ich kann es mir nicht leisten zu knabbern. Ich muss abnehmen.« Sie war nicht schlank, sondern dünn. »Und ich muss noch lernen.« Sie deutete auf die Bücher, die sie sich unter den Arm geklemmt hatte.

Die beiden waren ins Wohnzimmer gegangen. Sabine hatte auf dem Couchtisch eine Tafel Schokolade, ein Päckchen Erdnüsse und Salzstangen zurechtgelegt. Außerdem standen eine Flasche Fruchtsaft und ein Glas bereit.

»Vielleicht bekommst du doch Appetit«, meinte sie.

»Nee, Frau Keppler. Mir ist es lieber, wenn Sie das Zeug gleich wieder wegnehmen und dafür mein Honorar erhöhen.«

Sabine musste lachen.

»Du bist aber ganz schon geldgierig!«

»Was bleibt mir anderes übrig?« Gudrun seufzte theatralisch. »Für Mode hat mein Vater kein Verständnis. Der denkt, mit einem Pullover und einem Rock kommt man aus. Alles, was darüber hinausgeht, muss ich mir selbst kaufen. Und das bei einem geradezu lächerlichen Taschengeld.«

Ich habe nicht mal Taschengeld, dachte Sabine. Sie musste ihren Mann um Geld bitten, wenn sie sich ein neues Kleid kaufen wollte. Aber das sollte anders werden! Dies war ein entscheidender Tag ...

Burkhard Keppler kam ins Wohnzimmer. Er trug einen dunkelblauen Anzug und ein hellblaues Hemd, dazu einen Schlips. Nach dem Duschen fühlte er sich schon etwas frischer.

»Sie sehen prima aus, Herr Keppler«, stellte Gudrun fest.

»Freut mich, dass ich Ihnen gefalle, Gudrun«, brummte er, »aber wichtiger ist es mir, dass Sie versprechen, gut auf Anja aufzupassen. Wo kann uns Gudrun erreichen, wenn irgendetwas sein sollte, Liebes? Weißt du schon, wohin wir gehen?«

»In dieses neue Restaurant am Markt. Die Küche soll ausgezeichnet sein.« Danach hatte Sabine sich in der Nachbarschaft erkundigt.

»Dann schreibe ich Ihnen die Nummer auf, damit Sie uns notfalls anrufen können, Gudrun.« Burkhard holte das Telefonbuch und notierte die Nummer.

»So, Gudrun, hier können Sie uns erreichen, wenn Sie uns brauchen.« Er gab ihr den Zettel.

»Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Keppler, ich passe schon auf die Kleine auf«, versprach Gudrun.

♥♥♥

Fünf Minuten später saßen Sabine und Burkhard Keppler in dem alten Wagen und fuhren los. In der Vorstadtsiedlung, in der sie ein kleines Reihenhaus mit einem winzigen Garten bewohnten, waren die Straßen schon wie ausgestorben.

Burkhard legte die Hand auf das Knie seiner Frau.

»Bist du mir noch böse?«, fragte er leise.

»Warum sollte ich?«

»Weil ich unseren Hochzeitstag schon wieder vergessen habe. Ich hatte wirklich die besten Vorsätze, aber gerade jetzt ist so viel los, dass ich kaum weiß, wo mir der Kopf steht. Wenn wir erst das Modell für die Ausschreibung fertig haben, wird's besser.«

Er war Architekt und hatte sich vor einem knappen Jahr mit einem Kollegen zusammen selbstständig gemacht. Sie hatten enorm viel Arbeit, weil sie einen Entwurf nach dem anderen machen musste. Leider haperte es mit den Aufträgen. Die wurden fast immer Architekten erteilt, die sich bereits einen Namen gemacht hatten.

Keppler und sein Kompagnon hofften, dass sich das ändern würde, wenn sie die Ausschreibung gewannen, bei der es um den Neubau einer Schule ging.

»Ich bin dir nicht böse, Schatz«, versicherte Sabine. »Ich weiß ja, dass du mich nicht absichtlich vernachlässigst.«

»Vernachlässigst! Vernachlässige ich dich denn?«

»Ein bisschen schon. Ich bin abends oft allein, und es ist schon so lange her, dass wir zusammen ausgegangen sind. Aber heute wollen wir uns einen schönen Abend machen, ja?«

»Werden wir!« Er streichelte ihr Knie, bevor er die Hand wieder auf das Steuerrad legte. »Aber können wir uns das wirklich leisten? Hast du genug Geld?«

»Genug, um fürstlich zu speisen.« Sie kicherte. »Mit Vorspeise und Dessert, Aperitif und einer Flasche Wein.«

»Gibt es deshalb neuerdings einmal in der Woche Kartoffelsuppe und nur noch selten Aufschnitt?«

»Erraten! Ich wusste gar nicht, dass es dir aufgefallen ist.«

»Mir entgeht nichts, wenn ich auch nicht immer etwas sage. Mir ist übrigens auch nicht entgangen, dass du in dem Kleid hinreißend aussiehst.«

Sabine lachte entzückt.

»So etwas musst du mir öfter sagen!«

»Ich sage sogar noch mehr: Ich habe es noch keine Sekunde bereut, dich geheiratet zu haben, mein Mädchen.«

Sie rutschte ganz nahe an ihn heran.

»Das ist das schönste Geschenk für mich zum Hochzeitstag, Schatz.«

»Und umgekehrt? Hast du es je bereut, meine Frau geworden zu sein?«

Sabine war dankbar, dass sie nicht zu antworten brauchte, weil Burkhard in diesem Moment einen freien Parkplatz entdeckte und den Wagen einparkte. Seine Frage ließ sich nicht mit einem Wort beantworten. Über dieses Thema wollte sie heute Abend in aller Ausführlichkeit und Ruhe mit ihm reden.

Das Lokal war sehr gemütlich eingerichtet. Sabine und Burkhard fanden einen Tisch für zwei Personen, an dem sie vor fremden Blicken geschützt sitzen und sich unbelauscht unterhalten konnten. Sie nahmen sich Zeit, die Speisekarte sorgfältig zu studieren, bevor sie ihre Wahl trafen.

»Achte nicht auf die Preise, Schatz«, sagte Sabine. Sie versuchte es ebenfalls nicht zu tun, aber sie hatte sich schon zu sehr an den Zwang, sparen zu müssen, gewöhnt. Fast gegen ihren Willen wählte sie die preiswertesten Gerichte.

Ihr Mann dagegen befolgte ihren Rat und bestellte für sich, wonach es ihn gelüstete. Er war ein Feinschmecker, der gelegentlich selbst kochte, wenn er Zeit und Lust hatte.

Das Essen war ausgezeichnet, und sie genossen es nahezu schweigend. Nur zwischen den Gängen unterhielten sie sich, und dann fingen die Sätze meist mit »Weißt du noch ...?« an, wie es dem Anlass entsprach.

Sie hatten sich im Theater kennengelernt, weil Eva, Sabines beste Freundin, gefunden hatte, sie passten gut zusammen. Burkhard war damals in Eva verliebt gewesen, aber sie hatte sich bereits für einen anderen entschieden. Da war sie auf die Idee gekommen, Sabine und Burkhard Theaterkarten zu schenken, ohne dass sie etwas davon wussten, dass sie auf diese Weise zusammengebracht werden sollten.

Der Plan war aufgegangen. Sie waren nach der Vorstellung in ein Weinlokal gegangen, und kaum ein halbes Jahr später hatten sie geheiratet. Eva war Trauzeugin gewesen und hatte erst nach der Zeremonie enthüllt, dass Sabine und Burkhard nicht zufällig im Theater nebeneinandergesessen hatten.

Darüber unterhielten sie sich jetzt, und der Wein tat ein Übriges, um eine heitere, gelöste Stimmung aufkommen zu lassen.

Zum Nachtisch gab es Eis mit heißen Himbeeren.

»Du hast übrigens meine Frage noch nicht beantwortet«, erinnerte Burkhard sie, als er seine Schale fast geleert hatte.

»Welche Frage, Schatz?«

»Ob du es je bereut hast, meine Frau geworden zu sein.«

»Bereut nicht, nur ...« Es war doch verflixt schwer. Sollte sie die Aussprache nicht besser verschieben, anstatt den schönen Abend zu verderben?

Doch Burkhard Keppler war bereits hellhörig geworden.

»Nur? Was soll das heißen, Bine? Hast du Grund, dich zu beklagen? Gut, ich kann dir nicht viel bieten, aber du weißt, dass ich hart arbeite, und eines Tages werde ich Erfolg haben, das verspreche ich dir! Ich trinke nicht, ich rauche mäßig und schaue keine anderen Frauen an. Du hast ein schönes Heim, eine süße Tochter und einen treuen Mann, der dich sehr liebt. Was willst du mehr?«

Das stimmte alles, und Sabine kam sich für einen Moment undankbar vor, weil sie dennoch nicht zufrieden war. Sie legte ihre Hand auf die seine und sah ihn liebevoll an.

»Ich weiß, ich habe keinen Grund, mich zu beklagen, Burkhard«, sagte sie ernst. »Aber ich fühle mich unausgefüllt.« Nun war es heraus.

»Unausgefüllt! Na hör mal. Du hast das Haus und Anja. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass du eine Menge zu tun hast.« Er entzog ihr seine Hand, schob die Eisschale zurück und nahm Zigaretten und Feuerzeug aus der Tasche.

»Ja, ich habe eine Menge zu tun«, stimmte Sabine ihm zu. »Ich muss waschen, kochen, putzen, einkaufen und so weiter ... Leider sind das alles Arbeiten, die auf die Dauer nicht sehr befriedigend sind.«

»Dass diese Aufgaben auf dich zukommen würden, hast du gewusst, als wir heirateten, Sabine«, gab er in ruhigem Ton zurück. »Eine Frau, die nicht Hausfrau und Mutter werden will, soll eben nicht heiraten.«

»Ach, Burkhard, darum geht's doch nicht. Ich mache das alles doch gern. Aber ich bin den ganzen Tag allein mit Anja. Oft kommst du erst spät abends nach Hause, und dann bist du so müde, dass ich es kaum noch wage, mit dir zu reden, jedenfalls nicht über Probleme.«

»Habe ich vielleicht nicht das Recht, abends müde zu sein?« Er rauchte hektisch und stieß dicke Rauchwolken aus. »Ich sitze den ganzen Tag im Büro und habe viel Arbeit und viel Ärger. Ich würde gern mit dir tauschen und zu Hause bleiben, das kannst du mir glauben, Sabine.«

»Da ist noch etwas ...«, begann sie erneut.

»Nämlich? Nur zu! Wenn du uns unbedingt den Abend verderben willst, kann ich dich nicht daran hindern.«

»Ich habe so furchtbar wenig Geld zur Verfügung, Burkhard. Ich bin bestimmt nicht übertrieben anspruchsvoll, aber ab und zu möchte ich mir doch mal ein neues Kleid oder sonst etwas kaufen können.«

»Mehr Wirtschaftsgeld kann ich dir im Moment nicht geben, und gar so knapp bemessen ist es ja offenbar nicht, sonst könntest du es dir nicht leisten, davon ein so teures Essen zu bezahlen.«

»Es geht nicht darum, dass ich mehr Wirtschaftsgeld haben möchte ...«

»Sondern?« Burkhard Keppler drückte seine Zigarette aus.

»Ich möchte wieder arbeiten.« Sabine ärgerte sich über sich selbst, weil es wie eine demütige Bitte und nicht wie eine Forderung klang.

Zuerst glaubte Burkhard, sich verhört zu haben, dann wollte er aufbrausen, aber dafür war hier nicht der richtige Ort. Er winkte dem Kellner.

»Meine Frau möchte zahlen, Herr Ober«, sagte er. »Sie hat mich eingeladen. So ist das ja heute nun mal – verkehrte Welt.«

Die Heimfahrt legten sie schweigend zurück. Als Burkhard Keppler die Haustür aufschloss, drang ihnen laute Musik entgegen, und sie ertappten Gudrun dabei, wie sie selbstvergessen dazu tanzte. Burkhard stellte das Radio ab.

»Ich habe Sie noch nicht so früh zurückerwartet«, entschuldigte Gudrun sich verlegen.

»Ein Wunder, dass Anja bei dem Krach nicht aufgewacht ist«, brummte er. »Sie hätten schon etwas Rücksicht auf das Kind nehmen können, Gudrun.«

»Anja hört nichts, wenn sie einmal schläft, Herr Keppler. Ich war vorhin noch bei ihr.«

»Du kannst jetzt gehen, Gudrun, und vielen Dank.« Sabine drückte dem Mädchen einen Geldschein in die Hand.

»Danke, Frau Keppler.« Gudrun ließ ihr Honorar blitzschnell verschwinden. »Und wenn Sie wieder mal ausgehen wollen, brauchen Sie es nur zu sagen.«

Burkhard Keppler hatte sich inzwischen eine Flasche Bier aus der Küche geholt und sich in einem Sessel niedergelassen. Geistesabwesend knabberte er die Erdnüsse, die Gudrun verschmäht hatte.

»Setz dich zu mir«, forderte er Sabine unfreundlich auf.

Sie setzte sich auf die Armlehne eines Sessels und nahm die Perlenkette ab.

»Was soll das heißen, du möchtest wieder arbeiten?«, fragte er sie.

Sabine war ausgebildete Fotografin und hatte vor ihrer Ehe in einem großen Atelier gearbeitet. Ihr Chef hatte ihr prophezeit, dass sie Karriere machen werde.

»Sie haben das, was man nicht lernen kann, Sabine«, pflegte er zu sagen, »nämlich den richtigen Blick fürs Motiv.« Besonders ihre Porträtaufnahmen waren sehr bewundert worden.

»Das heißt, dass ich wieder arbeiten möchte, Burkhard«, erwiderte sie ruhig.

»Ach?«, höhnte er. »Und Anja? Willst du sie mit ins Atelier nehmen? Oder soll ich sie mit ins Büro und auf Baustellen schleppen?«

»Anja ist jetzt drei Jahre alt. Ich kann einen Kindergartenplatz für sie bekommen. Danach habe ich mich bereits erkundigt.«

»Wunderbar! Du willst die Erziehung deiner Tochter fremden Leuten überlassen, ja? Bedeutet dir das Kind so wenig?«

»Nichts und niemand bedeutet mir mehr als Anja, Burkhard, das weißt du genau. Aber ich finde, es ist wichtig für ein Kind, eine zufriedene Mutter zu haben.«

Burkhard zündete sich eine Zigarette an.

»Und jetzt bist du also unzufrieden, wenn ich dich richtig verstehe? Ich bin ein Versager, ja? Ich schufte zwar wie ein Besessener, aber ich verdiene nicht genug, um dir das Leben bieten zu können, das dir vorschwebt. Du kannst dir nicht alles kaufen, was dir gefällt, und du bist nicht bereit, vorerst zu verzichten und zu warten, bis ich den Durchbruch geschafft habe.« Seine Stimme war bitter.

»Es geht doch nicht nur ums Geld, Burkhard!« Sabine flehte um Verständnis. »Obwohl es natürlich auch eine gewisse Rolle spielt. Ich wäre in finanzieller Beziehung ganz gern ein bisschen unabhängiger.«

»Warum lässt du dich denn nicht scheiden? Dann hast du deine Unabhängigkeit.«

»Du willst mich nicht verstehen«, klagte sie.

»Ich verstehe dich sehr gut. Unsere Ehe genügt dir nicht mehr, du willst ausbrechen, selbstständig werden, deinen eigenen Weg gehen.«