Dimensionen des Denkens - Petra Sütterlin - E-Book

Dimensionen des Denkens E-Book

Petra Sütterlin

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Beschreibung

Unser Denken bestimmt, wieviel wir von der Welt entdecken und verstehen. Die moderne Informationsgesellschaft stellt uns vor die Herausforderung, mit immer komplexer werdenden Zusammenhängen zurechtkommen zu müssen. Insofern ist die Logik weit mehr als eine formale Spielerei tiefsinniger Philosophen. Sie liefert uns das Werkzeug kompetente Entscheidungen zu fällen. Mit dem Aufstieg der empirischen Wissenschaften konnten wir den Siegeszug und den Untergang der aristotelischen Logik erleben. Aber erst mit Gotthard Günthers mehrwertiger Logik erscheint ein neuer Stern am Firmament, der die Kraft besitzt, die Widersprüche des alten Systems zu überwinden. In diesem Buch wird die Geschichte der Logik dargestellt und der Weg zum polykontexturalen Denken aufgezeigt. Damit werden die wichtigsten Grundlagen zum Verständnis der dreiwertigen Logik erklärt.

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Seitenzahl: 58

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Dimensionen des Denkens

skizziert die Geschichte der Logik über Aristoteles bis hin zu Gotthard Günthers mehrwertiger Logik. Es erklärt die wichtigsten Grundlagen zum Verständnis polykontexturalen Denkens. Eines Denkens, das die Widersprüche der zweiwertigen Logik aufhebt.

Petra Sütterlin ist seit 2002 Inhaberin des bekannten Wissensarchivs Philognosie® im Internet. Als Chefprogrammiererin und Webdesignerin organisiert sie zudem zahlreiche Web-Projekte, die unter dem Motto "Wissen gestaltet die Welt" stehen.

Der Inhalt in fünf Kapiteln

Vorwort

I. Wozu Logik?

Zweiwertigkeit in der Geschichte

Wahrheit - seit wann ist das eine Frage?

Was ist eigentlich Logik?

II. Wie wir denken

Zweiwertigkeit

Designation

Negation und Relation

Vier Prinzipien der aristotelischen Logik

Denken in Hierarchien

Denken in Heterarchien

III. Die Seinsorte der Welt

Grenzen der zweiwertigen Logik

Zugang zur Dreiwertigkeit

Drei Seinsorte

Dreiwertigkeit

Rejektion

IV. Die proemiale Relation

Kenogramme und Morphogramme

Trans-klassische Wertefolgen

Die Struktur der Relation

Komplexitätsgrade von Relator und Relata

Das proemiale Verhältnis

V.

Polykontexturales Denken

Polykontexturalität

Reflexion und Sinn

Mindestens drei Kontexturen

Bei- Spiel Schach

Literaturhinweise

Gotthard Günther

Das Alte Ägypten

Zum Schmökern oder Vertiefen

Vorwort

Unser Verständnis der Welt ist davon abhängig, wie wir sie beschreiben. Insofern sind unsere Instrumente der Erkenntnis - bislang durch die zweiwertige Logik repräsentiert - mehr als nur eine formale Spielerei tiefsinniger Philosophen. Im 20. Jahrhundert konnten wir den Siegeszug der aristotelischen Logik erleben. Ohne diese Errungenschaft, wären die Erkenntnisse und Möglichkeiten unserer europäischen Kultur nicht möglich gewesen.

Die Grenzen der zweiwertigen Logik sind heute weitgehend bekannt und die Auflösungserscheinungen, beispielsweise der Zerfall des Wahrheitsparadigmas, nagen seit langem an den Grundfesten dieses Systems. Mit Gotthard Günthers mehrwertiger Logik erschien ein neuer Stern am Firmament, der die Kraft besitzt, die Widersprüche des alten Systems zu überwinden.

Kapitel I

Wozu Logik?

Zweiwertigkeit in der Geschichte

Wahrheit - seit wann ist das eine Frage?

Was ist eigentlich Logik?

Wozu Logik?

Alles Bedeutende ist unbequem.

Goethe

“Was aber nicht heißt, daß alles Unbequeme bedeutend ist.” “Weshalb nicht? Ich kann doch einfach ‘unbequem’ mit ‘bedeutend’ tauschen und schon haben wir: Alles Unbequeme ist bedeutend.” “So einfach geht das nicht.” “Weshalb? 2+1 macht 3 und 1+2 ist auch 3. Wo ist da der Unterschied?”

Oder: “Wieso sollte ich mich mit dreiwertiger Logik befassen? Ich kann auch so bis drei zählen.” “Das ist nicht ganz falsch, trifft aber nicht den Kern.” Das einwertige, zweiwertige und dreiwertige Denken unterscheidet sich grundlegend. Dazu ein Beispiel aus der Geschichte, die Entdeckung der Stahlhärtung:

Orientalische Schwerter galten als besonders hart und waren somit sehr begehrt. Über ihre Herkunft wird berichtet, daß ein Schmied das noch glühende Eisen eines frisch geschmiedeten Schwertes in den Körper eines Sklaven stieß. Dieses Schwert erwies sich als besonders robust und hart. Die Stärke des Sklaven mußte auf das Schwert übergegangen sein! Ähnliche Versuche führten zum selben Ergebnis, sodaß an dieser Vermutung nicht mehr gezweifelt wurde.

Heutzutage wissen wir, daß man nicht notwendig Sklaven braucht, um Stahl zu härten. Die Härtung von Stahl basiert auf dem Prinzip des “Abschreckens”, auch Wasser oder Öl kann dazu verwendet werden. Um zu entdecken, daß keine mythischen Prinzipien wie “Lebenskraft” nötig sind, um Stahl zu härten, bedarf es einer systematischen Analyse von Ursache und Wirkung, die erst im zweiwertigen Denken möglich ist. Jede Überzeugung, jedes Denken, auch die Philosophie und die Logik, hat Voraussetzungen, die als gültig und bindend angenommen werden, auch wenn sie längst nicht mehr thematisiert oder gar in Frage gestellt werden. Unser Denken hat zwei grundlegende Voraussetzungen: Zweiwertigkeit und Wahrheit.

Zweiwertigkeit in der Geschichte

Die Grundlage unseres Denkens, mindestens der letzten 2000 Jahre, ist die aristotelische Logik. Sie wird so genannt, weil sie von dem griechischen Philosophen und Naturforscher Aristoteles (384322 v. Chr.) begründet wurde. Ihr Kennzeichen ist Zweiwertigkeit. Die Zweiwertigkeit ist jedoch noch älter. Gotthard Günther zeigt im “Substanzverlust des Menschen”, daß die altägyptische Kultur eine der ersten versuchsweisen Ausdrucksformen der zweiwertigen Existenz des Menschen ist.

Jan Assmann schreibt über das alte Ägypten: “Wenn es einen Begriff gibt, der geeignet wäre, die Eigenheit der pharaonischen Kultur auf die kürzeste Formel zu bringen, dann ist es der Begriff der ‘Zweikultürlichkeit’ oder ‘Bikulturalität’. Durch die altägyptische Kultur läuft ein so tiefer Spalt, daß wir es eher mit zwei Kulturen zu tun haben als mit einer einzigen”.

Die Gebrauchskultur des Alltags steht der Monumentalkultur der Ewigkeit gegenüber. Für den alltäglichen Gebrauch bauten die Ägypter in Lehm, für Bauten der Ewigkeit verwendeten sie Stein. Alltäglich wurde die Kursivschrift verwendet, für die Ewigkeit wurde in Hieroglyphen geschrieben.

Die Zweiwertigkeit kennzeichnet unser Denken seit ca. 3100 v. Chr., seit der 1. Dynastie im Alten Ägypten. Die Frage nach der Wahrheit wurde erst später gestellt.

Wahrheit - seit wann ist das eine Frage?

Echnaton - Aufklärer, Bilderstürmer, erster Religionsstifter. Echnaton war ein Pharao des alten Ägyptens während der 18. Dynastie im Neuen Reich, ca. 1350 v. Chr. Er veränderte die Vorstellung des “Sonnenlaufs” von einer gemeinsamen Handlung vieler Götter zu einer einsamen Handlung eines Gottes.

Echnaton glaubte das eine Prinzip entdeckt zu haben, den einen Gott, aus dem die Welt hervorging - den Sonnengott Aton, die lebendige Sonne. Echnaton offenbarte nicht moralische Gesetze, er erkannte, daß sich alles auf Licht und Zeit und damit auf die Sonne zurückführen ließ.

“Das war keine Frage von ‘Treue’ oder ‘Eifersucht’ (qn’), [...] sondern von Wissen und Wahrheit, also ein kognitiver Durchbruch.” (Jan Assmann) Echnaton hat als erster die Unterscheidung von “wahr” und “falsch” eingeführt.

Dies ist nicht so zu verstehen, daß die alten Ägypter vor Echnaton 1+1 zu 3 addierten, weil sie ja nicht wußten, was wahr und falsch ist. Auch der Schmied konnte seine Erfolge beim Schwert schmieden wiederholen und wußte, was passiert, wenn er seinen Stahl nicht stark genug erhitzte, bevor er ihn schmiedete.

Das betrifft die Unterscheidung zwischen richtig und falsch im Bereich des Handeln und diese gibt es überall. Den Anspruch auf Wahrheit erhob als erster Echnaton. Er verkündete eine “richtige Lehre” (Orthodoxie), die zwischen wahr und falsch in der Religion unterschied.

Mag es an der Radikalität und Schnelligkeit von Echnatons Umsturz liegen oder an der Ungeheuerlichkeit der Lehre - jedenfalls verwischten die alten Ägypter die Spuren und schrieben die Geschichte um. Die Idee eines einzigen Prinzips tauchte ca. 700 Jahre später wieder auf. Im antiken Griechenland (ca. 800146 v. Chr.) entstand der Begriff “Philosophie” - philosophia, die “Liebe zur Weisheit” oder “Freund der Einsicht” - von griech. philia (Liebe) oder philos (Freund) und sophia (Tüchtigkeit, Einsicht, Weisheit).