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Sie sehnt sich nach einem Erlebnis mit einem etwas reiferen Mann. Ohne langes Herumreden soll er ihr zeigen, wo es langgeht. Doch dieses Bauchgefühl, als sich genau so einer meldet, hört nicht auf. Erträgt sie seine Launen noch länger - oder bleibt sie nur wegen des Geldes?
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Seitenzahl: 37
Veröffentlichungsjahr: 2022
Sie sehnt sich nach einem Erlebnis mit einem etwas reiferen Mann. Ohne langes Herumreden soll er ihr zeigen, wo es langgeht. Doch dieses Bauchgefühl, als sich genau so einer meldet, hört nicht auf. Erträgt sie seine Launen noch länger – oder bleibt sie nur wegen des Geldes?
Dieser Mann, ihr gegenüber an diesem Tisch, starrte sie nicht einmal wirklich an. Er ließ eher den Blick über die Terrasse und die Landschaft schweifen. Vielleicht lag ihr irgendwas im Magen, aber dieses Gefühl hatte sie schon auf dem Weg hierher gespürt. Sein Anzug gefiel ihr, und vielleicht sollte sie einfach noch irgendwas bestellen. Seine Finger begannen auf der Tischplatte zu trommeln, und sie musste irgendwas sagen! Er … blickte wieder zu ihr.
„Möchtest du vielleicht noch was trinken?“, fragte er.
„Ja, oder … ich sollte dann vielleicht …“
Kathy sollte gar nichts, und ganz besonders sollte sie noch bleiben! Seit er ihr zurückgeschrieben hatte, war das Kribbeln tief in ihr nicht verschwunden. Sie sollte mit ihm mitgehen, und bei ihm zuhause konnte sie sich immer noch herausreden. Er wohnte ganz in der Nähe, hatte er gesagt, oder? Oder würde er sie nicht fragen, ob sie noch mitkommen wollte? Sie musste das tun! Das war sicher der erste Test.
„Ich meine, wir könnten …“, setzte sie fort und sah ihn direkt an.
„Ja? Du meinst, du möchtest vielleicht … bei mir noch was … trinken?“
„Genau, das wäre … eine gute Idee!“
Es gefiel ihr, wie er „trinken“ betonte und sie dabei wieder nicht ganz direkt angesehen hatte. Auch ihre Antwort war anscheinend passend und nicht zu voreilig gewesen. Sein Blick schweifte erneut in Richtung des nahen Villenviertels. Wenn es stimmte, was er geschrieben hatte, war er 46. Die wenigen grauen Strähnen in seinem sonst ziemlich schwarzem Haar sahen noch besser als auf dem Bild aus. Sie hatte doch die ganze Zeit einen etwas reiferen Mann treffen wollen. Niemand mehr, der auch erst 21 oder 22 war und noch nicht ganz wusste, was er wollte.
Dann hätte sie aber auch ruhig nach anderer Kleidung als glänzenden, schwarzen Lackstiefeln und solchen Sachen suchen können. Ihr T-Shirt war doch auch zu ausgezerrt und ihr Röckchen viel zu knapp. Andererseits, schon sein erster Blick bei diesem Treffen hatte ihr gefallen. Sie mochte eben solche Sachen, wenn es nicht gerade in einer Tanzschule war.
Ganz beiläufig winkte er nun doch den Kellner heran, um noch beiläufiger die Rechnung zu bezahlen. Wie viel Trinkgeld gab der da bitte? Rasch stand er auf – und sie zögerlicher. Ging das nicht alles zu schnell? Er würde doch nicht … auch für sie ein Trinkgeld haben? Nun ja, vielleicht symbolisch. Dieses Erlebnis, wo ihr ein Typ einmal Geld angeboten hatte, hatte sie bei diesem Treffen lieber nicht erwähnt. Da war doch nichts passiert, außer dass sie ihren BH abgelegt und ein wenig mit der Hand ausgeholfen hatte.
Er trat auf die Straße, wartete auf sie – und sie folgte ihm. Zu diesem breiten Weg, der sich einen sanften Berghang hinaufschlängelte und im dichten Nadelwald verschwand. Nach der ersten Kurve tauchte eine stattliche Villa zwischen den Bäumen auf. Eine Privatstraße führte vom großen, schmiedeeisernen Tor zum Eingang. Wer dort wohl wohnte? Aber er ging weiter. Wohnte er wirklich hier, ein Stück weiter oben?
Sie hätte sich genauso mit jemand in ihrem Alter treffen können. Doch was ihr da stets über den Weg lief, ließ sie viel zu oft erschaudern. Ja, ein bisschen ein Hintergedanke war bei ihm hier schon gewesen. Sie war sich noch nicht sicher, ob sie einen Plan hatte oder einfach so jemand treffen wollte, doch Geld schien er zu haben. Nach der nächsten Biegung stand sie mit ihm vor einem großen, langgestreckten Gebäude, bei dem ihr sofort die Verzierungen oben auf der Fassade ins Auge fielen. Die Villa thronte offenbar am höchsten Punkt der Anhöhe und war von einem hohen Zaun umgeben. Niemand anders war hier, und außer den Nadelbäumen im Hintergrund gab es nicht viel in der Nähe. Von der Hauptstraße und der Gegend, wo etwas los war, ein schönes Stück entfernt.
Er hantierte mit einem Schlüssel herum, und die beiden Flügel des Tores öffneten sich langsam nach innen. Kathy bemerkte die oben am Zaun montierte Kamera und folgte ihm auf dem Weg aus feinem Kies. Die Hecke an der Grundstücksgrenze zeigte sich streng geradlinig geschnitten, die Büsche in der Rasenfläche hingegen kugelförmig. Sicher gab es hier einen Gärtner, klar. Beinahe vermisste sie einen Pfau.
