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Sie ist an einer sehr großen Sache dran. Doch bevor sie zu tief in irgendwas hineingerät, kassiert sie lieber ihr Honorar und verschwindet von hier. Vielleicht sollte sie das mit diesem Mann, der anscheinend etwas von ihr will. Sie sollte nur aufpassen, nicht wieder in etwas zu geraten ...
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Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2022
Sie ist an einer sehr großen Sache dran. Doch bevor sie zu tief in irgendwas hineingerät, kassiert sie lieber ihr Honorar und verschwindet von hier. Vielleicht sollte sie das mit diesem Mann, der anscheinend etwas von ihr will. Sie sollte nur aufpassen, nicht wieder in etwas zu geraten …
Seit einer Viertelstunde redete der Typ schon wieder so herum, als ginge es um die Bergung eines außerirdischen Raumschiffes. Langsam glaubte Lisa das wirklich, und langsam nervten die Sicherheitskontrollen bei den Besprechungen. Bevor der merkte, dass sie einen anderen Mann ansah, blickte sie lieber wieder nach vorne.
„Das Projekt läuft nun seit über einem Jahr“, holte der Vortragende aus und zeigte auf eine Grafik. „Die Bauarbeiten kommen gut voran. Doch …“
Sie sah alles wieder vor sich, bevor er es aussprach. Die waren auf irgendwas gestoßen, da gab es Schwierigkeiten mit dem Untergrund – und war ihr Honorar als Beraterin überhaupt schon gebucht? Noch eine Grafik erschien auf der Projektionswand – und merkten die nicht, wie viel Geld die hier versenkten?
Langsam sollte sie hier verschwinden – und schon wieder bemerkte sieden Blick dieses Typen, der schräg gegenüber von ihr saß. Schon einige Male hatte er in letzter Zeit gemeinsam mit ihr diese Besprechungen besucht. Viel wusste sie nicht von ihm, außer seinen Namen. Patrick, vom Aufkleber auf seiner Mappe, und dass er 28 war. Gesagt hatte er an diesem Tag schon wieder nichts, aber so schüchtern sah er auch wieder nicht aus. Aber die Art, wie er sie manchmal beiläufig ansah und vielleicht glaubte, sie merkte es nicht …
„Können Sie mir folgen, Frau …?“, riss sie der Vortragende aus ihren Gedanken.
„Ja“, unterbrach Lisa, „also nach allen Informationen sollten wir den Weiterbau einmal unterbrechen und vor Ort Nachforschungen anstellen. Wenn Sie mir aber alle Unterlagen schicken würden …“
„Das bleibt unter Verschluss. Aber ich erwarte ein Ergebnis, das wir den Medien schicken können.“
„Ja, das kann ich machen, aber wie gesagt …“
„Die Leute stellen schon zu viele Fragen!“
Allgemeines Gemurmel kam auf und verstummte nicht mehr. Dann konnte sie für diesen Tag wohl schon ihre Sachen zusammenpacken. Die meisten strömten auf den Gang – nur dieser Patrick blieb noch eine Weile stehen. Er war kaum größer und noch ein wenig schlanker als sie. Hatte sie ihm nicht bereits öfters zugelächelt? Viel mehr war jedenfalls nicht passiert. Sein Auftreten schien nicht so recht zu seiner relativ wilden, eher langhaarigen Frisur zu passen.
„Und …“, murmelte er mit halb abgewandtem Blick zu Lisa.
„Ja, was denn?“
„Wie … wird das weitergehen?“, fragte er und spielte mit seinen Fingern herum.
Lisa war nun mit ihm allein auf dem Gang, auf den durch die Fenster das nachmittägliche Licht der Sonne fiel.
„Hast du heute schon etwas vor?“, sagte Patrick zu Lisa. Sie blickte ihm direkt in die Augen und reagierte mit einem erfreuten Gesichtsausdruck und langen Lächeln. Was war mit dem auf einmal los? Aber gut, sie hatte noch nichts vor.
„Wie wäre es, wenn wir … noch etwas trinken gehen?“, antwortete sie.
„Mit denen?“
„Ich weiß nicht – mit der ganzen Runde, die nur ihr Bier saufen wollen?“
„Also ich trinke schon ganz gern manchmal eines“, wandte Patrick ein.
„Ja, wenn, dann würde ich auch fast lieber mit dir allein.“
„Ach so?“
„Ich weiß da ein nettes Lokal – also so lange es noch schön warm ist …“, schlug Lisa vor und war fast schon dabei gewesen, ihr Gegenüber an der Hand zu nehmen.
Sie durchschritt mit ihm die breite Passage, die vom Geschäftsviertel aus zum Flussufer führte. Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten, doch die Sonnenstrahlen vermochten immer noch genug zu wärmen. Viele Leute lagen in den Grünflächen herum oder saßen in den Gastgärten der Lokale. Auch Patrick hatte hier wohl schon einmal Paare gesehen, die ganz beiläufig die Uferpromenade entlang spazierten. Aber wahrscheinlich sah er lieber nicht direkt hin und ging noch ein Stück weiter weg von Lisa.
Da war dieses Lokal, und sie betrat zuerst den Garten und nahm Platz, an einem der Tische zwischen den großen, alten Kastanienbäumen. Zwar waren sie mit ihm fast allein hier, aber trotzdem nahm bald jemand ihre Bestellung auf.
„Glaubst du wirklich, dass sie das Projekt abbrechen werden?“, begann er erneut eine Unterhaltung.
„Wäre ja nicht die erste Investitions-Ruine … was die da schon verbaut haben“, antwortete sie, nachdem sie sich etwas nervös umgesehen hatte, ob sie wirklich allein waren.
„Stimmt es jetzt … dass die da sehr wertvolle Sachen entdeckt haben?“
„Die müssen schon sehr wertvoll sein, wenn sie es deswegen abbrechen wollen. Nein, da muss was faul sein.“
Patrick saß da und schob seine Hände langsam über den Tisch. „Stimmt es, dass du nächste Woche wegfährst?“, setzte er fort.
„Ja, das habe ich geplant. Das Wetter soll auch passen.“
„Jetzt wo du es sagst …“
