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Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Diesen Titel gibt es nur als E-Book. E-Book 1: Schöne Nymphen E-Book 2: Die Seejungfrauen E-Book 3: Parker in der Klemme E-Book 4: Vollgas E-Book 5: Am Rande zum Jenseits
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Seitenzahl: 624
Veröffentlichungsjahr: 2020
Schöne Nymphen
Die Seejungfrauen
Parker in der Klemme
Vollgas
Am Rande zum Jenseits
Parker war recht angetan von jener reizenden Nymphe, die nicht weit entfernt vom Boot sich in den Fluten des Pazifik tummelte und jetzt verspielt-kraftvoll auf ein noch leeres Schwimmfloß zuhielt. Sie fühlte sich völlig unbeobachtet, der aber ignorierte den Butler, der stocksteif, wie es seiner Art entsprach, im Heck des Kabinenkreuzers saß.
An sich wäre der Butler einige Blicke wert gewesen. Trotz der sengenden Nachmittagshitze trug er zur gestreiften Hose den pechschwarzen Zweireiher, eine schwarze Melone und den Eckkragen mit der schwarzen Krawatte. In Griffweite lag ein altväterlich gebundener Universal-Regenschirm, von dem er sich eigentlich nie trennte und von dem sein junger Herr ironisch behauptete, er würde ihn sogar mit ins Bett nehmen.
Trotz der Glut, die vom Himmel zu tropfen schien, war auf dem glatten Pokergesicht des Butlers kein einziges Schweißtröpfchen zu sehen. In seinem Innern schien eine präzis eingestellte Kühlmaschine auf Hochtouren zu arbeiten.
Die Nymphe hatte inzwischen das Schwimmfloß erreicht, schwang sich auf die Planken, richtete sich auf und dehnte und reckte sich. Sie sah bezaubernd aus. Sie trug einen äußerst knappen, sehr französischen Bikini, der kaum noch etwas verhüllte. Sie konnte sich diesen Bikini unbedingt leisten, wie der Butler mit Sach- und Fachkunde feststellte. Sie war mittelgroß, schlank, ohne dabei aber mager zu sein, besaß all jene Rundungen, auf die es ankam, und dazu noch die selbstverständliche Geschmeidigkeit eines jungen Tieres.
Jetzt hatte sie den Butler ausgemacht.
Sie hielt die Hand vor die Augen, um gegen die Sonne besser sehen zu können. Dann lächelte sie amüsiert. Und dieses Lächeln galt bestimmt dem Aufzug, in dem Parker sich bewegte. Dann winkte sie lässig und ließ sich hinunter auf die Planken gleiten. Sie verschränkte die Arme unter dem Kopf, winkelte das rechte Bein an und wurde zu einer unbeweglichen Statue, die sich von der Sonne rösten ließ.
Parker verstieß im Grund gegen seine Prinzipien in Hinsicht Takt und Diskretion, denn er griff nach seinem Feldstecher und richtete die Optik mehr als ungeniert auf die junge Bikini-Schönheit, die seiner gekonnten Schätzung nach etwa fünfundzwanzig Jahre alt sein mochte. Er bekam sie scharf ins Bild und löste dann auf dem Umweg über einen Knopfdruck ein Foto aus. In Parkers Feldstecher befand sich, was eigentlich schon selbstverständlich war, ein eingebauter Fotoapparat. Dieses Gerät hatte ihm in der Vergangenheit schon häufig recht wertvolle Dienste geleistet.
Parker schoß insgesamt drei weitere Aufnahmen, zumal die junge Dame sich nun beobachtet fühlte und sich aufgerichtet hatte. Sie winkte ihm erneut zu und amüsierte sich. Sie sah in Parker wohl einen alten Lebemann, der sich an den schwungvollen Linien eines jungen Körpers erfreuen wollte.
Im Gegensatz zu Parker sah sie die Nixe, die wenige Meter hinter dem Heck des Bootes auftauchte, in dem Parker saß. Diese Nixe trug Maske und Luftschlauch. Sie versorgte sich mit Sauerstoff aus einer Preßluftflasche, was alles noch als normal zu bezeichnen gewesen wäre.
Daß sie aber die Unterwasserharpune auf Parker richtete, war schon nicht mehr normal. Und auch von einem dummen Zufall konnte keine Rede mehr sein. Sie schien es darauf abgesehen zu haben, Parker, die Harpune in den Rücken zu jagen.
Und die Nymphe auf dem Floß, die dies alles deutlich sehen mußte, winkte nur lächelnd und harmlos …
*
Anwalt Mike Rander unterhielt sich um diese Zeit mit Herbert F. Anders, dem Präsidenten der Handelskammer von Los Angeles. Anders, ein großer, massiger Mann, etwa sechzig Jahre alt, mit wasserblauen, wachen Augen, hatte sich in Rage geredet.
„… ganz klarer Fall, Mister Rander, daß wir es hier im Bereich unserer Handelskammer mit organisierter Spionage zu tun haben. Ein Zweifel ist da völlig ausgeschlossen. Die Alarmmeldungen der angeschlossenen Firmen häufen sich Und wir stehen nach wie vor vor einer Wand. Wir haben nicht die geringste Ahnung, wie die Unterlagen über Forschungsergebnisse, Entwicklungen und Produktionstechniken beschafft werden.“
„Was sagt die Polizei?“ Mike Rander, der einen saloppsitzenden, hellgrauen Anzug trug, saß Anders gegenüber, und rauchte eine Zigarette. Er dachte an seinen Butler und an gewisse Vorbereitungen, die er und Parker bereits getroffen hatten. Dieses Gespräch hier mit Präsident Anders diente nur dazu, vertragliche Dinge zu regeln. In solchen Sachen war Mike Rander, der ja schließlich Anwalt war, sehr genau.
„Die Polizei ermittelt nun schon fast fünf Monate“, entgegnete Präsident Anders, „sie ist bisher, keinen Schritt vorangekommen. Alle Spuren verliefen im Sand. Unsere einzige Rettung sind Sie, Mister Rander.“
„Sprechen Sie lieber mit meinem Butler und halten Sie sich an ihn, Mister Anders!“ Rander lächelte. „Parkers Hobby ist die Klärung von Kriminalfällen aller Art. Und bisher hat er es eigentlich immer noch geschafft.“
„Ihr Butler?“ fragte Anders gedehnt zurück. Auch er hatte zu Hause einen Butler, doch der hatte nichts anderes zu tun, als zu servieren.
„Mein Butler“, bestätigte Rander sicherheitshalber noch einmal. „Sie werden ihn eines Tages kennenlernen, denke ich. Aber zurück zu Ihren Sorgen. Haben Sie eine Liste der Firmen, die bisher geschädigt worden sind?“
„Diese Liste ist von meiner Privatsekretärin schon vorbereitet worden.“
„Wie sind die ausspionierten Dinge ans Tageslicht gekommen. Mister Anders?“
„Sehr einfach. Wenn die geschädigten Firmen ihre internationalen Patente anmelden wollten, lagen bereits fast gleichlautende Patentanmeldungen vor oder waren sogar schon erteilt worden. Immer mit einem Vorsprung von nur wenigen Wochen. Sie können sich die Verwicklungen, Rechtsstreitigkeiten und Vergleiche ja wohl vorstellen. Wir müssen diesem Treiben endlich ein Ende bereiten, Mister Rander.“
„Besteht in Ihrem Haus ein bestimmter Verdacht? Oder vielleicht nur ein vager?“
„Ich sagte schon, wir stehen vor einem Rätsel, Mister Rander. Und ich kann Ihnen nicht mit dem kleinsten Hinweis dienen. Wären Sie bereit, diese Aufgabe zu übernehmen?“
„Um ehrlich zu sein, Mister Anders, an diesem Fall arbeiten mein Butler und ich bereits.“
„Wie bitte?“ Anders’ Stimme klang gedehnt.
„Wir arbeiten bereits an diesem Fall“, erklärte Rander erneut. „Eine der geschädigten Firmen hat sich bereits mit Parker und mit mir in Verbindung gesetzt.“
„Darf man fragen, um welche Firma es sich da handelt?“
„Aber selbstverständlich. Es ist die Universal Painting Company, drüben in Burbank.“
„Ich verstehe. Gerade diese Firma ist ungemein geschädigt worden. Sie arbeitete an einem Lack, der Muschelbildung in tropischen Gewässern absolut verhindert. Für die internationale Schifffahrt von einmaliger Bedeutung. Denken Sie an die Rumpfüberholung der Schiffe, die schon nach wenigen Pazifikfahrten notwendig ist. Diese Millionenkosten sind nun einzusparen!“
„Dieser Lack war noch nicht restlos fertig“, gab Rander zu bedenken. „Er stand dicht vor der letzten Formel!“ „Diese letzte Zusammensetzung wird gefunden werden, verlassen Sie sich darauf!“ Anders nickte nachdrücklich. „Diejenigen Gruppen, die die bisherigen Formeln zu diesem Lack auf gekauft haben, werden auch den Rest schaffen.“
„Sieht so aus“, meinte Rander zurückhaltend.
„Können Sie dennoch für die Handelskammer tätig werden, obwohl die Universal Painting Company bereits Ihr Vertragspartner geworden ist?“
„Die Firma ist einverstanden. Über die Kosten werden wir bei Erfolg noch sprechen, Mister Anders. Mein Büro in Chikago wird Ihnen die Verträge zusenden.“
„Und wann, glauben Sie, könnten Sie diesen Spionagering gesprengt haben? Um solch einen Ring handelt es sich nämlich, das ist meine feste Überzeugung.“
„Wegen des Termins werde ich mit meinem Butler sprechen“, schloß Mike Rander die Unterhaltung. „Vielleicht nennt er einen Termin, der uns alle überrascht!“
„Rechnen Sie mit Mord?“ erkundigte sich Anders vorsichtig. „Hier dürften Gegner sein, die keine Rücksichten kennen.“
„Mit Mord sollte man in diesem Beruf eigentlich immer rechnen“, antwortete Rander lächelnd, „aber an Drohungen gewöhnt man sich mit der Zeit. Versuche dieser Art haben sogar einen großen Vorteil …“
„Sie sehen darin einen Vorteil?“ Anders wunderte sich.
„Natürlich!“ Mike Rander stand auf und ging zusammen mit Anders hinüber zur Tür des großen, imposant eingerichteten Büros. „In solch einem Fall verläßt der bisher unbekannte Täter nämlich seine Deckung und setzt die ersten Spuren.“
„Geht diese Rechnung immer auf?“ fragte Anders.
„Nur dann, wenn man solch einem Mordanschlag nicht zum Opfer fällt“, schloß Mike Rander, „aber dagegen kann man ja etwas tun!“
*
Die Unterwassernixe korrigierte noch einmal die Richtung und feuerte dann ihre Harpune ab.
In Sekundenbruchteilen zischte sie durch die Luft. Direkt auf den Rücken des Butlers zu.
Bevor sie allerdings zu treffen vermochte, hatte der Butler sich entschlossen, den Gruß der Nymphe auf dem Wasserfloß zu beantworten. Dazu hatte er nach seiner Melone gegriffen, sie höflich gelüftet und dabei eine dezente Verbeugung angedeutet.
Und genau diese leichte Verbeugung rettete ihm das Leben, ruinierte dafür aber seinen schwarzen Zweireiher. Die Harpune zischte über sein linkes Schulterblatt hinweg und riß das Jackett auf. Parker, der zwar völlig überrascht wurde, rutschte sofort gekonnt in sich zusammen, ohne dabei allerdings überhastet zu wirken. Seine Bewegungen blieben würdevoll und gemessen.
Die etwas aus der Richtung gekommene Harpune landete im splitternden Holz des niedrigen Kajütenaufbaus und blieb federnd und zitternd stecken.
Die Nymphe im Hintergrund schien noch gar nichts mitbekommen zu haben. Sie winkte allerdings nicht mehr, sondern kniete nieder und verlor jedes weitere Interesse an Parker.
Der Butler war indigniert, als er die Harpune begutachtete. Sie hätte vollkommen ausgereicht, ihn zu durchbohren. Und sie war in voller Absicht auf ihn abgefeuert worden. Daher blieb der Butler erst einmal in Deckung und wartete der Dinge, die da wahrscheinlich noch kommen mußten.
Er brauchte nicht lange zu warten.
Neben dem Bootsrumpf hörte er ein zusätzliches Plätschern, dann ein schnelles, heftiges Atmen. Ein nackter Unterarm langte über den Bordrand, dann stemmte sich ein nackter Oberarm auf und anschließend war das Rüsselgesicht eines Unterwasserschwimmers zu sehen.
Parker genierte sich nicht lange.
Er griff herzhaft und mit Nachdruck zu.
Ein erschreckter Aufschrei war zu hören. Heftiges Wehren erfolgte. Doch der Butler, ließ sich nicht beeindrucken. Er brauchte sich noch nicht einmal sonderlich anzustrengen, um die Nixe zu bergen.
Strampelnd landete sie an Bord, blieb einen Moment lang auf dem Boden des Außenborders liegen, um dann aber wütend aufzuspringen. Dabei griff die erstaunlich gut gewachsene Nixe nach ihrem scharfen Kappmesser.
„Ich muß feststellen, Madam, daß Ihre Haltung die notwendige Würde vermissen läßt“, sagte Parker und griff seinerseits nach seinem Universal-Regenschirm.
„Ich, ich bringe Sie um!“ keuchte die Nixe, die das Mundstück des Atemgeräts ausgespuckt hatte, aber noch die Preßluftflasche trug, die sie behinderte. Die langen Flossen an den Füßen der jungen Schwimmerin waren ebenfalls ungeeignet, auf das Tempo zu drücken.
„Ich möchte unterstellen, daß Sie diesen Versuch bereits unternahmen“, sagte Parker und ließ die Spitze seines Regenschirms nach vorn schnellen.
Die Nixe wich zurück, wollte sich aber erneut auf den Butler stürzen. Parker, dem Auseinandersetzungen dieser Art verhaßt waren, wußte sich zu helfen. Erneut schnellte die Spitze des Regenschirms vor.
Die Nixe merkte zuerst überhaupt nicht, was sich getan hatte. Dann allerdings stieß sie einen erstickt-überraschten Aufschrei aus und fingerte hastig nach ihrem kleinen, fest sitzenden Büstenhalter, der nun nicht mehr fest saß. Die Regenschirmspitze hatte einen Träger gelöst, worauf die Gesamtkonstruktion nachgab.
„Ich bedaure außerordentlich, daß ich zu diesen Maßnahmen greifen mußte“, murmelte der Butler leicht verschämt. „Bitte, zwingen Sie mich nicht, auch weiterhin auf diesen! Spezialgebiet tätig zu werden!“
Ob die Nixe überhaupt zuhörte, war mehr als fraglich. Sie kämpfte mit dem Büstenhalter, vergaß darüber ihr Kappmesser und war nur noch eine junge Frau, die ein gewisses Schamgefühl zeigte.
„Falls es Ihnen hilft, Madam, könnte ich Ihnen eine Sicherheitsnadel verschaffen“, sagte der Butler, seine Dienste anbietend.
„Scheren Sie sich zum Teufel“, fauchte sie gereizt und entschloß sich, die Arme vor der Brust zu kreuzen, da der Träger nicht mehr zu reparieren war.
„Ich kann verstehen, Madam, daß Sie einem alten, müden und verbrauchten Mann gram sind“, gab der Butler gemessen zurück, „aber ich kann nicht verstehen, warum Sie mich umbringen wollten.“
Sie erinnerte sich wohl ihres Auftrages.
Sie wollte wieder aufspringen und nach dem Kappmesser greifen. Aber dann besann sie sich im letzten Moment auf ihr fehlendes Kleidungsstück und blieb sitzen.
„Dafür werden Sie noch büßen“, verhieß sie und sah sich dabei unentschlossen in der Runde um. Wartete sie auf Hilfe? Trieb sich eine weitere Nixe im Wasser herum?
Parker gestand sich ein, daß er von der jungen Dame abgelenkt worden war. Es wurde höchste Zeit, Zusätzliches für seine Sicherheit zu tun.
„Dort!“ sagte er, als habe er gerade etwas entdeckt. Gleichzeitig wies er mit dem Regenschirm auf den weiten Pazifik hinaus. Die halb entblößte Nixe fiel auf diesen Trick herein und nahm den Kopf herum.
Nun hatte der Butler Zeit und Gelegenheit, seinen Feldstecher noch einmal einzusetzen. In knapp einer Sekunde hatte er nun auch die junge Unterwassernixe fotografiert.
Sie merkte wohl, daß etwas nicht stimmte. Sie hatte wohl eingesehen, daß ihr nur noch die Flucht blieb. Sie schnellte plötzlich hoch und warf sich rücklings ins Wasser. Rauschend schlug das Wasser über ihr und dem Preßluftgerät zusammen. Sie ging sofort auf Tiefe und verschwand aus Parkers Sicht.
Der Butler barg die Harpune, schüttelte indigniert den Kopf und betrachtete sich auch das zurückgelassene Kappmesser. Mit solch einem Angriff hatte er keineswegs gerechnet. Gewisse Kreise schienen also sehr daran interessiert zu sein, ihn so schnell wie möglich ins Jenseits zu befördern. Die bisher entdeckten und aufgenommenen Spuren mußten demnach gut sein.
Er hielt Ausschau nach der Nymphe auf dem Floß.
Das Badefloß war leer.
In Richtung Strand entdeckte er die Nymphe, die schnell und kraftvoll auf den weißen Strand zuhielt. Fühlte sie sich wie die Nixe hier draußen nicht mehr sicher?
Parker nahm sich vor, ihr seine Hilfe anzubieten. Vielleicht ließ sie sich dazu überreden, zu ihm ins Boot zu steigen.
Doch ein anderes Boot war wesentlich schneller. Es tauchte aus dem Sonnenglast, der über dem Wasser lag, wie eine Erscheinung auf, preschte an die Schwimmerin heran und verhielt kurz. Dann, mit rauschender Bugwelle, jagte es direkt auf den Außenborder des Butlers zu.
Josuah Parker machte sich keine Illusionen. Situationen dieser Art waren ihm nicht unbekannt. Nun sollte wohl der nächste Versuch erfolgen, ihn ins Jenseits zu befördern. Er war froh, daß er seinen kleinen, schwarzen Spezialkoffer vor diesem Ausflug befragt hatte!
*
Die Absicht wurde immer unverkennbarer.
Das Schnellboot, wesentlich kleiner als der Außenborder, in dem der Butler saß, korrigierte noch einmal seinen Kurs und nahm die Jagd auf. Es kam ungemein rasch näher. Und vorn in der Bootsspitze richtete sich ein Mann auf, der eine Tauchermaske trug, damit man sein Gesicht nicht erkennen konnte. Er hielt eine Maschinenpistole in der Hand und wartete auf seine Gelegenheit. Noch war die Distanz zu groß, um das Feuer zu eröffnen.
Parker hatte nun wirklich keine Lust, sich als Zielscheibe anzubieten, obwohl er sonst ein durchaus gefälliger und höflicher Mensch war.
Er hatte sich ja erfreulicherweise vor der Fahrt aus seinem Spezialkoffer versorgt und wieder einmal die richtigen Utensilien ausgewählt. In solchen Fällen verfügte er erwiesenermaßen über einen ausgeprägten siebten Sinn.
Parker nahm seine schwarze Melone ab und griff in die Wölbung hinein, die mit Stahlblech ausgefüttert war, was von außen natürlich nicht zu sehen war. Er löste einen kugelschreiberlangen Blechzylinder aus einer Spezialhalterung. Dieser Zylinder hatte den Durchmesser einer gewöhnlichen Eieruhr.
Parker verdrehte die beiden Hälften dieses Zylinders gegeneinander und warf ihn dann weit ins Meer, genau zwischen sich und den heranpreschenden Flitzer.
Der Effekt war erstaunlich, fast herzbeklemmend.
Als der Blechzylinder auf dem Wasser aufschlug, platzte er mit einem dumpfen Knall auseinander. Gleichzeitig schoß eine Art Feuerwand hoch von etwa drei Meter Höhe. Dieses Feuer verwandelte sich innerhalb von Sekundenbruchteilen in eine dichte Nebelwand.
Der Flitzer versuchte abzudrehen. Doch dazu war das kleine Boot zu schnell, hatte zu große Fahrt. Es raste in diese Feuernebelwand hinein und zog Feuer an.
Parker hatte beigedreht und wartete darauf, helfend eingreifen zu können. Er hatte sich diese Feuernebelbombe von einem phantasiebegabten Chemiker entwickeln und herstellen lassen. Hier draußen auf dem Pazifik erlebte diese Waffe ihre erste Feuertaufe. Und das in des Wortes wahrster Bedeutung!
Der Flitzer kam aus der Nebelwand heraus und brannte lichterloh. Der Mann, der die Maschinenwaffe in der Hand gehabt hatte, klopfte an seiner rauchenden und brennenden Sommerkleidung herum. Das Boot schlug Haken wie ein verfolgter Hase und erreichte offenes Wasser, ohne daß das Feuer aber erloschen wäre.
Daraufhin entschlossen sich die Insassen, schleunigst ins Wasser zu hüpfen. Zwei Männer und die Nymphe vom Badefloß erledigten das mit erstaunlicher Schnelligkeit. Das führerlose Boot aber jagte hinaus in den Sonnenglast und war bald nicht mehr zu sehen.
Parker umfuhr die Brandstelle und näherte sich den drei Schwimmern, Sie machten einen leicht deprimierten Eindruck.
Parker lüftete seine Melone.
„Darf ich mir erlauben, Ihnen meine Hilfe anzubieten?“ erkundigte er sich.
„Los, Mann, holen Sie uns hier ’raus!“ rief ihm einer der beiden jungen stämmigen Männer verärgert zu, „machen Sie schon!“
„Ladies first“, antwortete Parker zurückhaltend, „die Dame zuerst, wenn ich darauf hinweisen darf …
Sie stand noch unter dem Schock der Ereignisse. Sie streckte ihren Arm hoch und ließ sich von Parker an Bord ziehen. Bei der Gelegenheit stellte der Butler fest, daß der an sich schon knappe Bikini einige Brandlöcher davongetragen hatte. Abgesehen von einigen Brandblasen, die sich bestimmt noch bildeten, war die Frau aber unverletzt. Sie ließ sich erschöpft und beeindruckt auf dem Boden des Bootes nieder und schnappte nach Luft.
„Na, worauf warten Sie noch?“ rief der zweite der beiden Männer böse zu Parker herüber, „wie lange sollen wir noch Wasser treten?“
„Das hängt davon ab, wann man Sie auffischt“, sagte der Butler, „im Interesse der Ruhe und des Friedens muß ich darauf verzichten, Sie an Bord zu nehmen. Ich hoffe, Ihnen ist mit zwei Rettungsringen gedient, die Sie bestimmt über Wasser halten werden!“
Klatschend landeten die beiden angekündigten Rettungsringe neben den Kanalschwimmern. Dann drehte Parker das Boot ab und verließ die Badestelle. Ihn interessierte zur Zeit nur die hübsche Nymphe, die er ja nicht umsonst hinaus aufs Wasser verfolgt hatte …
*
Parker nahm sich Zeit, zum Yachthafen zu kommen.
Die Nymphe mit dem leicht versengten Bikini hatte sich inzwischen von ihrem Schock erholt. Parker hatte ihr ein Badelaken geliefert, in das sie sich einhüllte.
„Was hat das alles zu bedeuten?“ fragte sie mit noch belegter Stimme.
„Zu meinem Leidwesen sehe ich mich außerstande, darauf konkret zu antworten“, sagte der Butler, „Ihnen wird allerdings nicht entgangen sein, daß man die feste Absicht hatte, meine bescheidene Wenigkeit zu ermorden. Und zwar erst auf dem Umweg über eine Unterwasserharpune, dann mittels einer Maschinenpistole!“
„Es, es war schrecklich, als die beiden Männer mich an Bord holten“, gab sie stockend zurück, „sie rissen mich einfach aus dem Wasser. Und dann rasten sie auf Sie zu!“
„Ich möchte als sicher unterstellen, daß Sie die beiden Männer natürlich nicht kannten.“ Parkers Stimme verriet höfliche Ironie.
„Ich hatte sie wirklich vorher noch nie gesehen“, gab sie zurück.
„Darf ich weiter annehmen, daß Sie die Unterwasserschwimmerin ebenfalls nicht gesehen haben?“
„Nein! Wirklich nicht! Wer sind Sie eigentlich?“
„Parker mein Name, Josuah Parker. Ich habe die Ehre, für Mister Rander als Butler meine bescheidenen Kräfte einsetzen zu dürfen.“
„Ich dachte mir gleich, daß Sie Butler sind!“ Sie lächelte schwach. „So wie Sie sehen die Butler immer in Filmen aus.“
„Ich freue mich, daß ich diesen Vorbildern nahekomme, Miß …?“
„May Clark“, stellte sie sich vor, „ich bin Sekretärin.“
„Ein interessanter Beruf“, bemerkte der Butler und verschwieg, daß er ihren Namen bereits seit einigen Tagen kannte. Er verschwieg auch, daß er noch mehr über sie wußte.
„Setzen Sie mich doch am Landungssteg ab“, bat sie, „für heute ist mir die Lust an meinem freien Nachmittag vergangen.“
„Ich werde Sie selbstverständlich nach Hause bringen“, schlug Josuah Parker vor.
„Nein! Nein!“ Sie schüttelte hastig den Kopf, „ich komme schon allein zurecht, Mister Parker. Vielen Dank noch einmal für Ihre Hilfe!“
„Darf man fragen, für welche Firma Sie tätig sind?“
„Für die Universal Painting Company“, antwortete sie. Dabei sah sie ihn etwas unsicher und irgendwie lauernd dazu an. „Sie werden diese Firma bestimmt nicht kennen.“
„Ich erinnere mich schwach, diesen Firmennamen schon einmal gehört zu haben“, meinte der Butler leichthin. „Bestehen Sie darauf, die Polizei zu informieren? Ich meine, was diesen schrecklichen Vorfall auf dem Wasser angeht?“
„Warum eigentlich?“ Sie lächelte etwas müde, „das gibt doch nur unnötige Fragen, die nichts einbringen. Wenn Sie nicht darauf bestehen. Mister Parker, dann könnten wir eigentlich …“
„Ich schließe mich Ihrer Meinung selbstverständlich an“, sagte Parker.
„Und ich möchte Sie doch bitten, mich nach Hause zu bringen“, schlug sie nun überraschend vor. „Irgendwie habe ich Angst. Ich muß immer wieder an diese beiden schrecklichen Männer denken. Mit ihren Tauchermasken sahen sie schauderhaft aus.“
„Es wird meiner bescheidenen Person eine Ehre und ein Vergnügen sein. Sie zu begleiten“, bedankte sich Parker.
*
Das junge Paar im kleinen Sportwagen hatte sehr mit sich zu tun. Die Umwelt schien vergessen zu sein. Sie hatten die Köpfe zusammengesteckt und sprachen leise miteinander. Und beobachteten dabei die Zufahrt zum Yachthafen von Long Beach.
„Da kommen sie!“ flüsterte die junge Dame und küßte ihren Begleiter zärtlich und mit Hingabe. Dann gluckste ein Lachen in ihr hoch und schüttelte sie wenig später. Sie drückte ihren Begleiter zurück, schüttelte nicht begreifend den Kopf und sagte: „Das kann doch nicht wahr sein. Sieh dir das Möbel an, Jeff!“
Jeff riskierte ebenfalls einen Blick und weitete die Augen.
„Das sowas überhaupt noch fährt!“ meinte er dann verwundert und verfolgte das Vehikel mit seinen Augen, das dort auf fast lastwagengroßen Rädern vorbeirollte.
Es handelte sich um Parkers Privatwagen, ein ehemaliges Taxi aus London, das nach seinen speziellen Wünschen umgebaut worden war. Dieser Wagen war im Grund eine einzige Überraschung auf Reifen. Entsprechend dem starken Rennmotor war auch das Fahrgestell nachträglich ausgelegt worden. Die Unzahl der kleinen Hebel, Kippschalter und Bedienungsknöpfe auf dem Armaturenbrett lösten ganz nach Wunsch diverse Überraschungen aus.
Äußerlich gesehen schienen die Motten an diesem Gefährt genagt zu haben. Der eckige, kastenförmige Aufbau, typisch für die Taxis in London, war vom Rost angefressen und notdürftig wieder instandgesetzt worden.
Am Steuer dieses Monstrums – anders war dieser Wagen beim besten Willen nicht zu bezeichnen – saß Josuah Parker in seiner bereits bekannten, stocksteifen Haltung. Der Universal-Regenschirm stak in einer Klemmvorrichtung seitlich neben dem Steuer. Und neben Parker hatte es sich die Nymphe May Clark bequem gemacht. Sie sah etwas unglücklich aus. Solch einen Wagen hatte sie ganz sicher nicht erwartet.
„Scheint draußen nicht geklappt zu haben“, stellte Jeff Halton fest, „der Kerl lebt ja noch!“
„Und sieht verdammt gesund aus“, erklärte Joyce Stafford in etwas rüder Sprache, „was mag da draußen passiert sein?“
„Werden wir gleich wissen. Wir hängen uns an den Schnüffler, klar?“
Er wartete die Antwort nicht ab, ließ den Motor anspringen und verfolgte das hochbeinige Monstrum, das sie bereits passiert hatte. Dabei hatte May Clark ihnen einen schnellen, etwas hilflosen Blick zugeworfen, der in Anbetracht der Lage sogar verständlich war.
Jeff Halton und Joyce Stafford hätten überhaupt keine Mühe, Parkers Wagen zu folgen. Er bewegte sich scheinbar mühevoll durch den Verkehr und schien auf dem letzten Loch zu pfeifen.
„Er bringt May nach Hause“, stellte Joyce Stafford nach zehn Minuten Verfolgung fest, „was meinst du, Jeff, versuchen wir’s dann? Kann doch nicht besonders schwer sein!“
„Und ob wir es versuchen werden.“ Jeff Halton grinste, „damit verschaffen wir uns bei der Leitung Pluspunkte, die sich gewaschen haben. Gib das mal durch! Die Leitung muß Bescheid wissen, was wir Vorhaben!“
Joyce Stafford ließ sich tiefer in den Sitz gleiten und griff nach dem Autotelefon …
*
Mike Rander hatte es sich in seinem Hotelzimmer bequem gemacht. Er bewohnte einen kleinen Doppelbungalow in Strandnähe und hatte von der Terrasse aus einen wunderbaren Blick hinüber zum Sandstrand. Dennoch herrschte hier im Hotelpark, in dem die Bungalows standen, Ruhe. Zur Straße hin wurde das Grundstück durch eine niedrige Mauer mit hoher Hecke abgeschirmt.
Rander ging methodisch vor.
Nach seinem Besuch bei Herbert F. Anders, dem Präsidenten der Handelskammer, hatte er sich die Liste der bisher geschädigten Firmen aushändigen lassen. Diese rief er nun der Reihe nach an und sprach mit den betreffenden Firmenleitern. Er bereitete damit den Boden vor. Er stellte sich als Rander vor, sprach von seiner Unterhaltung mit Anders und ließ deutlich werden, daß er den Industriespionen ans Leder wollte.
Verständlicherweise waren die Antworten erst einmal zurückhaltend. Mike Rander bat seine Gesprächspartner, sich umgehend mit Anders in Verbindung zu setzen, damit seine Identität geklärt wurde. Anschließend wollte er sich erneut melden und dann Termine ausmachen. Mike Rander ging es darum, gewisse Interna der Firmen zu erfahren. Dazu brauchte er Vertrauen auf der Gegenseite und freie Hand.
Nach etwa sechs Anrufen gönnte er sich eine kleine Pause und ließ sich per Telefon mit der Hotelbar verbinden. Er bat um frischen, heißen Kaffee. Er lehnte sich im Sessel zurück und zündete sich eine Zigarette an.
Was wird Parker machen, fragte er sich. Ob es ihm gelungen ist, den gesuchten, ersten Kontakt herzustellen?
Es klopfte an der Tür.
„Herein!“ Rander rechnete mit dem heißen Kaffee und drehte sich nicht weiter um. Er spähte hinaus zum Strand und zuckte zusammen, als ein harter Gegenstand gegen seinen Rücken gepreßt wurde.
„Keine Dummheiten“, warnte eine rauhe Stimme, „schön brav die Hände heben!“
„Darf ich mich wenigstens umdrehen?“ fragte Rander. Er bemühte sich, seine Stimme gleichgültig klingen zu lassen.
„Aber ganz langsam!“
Rander drehte, sich langsam um und sah sich einem mittelgroßen, schlanken Mann gegenüber, der etwa vierzig Jahre alt sein mochte. Er trug helle Ferienkleidung und eine Sonnenbrille, die sein Gesicht zu einem guten Drittel verdeckte.
„Was wollen Sie?“ fragte Rander weiter.
„Sie zu einer kleinen Fahrt einladen, Rander. Sie haben doch hoffentlich nichts dagegen, oder?“
„Wie sollte ich?“ Rander deutete mit dem Kinn hinunter auf den 38er in der Hand des Mannes. „Diese Argumente haben mich bisher immer noch überzeugt. Wohin soll’s denn gehen?“
„Wollen Sie sich denn gar nicht überraschen lassen?“ Die Stimme des Mannes klang etwas höhnisch und aufreizend. „Sie werden vorausgehen, ich bleibe dicht hinter Ihnen. Wenn Sie mir Ärger machen wollen, schieße ich Sie nieder! Sofort!“
„Ich glaube Ihnen jedes Wort. Aber ich muß doch ehrlich sagen, daß ich überrascht bin.“
„Worüber?“
„Daß gewisse Industriespione so schnell schalten!“
„Dann werden Sie sich gleich noch mehr wundern, Rander. Los jetzt, wir wollen es nicht unnötig spannend machen!“
Rander hatte seine Chancen abgeschätzt. Ein Überraschen des Gegners war nicht möglich. Dieser Mann mußte auf jeden Fall schneller sein. Nun galt es, die Nerven zu behalten.
In diesem Moment tat sich etwas, womit der Besucher und Rander nicht gerechnet hatten.
Die Tür zum Wohnraum wurde nun schwungvoll aufgestoßen.
„Der Kaffee!“ sagte dazu eine frische, gutgelaunte Stimme.
Der Besucher fuhr herum, stieß mit dem Tablett zusammen, auf dem die Thermoskanne mit dem heißen Kaffee stand, und verlor für einen kurzen Moment die Übersicht, zumal der heiße Kaffee oben aus der aufgeschraubten Öffnung schwappte und ihm das Oberhemd verdarb.
Mike Rander nutzte eiskalt seine Chance.
Er erledigte die Affäre mit einem schnellen, harten und gekonnten Handkantenschlag. Der Besucher rutschte sofort in sich zusammen und kam nicht mehr dazu, seine Waffe zu benutzen.
„W… w… was ist denn hier los?“ stotterte der Kellner und sah verdutzt auf den ohnmächtigen Besucher hinunter, neben dem der 38er lag.
„Wir proben für’s Fernsehen“, frotzelte Rander, um dann aber sofort wieder ernst zu werden, „kleiner Überfall am späten Nachmittag. Ich muß schon sagen, daß Ihre Hotelleitung allerhand zur Unterhaltung der Gäste tut!“
„Ich … wir … ich …“
„Schon gut“, sagte Rander, „rufen Sie den Hoteldetektiv und verständigen Sie die Polizei! Drüben auf dem Sideboard steht das Telefon!“
Während der Kellner zum Telefon rannte, untersuchte Rander die Taschen seines jetzt friedlich schlafenden Besuchers.
*
„Ich hoffe, Miß Clark, ich war in der Lage, Ihnen ausreichenden Komfort zu bieten.“
Parker stand neben seinem hochbeinigen Monstrum und reichte May Clark die Hand. Sie wirkte etwas verlegen, als sie ausstieg. Wahrscheinlich war sie soviel Höflichkeit nicht gewohnt. Sie sah an ihm vorbei hinunter auf die Straße.
Parker stand vor der Rückseite eines alten, ausgedienten Hotels, das in ein Apartmenthaus umgewandelt worden war. Das alte Hotel war wirklich nicht der geeignete Rahmen für die reizende Nymphe, die der Butler aus dem Wasser geborgen hatte.
Plötzlich hatte sie es sehr eilig, ins Haus zu kommen. Sie verabschiedete sich hastig von Parker.
„Ich muß jetzt gehen“, sagte sie, „vielen Dank!“.
Bevor Parker antworten konnte, ging sie sehr schnell auf den rückwärtigen Eingang zu und ließ den Butler allein zurück. Er stand auf einem recht engen Hof, der von Brandmauern umgeben war. Im Grund handelte es sich um eine Fälle, aus der es kein Entwischen gab, falls der Fallensteller es nur etwas geschickt anfaßte.
Und wie geschickt er war!
Der Sportwagen stand quer zur Ausfahrt und blockierte den Rückweg zur Straße. Jeff Halton stieg aus dem Wagen und ging langsam, aber ziemlich unauffällig auf die Hotelrückfront zu. Parker und das hochbeinige Monstrum schien er überhaupt nicht zu bemerken.
Und genau das war es, was dem Butler auffiel, zumal ihm während der Fahrt der Sportwagen nicht entgangen war. Er hatte sich immer wieder im Rückspiegel des Wagens sehen lassen. Der Butler wußte also Bescheid.
Auch er benahm sich unauffällig!
Um jedem geplanten Feuergefecht aus dem Weg zu gehen, bestieg er seinen Wagen und setzte sich ans Steuer. Dann machte er sich daran, das hochbeinige Monstrum zu wenden. Als er das hinter sich gebracht hatte, stand Jeff Halton winkend seitlich neben dem Wagen. Er schien etwas fragen zu wollen.
Parker lüftete höflich seine Melone und beugte sich vor. Die Scheibe ließ er allerdings hoch. Sie bestand aus dickem Panzerglas und schützte ihn gegen Blei aller nur erdenklichen Kaliber.
„Der Vorderreifen!“ rief Halton laut und deutete nach vorn, als sei dort etwas nicht in Ordnung.
Parker legte seine hohle Hand hinter das Ohr und tat so, als habe er nicht verstanden.
Jeff Halton grinste harmlos. Er griff nach der Türklinke und wollte die Wagentür öffnen. Doch sie war und blieb fest verschlossen. Als er zu Parker hochschaute, machte der eine vage Kopfbewegung, die so etwas wie eine Entschuldigung bedeuten sollte und zeigte anschließend auf die hintere Wagentür.
Jeff Halton war mehr als zufrieden.
Er sollte also hinten im Fond einsteigen. Von dieser Position aus konnte er den Butler leicht und ohne jede Schwierigkeit erledigen. Dieser mörderische Job war jetzt nur noch eine Frage von wenigen Sekunden.
*
Halton stieg also ein und zog die Wagentür hinter sich zu. Der Schuß, den er aus der an sich bereits schallgedämpften Pistole abfeuern wollte, wurde dadurch noch zusätzlich abgedämpft und gemildert.
Er riß seine Waffe aus dem Schulterhalter und … merkte erst jetzt, daß er die Trennscheibe zwischen den Vorder- und Rücksitzen übersehen hatte.
Worauf Halton etwas verwirrt war!
Er suchte nach einer Möglichkeit, die zweiteilige Trennscheibe aufzureißen, aber er fand keinen Griff. Dafür hörte er ein aufdringliches, hartes Zischen. Er geriet in Panik und wollte noch schießen, fand aber dazu nicht mehr die Kraft. Betäubt und gelähmt sackte er auf dem Rücksitz zusammen und geriet ohne jeden Übergang in beseligtes Träumen …
*
Joyce Stafford hatte sich inzwischen ans Steuer des Sportwagens gesetzt und den Wagen zurückgestoßen. Sie wendete ihn, damit Jeff nach dem Mord sofort lospreschen konnte. Sicherheit war in diesem Beruf alles.
Sie stand also seitlich von der Zufahrt und brauchte sich nur etwas zur Seite zu beugen, um jetzt das hochbeinige Monstrum beobachten zu können.
Sie geriet leicht in Verwirrung, als dieser Wagen bereits heranrollte. Durch die tiefstehende Sonne konnte sie nicht ausmachen, wer am Steuer war.
Dann geschah alles sehr schnell …
Das hochbeinige Monstrum zischte in einer atemberaubenden Schnelligkeit aus dem Hotelhof heraus und passierte den kleinen Sportwagen. Joyce zog unwillkürlich den Kopf ein. Sie hatte das Gefühl, von einem Panzer überrollt zu werden.
Dann erkannte sie den Fahrer. Nur ganz kurz zwar, doch immerhin. Es war dieser Butler, der den Wagen steuerte! Bild von Jeff war weit und breit nichts zu sehen. Joyce zog scharf die Luft ein, sah zurück in den Hof und suchte nach Halton, der vielleicht dort auf dem brüchigen Zement lag.
Dort lag er aber nicht. Also mußte er sich in diesem scheußlichen Gefährt befinden! Joyce riß den Kopf herum und wollte mit den Augen Maß nehmen. Doch zu ihrer grenzenlosen Überraschung war das hochbeinige Monstrum nur noch winzig klein auf der Hauptstraße zu sehen. Es schien sich mit einer fast irrsinnigen Geschwindigkeit fortbewegt zu haben.
Joyce schluckte. Sie war einen Moment lang ratlos. So etwas hatte sie bisher noch nie erlebt. Dann faßte sie sich, griff nach dem Funktelefon und ließ sich mit der Leitung verbinden. Hastig, stotternd, verwirrt und aufgeregt meldete sie, was sich getan hatte …
*
Es war dunkel geworden.
Parkers Wagen stand in einer der hintersten Reihen eines Drive-in-Kinos und konnte im Schutz der Dunkelheit nicht mehr belächelt werden. In diesem weiträumigen Auto-Kino standen etwa fünfzig Wagen, deren Insassen interessiert einem Krimi zusahen. Josuah Parker ignorierte diesen Film. Er wartete auf seinen jungen Herrn, den er per Telefon verständigt hatte.
Sein unfreiwilliger Gast war inzwischen zu sich gekommen und saß still auf dem abgetrennten Rücksitz. Jeff. Halton hatte längst eingesehen, daß hier für ihn nichts mehr zu holen war. Er nahm es in Kauf, daß er ohne Parkers Erlaubnis diesen Wagen nicht mehr verlassen konnte. Die Türschlösser waren von Parker verriegelt worden. Und für den Fall unbotmäßigen Betragens hatte der Butler angekündigt, eine weitere Dosis Tränen- und Schlafgas in den Wagenfond zu blasen. Halton zog es also vor, erst einmal abzuwarten.
Neben Parkers Wagen erschien ein Ford, dessen Fahrer ausstieg und Parker zuwinkte. Der Butler verließ daraufhin sofort den Wagen, ging seinem jungen Herrn entgegen und forderte ihn mit einer höflichen Geste und dem Lüften seiner Melone zum Einsteigen auf.
„Ich hoffe, Sir, Sie nicht belästigt zu haben, als ich Sie bat, hierher ins Auto-Kino zu kommen.“
„Ach was“, sagte Rander und grinste wie ein großer Schuljunge, „ich konnte nur nicht früher kommen, weil ich erst die Polizei abschütteln mußte.“
„Die Polizei, Sir …?
„Die Polizei …! Ja, jetzt staunen Sie, was? Bei mir hat sich nämlich auch einiges getan. Aber jetzt sind Sie erst mal an der Reihe. Was läuft …?“
Parker faßte sich kurz, während vorn auf der Leinwand die beiden Killer vom Helden der Geschichte in ein Feuergefecht verwickelt wurden. Dennoch brauchte der Butler knappe zehn Minuten, bis er erschöpfend Auskunft gegeben hatte.
„Der junge Mann im Fond des Wagens weigerte sich allerdings bisher, seinen Namen zu nennen“, schloß Parker, „ich möchte annehmen, daß dies aber ohne jeden Belang ist!“
„Lassen Sie ihn erst mal weiter schmoren …!“ Rander schaute sich kurz nach Jeff Halton um, der trotzig zurücksah, „mit der Zeit wird er schon weich werden, denke ich!“
„Sie haben Kontakt zur Polizei aufnehmen können?“
„Müssen, Parker, müssen“, korrigierte Mike Rander, „man wollte mich kidnappen, aber eine Kanne Kaffee wurde mir genau im richtigen Moment angeliefert.“
Als er Parkers erstauntes Gesicht sah, was sich allerdings nur im Hochsteilen einer Augenbraue äußerte, kam Mike Rander zur Sache und erzählte auch seine Geschichte.
„Der Mann nennt sich Hal Carter“, schloß Rander, „ob der Name richtig oder falsch ist, hängt von der Echtheit seiner Papiere ab, die ich bei ihm fand. Er ist danach Mechaniker für Schreib- und Rechenmaschinen und arbeitete in der Firma Portcliff!“
„Portcliff, Sir?“
„Kenne Sorge, diese Firma existiert! Ich habe das bereits festgestellt. Ein kleinerer, aber augenscheinlich gut geführter Betrieb …“
„Ist dieser Mister Hal Carter dort bekannt, Sir?“
„Müssen wir noch feststellen, Parker. Nach Ihrem Anruf fuhr ich sofort hierher ins Auto-Kino. Und in Gegenwart der Polizei wollte ich nicht anrufen. Die wären sonst zu neugierig geworden.“
„Ich glaube zu verstehen Sir. Sie haben es darauf angelegt, nichtwissend zu erscheinen?“
„Richtig. Als man mich nach den Hintergründen dieses Hotelbesuchs fragte, habe ich mich herausgeredet. Viel wird das nicht nutzen, Parker. Dieser Sergeant Halloway ist ein ausgekochter, intelligenter Bursche, dem man auf die Dauer nichts vormachen kann. Ich wette, wir werden noch mit ihm zu tun bekommen.“
„Beabsichtigen Sie, Sir, diesen Sergeant Halloway einzuweihen?“
„Wie stehen Sie dazu, Parker? Dies ist schließlich auch Ihr Fall?“
„Man sollte diesem Herrn hin und wieder mit einigen Tips dienen, Sir.“
„Dachte ich mir auch, Parker. Leicht werden wir es bestimmt nicht haben. Eines steht fest: Die Gegenseite ist bereits auf uns aufmerksam geworden, sonst hätte man nicht versucht, Sie draußen auf dem Pazifik zu ermorden. Mir scheint sogar, daß wir bereits in dieses Wespennest hineingegriffen haben.“
„Wobei zu beachten sein wird, Sir, daß der Dreh- und Angelpunkt, wenn ich mich einmal so ausdrücken darf, die Universal Painting Company sein dürfte. Es ist immerhin interessant, daß jene bezaubernde Nymphe dort als Sekretärin arbeitet.“
„Na ja, falls, sie Sie nicht belogen hat, Parker. Lassen wir uns überraschen und befassen wir uns erst mal mit Ihrem Fahrgast! Es wird Zeit, daß er etwas aus sich herausgeht, finden Sie nicht auch?“
*
Die Ruhe Jeff Haltons war nur gespielt.
Im hermetisch abgeschlossenen Fond des Wagens kam er sich wie in einer Zelle vor. Er wußte inzwischen aus Erfahrung, daß dieser verdammte Butler ihn jederzeit wieder zurück in das Land der Träume schicken konnte.
Neben sich hatte er die immer noch schußbereite, schallgedämpfte Waffe gelegt. Er hoffte, daß die beiden Männer da vorn sich eine Blöße gaben. Dann wollte er ungeniert schießen, was das Zeug hielt.
Nun, vorerst war an ein Entwischen nicht zu denken.
Dieser unmögliche Wagen, in dem er festgehalten wurde, setzte sich in Bewegung und verließ das Auto-Kino. Er wurde hinaus auf die breite, asphaltierte Zufahrtstraße gesteuert und nahm dann Kurs hinauf in die Berge, die Los Angeles umgeben.
Die Fahrt dauerte etwa 45 Minuten, dann war ein enger, steil ansteigender Canon erreicht, in dem es weit und breit wohl kein Haus gab. Licht konnte Jeff Halton nicht entdecken.
Er zuckte zusammen, als er die Stimme von Parker hörte. Sie kam aus einem Lautsprecher, der im Wagenboden versteckt war und aus dem Keller zu dringen schien.
„Darf ich nun höflichst anregen, daß Sie Angaben zu Ihrer Person machen?“ fragte diese distanzierte, kühle, fast unbeteiligte Stimme.
„Den Dreck dürfen Sie …!“ fauchte Halton, froh, endlich reden zu können.
„Ich fürchte, Sie mißverstehen und unterschätzen Ihre Situation.“
„Wenn schon …! Aus mir bekommen Sie nichts heraus!“
„Hoffentlich dauert Ihre Sicherheit für längere Zeit an“, antwortete der Butler. „Ich weiß nicht, ob Ihre Auftraggeber es sonderlich schätzen werden, wie sehr Sie versagt haben. Immerhin ist es Ihnen nicht gelungen, einen relativ alten und verbrauchten Mann zu ermorden.“
„Weil Sie mit diesem verdammten Trick wagen … Wer sagt denn, daß ich Sie ermorden wollte? Das müssen Sie mir erst mal beweisen.“
„Dies liegt keineswegs in meiner Absicht. Die Vertreter von Gesetz und Recht werden vorerst nicht informiert. Sie möchten sich also nicht äußern?“
„Nie! Und wenn Sie sich auf den Kopf stellen!“
Jeff Halton wartete auf eine Antwort, doch sie blieb aus. Dafür hörte er plötzlich wieder dieses unheimliche, scharfe Zischen, das ihm bereits vertraut war.
„Was … was soll das?“ brüllte Halton erregt und wütend. „He, Sie da vorn … was soll das?!“
Auch jetzt blieb die Antwort aus.
Das Zischen ließ nicht nach. Halton sah sich wie eine gefangene Ratte nach allen Seiten um, wurde immer nervöser und erregter und suchte nach dem Einlaß. Und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Blausäure …! Der Geruch von bitteren Mandeln war doch unverkennbar! Diese Kerle da vorn wollten ihn umbringen! Halton konnte sich nichts anderes vorstellen, Gewalt, Brutalität und Mord waren ihm zu sehr vertraut.
„Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß Sie in weniger als dreißig Sekunden mit Sicherheit kein Zischen mehr hören werden“, ließ Parkers Stimme sich in diesem Augenblick endlich wieder vernehmen, „richten Sie Ihre Handlungsweise möglichst darauf ein!“
Der Geruch nach bitteren Mandeln wurde noch aufdringlicher.
„Aufhören! Aufhören!“ brüllte Halton und spürte, daß ihm ansehnliche Schweißbäche über Stirn und Wangen flössen, „aufhören …! Ich bekomme keine … keine Luft mehr … ich werde … reden. Aufhören!“
*
„Die vornehme englische Tour war das gerade nicht“, sagte Mike Rander leicht vorwurfsvoll zu seinem Butler.
„Ich habe mich streng an die Wahrheit gehalten, Sir. In dreißig Sekunden hätte der junge Mann das Zischen auf keinen Fall mehr gehört.“
„Weil Sie’s abgestellt hätten, klar. Aber er wußte ja nicht, daß Sie’s so gemeint hatten.“
„Mißverständnisse, Sir, dürften so alt sein wie die Menschheit.“
„Wie tröstlich. Und wie war das mit dem Bittermandelgeruch?“
„Eine geschmackliche Bereicherung meines Hinweises, Sir“
„Na, ja, hören wir uns an, was der Bursche zu sagen hat. In der richtigen Stimmung wird er ja bestimmt sein.“
Mike Rander hatte sich nicht getäuscht.
Der junge Mann – er stellte sich hastig als Jeff Halton vor – redete wie ein Alleinunterhalter in einem Variete. Mike Rander und sein Butler erfuhren, daß Jeff Halton Angestellter eines Bootsverleihs in Long Beach war. Dieser Bootsverleih nannte sich laut Halton Pacific Boat Renting und gehörte einem gewissen Arthur Henderson.
„Hat Mister. Henderson Sie auf meinen Butler angesetzt?“ wollte Mike Rander über die Sprechanlage wissen.
„Der hat damit überhaupt nichts zu tun … Ich … ich bin angerufen worden. Von einem ehemaligen Kumpel.“
„Der wie heißt?“ erkundigte Parker sich.
„Saul Bantam … Den kenne ich aus dem Gefängnis … Er bot mir fünftausend Dollar für … für …
„Weitere Hinweise auf dieses Geschäft können Sie sich ersparen“, sagte Parker, „hingegen möchte ich Einzelheiten über besagten Mister Bantam erfahren.“
„Der kam einfach ’runter zum Bootsverleih“, erzählte Jeff Halton hastig weiter, „nicht, daß wir uns mißverstehen. Ich … ich sollte Sie nicht umbringen. Bestimmt nicht. Nur ankratzen und dafür sorgen, daß Sie für ein paar Wochen ins Krankenhaus kommen. Wirklich nicht mehr“
„Wie rücksichtsvoll“, stellte der Butler fest, „wußte Ihr Arbeitgeber, Mister Henderson, von diesem Geschäft?“
„Der hat keine Ahnung“, antwortete Halton.
„Seit wann kennen Sie Hal Carter?“ fragte Mike Rander überraschend über die Sprechanlage nach hinten in den Wagenfond.
„Hal Carter?“ Die Stimme von Jeff Halton klang zu harmlos, als er diesen Namen wiederholte, „wer soll denn das sein?“
„Ein junger Mann, der gern mit einem 38er spielt“, meinte Rander lächelnd, „ein junger Mann, der ab sofort bestimmt nicht mehr gern an heißen Kaffee denkt.“
„Ich … ich verstehe kein Wort …
„Wer hingegen ist die junge Dame, die Sie im Sportwagen begleitete?“ wollte nun Josuah Parker wieder wissen, „ich möchte nicht hoffen, daß Sie an dem leiden, was man plötzlichen Gedächtnisschwund nennt.“
„Die … die ist … mit mir befreundet.“
„Dies ist anzunehmen, Mister Halton. Aber wie ist der Name dieser jungen Dame?“
„Joyce Stafford …
„Und welchem Beruf geht sie nach? Wo könnte man sie unter Umständen erreichen?“
„Joyce ist Hostess im Bootsverleih, in dem auch ich arbeite“, lautete die Auskunft. „Aber wirklich, sie hat mit der ganzen Geschichte überhaupt nichts zu tun.“
„Man wird sehen“, ließ Parker sich vorn vom Steuer aus vernehmen. „Eine Frage am Rande: Vermietet Ihr Chef, Mister Henderson, auch Tauchausrüstungen?“
„Natürlich! Alles, was mit Booten und mit dem Schwimmsport zu tun hat.“
„Gehört auch eine gewisse Miß May Clark zu Ihren Kunden?“
„Mir völlig unbekannt!“ Halton wußte wieder einmal von nichts. Ob er log, oder aber die Wahrheit sagte, war nicht recht herauszufinden. Wahrscheinlich stand er aber noch unter der Angst, die der Butler ihm geschickt eingejagt hatte.
„Kommen wir doch noch einmal auf Ihre Begleiterin, Miß Joyce Stafford zurück“, bat Parker in seiner einmalig höflichen Art, „würden Sie die Liebenswürdigkeit haben, Mister Rander und meiner Wenigkeit die Adresse besagter Person zu nennen?“
„Von Joyce?“ Haltons Stimme vibrierte nervös, „warum? Sie hat doch mit der ganzen Geschichte überhaupt nichts zu tun?“
„Bitte, Mister Halton!“ Mehr sagte der Butler nicht, doch dies reichte vollkommen.
„Sie wohnt unten in Long Beach“, sagte Halton hastig, „in einem Apartment House. Wie ich übrigens. Ich wohne zwei Etagen unter ihr.“
„Die Adresse …
Jeff Halton beeilte sich, auch sie zu nennen. Der Geruch nach Bittermandeln stak ihm noch in der Nase. Er hatte nicht die geringste Lust, diesen penetranten Geruch noch intensiver zu verspüren …
*
Arthur Henderson, der Inhaber des Bootsverleihs, war ein bieder aussehender Seebär von 60 Jahren, hager, mit gegerbtem Gesicht und Augen, in denen die Weite des Meeres zu erkennen war. So wenigstens hätte sich ein Schriftsteller und durch und durch ahnungsloser Mensch ausgedrückt.
Josuah Parker hätte dies alles möglicherweise auch unterschrieben, nur die Augen, in denen die Weite der Meere zu erkennen war, diesen Augen traute er nicht. Sie waren zu hellgrau eingefärbt und drückten so etwas wie Tücke und Brutalität aus.
Henderson trug eine zerschlissene Jacke und ausgebeulte Segelhosen. Er verließ gerade das Bootshaus und ging hinüber zum nahen Parkplatz. Er trug eine sehr solide aussehende Tasche in der Hand und schrak zusammen, als der Butler plötzlich vor ihm stand.
Er schrak zusammen, aber er reagierte gleichzeitig ungemein schnell und wirkungsvoll. Er hielt wie durch Zauberei plötzlich einen Revolver in der Hand, dessen Kaliber nicht zu verachten war.
„Mir scheint, Master Henderson, ich habe Sie ein wenig erschreckt“, räumte Parker ein, übersah den 45er in der Hand des Bootsverleihers und lüftete höflich seine schwarze Melone, „ich habe doch den Vorzug, mit Mister Henderson zu sprechen?“
„Was wollen Sie? Wer sind Sie? Hendersons Stimme klang drohend. Er hielt sich im Schatten der leicht pendelnden Lampe am Giebel des Bootshauses und beobachtete den Butler, der voll vom Licht getroffen wurde.
„Mein Name ist Parker … Josuah Parker“, stellte der Butler sich vor, „könnte es im Bereich der Möglichkeit liegen, daß Sie meinen Namen schon einmal gehört haben?“
„Was wollen Sie?“ Henderson ging auf die Frage überhaupt nicht ein, senkte aber den Lauf der schußbereiten Waffe.
„Erkundigungen einziehen, wenn ich es so ausdrücken darf.“
„Ich habe jetzt keine Zeit. Gehen Sie mir aus dem Weg aber ein bißchen plötzlich!“
„Es betrifft Ihre Angestellten Halton und Stafford.“
„Jeff und Joyce? Was ist mit ihnen?“ Henderson, der sich an Parker hatte vorbeischleichen wollen, blieb stehen.
„In der Tat, so lauten die Vornamen der betreffenden Herrschaften“, entgegnete der Butler steif und gemessen, „sie sind schon seit längerer Zeit bei Ihnen beschäftigt?“
„Was geht das Sie an!?
„Ich pflichte Ihnen bei, Sir“, räumte der Butler ein, „im Grunde dürfte ich diese unbescheidenen und indiskreten Fragen nicht stellen, jedoch liegt ein aktueller Anlaß hierfür vor.“
„Und?“
„Mister Jeff Halton und Miß Joyce Stafford scheinen in das geraten zu sein, was man gemeinhin schlechte Gesellschaft nennt. Mit anderen Worten, sie haben und hatten es sich in den Kopf gesetzt, meine bescheidene Wenigkeit ungebührlich zu belästigen.“
„Hören Sie mal genau zu. Wenn Sie zuviel getrunken haben, dann schnappen Sie sich ein Taxi und lassen Sie sich in Ihr Hotel bringen!“
„Ich möchte betonen, daß ich dem Alkohol keineswegs zugesprochen habe, Mister Henderson. Zudem darf ich darauf aufmerksam machen, daß Mister Halton so etwas wie ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, was die geplanten Belästigungen meiner Person angeht. Aber vielleicht sollte ich Sie morgen noch einmal auf suchen, wenn ich meine Befragungen abgeschlossen habe …“
Die kalten und brutalen Augen Hendersons verengten sich zu den obligaten Schlitzen, wie es sich für solche Situationen nun einmal gehörte.
„Scheren Sie sich zum Teufel“, stieß er dann hervor, „ich weiß überhaupt nicht, warum ich Ihnen zuhöre. Wenn Ihre Quasselei irgendein Trick sein soll, dann sind Sie bei mir an der falschen Adresse. Hauen Sie endlich ab!“
„Meine Grüße an Mister Bantam!“ sagte Parker, lüftete seine Melone und drehte Henderson den Rücken zu, obwohl der Bootsverleiher die Waffe noch immer nicht weggesteckt hatte. Parker konnte sich diesen scheinbaren Leichtsinn allerdings leisten, zumal sein junger Herr in der Nähe und in der schützenden Dunkelheit stand, um eventuell blitzschnell eingreifen zu können.
„He … Moment mal!“ Henderson war verblüfft. „Vielleicht sollten Sie mir doch erklären, was eigentlich los ist …“
„Morgen ist auch noch ein Tag, wie ein altes Sprichwort sagt“, schloß Parker und verschwand in der Dunkelheit, einen sehr nachdenklichen Mann zurücklassend, der nun darauf verzichtete, zum Parkplatz zu gehen, sondern sich dafür entschied, noch einmal in sein Bootshaus zurückzukehren …
*
„Jetzt bin ich aber gespannt, wie viele Gäste sich in unserem Bungalow versammelt haben“, sagte Mike Rander eine knappe halbe Stunde später, als sie das Hotel am Strand erreicht hatten. „Ich glaube, Parker, wir können uns da auf einige Überraschungen gefaßt machen.“
„Ich erlaube mir, Sir, mich Ihrer Meinung anzuschließen“, antwortete Parker. „Ihr Besucher mit dem 38er war sicherlich kein Einzelgänger, der sich nur zufällig verirrte. Von Mister Henderson einmal ganz zu schweigen. Man sollte also gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.“
„Polizei?“ fragte Rander nur knapp.
„Darf ich davon abraten. Sir?“
„Sie dürfen … Denken Sie aber daran, daß wir die übrigen Hotelgäste nicht durch eine wilde Schießerei aufschrecken wollen. Lassen Sie mal sehen, was Ihre Trickkiste so an Überraschungen bietet!“
„Ich bin sicher, Sir, daß ich Sie nicht enttäuschen werde.“ Parker hielt das hochbeinige Monstrum an und beeilte sich, seinem Herrn beim Aussteigen behilflich zu sein, was an sich natürlich ein Witz war. Mike Rander stand längst neben dem Wagen, als sein Butler um das Heck herumkam.
„Und was ist Ihnen eingefallen?“
„Ich denke an die Klimaanlagen, Sir.“
„Na, und …?“
„Darf ich Sie bitten, Sir, mir zu folgen!?“ Parker übernahm die Spitze und schritt gemessen über den Rasen. Dank seiner pechschwarzen Kleidung war er in der Dunkelheit überhaupt nicht zu sehen. Mike Rander mußte sich beeilen, wenn er den Anschluß nicht verpassen wollte. Und er wollte ihn nicht verpassen, denn er rechnete mit einem Trick seines Butlers, den er noch nicht kannte …
Parker und sein junger Herr erreichten die Rückseite des kleinen, einstöckigen Bungalows, der im Moment noch einen völlig neutralen und unverdächtigen Eindruck machte.
Parker blieb vor der Wandöffnung stehen, durch die die Klimaanlage hervorlugte. Geschützt von einem feinmaschigen Gitter wurde hier von einem Ventilator die Außenluft angesogen, elektrisch gekühlt und dann ins Innere des Bungalows befördert.
Parker zog einen der vielen Kugelschreiber aus einer Westentasche seines Dienstanzugs, schraubte ihn auf und hielt die stumpfe Öffnung nahe an das bewußte Maschengitter heran. Es war dabei nichts zu sehen und nichts zu hören.
Selbst bei Tageslicht hätte man die feinen, grauen Schwaden nicht gesehen, die vom Ventilator angezogen und ins Innere des Hauses befördert wurden. Dennoch war es so. Ein schnell wirkendes, gesundheitlich unschädliches Schlafmittel in Gasform beeilte sich, sich im Bungalow zu verteilen.
„Nicht schlecht, Parker“, flüsterte Rander und grinste wie ein großer Schuljunge, „aber was machen wir? Schlafen wir nicht auch ein, wenn wir ’reingehen?“
„Darf ich anregen, in der Hotelbar einen Drink zu nehmen, Sir?“
„Gute Idee …! Kommen Sie …
„Ich werde mir erlauben, den Bungalow unter Sichtkontrolle zu halten, Sir …!“
„Aber keine Extratouren, Parker, klar?“
„Sie können sich, wie immer, Sir, fest auf meine Wenigkeit verlassen!“
„Hoffentlich, Parker! Rander war noch einen Moment lang unentschlossen, bevor er es riskierte, seinen Butler allein zurückzulassen. Dann verschwand er innerhalb von Sekunden in der Dunkelheit, um wenig später auf den erleuchteten Wegen wieder aufzutauchen. Josuah Parker nickte erleichtert und legte sein rechtes Ohr prüfend gegen die an sich dünne Wand des Bungalows.
Er war nicht überrascht, als er müde, schleppende Schritte hörte, die in einem Poltern umstürzender Kleinmöbel untergingen. Er durfte sicher sein, daß sein Schlafmittel bereits intensiv wirkte …
*
Mike Rander hatte zwei Drinks zu sich genommen und ging nun zurück zum Bungalow. Er war von einer unerklärlichen Nervosität erfaßt worden. Vielleicht rechnete er wieder einmal mit überraschenden Reaktionen seines Butlers, vielleicht befürchtete er insgeheim aber auch, daß seinem Butler diesmal etwas zugestoßen war.
Er beeilte sich, durch den dunklen Park zu gehen, dessen Wege zu den einzelnen Hotelbungalows allerdings beleuchtet waren. Als sein Bungalow in Sicht kam, griff Rander prüfend nach seinem 38er und entsicherte ihn. Er wollte jeder Eventualität begegnen können.
Nun, er fand sehr schnell heraus, daß irgend etwas nicht stimmte.
Die Eingangstür zum Bungalow war halb geöffnet …
Rander wechselte mit einigen schnellen Sätzen zur Hauswand hinüber und pirschte sich dann vorsichtig an die Tür heran. Sein Zeigefinger hatte am Stecher der Waffe bereits Druckpunkt genommen. Er rechnete mit einer Falle, konnte sich gleichzeitig aber nicht erklären, warum Parker sich nicht meldete.
Rander stieß mit dem Fuß die Tür auf. Dann wartete er, horchte und hoffte, die Stimme seines Butlers zu hören.
Doch nichts rührte sich!
Er schaltete mit einem schnellen Griff das Licht im Eingangskorridor ein und hechtete von dort aus in den großen Wohnraum, in dem ein mittelschwerer Orkan gewütet zu haben schien. Die Beistelltische waren umgestürzt, einige Stühle lagen am Boden. Von einem Fenster waren Vorhänge und Jalousetten heruntergerissen worden.
„Parker!? Parker … Wo stecken Sie?“
Während Mike Rander sich blitzschnell nach allen Seiten umschaute, während er sich darauf gefaßt machte, sofort zu schießen, klingelte plötzlich das Telefon. Schrill und aufdringlich, irgendwie sogar höhnisch.
„Rander …!“ Der junge Anwalt hatte sich gemeldet und wartete auf die Stimme des Anrufers.
„Ihr Butler läßt schön grüßen“, sagte eine angenehm weibliche Stimme. „Er wird nie wieder nach schönen Nymphen schielen, Mister Rander! Richten Sie sich darauf ein, ihm bald zu folgen! Ihr Sarg steht bereit. Sie brauchen sich nur noch zu bemühen!“
Es klickte in der Leitung.
Mike Rander schüttelte den Hörer, als könnte er die Sprecherin so ans Tageslicht befördern. Dann legte er langsam auf und biß sich auf die Unterlippe.
Ihm war völlig klar, daß er es hier nicht mit einem makabren Scherz zu tun hatte. Sein Butler befand sich in Lebensgefahr, falls er nicht schon ermordet worden war!
*
„Sieht böse aus“, sagte Sergeant Halloway und drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus, „die Gegenseite scheint es ernst zu meinen.“
„Davon bin ich überzeugt“, erwiderte Mike Rander, „umsonst habe ich Ihnen ja nicht alles haarklein erzählt!“
„Fassen wir mal schnell zusammen.“ Halloway rieb sich konzentriert das stopplige Kinn Er war von Mike Rander alarmiert und ins Hotel gerufen worden. Hier hatte er sich alle Einzelheiten erzählen lassen. Mike Rander war viel zu besorgt, um Details zu verschweigen. Er brauchte nach dem Kidnapping seines Butlers unbedingt die Hilfe der Polizei. Halloway zündete sich bereits die nächste Zigarette an, bevor er weiterredete. „Seit der Harpunengeschichte scheint festzustehen, daß Sie eine heiße Spur dieser Industriespione gefunden haben. Und all diese Spuren scheinen auf den Bootsverleih von Arthur Henderson hinzudeuten!“
„Kennen Sie Henderson?“
„Nur beiläufig, Mister Rander, Polizeilich liegt gegen ihn nichts vor. Noch scheint er eine weiße Weste zu haben, was aber nichts zu besagen hat.“
„Könnte es zwischen Henderson und diesem Saul Bantam eine Verbindung geben?“
„Schon möglich, aber die müßte erst bewiesen werden. Ich werde sofort nach Bantam suchen lassen. Aber sagen Sie, was ist eigentlich aus diesem Halton geworden, den Ihr Butler aus dem Verkehr gezogen hat?“
„Wirklich, ich weiß es nicht. Parker hat ihn an einem sicheren Ort untergebracht. So wenigstens drückte er sich mir gegenüber aus.“
„Hoffentlich handelt er sich damit keinen Ärger ein. Beweise für seine Mordabsicht stehen auf schwachen Beinen. Da wird im Höchstfall Aussage gegen Aussage stehen.“
„Konnten Sie sich nicht um Hal Carter kümmern?“ Rander nahm einen Schluck aus seinem Glas. „Sie wissen doch, das ist dieser Bursche, der mit dem 38er bei mir im Bungalow erschien. Halten Sie ihn noch fest?“
„Noch sitzt er, aber ich wette, er wird morgen gegen Kaution entlassen werden.“
„Das begreife ich nicht. Halloway.“ „Ich auch nicht, aber so sind nun mal die Tatsachen. Er behauptet, er habe in Ihrem Hotelbungalow verdächtige Geräusche gehört und habe sich verpflichtet gefühlt, nach Einbrechern Ausschau zu halten.“
„Klingt aber sehr dürftig!
„Ist auch bestimmt erstunken und erlogen, Mister Rander, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Gegen Kaution wird man ihn wieder auf freien Fuß setzen. Er hat eine feste Arbeitsstelle und einen festen Wohnsitz. Zudem bürgt sein Chef für ihn.“
„Mister Portcliff, nicht wahr? Kennen Sie diese Rechen- und Schreibmaschinenfirma?“
„Diese Firma ist sogar gut bekannt Und zwar durchaus positiv, ob Ihnen das nun gefällt oder nicht. Portcliff beliefert alle großen Firmen hier in der Stadt. Das heißt, es ist vor allen Dingen sein Reparaturservice … Und dann kommt noch die Firma seiner Schwester hinzu. Sie unterhält einen Service für Urlaubsvertretungen.“
Rander hörte aufmerksam zu. Auch jetzt zuckte er mit keiner Wimper.
„Wissen Sie mehr über diese Schwester?“ fragte er.
„Helen Portcliff …“ berichtete Sergeant Halloway, „ältere, sehr nette Dame. In ihrer Agentur versammelt sie Stenotypistinnen um sich, die früher mal fest gearbeitet haben und jetzt nur noch zeitweise einspringen und aushelfen. Sie wissen doch, wie das bei großen Firmen so ist. Wenn die Urlaubswelle anrollt, sind die meisten Büros unterbesetzt. Hier springen die Damen von Helen Portcliff ein und übernehmen die jeweiligen Vertretungen. Sehr seriöser Laden. Seriös, wie der von Hubert Portcliff! Sagen Sie, Mister Rander, warum interessieren Sie sich für diese Firmen?“
„Weil … weil dieser Carter in der Firma arbeitet und weil der Mann mich immerhin umgebracht hätte, wenn ihm der heiße Kaffee nicht über den Rücken gegossen worden wäre!“
*
Parker war beeindruckt, doch er ließ sich selbstverständlich nichts anmerken.
Er lag auf üppigen Polstern und kam sich vor wie in einem Harem, wie er in Hollywoodfilmen so gern gezeigt wird. In der warm-feuchten Luft dieses großen Kellerraumes fühlten sich Tropenpflanzen aller Art ausgesprochen wohl. Von geschickt hergerichteten Baumstümpfen und Ästen hingen Orchideen herab, deren Blütenpracht fast sinnverwirrend war.
Doch dies war nicht alles. Beileibe nicht …!
Dieser Kellerraum war an sich ein einziger großer Swimmingpool, auf dessen Wasseroberfläche Seerosen schwammen. Irgendwo in der Dämmerung des Raums plätscherte melancholisch ein Springbrunnen. Das große Schwimmbecken wurde von einem Rand umgeben, der etwa anderthalb Meter breit war und von den Kellerwänden begrenzt wurde. An der Stirnfläche, wo Parker lag, stiegen breite Treppenstufen an, die samt und sonders mit diesen schwellenden Ruhepolstern ausgelegt waren.
Parker war, wie schon gesagt, beeindruckt, doch er ließ sich nichts anmerken. Er schüttelte leicht den Kopf. Er wollte sichergehen, daß er nicht träumte. Als er sich zusätzlich noch kneifen wollte, merkte er, daß man seine Hände nachdrücklich gebunden hatte.
Die drei jungen Damen, die im Wasser plätscherten, übersahen ihn. Für sie war er überhaupt nicht vorhanden. Sie schwammen ziellos umher, sprachen kaum miteinander und schienen nur ihre Umgebung zu genießen. Mit etwas Phantasie nur fühlte man sich in tropische Gefilde versetzt.
Parker versuchte sich zu erinnern. Wieso war es seinen Gegnern gelungen, ihn zu überlisten und zu entführen? Mit welchen Mitteln hatte man ihn außer Gefecht gesetzt? In wessen Gewalt befand er sich hier?
Er wurde abgelenkt.
Die drei jungen Damen stiegen aus dem Wasser. Sie trugen knappe Bikinis und schmeichelten dem Schönheitssinn Josuah Parkers. Sie gingen mit wiegenden Hüften auf ihn zu, übersahen ihn nach wie vor und ließen sich etwas oberhalb von ihm auf den Stufen nieder. Fast wollüstig kuschelten sie sich in den Polstern und gaben sich dem süßen Nichtstun hin.
„Ich möchte Sie auf keinen Fall inkommodieren“, sagte Parker und richtete sich etwas auf, „aber darf ich vielleicht erfahren, wo ich mich befinde?“
Die drei jungen Damen reagierten überhaupt nicht.
„Sollte bei Ihnen möglicherweise der Geist auf Kosten Ihrer körperlichen Reize zurückgeblieben sein?“ tippte Parker weiter an. „Leider findet man dieses häufiger, als man gemeinhin annehmen kann.“
Sie antworteten nicht, dafür reagierten sie aber endlich. Sie standen langsam, fast träge auf. Sie stiegen mit fast lasziven Bewegungen zu Parker hinunter und bauten sich vor ihm auf. Der Butler sah sich ungemein wohlgeformten, langen und schlanken Beinen gegenüber, die in wohlgefällig gerundete Hüften übergingen. Bei dieser Gelegenheit stellte er erneut fest, wie knapp Bikinis sein konnten. Er schien es hier mit Sonderanfertigungen zu tun zu haben.
„Ich muß gestehen, daß Sie einen alten, müden und relativ verbrachten Mann verwirren“, redete Parker weiter. Er studierte die schmalen Taillen der Damen und begutachtete die Oberweiten, die kaum verhüllt waren. Er hatte plötzlich das Gefühl, sich in einer Sauna zu befinden.
Sie beugten sich zu ihm hinunter und griffen nach ihm.
„Aber … aber … meine Damen!“ stieß Parker überrascht hervor, „möglicherweise versprechen Sie sich zuviel von meiner bescheidenen Wenigkeit!“
Sie ließen sich nicht beirren. Sie lifteten ihn an und warfen ihn schwungvoll in das auf klatschende Wasser. Bevor Parker unterging, hörte er das amüsierte Lachen der drei eigenwilligen Damen und dachte gleichzeitig an die Bügelfalten seiner schwarzen Hose, die jetzt natürlich völlig ruiniert wurden.
*
Mike Rander verließ den Hotelbungalow. Er hielt es vor Unruhe kaum noch aus. Er wußte seinen Butler in Lebensgefahr und wollte etwas für ihn tun. Er hatte allerdings keine Ahnung, wie er das anstellen sollte. Wo sollte er den Hebel ansetzen?
Die Spuren deuteten auf den Bootsverleiher Henderson hin. Eben noch hatte er darüber mit Sergeant Halloway diskutiert. War es also richtig, noch einmal zum Strand und zum Yachthafen hinauszufahren? Sollte er sich die Privatadresse Hendersons beschaffen? Sollte er dort nach Parker schauen?
Rander ging hinüber zum Parkplatz, wo sein Mietwagen stand. Es gab ihm einen Stich, als er das hochbeinige Monstrum seines Butlers sah. Seine Unruhe und Sorge steigerte sich.
Er zündete sich eine Zigarette an und blieb einen Moment nachdenklich stehen. Gab es wirklich nur die Spur Henderson? Da war schließlich noch Mister Hubert Portcliff, der zusammen mit seiner Schwester eine renommierte Firma leitete.
Zwei junge Damen lenkten ihn ab.
