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Das Buch "Echo der Adria" von Ralf Hagedorn ,erzählt die Geschichte von Bärbel, einer 52-jährigen Architektin aus Hamburg, die nach ihrer Scheidung einen radikalen Neuanfang wagt. Die Begegnung: In Rijeka lernt sie den charismatischen, aber vom Leben gezeichneten Luka kennen, einen ehemaligen Schiffsingenieur, der nun in einer kleinen Werkstatt in Kantrida Boote repariert. Die Erzählung begleitet Bärbel dabei, wie sie sich in der rauen, vertikalen Stadt aus Treppen und Steinen zurechtfindet. Durch die Freundschaft zu Luka, der Dinge repariert, anstatt sie wegzuwerfen – beginnt sie, ihre eigenen Verletzungen und die "Leere" ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten. Das Buch fängt die besondere Stimmung der Kvarner-Bucht ein, vom peitschenden Regen und dem heftigen Fallwind Bura bis hin zur melancholischen Schönheit der alten Werften und Märkte.
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Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2026
Echo der Adria
IMPRESSUM:
Ralf Hagedorn
c/o IP-Management #4887
Ludwig-Erhard-Str. 18
20459 Hamburg
Mithilfe von ChatGPT geschrieben.
Coverbild Gemini
Kapitel 1: Ankunft im Regen
Der Regen von Rijeka hatte nichts mit der hanseatischen Zurückhaltung zu tun, die Bärbel aus Hamburg kannte. In Hamburg war der Regen ein ständiger, grauer Begleiter, ein feiner Schleier, der sich ungefragt über die Alster legte. Hier, am Kvarner-Golf, war er ein Ereignis. Er stürzte wie ein Wasserfall von den steilen Hängen des Učka-Gebirges herab, verwandelte die Korzo, die prächtige Flaniermeile der Stadt, in einen glänzenden Spiegel und trommelte mit einer Wucht auf die roten Ziegeldächer, dass man sein eigenes Wort nicht verstand.
Bärbel stand am Fenster ihrer neuen Wohnung im Viertel Belveder. Der Name hieß „Schöne Aussicht“, und an klaren Tagen, so hatte der Makler versprochen, könne man bis zur Insel Krk und den schroffen Felsen von Cres sehen. Heute sah Bärbel nur Grau. Ein tiefer, melancholischer Anthrazit, dass die monumentalen k.u.k.-Bauten der Stadt verschluckte.
Sie presste die Stirn gegen die kühle Scheibe. Der Umzugswagen aus Deutschland war vor drei Stunden abgefahren. Hinter ihr in der hohen, altmodischen Wohnung stapelten sich dreißig Jahre Leben in braunen Pappkartons. „Architekturbüro Hansen Privat“, stand auf einem. „Küche / Zerbrechlich“, auf einem anderen.
Was hast du dir nur dabei gedacht, Bärbel?“, murmelte sie. Ihre eigene Stimme klang in den leeren Räumen mit den hohen Decken fremd.
Sie war zweiundfünfzig Jahre alt. Vor sechs Monaten hatte sie die Scheidungspapiere unterschrieben,ein sachlicher Akt nach Jahren der emotionalen Windstille. Ihre Tochter lebte in Berlin, ihr Sohn in London. Das große Haus in Blankenese war verkauft. Rijeka war eine Flucht, ja, aber eine wohlüberlegte. Sie wollte nicht in ein Touristendorf, wo man im Winter die Gehsteige hochklappte. Sie wollte eine Stadt, die arbeitete, die schwitzte, die nach Rost und Fortschritt roch. Eine Stadt, die so unfertig war wie sie selbst.
Hunger und die Enge der Kartons trieben sie schließlich nach draußen. Sie wickelte sich in ihren beigen Trenchcoat, ein Kleidungsstück, das hier zwischen den wettergegerbten Lederjacken der Einheimischen furchtbar deutsch wirkte und trat aus dem schweren Holztor des Mietshauses.
Der Abstieg zum Stadtzentrum war eine Herausforderung für die Knie. Rijeka bestand aus Treppen. Hunderte, ja tausende Stufen verbanden die oberen Viertel mit dem Hafen. Bärbel spürte das Pochen in ihren Schläfen. Der Geruch der Stadt stieg ihr in die Nase: eine Mischung aus schwerem Heizöl, rostigem Kaffee und der salzigen Gischt, die der Wind vom Molo Longo heraufpeitschte.
Unten auf dem Korzo suchte sie Zuflucht unter den Markisen eines Cafés direkt neben dem Stadtturm. Das gelbe Bauwerk wirkte wie ein Wächter über das bunte Treiben. Trotz des Regens waren die Menschen unterwegs. Frauen in eleganten Stiefeln balancierten Regenschirme, als wären es modische Accessoires, und Männer saßen in den beheizten Außenbereichen der Cafés, rauchten und diskutierten leidenschaftlich.
Jedan kava s mlijekom, molim“, sagte Bärbel leise, als der Kellner an ihren Tisch trat. Sie hatte in den letzten Wochen verbissen Kroatisch gelernt, doch ihr Akzent verriet sie sofort.
Der Kellner, ein junger Mann mit müden Augen, nickte kurz. „Kommt sofort, die Dame.“
Bärbel beobachtete die Passanten. Sie fühlte sich wie ein Geist, ein unsichtbarer Beobachter in einer Welt, deren Rhythmus sie noch nicht verstand. Hier gab es keine norddeutsche Distanz. Die Menschen berührten sich im Vorbeigehen, lachten laut, fluchten auf eine Weise, die fast wie Gesang klang.
Nach dem Kaffee zog es sie hinunter zum Hafen. Dort, wo die großen Schiffe der Jadrolinija-Linie vertäut waren und die Kräne der Werften wie riesige Dinosaurier in den Himmel ragten. Der Hafen von Rijeka war kein Ort für Romantiker. Er war rau, industriell und ein wenig einschüchternd.
Bärbel lief am Kai entlang, das Wasser der Adria war heute aufgewühlt und fast schwarz. An einer Ecke, wo die privaten Fischerboote lagen, bemerkte sie ein kleines, hölzernes Boot, das sichtlich bessere Tage gesehen hatte. Es trug den Namen „Nostalgija“.
Ein Mann kniete auf dem nassen Holzplanken des Stegs, den Oberkörper tief in den Motorraum des Bootes gebeugt. Er trug einen dunkelblauen Overall, der an den Ellbogen durchgescheuert war. Fluchen drang aus dem Inneren des Bootes,ein tiefes, kehliges Grollen, das selbst ohne Sprachkenntnisse unmissverständlich war.
Plötzlich rutschte dem Mann ein Schraubenschlüssel aus der Hand und schlitterte über den glitschigen Beton direkt vor Bärbels Füße.
Sie blieb stehen. Der Mann richtete sich auf. Er war groß, seine Haare waren ein wildes Gemisch aus Grau und Schwarz, und sein Gesicht war von tiefen Lach- und Sorgenfalten gezeichnet. Seine Hände waren ölverschmiert.
Oprostite“, sagte er und atmete schwer. Er sah Bärbel an, und für einen Moment hielt die Welt um sie herum an. Es war kein filmreifer Moment, kein Blitzschlag. Es war eher das Gefühl, in einen tiefen, dunklen Brunnen zu blicken und darin ein Echo zu hören. Seine Augen hatten die Farbe des Meeres vor einem Sturm ,ein unruhiges Blau-Grau.
Bärbel bückte sich, hob den schweren Schlüssel auf und hielt ihn ihm entgegen. Ihre Finger berührten seine Handfläche, als er danach griff. Die Wärme seiner Haut bildete einen scharfen Kontrast zur kühlen Regenluft.
Hvala“, sagte er und betrachtete sie mit einer Mischung aus Neugier und jener typischen Rijecker Skepsis gegenüber Fremden. „Touristin? Zu spät im Jahr für Sonne, finden Sie nicht?“
Er sprach ein gebrochenes, aber charmantes Englisch mit einem schweren slawischen Einschlag.
Ich lebe jetzt hier“, antwortete Bärbel und wunderte sich selbst über die Bestimmtheit in ihrer Stimme. „Oben in Belveder.“
