Ein Haus wird Hundert - Franz Rohwer - E-Book

Ein Haus wird Hundert E-Book

Franz Rohwer

0,0

Beschreibung

Das Kreishaus Bordesholm wurde als Verwaltungsgebäude für einen Kreis Bordesholm, den es bis 1932 gab, gebaut. Wegen der Qualität der Architektur des sogenannten Heimatschutzes, wurde es 1976 unter Denkmalschutz gestellt. Nach Auflösung des Kreises begann eine wechselvolle Geschichte. Das Gebäude wurde nacheiander genutzt als Amtsgericht, Lazarett, Militärverwaltung und Veranstaltungsstätte. Die ehemaligen Räume der Kreisverwaltung wurden Wohnung der Familie des Autors. Im Gebäude waren auch immer mehrere weitere Wohnungen. Der historische Hintergrund der Entstehung des Hauses und die Geschichten, die sich um Bewohner und Geschehnisse ranken, sind Inhalt des Buches.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 57

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bordesholmer Edition

Bd. 9

Inhalt

Vorbemerkung

Königlich

Der Baumeister

Eine schriftliche Versteigerung

Der Saal - das Herz des Hauses

Besenrein

Eine prominente Mieterin

Künstler

Publikum

30 Jahre – Urtes Werkstatt

… und heute

?

Vorbemerkung

Schon immer wollte ich einmal aufschreiben, was wir alles mit und in diesem Haus erlebt haben. Das Gebäude wird 100 Jahre alt, voller Leben und rüstig! 36 Jahre, mehr als ein Drittel der bisherigen Lebenszeit des Kreishauses, haben wir in diesen Mauern hautnah mitbekommen. Somit konnte ich diesen Teil der Geschichte aus dem Gedächtnis aufschreiben. Allein dafür waren schon einige kräftige Denkanstöße nötig.

Für die wechselvolle Geschichte vor dieser Zeit musste ich in der Vergangenheit wühlen. Ich stellte fest, wie schwierig dieses ist, wenn die Zeitzeugen fehlen und wenn es um scheinbar unwichtige Dinge geht, die nicht in Dokumenten, Beschlüssen, Protokollen oder Veröffentlichungen festgehalten sind. Ebenso fehlen für die Kriegszeiten und Nachkriegswirren Aufzeichnungen oder auffindbare Zeitzeugen.

Ich versuche, die Geschichte des Hauses durch Geschichten zu vermitteln. Eine wissenschaftliche Dokumentation konnte und wollte ich nicht erstellen. Die Geschichte hinter den reinen Fakten habe ich mit Vermutungen, Wertungen und persönlichen Eindrücken interessanter verpackt.

Für den Zeitraum vor unserer Inbesitznahme hat der Geschichtsarbeitskreis der Heimatsammlung mich unterstützt. Ich konnte gar nicht alles Material verarbeiten, was der Arbeitskreis ermittelt hat, es hätte den Rahmen meines Vorhabens gesprengt. Ich danke den Mitgliedern und ganz besonders dem Sprecher Horst Rienau für die Unterstützung. Wenn ich im Text von

Familie Rohwer 1979

„wir“ schreibe, so sind meine Frau und oft meine Familie gemeint. Urte, und ihr gilt mein aufrichtiger Dank, hat mich ermuntert, korrigiert und dem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen.

Also Menschen statt Daten, Hintergründe statt nüchterner Fakten ist die Devise. Wir verstehen unser Büchlein als Angebot, uns zusätzliche Hinweise zu geben, eigene Recherchen mitzuteilen und vielleicht sogar eigene Erlebnisse oder Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Jubilar aufzuschreiben.

Für Hinweise, Erzählungen, Fotos geht ein Dankeschön an Ingrid Schröder geb. Schiewe, Bernd Schloer, Dieter Thilow, Reinhard Albers, Horst Rienau und Heribert Ostendorf, und für die drucktechnische Aufbereitung an Jürgen Baasch, Klaus Flor, Hartmut Wiedling und meine Tochter Wera Rohwer.

Königlich

Es ist noch keine 150 Jahre her, da standen unsere Landesteile Schleswig und Holstein noch unter dänischer Oberhoheit. Die Amtmänner, wie auch weitere wichtige Positionen der Amtsverwaltung, wurden vom Königreich Dänemark, von Kopenhagen aus, eingesetzt. Die in der Regel adligen Amtmänner hatten große Befugnisse, denn sie waren weit entfernt vom Machtzentrum und somit, fast allein regierend, verantwortlich für die gesamte kommunale Verwaltung, die Zivil- und Strafjustiz, das Schul- und Armenwesen, die Land- und Forstwirtschaft und sogar das Militärwesen.

Die hohen adligen Herrschaften waren häufig ortsabwesend, und so fielen dem Amtsschreiber als Stellvertreter des Amtmanns diese Funktionen zu.

Nach dem Krieg gegen Dänemark marschierten 1864 preußische und österreichische Truppen ein. Holstein wurde kurzzeitig österreichisch kaiserlich, mit eigenem k.u.k.- Beamten in Kiel. Durch Vertrag mit den Preußen zogen sich die Österreicher zurück und die königliche Oberhoheit wechselte nach Berlin. 1867 wurde der Landkreis Kiel mit Sitz in Bordesholm gegründet.

Erster preußischer „königlicher Landrat“ wurde Johann Adolph Freiherr von Heintze. Der studierte Jurist war vorher Amtsrichter in Steinburg und dann Amtmann für Kiel, Kronshagen und Bordesholm. 1895 folgt ihm sein Neffe Adolph Freiherr von Heintze, auch studierter Jurist, der schon zwei Jahre vorher von Berlin nach Bordesholm gesandt worden war, um seinen kranken Onkel zu unterstützen.

LandratAdolf von Heintze

AmtsvogtLudwig Grimm

Frau Witt, Tochter eines Amtsvogts, berichtet von der Zeit um 1850. Der Amtsvogt war Gerichts- und Polizeidiener. Er hatte auch alle Besorgungen zu erledigen. „Damit gab es Arbeit genug, zumal mein Vater in Dienstangelegenheiten fast täglich über Land musste. Alle Besorgungen des Amtes in dem großen aus 28 Dörfern bestehenden Bezirk oblagen ihm. So ritt er oft des Morgens sehr früh fort und kehrte erst spät des Abends zurück. .… Besonders in Anspruch nahmen uns die Gerichtstage. Dann war unsere Stube voll von Leuten, die aufs Amt geladen waren…. Oft hatte er auch Verurteilte nach Glückstadt in die Strafanstalt zu bringen“. Das war für den Amtsvogt eine anstrengende Tagesreise mit der Kutsche.

An der Schreibmaschine

Die erwähnten Gerichtstage fanden in den Räumlichkeiten des Amtes und später des Kreises statt. Ein erster Amtsrichter mit Namen Kruck wird 1803 im Rahmen einer Volkszählung erwähnt. Später werden dann noch die Amtsrichter Carstens, Beckmann und ab 1901 Braun erwähnt. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Sitz der Amts- und später Kreisverwaltung auch gleichzeitig Amtsgericht war.

Der Landkreis Kiel wurde, nach Auskreisung von Kiel (1883) und Neumünster (1901), offiziell ab 1907 in „Kreis Bordesholm“ umbenannt. Die Einwohnerzahl des gesamten Kreisgebiets dürfte etwa 45 000 betragen haben.

In die Zeit des Landrats Adolph von Heintze fiel auch der Beschluss ein Kreishaus zu bauen, nahezu 45 Jahre nach Gründung des Kreises. Das sogenannte „Pastorenwitwenhaus“ am See sollte von der Kirchengemeinde verkauft werden und der Kreis erwarb das Grundstück im Rahmen einer Versteigerung für 8150 Mark. Der Betrag war vorher zwischen Kreis und Kirchengemeinde abgesprochen und das Procedere Formsache.

Pastorenwitwenhaus

Um ein repräsentatives Gebäude erstellen zu können, war ein Architekt erforderlich. So wurde die Stelle eines Kreisbaurats ausgeschrieben. Aus insgesamt 68 Bewerbungen wurde der Diplomingenieur. Johann Christian Garleff gewählt. Von ihm erwartete man nicht nur die Übernahme administrativer Aufgaben, sondern auch die Planung eines großen, repräsentativen Verwaltungsgebäudes und, wie oben angeführt, Amtsgerichts am Bordesholmer See. Der Saal in diesem Gebäude dürfte von Anfang an nicht nur für die

Sitzungsrunde

Sitzungen des Kreistages und des Kreisausschusses, sondern auch des Amtsgerichts genutzt worden sein. Der Landrat selbst allerdings blieb, wie seit Caspar von Salderns Zeiten, mit seinem Dienstsitz und seiner Wohnung in den durchaus herrschaftlichen Räumen des heutigen Klosterstifts.

Der Kreis Bordesholm wurde 1932 unter Protest von Vereinen, Organisationen und Parteien des Kreises durch einseitigen Verwaltungsakt aufgelöst. Das Amtsgericht verblieb im Gebäude und tagte noch bis Herbst 1939. Dann wurde es, während der Kriegs- und ersten Nachkriegszeit, als Lazarett genutzt. Ab 1947 verhandelte das Gericht wieder unter Leitung von Amtsrichter Münchhoff, der dann viele Jahre im Amt war.

Der ihm folgende Amtsrichter Dieter Thilow hat auf plattdeutsch eine Geschichte geschrieben, die ein kleines Streiflicht auf gemütliche Zeiten im Haus am See wirft. Wir geben diese Geschichte in dem Teil wieder, der sich vorwiegend mit dem Amtsgericht befasst.