Ein Psycho-Märchen - Die Wex - E-Book

Ein Psycho-Märchen E-Book

Die Wex

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Beschreibung

Eine Märchensammlung über Sucht, Schizophrenie, Affekt- und Persönlichkeitsstörung. Zudem eine Zusammenfassung des Schichtenmodells der Neurose von Fritz Perls (kein Märchen).

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Seitenzahl: 52

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Gewidmet:

Steffi und meinen HPPlern

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1:

Ein süchtiges Märchen (F1)

Kapitel 2:

Ein schizophrenes Märchen (F2)

Kapitel 3:

Ein affektives Märchen (F3)

Kapitel 4:

Ein persönlichkeitsgestörtes Märchen (F6)

Kapitel 5:

Perls‘ Schichtenmodell der Neurose

Kapitel 1:

Ein süchtiges Märchen

(Wir haben kein Problem!)

Liebe Kinder, gebt fein Acht, ich hab euch etwas mitgebracht: In einer entfernten Galaxie gibt es einen Planeten namens Suchtelstern. Auf Suchtelstern leben nur Süchtige. Auf Suchtelstern gibt es ein Land namens Suffisparadies. Nein, da leben nicht die Sufis. Da leben die Suffköppe beziehungsweise Alkoholiker. Na gut, ein oder zwei Sufis leben da auch.

Aber alkoholabhängige Sufisten sind ja dann doch eher die Ausnahme. Zumindest in der Theorie. (Asketische) Sufisten hin oder her… es gibt eine einfache Erklärung dafür, dass auf Suchtelstern nur Süchtige leben: Viele Planeten in der Umgebung laden ihre Süchtigen einfach auf Suchtelstern ab. Wahrlich jede Sucht ist zu finden auf Suchtelstern. Sowohl stoffgebundene Süchte als auch nicht stoffgebundene Süchte sind hier vorhanden. Substanzgebundene Süchte: Alkohol-, Drogen-, und Medikamentensucht. Substanzungebundene Süchte (Störung der Impulskontrolle): Glücksspielsucht, Kleptomanie, Pyromanie, Trichotillomanie (das Ausreißen der eigenen Haare) und so weiter.

Ja, auf Suchtelstern ist nun wirklich jeder Suchtel gut vertreten: Der Suffkopp, der Druffi, der Pillenschmeißer, der Zocker, das Klau-Schwein, der Zünsler, das gerupfte Huhn und alle anderen. Und jeder Suchtel bekommt sogar sein eigenes Land auf Suchtelstern. Es gibt ein Land für die Alkoholiker. Ein Land für die Drogensüchtigen. Eins für die Medikamentensüchtigen. Eins für die Glücksspieler. Eins für die Kleptomanen. Eins für die Pyromanen. Eins für die Trichotillomanen und so weiter. Doch auf Suchtelstern gibt es sogar Bewohner, die sind gar nicht süchtig (weder physisch noch psychisch). Diese armen Seelen hatten sich auf ihrem Heimatplaneten politisch unbeliebt gemacht und wurden daher einfach weg geschafft. Zudem werden diese Nicht-Süchtigen auf Suchtelstern für wissenschaftliche Experimente missbraucht: Was passiert, wenn einzelne nichtsüchtige Organismen zu den verschiedenen Gruppe der süchtigen Organismen hinzugefügt werden et cetera? Diese nicht-abhängigen Suchtelstern-Bewohner nennt man übrigens „Unabhängige“ oder „Autonome“.

Die Unabhängigen sind in der Unterzahl und haben‘s wohl schwerer als Druffis & Co. Naja, wie man‘s nimmt. Die Suchteln haben’s aber auch nicht gerade leicht. Die Suchteln bekommen ja weder Drogen noch Medikamente auf Suchtelstern. So ein kalter Entzug kommt fei richtig übel. So übel, dass der kalte Entzug mitunter enden kann im kalten Nass… äh Grab. Aber wie heißt es so schön: „A Guada hoits aus end uam an Schleachta iss need schaad.“ / „Ein Guter hält es aus und um einen Schlechten ist es nicht schade.“ Einmal ist so ein Druffi verstört durch die Gegend geirrt. Verstörter als sonst. Und verstörter als all die anderen Druffis. Gut, Poli (so heißt der besonders verstörte Druffi) ist Politoxikomane. Er ist abhängig von mehreren Suchtstoffen gleichzeitig. Aber sogar für seine Verhältnisse war Poli diesmal extrem verstört. Poli irrte bewusstseins-, aufmerksamkeits-, und wahrnehmungsgestört herum.

Und zudem wies er psychomotorische Störungen auf. Er litt unter einem deliranten Syndrom.

So ein Delir kann eine organische Ursache haben. Das Delirium kann aber auch als Nebenwirkung eines Medikamentes oder einer Droge auftreten. Zudem kann das Delir ein Entzugssyndrom sein. Ursachen hin oder her, die Folgen können tödlich sein (Herzversagen, Atemstillstand etc.).

Poli hatte aber Glück im Unglück und fand Hilfe bei seinen Suchtel-Kollegen. Manche hatten ihren eigenen Entzug gut überstanden und waren nun clean. Die Ex-Süchtigen fanden den deliranten Poli gerade als dieser zusammenbrach. Ein Ex-Suchtel zum anderen: „Boa fuck, der schiebt grad voll sein Affen.“ Poli war zwar ohnmächtig, aber leicht weckbar… mit ein paar kräftigen Watschen. Th, das zum Thema Erste Hilfe. Ohrfeigen sind keine adäquate Weckmaßnahme. Ja, man hat es nicht leicht auf Suchtelstern. Vor allem als Suchtel. Die Autonomen sind aber auch echt arme Schweine. Man stelle sich vor: Man selbst ist weder körperlich noch psychisch abhängig. Weder von Alkohol noch von sonst was. Ja vielleicht mag man Alkohol noch nicht einmal. Und dann landet man plötzlich auf einem Planeten, auf dem alle dicht sind. Man landet zum Beispiel in Suffisparadies… ringsherum nur Besoffene.

Spätestens dann sagt man: „Ich hab‘ kein Problem mit Alkohol! Nur ohne!“ Nüchtern hält man die ganzen Besoffenen nämlich nicht aus. Echt nicht. Vor allem anfangs war es ganz schlimm. Da waren die ganzen Säufer übel auf Entzug und voll auf Krawall gebürstet. Vom Mundgeruch ganz zu schweigen. Die Fahne allein haut dich schon um. Da bräucht‘s gar keinen Faustschlag mehr.

Fahne hin oder her… dank Alkoholentzug gab‘s noch mehr Prügeleien als sonst. Zudem gab es das eine oder andere Alkohol-Entzugsdelirium. Ein Alki rannte verschwitzt, verwirrt, verängstigt, rastlos, orientierungslos, lallend, schnaufend, halluzinierend, krampfend und zitternd (Tremor) umher. Bis er stolperte und zu Boden ging. Da lag er nun der arme Alki. Regungslos. Atemstillstand. Aber zum Glück wurde er von seinen Saufbrüdern aufgehoben und aufgepäppelt.

Die hatten sogar das mit der Ersten Hilfe auf die Reihe gekriegt. Ganz ohne Ohrfeigen. Dafür aber mit Rippenbruch (Wiederbelebung 30 zu 2). Es hätte aber noch viel schlimmer kommen können. So ein Delirium tremens kann ja schließlich tödlich enden. Ich sag nur: „AA. Arme Alkoholiker.“ Weil es in Suffisparadies keinen Alk gab, saßen die Suchteln ja leider auf dem Trockenen. Aber zum Glück gibt’s da Kartoffeln und Reis und so Zeug. Also brennen sie sich ihren Fusel nun selber. Viele von den Säufern bauen sich sogar Hütten und was man sonst noch so braucht. Fleißig sind vor allem die Säufer, die höchstens psychisch abhängig sind und nicht körperlich. Die Säufer, die körperlich abhängig sind, schlafen im Rausch meist eh überall... und legen daher nicht unbedingt gesteigerten Wert auf den Komfort einer schönen Hütte.

Wobei der Komfort in so einer Alki-Hütte sowieso eher recht bescheiden ausfällt. Komfort hin oder her… sogar die körperlich abhängigen Säufer können zwischendurch abstinente Phasen haben. Dann bauen sogar diese Säufer schön ihre Hütten. Des Weiteren gibt es mitunter Säufer, die es sogar im akuten Suff-Zustand fertig bringen, eine feine Hütte zu bauen. Zudem helfen sich die Säufer alle gegenseitig.