Eine Speculation - Otto Ruppius - E-Book

Eine Speculation E-Book

Otto Ruppius

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Beschreibung

In "Eine Speculation" von Otto Ruppius entfaltet sich eine tiefgründige Analyse der menschlichen Existenz und der moralischen Implikationen des Wissens. Mit einem literarischen Stil, der sowohl philosophische als auch literarische Elemente vereint, nimmt Ruppius die Leser mit auf eine gediegene Reise durch die Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts. In einem Dialog zwischen Skepsis und Gewissheit erforscht er die Grenzen des menschlichen Verstehens und die vielfältigen Facetten der Spekulation, eingebettet in den Kontext des aufkommenden Rationalismus und der Wissenschaftsrevolution dieser Epoche. Otto Ruppius, ein einflussreicher Denker seiner Zeit, wurde durch seine tief verwurzelte Religiosität und seinen unstillbaren Wissensdurst geprägt. Seine Auseinandersetzung mit der Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften spiegelt sich deutlich in "Eine Speculation" wider. Ruppius, der oft zwischen den Welten von Glauben und Vernunft pendelte, stattete dieses Werk mit einer neuen Perspektive auf die menschliche Moral und die Fähigkeit zur Reflexion aus – eine Reflexion, die in seiner Lebenszeit wohl von besonderer Relevanz war. Dieses Buch ist ein unverzichtbares Werk für alle, die sich mit den Ursprüngen der modernen Philosophie und der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens auseinandersetzen möchten. Ruppius' differenzierte Betrachtung der Spekulation lässt die Leser nicht nur nachdenken, sondern regt auch zur kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Überzeugungen an. Ideal für akademische Leser und Philosophieinteressierte, bietet es eine ausgezeichnete Grundlage für das Verständnis von Glauben, Wissen und Ethik im Kontext der Aufklärung.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Otto Ruppius

Eine Speculation

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547847083

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text

Eine Speculation.

Inhaltsverzeichnis
Erzählung aus dem amerikanischen Südwesten.
Von Otto Ruppius.

Den Mississippi herauf arbeitete sich ein mächtiges Dampfboot und begrüßte die vor ihm liegende Häusermasse von St. Louis mit einem kaum enden wollenden Brüllen der Dampfpfeife. Die Gallerien der oberen Cajüte wie der Bord des untern Packraums zeigten sich dick mit Passagieren besetzt; es war die Jahreszeit, in welcher Jeder, der es ermöglichen kann, dem tiefen Süden mit seinen Krankheiten entflieht – und als das Boot die unabsehbare Reihe der an der Landung neben einanderliegenden Fahrzeuge passirt und an einer leeren, sichtlich reservirten Plattform angelegt hatte, schien die herabdrängende Menge der Reisenden kaum das Niederfallen der Landungsbrücke erwarten zu können, um den festen Boden zu gewinnen. Als sich endlich der Hauptstrom der Angelangten sammt den sich schreiend Bahn brechenden Packträgern an das Land ergossen, betrat ein junger, modern gekleideter Mann, die Reisetasche in der Hand und einen kleinen Koffer hinter sich herschleifend, die Plattform, in augenscheinlicher Unschlüssigkeit auf das Gewühl vor sich und die auf der Höhe der Laudung ausmündenden Straßen der Stadt blickend. – „Hotel, Sir?“ –„Hotel?“ klang es ihm von verschiedenen Seiten entgegen, und im nächsten Augenblicke sah er sich auch von einem engen Kreise eifriger „Runners“ umgeben, von denen ihm Jeder mit wunderbarer Geschwätzigkeit ein anderes Gasthaus zu empfehlen und zugleich sich seines Gepäcks zu bemächtigen suchte.

„Halt einen Augenblick!“ rief der Ankömmling abwehrend, „weiß Einer von Euch, wo das Bankgeschäft von C. F. Peters ist? Ich muß jedenfalls dort in der Nähe unterzukommen suchen!“

„Mr. Peters steht dort an der Office, Sir,“ ließ sich eine Stimme hinter ihm hören, „der Gentleman mit dem grauen Haare neben der Lady, Sir, und wenn Sie ihn sogleich sprechen wollen, so trage ich Ihnen dann Ihr Gepäck nach, Sir!“

Der zurückgewandte Blick des jungen Mannes fiel zuerst in das Gesicht eines riesigen Schwarzen, welcher sich mit freundlichem Grinsen verbeugte und mit einem: „Sie sind ganz sicher, Sir, Porter Nr. 2 vom Boot!“ auf das metallene Schild seiner Mütze zeigte – dann aber auf den angedeuteten, als „Office“ bezeichneten Punkt, ein kleines hölzernes Haus, welches neben aufgeschichteten Fässern und andern Frachtgütern sich auf der halben Höhe der Landung erhob. Dort standen zwei Männer in modischer, leichter Sommertracht, die Entleerung des angelangten Bootes beobachtend, und einen halben Schritt zurück, im Schatten des Gebäudes eine schlanke, elegante Frauengestalt.

„Es ist gut, Bob, ich werde am besten thun, die Gelegenheit zu benutzen,“ erwiderte der Ankömmling, nach einer kurzen Ueberleguug sich seines Gepäcks entledigend, „verwahrt mir die Sachen hier, bis ich zurückkomme. Wer ist der andere Gentleman?“

„Cornel[1] Webster, der Haupteigenthümer des Bootes hier, Sir!“ war die Antwort, in welcher sich die ganze Ehrfurcht vor der Bedeutung des Genannten ausdrückte, und mit einem leichten Kopfnicken wandte sich der Frager ab, durch das Gewühl von Menschen und hallenden Lohnkutschen die bezeichnete Richtung einschlagend. Auf halbem Wege indessen zog er sein Taschenbuch, entnahm ihm einen sorgfältig darin verwahrten Brief und begann dann sich das leicht umgeschlungene Halstuch, sowie den darüber gelegten Hemdenkragen sorgfältig zurecht zu rücken.

Nach kurzem Gange hatte er die Gruppe erreicht und sich dem ihm bezeichneten ältlichen Manne zugewandt, in dessen glattrasirtem Gesichte mit der voll ausgeprägten amerikanischen Geschäftsmiene er indessen umsonst nach einem bekannten Zuge zu suchen schien. „Mr. Peters?“ fragte er, noch wie im halben Zweifel.

„Das ist mein Name, Sir!“ erwiderte der Angeredete, mit einem kurzen scharfen Blick die stattliche Gestalt des Herangetretenen überfliegend.

„So bitte ich um Entschuldigung,“ fuhr dieser deutsch auf die erhaltene englische Antwort fort, „wenn ich die glückliche Chance zur Ueberreichung eines Briefs benutze, der mir in Deutschland zur persönlichen Abgabe eingehändigt worden war.“

„Ah!“ zog Jener, mit einer leichten Befremdung in seinen Zügen das dargereichte Convert in Empfang nehmend und es nach einem kurzen Betrachten der Adresse öffnend; der junge Mann trat einen Schritt zurück und warf einen Blick nach den beiden Uebrigen der Gesellschaft. Der von dem Schwarzen als Colonel Webster Bezeichnete hatte sich bei dem ersten Klänge der deutschen Laute weggedreht und schien auch sogleich Gelegenheit gefunden zu haben, durch einige Rügen gegen die unweit arbeitenden Lastträger den hohen Ton des Befehlenden hören zu lassen; er konnte nur einige Jahre älter sein als der Angekommene, und sein ganzes Aeußere zeigte trotz der Geschäftszeit eine sorgfältige Eleganz. Die junge Dame, halb von dem reichbefranzten Sonnenschirm verdeckt, schien den Herangetretenen kaum beachtet zu haben und mit abgewandtem Kopfe gleichgültig das Gewühl an der Laudung zu betrachten.

„Well, Sir, ich freue mich, Sie hier zu sehen, obgleich ich mich Ihrer selbst kaum mehr erinnere,“ begann Peters nach einem kurzen Durchstiegen des entfalteten Schreibens; „der Brief ist schon manchen Monat alt, Sie kommen also nicht direct von Deutschland?“

„Ich war fast ein Jahr in New-York, und wäre wohl auch noch dort, wenn die jetzige Geschäftskrisis nicht die Hälfte der jungen Leute beschäftigungslos gemacht hätte,“ erwiderte der Ankömmling in freimüthiger Haltung. „Ich hatte das Unglück, in einem der Häuser placirt zu sein, die ganz schlossen. Dann wandte ich mich nach Cincinnati, um mein Heil auf die eigene Brauchbarkeit hin zu versuchen, und erst als ich auch dort fand, daß alle Arbeitskräfte auf das Nothwendigste beschränkt werden, entschloß ich mich hierher zu gehen, wo das Geschäft noch flott sein soll, und mich Ihnen nach dem Wunsche meines Vaters vorzustellen.“

„Hm, hm!“ brummte der Bankier, mit halb zerstreutem Blick den Brief in seiner Hand zusammenfaltend, und wandte sich dann nach seiner Begleiterin. „Hier, Ellen, dies ist der Sohn unseres alten Freundes Behrend, dessen Du Dich wohl noch aus den Lebzeiten Deiner Mutter erinnerst!“

Die Dame wandte langsam den Kopf, und der junge Mann sah in ein jugendliches Gesicht voll durchsichtiger, aristokratischer Blässe, das indessen durch ein großes, dunkeles Augenpaar ein wunderbares Leben gewann. Sie ließ einen gleichmüthigen Blick auf die Züge des vor ihr Stehenden fallen und sagte dann, kalt den Kopf neigend, englisch: „Ich habe wohl kaum noch eine recht klare Erinnerung aus Deutschland, Pa!“ In das Gesicht des jungen Mannes aber war plötzlich ein helles Roth geschossen. „Wenn dies Fräulein Helene ist,“ erwiderte er wie in leichter Befangenheit, „so habe ich wenigstens noch eine deutliche Erinnerung an die dunkeln, böse zusammengezogenen Augenbrauen des kleinen Mädchens, das ich wider seinen Willen aus dem Wasser zog, aus dem es sich trotz der Gefahr durchaus selbst helfen wollte!“

Für einen kurzen Moment erhielten ihre Wangen einen Anflug von Farbe, und ihr Auge ruhte schärfer auf dem Gesicht des Sprechenden, „Wohl möglich,“ versetzte sie dann leicht, ihr Englisch beibehaltend, während ihre Züge wieder den Ausdruck der frühern Kälte annahmen, „es mag indessen eine ziemlich lange Zeit zwischen Ihrer Erinnerung und heute liegen!“

„Und währenddem sind aus Kindern Leute geworden,“ nickte der Alte mit einem Zuge leiser Satire um den Mund. „Sagen Sie, Mr. Webster,“ wandte er sich dann englisch an den Genannten, „hier ist der Sohn eines alten Freundes von mir, der bereits längere Zeit in New-York im Geschäfte gewesen ist; haben Sie selbst irgend eine Vacanz oder wissen Sie zufällig eine solche?“

„Ich denke, Sir,“ erwiderte dieser, sich nur halb zurückwendend, „wir haben bereits eine solche Menge unbeschäftigter und ganz tüchtiger junger Leute aus dem Osten hier, daß Sie Ihren Landsleuten rathen sollten, diese nicht noch zu vermehren!“

„Es ist im Grunde wirklich so,“ schloß sich Peters mit einem halben Achselzucken dem Ausspruche an, „indessen will ich Ihnen nicht alle Hoffnung nehmen, und wenn ich auch in meinem eigenen Geschäfte übervoll besetzt bin, so soll es mich doch jederzeit freuen, Sie, so oft Sie wollen, bei mir zu sehen – Bank der Versicherungs-Compagnie, Sir, die Ihnen jedes Kind zeigen kann und wo Sie mich immer bis drei Uhr Nachmittags finden werden!“ Er neigte leicht den Kopf und bot dem jungen Manne die Hand.