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Natürlich ist das hier nur eine Bar. Natürlich servieren die Damen nur Getränke, und selbstverständlich ist das dort drüben kein Hinterzimmer. An diesem Tag sieht er sich nach frischem „Material“ für sein Dienstleistungsgewerbe um. Der neuen jungen Frau dort muss er erst einmal zeigen, wie das hier so läuft.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Sollte er einen der neuen Cocktails probieren, oder doch lieber nur ein kleines Bier? Dieser Laden hier war natürlich nur eine Bar. Schließlich stand auf dem Gewerbeschein „Gastgewerbe“, und nicht sonst etwas. Den Besitzer kannte er gut, schließlich hatte er ihm einige Kredite eingeräumt, um die Dinge hier in Ordnung zu bringen und am Laufen zu halten.
Nur, was machte diese Frau dort drüben, die vielleicht 20 war und ziemlich gut aussah? Allerdings nicht wie jene, die üblicherweise hier verkehrten. Was erwachsene Leute untereinander ausmachten, war schließlich nicht seine Sache – aber er verdiente daran. Warum auch immer sie sich hierher verirrt hatte – sah nach neuem Material aus.
Konnte es sein, dass sie hier als Kellnerin tätig geworden war? Sie würde nicht einmal bis zum Ende der Woche durchhalten, so wie sie sich gerade an einem der kleinen Tische anstellte. Immerhin würde sie dann nicht sofort verschwinden, wenn er ihr ein viel besseres Angebot unterbreitete. Wo die Trinkgelder dann in seine Tasche flossen. Wahrscheinlich dachte sie auch, diese unscheinbare Tür neben der Herrentoilette würde zu einem Lagerraum führen oder so. Er konnte sich ja einmal hinsetzen, und …
Die junge Frau näherte sich ihm, lächelte ihm zu, als wäre er nur irgendwelche Laufkundschaft. Wenn sie wüsste, was er wirklich war.
„Was darf ich denn bringen?“, fragte sie und legte ihre Hände auf der glatten Tischplatte ab. Ihre Fingernägel hatten schon einmal die richtige Farbe für ihre zukünftige Aufgabe.
„Was ist denn heute so … im Angebot?“
„Vielleicht einmal … ein schönes helles Bier?“
„Genau!“, bestätigte er und begutachtete sie noch genauer.
Sogar wenn sie nicht darauf einsteigen würde, war noch nichts geschehen, dass sie ihm irgendwie anhängen konnte. Wie er sie deutlich und doch nicht zu deutlich ansehen sollte, wusste er schon von vielen anderen seiner Eroberungen. Außerdem, seine Aufgabe war es schließlich, für die Sicherheit seiner Damen zu sorgen. Sie vor Kundschaft zu schützen, die nicht bezahlen wollte, vor der zu billigen Konkurrenz … alles halt.
Nun war sie es, die ihn etwas direkter ansah. Als ob sie doch schon wusste, wie das hier lief, und nur auf ihn gewartet hatte. Er würde es herausfinden, und wenn sie nicht wollte … nicht sein Problem. Ihr Problem. Aber … er sollte sich wirklich bemühen, sie etwas anders und nicht zu direkt anzusehen. Sicher, er war hier ein Kunde wie jeder andere auch, der was zu trinken bestellte. Aber er war ein Zuhälter!
Womöglich passte auch der Chef hier auf, dass sie ihre Arbeit stets korrekt machte. Getränke servieren natürlich. Nicht dass er jeden Tag hier war, aber manchmal dachte er sich, er sollte sich noch unauffälliger verhalten. Aber es machte ihm Spaß, hier etwas vorzuspielen – und vielleicht auch bald dort drüben im Hinterzimmer. Er kannte diese Lokale, wo das Personal nur zum Kauf von Getränken zu Fantasiepreisen verführen sollte. Aber hier lief eben auch mehr, wenn es jemand wollte. Aber das musste ihr erst jemand zeigen. Bevor sie es mit anderen machte, natürlich zuerst er.