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Anstiegsbeschreibungen zu einigen selten besuchten, aber sehr lohnenden Bergen in Graubünden. Diese Berge sind fast alle knapp über oder knapp unter 3000 Metern und relativ gut zu erreichen. Fast alle Gipfelziele sind als Tagestouren möglich und bei normalen Verhältnissen von berggewandten Alleingängern druchaus zu meistern. Dabei bewegen wir uns meistens in angenehmem Abstand zu den berühmtheiten des Kantons, wie Piz Bernina, Piz Linard oder Piz Kesch und finden auf diesen Touren somit neben der häufig gewünschten Bergeinsamkeit auf grandiose Ausblicke auf die ganz hohen Nachbarn vor.
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Einsame Gipfelziele in Graubünden
Inhaltsverzeichnis Gipfeltouren
Tour 1: Tiejerflue (2781m) Plessuralpen
Tour 2: Erzhorn (2924m) Plessuralpen
Tour 3: Sandhubel (2769m) Plessuralpen
Tour 4: Lenzerhorn (2905m) Plessuralpen
Tour 5: Pizza Naira (2870m ) Plessuralpen
Tour 6: Radüner Rothorn (3022m) Albula Alpen
Tour 7: Älplihorn (3007m) Albula Alpen
Tour 8: Bocktenhorn (3044m) Albula Alpen
Tour 9: Scalletahorn (3061m) Albula Alpen
Tour 10: Pizza Grossa (2938m) Albula Alpen
Tour 11: Piz Val Lunga (3078m) Albula Alpen
Tour 12: Piz Blaisun (3200m) Albula Alpen
Tour 13: Piz Cotschen (3195m) Albula Alpen
Tour 14: Piz Sarsura Pitschen (3121 m) Albula Alpen
Tour 15: Chüealphorn (3078m) Albula Alpen
Tour 16: Panüler Kopf (2859) Rätikon
Tour 17: Scheienflue (2628 m) Rätikon
Tour 18: Piz Sagliains (3101 m) Silvretta
Tour 19: Piz Murtera (3044) Silvretta
Tour 20: Piz Nuna (3124 m) Sesvennagruppe
Tour 21: Piz Madlain (3099 m) Sesvennagruppe
Tour 22: Piz Tschierva (3545 m) Berninagruppe
Tour 23: Piz Misaun (3241 m) Berninagruppe
Tour 24: Piz d`Angel (3205 m) Albula Alpen
Tour 25: Piz Picuogl (3333 m) Albula Alpen
Tour 26: Gletscherhorn (3107 m) Aversberge
Tour 27: Piz Alv (2854 m) Aversberge
Tour 28: Piz Cagniel (2970 m) Aversberge
Tour 29: Piz Piot (3053 m) Aversberge
Tour 30: Mazzaspitz (3164 Meter)
Tour 31: Pizzo della Palü (3172 m) Aversberge
Tour 33: Ofen (2873 Meter) Taminaberge
Tour 34: Crap Mats (2946 Meter) Taminaberge,
Tour 35: Tristelhorn oder Piz da Sterls (3114 Meter) Taminaberge,
Tour 36: Piz Riein (2762 m) Adula Alpen, Signinagruppe
Tour 37: Bruschghorn (3056 m) Adula Alpen
Tour 38: Piz Tomül (2943m) Adula Alpen
Tour 39: Piz Scharboda (3122 m) Adula Alpen
Tour 40: Chilchalphorn (3056m) Adula Alpen
Tour 41: Piz Vallatscha (3109 m) Adula Alpen
Einleitung:
Hauptintention dieses Führers ist es, zur besseren Verteilung der zahlreichen Bergsteiger in den Alpen beizutragen. Es werden also Tourenziele vorgestellt, auf welchen eher selten Begegnungen mit anderen Bergsteigern zu erwarten sind. Dafür aber sind Begegnungen mit Steinböcken oder Murmeltieren umso wahrscheinlicher. Die vorgestellten Touren führen allesamt durch unerschlossenes, relativ ursprüngliches Terrain und bieten eine ideale Möglichkeit dem alpinen Massentourismus zu entfliehen.
Die Nähe einiger der vorgestellten Tourenziele zu bekannten Feriendestinationen wie Davos, Flims oder Arosa ändert an dieser Tatsache nichts.
Sämtliche Touren sind unter normalen Verhältnissen während der gesamten Sommersaison von Juni bis Oktober problemlos durchzuführen, wobei natürlich zwischenzeitliche Wintereinbrüche in Höhen um 3000 Meter nie ganz auszuschließen sind.
Alle Ausgangspunkte sind dank dem hervorragenden Schweizer Postautonetz problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Hinweise dazu sind den Tourenkurzbeschreibungen beigefügt.
Weiterhin ist allen Touren gemeinsam, das sie bisher in noch keinem anderen Tourenführer erschienen sind (von den Alpenvereinsführern natürlich abgesehen), wodurch das Spektrum an beschriebenen Tourenmöglichkeiten vergrößert wird. Bücher welche in immer wieder neuer Form Viertausender oder andere Modeberge auflisten sind mittlerweile genug erschienen. Dieses Buch wendet sich nun an den individualistisch angehauchten Teil unter den Bergsteigern, welcher im Gebirge in erster Linie das Erlebnis in der Natur sucht und dabei weniger Wert auf berühmte Gipfelnahmen legt. Trotzdem befinden sich unter den aufgeführten Touren durchweg stattliche und alpinistisch reizvolle Bergziele, darunter zahlreiche Dreitausender. Keine der Touren überschreitet den 2. Schwierigkeitsgrat und auch die wenigen Gletscherüberschreitungen sind durchweg als harmlos einzustufen und fast spaltenfrei. Somit sind alle vorgestellten Gipfelziele auch , entsprechende bergsteigerische Erfahrung vorausgesetzt, von berggewandten Alleingängern verantwortungsvoll zu erreichen.
Die Tourenbeschreibung beginnt jeweils mit einer allgemeinen Vorstellung des Berges. Dann wird auf den Wegverlauf selbst eingegangen. Dazu sind in einer Extraspalte für die Tourenplanung wichtige Angaben wie Höhenmeter, Distanz, Schwierigkeit und Unterkünfte aufgeführt. Zusätzlich wird jede Tourenbeschreibung durch Bilder ergänzt. Auf die Aufzählung der gängigen Verhaltensweisen im Gebirge wird im Rahmen dieses Führers bewusst verzichtet, da diese erstens hinlänglich bekannt sein dürften, und zweitens in fast jedem Bergbuch zu finden sind. Auch auf umweltgerechtes Verhalten in den Bergen, wie z.B. das wieder Mitnehmen des eigenen Mülls muss wohl nicht extra hingewiesen werden, weil dies für Bergsteiger und Wanderer eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist wenn möglich natürlich ebenfalls dem eigenen Auto vorzuziehen, schon weil so eine deutlich stressfreiere An-und Abreise garantiert sind.
Geographische und sprachliche Einteilung
Graubünden stellt zwar Flächenmäßig mit 7113 Quadratkilometern den Größten Kanton der Schweiz ( 17,2% der Landesfläche, ist mit seinen knapp 270.000 Einwohnern aber äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 26 Einwohner pro Quadratkilometer bevölkern den am dünnsten besiedelten Kanton der Schweiz. Die Kantonshauptstadt Chur zählt ca.36.000 Einwohner. Weitere größere Orte sind Davos mit 12.000 Einwohnern, Landquart mit 7300, Domat Ems ( 6500 ) und St Moritz mit 5000 Einwohnern. Jährlich 3,5 Millionen Gäste, welche im Schnitt 3-4 Tage an einem Ort bleiben sorgen für ein Pro-Kopf-Einkommen von ca. 41.500 Schweizer Franken. Der Schweizer Gesamtdurchschnitt liegt mit 46.600 Millionen Franken nicht wesentlich höher. Etwa jeder 5. Arbeitsplatz ist unmittelbar, jeder 2. mittelbar vom Tourismus abhängig. So entfallen den Dienstleistungssektor ungefähr 64 % der Erwerbstätigen. Die Landwirtschaft ist noch mit etwa 6 % vertreten, die Industrie mit ca. 26%.
Knapp 27 % der Landesfläche sind mit Wäldern bedeckt, 29 % werden landwirtschaftlich genutzt. Die besiedelte Fläche hält sich mit 2 % in bescheidenen Grenzen, 42 % sind als unproduktiv zu bezeichnen, beinhalten aber die fantastische Bergwelt, der die Schweizer ihren Wohlstand letztendlich unter anderem zu verdanken haben.
Der Kanton lässt sich grob in 5 Großräume aufteilen.
Mittelbünden umfasst die Landschaft Davos, das Schanfigg, die Lenzerheide,die Herrschaft Chur und Teile des Oberhalbsteins.
Das Engadin lässt sich in Ober-und Unterengadin aufteilen, und beinhaltet die Seitentäler Samnaun, Puschlav und Münstertal.
Das Vorderrheintal lässt sich mit den Talschaften des Domleschg, des Safiertals, des Valsertales, Lungnez, Somfix, Medels und Tavetsch zur Surselva zusammenfassen.
Den vierten Großraum bilden das Avers, das Schamsertal und das namengebende Rheinwaldgebiet.
Italienisch Bünden setzt sich nun aus den südlichen Talschaften Misox, Calancatal, Bergell und Valposchiavo zusammen, welche allerdings keine einheitliche Fläche bilden und zu den ärmsten und ursprünglichsten Teilen Graubündens gehören.
Diese italienischsprachigen Bastionen deuten schon auf die Mehrsprachigkeit Graubündens hin. Es heisst ein Bündner Parlamentarier müsse 3 Sprachen beherrschen, nämlich Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch, da im Bündner Parlament jeder in seiner Heimatsprache spreche. Die größten romanischen Bastionen sind das Engadin mit Ausnahme von St Moritz, das Gebiet des Julierpasses und das Vorderrheintal. Natürlich ist Deutsch in diesen Gebieten als erste Fremdsprache Pflicht und wird überall verstanden. Der letzte reine Rätoromane soll vor einigen Jahren als wohl uralter Mann in einem Nest im Oberland der Surselva gestorben sein ohne je einen Brocken Deutsch gesprochen zu haben. Für die heutigen touristischen Ambitionen der Bündner ist die (mindestens) Zweisprachkeit eine unabdingbare Voraussetzung.
Als Einzigartig ist die landschaftliche Vielfalt Graubündens zu bezeichnen. Vom ewigen Eis der Berninagruppe bis zu Palmenbeständen im insubrischen Klima des Val Posciavo sind fast alle Klimazonen auf engstem Raum vereint. Nicht zuletzt sind dafür die Höhenstufungen verantwortlich, welche sich von den 4051 Metern des Piz Bernina bis auf 260 Meter bei San Vittore im Val Posciavo erstrecken.
Gut 50% des Gebietes liegen über 2001 Metern, was das Maß an bewohnbarer Fläche deutlich einschränkt, andererseits aber äußerst günstige Bedingungen für die touristische Nutzung schafft.
Graubünden ist in zahlreiche Täler und Nebentäler zerschnitten und wird auch als "Land der Tausend Täler " bezeichnet. Ebenfalls in hohem Maße anzutreffen sind kleine versteckte Bergseen von erstaunlicher Klarheit und Einzigartigkeit. Dazu wilde Schluchten, tosende Wasserfälle und reissende Wildbäche.
Geologie
Durch Graubünden verläuft die tektonische Grenze zwischen West-und Ostalpen. Sie ist morphologisch markiert durch die Talflucht Septimerpass - Oberhalbstein - Lenzerheide - Rheintal ab Bodensee - Chur.
Graubünden ist im Wesentlichen die Domäne der penninischen (im Westen) und der ostalpinen Decken (im Osten). Ganz im Westen ragen noch das Gotthardmassiv und das Tavetscher Zwischenmassiv mit einer mächtigen Sedimentbedeckung herein. Auf die Kristallinkerne der penninischen Adula-, Tambo-und Surettadecke legt sich in den Gebieten südlich des Vorderrheintales, im Domleschg und im Plessurtal, der metamorhpe, mesozoische Bündnerschiefer mit eintönig grauen, intensiv verfältelten Glanzschieferserien. Über einer Flysch-Zwischenschicht (Lenzerheide, Prättigau) folgen die unterostalpinen Massen, deren kristalline, paläozoische Deckenkerne im Err-,Julier-und Berninamassiv aufgeschlossen sind. Über wenig mächtigen Sedimenten (Perm bis Kreide) thront als höchste Einheit das oberostalpine Silvretta-Ötz-Kristallin, das entlang der Engadin-Furche in zwei gegeneinander verschobene Komplexe geteilt ist. Im Unterengadin um Schuls hat die Erosion felsenartig die penninische Unterlage ( Bündnerschiefer )
aufgeschlossen. Schließlich sind die penninischen Decken Südbündens im Miozän vom Bergeller Granitpluton durchbrochen und durchschmolzen worden. In Graubünden finden sich Mineralien vor allem im Gotthardmassiv (Disentis-Oberalp-Lukmanierpass), aber auch im Oberhalbstein und im Albulatal, auf Lenzerheide und im Ofenpassgebiet (hier vorab Eisen-und Manganerze). Hauptkristallberg Graubündens ist der Piz Beverin, sodass auch am hier vorgestellten benachbarten Bruschghorn Mineralienfunde möglich sind. Im Übrigen aber ist die Region, vor allem in den Kalkalpen, arm an Mineralien. Am Meisten kommen noch Calcit, Fluorit und wenige Quarze vor.
Klima
Das bündnerische Alpeninnere ist den nördlichen Alpen gegenüber klimatisch deutlich bevorzugt, da es nicht dem regenbringenden Westwindwetter ausgesetzt ist. Vor allem das Unterengadin zählt zu den trockensten Regionen der Alpen. Die Haupttäler, vor allem das Churer Rheintal sind stark dem Föhn ausgesetzt. Dieser bewirkt eine spürbare Verlängerung der Vegetationszeit: Im Frühjahr schmelzt er den Schnee frühzeitig hinweg, und im Herbst trägt er zur Traubenreife im Churer und St.Gallener Rheintal bei, in welchen bis 600 Metern Höhe Trauben angebaut werden können. Bergell und Puschlav profitieren bereits vom insubrischen Klima der alpinen Südabdachung. Staulagen auf der Alpennordseite bringen langandauernde Landregen. An schönen Sommertagen entwickeln sich nicht selten heftige Gewitter, besonders entlang der Alpenfront mit kulturschädigenden Hagelschlägen.
Die tief eingeschnittenen Alpentäler wie das Domleschg, das mittlere Albulatal, das Churer Rheintal, das komplette Engadin und Münstertal gelten als ausgesprochene Trockenregionen mit jährlichen Niederschlagsmengen von 70 bis 80 cm. Währenddessen fallen im San Bernadinogebiet nicht weniger als 225,4 cm im Jahresdurchschnitt, womit dieses Gebiet das absolute Schweizer Maximum für sich in Anspruch nehmen darf.
Diese Niederschläge fallen mit zunehmender Höhe mehr und mehr in Form von Schnee. In 2000 Metern über dem Meer ist dies schon bei 60% der Niederschläge der Fall.
Eine einheitliche Zusammenfassung der klimatischen Situation Graubündens ist also nicht möglich, sodass man am besten vor Touren- oder Urlaubsbeginn spezielle Informationen über das geplante Tourengebiet, bzw. die Teilregion einholt.
Vegetation
Da Graubünden alle Höhenlagen von 500 bis über 4000 Metern umfasst, sind alle alpinen Vegetationsstufen und -zonen der Alpen vertreten.
Wichtigster und am deutlichsten sichtbarster Teil der Vegetation ist sicherlich der Bergwald. Die natürliche Waldgrenze liegt für die meisten Teile Graubündens bei etwa 2000 Meter. Diese Höhe wird allerdings ausschließlich vom Fichtenbergwald erreicht. Föhren und Fichtenwälder senken sich bis ca. 1000 Meter hinunter. Im Unterengadin kann die Bergföhre sogar auf bis zu 2400 Meter klettern. Die Rotbuche als im Mittelland klar vorherrschender Laubholzbaum ist im Bündnerland auf nährstoffreiche Böden und ansehnliche Niederschläge angewiesen. Prättigau und Bündner Herrschaft sind die Hauptverbreitungsgebiete der Buche, während sie Innnerbünden fast vollständig meidet. Sie erreicht Höhen von bis zu 1450 Metern und wird in höheren Lagen oftmals von Bergahorn, Wildkirsche und Heckensträuchern begleitet.
Die Rottanne ist vor allem in Prättigau, Unterengadin und im Rheintal anzutreffen.
Die Arve steigt in der Kampfzone auf über 2300 Meter hinauf und ist selten in Höhen unter 1500 Metern anzutreffen. Sie ist damit neben der Legföhre der Hauptvertreter dieser Kampfzone. Oft Blitz-oder Sturm gezeichnet, manchmal zerrissen bildet sie das Sinnbild des alpinen Überlebenskampfes.
Leider ist innerhalb der letzten beiden Jahrhunderte auch in Graubünden der Bergwald drastisch durch Rodungen verringert worden und zunehmend durch unansehliche Lawinenverbauungen ersetzt worden. Diese können allerdings nicht seine enorm wichtige Schutzfunktion gegen Erdrutsche und Bodenfließen einnehmen.
Die Pflanzenwelt Graubündens ist äußerst vielfältig, sind doch sogar die westlichsten Vertreter typisch ostalpiner Pflanzen wie dem Triglav Pippau oder dem ungarischen Enzian anzutreffen. Durch den alpinen Massenerhebungseffekt bedingt liegen die Vegetationsgrenzen hier sehr hoch. Kontinentale Lärchen-Arvenwälder mit dem Moosglöcklein im Unterwuchs beherrschen vor allem im Oberengadin das Landschaftsbild. Es treffen ostalpine Elemente wie Saumnarbe, niederliegender Enzian oder der österreichische Drachenkopf mit westliche Vertretern wie Monte Cenis-Glockenblume und Fünfblatt-Frauenmantel zusammen. In den föhnbeeinflussten Trockentälern gedeiht die Rebe. Die Föhre bildet ebenso ausgedehnte Waldbestände wie die wärme liebende Eiche mit rotblauem Steinsamen oder am Calanda der Treppenrasen mit der Küchenschelle. Während im Unterengadin trockenheit liebende Rasengesellschaften siedeln , besonders in der Umgebung von Zernez, treffen wir im Oberengadin auf Moore mit eher nordischem Charakter. Ausgedehnte Grauerlenbestände säumen den Innlauf. Die Südtäler weisen eine dem Tessin ähnliche, insubrische Flora auf. Im Puschlav wird die Buche durch ausgedehnte Hasel-Hopfenwälder verdrängt. Hier findet sich auch der einzige Standort des haselwurzblättrigen Schaumkrautes der gesamten Schweiz.
Oberhalb der Schneegrenze befinden sich im Berninagebiet noch 124 Pflanzenarten (z.B. im Monte Rosa-Gebiet 56). Auch in der eigentlichen Gletscherregion Graubündens befinden sich noch mehr als 2 Dutzend Gefäßpflanzen, von denen das stengellose Leimkraut und der Gletscherhahnenfuss sogar auf 3500 Meter Höhe steigen können. Über Dreitausend Meter Höhe ist auch noch der gegenblättrige Steinbrech zuhause, welcher zum Beispiel am Trinserhorn gefunden wurde.
Ungeklärt ist die Herkunft des blass-gelb blühenden Bündner Felsenblümchens, das einzig in Dolomitfelsspalten östlich von Zernez zwischen 2600 und 3000 Metern Höhe vorkommt und dort erst 1920 entdeckt wurde. Seine nächsten Verwandten sind in der Arktis und in den zentralasiatischen Hochgebirgen zu Hause.
Die ursprüngliche Pflanzenvielfalt ist allerdings leider zu einem nicht unbeträchtlichen Teil menschlichen Eingriffen zum Opfer gefallen. Auch die Entwicklung neu entstehender Arten wird leider vielerorts dem Skitourismus untergeordnet. So sind beispielsweise die weltweit einzigen Wuchsorte einiger neu entstandener Sippen um St. Moritz dem Wintersport geopfert worden. Das als Pflanzenschongebiet ausgewiesene Val da Fain an der Nordseite des Berninapasses, in dem früher sogar das Blumenpflücken verboten war, verlor durch intensive Beweidung der einstigen Mähwiesen und den Einsatz von Düngemitteln einen Großteil seiner einstmals berühmten Habichtskrautflora. In den zentralen Plessurbergen Arosas gelangt als Folge starker Überweidung das Borstgras zur Vorherrschaft und verdrängte die natürliche Vegetation.
Graubünden läßt sich mehr oder weniger deutlich in 5 Vegetationsstufen unterteilen. Als kolline Stufe werden Hügel und Waldstufe unterhalb von 800 Metern bezeichnet, sie ist im Bündner Rheintal, Domleschg, den unteren bis mittleren Regionen von Misox, Bergell und Puschlav und im vorderen Prättigau anzutreffen. Ursprünglich waren diese Regionen von ausgedehnten Laubmischwäldern bedeckt, deren Eichen und Buchenbestände aber heutzutage größtenteils der landwirtschaftlichen Nutzung weichen mussten. So dominieren heute beispielsweise in der Bündner Herrschaft Äcker, Obstgärten und Weinberge. Die Wälder finden sich nur noch an steilen Hängen oder sind zu Inseln geschrumpft. Die unteren Hanglagen und die restlichen Tallagen gehören der
montanen Stufe von 800 bis 1400 Metern an. Auch hier mußten die ursprünglichen Laub-und Föhrenwälder der Landwirtschaft weichen, wobei hier die Viehzucht immer stärker in den Vordergrund tritt. Die Obergrenze dieser Höhenstufe bildet auch zugleich die Laubwaldgrenze. Den größten Anteil an der Fläche des Kantons hat die als subalpine Stufe bezeichnete Gebirgs-und obere Waldstufe. Ihr gehören die mittleren Hanglagen und die Hochtäler zwischen 1400 und 2400 Mertern Meereshöhe an, z.B. Engadin, Landschaft Davos oder Rheinwald. Die lichten Lärchen-und Arvenwälder wurden zu einem beträchtlichen Teil zur Schaffung von Weideland gerodet. Erlen, Alpenrosen, Preiselbeeren und Alpenreben bilden einen dichten Unterwuchs, welcher der Tierwelt reiche Nahrung bietet. Oberhalb von 2400 Metern ist gar kein Wald mehr anzutreffen, hier fristen allenfalls noch einzelne Arven, Föhren oder Erlen ein karges Dasein, begleitet vom permanenten Kampf uns Überleben (deshalb als Kampfzone bezeichnet). Diese Hochgebirgs-und Rasenstufe wird als alpine Stufe bezeichnet. Aber auch hier entfaltet sich während des nur 3 bis 4 Monate dauernden Gebirgssommers eine vielfarbige Blütenpracht. Je höher es hinauf geht, desdo mehr werden die Rasenflächen von Schutt verdrängt, nur einzelne Moose und Flechten können hier noch überleben. Oberhalb von 3000 Metern kann keine Pflanzenart auf Dauer bestehen, Fels, Eis und Schnee bestimmen hier ganzjährig das Bild und lassen keinerlei Vegetation zu.
Tierwelt
Leider ist die fortschreitende Dezimierung der natürlichen Tierwelt des Alpengebietes auch am Kanton Graubünden nicht spurlos vorübergegangen. Zu früheren Zeiten ansässige Grossraubtiere wie Bär, Luchs oder Wolf sind auch hier schon vor vielen Jahren ausgerottet worden. Der ebenfalls schon ausgestorbene Alpensteinbock ist, wie in vielen anderen Alpengebieten mit Erfolg wieder angesiedelt worden. Auch durch das Fehlen der für das Ökosystem eigentlich so wichtigen Grossraubtiere konnte sich der Alpensteinbock wieder stark vermehren und wird von Förstern zunehmend für Schäden des Bergwaldes durch Wildverbiss verantwortlich gemacht. Ähnliches gilt für den Rothirsch. Wölfe sind nun allerdings wieder auf dem Vormarsch, wenn sie denn in Ruhe gelassen werden....
Weitere wichtige Alpentiere Graubündens sind das Murmeltier, dessen lautstarke Warnpfiffe auf fast jeder Wanderung zu hören sind und die sehr scheue Gämse, welche man nur in ziemlich unzugänglichem Gelände zu sehen bekommt.
Öfter anzutreffen sind Schneehase, Bergdohle, Schneehuhn und Steinhuhn. Auch das Reh ist in den tieferen Regionen des Bergwaldes stark verbreitet.
Zudem sind zahlreiche Insekten- und Heuschreckenarten in Graubünden zu finden. Ebenso zahlreiche Schmetterlingsformen wie zum Beispiel der Admiral.
Reptilien und Amphibien sind ebenfalls in allen Facetten anzutreffen. Molche , Frösche oder Lurche sind mit zahlreichen Unterarten vertreten, aber am meisten verbreitet in Graubünden ist sicherlich der schwarze Alpensalamander. Nach heftigen Gewitteregen ist er oft in direkter Nähe der Wanderwege anzutreffen.
Häufig vertreten sind auch Kreuzotter und Ringelnatter, allerdings nur in Höhen bis 1100 Meter.
Der eigentliche König der Alpenwelt aber ist der majestätische Steinadler mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern. Obwohl mittlerweile geschützt, sind in ganz Graubünden nur noch 3 Adlerpäärchen bekannt. Die Chance diese zu Gesicht zu bekommen ist also extrem gering.
Ein positiver Ansatz ist sicherlich die Wiederansiedlung des bei Bauern recht umstrittenen Bartgeiers, welcher den Steinadler an Größe noch übertrifft und für Übergriffe auf Lämmer verantwortlich gemacht wird. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren ist es Umweltgruppen gelungen wieder einige Paare dieses prächtigen Raubvogels im Bündnerland zu etablieren.
Am Schluss darf natürlich, obwohl nicht freilebend, die charakteristische, braun gefärbte Alpenkuh nicht unerwähnt bleiben, deren Weidegebiete sich mit zahlreichen Wanderwegen schneiden.
Insgesamt gesehen ist die Bündner Tierwelt nicht nur weniger vielfältig als die Pflanzenwelt, sie ist auch weniger auffällig. Dies wird am Beispiel des schweizerischen Nationalparks deutlich, wo zwar über 5000 verschiedene Tierarten anzutreffen sind, davon aber nur 135 Wirbeltiere. Zu den etwa 30 Säugetierarten und ca. 100 verschiedenen Vogelarten gesellen sich Bergmolch, Grasfrosch, Bergeidechse, Kreuzotter und Bachforelle hinzu. Der Rest der Fauna besteht aus Insekten, Spinnen, Tausendfüßlern, Würmern und noch kleineren Lebewesen. Diese nimmt man gemeinhin kaum wahr. Eine Ausnahme bilden da lediglich die bunten Schmetterlinge, welche zahlreiche Almwiesen bevölkern.
Die Touren:
1) Mittelbünden
Der Begriff Mittelbünden bezieht sich hier auf die Plessuralpen und die Albulaalpen.
Plessuralpen
Tour 1
Tiejerflue ( 2781m )
Riesenkegel über dem Schanfigg
Der Tiejerflue ist mit seinen 2781 Metern Höhe eine der stattlichsten Berggestalten der Plessuralpen. Schon während der Anfahrt durch das wildromantische Schanfigg nach Arosa bietet sein scharf geschnittener Kegel einen imposanten Blickfang.
Wie seine Nachbarberge ist auch der Tiejerflue aus hellem, scharfkantigem Kalkstein aufgebaut. Diese bizarren Kalkformationen fordern unwillkürlich zu einem Vergleich mit den Dolomiten heraus, woraus die Bezeichnung "Aroser Dolomiten" für diese Berggruppe resultiert.
Weite Schuttfelder sorgen für einen recht mühsamen Aufstieg. Zudem fordert das durchgehend brüchige Gestein die volle und ungeteilte Aufmerksamkeit des Bergsteigers während der Kletterstellen.
Aufgrund seiner relativ freistehenden Lage bietet der Tiejerflue eine erstklassige Rund-und Fernsicht.
Für eine Übernachtung wäre das Naturfreundehaus Medergen in Erwägung zu ziehen, welches in gut anderthalb Stunden von Arosa aus zu erreichen ist, und sich als preiswerte Unterkunftsmöglichkeit im sonst so mondänen Arosa anbietet. Allerdings ist die komplette Tour
ohne weiteres an einem Tag von Arosa aus durchzuführen, da der Ausgangsort mit seinen 1800 Metern ungewöhnlich hoch liegt.
Auch das 400 Meter tiefer gelegene Litzirüti böte sich als Ausgangspunkt an.
Tip: das Arosa Tourismusbüro bietet für 20 Franken geführte Touren auf den Tiejerflue an. Unter der kundigen Leitung von Bergführer Chris Gredig war der Tiejerflue eine meiner ersten "wirklichen Bergbesteigungen".
Eine Tour die ich immer noch immer wieder gerne durchführe.
Die Umgebung von Arosa bietet weitere interessante Wander-und Gipfeltouren, sodaß sich ein längerer Aufenthalt durchaus lohnen kann. Gehören die Gipfel der Plessuralpen auch nicht zu den ganz Großen der Alpen, so bieten sie doch imposante Ausblicke. Die Schutt-bzw. Felsflanken sind von einer Bilderbuchlandschaft der Extraklasse mit zahlreichen, versteckten Seeaugen und vielfältiger Pflanzenwelt umgeben. Auch die Chancen Wildtiere zu beobachten stehen im gesamten Gebiet sehr gut.
Der Wegverlauf
Vom Ausgangspunkt Oberseeplatz Arosa geht man rechts am markanten Postgebäude vorbei,
der Beschilderung folgend Richtung Untersee und Isel. Nach Erreichen der Isel links an der Kläranlage vorbei, der Beschilderung Maienfelder Furka folgend. Zur linken fällt nun eine markante hölzerne Hängebrücke ins Auge, welche überquert wird. Für Kinder ein besonderer Spaß ist es, das Schaukeln verboten Schild zu ignorieren. Nach der Brücke folgt geradeaus ein Pfad durch ein dichtes Fichtenwaldgebiet. Der Pfad führt weiter über eine vegetationslose Geröllfläche und einen Gebirgsbach (Brücke). Nun wendet er sich steil und mühsam in Serpentinen hoch, bis die
Baumgrenze erreicht ist (Wegweiser). Wir folgen weiter dem Pfad Richtung Maienfelder Furka, bis dieser sich am nächsten Wegweiser teilt (Punkt 2156 m). Dort folgen wir nun dem linken und deutlicher ausgeprägten Wegverlauf bis wir etwa eine dreiviertel Stunde später die Maienfelder Furka erreichen. Zur Linken markiert eine kleine Schutzhütte diesen Ort (keine Übernachtungsmöglichkeit). Links an dieser Schutzhütte vorbei führen Pfadspuren und Markierungsstangen zum 2660 Meter hoch gelegenen Tiejer Fürggli, einem Übergang zwischen Schwarzhorn und Tiejerflue. Bei unsicheren Wetterverhältnissen kann man hier umschwenken und in 15 Minuten problemlos das Schwarzhorn besteigen. Zwar finden sich kaum Pfadspuren, aber man folgt dem Nordgrat über einfaches Gehgelände zum 2756 Meter hohen Gipfel. Nun aber weiter zum Tiejerflue: Vom Tiejer Fürggli leiten Pfadspuren westwärts durch Geröll in die Südflanke, welche abrupt enden, sobald die Felsabsätze erreicht sind. Über schuttbedeckte Felsen steigt man nun mäßig schwierig bis nahe unter den Ostgrat. Kurz unterhalb der Grathöhe quert man durch leichter werdendes Gelände linksseitig zum mit einem Vermessungssignal und Gipfelbuch versehenen Gipfel.
Abstieg : Durch einen Kamin ( WS ) auf den Westgrat und auf diesem über Schuttfelder zurück zur Maienfelder Furka. An der Waldgrenze angekommen bietet es sich an, beim Wegweiser rechts einem kleinen Waldweg Richtung Grünseeli zu folgen, um eine Rast an den beiden beschaulichen Seelein einzulegen. Der leichte Umweg ist innerhalb von 15 Minuten zu bewältigen und führt am Stausee vorbei zurück zur Kläranlage. Von dort sind nochmal 200 Höhenmeter Gegenaufstieg nach Arosa zu bewältigen.
Talort/Ausgangspunkt: Arosa ( 1800m )
Höhenunterschied: 1400 Höhenmeter mit Gegenanstiegen
Schwierigkeit: Fels: ws, kein Eis
Stützpunkte: Naturfreundehaus Medergen
Übernachtungsmöglichkeiten in Arosa: Jugendherberge, zahlreiche Hotels
Zeiten: Arosa-Tiejerflue: 3,45 Std. ; Tiejerflue-Arosa: 2,5 Std.
Verbindungen Bus/Bahn: Stündliche Zugverbindungen von Chur nach Arosa
Tour 2
Erzhorn ( 2924m )
Auf das Wahrzeichen von Arosa
Mit seinen 2924 Metern ist das Erzhorn der zweithöchste Gipfel der Plessuralpen. Schon von Arosa aus wirkt sein hoch aufragender Doppelgipfel herausfordernd und Respekt einflößend zugleich. Nicht zufällig ist dieser Doppelgipfel eines der Wahrzeichen Arosas und auch auf dem Aroser Wappen zu finden. Auch das Erzhorn ist aus hellem, brüchigem Kalkgestein aufgebaut. Aufgrund seiner Höhe bietet es an klaren Tagen eine ausserordentliche Fernsicht und imposante Tiefblicke auf vor ihm liegende niedrigere Gipfel und den malerischen Älplisee.
Der Name dieses Berges führt auf frühere Erzvorkommen an den sog. Erzböden unterhalb des Nordgrates zurück.
Auch diese Tour ist problemlos als Tagestour durchzuführen, wobei sich die unbewirtete Ramozhütte im Welschtobeltal als idealer Stützpunkt anbietet.
Das Erzhorn läßt sich hervorragend mit dem Arosa Rothorn, dem mit 2980 Metern höchsten Gipfel der Plessuralpen kombinieren, welches unschwierig vom Erzhornsattel aus mitgenommen werden kann. Diese Kombination bildet übrigens meine ganz persönliche Lieblingstour, welche ich zumindest einmal pro Jahr durchführe.
Durch leichte Abweichungen von der Normalroute lassen sich interessante Kalkrinnen mit kurzweiliger ungefährlicher Kletterei erreichen, welche den im Schlußteil doch mühsamen Anstieg etwas abwechselungsreicher gestalten. Wie der Tiejerflue wird auch das Erzhorn vom Arosa Tourismusverein als geführte Tour angeboten. Für alle die sich nicht wirklich sicher im brüchigen Gestein bewegen, und ein sehr gutes Auge für den Routenverlauf besitzen, in jedem Fall die sicherste Alternative. Meine ersten beiden Besteigungen des Erzhornes wurden ebenfalls auf diese Weise durchgeführt. Auch bietet die geführte Tour die Möglichkeit am sonst doch eher selten bestiegenen Erzhorn interessante Begegnungen zu erleben. Der Preis von 20 Franken für solch eine Tour ist wohl Alpenweit kaum zu unterbieten, wenn man bedenkt, das z.B. für einen Wanderberg wie den Piz Beverin oft schon mehr als das Zehnfache verlangt wird.
Sinnvollster Ausgangspunkt ist hier der weltberühmte Kurort Arosa, welcher allerdings von Bergsteigern eher wenig besucht wird. Hier sind von älteren Menschen bis zu Familien mit Kindern fast alle Bevölkerungsschichten vertreten, eines ist aber fast allen Besuchern (vom Autor einmal abgesehen) gleich, nämlich ein recht prall gefülltes Portemonnaie. Bergsteigern fehlen hier wohl die Gletscher und Berge über der Dreitausendmetermarke. Daher erhalten viele der umliegenden Gipfel ziemlich selten Besuch.
Der Wegverlauf
