Eiskalte Gefühle - Silke May - E-Book

Eiskalte Gefühle E-Book

Silke May

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Beschreibung

Ziellos streifte sie durch die Gegend und versuchte sich ein wenig abzulenken und sich an der Schönheit der Natur zu erfreuen. Fasziniert beobachtete sie, wie ein lebendiges Glitzern die Eiskristalle erfasste, als die ersten Sonnenstrahlen sie erreichten. Schließlich blieb Silvana vor einem dick mit Raureif überzogenen Busch stehen. Sie war vollkommen verzaubert von den funkelnden Kristallen auf den puderweißen Ästen, die im Sonnenlicht herrlich funkelten. "Warum bist du so traurig?", flüsterte da plötzlich eine Stimme aus dem Busch. Silvana zuckte zusammen. Neben ihr stand ein schlanker junger Mann, der ganz in Weiß gekleidet war. Seine Kleidung war ebenso wie sein Gesicht und seine Hände mit Reif überzogen. In der aufgehenden Sonne glitzerte er, als würde er komplett in einer Hülle aus Eiskristallen stecken. ...

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Seitenzahl: 51

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Silke May

Eiskalte Gefühle

Fantasy

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

1

2

3

Impressum neobooks

1

Dichter Bodennebel hing über den schneebedeckten Wiesen und Wegen. Die Bäume waren mit Frost überzogen, als Silvana dick eingemummt im Morgengrauen durch den Schnee stiefelte.

Bei jedem Schritt knirschte der Schnee unter ihren Füßen, während sie am Horizont die aufgehende Sonne beobachten konnte. Langsam ließen die Sonnenstrahlen das tiefe Blau des Himmels in einem zarten Türkis schimmern und der Bodennebel löste sich langsam auf.

Silvana stapfte vollkommen in sich gekehrt durch den tiefen Schnee. Schon seit einigen Jahren lebte sie nun bei ihrer Großmutter in der Einöde, wo sie der alten Frau stets bei der Versorgung ihrer Tiere geholfen hatte.

Anfangs hatte sie die verlassene Gegend als beklemmend empfunden, aber bereits nach einer kurzen Zeit hatte sie sich daran gewöhnt. Inzwischen liebte Silvana sogar die Einsamkeit und die langen Spaziergänge inmitten der Felder und Wiesen.

Vor ein paar Tagen hatte sich für Silvana jedoch alles geändert. Ihre Großmutter war verstorben und sie musste nun ganz allein zurechtkommen.

Eine tiefe Traurigkeit hatte das sonst so fröhliche Mädchen mit ungeahnter Heftigkeit übermannt. Silvana war erst sechzehn Jahre alt, dennoch hatte sie jetzt niemanden mehr, an den sie sich nun wenden konnte. Ihre Eltern hatte sie schon vor einigen Jahren durch einen Verkehrsunfall verloren.

Ziellos streifte sie durch die Gegend und versuchte sich ein wenig abzulenken und sich an der Schönheit der Natur zu erfreuen. Fasziniert beobachtete sie, wie ein lebendiges Glitzern die Eiskristalle erfasste, als die ersten Sonnenstrahlen sie erreichten. Schließlich blieb Silvana vor einem dick mit Raureif überzogenen Busch stehen. Sie war vollkommen verzaubert von den funkelnden Kristallen auf den puderweißen Ästen, die im Sonnenlicht herrlich funkelten.

»Warum bist du so traurig?«, flüsterte da plötzlich eine Stimme aus dem Busch.

Silvana zuckte zusammen. Sie versuchte durch das Geäst zu spähen, konnte aber niemanden sehen. Verwundert blickte sie in alle Richtungen aber auch hier war niemand zu sehen.

»Wer spricht mit mir?«, fragte sie etwas unsicher.

»Ich bin es«, war die rasche Antwort.

»Aber wer und wo ist „Ich“?«

»Direkt vor dir und auch sonst überall«, flüsterte die Stimme.

»Wie soll ich mir das bitte vorstellen – ‚vor mir und überall’?«

»So wie ich es gesagt habe, meine ich es auch«, erklärte das rätselhafte Wesen, was Silvana allerdings auch nicht weiter half.

Sie sah sich erneut um, konnte aber immer noch niemanden sehen.

»Wie heißt du?«, wurde sie da plötzlich gefragt.

»Mein Name ist Silvana und wie heißt du?«

»Man nennt mich Reif.«

»Das ist aber ein komischer Name«, rief Silvana und kicherte. Noch immer blickte sie suchend umher, doch ihr geheimnisvoller Gesprächspartner hielt sich gut versteckt.

»Sag mal, Reif … warum zeigst du dich nicht? Bist du denn so hässlich, dass du dich verstecken musst?«, fragte sie neugierig. Dem leisen Lachen, das sie daraufhin vernahm, folgten die Worte: »Nicht, dass ich wüsste.«

Das wollte Silvana jedoch nicht so recht glauben, deshalb behauptete sie einfach rund-heraus: »Doch, anscheinend bist du sogar grottenhässlich, sonst würdest du dich ja wohl zeigen.«

»Was hast du nur? Ich stehe die ganze Zeit hier – neben dir. Hast du keine Augen im Kopf?«, kam eine empörte Antwort zurück.

Silvana machte einen erneuten Versuch sich ganz genau umzusehen. Und diesmal hatte sie tatsächlich Erfolg. Neben ihr stand ein schlanker junger Mann, der ganz in Weiß gekleidet war.

Seine Kleidung war ebenso wie sein Gesicht und seine Hände mit Reif überzogen.

In der aufgehenden Sonne glitzerte er, als würde er komplett in einer Hülle aus Eiskristallen stecken. Silvana erschrak, als ihr dies bewusst wurde, sie fasste sich aber sehr schnell wieder und betrachtete ihn nachdenklich. Er war wunderschön.

Sein schulterlanges weißes Haar war vor Kälte steif gefroren und seine hellgrauen Augen sahen sie ebenfalls prüfend an.

»Bist du ein Mädchen?«, fragte er plötzlich.

Silvana grinste ihn an.

»Na klar … das sieht man doch, oder etwa nicht?«

Reif kam noch näher an sie heran und musterte sie von oben bis unten.

»Ja, das sieht man tatsächlich …, sogar ein wunderschönes«, bestätigte er, während er mit einer Locke ihres Haares spielte.

»Du siehst aber auch nicht schlecht aus. Ganz schön attraktiv würde ich sagen«, bemerkte Silvana keck und lächelte ihn an.

Der junge Eismann verzog seine Lippen zu einem Lächeln. Er berührte ihre Wange mit seiner eiskalten Hand und Silvana schauderte kurz. Plötzlich zog er sie an sich und umarmte sie fest.

»Jetzt gehörst du mir und ich werde dich behalten!«, erklärte er laut und besitzergreifend.

Entgeistert stammelte Silvana: »Halt, warte mal! Du kannst mich nicht behalten, ich gehöre dir nicht!«

»Doch du gehörst mir!«, wiederholte er und drückte sie dabei noch fester an sich.

»Lass mich los, du bist eiskalt und mich fröstelt es bereits«, klagte Silvana und versuchte sich aus dem Klammergriff zu befreien. Anstatt sie los zulassen, presste er Silvana nur noch fester an sich, sodass sie das Gefühl hatte, erdrückt zu werden. Die Kälte drang durch ihren Mantel und sie schlotterte inzwischen.

»Willst du mich etwa umbringen?«, rief sie entgeistert. Reif sah sie fragend an.

»Warum sollte ich das wollen?«

»Wenn du mich weiterhin so an dich drückst, könnte ich erfrieren und das heißt, dass ich an Unterkühlung sterben würde – verstehst du?«

Reif lächelte nachdenklich, ließ sie aber immer noch nicht los.

»Möchtest du mich küssen?«, fragte Silvana in der Hoffnung, ihn nachgiebiger zu stimmen und ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Der junge Eismann nickte heftig.

»Gut, zuerst musst du mich aber loslassen.«

Reif sah sie einen Moment lang skeptisch an, ehe er kopfschüttelnd verneinte.

Silvanas Zähne klapperten bereits vor Kälte.

»Anscheinend findest du mich nicht liebenswert genug, sonst würdest du mich loslassen. Wenn du mich so an dich gedrückt hältst, friere ich schrecklich und das ist unangenehm und gefährlich, außerdem hindert es beim Küssen «, erklärte die junge Frau erneut.

Endlich lockerte Reif seinen Griff und sie konnte sich aus seiner Umarmung befreien.

Spontan gab er ihr mit seinen eiskalten Lippen einen Kuss.

Die Kälte bitzelte auf ihrem Mund, aber sie erwiderte seinen Kuss tapfer. Reif sah sie mit leidenschaftlicher Miene an und nahm sie erneut in seine Arme.