Elya 3: Das Licht der Finsternis - Dana Müller-Braun - E-Book

Elya 3: Das Licht der Finsternis E-Book

Dana Müller-Braun

0,0
3,99 €

oder
Beschreibung

**Bündnis mit den Flammen** Ein Jahr befindet sich Elya nun schon in der trostlosen neuen Welt voller Dunkelheit. Ohne ihre Freunde und besonders ohne Levyn, der als schwarzer Drache ihr Gegenstück, die andere Hälfte ihres Herzens, bildet. Ein Jahr voller Einsamkeit, Reue und Sehnsucht. Doch dann taucht plötzlich Belamy auf, ein Pirat, der einst Teil der Welt des Mondes war und sie daran erinnert, dass es sich lohnt für ihre Freunde und das, was sie verloren hat, zu kämpfen. Er sorgt dafür, dass Levyn und die anderen den Weg zu ihr finden, sodass sie zusammen mit Elya für eine gemeinsame Zukunft in den Kampf ziehen können. Doch die vergangene Zeit hat eine scheinbar unüberwindbare Kluft zwischen Elya und ihre Freunde geschlagen, die es zunächst zu überwinden gilt… //Die romantisch-dramatische »Elya«-Trilogie umfasst die Bände:  -- Elya 1: Der weiße Drache   -- Elya 2: Das Bündnis der Welten  -- Elya 3: Das Licht der Finsternis//  

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 561

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Dana Müller-Braun

Elya 3: Das Licht der Finsternis

**Bündnis mit den Flammen** Ein Jahr befindet sich Elya nun schon in der trostlosen neuen Welt voller Dunkelheit. Ohne ihre Freunde und besonders ohne Levyn, der als schwarzer Drache ihr Gegenstück, die andere Hälfte ihres Herzens, bildet. Ein Jahr voller Einsamkeit, Reue und Sehnsucht. Doch dann taucht plötzlich Belamy auf, ein Pirat, der einst Teil der Welt des Mondes war und sie daran erinnert, dass es sich lohnt für ihre Freunde und das, was sie verloren hat, zu kämpfen. Er sorgt dafür, dass Levyn und die anderen den Weg zu ihr finden, sodass sie zusammen mit Elya für eine gemeinsame Zukunft in den Kampf ziehen können. Doch die vergangene Zeit hat eine scheinbar unüberwindbare Kluft zwischen Elya und ihre Freunde geschlagen, die es zunächst zu überwinden gilt …

Wohin soll es gehen?

Buch lesen

Vita

Danksagung

Das könnte dir auch gefallen

© privat

Dana Müller-Braun wurde Silvester ’89 in Bad Soden im Taunus geboren. Geschichten erfunden hat sie schon immer – Mit 14 Jahren fing sie schließlich an ihre Phantasie in Worte zu fassen. Als das Schreiben immer mehr zur Leidenschaft wurde, begann sie Germanistik, Geschichte und Philosophie zu studieren. Wenn sie mal nicht schreibt, baut sie Möbel aus alten Bohlen, spielt Gitarre oder verbringt Zeit mit Freunden und ihrem Hund.

Wenn du aufhörst an dich zu glauben,

denk daran, dass du besonders bist.

Denn ein Herz kann so vieles sehen und so viel mehr verstehen.

Für Levyn, Lya, Myr und Arya,

weil ihr mir gezeigt habt, wie mächtig der Glaube an jemanden sein kann, und ihr in meinem Herzen existiert.

Für dich,

weil meine Welt durch deine Fantasie noch lebendiger wird.

Prolog

Ich renne. Der Wind begleitet mich. Der kühle Lufthauch der Nacht, der mir mittlerweile so vertraut ist. Mein stummer Begleiter.

Ich sehe mich um. Entdecke die Wölfe hinter mir. Sie lechzen nach Blut. Danach, ihre riesigen Reißzähne in einen warmen Körper zu bohren.

Ich beschleunige meinen Schritt. Nehme die Kraft der Erde, um mich schneller und schneller zu bewegen – bis ich etwas entdecke.

Während ich abrupt stehen bleibe, hebe ich meine Hand und all die Wölfe hinter mir – die weißen und die schwarzen – bleiben stehen. Halten inne und warten auf weitere Befehle von mir.

Meinen Blick verengend nähere ich mich der kleinen Lichtung, die durch meinen Mond erhellt wird. Das Reh sieht mich nicht kommen. Hört mich nicht. Also gebe ich meinen Wölfen den stummen Befehl, es zu erlegen. Sie brauchen das. Müssen ihrem Jagdinstinkt folgen. Und sie werden mir genug übrig lassen, damit ich satt werde. Überlebe. So wie schon seit einem Jahr.

Das Unterholz neben mir im dunklen Wald knackt. Ich fahre herum und starre in die Finsternis.

Was ist das?

Kapitel 1

Arya

»Aryana, was gedenkst du da zu tun?«

»Wonach scheint es denn? Ich begleite dich!«, entgegne ich und werfe mein Bündel auf Tymothys Bett.

»Du kannst mich nicht begleiten. Du bist die zukünftige Königin.«

»Mir ist es gleich, was ich bin. Ich werde nicht hierbleiben.«

Mit einem lauten Knall fliegt die Tür hinter uns auf. Ich starre in böse grüne Augen.

»Erklärt Euch, Prinzessin Aryana!«, fordert Lanyras, mein Verlobter.

Ich schlucke Steine und lasse meine Augen Hilfe suchend zu Tym wandern.

»Es ist nur ein Jahr. Dann bin ich wieder da«, raunt er mir zu, während Lanyras sich vernehmlich räuspert und seine Hand nach mir ausstreckt.

»Nur … Du weißt nicht, was du da sagst«, entgegne ich und gehe.

Lanyras führt mich in einen kleinen Raum und obschon ich weiß, was mich erwartet, erschrecke ich, als er seine Faust in meinen Magen rammt. Ich keuche und spucke – doch er schlägt wieder zu. Wieder und wieder. Bis ich zusammengekauert am Boden liege und stumm weine.

»Was sollte das werden?«

»Ich bin die Thronfolgerin! Ich kann tun, was ich will!«, fauche ich mit meiner letzten Kraft.

»Du bist nichts!«, brüllt er mich an und tritt mir in die Rippen. »Ich bin dein Verlobter! Und spätestens, wenn wir heiraten und dein Vater stirbt, werde ich dein König sein. Also zolle mir Respekt, du undankbares Weib!«

Meine Lippen beben, als ich mich wieder aufrichte und vor ihm knickse. Er hebt nur herablassend seine Brauen und geht – mit dem stummen Befehl, ihm zu folgen.

Tymothy weiß nicht, was er sagt, wenn er von nur einem Jahr spricht. Dieses Jahr, zusammen mit diesem Tyrannen, wird mich für immer verändern. Und wenn er von seinem Erfahrungsjahr zurückkehrt, wird er mich nicht wiedererkennen.

Ich folge Lanyras in den Besprechungsraum meines Vaters, wo er und seine Berater über Plänen stehen und laut diskutieren.

»Was ist los, Eure Majestät?«, frage ich schwach und sehe skeptisch in ihre angespannten Gesichter.

»Piraten. Sie haben beinahe unsere Küste erreicht. Angeblich soll es die Whydah sein. Das Schiff, auf dem sich der rote Rubin befinden soll«, erklärt Vater nachdenklich. »Aber keine Sorge, mein Stern. Ich werde diesen Belamy und seine Truppe vernichten und ihre Köpfe zur Warnung entlang unserer Küste aufspießen lassen.«

Die laute Musik der Schenke dröhnt in meinen Ohren. Ich hasse laute Geräusche. Hasse diese Musik und hasse Menschen, wenn sie sich hektisch und unkoordiniert unterhalten. Schnaufend trinke ich weiter das Gesöff der Welt der Finsternis.

»Arya, kannst du nicht einmal in deinem Leben Spaß haben?«

Myr legt seinen Arm um mich und stößt mir seinen nach Alkohol stinkenden Atem in mein Gesicht. Angeekelt schiebe ich ihn von mir und sehe mich nach Levyn um.

»Du brauchst ihn nicht suchen, er ist sicher wieder bei einer Dirne.« Myr lacht betrunken und kippt sich weiter dieses Gesöff in den Rachen.

»Hast du nicht auch manchmal das Gefühl, dass es … nicht zu ihm passt?«

»Nicht zu ihm passt? Bist du bekloppt geworden?«

Ich hebe als Antwort nur meine Brauen. Eine Ermahnung, nicht in diesem Ton mit mir zu reden.

»Levyn macht doch nie etwas anderes. Es ist seine Art, vielleicht doch etwas zu fühlen.«

»Oder er will dir nur weismachen, dass er das tut.«

»Er ist mein bester Freund, Ary. Glaub mir. Ich kenne ihn.«

»Na, wenn das so ist«, brumme ich und deute auf Levyn, der gerade ohne Begleitung die Schenke betritt.

Augenblicklich tritt Stille ein, die Drachen erheben sich, nur um sich dann vor ihm zu verbeugen. Wie immer tut Levyn es mit einer Handbewegung ab und setzt sich zu uns.

»Wo warst du?«, fragt Myr und hebt spielerisch seine Brauen.

Levyn wirft ihm einen skeptischen Blick zu. »Ich habe mit Männern von Lyria geredet. Offensichtlich hat sich einer meiner Männer nicht an den Waffenstillstand gehalten.«

Levyns Stimme klingt kühl und herrisch. So wie immer. Und trotzdem ist sie mir nicht mehr vertraut. Als hätte ich andere Erinnerungen an ihn. Sein Blick wandert ganz langsam zu Myr, der unruhig seine Position ändert.

»Was?!«, empört der sich aufgebracht, als er sich ertappt fühlt. »Die beiden Venandi-Penner hatten es drauf angelegt!«

»Myr …«, knurrt Levyn und legt seine Finger vor seinem Gesicht aneinander. »Es hat lange gedauert, bis wir diesen Waffenstillstand erreicht haben. Lyria und die Venandi leben hier in der Welt der Finsternis und lassen uns in Ruhe.«

»In Ruhe …«, prustet Myr. »Sie rennen hier rum, als würde ihnen die Finsternis gehören. Sollen sie in ihre scheiß Lichtwelt gehen!«

»Sie sollen sich aufhalten, wo sie wollen. Solange sie uns in Ruhe lassen«, sagt Levyn. Seine Stimme klingt bedrohlich und lässt keinen Widerspruch zu. »Und jetzt lasst uns einfach den Abend genießen.«

»Wie Ihr verlangt, Herrscher«, lacht Myr und prostet Levyn mit seinem Bier zu.

Ich seufze. Wenn die beiden diskutieren, halte ich mich lieber raus. So halte ich es schon immer.

Nach ein paar weiteren Bier wird auch Levyn lockerer. Doch immer noch sehe ich in seinen Augen dieses undefinierbar Herzlose, was nicht zu ihm passt. Aber warum?

»Sieh dir die an«, raunt Myr, als ein paar junge Drachenfrauen die Schenke betreten. »Wo kommen die denn her?«

»Aus Terraia«, antwortet Levyn und hebt eine Braue.

Vielleicht mag es für Myr so aussehen, als würde Levyn eine von ihnen für die Nacht aussuchen. Ich hingegen sehe, was wirklich in ihm vorgeht. Keine von ihnen spricht ihn an. Seit Ewigkeiten spricht ihn keine Frau mehr an. Als hätte er sein Herz bereits an eine andere verloren. Aber an wen?

Die drei Frauen kommen an unseren Tisch und setzen sich, nachdem sie Levyns Erlaubnis bekommen haben. Ich verdrehe nur genervt die Augen und stehe auf, um mich an die Bar zu setzen, an die sich auch Lucarys zurückgezogen hat. Wenn Myr und Levyn auf Frauenfang gehen, darf ich nicht dabei sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ich den beiden die Zähne ausschlage.

»So … es ist so weit«, brumme ich, als ich mich neben Lucarys auf einen der Barhocker setze. Er hingegen beobachtet die Frauen bei den beiden, als würde er sie mit seinen Blicken zu durchbohren versuchen. »Was ist?«, frage ich gelangweilt und bestelle mir einen Whiskey. Ich kann nichts mit diesem muffig riechenden Gebräu anfangen.

»Diese Frauen sind nicht dort, weil sie Levyn und Myr so toll finden.«

»Sondern?«

»Ein Pirat hat sie beauftragt.«

»Ein Pirat?«, hake ich mit zusammengeschobenen Brauen nach. Lucarys ist zwar wirklich nicht die Sorte Mann, die ich als normal bezeichnen würde, aber Piraten? Das übersteigt selbst die Verrücktheit, die ich diesem Einsiedler zugetraut hätte.

»Ja. Ein Pirat.«

»Und wo soll dieser Pirat bitte herkommen? Aus einem Märchenbuch?« Ich lache und kippe den Whiskey hinunter. Das alles ist nicht anders zu ertragen.

»Witzig, Aryana.«

»Mir war nicht klar, dass du überhaupt irgendetwas witzig finden kannst, Luca. Ich bin begeistert.«

»Das sagt die Richtige. Wenn du mich fragst, bist du sogar noch verbitterter als ich«, antwortet er tonlos.

»Du hast keine Ahnung, wer ich bin.«

»Wer du warst, meinst du wohl. Denn das Ich, das hier neben mir auf dem Stuhl sitzt und sich betrinkt, weil sein Leben ach so beschissen ist, das kenne ich sehr gut. Und gerade du müsstest wissen, dass Piraten nicht aus Märchenbüchern stammen.«

Ich verenge meinen Blick. »Das ist mehr als ein Jahrtausend her. Mein Vater hat sie alle ausgerottet.«

»Ach … Hat er das?«

»Mir gefällt es ehrlich gesagt besser, wenn du wie sonst auch deinen Mund hältst!«

»Und mir würde es besser gefallen, wenn du dich nicht dumm stellst. Du weißt von der Whydah, Arya.«

»Du redest von dem sagenhaften Schiff, auf dem angeblich der Drachenrubin versteckt worden sein soll?« Ich lache. Aber dieses Lachen ist nicht echt. Es ist getränkt mit Schmerz und Trauer.

Natürlich gab es damals etliche Geschichten über diesen Rubin, der seinem Besitzer Macht verleihen soll. Aber das war ein Mythos.

»Und was soll das jetzt deiner Meinung nach heißen? Dass der berüchtigte Belamy diese Frauen dort beauftragt hat, Levyn und Myr zu verführen?«

»Belamy ist verschwunden. Und es gibt das Gerücht, dass Levyn mit seinem Verschwinden in Verbindung steht. Seine … Frauen … sind ihm offensichtlich auch jetzt noch treu ergeben.«

»Mein Vater hat diese Piraten getötet. Und da war keine Spur von einem Rubin oder diesem Belamy«, lüge ich. Denn eigentlich hat mein Vater es nicht einmal zu diesem Schiff geschafft.

»Sie haben sich zurückgezogen. Bis eines Nachts der Mond blutete und Belamy verschwand. Genauso wie einige seiner Crew. Zurückgeblieben sind nur diejenigen, die Drachen sind.« Er deutet auf die Mädchen.

Ich verenge meinen Blick. Ein blutender Mond … an irgendetwas erinnert mich diese Bezeichnung. Mein Geist versucht mir krampfhaft etwas zu sagen. Aber da ist nichts. Keine Erinnerung. Nur dieses Gefühl, dass ich etwas übersehe.

»Na worauf wartest du dann, Luca? Geh und erklär Levyn und Myr, dass sie heute Nacht allein schlafen müssen, weil diese Frauen einem verschwundenen Piraten dienen.« Ich lache wieder, kippe den Rest meines Whiskeys runter und stehe auf.

»O Arya …«, raunt Lucarys dicht neben mir. »Levyn teilt schon seit einem Jahr nicht mehr das Bett mit irgendeiner Frau. Das wüsstest du, wenn du nicht immer so beschäftigt mit dir selbst wärst.«

Ich schnaufe nur und gehe. Hinaus aus der stickigen Schenke, hinein in die Dunkelheit. Ein paar Laternen werden hier durch Lumen erleuchtet und erhellen die kleine Gasse des Dorfes.

Ohne darüber nachzudenken, verstecke ich mich in einer kleinen Nische zwischen zwei Häusern und warte. Warte, bis Myr herauskommt. In seinen Armen zwei der Frauen. Aber ich warte weiter. So lange, bis auch Levyn vor die Tür tritt. In seiner Begleitung die dritte Frau. Doch statt so wie Myr Arm in Arm mit ihr in sein Haus zu laufen, drückt er ihr einen kleinen Beutel mit Goldstücken in die Hand, bedankt sich und geht mit verschleiertem Blick allein nach Hause.

Lucarys hatte recht. Levyn spielt uns etwas vor. Und das wahrscheinlich schon sehr lange.

Kapitel 2

Myr

»Hast du es überstanden?«

Levyn setzt sich neben mich auf den kleinen Vorsprung der Vulkanfelsen.

»Ich werde es nie überstehen«, feixe ich. Noch vor ein paar Wochen wäre es nicht möglich gewesen, darüber zu spaßen. Aber Levyn hat mir geholfen. Er hat alles besser gemacht. »Es ist nur … Sie ist unglücklich. Dieser verfluchte Unhold schlägt sie.«

»Denkst du. Aber wissen kannst du es nicht. Schließlich hat sie es abgestritten, nicht wahr?«

Levyn redet wieder mit seiner alten weisen Stimme. Dabei ist er selbst noch ein Jüngling. Gerade mal zwei Jahre älter als ich.

»Wie auch immer. Unsere Schicksale sind verbunden.«

»Aber sie ist nicht dein Gegenstück«, spricht Levyn aus, was ich nicht in der Lage bin zu sagen.

Ich nicke nur.

»Ihr könnt trotzdem zusammenfinden.«

»Wir werden zusammenfinden«, zische ich.

»Eure Hoheit, Euer Vater wünscht Euch unverzüglich zu sehen«, brummt eine Wache der Feuerdrachen. Er mustert mich, als hätte ich hier nichts verloren. Als würde er so wie all die anderen nicht verstehen, was jemand wie Levyn mit mir zu tun haben will. Und ja, Levyn ist nicht nur der Thronfolger der Feuerdrachen und der Hüter des Urfeuers. Nein, er ist auch der Herrscher der Finsternis. Und vielleicht ist es genau das. Denn ich bin der Einzige, dem er sich anvertrauen kann. Der Einzige, mit dem er darüber redet, wie sehr es ihn in die Welt der Finsternis zieht.

Levyn steht auf und weist mich an, ihm zu folgen. Wieder dieser Blick der Wache. Aber niemand würde es wagen, sich gegen Levyns Entscheidungen zu stellen. Er ist mächtiger als alle anderen Lebewesen der Welten.

Als wir bei seinem Vater, dem König, ankommen, ist da wieder dieser Blick. Aber selbst der irre König hat Angst vor seinem Sohn. Vor dem Urfeuer, das in seinen Augen glüht und ihm so viel zerstörerische Macht gibt.

Levyns Mutter schlendert um uns herum und legt ihrem Sohn eine Hand auf die Schulter. Aber Levyn und ich wissen, wie falsch sie ist. Und dass diese mütterliche Geste nur eines ihrer falschen Spiele ist.

»Eine neue Rasse wurde geboren, mein Sohn. Ich habe dich zum Kommandeur unserer Truppen ernannt. Schlachte diese Jäger ab.«

»Jäger, Eure Majestät?«, erkundigt Levyn sich.

»Ja, Drachenjäger. Sie kommen aus der Welt des Lichts und nennen sich Venandi. Also stell eine Armee zusammen und … mach, was auch immer du mit deinen Mächten machen kannst.«

»Wie Ihr wünscht, Eure Majestät«, sagt Levyn, verbeugt sich leicht und geht.

Ich verbeuge mich ebenfalls und folge ihm mit einem »Eure Majestäten«.

»Du gehst!«, ist das Erste, was Levyn sagt, als ich hinaustrete.

»Sicher nicht. Ich kämpfe mit dir!«

»Du willst kämpfen?«, fragt Levyn herablassend.

Ich funkle ihn zornig an. »Ich kann kämpfen!« Ich ziehe mein Schwert.

»Sicher«, macht Levyn, bewegt nur seine Hand und schon fliegt mein Schwert gegen die nächste Wand.

»Das ist nicht fair! Und das weißt du!«, fluche ich und hebe mein Schwert wieder auf. »Sie besitzen nicht deine Kraft! Nicht deine Schemen!«

»Wir haben keine Ahnung, welche Kräfte sie besitzen, Myrian! Also wirst du gehen! Zum nächsten Königreich! Keine Widerrede!«

»Mach das mit deinen beschissenen Hosenscheißer-Wachen. Aber nicht mit mir! Ich bin nicht zu ängstlich, um dir zu widersprechen, Herrscher der Finsternis.«

»Du wirst es bereu…«

»Ich werde nichts bereuen! Du wirst es bereuen, wenn du jetzt den einzigen Freund von dir stößt! Das einzige Lebewesen, das in dir mehr sieht als das, was alle anderen sehen!«

Er presst seine Lippen zusammen und atmet tief ein.

»Nimm mich mit, Levyn! Es ist das, was ich will. Erst seit ich dir begegnet bin, weiß ich, dass ich jemand anderes sein kann als der kleine dumme Bruder des Thronfolgers, der mit fünf Jahren in das Meer geschwommen und fast ertrunken ist, weil er wie sein Bruder sein wollte. Ich weiß, dass ich mehr kann. Zu mehr bestimmt bin. Also lass mich jetzt nicht zurück!«

»Du begreifst nicht, dass ich alles verliere, wenn ich dich verliere!«

»Du verlierst mich nur, wenn du mich jetzt von dir stößt und mich wegschickst.«

Er fährt sich angestrengt durch seine Haare.

»Wir haben uns geschworen, den anderen immer zu unterstützen, Levyn! Du hast geschworen, dass du mir nie etwas aufzwingen und meine Entscheidungen akzeptieren wirst!«

Er nickt betreten. »Wenn es dein Wunsch ist, Myr, dann wirst du an meiner Seite gegen diese Drachenjäger kämpfen.«

»Ich habe ein Haus hier ganz in der Nähe«, sage ich und lächle den beiden Ladys zu. Ich hatte sie schon in der Schenke um den Finger gewickelt, während Levyn die unscheinbarste von ihnen abbekommen hat. Man kann eben nicht alles haben, nur weil man Herrscher der Finsternis ist.

»Wie wär’s, wenn du uns erst einmal ein paar Antworten gibst?«, fragt eine von ihnen, deren Namen ich längst vergessen habe. Als ich mich gerade zu ihr drehen will, um nachzufragen, was sie meint, hält sie mir bereits die Klinge eines Dolches an den Hals.

»Wow«, sage ich belustigt. »Ihr habt keine Chance.« Ich lege meine Hand an die Klinge und schiebe sie zur Seite. »Aber ich bin wirklich sehr interessiert daran, was ihr von mir wissen wollt.«

Sie tauschen nervöse Blicke. Sie sind unsicher. Was auch ein Grund dafür ist, dass sie keine Chance gegen mich hätten.

»Wo ist Belamy?«

»Wer zum Henker ist Belamy?«

»Unser Kapitän«, sagt die Blonde.

»Ein Kapitän? Als Luftdrache? Von welchem Schiff bitte? Dem fliegenden Holländer?« Ich lache herzhaft, während sie mich ansehen, als hätten sie noch nie etwas von diesem Schiff gehört. Kulturbanausen. Wobei ich gestehen muss, hätte Levyn nicht eine solche Affinität für Geschichte, wäre ich wohl auch einer.

»Wir haben dich nicht darum gebeten zu urteilen. Du sollst uns nur sagen, wo Belamy ist.«

»Ich kenne keinen Deppen namens Belamy, der in einer Welt, in der seine Frauen fliegen können, ein … Schiff fährt.«

»Red nicht so über ihn!«, faucht die Dunkelhaarige und hebt wieder ihren Dolch.

»Zuckerpüppchen, ich habe keine Ahnung, wor…« Ich stocke und verenge meinen Blick. Ein seltsames Gefühl überkommt mich. Ausgelöst durch dieses Wort … Zuckerpüppchen. Aber was ist das? Ich erinnere mich nicht. Seufzend sehe ich wieder die beiden Mädchen an. »Ihr habt mir den Abend versaut. Wegen irgendeinem Kapitän Blaubär. Nicht cool.«

»Ihr habt vor einem Jahr ein Ritual durchgeführt, um eine neue Welt zu erschaffen und die sterbliche Welt zu verschließen. Alle Menschen sind aus unserer Welt verschwunden. Aber Belamy war kein Mensch!«

»Bist du dir sicher?«, lache ich und hebe einen Mundwinkel. »Vielleicht war er nur ein kleiner dummer Sterblicher. Außerdem haben wir sicher nie irgendein Ritual durchgeführt.«

»Belamy ist der Träger des Blutdiamanten!«

»Wooow«, mache ich wenig beeindruckt. »Ich habe keine Ahnung, worüber ihr beiden da redet.«

»Ich schon«, ertönt Aryas Stimme hinter mir.

Ich drehe mich um. »Zieh ab! Ich kann das allein regeln.«

»Nein, das kannst du nicht. Niemand von uns kann es, weil sie von Dingen reden, die wir vergessen haben.«

»Ich habe nichts vergessen!«, beschwere ich mich, während die Mädels zwischen uns hin und her sehen. »Außer die letzte Nacht. Die ist seeehr schleierhaft in meinen Gedanken.«

»Was ist passiert?«, fragt Arya an die beiden gewandt.

»Wir wissen nur, dass wir auf unserem Schiff waren, als ein blutender Mond erschien und dann verschwand. Und er nahm alle Menschen an Bord mit. Und Belamy. Unseren Kapitän.«

»Was habt ihr nur mit diesem dämlichen Kapitän?«

»Und der Pirat ist kein Mensch?«, erkundigt sich Arya.

Ein Pirat? Ich spitze die Ohren.

»Nein. Kein Mensch ist in der Lage, den Rubin zu tragen.«

»Und was hat das alles mit uns zu tun?«, frage ich genervt.

»Wir sind seit einem Jahr auf der Suche und einige Venandi haben erzählt, dass ihr eine neue Welt erschaffen habt. Ein Mädchen tat es. Der weiße Drache. Und sie sagten, dass sie euch all eure Erinnerungen genommen hat. Aber auch sie ist verschwunden. Also erinnert euch und helft uns, die beiden zu finden!«

»Ein Mädchen? Der weiße Drache?« Ich lache laut auf und schüttle den Kopf. »Levyn trägt die Seele des weißen Drachen in sich, weil er sie Lyria gestohlen hat. Es gab also keinen weißen Drachen, der eine neue Welt erschaffen hat und … verschwunden ist.« Ich schüttle den Kopf. »Und ehrlich? Sie hat uns all unsere Erinnerungen genommen? Das passt euch gut in den Kram, nicht wahr?«

»Doch, die gab es!«, beschwert sich das blonde Mädchen. »Und ihr … ihr lasst sie einfach im Stich!«

»Wir lassen niemanden im Stich!«, faucht Arya. Aber sie sieht nicht sicher aus. Sie wirkt, als würde sie krampfhaft nach der Wahrheit in sich suchen.

»Du glaubst diesen beiden Schwindlerinnen doch nicht etwa?«

»Warum sollten wir das erfinden?«, fragt die Dunkelhaarige.

»Vielleicht, weil ihr irre seid? Oder Gold wollt? Oder die dämlichen Venandi haben euch verarscht.«

»Nein!«, schreit sie mich nun an. »Das war dieser beschissene Planet. Der blutende Mond. Der kleine Planet, der rot leuchtete und das Urfeuer widerspiegelte. Er hat Belamy mit in diese … diese Welt gezogen.«

»Und warum sollte er? Levyn ist der Hüter des Urfeuers.«

»Er ist der Hüter, aber nicht der Träger des Rubins!«, wendet das blonde Mädchen ein.

»Und was ist das für ein beschissener Rubin?«

»Er stammt aus dem Urfeuer.«

Levyns Stimme lässt mich zusammenzucken. Er erscheint hinter mir und tritt vor.

»Er verleiht seinem Träger unvorstellbare Macht und …«

»Und was?«, hake ich nach und verdrehe die Augen. Levyn wird diesen beiden Schwachsinnigen doch nicht wirklich glauben.

»Nicht so wichtig. Aber wenn dieser Pirat ihn trägt, wie konnte er dann durch irgendeine Macht auf dieser Welt … verschwinden?« Levyn sieht das dunkelhaarige Mädchen auffordernd an.

»Das Mädchen, das ihr vergessen habt. Sie ist die Herrscherin der Elemente.«

Levyn verengt seinen Blick.

»Spinnst du jetzt völlig?!«, frage ich ihn und ziehe ihn von den beiden weg. »Die lügen dich an, verdammt!«

»Nein, Myr«, raunt Levyn und sieht kurz wieder zu den Mädchen. »Sie sagen die Wahrheit.«

»Also erinnerst du dich an sie?«

»Nein«, knurrt er und atmet tief ein. »Aber ich habe einen Traum. Immer und immer wieder. Da ist dieses Mädchen. Sie wird von Wölfen verfolgt. Die Erde und der Wind gehorchen ihr. Und als sie stoppt, stoppt sie auch die Wölfe. Sie ist ihre … ihre Herrscherin. Über ihr scheint ein riesiger heller Mond. Aber …«

»Aber was?«, erkundige ich mich skeptisch. Doch irgendetwas in Levyns Blick verrät mir, dass er sich sicher ist. Sicher, dass das nicht nur ein dummer Traum ist.

»Aber sie ist nicht allein dort. Und sie weiß es nicht. Was, wenn das dieser grausame Pirat ist? Dann müssen wir ihr helfen!«

Levyn klingt verzweifelt. Ich greife nach seinen Schultern und sehe ihm tief in die Augen. »Sie ist eine Fremde, falls sie real ist. Warum also sollten wir unsere Leben riskieren und womöglich einem Gespenst hinterherjagen, um ihr zu helfen?«

»Weil … Weil sie mein Gegenstück ist, Myr.«

Kapitel 3

Elya

Ich hebe meine Hand. Stoppe meine Wölfe beim Zerfetzen der Kehle des Tieres. Mit verengtem Blick und wachsamem Verstand gehe ich einen Schritt auf die Stelle zu. Dorthin, wo das Unterholz geknackt hat. Ich kenne hier jeden Winkel. Kenne all meine Wölfe. All die Tiere, die wir erlegt haben und diejenigen, die noch leben. Aber ich spüre, dass das keines von ihnen ist.

»Acryas!«, rufe ich meinen obersten Wolf zu mir. Er ist so etwas wie der Rudelführer – wäre da nicht ich. »Da ist jemand. Hol mir das Tier her.«

Acry knurrt leise und bedrohlich, während er durch das dunkle Dickicht schleicht.

»Ich habe erwartet, dass du nach all der Zeit allein in der Lage sein würdest, deine Konflikte zu klären.«

Die Stimme löst Zorn in mir aus, doch bevor Acry auf ihn losgehen kann, stoppe ich ihn.

»Wer bist du?«

Ich warte darauf, dass der neueste Streich meines Verstands heraustritt. Es passiert oft, dass ich Stimmen höre, und ja, am Anfang habe ich mit ihnen geredet. Sie für real gehalten. Bis ich irgendwann begriffen habe, dass ich allein bin. Einsam. Trotz meiner Wölfe.

Eine dunkle Gestalt tritt aus dem Wald auf die monderhellte Lichtung. Ich stutze. So real hat bisher keiner meiner Hirngespinste ausgesehen.

Langsam und bedacht gehe ich auf ihn zu. Acry knurrt immer noch – bereit ihn zu töten. Und allein das ist ein Zeichen dafür, dass dieser Kerl wirklich da ist. Warum sonst sollte der schwarze Wolf, der mir so treu ergeben ist, ihn wahrnehmen?

Mit bebendem Körper mustere ich seine dunklen Haare, die hellblauen Augen, die von schwarzen Umrandungen umgeben sind, und seine lederne schwarze Kleidung. Sein Mantel reicht ihm bis zu den Stiefeln. Silberne Knöpfe mit einem Schiff darauf gefräst schmücken seinen muskulösen Oberkörper.

»Gestattet, Liebes …«, sagt er mit einem verächtlichen Lachen in der Stimme, »Belamy.«

»Belamy«, wiederhole ich mit erhobenen Brauen. »Und was tust du hier, Belamy?«

»Genau das wollte ich dich fragen. Ich dachte, nach all der Zeit wäre es … angebracht zu erfahren, warum du mich hergeholt hast.«

»Ich soll dich hierhergeholt haben?«, frage ich lachend. Meine Stimme zu benutzen, Worte zu formen, ist seltsam.

»Ich weiß, dass ich diese Wirkung auf Frauen habe. Keine Sorge, Liebes. Du musst nicht so tun, als würdest du meinem Charme widerstehen können. Dennoch wüsste ich gern, wie und … was das alles soll.«

»Du hast ganz offensichtlich deinen Verstand verloren!«, knurre ich zornig.

»Herzchen, ich beobachte dich seit einem Jahr. Du redest mit diesen Wölfen, als wären sie deine Freunde. Sie gehorchen dir. Sag mir also nicht, ich wäre derjenige, der den Verstand verloren hat.«

»Und das erzählt mir ein Stalker, der aussieht wie ein Möchtegern-Pirat«, schnaufe ich.

Er zieht die Brauen zusammen. »Ich bin ein Pirat, Liebes. Aber ich nehme es dir nicht übel. Du bist ein Wolfsmädchen. Woher sollst du das wissen?«

Ich knurre, obwohl es genau das ist, was ihm ein Lächeln entlockt, weil es ihm wohl zeigt, dass ich wirklich eine Wilde bin. Aber er kennt mich nicht. Kennt meine Vergangenheit nicht.

»Und warum beobachtest du mich erst ein Jahr lang, bevor du aus deinem Versteck kommst?«

»Weil du kurz davor bist, wirklich eine von ihnen zu werden.«

»Du kannst mich mal!«

»Gern. Ich habe da eine nette kleine Nische, die ich bewohne. Da könnte ich …«

»Ich bin vergeben!«, platzt es aus mir heraus.

Belamy hebt belustigt seine Brauen. »Und wo ist der Glückliche? Oder ist es einer deiner Wölfe?«

»Er ist … nicht hier«, fauche ich und verkrampfe meine Finger.

»Ach so, er ist nicht hier. Hat dich allein gelassen. Klingt süß. Nach einer wunderschönen Romanze.«

»Ich habe ihm die Erinnerungen an mich genommen!«, schreie ich ihn an. Acry zuckt bedrohlich zusammen, als er meine Wut spürt.

»Und warum hast du das getan?«, fragt er nachdenklich und kommt einen Schritt auf mich zu. Er ist viel größer als ich. Stärker. Und trotzdem wirkt er nicht bedrohlich auf mich.

»Das geht dich nichts an.«

»Schön. Aber wie kommen wir dann hier raus, wenn dein Liebster dich vergessen hat?« Er sieht mich belustigt an.

»Ich habe nicht vor, von hier zu verschwinden. Ich hatte meine Gründe, hierherzukommen.«

»Ach so … Und ich muss mit deinen Entscheidungen leben, ja?«

»Mach, was du willst«, brumme ich und gehe über die Lichtung zu dem Reh. »Aber geh mir aus dem Weg.«

Ich hieve mir das Tier auf die Schultern und gehe weiter. Zurück zu unserem Lager.

»Schön wär’s. Aber wir beide, Kleines, sind hier gefangen. Und das deinetwegen. Also find einen Weg oder …«

»Oder?«, frage ich und drehe mich um. Halte seinen blauen Augen stand, die aussehen, als hätte er sie mit einem Kajal umrandet.

»Oder … ich verfolge dich.«

Ich lache laut auf. »Verfolg mich, wenn es dir Spaß macht. Dann lasse ich meine Wölfe auf dich los.«

»Um damit den einzigen Menschen hier zu töten? Mit Sicherheit nicht.« Er verzieht seinen Mund. »Hör zu, Kleines. Es ist ja schön und gut, wenn du und deine Wölfe hier ihren Spaß haben. Aber das ist nicht die reale Welt«, sagt er und hebt mein Kinn mit zwei Fingern, an denen Ringe stecken. »Und du solltest mal wieder zu Verstand kommen.«

»Willst du mir wirklich weismachen, dass du ein Leben als Dieb vermisst? Auf den Wellen segeln, den Unwettern entfliehen und … was? Arme Menschen bestehlen und mit dem Schatz dann auf irgendeine Insel zu segeln? Klingt wundervoll!« Ich schnaufe und werfe einen Blick auf seine Brust, an der eine lange Kette mit einem großen roten Stein hängt.

»Es hat noch mehr Vorteile. Frauen beispielsweise, die keine wilden Furien und … nicht vergeben sind.« Er deutet auf mein Gesicht, als wäre ich ekelhaft.

Ich starre ihn unverhohlen an. »Wir kommen hier nicht raus. Ende der Geschichte.«

»Und das weißt du woher? Hast du es versucht?«

»Levyn wäre längst hergekommen, um …« Ich stocke. Nein. Er kann sich ja nicht erinnern. Weil ich es so wollte. Mein Herz brennt wie Feuer.

»Moment. Levyn? Der Levyn? Herrscher der Finsternis, König der Feuerdrachen … Hüter des Urfeuers? Er ist dein vergeben?«

Ich verdrehe die Augen, stemme das Tier fester auf meine Schultern und gehe weiter. »Ja, der Levyn.«

»Na, dann kommen wir ja bald hier raus.« Er reibt die Hände aneinander und sieht sich um, als würde er schon einmal überlegen, was er mitnimmt.

»Hast du mich nicht verstanden? Ich habe ihm sämtliche Erinnerungen an mich genommen!«

Er geht mir gelassen nach und ignoriert meine Wölfe geflissentlich. »Erstens habe ich zwei … nennen wir sie meine Schwestern. Sie werden mich sicher suchen. Zweitens sind sie schlau genug, um herauszufinden, wer an all dem schuld ist, und zu Levyn zu gehen.«

»Und drittens?«, erkundige ich mich genervt.

»Drittens … Herzchen, er ist der Herrscher der verdammten Finsternis. Er wird sich wieder erinnern.«

»Das wird er nicht«, flüstere ich und schmeiße das Tier von meinen Schultern, als wir in meinem Lager ankommen. Meine Wölfe ziehen sich auf ihren Hügel zurück, während ich ein Feuer zum Brennen bringe. Belamy setzt sich auf einen der Holzstämme, als wäre er hier zu Hause. »Kannst du dich nicht irgendwie … nützlich machen?«, brumme ich, während ich das getrocknete Gras anpuste, damit es brennt.

»Könnte ich. Aber kein Bedarf, danke.«

Ich schiebe meine Brauen zusammen und werfe ihm einen verständnislosen Blick zu. Aber ich sage nichts. Denn ich bin zu erleichtert, nicht mehr einsam zu sein. Natürlich liebe ich meine Wölfe. Sie sind im letzten Jahr meine Familie geworden. Aber Belamy ist ein Mensch. Aus Fleisch und Blut und …

»Was bist du?«, frage ich, als mir bewusst wird, dass er so gar nicht wie ein Drache aussieht.

Er hebt lässig einen Mundwinkel. »Hab mich schon gefragt, wann du darauf kommst.«

»Also?!«

»Ich bin ein Pirat, Liebes.«

»Ein Pirat, der in der Welt des Mondes ist, anstatt zurück in die menschliche Welt gebracht worden zu sein?«

»Ich habe nicht gesagt, dass ich ein Mensch bin.«

»Ach so, nein. Natürlich gehörst du zur Rasse der Piraten. Kennt doch jeder.«

Er lächelt mich amüsiert an. »Du kannst ja doch witzig sein und nicht nur kratzbürstig.« Er leckt sich über die Lippen und greift dann nach dem Rubin an seiner Brust. »Weißt du, was das ist?«

»Modeschmuck?«, entgegne ich gelangweilt.

»Er nennt sich Blutdiamant. Drachenrubin. Der einzige Stein aus dem Urfeuer, der hier in unseren Welten ist. Ich bin sein Wahrer. Und damit habe ich gewisse Vorteile.«

Ich stehe auf und klopfe mir den Dreck von den Knien. »Und die wären?«

»Du weißt sicher, dass Blutdiamanten ihre Bezeichnung haben, weil es Diamanten sind, die Kriege finanzieren. Oder?«

Ich zeige keine Regung. Was will er mir damit sagen? Denn das da an seiner Brust ist mit Sicherheit kein Diamant, sondern ein Rubin. So einer, wie Levyn ihn als Ring trägt.

»Sie haben ihren Namen von diesem wunderschönen Rubin. Weil er … ein Heer heraufbeschwören kann.«

»Kann er das …«, sage ich belustigt. »Aber sonst hast du keine weiteren Höhenflüge?«

»Denk, was du willst, Elya. Es entspricht der Wahrheit. Wenn ich rufe, folgt mir das größte Heer, das du je gesehen hast.«

»Moment«, knurre ich und hebe den Stock ein wenig, mit dem ich im Feuer herumgestochert habe. »Woher kennst du meinen Namen?!«

Er lächelt und verschränkt seine Arme vor der Brust. »Meinst du wirklich, dass irgendeiner in den Welten nicht weiß, mit wem der Herrscher der Finsternis sich verbunden hat, weißer Drache?«

Ich schlucke schwer und lasse den Stock wieder sinken. »Ich bin nicht mehr der weiße Drache.«

»Wäre mir gar nicht aufgefallen«, lacht er mit einem Blick auf meine schwarzen Haare.

»Es ist kompliziert.«

»Ich habe nicht gefragt«, entgegnet er kühl.

Ich schlucke wieder. Meine Kehle ist trocken und brennt. Zieht sich bitter zusammen, als würde ich weinen. Aber seit einem Jahr haben keine Tränen mehr meine Augen verlassen. So wie auch jetzt. Als hätte ich sie in der Nacht, als ich hier angekommen bin, zurückgelassen.

»Vermisst du ihn?«

Die Frage trifft mich mitten in die Brust. »Ja«, sage ich bitter.

»Und es tut weh, dass er dich nicht vermisst?«

Ich starre ihn fassungslos an. »Woher …«

»Woher ich das weiß? Ich sehe es an deinem Blick. Daran, wie du dich in den letzten Monaten immer und immer wieder abgelenkt hast. Daran, dass du dich selbst daran hinderst, ihn zu vermissen – damit du dir nicht bewusst machen musst, dass er nicht dasselbe fühlt.«

Wieder dieses bittere Brennen in meiner Kehle. »Ich habe es so gewollt. Also kann ich mich nicht beschweren.«

»Sich beschweren dürfen oder einfach traurig sein, das sind zwei verschiedene Dinge. Nicht wahr?«

Ich nicke, weil weitere Worte nicht möglich sind. Meine Kehle ist zugeschnürt und meine Trauer drückt unerbittlich zu. Weiter und weiter.

»Und wen vermisst du, der dich nicht vermisst?«, frage ich nach einer Ewigkeit des Kampfes gegen diese Trauer in mir.

»Ihr Name war Helyra.«

»Und was ist aus euch geworden?«

»Nichts. Sie liebte einen anderen. Und dann ist sie gegangen.«

»Und das war alles?«, hake ich argwöhnisch nach.

Er hebt einen Mundwinkel. »Eventuell kam sie mit meinem Lebensstil nicht allzu gut klar. Der Rum. Die Schätze. Die Überfälle. Das Leben auf dem Meer. Es war nicht ihre Welt.«

»Und du wolltest das nicht aufgeben.«

Er verengt seinen Blick. »Hätte ich das getan, wäre ich unglücklich gewesen, so wie sie auf See. Und wenn immer einer unglücklich sein muss, damit man zusammen sein kann, dann … sollte man nicht zusammen sein.«

Ich atme tief durch und suche nach seinen blauen Augen. Als sie mich treffen, begreife ich, dass er sie trotz allem immer noch vermisst.

»Du vermisst sie«, spreche ich meine Erkenntnis aus.

»Ich vermisse die Vorstellung von ihr. Und … sie ist mein Gegenstück. Das muss man erst einmal verdauen.«

»Aber wenn sie dein Gegenstück ist, wie könnt ihr euch dann nicht glücklich machen?«

Er fährt sich mit seinen beringten Fingern durch die dunklen Haare. »Seelen werden getrennt und dann entwickeln sie sich. Jeder für sich. Wir haben uns in ganz verschiedene Richtungen entwickelt und sind nicht so wie du und dein Herrscher der Finsternis …«

»Wir haben auch unsere Differenzen«, gebe ich zu und beginne mich zu fragen, warum ich ihm so persönliche Dinge erzähle. Aber eigentlich liegt es auf der Hand. Seit einem Jahr habe ich mit niemandem gesprochen. Niemandem, der mir geantwortet hat. »Aber ja. Wir ergänzen uns gegenseitig.«

»Hört sich … furchtbar langweilig an. Ich habe mehr von diesem düsteren Lord erwartet.« Er lacht, während ich nur die Augen verdrehe.

»Was, wenn er sich nie an mich erinnert? Was, wenn ich einen Fehler gemacht habe?«

»Warum hast du es überhaupt getan?«

»Weil …« Ich atme die kühle Luft ein. »Weil ich wollte, dass er glücklich wird und … nicht sein Leben damit vergeudet, mich zu suchen.«

»Wow«, sagt er, grinst aber weiter. »Ich schätze, das ist der reinste Liebesbeweis, von dem ich je gehört habe. Und glaub mir, Liebes, ich bin sehr viel herumgekommen.« Er schlägt seinen Mantel glatt und verschränkt seine Stiefel übereinander.

»Rein … Von wegen. Ich dachte, es wäre selbstlos. Aber jetzt … Jetzt fühle ich nur Trauer und Wut. Und ich bin ehrlich gesagt auch wirklich sauer, dass er sich nicht trotzdem erinnert. Und das ist … egoistisch.«

»Ist es«, bestätigt er und fährt sich mit seinen Fingern über den Dreitagebart. Wie er ihn stutzt, ist mir ein Rätsel. »Aber Egoismus gehört leider dazu. Deshalb besitzen wir ein Ego. Und du hast es nicht getan, weil du einen Liebesbeweis von ihm wolltest und gehofft hast, er würde sich trotzdem erinnern. Du hast es getan, weil du ihm dieses Leben gewünscht hast. Und jetzt … Nun ja, jetzt sitzt du seit einem Jahr allein hier, während er …«

»Glücklich ist«, vervollständige ich.

»Er ist nicht glücklich.«

»Woher willst du das wissen?«, brumme ich und stochere weiter in dem Feuer herum.

»Vielleicht erinnert er sich nicht. Das ändert aber nichts daran, dass ein Teil von ihm fehlt. Dass dein Verschwinden ein Loch in sein Herz geschlagen hat, das er niemals füllen kann.«

»Hast du auch ein solches Loch?«

»Aye«, macht er.

Ich hebe meine Brauen. Er meint dieses Piratending also wirklich ernst.

»Aber meines kann geheilt werden.«

»Und wie kommen wir jetzt hier heraus?«

Ein Lächeln malt sich auf seine Lippen. »Da ist ja der Kämpfergeist«, schnurrt er.

Ich mustere ihn. Und jetzt erkenne ich auch die Bedrohung, die von ihm ausgeht. Aber nicht, weil er böse ist oder mir etwas Schlechtes will. Nein, es ist, weil er nichts zu verlieren hat. Und Menschen, die nichts zu verlieren haben, sind gefährlich.

Während ich zwei Stücke des Fleisches über dem Feuer brate, sieht Belamy unentwegt in den dunklen Himmel, zum Mond.

»Wie orientiert ihr Seefahrer euch, wenn es keine Sterne gibt, nach denen ihr euch richten könnt?«, frage ich, als ich an die rötliche Welt der Dämmerung denke. An die Welt der Finsternis, an die des Lichts.

»Ich habe meinen Rubin. Und heutzutage hat man sogar ein Gerät namens Kompass.«

Er greift in seine Tasche und gibt mir einen kleinen alten Kompass. Ich mustere fasziniert das Glas und den Zeiger dahinter. Die wunderschönen Buchstaben.

»Du kannst ihn behalten. Vielleicht erinnert er dich eines Tages daran, dass ich nicht nur ein hinterhältiger Pirat bin.«

Ich hebe meine Brauen, schlage das Geschenk aber nicht aus. Es ist eines der wenigen Dinge, die hier aus unseren alten Welten existieren.

»Und warum hast du nicht schon längst eine Armee mit diesem Stein gerufen?«, frage ich, während ich mir den Kompass um den Hals hänge. Er landet auf meinem weißen Fellumhang. Das Fell von Lacys, einer Wölfin, die vor einem halben Jahr gestorben ist. Es war eine schreckliche Überwindung, ihr Fell zu nehmen. Aber ich hatte keine andere Möglichkeit. Nachts wird die Welt des Mondes so unendlich kalt, dass ich einige Male erfroren wäre, hätte sie sich nicht an mich geschmiegt. Sanft streiche ich über ihr Fell. Wenigstens lebt sie so weiter. Auf eine grausame Art und Weise.

»So einfach funktioniert das nicht, Liebes. Das erfordert die Macht eines besonderen Drachen, den ich leider nicht kenne oder hierhabe.«

»Kannst du aufhören, mir ständig Kosenamen zu geben?«, brumme ich genervt, ziehe das Fleisch von den Stöcken und reiche Belamy sein Stück.

»Du lebst hier mit Tieren und … isst Tiere?«, fragt er mit erhobenen Brauen.

»Hier wächst nicht viel. Meine Wölfe brauchen etwas zu essen. Ich brauche etwas zu essen.«

»Und wie lange soll das so weitergehen?« Er lächelt mich amüsiert an. »Bis ihr alle Tiere getötet habt?«

»Wir achten darauf, dass wir genug dalassen, damit sie sich fortpflanzen können.«

Er schiebt seine Brauen zusammen und beißt in das Fleisch. »Klingt grausam.«

»Und was hast du bitte gegessen? Verhungert siehst du nicht gerade aus.«

»Du wolltest sagen, ich sehe fantastisch aus.«

»Sicher.«

»Ich habe mich von Fischen ernährt. Pirat … erinnerst du dich?«

»In dem Meer hier gibt es Fische?«

Er starrt mich irritiert an und lacht dann tief und rau auf. »Das hier ist deine Welt. Und du weißt nicht, welche Tiere in deinem Meer leben, Schätzchen?«

»Du nervst«, ist alles, was ich dazu sage.

Wir schweigen und obwohl ich es vermisst habe, nicht allein zu sein, ist die Stille angenehm. Sie erinnert mich an die Zeit, als ich noch allein war. Nur auf mich gestellt. Die Tage, Wochen, Monate, die ich hier gesessen und den Mond beobachtet habe. Mich gefragt habe, was meine Freunde wohl machen und ob Lyria besiegt wurde. Ob die menschliche Welt weiterhin verschlossen ist und ob sie sich vielleicht doch an mich erinnern und längst nach mir suchen.

»Was ist dein Plan?«, frage ich irgendwann in die Stille der kühlen Nacht. Nach all der Zeit habe ich herausgefunden, wann hier Tag und wann Nacht ist. Vor allem an der Stille des Waldes, der Tiere und der Kälte erkennt man es.

»Ich dachte, die Herrscherin der Mondwelt macht einen Plan.«

»Meinst du, dann würde ich seit einem Jahr hier festsitzen?« Ich sehe ihn verächtlich an. Aber nur, weil er mir deutlich macht, dass ich an all dem schuld bin und trotzdem unfähig, es zu ändern.

»Du hast etwas mitgebracht«, schnurrt er.

Ich verenge meinen Blick.

»Du brauchst es nicht leugnen. Ich habe gesehen, wie du es vergraben hast.«

Meine Lippen aufeinanderpressend, sehe ich zu Boden. Das Schwert, das Arya mir gegeben hat, bevor ich verschwunden bin, ist zwar hier, ja. Aber ich will es nie wiedersehen. Damit habe ich Levyn verletzt. Ihm dieses Pulver in seine Brust geworfen und ihm die Erinnerungen genommen.

»Was, wenn das die Lösung ist?«

»Dieses dumme Schwert kann gar nichts. Nichts außer Menschen verletzen, die ich liebe. Und mich selbst.«

Belamy steht auf und geht ein paar Schritte um das Feuer herum. Sein Mantel flattert leicht in dem kühlen Wind. Er fährt sich nachdenklich mit seinen Fingern über seine Lippen. Als ich einen Blick auf die Ringe werfe, die seine schmalen Finger zieren, frage ich mich unwillkürlich, wem er sie wohl geklaut hat. Und wie, wenn er keine besonderen Kräfte hat und gegen Drachen kämpfen muss.

»Wen hast du damit verletzt?«

»Levyn«, gebe ich zu, nehme mir eine Feldflasche, die ich mir aus getrockneten Tierhäuten und Blättern gebaut habe, und trinke einen Schluck Wasser.

Belamy mustert mich argwöhnisch, bevor er einen kleinen Flachmann aus seinem Mantel zieht und mir entgegenhält. »Habe ich für einen besonderen Tag aufgespart. Ihr solltet Euch glücklich schätzen, Königin des Mondes. Ich teile meinen Rum sonst nie.«

Ich schnaufe, nehme die Flasche aber an mich und trinke. Schmecke den bitteren Rum und verziehe mein Gesicht.

»Mit dem Schwert hast du ihm also die Erinnerungen genommen?«

Ich nicke nur und trinke einen weiteren Schluck, bevor er mir den Flachmann wieder abnimmt und selbst etwas trinkt.

»Ich denke, wir haben eine Möglichkeit, Kontakt mit dem Lord der Dunkelheit aufzunehmen.«

»Aha. Und wie?«, frage ich genervt. Ich habe keine Ahnung, was er im letzten Jahr gemacht hat, aber offensichtlich hat sein grenzenloser Optimismus ihn nicht verlassen. Oder es liegt an seiner Selbstüberschätzung.

»Das Schwert gehört zum Bündnis der Welten. Und auch wenn du kein Mitglied mehr sein magst, Levyn ist es. Und wir haben das.« Er hebt seinen Rubin in die Höhe. »Als Hüter des Urfeuers kann er diesen Rubin spüren. Wir müssen nur …«

Ein knurrender Wind unterbricht ihn. Ich sehe mich wachsam um, während Belamy sich nervös auf die Lippe beißt.

»Was ist das?«, frage ich, weil ich in seinen Augen sehe, dass er die Antwort kennt. Trotzdem zuckt er mit den Schultern.

»Wir müssen jetzt dieses Schwert holen und versuchen, Levyn zu erreichen.«

»Was denkst du? Dass das Schwert ein Handy ist?«, entgegne ich genervt.

»Ein was?«, erkundigt er sich und legt nachdenklich seine Finger an sein Kinn.

»Vergiss es.«

Ich stehe auf, rücke mein Fell zurecht und gehe vor. Keine Ahnung, warum ich ihm überhaupt vertraue. Wenn man eines in der sterblichen Welt über Piraten lernt, dann, dass man ihnen nicht vertrauen kann. Trotzdem weiß er ganz offensichtlich, wo ich das Schwert versteckt habe, und hat es sich bisher nicht unter den Nagel gerissen. Ein Vertrauenspunkt für ihn.

Wir laufen durch den dichten Wald, hin zu der Lichtung, auf der ich damals hier angekommen bin. Und obwohl dieser Ort idyllisch ist, der Tau auf den Gräsern im Mondschein glitzert und nur ein paar Grillen zirpen, fühle ich mich hier unwohl. Spüre die Einsamkeit mit ihrer ganzen Wucht.

Als ich an der Stelle angekommen bin, lasse ich mich auf die Knie fallen und grabe das grün-schwarze Kurzschwert aus, nehme es heraus und halte es ihm entgegen. »Und jetzt? Soll ich Levyn damit herrufen?«, frage ich belustigt. »O Herrscher der Finsternis, komm und rette mich und diesen Banausen!«

»Pirat!«, verbessert er mich. Ich verziehe nur die Brauen. »Und vielleicht gibst du dir ein bisschen mehr Mühe.«

»Es ist nur ein Schwert, Bey!«

»Bey?«, fragt er mit sanfter Stimme.

»Ja, das ist dein neuer Spitzname. Also leb damit!«

Er grinst süffisant und nickt dann. »Gefällt mir, dieser Spitzname. Bey steht Euch zur Verfügung. Auch im Bett.«

»Ach halt die Schnauze und hilf mir lieber«, brumme ich und richte das Schwert in Richtung Mond.

»Denk einfach an ihn!«

»Sehr hilfreich.«

Trotzdem schließe ich meine Augen und suche in mir nach dieser Verbindung zu Levyn. Nach dem Teil meiner Seele, der mir fehlt. Der in ihm lebt. Nach meinem Herzen, das in seiner Brust schlägt. Aber es passiert nichts. Rein gar nichts.

»Wenn du nicht daran glaubst, macht es keinen Sinn. Dann bist du nicht ehrlich und das weiß das Schwert.«

»Was?!«, frage ich lachend, doch seine Worte erinnern mich an etwas. Erinnern mich daran, dass der Druide mir erzählte, Siegfrieds Tarnkappe hätte ihre Macht verloren, weil sie missbraucht wurde. Für die falschen Zwecke benutzt wurde. Aber was, wenn es bei diesem Schwert das Gleiche ist? Was, wenn es längst keine Macht mehr besitzt?

»Du machst es immer schlimmer«, raunt Belamy und kniet sich zu mir. Sieht mir in die Augen, als würde er meine Zweifel darin erkennen. Und erst jetzt, da er mir so nah ist, erkenne ich, dass er mir ähnlich sieht. Diese schwarzen Haare – die hellblauen Augen. Ist er etwa … ein Wolf? Oder Teil dieser Welt?

»Du musst ohne Zweifel an ihn denken. Ihm eine Bedrohung durch das Bündnis schicken!« Er berührt meinen Arm und drückt ein wenig zu.

»Woher weißt du so viel über das Bündnis?«

Er zuckt mit den Schultern. »Ich war einst ein Mitglied«, sagt er knapp. Sein Blick verrät mir, dass er nicht weiter darüber sprechen will. Also schließe ich wieder meine Augen und konzentriere mich auf das Gefühl von damals. Als ich noch ein Mitglied war und Bedrohungen gesendet habe.

Als ich es spüre, als ich dieses Gefühl wahrnehme, greife ich danach und schicke es an Levyn. Ich stelle ihn mir vor – so wie er sich in mein Herz gebrannt hat. Diese dunklen Augen. Die finstere Aura. Die warme, gütige Seele. Und dann, ganz plötzlich, spüre ich etwas. Spüre, wie …

Ein Erdbeben reißt mich von den Knien und das Schwert fällt aus meiner Hand. Mit pochendem Kopf suche ich den Boden danach ab und entdecke Belamys Hand, die sich um den Griff legt und es hochhebt. Mein Herz stoppt und meine Brust brennt fürchterlich. Was, wenn ich ihm aus lauter Einsamkeit zu früh vertraut habe? Er ist ein Pirat.

»Ich denke, du hast etwas bewegt«, raunt er, kommt auf mich zu und drückt mir das Kurzschwert wieder in die Hand. »Versuch es weiter. Die Barrieren deiner Welt sind stark.«

Ich blinzle. Nicht nur, weil ich ihm wohl wirklich vertrauen kann – nein. Das, was er sagt, lässt mich stutzen. Vor allem deshalb, weil mir etwas einfällt. Ich bin der graue Wolf. Der Wächter des Tores zur Mondwelt. Sollte also nicht auch ich in der Lage sein, dieses Tor zu öffnen?

Und dann wird mir etwas anderes bewusst. Ich starre Belamy an und weiche ein paar Schritte zurück. Damals, als ich die Tore zur Lichtwelt öffnen wollte, bin ich mir selbst begegnet – aber da war auch ein Wolf. Ich dachte, er wäre ein Teil von mir gewesen. Aber was, wenn ich zwar Herrscherin dieser Welt bin – aber es noch einen weiteren Herrscher, einen anderen grauen Wolf gibt? Was, wenn diese Wölfe aus der Geschichte des alten Druiden … die Wächter … gar nicht tot sind? Wenn der graue Wolf nicht tot ist?

»Du … Du bist …«, stammle ich und weiche weiter zurück.

Belamys Augen verengen sich. »Ich bin was?«

»Du bist Welf. Wolfhart … Du … Du bist nicht gestorben. Du weißt um die Macht dieses Schwertes, weil du damals den Helm des Königs, den du töten wolltest, damit gespalten hast. Du … Du bist der graue Wolf.«

Er schweigt und sieht mich einfach nur an. Für Sekunden oder Minuten. Ich habe längst jegliches Zeitgefühl verloren.

»Ändert das etwas?«, fragt er dann mit rauer, belegter Stimme.

»Natürlich ändert das etwas. Du müsstest tot sein und du …«

»Ich was? Ich habe diese Welt im Stich gelassen? Habe sie zerstört, um hier herauszukommen, und bin dann abgehauen? Habe als Pirat auf den Meeren gelebt und die Welten sich selbst überlassen?« Er verkrampft zornig seinen Kiefer. »Ja, das habe ich getan. Weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich war hier jahrhundertelang allein. Du hast keine Ahnung, was das bedeutet! Es war nie meine Bestimmung. Mein Bruder Remus gab mir diese Welt einfach, kurz bevor er starb, und beschwor mich, sie zu beschützen. Aber er selbst war von hier geflohen. Und ja, ich habe dieses Tor geöffnet und meine Welt zerstört. Das alles habe ich getan. Und ich würde es wieder tun!«

»Ich aber nicht!«, sage ich mit bebender Stimme und weiche weiter zurück. Hebe das Schwert, um gegen ihn zu kämpfen, wenn es nötig ist.

»Wir müssen diese Welt nicht zerstören, um hier herauszukommen, Elya.«

»Ach nein?!«

»Nein. Ich war nicht ganz so untätig, wie du vielleicht glaubst. Ich habe in all den Jahrhunderten als Pirat geplündert, um Antworten zu finden.«

»Antworten, falls du wieder hier eingesperrt wirst. Keine, um sie zu retten. Das hast du mir überlassen!«, fauche ich voller Zorn.

»Wir sitzen im selben Boot. Das tun wir, seit du geboren wurdest. Das ist sicher nicht meine Schuld, Liebes.«

»Du … Die Antwort auf all das … bist du …«

»Ja, die Antwort hat die ganze Zeit neben dir gestanden. Wir beide sind die grauen Wölfe. Entschuldige, dass ich nicht längst tot bin.«

Ich stocke und erinnere mich an Alyabells Worte. Die Antwort steht direkt neben dir. Arya … Sie ist … der weiße Wolf. Das hat mir Alyabell damals sagen wollen. Und nur weil Arya bei mir war, konnte ich das Tor zur Lichtwelt überhaupt öffnen.

Das, was ich in diesem vereisten Garten gesehen habe, waren keine Teile von mir. Es waren der weiße Wolf und ich – und sie war der weiße Wolf. Ist der weiße Wolf. Oder ist sie es noch gar nicht, sondern trägt nur die Möglichkeit in sich, der weiße Drache … der weiße Wolf zu sein?

»Was passiert, wenn wir das Tor öffnen?«

»Ich weiß es nicht«, sagt er matt und sieht mich durchdringend an. Flehend.

»Und was, wenn wir wieder eine Welt wie die der Sterblichen erschaffen? Ein Tor zu ihr öffnen und damit alles, was ich getan habe … sinnlos wird?«

»Die Geschichte ist ganz anders, Elya. Die sterbliche Welt ist entstanden, als die Mondwelt versiegelt wurde. Und das war Remus. Nicht ich.«

»Wer zum Teufel ist dieser Remus?«

»Mein Bruder. Ich habe noch einen – einen nicht so netten. Romulus.«

»Verarschst du mich?«

»Nein. Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wir müssen hier raus. Es gibt stärkere Mächte. Böse Drachen, die alles zerstören werden. Da bringt es recht wenig, wenn wir hier festsitzen.«

»Nein!«, brülle ich ihn an und gehe in Kampfhaltung, so wie Myr es mir beigebracht hat.

Bey hebt beschwichtigend seine Hände.

»Wir finden einen Weg, hier herauszukommen, ohne die Welt zu zerstören, oder wir beide werden für immer hierbleiben!«

»Und wie sollen wir diesen Weg finden? Sollen wir mal kurz einen Abstecher in die Mondbibliothek machen, Pelling?«

Ich verziehe den Mund »Du nervst, Captain Barbarossa.«

»Barbarossa? Sehr kreativ«, lacht er, verengt seinen Blick und zeigt mir wieder sein schiefes weißes Lächeln.

»Es gibt hier … Höhlenmalereien.«

»Wow«, sagt er wenig begeistert. »Die sind sicher von mir und meinen Jahrhunderten, in denen ich hier vereinsamt bin.«

Ich seufze. »Du tust mir so leid. Ich stelle es mir schrecklich vor, wenn man wie ein Irrer Höhlenmalerei betreibt.«

Er grinst wieder und kommt näher. »Aber wenn du mit mir in eine Höhle möchtest, Herzchen … Ich habe nichts einzuwenden.«

Ich verdrehe die Augen und gehe voraus. Hin zu einer der Höhlen, in denen ich diese Bemalungen gefunden habe.

»Dafür, dass du seit einem Jahr keine Anstalten machst, etwas an deiner Situation zu ändern, bist du jetzt ziemlich … engagiert«, ruft Bey mir von hinten zu.

»Ich unternehme lieber etwas, bevor du auf eigene Faust handelst und diese Welt zerstörst.«

»Es wäre wirklich sehr traurig, wenn wir diese einsame Welt zerstören würden. Ich muss mir die Tränen zurückhalten.«

Er lacht sein komisches raues Lachen, während ich den Hügel mitten im Wald hinaufklettere, um zu der kleinen Höhle zu gelangen. Als ich oben angekommen bin und mich mühsam auf meine Beine stelle, tritt Bay mit der Eleganz eines Tieres neben mich und klopft sich nicht vorhandenen Staub von seinem langen Mantel.

»In dieser Höhle war ich mit Sicherheit nicht.«

»Und woher willst du das wissen?«, frage ich irritiert. Dieser Kerl wird mich noch um den Verstand bringen.

»Weil ich doch keine Klettertour auf mich nehme, nur um in einer Höhle Wände zu beschmieren. Ich bin … pragmatisch veranlagt.«

»Wohl eher gemütlich«, sage ich genervt und schnappe mir einen Stock. Ich knie mich auf den moosbedeckten Boden, stecke mir das Holz zwischen meine Oberschenkel und schneide oben zwei große Kerben senkrecht hinein, bevor ich zwei kleinere Stücke Holz gekreuzt hineinstecke und das Holz so auseinanderpresse.

»Hier, mach dich nützlich und hol etwas Harz«, brumme ich und reiche Bey das Kurzschwert.

»Harz? Soll ich mit dem Schwert einen Baum auspressen, oder was?«

Ich starre ihn fassungslos an, dann stehe ich auf und reiche ihm die Fackel, bevor ich selbst zu einem Baum gehe und das zu Tropfen erstarrte Harz abschabe. Als ich fertig bin, gehe ich wieder zu Bey und mustere sein schwarzes Hemd. »Ist das aus Leinen?«

»Aye«, gibt er zurück.

»Gut«, sage ich und reiße ihm ein Stück über seiner Hose ab.

»Spinnst du?!«, pflaumt er mich an, während ich das Harz in das Stück Leinen packe, es zusammenknülle und dann oben in den Stock presse.

»Mach dich nicht nass«, brumme ich, schließe meine Augen und lasse mir Schuppen wachsen. Meine Nase erweitert sich ein wenig und ich speie Feuer, bis die Fackel brennt.

»Du besitzt hier deine Kräfte?«, fragt Belamy mit einem Blick auf meine Schuppen, die sich bereits zurückziehen.

»Natürlich.« Ich nehme den Stock wieder an mich. Das Harz wird eine Weile brennen und uns in der Höhle Sicht verschaffen.

»Und warum hast du das Feuer vorhin nicht so angemacht, Herzchen?«

Ich atme genervt durch und drehe mich zu ihm. »Weil ich sonst nichts zu tun habe, Pirat!«

Er verzieht den Mund und nickt. »Ergibt Sinn.«

Mit rollenden Augen mache ich mich auf den Weg in die Höhle, bis wir an die Stelle kommen, an der ich die Bemalungen gefunden habe.

»Und ich dachte, du hättest wirklich eine Spur«, quittiert er meine Entdeckung herablassend.

»Was stimmt damit nicht?«

»Ähm …«, macht er und deutet mit dem Zeigefinger ringsum auf die Höhlenwände. »Da ist nichts.«

Ich sehe erst ihn und dann wieder die bemalten Wände an. »Du willst mich doch verarschen.«

»Ich frage mich, woher du diese Sprache hast. Das ziemt sich so gar nicht für eine Lady«, entgegnet er und sieht mich an, als würde ihm meine Wortwahl missfallen. »Und nein, ich will dich nicht verarschen, Pelling. Oder soll ich dich vielleicht lieber Leroux nennen?«

Ich verdrehe die Augen. »Dein Faible für Levyn ist wirklich gruselig. Und da sind Zeichnungen!«, knurre ich voller Zorn und deute mit dem Schwert in meiner Hand darauf. »Sieh einfach genauer hin!«

Ich bin nicht in der Lage, meine Wut zu kontrollieren. So wie damals. So wie vor Levyn. Und kaum ist er weg, werde ich wieder zu dem kleinen, störrischen Kind.

Bey sieht mich immer noch an, als wäre ich nicht ganz dicht. Ich umgreife den Griff des Schwertes fester und zeige dann direkt auf eine der Zeichnungen. Eine Schrift, die ich nicht kenne und nicht lesen kann.

»Sieh hin!«, schreie ich wieder und als ich in mir ein Feuer spüre, beginnt der Rubin an Beys Hals zu … leuchten. Er erhellt die Höhle, das Schwert in meiner Hand glänzt grün auf und dann beginnen auch die Zeichnungen zu glühen. Nach und nach, als würde Lava die Rillen der Malereien nachfahren.

»Pelling … Du bist ein Genie.«

»Und du machst mich offensichtlich ziemlich wütend.«

Er kommt einen Schritt auf mich zu und legt mir wieder seine Finger unter mein Kinn. »Wenn das das Feuer in dir weckt, Kleines, stehe ich dir jederzeit zur Verfügung, es mal bei Nacht zu entfachen.«

Er zwinkert mir lasziv zu. Ich hingegen schlage nur seine Hand weg und ignoriere seine dummen Sprüche. Ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen sich diesen Schwachsinn schon anhören mussten.

»Kannst du das lesen?«

»Aye«, macht er, was mich wieder beinahe zur Weißglut bringt.

»Du bist kein scheiß Pirat, sondern ein Verräter seiner eigenen Welt!«, fluche ich.

Er sieht mich nachdenklich an. »Das bin ich nicht. Und irgendwann wirst du es begreifen.«

»Lies!«, fordere ich ihn auf. Es macht mich sauer, dass ich es nicht lesen kann. So wie damals, als wir in der Bibliothek waren und ich diese deutschen Texte nicht entschlüsseln konnte.

»Findet ein Schiff, Herrscherin des Mondes, und segelt mit Eurer neuen Liebe, dem Piraten, davon«, übersetzt er mit einem süffisanten Grinsen.

»Zieht diese Masche eigentlich wirklich bei anderen Frauen?«

»Aye.«

Ich knurre. »Lies jetzt! Und zwar die Wahrheit!«

»Drei Tore. Drei Ebenen. Drei Welten. Neun Reiche«, liest er vor.

Ich verziehe den Mund, während er weitergeht, um den Rest zu übersetzen. Nachdenklich legt er seinen Finger an die Höhlenwand und lässt ihn über die Schrift fahren. Der schwarze Stein seines Rings glitzert in dem Licht seines Rubins.

»Zerstört man ein Tor, öffnet man ein weiteres. Eines zu einer Welt, die nicht hier sein darf. Geöffnet werden kann es nur von außen, um die Macht zu erhalten.«

»Von außen?«, frage ich entsetzt. »Aber ich …«

»Ja, Pelling. Du hast unsere einzige Chance versaut, dass jemand kommt und dich sucht.«

»Ich konnte es doch nicht wissen.«

»Das ist genau der Grund, warum ich immer dafür plädiere, nicht selbstlos zu handeln. Denn genau so etwas kommt dann dabei raus.«

»Ist gut«, brumme ich und gehe weiter hinein in die Höhle.

»Hier steht noch etwas.« Er legt den Kopf ein wenig schief. »Drei Wurzeln, drei Schicksalsbringerinnen, drei Seelen – und nur die Seelen dreimal tot – sind bestimmt, die Bruderschaft der Neun zu besiegen.«

»Und was soll das heißen?«

»Keine Ahnung. Klingt, als wäre hier vor mir schon mal jemand irre gewesen.«

»Redest du jetzt wieder von deinem Bruder? Diesem Remus?«

Er verzieht den Mund. »Hier … Neun Generationen. Neun Söhne. Neun Brüder, die das Ende der Welt beschwören.« Er hebt seine Brauen. »Das klingt so unlogisch und anstrengend, dass ich am liebsten auf der Stelle einschlafen würde.«

»Was?« Ich schüttle genervt den Kopf. »Zumindest den ersten Teil verstehen wir.«

»Könntest du dann jetzt bitte deinen Herrscher rufen, damit er das Tor von außen öffnet und wir mit all dem keine Welten erschaffen oder irgendeine Bruderschaft beschwören, die unser Ende sein wird?«, fragt er und folgt mir durch die feuchte dunkle Höhle, die nur von seinem Rubin erhellt wird.

»Ich kann ihn nicht rufen. Ich … habe die Verbindung zu ihnen verloren. Verstehst du das nicht?«, fauche ich, drehe mich um und gehe zurück zum Ausgang.

»Verdammt, Wolfsmädchen! Ruf ihn her. Versuch es wenigstens!«