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Sinnlich, lustvoll, prickelnd - und so verboten. Tabus und Tabubrüche heizen unser Kopfkino an. In diesem Sammelband mit 24 inspirierenden Kurzgeschichten wird der Reiz des Verbotenen in vollen Zügen ausgekostet. Entfessele deine Lust und genieße abwechslungsreiche Erotikliteratur unterschiedlicher Genres und Perspektiven. Diese Anthologie eignet sich besonders gut als heißes Geschenk für den Partner oder als erotischer Adventskalender. Die Kurzgeschichten enthalten detaillierte Beschreibungen sexueller Handlungen und sind daher für Personen unter 18 Jahren nicht empfehlenswert.
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Seitenzahl: 399
Veröffentlichungsjahr: 2022
1. Auflage 2022
Copyright © 2022 Tira Beige
Verlag:
c/o AutorenServices.de
Birkenallee 24, 36037 Fulda
Coverdesign by A&K Buchcover
Bildnachweise:
Alle Rechte vorbehalten. Das vorliegende Werk darf weder in seiner Gesamtheit noch in seinen Teilen ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Rechteinhaber in welcher Form auch immer veröffentlicht werden. Davon ausgenommen sind kurze Auszüge, die zum Zweck der Rezension entnommen werden.
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich freue mich, dass du Interesse an der »Entfesselung der Lust« hast. In 24 verboten prickelnden Geschichten wird dir eine ganze Bandbreite an Themen, Sehnsüchten und Tabus begegnen. Abwechslung entsteht vor allem dadurch, dass aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und unterschiedliche Typen von Figuren an immer anderen Handlungsorten mit ihrer Leidenschaft konfrontiert werden. Eine bunte Vielfalt wird ebenso durch unterschiedliche Genres garantiert: Egal ob Märchen, Brief, Horror-, Fantasygeschichte oder Dystopie – du wirst in dieser Anthologie dein persönliches Leseinteresse wiederfinden.
Jede Kurzgeschichte ist mit einem kleinen Vorspann versehen, der reflektierend sein kann, mitunter aber auch sehr persönliche Worte enthält. Inhaltlich greifen die Erzählungen auf Tabus und Tabubrüche zurück: Sie thematisieren sie, spielen mit Klischees und dem Reiz am Verbotenen. Dein Kopfkino soll auf Hochtouren laufen. Nicht in jeder Geschichte werden die Figuren bis »zum Äußersten« gehen. Manchmal enden die Geschichten offen oder überraschen mit ungeahnten Wendungen. Sei gespannt, was die Zusammenstellung für dich bereithält!
Sinnlich – niveauvoll – erotisch. Das ist das Credo dieser Kurzgeschichtensammlung, die sich auch perfekt als erotischer Adventskalender eignet.
Safety first: Ich verzichte auf die Verwendung von Kondomen. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie im realen Leben für bedeutungslos erachte. Im Gegenteil: Kondome sind wichtig, um sich vor Geschlechtskrankheiten zu schützen und um ungewollte Schwangerschaften zu verhüten. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass sämtliche im Buch vorkommenden Figuren erfunden sind und die beschriebenen Handlungen freiwillig tun. Alle Handelnden sind zudem volljährig.
Ich wünsche dir ein sinnliches Lesevergnügen!
Deine Tira
Als Erotikautorin kommt man auf den Social-Media-Kanälen mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt. So lernte ich über Instagram einen jungen Mann kennen, den die besonders dominante Behandlung durch Frauen erregt. Beleidigungen, Demütigungen und Züchtigungen können gar nicht grob genug sein, um seine Libido zu stimulieren. Seine Inspirationen haben mich zu nachfolgender Kurzgeschichte ermuntert.
Sie hieß Frau Silva und war die heißeste Lehrerin auf diesem Planeten. Gut, vielleicht gab es heißere. Aber sie war zumindest die schärfste Lehrerin, die an unserer Schule unterrichtete.
Frau Silva hatte sizilianische Wurzeln und ein dementsprechend großes südländisches Temperament, das mein Blut – vor allem das unterhalb der Gürtellinie – in Wallung brachte.
Ich hatte vier Stunden Mathe bei ihr in der Oberstufe. Ich hasste alles, was mit Zahlen zu tun hatte. Aber ich beneidete die Jungs, die fünf Stunden in der Woche über sie sabbern durften, weil sie im Leistungskurs saßen, während ich nur den Grundkurs besuchte.
Frau Silva war keine Lehrerin für mich, sondern die Versuchung in Person: Sie hatte lange schwarze Haare, die sie oft zu einem ultrastrengen Zopf oder Dutt gebunden trug. Ihr Arsch war die meiste Zeit in einen sündhaft engen Bleistiftrock gepresst, der kaum Raum für Fantasie ließ. Sie kleidete sich ganz und gar nicht vorbildhaft, sondern trug die höchsten Absätze, die ich je an einer Frau gesehen hatte. Wenn sie kam, hörten wir sie schon von Weitem, da das Geräusch wie eine Gewehrsalve durch den Flur hallte.
Aber Frau Silva war eiskalt – trotz ihres zarten Alters. Sie mochte nicht älter als dreißig sein, hatte sich aber bereits einen respektablen Ruf erarbeitet. Jeder Schüler fürchtete sich vor ihr. Klausuren, Klassenarbeiten und Leistungskontrollen waren gefürchtet, weil sie sauschwer und kaum lösbar waren. Sie trat professionell auf und erklärte den Unterrichtsinhalt mit einer Souveränität, das uns Hören und Sehen verging.
Gnade war ein Fremdwort für diese Frau. Sie ließ keine Widerworte gelten und machte jedem sofort klar, wer das Sagen im Klassenzimmer besaß. Sie ließ uns eiskalt wissen, dass wir selbst in der Oberstufe nichts weiter als kleine Würmer waren, die nach ihrer Pfeife zu tanzen hatten.
Wenn ich im Matheunterricht saß, bekam ich regelmäßig einen riesigen Ständer, den ich gekonnt unter dem Tisch knetete. Meine Hose spannte – und das nur vom Anblick dieser aufregenden Frau. Doch Flirtversuche brauchte ich mir kleiner Scheißer gar nicht erst einzubilden. Jeden Ansatz einer Anmache erstickte meine Lehrerin im Keim. Ich hatte es mehrfach bei anderen Jungs, die ihr nahekommen wollten und schon an der Fassade gescheitert waren, beobachtet.
Ich hatte keinen blassen Schimmer von Mathe und war den Großteil der Doppelstunde schlicht und ergreifend nur körperlich anwesend.
Wenn sie uns über eine neue Benutzung des Taschenrechners informierte, hörte ich nur: »Leon, zieh mir das Höschen aus.«
Musste ich an der Tafel etwas vorrechnen, verstand ich so viel wie: »Leon, fick mich auf dem Lehrertisch.«
Und wenn sie komplizierte Gleichungen vorrechnete, stellte ich mir vor, wie sie sagte: »Leon, ich will, dass du mir die Pussy leckst.«
Ich gab mir nicht die leiseste Mühe, gut in Mathe zu sein und ließ sie meine Arroganz mehrfach spüren, indem ich nicht den Unterricht verfolgte, sondern meiner Lehrerin auf ihren perfekten Arsch starrte, oder bewunderte, wie die Titten unter ihrer Bluse auf und nieder wippten.
Einmal schnatterten ein paar dumme Mädchen in der dritten Reihe und machten den Fehler, laut zu gackern, anstatt sich auf die zu lösenden Matheaufgaben zu konzentrieren. Frau Silva nahm den Zeigestab in die Hand und ließ ihn krachend auf dem Lehrertisch niedersausen. Der ganze Mathekurs zuckte erschrocken zusammen. Ich nicht. Ich hatte schließlich Frau Silva die ganze Zeit beobachtet und geahnt, was sie mit dem Zeigestab anstellen würde, nachdem sich ihre Augen zu schmalen Schlitzen verengt hatten. Ich wünschte, mein Arsch hätte unter dem Stock gelegen. In meiner Hose drückte es gewaltig. Mal wieder.
Obwohl ich mir keine Mühe in Mathe gab und die schlechtesten Noten mit nach Hause brachte, unternahm Frau Silva nichts, um mich in besonderem Maße zu »schulen«. Ich wünschte mir jedes Mal, dass sie mich zu einer privaten Nachhilfestunde zu sich nach Hause einladen würde. Schließlich wohnte sie in meiner Nachbarschaft und es wäre ein Leichtes gewesen, mich zu ihr zu beordern.
Woher ich wusste, dass sie meine Nachbarin war? Mein Vater hatte während eines Elternsprechtages mit ihr – nennen wir es – »Kontakt« aufgenommen. Er fand sie mindestens genauso rattenscharf wie ich und ich konnte mir vorstellen, dass auch er feuchte Träume wegen ihr hatte. Er bekam heraus, dass sie ganz in der Nähe wohnte. Dann kriegte aber meine Mutter spitz, dass er sich für meine Lehrerin ein wenig zu sehr interessierte und verbot ihm, bei Elternsprechtagen in die Schule zu gehen.
Das Dilemma mit meinen schlechten Noten blieb. So stand ich kurz vor dem Abitur und war drauf und dran, wegen Mathe keine Zulassung zur Prüfung zu erhalten. Zwei Optionen blieben: Entweder ich fand mich damit ab, der letzte Loser zu sein und durch das Abi zu rauschen oder ich kriegte irgendwie die Kurve. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und stolzierte nach dem Matheunterricht zu Frau Silva. Die Mehrzahl der Mitschüler war bereits aus dem Zimmer verschwunden. Meine Lehrerin packte gerade ihre Sachen zusammen, als ich sie vor dem Lehrertisch stehend ansprach. Es war das erste Gespräch, das ich mit ihr nach dem Unterricht führte.
Ich räusperte mich, sodass Frau Silva gezwungen war, ihre stechend dunklen Augen auf mich zu richten. Ich glaubte, sofort rot anzulaufen und eine neuerliche Erektion zu bekommen, als sie mich ganz unverhohlen streng musterte. So nach dem Motto: »Was fällt dir kleinem Hurensohn ein, mich nach dem Unterricht noch zu belästigen? Mach Pause!«
»Frau Silva, ich muss mit Ihnen über meine Zulassung zum Abi sprechen.« Ich klang wohl tapfer genug, dass sie mich nicht gleich aus dem Klassenraum schickte. Alle anderen waren ja bereits fort, sodass ich nun ganz allein mit dieser sündigen Frau im Zimmer stand.
»Du hast Angst, wegen Mathe durchzufallen, richtig?«, fragte sie mit ihrem gewohnt resoluten Tonfall.
Ich nickte lediglich.
»Jemand, der so wenig macht wie du und der mir noch dazu zeigt, dass er überhaupt kein Interesse am Fach hat, sollte gar keine Zulassung zum Abitur bekommen.«
So klang keine Pädagogin, sondern eine Sadistin, die gar nichts von Kindern hielt, sondern sich an ihrem Elend erfreute. Daran, dass sie nichts begriffen und schlechte Noten schrieben.
»Aber ich möchte zugelassen werden«, beharrte ich, ihr die Stirn bietend.
»Und wie willst du das anstellen, Leon?«, fragte sie, wobei sie eine Augenbraue abschätzig nach oben zog.
»Geben Sie mir Nachhilfe, Frau Silva, und ich beweise Ihnen, dass ich das Zeug habe, zugelassen zu werden.«
Keine Ahnung, woher ich den Mut nahm, ihr so gegenüberzutreten, aber Frau Silva ließ sich zu meiner Verwunderung darauf ein.
»Es geht aber nur abends«, log ich und säuselte ihr etwas von Sportverein und Hausaufgaben vor, damit sie nicht auf die Idee kam, die privaten Nachhilfestunden in die Schule zu verlagern.
Frau Silva überlegte ungewöhnlich lange, stimmte dann aber zu meinem eigenen Erstaunen zu und setzte die erste Stunde schon auf morgen an.
Ich wusste gar nicht, wie ich den Tag überstehen sollte, ohne in Gedanken an das Nachsitzen sofort zu kommen. Den ganzen Vormittag über war ich versucht, mir auf dem Jungenklo einen runterzuholen. Noch schlimmer wurde es, als ich in der dritten Stunde bei Frau Silva Mathe hatte. Sie trug heute einen besonders auffälligen Minirock und ein rotes Shirt, das ihre Kurven sensationell umspielte. Fast, als würde sie es darauf anlegen, mich geil machen zu wollen. Immer wieder ließ sie ihren eiskalten Blick zu mir wandern. So viel Aufmerksamkeit von ihr zu bekommen, war ich nicht gewohnt.
Meiner Rolle als Fußabtreter dieser Frau absolut bewusst, fragte ich nach dem Unterricht noch einmal nach, ob es bei unserem Termin heute Abend bleiben würde.
Sie sagte darauf nur: »Wenn du jetzt auch noch mit Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit glänzt, kannst du davon ausgehen, dass ich höchstpersönlich dafür sorgen werde, dass du nicht zum Abi zugelassen wirst.«
Ihre Ansage war eindeutig und bedurfte keiner Auslegung. Sie drehte sich von mir weg und würdigte mich keines Blickes mehr.
Frau Silva hatte mir zu verstehen gegeben, dass ich 18 Uhr vor ihrer Haustür stehen sollte. In meiner Aufregung war ich schon fünf Minuten früher da, traute mich aber nicht, die Klingel zu betätigen, aus Angst, dass ein zu frühes Erscheinen ihr sauer aufstoßen könnte.
Also tigerte ich auf der Straße auf und ab. Vor dem Wohnblock entdeckte ich ihren stets blitzblank polierten schwarzen A 6, den sie provokativ neben den Autos der Schulleitung parkte.
Punkt 18 Uhr klingelte ich. Mein Herz pochte vor Aufregung. Ich kam mir vor wie ein Teenager, der zum ersten Mal ein Mädchen datete. Nur mein zerfledderter Mathehefter, das Lehrbuch und der Taschenrechner erinnerten mich daran, dass ich in Wahrheit bei meiner strengen Lehrerin zum Nachhilfeunterricht anzutreten hatte.
Dem Anlass gemäß gekleidet war ich jedoch nicht: Ich hatte mir eine eng sitzende Jeans gegönnt und trug ein Muskelshirt, das Frau Silva in Ekstase versetzen sollte. Vielleicht sprang diese forsche Frau ja doch in irgendeiner Weise auf zur Schau gestellte Männlichkeit an. Das hoffte ich zumindest.
Wenn ich erwartet hatte, dass mich Frau Silva in Schlabberpulli und Jogginghosen empfangen würde, wurde ich eines Besseren belehrt.
Heilige Scheiße!
Sie trug noch immer das gewagte Outfit von heute Morgen, mit dem sie mich bereits um den Verstand und beinah zum Kommen gebracht hätte.
Natürlich starrte ich auf ihren Busen, der sich einladend unter dem Shirt verbarg, das sie mir präsentierte, als sie die Haustür öffnete.
»Pünktlich auf die Minute«, lobte sie mich, ohne einen Mundwinkel anerkennend zu verziehen. Sie behielt die Fassade der dominanten Lehrerin perfekt aufrecht.
»Guten Abend, Frau Silva«, drückte ich mutig aus meinem Mund heraus.
Fuck, war ich nervös, gleich mit dieser Frau allein zu sein. Bis dato hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet, auf einen Herrn Silva zu treffen. Nun war mir aber doch etwas mulmig zumute. Bei so einer Hammerfrau hätte es mich stark gewundert, wenn sie keinen Stecher haben sollte.
Zumindest hoffte ich insgeheim, dass nicht jeden Moment ihr Ehemann oder Freund um die Ecke schauen würde. Ich stellte mir vor, dass die beiden ein verruchtes Paar abgeben würden: Sie, die dominante Frau, die keine Gnade kennt. Er, der devote Partner, der ihr morgens die Füße küsst und alles macht, was sie verlangt. Ich wünschte, ich wäre dieser Jemand. Ich würde dieser Frau jeden Wunsch von ihren prallen Lippen ablesen.
»Komm rein, anstatt mich wie ein räudiger Straßenköter anzuglotzen«, riss mich Frau Silva aus meinen unanständigen Tagträumen.
»Selbstverständlich.«
Ich gelangte in den Flur und wurde aufgefordert, meine Schuhe auf eine Ablage zu stellen. Damit ich keinen Dreck machte. Sie würde nicht wegen mir putzen, gab sie bekannt.
Frau Silva wackelte mit ihrem appetitlichen Hintern vor mir her ins Wohnzimmer. Da war niemand. Ich atmete insgeheim auf, wollte dann aber doch Gewissheit und fragte frei heraus: »Ist Herr Silva gar nicht da?«
»Nein!«
Und das war alles. Ihre Antwort ließ offen, ob Herr Silva nur nicht im Haus war oder ob es ihn gar nicht gab. Ich wusste, dass schon Schüler der Unterstufe an die heiße Mathelehrerin dachten, während sie wichsten. Von einem Zehntklässler, der auch auf Frau Silva stand und sie heimlich stalkte, wusste ich, dass sie unverheiratet war und allein lebte. Gemunkelt wurde, dass sie neben ihrer Lehrertätigkeit einer Anstellung als Domina nachging. Aber sicher waren das nur Hirngespinste testosterongesteuerter Jugendlicher, die sich einen auf sie runterholten.
Frau Silva bot mir einen Platz auf dem Sofa an. Auf dem Couchtisch lagen ihre Unterrichtsvorbereitungen, das Mathematikbuch und ein grafikfähiger Taschenrechner.
Entgegen meiner Erwartung platzierte sie ihren attraktiven Körper direkt neben mich und sorgte so für eine Nähe, die ich zwar mehr als genoss, die mich gleichzeitig aber auch davon abhielt, mich auf Mathe zu konzentrieren. Letztlich wusste ich: Egal wo sie gesessen hätte – mein Schwanz wäre so oder so mächtig genug gewesen, mein Hirn zu verdrängen.
Ich gab mir alle Mühe, Frau Silva zuzuhören, die sofort in einen Monolog über die Funktionsgleichungen überging. Sie zeigte mit ihren langen roten Fingernägeln auf die entsprechenden Seiten im Lehrbuch und forderte mich dann auf, mit ihr gemeinsam die Aufgaben durchzurechnen. Ich gab mir den Anschein des gelehrigen Schülers, auch wenn ich nur Augen für ihren Ausschnitt und die langen Beine hatte. Immer wieder rutschte der Rock ein Stück nach oben und gab mehr von ihren Oberschenkeln frei. Ich musste mich regelrecht zwingen, den Blick aufs Buch zu heften.
Als sie nach etwa zwanzig Minuten bemerkte, dass meine Konzentration absackte, schlug sie eine Pause vor und ging Richtung Küche, um uns Getränke zu holen. Ich hatte erwartet, dass sie mit einer Cola oder Limo zurückkommen würde, aber sie hatte doch tatsächlich Weingläser in der Hand. Eins davon stellte sie allerdings in die Anrichte. Für sich selbst schenkte Frau Silva großzügig ein. Sie fragte nicht, ob oder was ich trinken wollte.
Und offen gestanden war mir das Getränk gerade egal. Ich schaute ihr dabei zu, wie sie sich den Weißwein schmecken ließ. Ich leckte mir über die Lippen, als ich ihre schlanke Silhouette bewunderte. Ihre straffen Titten spannten unter dem Shirt. Natürlich war ich längst hart und wollte sie sofort auf dem Sofa vögeln.
Um eine Ausrede zu finden, meinen steifen Schwanz kurz in der Hose richten zu können, log ich: »Ich müsste mal auf die Toilette.«
Frau Silva beschrieb mir den Weg und ich trottete – eine Hand vor den Schritt haltend – an ihr vorbei. Dabei sog ich den weiblichen Duft ihres verführerischen Parfums in mich ein. Der vernebelte mir nun gänzlich die Sinne, sodass ich in meinem Rausch links und rechts miteinander verwechselte und aus Versehen nicht die Tür zum Badezimmer öffnete, sondern einen ganz anderen Raum.
»Oh mein Gott!«, entfuhr es mir und mir war klar, dass ich soeben feindliches Gebiet betreten hatte. Die Kriegserklärung von Frau Silva folgte auf dem Fuße, denn sie stand mir schon im Rücken, als ich gerade dabei war, die Tür wieder zu schließen. Ich hatte viel zu viel gesehen.
»Frau Silva … Es tut … mir leid, ich dachte …, dass hier die Toilette …«
Ich war steinhart und nun drückte sie mir auch noch ihre Brüste gegen den Rücken.
»Was meinst du, was du da gerade gesehen hast, Leon?«, zischte sie mir ins Ohr.
Sie stand so dicht hinter mir, dass mir bei ihren eiskalten Worten das Blut in den Adern gefror und doch war mir nie heißer als in genau diesem Moment.
»Ich … ich weiß auch nicht«, stotterte ich erneut.
Natürlich wusste ich, was ich da gesehen hatte. Das war kein normales Zimmer.
»Doch, du weißt es. Gib dir Mühe und sag es frei heraus!«
»Ein Spielzimmer für Erwachsene?«, mutmaßte ich.
»Ich wusste gar nicht, dass so ein kleiner Hurensohn wie du solche guten Formulierungen kennt.«
Mir war nicht klar, was meine Entdeckung für Folgen haben würde. Und doch bettelte ich Gott in dem Moment an, mir genau die Bestrafung durch meine Lehrerin zuteilwerden zu lassen, die ich verdiente.
»Und meinst du«, flüsterte sie mir ins Ohr, »dass ich dich so einfach gehen lasse, nachdem du dieses Geheimnis kennst und es einfach ausplaudern könntest?«
Mir war danach, zuzugeben, dass es in der Schule sowieso schon Gerüchte darüber gab. Aber ich hielt mein dreckiges Maul.
»Nein.«
»Nein was?«
»Nein, Sie werden mich natürlich nicht einfach so gehen lassen.« Und Mathe wird wohl heute auch nicht mehr Thema sein, fügte ich in Gedanken hinzu.
Frau Silva öffnete die Tür, die ich gerade geschlossen hatte, und schubste mich unsanft in das Zimmer hinein. Nur die Beleuchtung des Flurs ließ Helligkeit in den Raum.
Je mehr sich meine Augen an das nebulöse Licht gewöhnten, umso deutlicher erkannte ich die Spielsachen: An den Wänden waren Ösen befestigt mit Handschellen daran. Außerdem lagen diverse kleine Flogger und lange Peitschen herum. Knebel, Maulkörbe, Lederriemen, Ledermasken und andere Utensilien zierten die Kommoden.
Mir lag auf der Zunge zu fragen, ob das ihr privates BDSM-Zimmer war oder ob sie hier Kunden herbrachte, denen es gefiel, von ihr misshandelt und gedemütigt zu werden. Ich glaubte, dass es eine Mischung aus beidem war.
»Meinst du, du kleiner Bastard wirst in der Schule deine Schnauze halten? Oder soll ich dir eine Lektion erteilen, damit du das auch wirklich für dich behältst?«
Ich liebte den beleidigenden, anmaßenden Tonfall, der sich nicht gehörte, und für mich nach einer mehr als dreckigen Einladung zum Sex klang.
Ich wollte wissen, wie es sich anfühlte, von dieser Frau benutzt zu werden. Sie sollte mich so dominant wie möglich züchtigen und keine Gnade zeigen!
Ich zögerte schon zu lange.
»Zieh dich aus!«, befahl Frau Silva mit der größtmöglichen Autorität in der Stimme.
Ich gehorchte. Als ich mir das Shirt über den Kopf zog und ihr meinen trainierten Oberkörper präsentierte, hätte ich schwören können, einen kleinen Hauch von Bewunderung und Erregung in ihren Augen wahrgenommen zu haben. Aber vielleicht bildete ich mir das auch bloß ein, triebgesteuert wie ich war.
»Die Hose!«, forderte sie. Nun sah sie zwangsläufig, wie sehr mich diese Show anmachte, denn als ich mir die Jeans vom Bein streifte, schaute sie geradewegs auf den imposanten Ständer in meiner Shorts.
»Du kleiner Scheißer bist wohl geil?«, fragte sie unnötigerweise. »Das werden wir dir gleich austreiben!«
Sie nahm eine Lederpeitsche in die Hand und dirigierte mich zu einem Hocker, auf dem ich mich mit dem Bauch voran hinlegen sollte. Meine Erektion drückte sich geradewegs gegen das Leder des Möbels.
Frau Silva trat hinter mich und zog mir mit einem Ruck die Unterhose vom Arsch.
»Einen hübschen knackigen Po hast du da«, sagte sie, ohne auch nur den Hauch einer Bewunderung in ihre rauchige Stimme zu legen. »Der wird gleich nicht mehr so hübsch aussehen, wenn ich dir das Leder über die Haut ziehe.«
Und so wie sie den Satz beendet hatte, durchzuckte mich schon der erste Schlag der Peitsche und ich keuchte aufgrund der Härte ihrer Behandlung überrascht auf.
»Hat wehgetan?«, fragte sie nach. Aber nicht liebevoll oder um sich zu vergewissern, dass es mich auch nicht zu sehr schmerzte, denn sie sagte gleich darauf: »Es wird noch viel mehr weh tun, wenn du nicht meine Fragen richtig beantwortest.
Oh scheiße!
»Nachsitzen ist das Safeword.«
Safeword? Ich brauchte die Behandlung, die ich dreckiger Mistkerl verdiente.
Frau Silva ging dazu über, mir Matheaufgaben aus dem heutigen Unterricht zu stellen. Mit jedem Schlag, den sie auf meinen Arsch niedergehen ließ, rückte sie mit den Fragen weiter in die Vergangenheit zurück, sodass es mich Mühe kostete, mich an den Unterrichtsstoff zu erinnern.
Beantwortete ich eine Frage korrekt, wurde die Peitsche in fast liebevoller Art über meinen Po gezogen, sodass es sich wie ein Streicheln anfühlte. Lag ich jedoch falsch oder konnte gar nichts antworten, strafte sie mich mit massiver Härte, indem sie kraftvoll zuschlug.
Und natürlich hatte ich so wenig Ahnung von Mathematik, dass ich mehr Strafe als Belohnung erhielt.
Ich ging davon aus, dass irgendwann meine Erregung nachlassen würde, aber je mehr Frau Silva hinter meinem Rücken stöhnte – wohl, weil sie das Auspeitschen sexuell erregte – umso geiler wurde ich. Mit jedem Schlag stieß mein Unterleib gegen den Hocker, sodass ich mir unweigerlich auch den Schwanz massierte.
Ich war nicht mehr in der Lage, die Aufgaben zu beantworten. Frau Silva fragte inzwischen Teile des Unterrichts ab, von denen ich glaubte, sie niemals gehört zu haben. Außerdem hinderten mich meine Erektion und die Schmerzen daran, mich stärker zu fokussieren.
Mein Arsch brannte höllisch von der rabiaten Behandlung. Aber mein Schwanz zuckte verlangend, bettelnd nach angemessener Entschädigung für die Qualen, die ich auszustehen hatte.
»Meinst du, deine Lektion gelernt zu haben?«, fragte Frau Silva und trat vor den Hocker. Wie ein Häufchen Elend lag ich bäuchlings auf dem Hocker und blickte devot zu meiner dominanten Lehrerin auf.
»Ja«, sagte ich entkräftet.
»Ja was?«, fragte sie streng.
»Ja, ich habe meine Lektion gelernt.«
»Braver Junge.«
Die Luft flirrte. Vor meinen Augen tanzten Sternchen, aber ich hatte nur Augen für diese Göttin vor mir. Frau Silva hob ihren Rock hoch und entblößte mir ihre kahl rasierte Scham. Ich schwöre bei Gott, ich hatte nie zuvor eine schönere Pussy gesehen.
»Ich will, dass du mich zum Kommen bringst!«, hauchte sie mit kehliger Stimme. Zum ersten Mal umspielte so etwas wie ein zartes Lächeln ihren Mund.
Sie hielt den Rock in die Höhe und trat so nah an mein Gesicht heran, dass mir ihr berauschender Intimgeruch in die Nase stieg. Meine Zunge traf zielsicher ihren Kitzler. Ich hatte viele Pornos gesehen und wusste zudem aus eigener Erfahrung, wie man Frauen durchs Lecken zum Orgasmus brachte. Also gab ich mein Bestes, um meine Lehrerin zufriedenzustellen.
Während ich meine Zunge über die Schamlippen und ihre Klitoris wandern ließ, wichste ich meinen Schwanz, der kurz vor der Explosion stand. Ich stöhnte, als ich den Schaft rieb.
Auf einmal entzog sich mir Frau Silva.
»Masturbierst du etwa?«, fragte sie spöttisch. »Du kleiner Hurenbock holst dir doch nicht gerade selbst einen runter?«
Frau Silva ging zielsicher durch den Raum und holte Handschellen hervor. Bevor ich wusste, was sie vorhatte, lag das Metall bereits um meine Handgelenke, die nun auf dem Rücken fixiert waren. Damit war ich jeglicher Chance beraubt worden, an mir herumzuspielen.
»Leck weiter, du kleiner Pisser, und wehe, du befriedigst mich nicht anständig! Dann kannst du davon ausgehen, dass ich dir so viele Schläge mit dem Rohrstock verpasse, dass du morgen in der Schule nicht mehr sitzen kannst!«
Ich wollte dieser Frau dienen und sie um den Verstand lecken. Leider konnte ich mit den Händen nicht nachhelfen. Daher musste die Zunge Schwerstarbeit leisten. Ich züngelte, was das Zeug hielt, stieß ungehemmt mit der Spitze in ihren Eingang, leckte die Schamlippen und saugte an ihrer angeschwollenen Klit.
Sie schmeckte himmlisch und war doch ein durchtriebenes Luder, das mehr einem Teufel statt einem Engel glich.
Ich hörte an ihrem Stöhnen, dass sie genoss, was ich mit ihr tat. Also beschleunigte ich mein Tempo und leckte sie unnachgiebiger.
Mein Schwanz war inzwischen so bereit, sich zu entladen, dass sogar die kurze Berührung des Hockers ausreichte, um mich über die Klippe zu tragen. Ich schoss mit voller Kraft meinen Samen in die Unterhose. Dabei stöhnte ich ungebremst auf und ließ kurz von der Pussy meiner Lehrerin ab, bis der Orgasmus abflaute.
Frau Silva gab mir den Moment, obwohl ich ihr dieses Zugeständnis nicht zugetraut hätte. Dann drückte sie mir vehement ihren Schoß ins Gesicht, sodass mir kurz die Luft zum Atmen genommen wurde. Ich konnte mich nun, nachdem meine eigene Lust nachließ, voll und ganz auf den Genuss konzentrieren, den ich meiner Lehrerin schenken wollte.
Diese Göttin glücklich zu machen, war in dem Moment mein sehnlichster Wunsch. Und ich hatte Erfolg, denn keine fünf Minuten, nachdem ich gekommen war, spritzte mir ihr Saft ins Gesicht und ich trank wie besessen von dieser Versuchung vor mir.
Ich war im Himmel angekommen und hatte doch gleichzeitig die Hölle auf Erden gefunden, denn nun war klar, dass ich der Spielball dieser Frau werden würde. Und ich würde es mit dem größten Vergnügen sein.
Mit der gleich folgenden Kurzgeschichte habe ich an einem Wettbewerb zum Thema »Inkubus und Sukkubus« teilgenommen. Im Kern dreht sich die Story um das Thema Unfruchtbarkeit. Sie betrifft mich unmittelbar – seit vielen Jahren. Das Warten auf eine Befruchtung kann zur unendlichen Qual werden. Der Kinderwunsch kann so große Ausmaße annehmen, dass man nicht nur die Partnerschaft hinterfragt, sondern den Sinn des Lebens grundsätzlich. Aber es steckt auch Hoffnung in der Geschichte.
Judith rutschte nervös auf dem Stuhl herum. Sie überkreuzte ihre Beine, öffnete sie wieder, verschränkte ihre Arme, griff sich dann doch ein Prospekt, legte es beiseite. Ständig krümmte sie sich, die Arme um die Taille haltend, weil die Nachbeben der gestrigen Operation noch nicht vollständig verklungen waren. Auf ihrem Bauch befand sich ein langes Pflaster, darunter wohl eine Narbe, die daran gemahnte, welchen Leidensweg sie hinter sich hatte. Da war er wieder – dieser Schmerz, der sie durchzuckte. Wann würde sie endlich ins Sprechzimmer gerufen werden?
Eine Frau, die neben Judith saß, streichelte über ihren dicken Bauch, bevor ihre Handfläche auf Höhe des Nabels verharrte. Gerade war noch eine jüngere Schwangere in die Praxis getreten, die freudig verkündete, zum Ultraschall da zu sein.
Judith verzog das Gesicht beim Anblick dieser glücklichen, kugelrunden Personen, die mit jedem offen ihre Emotionen teilen mussten. Am liebsten hätte Judith – angefüllt vom Neid – auf der Stelle die Praxis verlassen. Sie konnte diese fröhlichen »Seht her, ich bin schwanger« – Gesichter einfach nicht mehr ertragen.
»Frau Büning, bitte Zimmer 1«, erklang die bekannte Stimme des Frauenarztes. Judith erhob sich und trottete langsam auf das Sprechzimmer zu.
»Schön, dass Sie da sind«, sagte der Arzt, der bereits an der Tür wartete und sie mit einem kräftigen Händedruck begrüßte. »Geht es Ihnen gut?«, wollte er interessiert wissen, noch bevor Judith überhaupt ins Zimmer eingetreten war.
Als sie die Tür hinter sich schloss, gestand sie: »So wirklich nicht. Sie sagten vor der Bauchspiegelung, dass es nicht so schlimm wird.«
Ihr Frauenarzt beruhigte sie: »Es ist normal, wenn Sie sich nach der OP geschwächt fühlen oder Schmerzen im Bauchraum haben.«
Judith nickte.
Unerwartet legte sich ein Schatten über das Gesicht des Frauenarztes, der sich nun den Unterlagen zuwandte: »Frau Büning«, sagte er, wobei sich tiefe Furchen auf seiner Stirn eingruben, »leider habe ich bei der Bauchspiegelung etwas gefunden, was Sie nicht erfreuen wird«, deutete er an. Judith ahnte bereits, dass ihre seit Jahren bestehende Unfruchtbarkeit und ihre wiederkehrenden Schmerzen während ihrer Periode ernstere Ursachen haben mussten. »Sie haben einige Vereiterungen an den Eierstöcken, die ich leider nicht beheben konnte. Außerdem waren da knotige Veränderungen …«
Judith konnte nur schwer folgen, weil er in kompliziertem Ärztedeutsch aufzählte, was nicht normal an ihr war.
»Alles deutet darauf hin, dass Sie unter Endometriose leiden. Das erklärt auch, warum Sie nicht schwanger werden.«
Er schaute betreten nach unten auf den Tisch, hatte die Hände zusammengefaltet, als wolle er beten.
Die Diagnose überraschte Judith nicht sonderlich, trotzdem biss sie sich auf die Lippe, um nicht sofort in Tränen auszubrechen. Sie wollte es so lange Zeit nicht wahrhaben, dass etwas an ihr nicht stimmte. Die Zeichen waren schon immer mehr als offensichtlich. Nun hatte sie die bittere Gewissheit. Sie würde niemals zur richtigen Frau werden. Ihr würde auf ewig verwehrt bleiben, Mutter zu werden. Nicht Paul war schuld, dass sie keine Kinder bekam, sondern sie selbst. Judith spürte, wie sich eine Tränenwand in ihren Augen hocharbeitete und einen Schleier vor ihrem Blickfeld erzeugte.
»Frau Büning, ich weiß, wie sehr Sie sich Kinder wünschen. Es tut mir aufrichtig leid«, sagte der Arzt mit brüchiger Stimme.
Wahrscheinlich würde er als Nächstes die Frau, die im Sprechzimmer neben ihr saß, aufrufen und ihr verkünden: »Herzlichen Glückwunsch, es wird ein Mädchen!« Und dann würde sie strahlen und er würde lachen und sich mit ihr freuen, während Judith zu Hause hockte, sich von der Bauchspiegelung erholte und daran dachte, niemals ein kleines Wunder, das aus ihrem Leib entsprungen war, in den Armen zu halten.
Sie schaute den Frauenarzt, der etwas in seinen Unterlagen notierte, an und knetete ihre klammen Hände.
»Wir sehen uns in ein paar Wochen an, wie die Narbe verheilt ist«, sagte er und dann folgte die Verabschiedung. Judith verschwand aus dem Sprechzimmer und lief an den dicken Frauen im Warteraum vorbei, die sich vermutlich über die bevorstehende Geburt unterhielten oder Wehwehchen über die Schwangerschaft austauschten.
Da sich Judith einen neuen Termin besorgen musste, wartete sie vor dem Tresen, bis die Sprechstundenhilfe erschien. In der Reihe vor ihr stand eine Frau, die einen Babytragekorb in der Hand hielt. Ein winziges Knäuel von Gesicht lugte aus Decken hervor und grinste Judith direkt an. Bei dem Anblick dieses kleinen Lebens schossen ihr die Tränen in die Augen und sie begann heftig zu schluchzen. Dann rannte sie, ohne sich vorher einen Termin besorgt zu haben, aus der Praxis hinaus.
Am Auto angekommen, hatte sie keine Kraft mehr. Ein Strom heißer Tränen rann ihre Wangen hinab, verfing sich in ihren Lippen und tropfte an ihrem Kinn herunter. Sie schüttelte den Kopf und konnte sich keinen Reim darauf machen, wieso Gott sie so dermaßen strafte. Wie konnte er nur zulassen, dass manche Frauen ständig Kinder bekamen, ungeplant schwanger wurden oder Lebewesen in die Welt setzten, um die sie sich nicht kümmern konnten, während sie selbst jede Menge Liebe zu vergeben hatte, aber das schier Einfachste auf der Welt nicht leisten konnte.
Warum hatte ihr Gott einen solchen Körper gegeben, der nicht in der Lage dazu war, ein Kind hervorzubringen. Ab jetzt wollte sie auf all das pfeifen, was ihr in der Christenlehre und im Konfirmandenunterricht beigebracht wurde: auf die Rede vom gnädigen, gütigen Gott, der als Mensch auf die Welt gekommen war, um Nächstenliebe zu predigen. Dieses heuchlerische Gefasel! Der Allmächtige konnte sie mal kreuzweise!
Das Einzige, was Judith jetzt noch spürte, war ein tiefsitzendes Gefühl der Ohnmacht und Ermattung. Der Strom, der unaufhörlich aus ihr herausquoll, wollte nicht versiegen. Erst nach einer Viertelstunde hatte sie keine Tränen mehr. Ihre Augen waren rot geschwollen und schmerzten. Sie musste irgendwie nach Hause fahren, ohne erneut von ihrem Schmerz heimgesucht zu werden. Sie schaffte es nur mühsam.
Zuhause angekommen, fiel Judith ermattet auf das Bett nieder. Ihr Freund würde erst in ein paar Stunden von der Arbeit heimkommen. Eine erneute Schmerzwelle durchrollte ihren geschwächten Körper, sodass sie sich auf der Seite liegend zusammenkrümmte. Sie wollte nur noch schlafen, wollte diesen Albtraum hinter sich bringen und endlich an etwas anderes denken als nur daran, dass sie unfruchtbar war. Unfruchtbar. Das Wort durchzuckte ihr Gehirn. Un, was war un eigentlich für eine Wortart? Was war es für ein merkwürdiges Präfix, das Schönes bis zur Unkenntlichkeit verdrehte. Frucht. Drehte man das r und u um, kam Furcht heraus. Bar. Die Bar. Substantiv. Nein, bar war ein Suffix, das an ein Adjektiv angehängt wurde.
Judith starrte den Schrank gegenüber vom Bett an, während sie das Wort in seine Bestandteile zerlegte. U n f r u c h t b a r.
Die Lider ihrer Augen senkten sich unaufhörlich. Sie wollte schlafen. Noch einmal erhob sich Judith, zog sich das Shirt über den Kopf, die Hose über die Beine. Sie streifte ihre Socken ab, dann den BH und zuletzt das Höschen. Dann legte sie sich nackt unter die Bettdecke, die sich kuschelig weich an ihre Haut anschmiegte. Das dicke Pflaster auf ihrem Bauch hätte sie am liebsten abgerissen. Sie durfte es aber erst in ein paar Tagen abziehen. Dann würde sie auch sehen, was von der Bauchspiegelung als Narbe zurückblieb.
Unfruchtbar.
Judiths Lider wurden immer schwerer. Ihr gingen so viele Gedanken durch den Kopf und doch wollte sie ihrem müden Körper Ruhe gönnen. Schlafen. Sie wollte schlafen.
Gerade, als sie glaubte, mit ihrem schweren Körper in die Traumwelt gezogen zu werden, hörte sie, dass sich etwas an der Schlafzimmertür regte. Es klang wie ein Scharren. Oder nein, als ob jemand mit langen Fingernägeln über die Einfassung der Tür kratzte. Was mussten das für störrische Fingernägel sein?
Krr krr krr. Dreimal strich dieser Jemand über die Zarge. Dann erneut: Krr krr krr. Wieder dreimal.
Judith drehte sich schlaftrunken zur Türeinfassung und war überhaupt nicht überrascht, dass da jemand stand. Es war ein Mann. Oder war es ein Tier? Das Wesen war halbnackt, trug lediglich einen schwarzen Lederschurz um seine Hüften. Es besaß einen muskulösen, unbehaarten Oberkörper, der jede Frau vor Verzückung in die Knie gezwungen hätte. Auf dem Rücken befanden sich zwei breite düstere Flügel und auf dem Kopf, der von pechschwarzen Haaren überzogen war, prangten zwei in sich gedrehte Hörner.
War sie tot? Wollte diese Mischung aus Engel und Teufel sie mit sich nehmen?
Und dann dieses Gesicht. Es war menschlich, keine Frage, und wunderschön. Judith glaubte, noch nie in ihrem Leben in ein dermaßen attraktives Gesicht geschaut zu haben. Es war perfekt. Männlich und herb, aber gleichzeitig strahlte es etwas Feminines aus. Etwas Weiches, das ihm Anmut und Stärke verlieh. Die Nase war ebenmäßig gerade, die Wangenknochen bis zur Perfektion ausgearbeitet. Wie gemalt erschienen die vollen, sinnlichen Lippen und wie gemeißelt die Kinnpartie. Judith schaute dieses ideale Wesen an, blickte ihm direkt in seine dunklen, durchdringenden Pupillen, die einen Glanz verströmten, der sie blendete. Wer war dieser Jemand?
Judith schloss die Bettdecke mit einer Mischung aus Faszination, Neugierde und Angst enger um ihren nackten Körper. Gleichzeitig spürte sie eine aufkeimende Erregung in ihrem Becken. Sehnsuchtsvoll presste sie die Schenkel zusammen und bemerkte, wie feucht sie war. Eine Hand – War es ihre Hand? – umkreiste verlangend ihren Busen, sodass ihre Brustwarzen kribbelten und sich aufrichteten.
Wie erstarrt registrierte Judith, dass die Kreatur nicht mehr an der Tür verharrte, sondern bereits auf der Bettkante saß. Wann war sie dorthin gelangt?
Sämtliche Schmerzen, die sie vor wenigen Minuten noch empfunden hatte, waren verblasst. Stattdessen verspürte sie eine unbändige Lust. Sie wollte dieses Wesen – ob aus Himmel oder Hölle entstiegen, war ihr egal – tief in sich spüren. Es war jede Versuchung wert.
Es saß auf der Bettkante und fuhr mit seiner Hand unter die Decke. Seine langen Nägel strichen über Judiths Haut und verursachten an den Stellen, die sie berührten, Gänsehaut. Sie schloss die Augen und genoss die zarten Berührungen auf ihrem nackten Oberkörper. Das Geschöpf streichelte ihren Unterbauch, fuhr über die Narbe, liebkoste hauchzart ihre Brüste, bevor es wieder mit der Hand nach unten glitt und den weichen Flaum des Venushügels umspielte. Danach wanderten seine seidigen Finger sanft über ihre Schamlippen. Diese Berührungen hätten auch von einem weiblichen Wesen stammen können, weil so viel Sanftmut in ihnen lag.
Judiths Körper schrie vor Begierde und sie stöhnte lustvoll auf. Das fremde Wesen knurrte, sonst sagte es kein Wort. Konnte dieser Engelsteufel überhaupt sprechen?
Als Judith die Augen wieder aufmachte, sah sie, dass die bizarre Kreatur neben ihr lag und ebenfalls vollkommen entkleidet war. Es hatte die Bettdecke ein Stück beiseitegeschoben und fuhr mit seinen perfekten Fingern weiter über die Konturen ihres Körpers. Dann senkte es sein verlockendes Gesicht herab und küsste Judith gierig auf den Mund.
Was lag da nur in ihrem Bett?
Seine samtigen Lippen waren warm und weich und doch strahlten sie eine Männlichkeit und Dominanz aus, die sie vor Furcht erstarren ließ. Die heiße Zunge des Wesens lud ihre zu einem sinnlichen Tanz ein. Dann wanderten die fremden Lippen von ihrem Mund tiefer zu ihrem Hals. Es schob dabei Judiths lange braune Haare beiseite und glitt mit seiner Zunge unter ihrem Gesicht entlang.
Indessen brachte es seinen Unterleib näher an den von Judith heran. Sie war bereit dazu, seine Männlichkeit, die sich hart gegen ihren Oberschenkel drückte, in sich aufzunehmen. »Nimm mich«, wollte sie lasziv flüstern, aber ihr Mund war wie gelähmt. Sie war berauscht von diesem schönen Gesicht.
Hypnotisiert musterte sie die Flügel, die sich wie Adlerschwingen ausgebreitet hatten.
»Ich gehöre dir!«, wollte sie schreien, doch wieder kam kein Wort über ihre betäubten Lippen.
Judith spürte, wie etwas in sie eindrang. Es war zugleich warm, hart und weich. Sie keuchte elektrisiert auf und fühlte, wie das Wesen mit kontrollierten Bewegungen ihr Inneres zum Aufschreien brachte. Seine tiefen Stöße nahmen ihr die Luft zum Atmen. Heiß drang es mit seiner Zunge in ihren Mund, während seine Hände kraftvoll ihren Po umfassten. Das Gefühl, die Erregung, alles war bis zum Zerbersten auf die Spitze getrieben. Judith schloss die Augen und konzentrierte sich auf die anmutigen Bewegungen in ihrem Unterleib.
Es musste einen sehr großen, dicken Phallus besitzen, denn es füllte sie nicht nur komplett aus, sondern traf auch einen empfindlichen Punkt in ihr, der sie ihr Rückgrat durchdrücken und laut aufstöhnen ließ. Sie wurde von einer nie dagewesenen Sehnsucht ergriffen, ohne sagen zu können, worin diese bestand.
Wer oder was war dieses Wesen, das sich ihren Körper einverleibte und sie aussaugte? Sie wollte es nie mehr gehen lassen. »Flieg mit mir davon«, wollte sie wispern, ohne erneut ihren Worten Klang zu verleihen.
Offenbar hatte es ihre Gedanken erkannt, denn seine Flügel begannen wie überdimensionale Schwingen zu flattern. Das Bett unter ihrem Körper wurde weggezogen und sie stieg in die Luft auf.
Noch immer war sie nackt, lag in den Armen dieses vollkommenen Geschöpfs und nach wie vor nahm sie seine tiefen Stöße in ihrem Unterleib wahr. Es erhob sich engelsgleich nach oben, das Bett wurde kleiner und kleiner, das Dach öffnete sich und ließ beide entschweben.
Judith schloss die Augen und fühlte, wie seine Lippen hauchzart, wie als würde es sich verabschieden wollen, über die ihrigen glitten.
Aber ... Was war das? Mit einem Male unterbrach es den Blickkontakt, ließ sie los und entschwand nach oben in den Himmel, während Judith von der Schwerkraft nach unten gezogen wurde. Sie bekam panische Angst, auf die Erde zu krachen und zu sterben. Ihr Herz schlug schneller, ihr Puls beschleunigte sich und der harte Boden kam mit jeder Sekunde näher. Gleich würde sie auf das Dach krachen und nichts würde ihren harten Aufprall stoppen. Sie wäre unweigerlich tot.
Stattdessen erwachte Judith schweißgebadet in ihrem Bett. Sie schreckte mit klopfendem Herzen und schnell atmend hoch. Sie war nackt und allein. Das Wesen war weg.
Ein ungestümes Pochen nahm sie wahr, aber nicht dort, wo es sein sollte. Nicht in der frisch operierten Narbe, sondern in ihrem Becken. Es waren die Nachbeben eines Orgasmus, die als lange Wellen durch Judiths Unterleib schwappten. An ihren Beinen, zwischen ihren Schenkeln, klebte etwas. Sollte sie dieser Traum so stark erregt haben? Alles fühlte sich so real an, als ob dieses Wesen soeben tatsächlich mit ihr geschlafen hätte, als ob sein Sperma ihren Oberschenkel benetzte.
Judith erhob sich bleiern und stiefelte ins Badezimmer. Da bemerkte sie, als sie so nackt vor dem Spiegel stand, dass sich neben ihrer Narbe rote Streifen befanden. Die Striemen sahen aus, als hätte etwas darüber gekratzt und ihr Fleisch gezeichnet. Sollte dieses so echt anmutende Wesen doch in ihrem Zimmer gewesen sein? Sollte sie sich ihm tatsächlich hingegeben haben? Hatte sie sich zu einem Seitensprung verführen lassen?
Judith ließ das Ereignis auch nach vielen Tagen nicht los. Immer wieder grübelte sie darüber nach, was an diesem Nachmittag in ihrem Bett passiert war. Ihrem Freund hatte sie nichts von der Begegnung erzählt. Sie verschwieg ihren Traum. Oder ihr Fremdgehen?
***
Drei Wochen später saß Judith wieder beim Frauenarzt. Er wollte untersuchen, wie sich die Narbe entwickelt hatte und wie es seiner Patientin nach dem Eingriff ergangen war. Wie schon beim letzten Mal rutschte Judith auch diesmal wieder nervös auf ihrem Stuhl hin und her. Doch nicht vor lauter Aufregung angesichts des Ergebnisses, sondern weil sie seit Tagen Schmerzen im Unterleib plagten und sie einen seltsamen Harndrang verspürte, den sie sich nicht erklären konnte.
»Frau Büning, bitte Zimmer 1«, ertönte die bekannte Stimme ihres Frauenarztes. Judith erhob sich und lief zielsicher auf den Behandlungsraum zu. Wieder wurde sie vom Frauenarzt an der Tür mit Handschlag in Empfang genommen.
Er sah sofort, dass etwas nicht stimmte. »Frau Büning, was haben Sie?«, fragte er besorgt.
»Unterleibsschmerzen«, sagte sie knapp.
»Wegen der Endometriose«, gab er zurück.
Doch Judith schüttelte den Kopf. »Ich muss ständig auf Toilette gehen.«
»Vielleicht haben Sie sich eine Blasenentzündung eingefangen. Wir werden Blut und Urin abnehmen.«
Judith nickte nur, dann wurde sie vom Arzt zur Sprechstundenhilfe verwiesen, die ihr einen Becher gab, mit dem sie augenblicklich zum Klo eilte. Als sie wiederkam, nahm ihr die Assistentin Blut ab. Danach kehrte sie ins Sprechzimmer zurück.
»Wie geht es Ihnen sonst?«, fragte der Arzt und Judith erklärte ihm, dass sie sich schnell von der OP erholt habe. Dann durfte sie gehen.
Wieder musste sie an den Schwangeren im Wartebereich vorbei. Doch irgendetwas war anders. Statt Neid zu empfinden, überkam Judith plötzlich ein anderes Gefühl. Sie wagte noch nicht, es zu denken, aber irgendwo im Hinterkopf flüsterte eine Stimme das Wort »dazugehören«.
***
Zwei Tage später klingelte das Telefon. Judith war gerade dabei aufzuwaschen, als sich die Frauenarztpraxis am anderen Ende der Leitung meldete: »Frau Büning. Sie waren doch vor zwei Tagen bei uns und haben Blut und Urin abgegeben.«
Jetzt würde sie gleich sagen, dass Judith eine fiese Blasenentzündung hatte, denn die Schmerzen und ihr Harndrang waren nicht weniger geworden.
»Herzlichen Glückwunsch. Sie sind in der sechsten Woche schwanger.«
Augenblicklich schoss sämtliches Blut aus Händen und Füßen in ihr Herz, sodass sich ihre Extremitäten taub anfühlten. Judith ließ das Handtuch, das sie noch immer in ihren Händen hielt, fallen und den Telefonhörer auf die Verankerung sinken. Sie hörte noch, wie die Sprechstundenhilfe einen Satz begann, doch sie legte ohne Umschweife auf. Wie in Schockstarre stand sie am Telefonhocker.
Vier unerträgliche Jahre des Wartens, des Hoffens, der Enttäuschung. So viele lange Jahre, ohne ein einziges Zeichen einer Einnistung. Sie hatte nie, in der gesamten Zeit nicht, auch nur den Hauch einer Chance gehabt, überhaupt einen solchen Satz zu hören. Weil ihr Körper nicht dazu fähig war. Wieso sollte er es jetzt sein? Wann hatte sie zuletzt mit Paul geschlafen? Vor der OP irgendwann, vor langer Zeit. Zu lange her.
Nur zwei Gedanken, zwei marternde Gedanken: Von wem war dieses Kind? Was war dieses Kind?
Manchmal fehlen einem einfach die Ideen. Trotz Routine treffen Schreibblockaden auch mich als Autorin. Während ich diese Kurzgeschichtensammlung zusammenstellte, befand ich mich nach einer langen Phase des »Nicht-Schreibens« in eben einer solchen. Ich rief auf meinem Autorenaccount auf Instagram dazu auf, mir Ideen zuzuarbeiten, die etwas mit »Verboten« zu tun haben sollten. Die folgenden Anregungen lieferte mir ein Mann, der schon immer davon träumte, an einer ganz besonders verbotenen Konstellation teilzunehmen.
»Denkst du nicht, dass du mit dem Aperol etwas übertrieben hast?«
»Du meinst, weil ich gleich drei Flaschen gekauft habe?«
Ich nickte.
»Ach Mensch, Benny. Wenn Alina schon mal da ist, dann müssen wir es uns auch gemütlich machen. Und ohne Aperol geht das schlecht.«
Ich ließ Jasmin ihren Frieden. Auch wenn ich befürchtete, dass ihr Mädelsabend neben vollen Blasen vor allem in lautem Gegröle und unanständigen Phrasen endete.
Sie stellte drei Gläser zusammen mit den Flaschen auf dem Couchtisch ab und durchforstete ihre DVD-Sammlung auf der Suche nach einem besonders »romantischen« Film. So nannte sie die Schnulzen, die sie sich immerfort ansah und bei deren Enden sie meist den Vorrat an Taschentüchern aufbrauchte.
Ich war erstaunt, dass das dritte Glas auf dem Tisch mir gelten sollte. Normalerweise war Jasmin strikt darauf erpicht, mit Alina allein im Wohnzimmer zu sein. Ich durfte mich dann verziehen, Hauptsache weit weg von den beiden.
Heute machte sie offenbar eine Ausnahme. Zur Sicherheit fragte ich aber lieber noch einmal nach: »Hast du eine weitere Freundin eingeladen, oder warum steht drittes Glas auf dem Sofatisch?«
»Ich dachte, zur Einstimmung auf den Abend willst du vielleicht auch ein Schlückchen mittrinken. Oder etwa nicht?«
Mich überraschte ihr Vorschlag. Es freute mich, dass sie mich dabei haben wollte. Vor allem freute ich mich auf die Nähe, die Alina zu mir haben würde. Sie war schon seit Jahren Jasmins beste Freundin. Die beiden unternahmen sehr viel zusammen, aber meist nur zu zweit, was ich sehr bedauerte.
Alina war überaus intelligent und mit einer einnehmenden Schönheit gesegnet, an die meine Freundin nicht heranreichte. Keine Frage, ich liebte Jasmin; aber wäre ich Single gewesen, hätte ich alles unternommen, um Alina zu bekommen.
Das Problem war nur: Diese Frau war unnahbar für jeden Mann und gleichzeitig wollte jeder Mann eine heiße Nacht mit ihr verbringen. So auch ich. Aber den Gedanken daran musste ich in Anwesenheit meiner Freundin verdrängen.
Einmal wurde ich von Jasmin dabei ertappt, wie ich Alina etwas zu lang angeschaut hatte. Ich weiß noch, dass sie ihre Augenbrauen so weit wie möglich zusammengekniffen hatte und ihre Blicke zwischen mir und ihrer besten Freundin hin und her wandern ließ. Ich bemerkte zu spät, von ihr beobachtet zu werden und erfuhr am eigenen Leib, was passieren konnte, wenn Jasmin eifersüchtig wurde.
Ein Klingeln weckte mich aus meinen Gedanken an die Versuchung, die gleich in unsere Wohnung eindringen würde.
Jasmin stürmte zur Tür und ich hörte, wie sich die beiden begrüßten. Alina wurde hineingebeten und keine Minute später lächelte sie mich freudestrahlend an. Ich musste aufpassen, dass mein Mund nicht entglitt. Sicher stand er kurz offen, als ich wahrnahm, wie bezaubernd Alina aussah. Sie trug einen etwas zu knapp geschnittenen Rock und ein dunkles Oberteil, das sich spielerisch an ihren attraktiven Körper schmiegte. Ihre langen braunen Haare fielen ihr wie ein Wasserfall über die Schultern.
Ich wusste von Jasmin, dass Alina in ihrer Freizeit sehr viel Sport machte und regelmäßig zu Gast im Fitnessstudio war. Das sah man vor allem ihrem Hintern an, den ich heute allerdings nur unter dem Stoff des Rocks erahnen konnte. Zu schade.
»Willst du nicht Platz machen, Benny?«, wurde ich von meiner Freundin zurechtgewiesen und vom Sofa verdrängt.
Ich erhob mich und streifte kurz Alinas Arm, als ich mich an ihr vorbeiquetschte. Sie roch verführerisch nach Vanille. Das sanfte Lächeln, das sie mir schenkte, ließ mein Herz einen kleinen Sprung vollziehen. Zu gern hätte ich auch meinen Schwanz daran teilhaben lassen wollen, aber damit hätte ich den Zorn meiner Freundin auf mich gezogen.
»Benny hat sich lustig gemacht, dass ich so viel Aperol gekauft habe«, verkündete Jasmin freudig, als es sich Alina auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Sie schlug die Beine übereinander, sodass der Rock einen Teil ihrer Oberschenkel entblößte. Alina versuchte gar nicht erst, sie zu bedecken. Stattdessen ließ sie sich von Jasmin großzügig den Aperol einschenken.
Dann befüllte meine Freundin ihr Glas und das meinige mit dem orangefarbenen Getränk. Wir stießen an, »auf einen gemütlichen Abend«, wie es meine Freundin wunderbar auf den Punkt brachte.
Mich würden die beiden garantiert in den nächsten zehn Minuten aus dem Zimmer befördern. Entweder jagt mich Jasmin hinaus oder ich würde es selbst tun, weil der Film nicht zum Aushalten war.
»Schau mal«, säuselte Jasmin, an Alina gerichtet, und hielt ihr einen Liebesfilm aus den Neunzigern entgegen. »Den haben wir doch schon ewig nicht mehr gesehen. Also ich weiß, dass ich ihn zuletzt als Jugendliche im Kino angeschaut habe.«
Beim letzten Satz kicherte sie verlegen wie eine Vierzehnjährige, die ein Kompliment für ihr Aussehen erhält.
