Erinnerungen bewahren - Heidi Stadler - E-Book

Erinnerungen bewahren E-Book

Heidi Stadler

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Beschreibung

Dieses Buch regt die Leser an, sich Gedanken über ihr Leben und ihre Erinnerungen zu machen. Darüber hinaus zeigt es auf, wie die Leser ihre Lebenserinnerungen aufschreiben und weitergeben können.

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Inhaltsverzeichnis

Um was es in diesem Buch geht?

Biografiearbeit

2.1.1 Was ist eine „Biografie“?

2.1.2 Was ist „Biografiearbeit“?

2.2 Funktionen der Biografiearbeit

2.3 Wirkung der Biografiearbeit

2.4 Einsatzfelder und Zielgruppen der Biografiearbeit

2.5 Methoden der Biografiearbeit

Das Erzählcafé

3.1 Erzählcafé „Jahreszeiten und Natur“

3.2 Erzählcafé zum Thema „Von Märchen, Sagen, Legenden und Geistern“

3.3 Erzählcafé zum Thema „Vergessenes, Verschwundenes“

3.4 Erzählcafé zum Thema „Beruf“

3.5 Erzählcafé zum Thema „Schule“

3.6 Erzählcafé zum Thema „Meine Familie und ihre Geschichte“

3.7 Erzählcafé zum Thema „Meine Kinder- und Jugendzeit“

3.8 Erzählcafé zum Thema „Mein Vorname“

3.9 Erzählcafé zum Thema „Tagebuch“

3.10 Erzählcafé zum Thema „Glaube und Spiritualität“

3.11 Erzählcafé zum Thema „Gesundheit“

3.12 Erzählcafé zum Thema „Essen hält Leib und Seele zusammen“

3.13 Erzählcafé zum Thema „Wohnen – damals und heute“

3.14 Erzählcafé zum Thema „Kleider machen Leute“

3.15 Erzählcafé zum Thema „Reisen und Urlaub“

3.16 Erzählcafé zum Thema „Freizeit und Hobbys“

3.17 Erzählcafé zum Thema „Bücher und Musik – damals und heute“

3.18 Erzählcafé zum Thema „Fernsehen und Kino“

3.19 Erzählcafé zum Thema „Sport“

3.20 Erzählcafé zum Thema „Fortbewegungsmittel“

3.21 Erzählcafé zum Thema „Liebe“

3.22 Erzählcafé zum Thema „Ratschläge und Lebensweisheiten“

3.23 Erzählcafé zum Thema „Lebensfreuden und wertvolle Dingen des Lebens“

3.24 Erzählcafé zum Thema „Freunde und Freundschaften“

3.25 Erzählcafé zum Thema „Sitten und Bräuche um die Weihnachts- und Neujahrszeit“

3.26 Erzählcafé zum Thema „Wer schreibt, der bleibt!“

3.27 Erzählcafé zum Thema „Meine Träume, Wünsche und Pläne für die Zukunft“

Die Schreibwerkstatt

4.1 Schreibwerkstatt „Themenfindung“

4.2 Schreibwerkstatt „Schreibstimuli“

4.3 Schreibwerkstatt „Assoziative Verfahren“

4.4 Schreibwerkstatt „Schreibspiele“

4.5 Schreibwerkstatt „Schreibspiele“

4.6 Schreibwerkstatt „Schreibspiele“

4.7 Schreibwerkstatt „Prosa-Schreibspiele – Erzählung“

4.8 Schreibwerkstatt „Prosa-Schreibspiele – Kurzgeschichte“

4.9 Schreibwerkstatt „Gedichte - einfache Reimformen“

4.10 Schreibwerkstatt „Gedichte – Von Fäden und Kreisen“

4.11 Schreibwerkstatt „Gedichte – Schöne Poesie“

4.12 Schreibwerkstatt „Gedichte – Besondere Poesie“

4.13 Schreibwerkstatt „Krimis – Phantastische Krimis“

4.14 Schreibwerkstatt „Krimis – Geheimnisvolle Verbrechen“

4.15 Schreibwerkstatt „Krimis – Der Mörder war immer der Gärtner, oder wie?“

4.16 Schreibwerkstatt „Krimis – Wie arbeitet der Detektiv / die Detektivin, um den Fall aufzulösen?“

4.17 Schreibwerkstatt Krimis – Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse

4.18 Schreibwerkstatt „Fantastisches Schreiben – Unbekanntes und Träumereien“

4.19 Schreibwerkstatt „Fantastisches Schreiben – Ausflug in den Bereich Science Fiction“

4.20 Schreibwerkstatt „Fantastisches Schreiben – Ausflug in den Bereich Science Fiction“

4.21 Schreibwerkstatt „Fantastisches Schreiben – Ausflug ins Utopische Schreiben“

4.22 Schreibwerkstatt „Märchen – Märchenhaft“

4.23 Schreibwerkstatt „Märchen - Märchenlieblinge“

4.24 Schreibwerkstatt „Märchen – Märchen selbst geschrieben Teil 1“

4.25 Schreibwerkstatt „Märchen – Märchen selbst geschrieben Teil 2“

4.26 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich – Wer bin ich? Teil 1“

4.27 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich und meine Familie“

4.28 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich und die Anderen“

4.29 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich – Wer bin ich? Teil 2“

4.30 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich und meine Geschichte“

4.31 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich – Wer bin ich – Teil 3“

4.32 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich, mein Körper und das Alter“

4.33 Schreibwerkstatt „Autobiografisches Schreiben – Ich und die Liebe“

4.34 Schreibwerkstatt Autobiografisches Schreiben – Ich

Statt eines Schlusswortes

Quellenverzeichnis

1. Um was es in diesem Buch geht?

„Wenn ein Mensch stirbt, verbrennt eine ganze Bibliothek“

(Afrikanisches Sprichwort)

So besagt ein afrikanisches Sprichwort und es meint:

Wenn ein Mensch stirbt, geht viel Lebenswissen verloren.

Mit „Lebenswissen“ sind die Erinnerungen, Erfahrungen, Erkenntnisse sowie das Wissen eines Menschen gemeint.

Ein wichtiges Ziel in diesem Zusammenhang ist es also, dieses Lebenswissen zu bewahren und weiterzugeben.

Dazu gibt es im Rahmen der Biografiearbeit viele verschiedene Möglichkeiten. Zwei davon werden in diesem Buch näher vorgestellt werden: Das Erzählcafé und die Schreibwerkstatt. Darüber hinaus gibt es noch einige Hintergrundinformationen zum Thema Biografiearbeit.

Die praktischen Übungen zu den Themen Erzählcafé und Schreibwerkstatt beabsichtigen Sie, lieber Leser und liebe Leserin, dazu anzuregen, Ihr Lebenswissen damit zu bewahren und weiterzugeben.

Dabei wünsche ich Ihnen viel Freude!

Wer ist „ich“?

Mein Name ist Heidi Stadler.

Ich interessiere mich sehr für die Lebensgeschichten anderer Menschen. Deshalb beschäftigte ich mich am Ende meines Studiums der Sozialen Arbeit im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit dem Thema „Biografiearbeit mit Senioren“. Dabei entstand ein Konzept für eine „Mobile Erinnerungswerkstatt“, mithilfe deren das Lebenswissen von Senioren_Innen bewahrt und weitergegeben werden kann.

Meine absolvierten Aus-/ Fortbildungen:

Berufsausbildung als Verwaltungsfachangestellte

Studium der Sozialen Arbeit (Bachelor of Arts)

Begleitstudium im Rahmen des Bachelorstudiums Soziale Arbeit „Person- und erfahrungsorientierte Beratung“

Poesiepädagogin – Anleiterin kreativer Schreibgruppen (Fernstudium bei IKS Berlin)

absolvierte ILS-Fernlehrgänge: „Journalistin“, „Kinder- und Jugendbuchautorin“ und „Biografisches Schreiben“

Im Rahmen einer Berufstätigkeit in einem Seniorenheim sammelte ich Erfahrungen in der Durchführung einer Erzählrunde mit biografischen Themen.

2. Biografiearbeit

Im folgenden Bereich erhalten Sie Hintergrundinformationen zu den Aspekten

Biografie und Biografiearbeit,

Funktionen der Biografiearbeit,

Wirkung der Biografiearbeit,

Einsatzfelder und Zielgruppen der Biografiearbeit sowie

Methoden der Biografiearbeit.

2.1.1 Was ist eine „Biografie“?

Das Wort „Biografie“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „bios“ für „leben“ und „gráphein“ für „schreiben, zeichnen, abbilden, darstellen“ zusammen. Somit bedeutet „Biografie“ übersetzt ins deutsche „Lebensbeschreibung“.

Die „Lebensbeschreibung“ meint dabei einen aktiven, gestaltenden Prozess, da die Person, die ihr Leben beschreibt, hierzu reflektiert und selektiert (Hölzle in Hölzle / Jansen, (Hrsg.), 2011, 31).

Meist werden die Begriffe „Biografie“ und „Lebenslauf“ als gleichbedeutend verwendet, was allerdings bei genauerer Betrachtung nicht passend erscheint. Denn mit „Lebenslauf“ sind die Lebensdaten (z. B. Geburtsdatum, Schullaufbahn) eines Menschen gemeint, welche einer zeitlichen Reihenfolge unterliegen. Die „Biografie“ umfasst neben diesen Daten auch noch die persönliche Bedeutung dieser für die jeweilige Person (Miethe, 2014, 11ff.).

Bei der Beschäftigung mit der Biografie eines Menschen ist zu beachten, dass die Daten und Fakten mit persönlichen Bedeutungen sowie Erfahrungen zu einer subjektiven Lebensbeschreibung konstruiert wurden. Wichtig ist auch zu wissen, dass die erzählte Beschreibung veränderbar ist. Das bedeutet, dass das, was und wie eine Person über sich erzählt, von ihrer aktuellen Lebenssituation abhängig ist. Biografische Erzählungen enthalten zudem nicht nur persönliche, sondern auch allgemeine Informationen, welche somit für die Gesellschaft von Bedeutung sind. Weiterhin wird die persönliche Biografie auch durch die „große“ Geschichte beeinflusst. Letztlich ist zu bedenken, dass die eigene Biografie nicht nur von kognitiven, sondern auch von emotionalen sowie körperlichen Wahrnehmungen geprägt wird (Miethe, 2014, 13ff.).

Es ist bedeutend zu wissen, dass es nicht nur die eine gesamte Biografie gibt, sondern diese auch in einzelne Teilbiografien unterteilbar ist.

So umfasst die soziale Biografie die sozialen Beziehungen (z. B. Familie, Freunde) eines Menschen ebenso wie seine Lebensverhältnisse (z. B. materielle Aspekte).

Die Kulturbiografie hingegen meint die Auseinandersetzung eines Menschen mit der „großen“ Kultur (z. B. Theater, Literatur) sowie seiner Alltagskultur (z. B. Esskultur, Gewohnheiten).

Die Naturbiografie umfasst zum einen die Geschichte des eigenen Körpers (z. B. Gesundheit, Sport) und zum anderen die Geschichte der Natur, in der eine Person sich während ihres Alltags oder im Urlaub aufgehalten hat.

Die Mythenbiografie beschäftigt sich mit der Geschichte des Glaubens, den Weltanschauungen sowie den Ideologien eines Menschen während seines Lebens.

Die Ergebnisse des formalen sowie informellen Lernens werden in der persönlichen Lern- und Bildungsbiografie beschrieben.

Diese bisher genannten Teilbiografien beeinflussen jeden Menschen in kognitiver sowie emotionaler Art ebenso wie sein Verhalten. Somit prägen sie auch die Identität eines Menschen. Sie tragen zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bei, die von der Persönlichkeitsbiografie umfasst wird.

Letztendlich sind Biografien auch im Hinblick auf geschlechtsspezifische Gesichtspunkte zu betrachten, also wie das eigene Geschlecht Auswirkungen in gesellschaftlicher, körperlicher sowie sexueller Hinsicht auf die eigene Biografie hat (Klingenberger, 2003, 106ff.).

Quellen:

Hölzle, Christina (2011): „Gegenstand und Funktion von Biografiearbeit im Kontext Sozialer Arbeit“, in Hölzle, Christina; Jansen, Irma (Hrsg.) (2011): „Ressourcenorientierte Biografiearbeit. Grundlagen, Zielgruppen, Kreative Methoden.“, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Klingenberger, Hubert (2003): „Lebensmutig. Vergangenes erinnern. Gegenwärtiges entdecken. Künftiges entwerfen.“, München: Don Bosco Verlag

Miethe, Ingrid (2014): „Biografiearbeit. Lehr- und Handbuch für Studium und Praxis.“, Weinheim und Basel: Beltz Juventa

2.1.2 Was ist „Biografiearbeit“?

Unter Biografiearbeit ist eine Form der (Selbst-)Reflexion zu verstehen, die als Ausgangspunkt die Arbeit an und mit der Biografie eines Menschen hat (Miethe, 2014, 24). Ihr Ziel ist die „konstruktive Aufarbeitung, Bewältigung und Planung der eigenen Lebensgeschichte“ (Hölzle in Hölzle / Jansen (Hrsg.), 2011, 34), um so neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten zu erhalten (Miethe, 2014, 24). Dabei bezieht Biografiearbeit die Vergangenheit, die Gegenwart sowie die Zukunft mit ein. Sie berücksichtigt ein ganzheitliches Menschenbild ebenso wie gesellschaftliche und historische Hintergründe, in welche ein Menschenleben eingebettet ist (Miethe, 2014, 24). Biografiearbeit wird organisiert angeleitet in einem professionellem Setting durchgeführt (Miethe, 2014, 24), welches sich überwiegend in pädagogischen sowie psychosozialen Bereichen wiederfindet (Hölzle in Hölzle / Jansen (Hrsg.), 2011, 34).

Ingrid Miethe (Miethe, 2014, 24) und Christina Hölzle (Hölzle in Hölzle / Jansen (Hrsg.), 2011, 34) definieren jeweils, was unter dem Begriff „Biografiearbeit“ zu verstehen ist. Dennoch bestehen Überschneidungen mit anderen Arbeitsfeldern, die sich auch mit der Biografie eines Menschen beschäftigen, sodass eine Abgrenzung zu diesen Bereichen nicht einfach ist (Miethe, 2014, 24).

So geht es bei der Biografieforschung um das Erforschen von sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen auf der Basis von biografischen Interviews, die von den Inhalten her verglichen und in der Regel publiziert werden. Die Biografiearbeit hingegen arbeitet mit dem Menschen an seiner Biografie (Miethe, 2014, 24ff.).

Auch beim Biografischen Lernen geht es weniger um die Beschäftigung mit der Biografie eines Menschen, sondern um das Eingliedern von lebensgeschichtlichen Punkten in einen Lernprozess. So kann Biografisches Lernen auch als „biografisch orientierte Didaktik“ (Miethe, 2014, 27) bezeichnet werden (Miethe, 2014, 24ff.).

Aufgrund der Gemeinsamkeiten von Biografiearbeit und Therapie ist die Abgrenzung zwischen beiden schwierig. Deutlich unterscheidbar sind beide Bereiche in erster Linie nur über ihre Selbstdefinition, also was sie sind oder auch nicht sind (Miethe, 2014, 24ff.).

Biografiearbeit und Geschichtswissenschaften verfügen zwar über Berührungspunkte, doch können sie voneinander abgegrenzt werden. Während es bei der Geschichtswissenschaft um die Geschichte im Großen geht, beschäftigt sich die Biografiearbeit mit der Geschichte eines einzelnen Menschen (Klingenberger, 2003, 72ff.).

Nach Miethe gilt Biografiearbeit als ein Ansatz, welcher sich unterschiedlichster Methoden bedient (Miethe, 2014, 24; vgl. Ruhe, 2012, 7ff.), sodass in der folgenden Arbeit diese Begriffe entsprechend verwendet werden.

Quellen:

Hölzle, Christina (2011): „Gegenstand und Funktion von Biografiearbeit im Kontext Sozialer Arbeit“, in Hölzle, Christina; Jansen, Irma (Hrsg.) (2011): „Ressourcenorientierte Biografiearbeit. Grundlagen, Zielgruppen, Kreative Methoden.“, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Klingenberger, Hubert (2003): „Lebensmutig. Vergangenes erinnern. Gegenwärtiges entdecken. Künftiges entwerfen.“, München: Don Bosco Verlag

Miethe, Ingrid (2014): „Biografiearbeit. Lehr- und Handbuch für Studium und Praxis.“, Weinheim und Basel: Beltz Juventa

Ruhe, Hans Georg (2012): „Methoden der Biografiearbeit. Lebensspuren entdecken und verstehen.“, Weinheim und Basel: Beltz Juventa

2.2 Funktionen der Biografiearbeit

Biografiearbeit hat verschiedene Funktionen, wie z. B. die Identitätsentwicklung sowie Integration von Erfahrungen. Identität meint das Wissen darüber wer man ist, während die Soziale Identität die Zugehörigkeit zu Gruppen sowie das Eingehen von Beziehungen umfasst. Innerhalb eines Lebens kann es zu biografischen Krisen kommen, welche das Gefühl der Identität beeinträchtigen können. Biografiearbeit kann die Identitätsentwicklung und die Integration von Erfahrungen fördern, indem sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft strukturiert sowie aufeinander bezieht und die Sinnhaftigkeit des Lebens herausstellt. Dabei ist es wichtig, auch den Selbstwert zu stärken sowie zu erhalten. Je nach Lebensalter sind die entsprechenden Entwicklungsaufgaben und Konflikte zu berücksichtigen. Während im mittleren Erwachsenenalter Menschen einen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen, beschäftigen sich Menschen im höheren Erwachsenenalter mehr mit der Frage nach dem Lebenssinn. Es hat sich dabei als die Identität stärkend sowie stabilisierend herausgestellt, wenn biografische Themen des Einzelnen in einer Gruppe bearbeitet werden, zu der sich dieser zugehörig fühlt (Hölzle in Hölzle / Jansen, 2011, 35ff.).

Weiterhin dient die Biografiearbeit der Stabilisierung und Hilfe zur Bewältigung. Sie kann Menschen in Lebenskrisen stabilisieren und sie bei deren Bewältigung unterstützten, indem sie ihnen hilft, ihr persönliches Erleben ohne Bewertung auszusprechen und sich mit dem Ereignis zu beschäftigen. Auch trägt Biografiearbeit dazu bei, sich der eigenen Ressourcen zur Bewältigung sowie bereits früher eingesetzter Bewältigungsstrategien klar zu werden. Dabei ist es wichtig, Kenntnisse von innerpsychischen Regulationsprozessen zu haben, da sie in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind. Wird Biografiearbeit in der Gruppe angeboten, so können Menschen voneinander lernen und das von anderen entgegengebrachte Verständnis wirkt entlastend (Hölzle in Hölzle / Jansen, 2011, 39ff.).

Auch die Aktivierung von Ressourcen zählt zu den Funktionen der Biografiearbeit. Ressourcen können dabei z. B. Bewältigungsstrategien sein, die bei früheren Problemlösungsprozessen erworben wurden. Ebenso fallen auch Potentiale und positiv formulierte Lebensziele hierunter. Die Ressourcen sollten zuerst im Rahmen der Biografiearbeit mobilisiert und im nächsten Schritt in den Prozess zur Bewältigung von biografischen Herausforderungen integriert werden (Hölzle in Hölzle / Jansen, 2011, 42ff.).

Letztlich hat Biografiearbeit auch die Funktion von Kontinuität, Sinnfindung und Lebensplanung. Biografiearbeit verbindet zum einen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zum anderen die unterschiedlichen Lebensabschnitte bzw. -erfahrungen sinnhaft miteinander. So können Menschen ihre Biografie akzeptieren sowie Erfahrungen integrieren, worauf letztendlich die Stetigkeit bzw. der Zusammenhang aufbauen. Auch integriert sie dabei individuelle, soziale und historische Gesichtspunkte. Da sich Werte, Orientierung sowie Möglichkeiten immer wieder verändern, unterstützt Biografiearbeit den Menschen bei der Planung seines Lebens, indem sie den Bezug zu Ressourcen, Fähigkeiten, Beziehungen und Lebenszielen herstellt und so zu sinnhaftem Zusammenhang sowie Sicherheit beiträgt. Letztlich unterstützt diese Funktion auch die Identitätsentwicklung (Hölzle in Hölzle / Jansen, 2011, 47ff.).

Letztlich dient Biografiearbeit nicht nur der Identitätsentwicklung und der Bewältigung von biografischen Herausforderungen, denn durch die Biografische Kommunikation werden gemachte Lebenserfahrungen weitererzählt sowie -gegeben. Dadurch erhalten junge Menschen einen Orientierungsrahmen (Opitz, 1998, 47). Da insbesondere Senioren_Innen die Endlichkeit des Lebens immer mehr bewusst wird, haben sie das Bedürfnis, andere Menschen an ihren Erinnerungen teilhaben zu lassen. So werden durch biografische Erzählungen Lebenswissen, Werte und Traditionen an jüngere Generationen weitergegeben und auch bewahrt (Opitz, 1998, 113ff.).

Quellen:

Hölzle, Christina (2011): „Gegenstand und Funktion von Biografiearbeit im Kontext Sozialer Arbeit“, in Hölzle, Christina; Jansen, Irma (Hrsg.) (2011): „Ressourcenorientierte Biografiearbeit. Grundlagen, Zielgruppen, Kreative Methoden.“, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Opitz, Hanne (1998): „Biographie-Arbeit im Alter“, Würzburg: ERGON Verlag

2.3 Wirkung der Biografiearbeit

Nach Hölzle besteht derzeit noch keine Theorie als Grundlage für die Biografiearbeit, was zur Folge hat, dass es noch keine empirischen Forschungen über deren Wirkung gibt. Deshalb stellt sie Bezüge zu Theorien, wie die Entwicklungstheorie der Identität von Erik Erikson, her, welche als Ansatzpunkt dienen sollen für einen ersten Entwurf in diese Richtung (Hölzle in Hölzle / Jansen, 2011, 34ff.).

Allerdings beschäftigte sich die KORDIAL-Studie mit der Frage, welche Wirkung Biografiearbeit bei Menschen mit leichtgradiger Demenz haben kann. Dabei wurde herausgefunden, dass durch die Beschäftigung mit der eigenen Biografie die Identität sowie der Selbstwert der Patienten gestärkt wurden (Cramer / Thöne-Otto / Walper / Kurz, 2010, o. S.). In einem solchen Zusammenhang analysierten Hanses und Richter auch die Bedeutung der Selbstthematisierung von Brustkrebspatientinnen innerhalb der medizinischen Praxis. So trafen Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs ihre Entscheidungen für die weitere Behandlungsweise nicht allein auf der Grundlage ärztlichen Wissens, sondern bezogen dabei auch ihr biografisches Wissen mit ein. Der Einbezug von biografischem Wissen sowie die Selbstthematisierung trugen zur Autonomie der Patientinnen und letztlich zur besseren Bewältigung der Krankheit bei (Hanses / Richter in Oelerich / Otto (Hrsg.), 2011, 148). Im weitesten Sinne könnte dieser Beitrag zur Autonomie auch als Beitrag zur Identitätsentwicklung angesehen werden.

Insbesondere das Ergebnis der KORDIAL-Studie stützt die Aussage, dass sich Biografiearbeit „aus der Notwendigkeit einer gezielten Identitätsentwicklung“ begründen lässt (Gudjons / Wagener-Gudjons / Pieper, 2008, 22).

Darüber hinaus ist es aber auch im Rahmen der Gesunderhaltung wichtig, sich mit seiner Biografie auseinanderzusetzen. So beschäftigt sich das Modell der Salutogenese mit den Bedingungen für den Erhalt sowie der Förderung von Gesundheit. Zu diesen gehören zum einen materielle, psychische sowie psychosoziale Ressourcen und körperliche Widerstandskräfte. Zum anderen ist aber auch das Bestehen eines Kohärenzsinns bedeutend, also im eigenen Leben einen Sinn sowie einen Zusammenhang zu finden. Der Kohärenzsinn ist von der Verstehbarkeit, also dem Erkennen eines Zusammenhangs in der persönlichen Vergangenheit sowie der Ordnung und Verständlichkeit dieser, abhängig. Weiterhin bedarf es der Handhabbarkeit, womit gemeint ist, dass Menschen das Gefühl haben, ihre Lebensaufgaben seien machbar. Und letztlich brauchen Menschen auch lohnenswerte Ziele und Projekte für die Zukunft, also Bedeutsamkeit. Biografiearbeit kann Menschen unterstützen, diese Faktoren zu stärken (Klingenberger, 2003, 76ff.).

Quellen:

Cramer, Barbara; Thöne-Otto, Angelika; Walper, Sabine; Kurz, Alexander (2010): „Biografiearbeit bei leichtgradiger Demenz“, online unter:

www.qualitative-forschung.de/methodentreffen/archiv/poster/poster.../cramer.pdf

, zuletzt eingesehen am 26.10.2017

Gudjons, Herbert; Wagener-Gudjons, Birgit; Pieper, Marianne (2008): „Auf meinen Spuren. Übungen zur Biografiearbeit“, Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt

Hanses, Andreas; Richter, Petra (2011): „Die soziale Konstruktion von Krankheit.“, in Oelerich, Gertrud; Otto, Hans-Uwe (Hrsg.) (2011): „Empirische Forschung und Soziale Arbeit“; Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften – Springer Fachmedien

Hölzle, Christina (2011): „Gegenstand und Funktion von Biografiearbeit im Kontext Sozialer Arbeit“, in Hölzle, Christina; Jansen, Irma (Hrsg.) (2011): „Ressourcenorientierte Biografiearbeit. Grundlagen, Zielgruppen, Kreative Methoden.“, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Klingenberger, Hubert (2003): „Lebensmutig. Vergangenes erinnern. Gegenwärtiges entdecken. Künftiges entwerfen.“, München: Don Bosco Verlag

2.4 Einsatzfelder und Zielgruppen der Biografiearbeit