Erzählen-AG: 366 Kindergeschichten - Andreas Dietrich - E-Book

Erzählen-AG: 366 Kindergeschichten E-Book

Andreas Dietrich

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Beschreibung

An einer imaginären Schule gibt es verschiedene Arbeitsgemeinschaften. Die Erzählen-AG ist eine davon. Die Schüler der Erzählen-AG haben 366 Geschichten geschrieben - für jeden Tag eine. Die Geschichten richten sich an Kinder bis 10 Jahre. Darum trägt dieses Buch den Titel 366 Kindergeschichten. 
Die Geschichten in diesem Buch handeln unter anderem von Drachen, Hexen, Pflanzen und Tieren. Aber auch alltägliche Dinge wie das Lernen in der Schule kommen in einigen Geschichten vor.

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Erzählen-AG: 366 Kindergeschichten

An einer imaginären Schule gibt es verschiedene Arbeitsgemeinschaften. Die Erzählen-AG ist eine davon. Die Schüler der Erzählen-AG haben 366 Geschichten geschrieben - für jeden Tag eine. Die Geschichten richten sich an Kinder bis 10 Jahre. Darum trägt dieses Buch den Titel 366 Kindergeschichten. Die Geschichten in diesem Buch handeln unter anderem von Drachen, Hexen, Pflanzen und Tieren. Aber auch alltägliche Dinge wie das Lernen in der Schule kommen in einigen Geschichten vor.

A.D.Erzählen-AG: 366 Kindergeschichten

A.D.

Erste Auflage 2019

978-3-748536-84-0

Copyright: © 2019 A.D.

Andreas Dietrich

Rietzer Straße 12

14476 Schmerzke

www.ad-schreibt.net

[email protected]

Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Einleitung

Hallo und Herzlich Willkommen zur Geschichte, die wir den Namen „366 Kindergeschichten“ gegeben haben. Wenn Du Dich jetzt fragst, warum wir diesen Titel gewählt haben, ist hier die Erklärung.

Wir wollten für ein ganzes Jahr jeden Tag eine Geschichte schreiben. Normalerweise hat ein Jahr ja nur dreihundertfünfundsechzig Tage. Es gibt aber auch Schaltjahre, also Jahre, wo es einen neunundzwanzigsten Februar gibt. Durch diesen einen Tag gibt es etwa alle vier Jahre dreihundertsechsundsechzig Tage in einem Jahr. Also müssten wir die Zahl dreihundertfünfundsechzig streichen und durch dreihundertsechsundsechzig ersetzen. Schließlich wissen wir nicht, wann Du diese Geschichte liest. Vielleicht ist es in einem Schaltjahr, vielleicht nicht. Wenn nicht, kannst Du die Geschichte für den neunundzwanzigsten Februar auslassen – solange bis es endlich ein Schaltjahr gibt.

Damit sollten wir dir den Titel erklärt haben. Du stellst Dich aber sicherlich die Frage, wer wir sind. Wir sind eine Arbeitsgemeinschaft – kurz AG – an einem Gymnasium. Also in einer Schule, wo ein Schüler oder eine Schülerin Ihr Abitur machen kann. Mit diesem Abitur können wir dann auf eine Universität gehen und studieren. Unsere Arbeitsgemeinschaft trägt den Titel „Erzählen-AG“ und wir kümmern uns um das Schreiben von Geschichten. Aber nicht nur das! Wir schreiben auch Gedichte und anderes, was keines von beidem ist. Allgemein müssen wir wohl sagen, wir kümmern uns um das kreative Schreiben, nicht nur um das Erzählen. Also nicht nur um das ABC, um das Schreiben eines Buchstabens, eines Wortes oder eines Satzes. Das haben wir im Deutschunterricht gelernt. Hier in dieser AG sind wir kreativ, künstlerisch.

Aber wir sind nicht die einzige Arbeitsgemeinschaft an unserer Schule. Es gibt noch mehr! Diese möchten wir dir kurz vorstellen.

Fangen wir mit der Computer-AG an. Dort sind die Schüler vereint, die den Computer kennenlernen möchten. Wissen, was geschieht, wenn wir diesen benutzen – mit Tastatur oder Maus. Dort können die Schüler auch lernen, eigene Webseiten oder eigene Spiele zu erstellen.

Als zweites möchten wir die Film-AG nennen. Dort sind die Schüler vereint, die gerne Filme machen möchten. Manchmal filmen sie nur die Natur, manchmal die Stadt und manchmal Menschen. Manchmal gibt es eine Handlung und manchmal filmen Sie einfach drauflos und nehmen alles auf, was Ihnen vor die Kamera kommt.

Eine andere Arbeitsgemeinschaft, die sich auch mit einer Kamera beschäftigt, ist die Foto-AG. Dort werden allerdings keine Filme gedreht, sondern Fotos geschossen – mit einer Fotokamera. Bei Dir zu Hause gibt es bestimmt auch Fotos. Diese haben die Schüler der Foto-AG sicherlich nicht gemacht, aber so etwas könnten sie. Sie kennen eine Fotokamera nicht nur von außen, sondern auch von innen. Wie gute Fotos gemacht werden können, erlernen die Schüler in dieser AG.

In der Grafik-AG wird gezeichnet und gemalt. Wenn Du Interesse am Malen mit Bleistift und Tusche hast, wärst Du hier richtig. Hier sind die Künstler der kommenden Zeit versammelt. Sie malen, sie zeichnen, aber nicht nur auf Papier. Einige malen auch am Computer.

Die Schüler, die in unsere Musik-AG versammelt sind, sind aber nur sehr selten an einem Computer. Sie singen lieber in unserem Schulchor oder lernen in unserer Schulband, ein Instrument zu spielen. Gitarre, Keyboard oder Schlagzeug.

Wenn Geschichten mal dargestellt werden sollen, beispielsweise auf der Bühne, dann wird das unsere Theater-AG übernehmen. Sie führt Theaterstücke auf, lässt unsere Erzählungen real werden. Sie wissen, wie ein gutes Theaterstück auszusehen hat, worauf geachtet werden muss. Sollen alle Schüler dieses Theaterstück sehen, so wird es entweder auf Video aufgenommen oder real aufgeführt.

Dann ist unsere letzte Arbeitsgemeinschaft an der Reihe: Die Zeitungs-AG. Dort können alle Schüler, alle Schülerinnen, alle Lehrer und Lehrerinnen lesen, wann das Theaterstück aufgeführt werden soll. Welcher Tag, welche Uhrzeit. Doch in unserer Schulzeitung steht noch mehr. Alles, was es so Neues an unserer Schule gibt, steht dort. So sind an unserer Schule alle informiert, wer neuer Schulsprecher ist, wer Klassensprecher ist. All das und noch viel mehr steht in unserer Schulzeitung.

Nun haben wir dir die Arbeitsgemeinschaften an unserer Schule vorgestellt. Nun wünschen wir dir viel Spaß beim Lesen der 366 Kindergeschichten.

Januar

Erster Januar

Es war einmal ein kleiner Junge. Nennen wir ihn Alexander. Alexander durfte normalerweise nicht so lange aufbleiben. Normalerweise musste er kurz nach dem Sandmann ins Bett. Normalerweise musste Alexander sonntags bis donnerstags nach dem Sandmann ins Bett.

Freitags und samstags reichte es, wenn Alexander erst gegen acht Uhr abends ins Bett ging. So konnte er noch einen Film angucken, der auf seinem Lieblingssender lief. Später als acht Uhr abends wurde es nur in wenigen Fällen. Wenn Alexander tausendmal bettelte, weil ein supertoller Film um viertel nach acht anfing, dann durfte er ab und an auch mal länger als Viertel Neun aufbleiben. Doch nur, wenn es ein Freitag oder ein Samstag war.

In der Regel ging Alexander am frühen oder späten Abend ins Bett. Nur an einem einzigen Tag im Jahr war es ihm gestattet, bis zum nächsten Tag wach zu bleiben. Dieser eine Tag war der letzte Tag des Jahres. Der einunddreißigste Dezember. Silvester. Nur an diesem einen Tag durfte Alexander ganz lang aufbleiben.

Dazu durfte er an diesem Tag auch Sekt trinken. Natürlich nicht den für Erwachsene, sondern den Sekt, der für Kinder bestimmt war. Meist schmeckte dieser Sekt nach Erdbeere. So meinte es zu mindestens Alexander.

Als der letzte Tag des Jahres zu Ende war, ein neuer Tag begann, das neue Jahr null Sekunden alt war, wurde bei Alexander Zuhause angestoßen. Die Erwachsenen mit echtem Sekt und die Kinder mit Kindersekt. Alle wünschten sich ein glückliches neues Jahr und dann ging es hinaus.

Hinaus in die Kälte, denn es war am ersten Januar fast immer kalt draußen. Leise und dunkel. Doch das änderte sich blitzschnell. Vor wenigen Augenblicken war keiner auf der Straße, jetzt waren es alle, die in dieser Straße wohnten, wo auch Alexander lebte. Alle waren draußen. Ob klein, ob groß. Ob dick, ob dünn. Ob schwarz, ob weiß. Ob Kind oder Erwachsener. Ob Frau oder Mann. Alle waren draußen und bereiteten Raketen vor. Raketen, die noch verpackt waren. Raketen, die ausgepackt wurden. Raketen, die in eine leere Flasche gesteckt wurden. Raketen, die von Erwachsenen angezündet wurden und Richtung Himmel flogen.

Die Raketen machten den dunklen Nachthimmel bunt. Der dunkle Nachthimmel, der von tausend Wolken bedeckt war, bekam Farbe. Der dunkle Nachthimmel leuchtete gelbe, rot und blau. Manche Raketen brachten auch orange, lila oder grün mit zum Himmel. Manche Raketen explodierten in weiß am Himmel, andere waren kunterbunt. Einige der Raketen zeigten eine Figur, doch Alexander sah solche heute nicht.

Dafür sah er viele Kinder, die das machten, was auch er machte. Nachdem alle die schönen Farben am Himmel sahen, durfte geknallt werden. Die Erwachsenen durften Böller und Knaller mit ihren Feuerzeugen anzünden. Die Kinder nicht. Für sie waren ein Feuerzeug oder ein Knaller viel zu gefährlich. Sie mussten aber nicht nur zu sehen, sie durften auch selbst knallen - mit Kinderknaller. Genauer gesagt durften die Kinder wie Alexander Knallfrösche werfen. Sobald diese auf den Erdboden trafen, knallte es. Nicht so laut, wie bei den Knallern der Erwachsenen, aber für Alexander war es laut genug.

Nachdem Alexander genug vom Knallen hatten, genug bunte Raketen am Himmel sah, ging es wieder zurück nach Hause. Dort, wo es warm war. Dort, wo Alexander sein Bett hatte.

Als Alexander zu Hause war, gähnte er. Alexander wär müde. Es war ja schon spät. Sehr spät. So zog Alexander sich seinen blauen Schlafanzug an und ging ins Bett. Dort träumte er von tausend bunten Raketen, die den dunklen Nachthimmel kunterbunt färbten.

Zweiter Januar

Es war einmal ein Mädchen. Dieses Mädchen trug den Namen Amanda. Amanda war ein kleines Mädchen, das blondes Haar trug. Dieses Haar war nicht kurz. Es war aber auch nicht allzu lang. Das Haar von Amanda ging ihr bis zu den Schultern.

An einem Januartag, es war der Tag nach Neujahr, gingen ihre Eltern spazieren. Dies machten ihre Eltern oft. An jedem Wochenende gingen sie spazieren. Auch dann, wenn beide nicht arbeiten mussten, gingen sie spazieren. Amanda ging nicht immer, aber meistens, mit.

Auch heute ging Amanda mit ihren Eltern spazieren. Wie es sich für einen Januartag gehört, war es kalt. Eisigkalt. Amanda trug deswegen eine dicke weiße Jacke, eine bunte Pudelmütze und natürlich rote Handschuhe, die ihre Hände warm halten sollten. Doch es war nicht nur sehr kalt. Frostig kalt. Es lag auch Schnee. In der Stadt und auf dem Land fiel der Schnee.

Jeder Wald war schneebedeckt. Jeder Laubwald und jeder Nadelwald. Egal, ob Buche, Fichte, Pappel oder Tanne: Jeder Baum war voller Schnee. Das war aber kein Problem. Weder für Amanda, noch für ihre Eltern. Allesamt hatten Winterschuhe an, die die Füße warm hielten und es leicht machten, durch den Schnee zu gehen.

Heute gingen Amanda und ihre Eltern durch den nahegelegenen Wald. Es war ein Nadelwald. Ein Nadelwald, der auch im Winter grün zeigte. Zu mindestens dann, wenn kein Schnee lag. Da aber Schnee lag, waren die Nadelbäume in diesem Wald weiß. Weit und breit lag Schnee. Auf dem Weg, am Wegesrand und sonstwo im Wald. Einfach überall lag Schnee.

Unterwegs unterhielten sich die Eltern von Amanda. Bis Amanda kurz zurückblieb. Sie fasste einen Entschluss. Sie blieb zurück, nahm etwas Schnee in die Hände, formte eine Kugel und zielte auf ihre Eltern. Sie warf nicht mit voller Kraft. Sie wollte ja keinen verletzen. Sie traf ihren Vater.

Dies war der Beginn einer kleinen Schneeballschlacht zwischen Amanda und ihren Eltern. Im Akkord - also ganz schnell hintereinander - formten beide Seiten Schneebälle und bewarfen damit die gegnerische Seite. Amandas Eltern hatten einen Vorteil: Sie waren zu zweit. Dies nutzte Amandas Vater aus. Während Amanda und ihre Mutter sich mit Schneebällen bewarfen, formte er einen großen lockeren Schneeball, stellte sich hinter Amanda und ließ den Schnee wieder zu einzelnen Flocken werden. Amandas Vater zerbröselte den Schneeball und die blonden Haare von Amanda wurden weiß.

Amanda fand es nicht nett, aber sie hatte mit dem Schneeballwerfen angefangen. Da konnte sie sich nicht beschweren. Amanda, ihr Vater und ihre Mutter liefen weiter und bewarfen sich immer wieder mit Schneebällen. Sie hatten Spaß im Winter mit Schnee und trotz der Kälte.

Die Drei gingen immer weiter. Immer tiefer in den Wald hinein. Mal bogen sie rechts, mal links ab. Sie verliefen sich nicht, denn alle drei kannten sich hier aus. Auch wenn der Schnee vieles bedeckte, die drei konnten sich trotzdem orientieren. So wussten sie nach einer Dreiviertelstunde, wie sie wieder nach Hause kamen.

Amanda und ihre Eltern gingen rechts, sie gingen links. Sie hörten ein paar Geräusche und nach weiteren fünfzig Minuten waren sie wieder zu Hause. Sie klopften sich den Schnee aus ihren Schuhe und gingen ins Haus. Dort zogen sie zuerst ihre Schuhe aus. Dann folgten Mütze, Handschuhe und Jacke. Den restlichen Tag blieben die Drei zu Hause und genossen die Wärme.

Dritter Januar

Es war einmal ein kleiner Junge, der in die dritte Klasse einer Grundschule ging. Dieser Junge trug den Namen Benjamin. Benjamin hatte kurze dunkle Haare und fuhr seit diesem Schuljahr mit dem Fahrrad zur Schule.

Heute war der erste Tag nach den Weihnachtsferien. Es war der erste Tag, an dem Benjamin durch den Schnee fahren musste. Seine Eltern rieten ihm, lieber den Bus zu nehmen, es würde ziemlich ungemütlich auf dem Fahrrad werden. Doch das störte Benjamin nicht. Er fuhr trotzdem mit dem Rad.

Natürlich fuhr Benjamin heute etwas früher los. Der Weg durch den Schnee sollte länger dauern. Dies ahnte er und es war auch so. So einfach, wie es sich Benjamin allerdings vorgestellt hatte, war es nicht. Die ersten paar Meter waren noch kein Problem. Das Haus, in dem er wohnte, war etwas abseits der Straße. Es lag eine leichte Schneedecke und die Strecke verlief gerade. Doch danach musste er um eine Ecke herum und auf die Straße wechseln.

Benjamin hatte Probleme. Er kam ins Schlingern und musste erst einmal absteigen. Er lief ein paar Meter, bis er auf die Straße gehen konnte. Dort stieg er wieder auf sein Rad und fuhr los.

Die Straße war nicht vollständig schneebedeckt, doch der Schnee und die Autos hinterließen ihre Spuren. Die Autos fuhren den Schnee in bestimmte Bahnen. Benjamins Fahrrad schlingerte zwischen diesen Bahnen hin und her. Es war kein schönes Gefühl. Doch es sollte besser werden. Das hoffte Benjamin zu mindestens.

Doch erst einmal musste Benjamin eine Kreuzung mit einer Ampel überqueren. Er hatte Glück, denn die Ampel wurde kurz bevor er ankam grün. So musste er nicht bremsen. Danach wurde die Straße aber erst einmal noch schlimmer. Rundherum um die Bushaltestelle hinterließen die Busse viele schneereiche Spurrillen.

Benjamins Fahrrad schlingerte wieder einmal hin und her. Zudem musste er noch eine Kurve fahren und hoffen, dass er nicht doch noch hinfällt. Benjamin hatte Glück. Er fiel nicht. Wenige Meter später erreichte er den Radweg, der ihn Richtung Stadt bringen sollte.

Der Radweg war nicht frei von Eis, doch es ging meist geradeaus. Benjamin konnte hier etwas beschleunigen und holte etwas Zeit auf, die er zuvor verloren hatte. Unterwegs sah er, wie ein LKW auf der Straße stand. Genau hingucken, was das Problem war, traute sich Benjamin nicht. Jederzeit konnte es rutschig werden. Wenn er nach rechts schauen würde, könnte er vom Radweg abkommen. Hektisch gegenlenken, um auf dem Radweg zu bleiben, wäre aber fatal. Dann würde Benjamin ganz sicher hinfallen.

Das wollte Benjamin aber nicht. So schaute er nicht genauer hin. Er konzentrierte sich auf das Radfahren. Nach knapp sieben Minuten erreichte er die Stadtgrenze. Dann waren es nur noch knapp zwei Kilometer und er würde seine Schule erreichen.

Diese zwei Kilometer gingen wieder hauptsächlich geradeaus. Da hatte Benjamin kaum Probleme. Die letzten einhundert Meter aber fuhr Benjamin nicht mehr mit dem Rad. Er lief lieber, denn diese paar Meter war die Strecke nicht schneefrei. Der Winterdienst schien hier noch gar nicht gearbeitet zu haben.

Benjamin lief die letzten paar Meter und stellte sein Fahrrad bei den Fahrradständern an der Schule ab. Er zog seine Handschuhe aus, nahm das Fahrradschloss und schloss sein Fahrrad an. Er verstaute Handschuhe und Mütze und ging ins Schulgebäude. In wenigen Minuten sollte der Unterricht beginnen.

Vierter Januar

Es war einmal ein kleines Mädchen. Nennen wir es einfach Bianca. Bianca ging noch nicht in die Schule. Sie lernte noch nicht das ABC. Sie lernte auch nicht das Lesen oder das Schreiben. Sie lernte noch nicht die Zahlen kennen. Sie wusste noch nicht, dass ein Mensch mit Zahlen rechnen kann. All das sollte Bianca erst noch lernen.

Statt in die Schule zu gehen, blieb Bianca zu Hause. Sie war dort nicht allein, denn ihre Mutter war auch zu Hause. Sie kümmerte sich um das Saugen, Putzen und Kochen.

Während ihre Mutter das Wohnzimmer saugte, spielte Bianca in ihrem Zimmer. In den letzten Jahren bekam Bianca einige Geschenke zu Weihnachten, zu Ostern und an ihrem Geburtstag. Bianca hatte viele Puppen. Mit einigen davon spielte sie oft.

Nach dem Frühstück war Bianca angezogen, aber noch nicht ihre Puppen. Darum kümmerte sich Bianca nun. Sie kramte in ihren Truhen. Die Truhen waren voller Kleider. Diese Kleider waren für Biancas Puppen gedacht. Diese Kleider waren gelb, rot und blau. Einige waren einfarbig, die anderen bunt. Einige Kleider waren weiß, die anderen schwarz.

Bianca konnte sich nur schwer entscheiden. Lieber ein gelbes Kleid, oder doch ein violettes? Lieber rote Schuhe, oder doch eher die grünen? Und für die männlichen Puppen? Blaue Hosen, oder doch lieber die in orange? Bianca zog ihre Puppen einige Male an und wieder aus. Sie probierte ein anderes Kleid aus. Dieses gefiel ihr. Doch die Schuhe passten nicht. Sie zog einer ihrer Puppen weiße Schuhe an, doch die passten nicht. So probierte Bianca die schwarzen Schuhe. Diese fand sie toll. So war eine Puppe schon einmal angezogen.

Dieses Spiel wiederholte sich mehrere Male. Es dauerte seine Zeit, ehe alle Puppen von Bianca angezogen waren. So viel Zeit brauchte Bianca, dass es schon wieder Mittag war. Ihre Mutter rief und Bianca lief in die Küche, wo das Mittagessen stand.

Am heutigen Tag gab es Eierkuchen aus der Pfanne. Mancherorts auch Pfannkuchen genannt. Bianca konnte sich entscheiden, diese pur zu essen oder mit Zucker. Sie hatte auch die Wahl, sich zwischen Erdbeermarmelade und Schokoladenaufstrich zu entscheiden. Bianca aß zwei Eierkuchen. Einen mit viel Zucker und den zweiten mit Erdbeermarmelade. Es schmeckte ihr. Sehr sogar. Am liebsten hätte sie noch einige davon gegessen, doch sie hatte keinen Hunger mehr. Ihr Bauch war so voll, das er bestimmt gleich platzen würde, wenn Bianca noch etwas essen würde. Vielleicht gibt es ja noch einen Eierkuchen zum Kaffee, dachte sich Bianca.

Doch bevor es Kaffee gab, musste Bianca erst einmal Mittagsschlaf halten. Das tat Bianca. Sie schlief bis um vierzehn Uhr dreißig. Dann konnte es Kaffee und Kuchen geben. Bianca bekam ihren dritten Eierkuchen. Diesmal gab es den Eierkuchen mit Schokoladenaufstrich. Bianca ließ es sich schmecken.

Nachdem es für Bianca und ihre Mutter Kaffee und Kuchen gab, sollten auch Ihre Puppen Kaffee und Kuchen bekommen. Da Kaffee für kleine Puppen nicht geeignet war, veranstaltete Bianca eine Teeparty. Alle ihre Puppen nahmen daran teil. Alle Puppen mussten Tee trinken. Jeder bekam ein kleines Stückchen Kuchen. Der Kuchen war von den Puppen schnell verputzt. Ihnen musste der Kuchen schmecken. Dies sah Bianca.

So beschloss Bianca, morgen wieder eine Teeparty zu veranstalten. Heute hatte sie erst einmal genug. Ihr Vater sollte gleich nach Hause kommen und mit ihm wollte Bianca auch noch spielen.

Fünfter Januar

Es war einmal ein kleiner Junge. Dieser Junge hatte einen ganz bestimmten Namen. Dieser Junge hieß Christopher. Christopher war noch jung. Sehr jung. Er war zwar kein Baby mehr, doch Christopher ging auch noch nicht in die Schule. Erst in einem halben Jahr sollte er das Schreiben erlernen. Erst dann sollte Christopher die Zahlen kennenlernen.

Christopher ging normalerweise in den Kindergarten. Von montags bis freitags sah ihn jeder dort, wenn der Kindergarten nicht geschlossen war. Doch heute gab es eine Ausnahme. Heute blieb Christopher zu Hause. Heute konnte er mit seinem Spielzeug zu Hause spielen.

Christopher hatte ein eigenes Zimmer. Dort konnte er toben, wie mochte. Heute baute er seine Eisenbahn auf. Diese schlängelte sich durch sein ganzes Zimmer. Er baute einen kleinen Bahnhof mit einem Bahnsteig. Dort sollten die Passagiere in den Zug einsteigen.

Aber wie sollten die Passagiere zum Bahnhof kommen? Christopher überlegte kurz und hatte dann eine Idee. Mit dem Auto! Ganz klar. Genug Autos hatte er ja. Da konnten ganz viele Passagiere zum Bahnhof kommen. Da würde der Zug ganz voll werden.

Da gab es nur noch ein kleines Problem. Christopher hatte den Bahnhof so gebaut, dass kein Auto dahin kommen konnte. Es fehlte ein Übergang. Doch nichts leichter als das. An seinem letzten Geburtstag bekam er einen Bahnübergang geschenkt. Diesen konnte er nutzen.

Christopher suchte seinen Bahnübergang, fand ihn und baute ihn auf. Nun musste nur noch eine Straße den Bahnhof und den Bahnübergang verbinden. Dazu holte sich Christopher Hilfe.

Christopher wusste, wie er eine Straße bauen konnte. Er brauchte nur weißes Papier und eine Schere. Noch durfte Christopher nicht alleine mit einer Schere schneiden. So bat er seine Mutter, die das weißes Papier in dünne Streifen schnitt. Diese Streifen legte Christopher so aus, dass diese die Straße begrenzten. Einige Streifen riss er einige Male durch. Diese sollten die Mittellinie der Straße darstellen.

Nun wussten die Autos, wo die Straße war. Die Passagiere für den Zug konnten den Bahnhof ganz einfach erreichen. Die Passagiere konnten am Bahnsteig auf den Zug warten. Der Zug war einige Male pünktlich. Manchmal hatte der Zug aber auch Verspätung. Christopher ließ sich einiges einfallen. Mal hatte der Zug eine technische Störung, mal war die Lok kaputt. Zweimal kam der Zug zu spät, weil es einen vorausfahrenden Zug gab, der Verspätung hatte.

Christopher war oft mit seinen Eltern unterwegs. In vielen Fällen waren sie mit dem Zug unterwegs. Christopher und seine Eltern fuhren mit dem Auto zum Bahnhof. Sie warteten dort am Bahnsteig. Manchmal kam der Zug pünktlich. Mal nicht. Es war so wie zu Hause, wo Christopher heute spielte.

Christopher war nicht immer allein. Er spielte ab und zu auch mit seiner Mutter, die immer wieder nach ihm sah. Jedes Mal, als Christopher seine Mutter bemerkte, fragte er, ob sie mitspielen möchte. Oft musste seine Mutter Nein sagen. Sie musste saugen, die Küche wischen und das Mittagessen fertig machen. Doch jedes zweite Mal nahm sie sich Zeit für Christopher. Sie spielte einige Minuten mit ihm, ehe sie wieder ihrer Arbeit nachging.

So ging es bis in den Abend hinein. Bis Christophers Vater nach Hause kam. Dann war Christopher immer in der Küche, wo sich seine Eltern unterhielten und das Abendessen vorbereiteten. Nach dem Abendessen ging Christopher ins Bett und träumte von seiner Spielwelt voller Autos, Passagiere und Züge.

Sechster Januar

Es war einmal ein kleines Mädchen. Sie hatte rote Haare und trug den Namen Charlotte. Charlotte träumte oft. Sie träumte in der Nacht und auch dann, wenn sie Mittagsschlaf hielt.

Viele Kinder können sich nicht an alle Träume erinnern. Charlotte konnte es. Zu mindestens an dem Tag nach dem Traum. Jeden Morgen erzählte sie ihre Träume ihren Eltern. Während gefrühstückt wurde, erzählte Charlotte, von was sie in der Nacht geträumt hatte. Abends, wenn ihre Eltern gemeinsam wieder zu Hause waren, erzählte sie von ihren Träumen aus dem Mittagsschlaf.

Eines Tages träumte Charlotte von einer Insel. Um dorthin zu kommen, fuhr sie mit ihren Eltern zu einem Hafen. Die Drei waren mit dem eigenen Auto unterwegs. Das Auto war blau und hatte eine große Heckklappe. Normalerweise saß Charlotte immer hinten rechts. Doch nicht in diesem Traum. Zum ersten Mal durfte sie vorne rechts sitzen. Sie sah, wie ihr Vater nach rechts lenkte. Später beschleunigte er das Auto, fuhr nach rechts und bremste ab.

Am Hafen angekommen, wurde ein Parkplatz gesucht und alle stiegen aus dem Auto. Charlottes Eltern trugen insgesamt drei Koffer bis zum Schiff. Charlotte hatte einen eigenen Koffer, den sie selbst tragen konnte. Dieser zeigte ein rotes, kariertes Muster und war natürlich viel kleiner, als die Koffer, die Charlottes Eltern trugen.

Auf dem Weg zum Schiff sah Charlotte, dass es ein sehr großer Hafen war. Viele Schiffe standen dort. Die meisten waren weiß. Einige Schiffe waren auch schwarz. Charlotte sah aber kein einziges Schiff, das gelb, rot oder blau war. Das fand Charlotte etwas schade. Sie hätte gern ein buntes Schiff gesehen.

Es ist klar, dass das Schiff, welches Charlotte kurze Zeit später betrat, nicht bunt war. Es war weiß. Um auf dieses Schiff zu gelangen, mussten Charlotte und ihre Eltern eine lange Treppe hinaufgehen. Am Ende stand der Kapitän und ein Teil seiner Crew. Sie begrüßten die Reisenden an Bord. Auch Charlotte und ihre Eltern wurden begrüßt. Sie zeigten ihren Fahrschein und einer der Crew gab ihnen eine kurze Wegbeschreibung, wie sie zu ihrer Kabine kommen konnten.

Charlottes Eltern hatten einen Fahrschein für eine Kabine gekauft, die am Rand des Schiffes lag und ein Fenster besaß. Einige Reisende durften in einer Kabine schlafen, die in der Mitte des Schiffes lag. Diese Kabinen hatten kein Fenster. Dort konnte keiner hinausgucken, um den Wellen zuzusehen.

Charlotte konnte es. Charlotte konnte aus dem Fenster in der Kabine hinaussehen. Charlotte sah, wie sich die Wellen bewegten. Auf der Reise sah sie auch ein paar Schiffe. Manchmal waren die Schiffe klein und manchmal groß. Manchmal kamen diese Schiffe auf Charlotte zu, manchmal fuhren sie von ihr fort.

Charlotte erkundete jeden Tag das Schiff. Das Schiff war riesengroß. Alles an einem Tag zu entdecken, war kaum möglich. So erkundete Charlotte am ersten Tag das Schiff ganz oberflächlich. Am zweiten Tag nahm sie sich das oberste Geschoss vor, das auch Deck genannt wird. Am dritten Tag folgte das zweite Deck. Dann das dritte und so weiter. Am Ende kannte Charlotte das ganze Schiff. Sie wusste, wo es Essen und Trinken gab. Sie wusste, wo es das schiffseigene Kino gab. Sie wusste, wo sie mit anderen Kindern spielen konnte.

Eines wusste Charlotte aber nicht. Sie konnte sich nicht erinnern, wie lang die Reise dauerte. Sie wusste nicht, wie viele Decks sie insgesamt erkundete. Aber das war ja nicht so schlimm. Im nächsten Traum könnte sie ja darauf achten, wie oft die Sonne aufgeht. Wie viele Tage die Reise dauern würde. Im nächsten Traum, der sicher bald folgen wird.

Siebter Januar

Es war einmal ein Junge, der jede Nacht träumte. Auch wenn er Mittagsschlaf hielt, träumte er. Daniel, so hieß der Junge, ging gerade in die erste Klasse.

Daniel lernte in der ersten Klasse das ABC kennen. Daniel lernte das A zu schreiben. Das kleine und das große N. Er konnte das I schreiben und wusste, dass das Alphabet mit dem Z endete. Daniel lernte auch die Zahlen kennen. Die Eins, die Zwei und die Drei. Auch die anderen Ziffern lernte Daniel in der ersten Klasse kennen.

Kurz nach zwölf Uhr war die Schule zu Ende. Daniel ging in den Hort. Dort gab es erst einmal Mittagessen und dann musste Daniel Mittagsschlaf halten.

Eigentlich wollte Daniel viel lieber spielen, doch er durfte nicht. Jedes Kind, das in den Hort ging und noch nicht in der zweiten Klasse war, musste Mittagsschlaf halten. Da Daniel noch nicht in der zweiten Klasse war, konnte er mittags noch nicht spielen.

Dies sollte sich später ändern. Doch jetzt musste Daniel erst einmal Mittagsschlaf halten. Im Schlaf träumte er heute von einem Ritter, seiner Gefolgschaft und seiner großen Burg.

Der Ritter war nicht irgendwer, der Ritter war Daniel höchstpersönlich. Daniel hatte in seinem Traum eine eigene große Burg. Sie war nicht nur groß, sie war riesengroß. In seiner Burg lebten viele Menschen. Einige seiner Untertanen lebten dort. Viele Untertanen lebten außerhalb der Burg. Sie kümmerten sich um die Tiere und die Felder. Vor allem die Felder waren wichtig. In der Burg gab es dafür keinen Platz. Vereinzelt wurden Kartoffeln und Karotten angebaut. Doch für vielen Menschen reichte dies nicht. So gab es rundum die Burg von Daniel viele Felder. Auf einigen wuchsen Karotten, auf anderen Kartoffeln. Auf einigen Feldern wurde Mais angebaut, auf den anderen Getreide.

Der Mais diente oft als Viehfutter. Hauptsächlich für die Schweine, die in und außerhalb der Burg gehalten wurden. Das Getreide diente zum Brotbacken. Der Ritter und seine Gefolgschaft brauchten viele Brote. Sie benötigten auch viel Fleisch. Schweinefleisch und Rindfleisch. Daniel und seine Gefolgschaft aßen mehr Schweinefleisch als Rindfleisch. Sie benötigten aber auch Milch. Die Milch zum Trinken kam ausschließlich von den Kühen, die außerhalb der Burg auf einer grünen Wiese standen.

Eines Tages, es war ein Januartag, fiel Schnee. Innerhalb weniger Stunden wurde es weiß. Überall. In der Burg und außerhalb schneite es. Oben und unten wurde es weiß. Die Kühe, die tags zuvor noch draußen standen, wurden hereingeholt. Sie durften nun im Stall stehen. Dafür stand draußen etwas anderes.

Kurz nachdem die Kühe im Stall waren, erschien ein Monster. Es war schneeweiß und nannte sich selbst das Schneemonster. Es wollte alles und jeden in Schnee verwandeln. Nichts sollte mehr ein Baum, ein Schwein oder ein Mensch sein. Alles sollte zu Schnee werden.

Dies konnte Ritter Daniel nicht zu lassen. Als er von dem Schneemonster vor der Burg hörte, ergriff er sofort sein Schwert und ritt mit seinem Pferd zum Schneemonster. Dort wollte er mit diesem kämpfen. Doch schnell merkte er, mit seinem einfachen Schwert kam er nicht weit. Jedes Mal, wenn er zuschlagen wollte, ging sein Schlag daneben. Daniel traf das Schneemonster, doch das Schneemonster störte sich nicht daran. Als Daniel das Schneemonster in zwei Hälften teilte, vereinte sich das Schneemonster einen Augenblick später wieder.

Mit dem Schwert konnte Daniel den Kampf nicht gewinnen. Er brauchte eine andere Waffe. Er wusste, wer ihm dabei helfen konnte. Doch dies würde Zeit brauchen. Zeit, die Daniel jetzt nicht hatte. Daniel floh erst einmal vor dem Schneemonster. Doch bald wollte er wieder kommen. Den Kampf aufnehmen und siegen. Ob Daniel das Schneemonster besiegen konnte? Wir werden es sehen. Ganz sicher.

Achter Januar

Es war einmal eine Fee, die den Namen Daniela trug. Daniela war eine liebe Fee, die ziemlich klein war. Sie hatte gerade einmal eine Größe von einhundertdreiunddreißig Zentimetern. Doch auch wenn Daniela sehr klein war, sie war trotzdem mächtig.

Daniela konnte viele Tränke brauen. Sie konnte vieles zaubern. Gutes wie auch Böses konnte Daniela zaubern. Da Daniela aber eine liebe Fee war, zauberte sie nur Gutes oder versuchte böse Flüche in etwas Gutes zu verwandeln.

So war es auch vor mehr als hundert Jahren. An diesem Tag wurde im Blumenland ein Mädchen geboren. Diese Mädchen war nicht irgendein Mädchen. Es war die Tochter des Königs. Dieses Mädchen war also eine echte Prinzessin. Zur Geburt erwartete das Königspaar einige Gäste. Besonders die sieben Feen der großen Güte.

Blöderweise musste der König feststellen, dass es nicht genügend goldene Teller gab. Es gab nur sechs goldene Teller. Ein siebenter war weder zu finden, noch herzustellen. Unbekannterweise gab es im Königreich nicht das Gold, was für diese Teller genutzt wurde. Der König versuchte, von irgendwoher dieses Gold zu bekommen. Doch es war nicht auffindbar.

Der König überlegte kurz, ob anderes Gold nicht reichen würde, doch kurze Zeit später verneinte er. Wie konnte dieses Problem nur gelöst werden? Der König fragte seine Frau, doch im ersten Moment hatte auch sie keine Lösung parat. So entschied der König etwas später, nur sechs der sieben Feen zur Geburt einzuladen.

So kam es dann auch. Es wurde ein wundervolles Fest gefeiert. Am Ende standen die sechs Feen vor der Wiege der Prinzessin. Die erste Fee wünschte der Prinzessin ewige Gesundheit. Die zweite ewige Freude am Leben. Die dritte Fee wünschte der Prinzessin ewiges Glück.

Noch bevor die vierte der sechs Feen ihren Wunsch aussprechen konnte, erschien die Fee, die nicht eingeladen wurde. Sie war erbost. Sie tobte. Der König konnte nicht erklären, warum die Fee nicht eingeladen wurde. Die Fee gab ihm keine Chance. Sie sprach sofort einen Fluch aus. Wenn die Prinzessin ihren sechzehnten Geburtstag feiert, wird die Prinzessin sich an einem Spindelrad stechen und sterben.

Nachdem die Fee den Fluch aussprach, verschwand sie. Der König, seine Frau, die Feen und alle anderen waren erschrocken. Die Prinzessin sollte an ihrem sechzehnten Geburtstag sterben? Das durfte doch nicht wahr sein! Glücklicherweise konnten noch drei Feen der großen Güte ihre Wünsche aussprechen. Eine Fee weniger und es wäre zu einem Problem geworden.

Ausgerechnet die Fee, die nicht eingeladen war, war die mächtigste. Ihren Fluch aufheben war zu dritt nicht möglich. Ihn zu verändern war hingegen möglich. Die sechs Feen überlegten, wie sie den Fluch ändern konnten. Nach einiger Bedenkzeit hatten sie eine Idee. Die drei verbliebenen Feen änderten den Fluch so, dass die Prinzessin nicht sterben würde, sondern nur in einen hundertjährigen Schlaf fallen sollte. Mit ihr sollte das ganze Blumenland schlafen.

So geschah es dann auch. Die Fee Daniela konnte am sechzehnten Geburtstag der Prinzessin sehen, wie das ganze Blumenland einschlief. Rundum das Schloss bildete sich eine Dornenhecke, die kein Durchdringen erlaubte. Nach hundert Jahren verschwand diese einfach und das Blumenland erwachte wieder.

Daniela und die anderen fünf Feen hatten es geschafft. Doch Daniela sollte noch mehr Aufgaben bekommen. Ihre Hilfe wurde öfters in Anspruch genommen. Auch ein Ritter sollte in Kürze ihre Hilfe benötigen. Doch davon wusste Daniela die Fee noch nichts. Dies sollte sich bald ändern.

Neunter Januar

Es war einmal ein Land, das von einem Ritter beherrscht wurde. Dieser Ritter besaß den Namen Daniel. Daniel lebte auf seiner Burg nicht alleine. Dort lebten viele Menschen. Aber nicht nur Menschen, auch Tiere lebten dort. Große und kleine. Um die Tiere kümmerte sich die Gefolgschaft von Daniel. Zu mindestens um die Nutztiere.

Auf Daniels Burg gab es natürlich auch Mäuse und wilde Tauben. Darum kümmerte sich keiner. Diese Tiere brachten schließlich keinen Nutzen, anders als Hühner, Kühe und Schweine.

Daniel hatte nicht nur eine Gefolgschaft, sondern auch einen Berater. Dieser trug den Namen Elias. Elias wurde immer dann befragt, wenn Daniel einen Rat brauchte.

Als eines Tages im Januar ein Schneemonster auftauchte, war es wieder einmal so weit. Daniel nahm die Herausforderung an. Er schnappte sich sein Schwert und ritt dem Schneemonster entgegen.

Dort angekommen, musste Daniel feststellen, dass sein Schwert nutzlos war. Wenn Daniel das Schneemonster mit seinem Schwert traf, zerfiel das Schneemonster kurz in zwei Hälften. Doch nur wenige Augenblicke später war das Schneemonster wieder eins. Die zwei Hälften zerschmolzen zu einer.

Daniel konnte seine Gefolgschaft nicht im Stich lassen, doch er musste sich erst einmal zurück ziehen. Daniel suchte Elias auf. Elias sollte wissen, wie das Schneemonster besiegt werden kann. So hoffte es zu mindestens Daniel.

Daniel brauchte einige Zeit, um Elias zu finden. Dort, wo Elias immer war, fand Daniel ihn nicht. Daniel ließ Elias ausrufen. Nach einiger Zeit hörte Elias seinen Namen und kam zu Daniel. Als Daniel Elias sah, wurde Elias von Daniel befragt.

Elias hatte keine Antwort darauf, wie das Schneemonster zu besiegen wäre. Er kannte aber eine gute Fee namens Daniela. Daniela sollte eine Antwort haben. Dies meinte und hoffte Elias. Daniel glaubte ihn und ritt los ohne groß nachzudenken, ob er etwas mitnehmen sollte. Da Daniel aber nicht wusste, wo Daniela zu finden war, wo Daniela wohnte, nahm er zu mindestens Elias mit. Zusammen ritten sie in den Osten. Der Osten war dort, wo morgens die Sonne aufgeht.

Daniel und Elias ritten rund eine halbe Stunde, bis sie an einen Wald kamen. Dieser war nicht nur dunkel, dort war es finster wie die Nacht. Die Beiden mussten das Tempo reduzieren. Sie konnten nur wenige Meter sehen. So war es viel zu gefährlich in hohem Tempo weiter zu reiten.

Der Ritt durch den Wald benötigte rund vierundzwanzig Minuten. Während sie den Wald passierten, hörten sie immer wieder eine Stimme, die sprach "Knusper knusper knäuschen, wer knuspert an mein Häuschen?" Mal war die Stimme leise, mal war sie laut zu hören. Jedes Mal antwortete Daniel und Elias "der Wind, der Wind, das himmlische Kind!"

Daniel und Elias waren froh, als sie den Wald hinter sich lassen konnten. Nun konnten sie wieder ihr Tempo erhöhen und waren wenige Minuten später bei Daniela der guten Fee. Dort erzählte Daniel von dem Schneemonster. Er erzählte, das er es mit seinem Schwert nicht besiegen konnte. Nun brauchte er die Hilfe von Daniela.

Daniela half ihm. Sie braute einen Trank. Es war ein besonderer Trank. Dieser Trank musste über das Schwert von Daniel gegossen werden. Dann konnte dieses Schwert das Schneemonster besiegen.

Blöderweise hatte Daniel sein Schwert in der Burg vergessen und so musste Daniel erst zurück zu seiner Burg. Da es nicht reichte, nur das Schwert zu übergießen, musste Daniela die Fee mit zur Burg. Nur durch ihre magischen Worte sollte der Trank das Schwert verzaubern. Nur mit diesem verzauberten Schwert konnte das Schneemonster besiegt werden.

Daniel, Elias und Daniela machten sich auf, um Daniels Burg so schnell wie möglich zu erreichen. Doch heute schafften sie es nicht mehr. Irgendwann morgen sollten sie die Burg von Daniel erreichen. So war es zu mindestens geplant. Ob es auch so kam, dass werden wir morgen erfahren.

Zehnter Januar

Es war einmal ein Ritter, der auf ein Schneemonster traf. Da der Ritter das Schneemonster nicht mit seinem Schwert besiegen konnte, holte er sich Hilfe. Der Ritter, dessen Name Daniel war, fragte seinen Berater, wie das Schneemonster zu besiegen wäre. Sein Berater, der den Namen Elias trug, hatte keine Antwort parat. Er kannte aber eine Fee. Diese Fee, deren Name Daniela war, hatte schon vielen geholfen, denn Daniela war eine gute Fee.

Zusammen machten sich Daniel und Elias auf, die gute Fee Daniela zu besuchen. Nach einigen Stunden trafen die Zwei auf Daniela. Daniela braute einen Trank, der über das Schwert von Daniel gegossen werden musste. Dazu musste Daniela eine Zauberformel sprechen und mit diesem verzauberten Schwert konnte das Schneemonster besiegt werden.

Da Daniel aber sein Schwert in seiner Burg ließ, machten sich die Drei am nächsten Tag auf, zu Daniels Burg zu reiten. Auf dem Weg zur Burg mussten die Drei durch einen dunklen Wald. Die Drei ritten langsam, denn sie konnten nicht weit sehen. Im Wald sahen sie kaum etwas, dafür hörten die Drei immer wieder eine Stimme: "Knusper knusper knäuschen, wer knuspert an mein Häuschen?"

Die Stimme kannten Daniel und Elias schon. Wer es war, wussten Sie aber nicht. Daniela wusste es. "Macht euch keine Sorgen. Es passiert euch nichts" sprach Daniela zu den Beiden. "Das ist nur die böse Fee Emilia, die versucht, Kinder in Ihr Haus zu locken. Da ihr aber keine Kinder seid, wird sie euch nichts tun."

Daniel und Elias waren beruhigt. Sie wussten nun, dass es eine Stimme der bösen Fee war. Trotzdem waren beide froh, als sie den dunklen Wald hinter sich lassen konnten. Die drei mussten noch einige Kilometer reiten, ehe sie an der Burg von Daniel ankamen.

Die Drei konnten nicht auf direktem Weg zur Burg reiten. Sie mussten einen Umweg machen, da der direkte Weg versperrt war. Das Schneemonster versperrte ihnen den Weg. Ohne ein Schwert war der Kampf aber sinnlos. So ritten die Drei um das Schneemonster herum.

Durch den Umweg waren die Drei etwas später an Daniels Burg. Dort angekommen, führte Daniel die Fee Daniela zu seinem Schwert. Daniela nahm das Schwert an sich und übergoß es mit dem Trank, den sie tags zuvor extra dafür gebraut hatte. Während Daniela das Schwert mit dem Trank übergoß, sprach sie eine Zauberformel. Daniel verstand sie nicht, denn die Zauberformel war in der Feensprache gehalten.

Nachdem die Zauberformel gesprochen war, glühte das Schwert für einen kurzen Moment. Anschließend reichte Daniela das Schwert an Daniel. Nun konnte Daniel in den Kampf gegen das Schneemonster ziehen.

Das Schneemonster näherte sich Schritt für Schritt Daniels Burg. Dabei verwandelte es alles, was es sah, in Schnee. Die Bäume und die Vögel waren alle schneeweiß. Das Schneemonster war nicht mehr weit von der Burg entfernt. Daniel musste sein Pferd nicht nehmen, Daniel konnte zum Schneemonster laufen.

Wenige Augenblicke später standen sich Daniel und das Schneemonster gegenüber. Der Kampf begann. Daniel traf das Schneemonster einige Male. Dank des verzauberten Schwertes konnte das Schneemonster besiegt werden.

In dem Moment, in dem das Schneemonster besiegt war, verwandelten sich die Schneebäume und Schneevögel zurück. Aus dem verzauberten Schneebaum wurde wieder ein normaler Baum. Aus dem Schneevogel wurde wieder ein echter Vogel.

Daniel bedankte sich bei Daniela. Sie nahm den Dank an und ritt kurze Zeit später nach Hause. Daniel befahl Elias sie zu begleiten, auf dass Daniela gesund und munter bei sich zu Hause ankam.

Elfter Januar

Es war einmal ein Tag im Januar. Genauer gesagt war es der elfte Januar. An diesem Tag fuhr Florian mit dem Bus zur Schule. Doch soweit kam der Bus gar nicht.

Aber der Reihe nach. Florian wohnte direkt an einer Bushaltestelle. Er musste, anders als die anderen Schulkinder, keinen langen Weg zur Bushaltestelle einplanen. In weniger als sechzig Sekunden war er an der Bushaltestelle. Die anderen Kinder mussten bis zu fünfzehn Minuten laufen, um ihre Bushaltestelle zu erreichen.

Am heutigen Tag zog Florian seine Wintersachen an. Es war kalt. Eisigkalt. Ohne dicke Winterjacke verließ Florian heute nicht das Haus. Seine Mütze und seine bunten Handschuhe durften ebenfalls mit. Auch wenn Florian eigentlich nicht lange zum Bus laufen musste, auch nicht lange an der Bushaltestelle stand, Florian nahm im Winter immer seine Handschuhe und Mütze mit.

Die Kinder, die mit dem Bus zur Schule fuhren, trafen sich immer fünf Minuten bevor der Schulbus ankam. Dort redeten sie noch miteinander.

Am heutigen Tag machten sie eine kleine Schneeballschlacht, denn über Nacht schneite es. Es war nicht viel, doch für eine kleine Schneeballschlacht reichte es. Auch Florian beteiligte sich an der Schneeballschlacht. Dank seiner Handschuhe bekam er keine kalten Hände.

Als der Bus kam, hörten die Kinder aber auf. Einen Sieger der Schneeballschlacht gab es nicht. Einen Verlierer gab es auch nicht. Die Kinder wollten nur etwas Spaß vor der Schule haben, da ist Sieg oder Niederlage egal.

Die Kinder standen in Reihe und Glied als der Bus anhielt und die Türen öffnete. Geordnet stiegen die Kinder ein. Die Plätze im Bus waren schnell belegt. Florian saß wie immer im hinteren Teil des Busses. In vielen Fällen saß er auf der rechten Seite, heute saß Florian auf der linken Seite. Manchmal saß neben ihm ein anderes Kind, heute war das aber nicht der Fall. Heute saß Florian auf einem Zweier ganz allein.

Zwei Minuten nachdem der Schulbus ankam, schlossen sich die Türen und der Bus fuhr los. Er kam nicht weit, denn nur zweihundert Meter später war eine Ampel. Diese zeigte Rot, so dass der Bus warten musste. Es war nicht die schnellste Ampel. Sie nahm sich Zeit, auf Grün zu schalten. Der Bus stand rund drei Minuten an der Ampel, ehe es grün wurde. Der Bus fuhr an und bog nach rechts ab. Nach rund fünf Kilometern sollte der Bus die Haltestelle erreichen, an dem die Schulkinder aussteigen mussten.

Doch so weit kam der Bus nicht. Etwas mehr als einen Kilometer von der Endhaltestelle entfernt gab es eine Baustelle. An dieser Stelle war die Straße vierspurig. Es gab jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung. Auf der einen Seite verengten sich aber die zwei Fahrspuren. Zwei Autos hatten immer noch Platz. Sollten aber zwei LKWs oder Busse nebeneinander fahren, so reichte der Platz nicht.

Genau dies geschah aber. Der Schulbus, in dem Florian saß, fuhr auf der rechten Seite. Auf der linken Spur fuhr ein LKW. Der Bus und der LKW kollidierten. Es gab keinen großen Schaden. Ein paar Kratzer auf der einen Seite und ein abgebrochener Spiegel auf der anderen Seite. Da der Unfall aber von der Polizei aufgenommen werden musste, konnte der Bus erst einmal nicht weiterfahren.

Die Schulkinder stiegen aus und liefen zu Fuß zur Schule. Auch Florian tat es. Nach rund fünfzehn Minuten war er an der Schule. Florian kam noch rechtzeitig zur ersten Stunde. So verpasste er keine Minute vom Matheunterricht. Zum Glück!

Zwölfter Januar

Es war einmal in einem Land, das als Blumenland bekannt war. In diesem Land lebte Flora. Flora war ein junges Mädchen, dass schwarze Haare hatte. Sie lebte zusammen mit ihren Eltern in einer kleinen Stadt. Da Floras Eltern keine Arbeit fanden, waren sie arm. Weil sie arm waren, lebten sie nicht im Zentrum der Stadt, sondern am Stadtrand. Sie besaßen nur eine kleine Wohnung, die aus Küche, Bad, Flur und einem weiteren Zimmer bestand.

In diesem einen Zimmer lebten die Drei zusammen. Sie schliefen dort. Sie aßen dort. Wenn die Drei nicht draußen waren, waren sie in diesem Zimmer. In der Wohnung gab es keine Heizung. Nur ein kleiner Ofen stand in der Wohnung. Dieser Ofen wurde mit Holz befeuert. Da Flora und ihre Eltern arm waren, konnten sie sich kein Brennholz leisten. Zu mindestens für Geld konnten sie sich kein Feuerholz kaufen.

So gingen die Drei oft in den Wald. Vor allem im Winter wurde Holz benötigt. Glücklicherweise hatte Floras Vater eine Axt und eine Säge. Mit diesen Werkzeugen gingen die Drei oft in den Wald, um Brennholz zu suchen. Während Floras Vater kleine Bäume schlug und in Stücke sägte, sammelte Flora und ihre Mutter Holz, das auf dem Boden lag. Die beiden trugen viele Äste und Zweige zusammen.

Das Holz wurde in zwei Körben gelegt, die Flora und ihre Mutter von zu Hause mitbrachten. Als die Körbe voll waren, ging es normalerweise wieder nach Hause. Zusammen mit Floras Vater, der sich die zersägten Holzstücke auf den Rücken band.

Eines Tages jedoch gingen die Drei nicht gemeinsam nach Hause. Während Floras Vater einen Baum schlug und Floras Mutter Äste und Zweige sammelte, entfernte sich Flora von ihren Eltern. Flora ging immer tiefer in den Wald hinein, um Äste und Zweige zu finden. Flora und ihre Eltern bemerkten es nicht. Erst als es zu spät war, erkannten beide Seiten, dass sie sich verloren hatten.

Floras Eltern suchten nach Flora. Ihr Vater ließ Axt und Säge liegen, Floras Mutter ihren Korb stehen. Die Beiden riefen immer wieder Floras Namen, doch Flora antwortete nicht. Flora war viele Meter entfernt und näherte sich einem Häuschen, das aus Süßigkeiten bestand. Flora liebte Süßigkeiten. Zu Hause gab es sie selten. An diesem Haus aber gab es ein Haufen davon. Flora konnte nicht widerstehen und knabberte am Häuschen.

Als Flora das siebte Mal vom Häuschen knabberte, erklang eine Stimme. Diese Stimme sprach "Knusper knusper knäuschen, wer knuspert an mein Häuschen?" Flora antwortete: "Der Wind, der Wind, das himmlische Kind". Als die Stimme nicht mehr erklang, biss Flora einige weitere Male vom süßen Haus ab. Sechs Mal konnte Flora diesmal zubeißen, ehe die Stimme noch einmal erklang. Flora wiederholte ihre Antwort. Diesmal verstummte die Stimme nicht.

Die Tür des Hauses öffnete sich und die Stimme sprach: "Du magst wohl Süßigkeiten?" Flora sah zur Tür und konnte eine alte Dame sehen. Diese Dame stellte sich als Emilia vor, nachdem Flora mit Ja antwortete. "Komm nur herein, in meinem Haus sollen noch viel mehr Süßigkeiten sein" sprach Emilia. Flora war neugierig und ging in das Haus.

Im Haus gab es viele Süßigkeiten. Flora schaute links, sie schaute rechts, überall sah sie Süßigkeiten. Oben und unten. Einfach überall gab es bunte Süßigkeiten. Flora konnte nicht widerstehen und probierte von jeder Süßigkeit. Sie aß bis zum Abend tausende davon. Dann bekam sie Zahnschmerzen.

Emilia, die alte Dame, bemerkte es und sprach "wenn du jetzt ins Bett gehst, werden die Zahnschmerzen gleich verschwunden sein". Flora befolgte den Rat und stieg in ein fremdes Bett bei Emilia. Dort schlief Flora nach wenigen Augenblicken ein, ohne an ihre Eltern zu denken, die den Wald noch immer durchsuchten. Irgendwann legten sich auch Floras Eltern zur Ruh. Sie wollten am nächsten Tag weitersuchen. Sie hofften, dann Flora wieder zu finden.

Dreizehnter Januar

Es war einmal ein Junge, der gerne spazieren ging. Dieser Junge wurde Gregor genannt. Meist ging er mit seinen Eltern spazieren. Einige Male war Gregor aber auch allein unterwegs.

So wie an einem Wintertag im Januar. Gregor ging in den nahegelegenen Wald. Oft ging er, wenn er alleine war, den selben Weg, doch nicht heute. Heute bog Gregor an einer Weggabelung nach links ab. Normalerweise wählte er den rechten Weg.

Auf dem linken Weg sah Gregor viel Neues. Er sah Blumen, die er noch nicht kannte. Einige waren sonnengelb, andere fliederviolett. Links fand er orange und meerblaue Blumen, rechts standen feuerrote und grüne Pflanzen. Die Welt rundum diesen Weg war kunterbunt.

Gregor sah auch einige Tiere, die er zuvor noch nie sah. Es waren kleine und große Tiere. Tiere, die fliegen konnten, und Tiere, die sich am Boden fortbewegten. Gregor sah den Tieren immer wieder einige Minuten zu. Beobachtete, wie sie sich bewegten, wohin sie liefen. Teilweise folgte Gregor den Tieren.

Gregor ging so immer tiefer in den Wald hinein. Es wurde dunkler und dunkler. Nicht nur wegen der Tiefe des Waldes, sondern auch weil der Tag sich dem Ende näherte. Die Sonne war müde und wollte langsam ins Bett gehen. Der Mond war schon wach und schwach zu sehen. Bald sollte es am Himmel dunkel werden und die Nacht anbrechen.

Noch bevor es richtig dunkel war, kam Gregor an ein Haus. Sollte er dort um ein Bett für die Nacht bitten? Er wusste, dass er nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommen würde und den genauen Weg zurück kannte er auch nicht. Das Haus stand also am richtigen Ort und Gregor sah es zur rechten Zeit. Etwas Essen gibt es vielleicht auch im Haus, denn Gregors Magen knurrte.

Das Haus sah nicht wie jedes andere aus. Es war ein relativ kleines Haus und es war bunt. An vielen Stellen war es nur braun und weiß, doch oft genug konnte Gregor auch andere Farben entdecken. An einigen Stellen war das Haus gelb, anderorts violett. An der rechten Wand gab es viele rote und grüne Stellen. Da Gregor um das Haus herum ging, sah er auch die gegenüberliegende Wand. Diese hatte einige Stellen, die blau und orange waren.

Mit jedem Schritt um das Haus näherte sich Gregor dem Haus. Anfangs war er relativ weit entfernt, am Ende stand das Haus nur wenige Meter von ihm entfernt. Jetzt erkannte er, dass das ganze Haus aus Süßigkeiten bestand. Selbst die Türen und die Fenster schienen eine Süßigkeit zu sein. Die Farben Braun und Weiß, die Gregor zuerst erkannte, waren keine Farben. Dort, wo diese Farben waren, bestand das Haus aus Lebkuchen.

Gregor konnte nicht anders. Wie jedes andere Kind liebte er Süßigkeiten und so biss Gregor einige Male von dem Haus ein Stückchen ab. Nachdem siebten Mal erklang eine Stimme, die sprach "Knusper knusper knäuschen, wer knuspert an mein Häuschen?" Gregor antwortete mit vollem Mund: "Der Wind, der Wind, das himmlische Kind". Als die Stimme nicht mehr erklang, biss Gregor einige weitere Male vom süßen Lebkuchenhaus ab. Sechs Mal konnte Gregor diesmal zubeißen, ehe die Stimme noch ein weiteres Mal erklang.

Die Tür des Hauses öffnete sich und Gregor erkannte eine alte Frau. Diese fragte Gregor, ob er Süßigkeiten liebe. Gregor bejahte es. Die alte Dame bat Gregor hinein. Dort gab die Frau, die den Namen Emilia trug, Gregor weitere Süßigkeiten und ein Bett für die Nacht. Am nächsten Morgen wollte sie ihm helfen, wieder nach Hause zu kommen. Doch ob dies auch so kam, ist heute noch unbekannt. Der morgige Tag wird es zeigen. Ganz bestimmt.

Vierzehnter Januar

Es war einmal ein Mädchen, dass sich beim Holzsammeln in einem Wald verirrte. Dieses Mädchen wurde Flora genannt. Zur gleichen Zeit war auch ein Junge unterwegs. Er ging spazieren und verirrte sich dabei im selben Wald. Dieser Junge trug den Namen Gregor und sollte Flora bald kennenlernen.

Flora und Gregor kamen fast gleichzeitig an ein besonderes Haus. Es war ein Haus, das nicht aus Holz bestand. Es war ein Haus, das nicht aus Beton war. Dieses Haus bestand aus Süßigkeiten. Die meisten Wände waren aus Lebkuchen. Leckerem Lebkuchen. Flora und Gregor naschten von diesem Lebkuchen.

Obwohl Flora und Gregor fast gleichzeitig an diesem Haus ankamen, sahen sie sich erst am nächsten Morgen. Beide bekamen von der Bewohnerin des Hauses abends leckeres Essen. Dann wurde den zwei Kindern jeweils ein Bett zur Verfügung gestellt. In diesen Betten nahmen beide Platz und schliefen bis zum nächsten Morgen.

Gegen neun Uhr wurden Flora und Gregor sanft geweckt. Die Bewohnerin des Hauses weckte Gregor auf. Ihr Haustier, es war eine schwarze Krähe, weckte Flora auf. Die Krähe war - wie die Bewohnerin des Hauses - weiblich. Während die Bewohnerin des Hauses den Namen Emilia trug, wurde die Krähe Gwendolyn genannt.

Beide Kinder wurden in die Küche gebracht, wo beiden Süßigkeiten gereicht wurde. Die Kinder aßen viel davon. So viel, dass beide Zahnschmerzen bekamen. Emilia gab ihnen daraufhin etwas zu trinken. Durch dieses Getränk waren die Zahnschmerzen wie weggeblasen. Nun konnten die Kinder weiter essen.

Doch die zwei wollten nicht weiter essen. Sie hatten genug. Beide wollten nach Hause. Sie fragten Emilia, ob sie den Weg nach Hause kennen würde und Emilia bejahte. Doch sie verriet den Weg nicht. Emilia wollte nicht, dass die Kinder fortgingen. Nicht das Emilia einsam war, das war nicht der Fall. Emilia hatte ja Gwendolyn.

Nein, Emilia hatte Hunger. Sie war eine böse Fee, nannte sich selbst eine Hexe. Sie liebte es, Kinder zu essen. Und genau dies wollte Emilia: Flora und Gregor sollten von Emilia gegessen werden. Dafür bekamen die beiden so viele Süßigkeiten. Auf dass die beiden Kinder an Gewicht zu nehmen und Emilia von ihnen lange essen kann.

Die Kinder wollten verständlicherweise nicht bleiben und wagten einen Fluchtversuch. Doch dieser wurde von Emilia vereitelt. Durch einen Hexspruch schuf sie eine Barriere rund ums Lebkuchenhaus, durch die die Kinder nicht durchkamen. Schlimmernoch. Gregor kam in einen Käfig und Flora musste für Emilia arbeiten. Holz sammeln, Wasser holen und das Haus aufräumen. Währenddessen musste Gregor so viel essen, wie er nur konnte.

Flora und Gregor wussten bis dahin noch nicht, dass beide schon bald gegessen werden sollten. Zuerst sollte Gregor verspeist werden, dann sollte Flora folgen. Doch es kam anders als Emilia dachte. Sie dachte, es würde ein relativ leichtes Spiel, die beiden Kinder zu füttern und anschließend zu essen. Doch die Kinder waren schlau.

Flora arbeitete knapp drei Tage für Emilia. In den drei Tagen musste sie zwar ab und zu kochen, doch etwas in den Ofen schieben musste sie bisher nicht. Dies sollte sich am dritten Tag ändern. Emilia forderte Flora auf, Brot zu backen. Flora knetete den Teig und formte die Brote. Als Flora die Brote in den Ofen schieben sollte, weigerte sie sich.

"Der Ofen ist bestimmt ganz heiß. Da gehe ich nicht so nah heran" sprach Flora immer wieder. Emilia könne doch die Brotlaibe selber in den Ofen schieben. Emilia blieb nichts anderes übrig, als dies zu tun. Genau in dem Moment, half auch Flora zu schieben. Während Emilia die Brote in den Ofen schob, verhalf Flora Emilia in den Ofen.

Es kam, wie es sich Flora dachte. Die Hexe verbrannte im Ofen, da Emilia die Ofentür verschloss, als die Hexe im Ofen war. In dem Moment, in dem die Hexe im Ofen brannte, zerfiel der Käfig und kurz danach das Lebkuchenhaus. Mit Glück entkamen Flora und Gregor dem Einsturz des Hauses. Nun standen die Beiden im Freien. Sie hatten kein Dach über den Kopf und wussten nicht, wie es nach Hause ging. Ob ihnen jemand half, ist bis heute aber nicht überliefert. Vielleicht sollte sich morgen alles aufklären. Wer weiß.

Fünfzehnter Januar

Es war einmal ein Mädchen und ein Junge, die sich im Wald verirrten. Beide waren neugierig. Beide kamen an ein Lebkuchenhaus und übernachteten dort. Eigentlich wollten beide nur eine Nacht bleiben und am nächsten Tag wieder nach Hause gehen. Doch es kam anders.

Die Bewohnerin des Hauses war nicht irgendwer. Die Bewohnerin war eine böse Fee und wurde Emilia genannt. Emilia wollte die beiden Kinder essen und hielt sie gefangen. Während der Junge namens Gregor im Käfig war, musste das Mädchen mit dem Namen Flora der bösen Fee im Haus helfen. Flora konnte nicht fliehen, denn um das Haus war eine Art unsichtbarer Zaun, den Flora nicht überwinden konnte.

Gregor und Flora blieben nur drei Tage gefangen, dann gelang ihnen die Flucht. Flora sollte der bösen Fee beim Brot backen helfen und weigerte sich, die Brotlaibe in den Ofen zu schieben. Als die böse Fee die Brotlaibe selber in den Ofen schieben wollte, schob Flora die böse Fee in den Ofen. In dem Moment, in dem die böse Fee brannte, zerfiel der Käfig, in dem Gregor gefangen gehalten wurde.

Wenige Augenblicke später begann das Haus einzustürzen und der unsichtbare Zaun verschwand. Flora und Gregor konnten sich geradeso retten. Sie standen einen Moment vor den Trümmern, als sie einen Weg sahen, der hinter dem Haus begann. Dieser Weg begann zu leuchten und die Kinder folgten dem Leuchten.

Die beiden Kinder gingen rund eine Stunde, als das Leuchten aufhörte. Sie sahen eine Kiste und öffneten diese. Beide konnten kaum glauben, was sie darin sahen. Der Inhalt glitzerte und glänzte. Auf den ersten Blick schien es Gold zu sein. Doch mit dem zweiten mussten die Kinder sehen, dass es nur Süßigkeiten waren. Süßigkeiten, die nur so aussahen, als wären sie Gold. Die beiden liebten Süßigkeiten und naschten vom Inhalt.

Bis Gregor plötzlich auf etwas Hartes biss. Das war keine Süßigkeit, das war Gold! Gregor versuchte noch von den anderen Talern zu naschen, doch es gelang ihm nicht mehr. Jeden Taler, in den er biss, war nun Gold. Auch Flora hatte kein Glück mehr. Auch sie fand keine Süßigkeit mehr, sondern nur noch Gold.

Im ersten Moment waren Flora und Gregor traurig, im zweiten glücklich. So viel Gold, wie in der Kiste lag, die beiden Kinder waren reich. Die Beiden versuchten, die Kiste zu tragen, doch die Kiste war zu schwer. Die beiden Kinder brauchten Hilfe.

Zum Glück kam genau in diesem Moment ein junger Herr vorbei. Dieser Herr trug den Namen Heiko. Heiko dachte, dass den Kindern die Kiste gehörte und ihnen nur zu schwer war. So half Heiko den Kindern beim Tragen, oder besser gesagt, er trug die Kiste. Heiko geleitete zuerst Flora nach Hause, denn er kannte den Weg, den die Kinder suchten. Als Flora dank Heiko zu Hause ankam, nahm Sie sich einige Goldstücke und überraschte ihre Eltern, die nach langer, erfolgloser Suche wieder heimkehrten.

Nachdem Flora ihre Eltern wiedersah, ging Heiko mit Gregor zu Gregors Eltern. Dort nahm sich Gregor einige Goldmünzen und lebte von dort an glücklich und zufrieden bei seinen Eltern.

Heiko durfte die Kiste behalten, in den noch einige Goldmünzen lagen. Er machte sich nichts aus dem Gold und wollte das Gold eigentlich tauschen. Gegen was, das wusste Heiko noch nicht. Heute wusste er es noch nicht. Da es mittlerweile schon spät war, suchte sich Heiko ein Wirtshaus und übernachtete dort. Mit den Goldmünzen wollte er sein Essen und das Zimmer für die Nacht bezahlen. Am nächsten Tag wollte Heiko hinausziehen, um seine Goldkiste gegen etwas anderes einzutauschen. Doch heute machte er erst einmal die Augen in seinem gemieteten Zimmer zu.

Sechzehnter Januar

Es war einmal ein junger Herr, der eine Kiste mit Goldmünzen geschenkt bekam. Dieser junge Herr wurde Heiko genannt. Da Heiko weit gereist war und es spät abends war, suchte er sich ein Wirtshaus, wo er übernachten wollte.

Heiko fand ein Wirtshaus und übernachtete dort. Das Wirtshaus gehörte Hanna und ihrem Mann. Heiko kam in das Wirtshaus und wurde von Hanna begrüßt. Sie fragte Heiko, mit was sie ihm dienen könne. Heiko bat um ein Abendessen und ein Zimmer für die Nacht. Dies bekam er.

Hanna bat Heiko an einen Tisch und fragte, was er speisen möchte. Heiko fragte, ob er ein Eisbein, Sauerkraut und Kartoffeln haben könnte. Dazu würde er gern ein Glas Wasser zu sich nehmen. Hanna bejahte seine Frage und Heiko bekam nach rund fünf Minuten das Essen.

Heiko war erstaunt. Wie konnte das Essen nur so schnell fertig sein? Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zu gehen. Aber vielleicht war das Essen nur vorgekocht? Heiko wusste es nicht und so neugierig war er nicht, dass er mit Nachforschungen begann.

Nachdem Heiko mit dem Abendessen fertig war, zeigte Hanna ihm sein Zimmer für die Nacht. Auf dem Weg dorthin fragte sie, was es denn mit der Kiste auf sich hat, die er die ganze Zeit mit sich herum trägt. Heiko sprach, er wolle die Kiste gegen etwas anderes eintauschen. Hanna dachte zuerst, für das Essen und das Zimmer sollte sie diese Kiste bekommen, doch Heiko konnte sie beruhigen. Am nächsten Morgen, kurz bevor er abreisen werde, wolle er sie bezahlen. Mit Goldmünzen.

Mit diesen Worten endete das kleine Gespräch zwischen den Beiden. Beide waren an das Zimmer für Heiko angelangt. Hanna öffnete die Türe, bat Heiko herein und wünschte ihm noch eine gute Nacht. Dann ging sie zurück in die Gaststube.

Heiko betrat das Zimmer und schloss hinter sich die Tür. Heiko stellte dann die Kiste neben das Bett und legte seine Jacke ab. Dann nahm Heiko einige Goldmünzen, die sich in der Kiste befanden und legte sie auf den Nachttisch. Danach schloss Heiko die Kiste, machte sich bettfertig und ging ins Bett.

Am nächsten Morgen machte Heiko sich frisch für den Tag und zog seine Jacke an. In einer Tasche davon verstaute er die Goldmünzen auf dem Nachttisch, nahm seine Kiste und ging in die Gaststube.

Dort angekommen, bat er um das Frühstück. Er bekam sein Wunschfrühstück und verspeiste es. Anschließend bezahlte er das Essen und das Zimmer mit den Goldmünzen aus seiner Tasche. Dann ging er in die große Welt hinaus und wollte seine Kiste voller Goldmünzen eintauschen.

Heiko traf auf seiner Reise einen Herrn, der mit zwei Pferden unterwegs war. Der Herr mühte sich ab und Heiko fragte, ob er ihm helfen könne. Der Herr antwortete, dass er gern das zweite Pferd loswerden wolle, doch keiner wollte es. Inzwischen würde er es sogar verschenken.