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Ein Pferd hat genauso Gefühle und Bedürfnisse wie ein Mensch. Und das Recht, dass sie beachtet werden. Wir Menschen sehen oftmals die Bedürfnisse unserer Pferde nicht wirklich. Wir sehen nicht die Signale, die unsere Pferde aussenden oder wir können sie nicht deuten. Wenn du Pferde liebst und ihr Bestes willst, wird dieses Buch dir eine Welt des Pferdes eröffnen, von der du bisher keine Ahnung hattest, dass es sie so gibt! Die Autorin nimmt dich mit auf die intensive, emotional tief berührende Reise zum Wesen Pferd und seinen Bedürfnissen. Auf dieser Reise wirst du wilde und domestizierte Pferde treffen, du wirst erleben, wie wir Menschen Pferde halten und behandeln. Du wirst erfahren, wie wir Pferde halten könnten, damit sie in jeder Hinsicht glücklich und körperlich wie psychisch vollkommen gesund sein können. Das Buch liefert dazu eine konkrete, umfassende Anleitung in Form von praktisch leicht umsetzbaren Möglichkeiten für jeden von uns. Dieses Buch wird die Pferdehaltung revolutionieren. Wenn du es gelesen hast, wird nichts mehr sein, wie es zuvor war. Die Tür zu etwas Wunderbarem, bisher nicht Vorstellbarem wird sich öffnen, für Tier wie Mensch...
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Seitenzahl: 155
Veröffentlichungsjahr: 2018
Silke Nordfjäll
Das Wesen Pferd und seine Bedürfnisse verstehen
Silke Nordfjäll:
Ethische Pferdehaltung. Das Wesen Pferd und seine Bedürfnisse verstehen
1. Auflage 2018
tredition Verlag , Hamburg
www.tredition.de
Umschlaggestaltung: Silke Nordfjäll
Innenillustration: Silke Nordfjäll
ISBN 978-3-7469-0116-9 (Paperback)
ISBN 978-3-7469-0117-6 (Hardcover)
ISBN 978-3-7469-0118-3 (e-Book)
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Als die Erde mit allen Lebewesen erschaffen wurde, war es nicht die Absicht des Schöpfers, dass nur Menschen auf ihr leben sollten.
Wir wurden zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern in die Welt gesetzt, mit denen, die vier Beine haben, die fliegen, mit denen, die schwimmen.
Alle diese Lebewesen, auch die kleinsten Gräser und die grössten Bäume, bilden mit uns eine grosse Familie. Wir sind alle Geschwister und gleich an Wert auf dieser Erde.
Von Indianern
Natur, Tiere und Menschen sind untrennbar miteinander verbunden. Alle stammen wir aus der gleichen, göttlichen Quelle. Wir Menschen scheinen das vergessen zu haben.
Wir verhalten uns, als wäre die Erde für uns alleine erschaffen worden. Anstatt alle Mitgeschöpfe mit Liebe und Respekt zu behandeln, anstatt sie als gleichwertig mit ihren Bedürfnissen, Gefühlen und Rechten anzusehen, beuten wir Tiere gedankenlos und herzlos aus. Wir nehmen ihnen ihren Lebensraum, quälen und schlachten sie als Fleischlieferanten und tun ihnen viel Leid an, indem wir sie unter falschen Bedingungen als unsere Haustiere halten. Auch das Pferd, das wir heutzutage grössenteils zu unserem Vergnügen oder zur Befriedigung unseres Egos benutzen, muss viel Leid ertragen.
Wir Menschen scheinen nicht (mehr) mit unseren Herzen wahrnehmen zu können. Unsere Herzen scheinen blind und taub für das Leid zu sein, das wir unter Tieren verursachen, die wir uns halten. Selbst Menschen, die liebes- und gefühlsfähig sind, die das Beste für ihr Tier wollen, scheinen oft blind dafür zu sein. Wir halten unsere Tiere nicht, wie es erforderlich wäre. Wir scheinen unseren ethischen Kompass verloren zu haben. Wir sehen nicht die Signale, die unsere Tiere aussenden oder können sie nicht deuten. Sind wir zu beschäftigt, zu sehr eingespannt in unser selbsterschaffenes Hamsterrad aus Arbeit und Funktionieren? Haben wir uns so weit von unser aller gemeinsamem Ursprung entfernt, dass wir das Leiden unserer tierischen Geschwister nicht mehr wahrnehmen können? Können wir die Bedürfnisse unserer Tiere nicht wahrnehmen, weil wir unsere eigenen nicht erkennen, weil wir für uns selbst nicht gut sorgen können?
Seit ich denken kann, habe ich Tiere über alles geliebt. Schon als Heranwachsende habe ich sehen können, welche Bedürfnisse unsere Haustiere haben, dass diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden und wie sehr Haustiere leiden. Ich fühle, was sie fühlen, als wären es meine eigenen Gefühle. Es ist kein Mitleiden, aber ein tiefes Verständnis für die Seelen unserer Tiere. Und ich spüre eine tiefe Sehnsucht danach, dass alle Tiere frei und wild sein dürfen. Dass es keine Tierhaltung durch den Menschen mehr gibt. Diese Sehnsucht zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, vor allem auch durch die Haltung aller meiner eigenen Tiere. Auch ich „benutze“ Tiere in gewisser Weise. Ich brauche ihr heilendes Energiefeld, ihre bedingungslose Liebe. Sie helfen mir auf meinem Weg, unser aller Verbundenheit miteinander zu verstehen und mehr Liebe zu leben.
Pferde haben seit meiner frühesten Kindheit einen besonderen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen, ich fühle mich ihnen auf magische Weise verbunden. Vielleicht deshalb, weil sie wie kaum ein anderes Tier mehrere Aspekte auf einmal verkörpern, nach denen wir Menschen uns sehnen: Freiheit, Stärke, Wildheit, Ungebundenheit, Kraft, Lebensfreude, Mystik.
Kein anderes Tier ist so untrennbar mit der Menschheitsgeschichte und dem Lauf des Weltgeschehens verbunden wie das Pferd. Ohne das Pferd hätte das Weltgeschehen einen sicherlich sehr anderen Verlauf genommen. Diese herrlichen, kraftvollen, magischen Tiere erdulden so viel Leid durch uns Menschen, ohne sich wirklich ernsthaft zur Wehr zu setzen. Sie könnten leicht ihre Kräfte gegen uns Menschen einsetzen, die sie einsperren und schlecht behandeln. Sie tun es aus irgendeinem Grunde nicht. Vielmehr ertragen sie still, was wir ihnen antun und begegnen uns trotzdem mit Hingabe, bedingungsloser Liebe und Verzeihen. In meinem bisherigen Leben habe ich viele Pferde erleben und beobachten dürfen, unglückliche wie glückliche. Wenn es möglich wäre, würde ich noch heute alle domestizierten Pferde freilassen wollen. Bis Pferdehaltung (und Tierhaltung generell) durch den Menschen hoffentlich irgendwann mal abgeschafft ist, wünsche ich mir, dazu beitragen zu können, dass unsere domestizierten Pferde ein Leben führen dürfen, in dem sie alles bekommen, was sie brauchen, um körperlich und psychisch vollkommen gesund sein zu können.
Unsere Haustiere sind unsere Spiegel: was wir ihnen antun, tun wir uns selbst auch an. Je mehr sie leiden, je kränker sie sind und je schlechter wir sie behandeln, umso mehr zeigt uns das, was wir uns selbst antun. Sehen und erfüllen wir ihre Bedürfnisse, so können wir nicht länger blind für unsere eigenen sein. Sind wir gut zu uns selbst, so ist es uns unmöglich, unsere Tiere auf eine Art zu halten, die sie leiden lässt. Alles ist miteinander verbunden…
Meine eigenen Pferde zeigen mir jeden Tag aufs Neue, dass es möglich ist, ein Pferd in Gefangenschaft zu halten und ihm trotzdem ein in jeder Hinsicht artgerechtes Leben zu bieten, das den Schutz durch den Menschen mit einem grösstmöglichen Mass an „Freiheit“, Gesundheit auf allen Ebenen und Gleichberechtigung vereint. Meine Pferde sind glücklich, das ist ihnen deutlich anzusehen. Ich bin unendlich dankbar dafür, von ihnen lernen zu dürfen und mich ihnen jeden Tag in tiefer Liebe verbunden zu fühlen. Und es erfüllt mich mit unbeschreiblichem Glück, sie glücklich zu sehen.
Ich schreibe dieses Buch aus der Tiefe meines Herzens. Ich schreibe es aus tiefer Liebe zu insbesondere allen Pferden dieser Welt, aber auch zu allen anderen Tieren. Und aus Liebe zu allem, was unser aller Schöpfer geschaffen hat, uns Menschen inbegriffen.
Silke Nordfjäll, Nordschweden 12/2017
Was ein domestiziertes Pferd von einem wilden unterscheidet ist, dass es vom Menschen gehalten wird und der Mensch in allem über das Pferd und dessen Leben bestimmt. Ansonsten sind wilde und domestizierte Pferde gleich, wenn man dem domestizierten Pferd denn erlauben würde, sich frei „auszuleben“.
Domestizierte Pferde haben die gleichen Grundbedürfnisse bzw. Triebe wie ihre wilden Verwandten, sie brauchen Nahrung und wollen sich vermehren. Sie werden von den gleichen Instinkten geleitet, zeigen das gleiche Verhalten und haben die gleichen erweiterten Bedürfnisse. Und sie sprechen die gleiche „Sprache“ wie Wildpferde. All dies ist unzerstörbar durch den Menschen bzw. die Domestizierung.
Ein Pferd braucht den Menschen nicht, auch das domestizierte Pferd nicht. Immer wieder verwildern domestizierte Pferde, vermehren sich und kommen ohne Probleme ohne den Menschen klar, obwohl sie nicht von Geburt an frei und wild waren. Wir machen das domestizierte Pferd von uns abhängig, indem wir es einsperren, so dass es sich nicht mehr selbst Nahrung beschaffen oder sich bewegen kann. Wenn das Pferd selbst wählen könnte, würde es nicht freiwillig in Gefangenschaft bei den Menschen leben. Wir Menschen nehmen uns einfach das Recht heraus, ein Pferd in Unfreiheit zu halten. Jedes Pferd – wie jedes andere Tier und jeder Mensch auch - strebt in seinem Inneren nach Freiheit und sucht mehr oder weniger nach Möglichkeiten, „frei“ zu werden. Die meisten Pferdehalter sehen sich damit konfrontiert, dass ihre Pferde bisweilen aus Weiden oder Ställen und Boxen ausbrechen. Der Erfindungsreichtum, getrieben durch den unstillbaren Freiheitshunger, ist oft erstaunlich. Je mehr ein domestiziertes Pferd eingesperrt ist und je weiter entfernt von einem freien, artgerechten Leben, desto stärker ist der Freiheitsdrang oft ausgeprägt.
Wer jemals Filme über wilde Pferde gesehen hat, die vom Menschen eingefangen werden und verzweifelt um ihre Freiheit kämpfen, der bekommt vielleicht eine Ahnung im Herzen, was Freiheit für ein Tier und ein Lebewesen generell bedeutet. Oder wer eingesperrte Hunde in Hundegehegen beobachtet, die sich in stundenlanger Arbeit frei graben und unermüdlich immer wieder nach Fluchtmöglichkeiten suchen. Menschen in Unfreiheit (in Sklaverei, Gefängnissen oder diktatorischen Systemen) haben zu allen Zeiten ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um frei zu sein. Die Sehnsucht nach Freiheit ist in uns allen! Unauslöschlich. Ein domestiziertes Pferd „kämpft“ nicht um Freiheit, weil es echte Freiheit nie kennen gelernt hat. Es „weiss“ nicht, wofür es kämpfen sollte. Es fühlt lediglich einen nie schweigenden Drang, nach Freiheit zu suchen und zu streben. Und der Mensch ist darüber hinaus auch intellektuell „stärker“ und dem Pferd somit überlegen, er kann Festungen bauen, aus denen auch ein Pferd nicht hinauskommt.
Die beiden grundlegenden Triebe eines Pferdes sind die Nahrungsbeschaffung und der Sexualtrieb. Beide sind unauslöschlich. Letzteren kann der Mensch lediglich dämpfen bzw. wegoperieren, indem er Hengste kastriert. Lässt er das Pferd jedoch in seinem Geschlecht unangetastet, so kann er diesen Trieb niemals kontrollieren. Den Trieb zur Nahrungsbeschaffung kann er auch nicht abstellen, so sehr er das Pferd satt füttert. Dies ist genauso bei z.B. Hunden und Katzen, sie fühlen sich trotz voller Mägen und ausreichender Fütterung durch den Menschen getrieben zu Jagd und Nahrungssuche.
Das Pferd wurde als Vegetarier geschaffen, das sich - wenn vorhanden – hauptsächlich von Gras ernährt. Bis zu 16 Stunden am Tag verbringt ein wildes Pferd mit der Nahrungsaufnahme, sein Magen ist dafür gemacht, nahezu permanent kleine Mengen Gras, Laub, Bodengewächse etc. aufzunehmen. Im Gegensatz zum Menschen muss ein Pferd nahezu permanent kleine Mengen (Gras) fressen können, auf einige wenige, stark sättigende Mahlzeiten ist der pferdische Magen nicht ausgelegt. Der Magen des domestizierten Pferdes funktioniert exakt wie der des wilden Pferdes.
Das Pferd wurde dazu geschaffen, seine Nahrung vom Boden aufzunehmen. Da in der Natur alles perfekt und im Gleichgewicht ist, nimmt das Pferd seine Nahrung in einer Körperhaltung auf, die optimal für es ist. Bis zu 16 Stunden täglich nimmt es mit gesenktem Hals bzw. Kopf Gras auf. In dieser Körperhaltung ist der Körper des Pferdes maximal entspannt, das bedeutet vor allem Muskeln, Sehnen und Bänder und auch Wirbel des Rückens. Dies ist bekannt und sorgt dafür, dass in den klassischen Reitdisziplinen danach gestrebt wird, das Pferd vorwärts-abwärts zu reiten, damit das Pferd das Gewicht des Reiters auf seinem Rücken dadurch angeblich am Besten (ver) tragen kann.
In freier Wildbahn bewegt sich ein Pferd beim Grasfressen permanent langsam vorwärts, nur beim Ruhen oder Dösen bleibt es still auf der Stelle stehen. Zur Nahrungsaufnahme bewegt es sich also IMMER vorwärts. Es zieht bei der Nahrungsaufnahme in freier Wildbahn zu immer neuen Stellen bzw. Weideflächen, so dass es nicht wieder dort frisst, wo es zuvor Pferdeäpfel zurückgelassen hat. Auf diese Weise kann es in freier Natur auch keine Wurmlarven wieder aufnehmen, die es in der Nähe seiner ausgeschiedenen Pferdeäpfel gibt.
In der Natur lebt das Pferd immer im Herdenverband. Lediglich aus ihrer Ursprungsherde verjagte Junghengste leben eine gewisse Zeit alleine, bis sie eine eigene Herde zusammenrauben oder während sie sich vorübergehend mit anderen einsamen Junghengsten zusammenschliessen. Auch erfahrene, ältere Hengste, denen durch jüngere Hengste ihre Herde abgejagt wurde, können zeitweise alleine sein. Natürliche Pferdeherden bestehen aus Pferden allen Alters, Stuten und Fohlen samt Junghengsten bis zur Geschlechtsreife und einem Hengst. Angeführt werden die Herden von einer erfahrenen Stute, die die Herde zu Wasserstellen und Weideflächen führt. Der Hengst bildet die Nachhut und verteidigt die Herdenmitglieder nach aussen vor Angreifern. Als gejagtes Beutetier findet das Pferd nur im Herdenverband Schutz, nur die Herde stellt Überleben sicher. Alleine zu sein stellt für ein Pferd einen grossen Stressfaktor dar, es kommt in freier Wildbahn nahezu einem Todesurteil gleich. In der Herde lernt das Pferd Sozialverhalten, stillt sein Bedürfnis nach Nähe, (Körper) Kontakt und Austausch. Eine Pferdeherde ist streng hierarchisch aufgebaut, jedes Tier hat seinen festen Platz in der Rangordnung, welcher sich nach oben oder unten verschieben kann und meist schnell ausgekämpft ist. Die feste Hierarchie der Herde gibt dem Pferd Sicherheit und Struktur, ein rangniederes Tier leidet nicht unter seiner Position. Solche Bewertungen sind menschlich, in der Welt des Pferdes gibt es sie nicht. Die Rangordnung legt fest, dass ein ranghöheres Tier Vortritt bei Futter und Wasser hat und wer hinter wem herzugehen hat. Feste Hierarchien dienen auch dem Schutz der gesamten Herde, da in gefährlichen oder kritischen Situationen keine Zeit für Rangordnungsdispute wäre. Rangordnungen in tierischen Verbänden dienen immer alleine der Ordnung und Struktur, niemals dem Zweck, Macht über Unterlegene auszuüben, sie zu mobben oder zu unterdrücken. Dieses Phänomen findet man nur in menschlichen Gemeinschaften.
Wilde Herden bleiben meist in Sichtweite oder zumindest Rufkontakt miteinander, lediglich Hengste entfernen sich manchmal weiter von der Herde, um auszukundschaften, zu verteidigen oder Herdenmitglieder zurückzujagen. Pferde kommunizieren vor allem über Telepathie, Körpersprache, Gesten und Gebärden miteinander, weniger über Laute. Laute könnten in freier Natur Raubtiere auf die Herde aufmerksam machen.
Pferde dösen im Stehen und schlafen im Liegen. Zum Tiefschlafen legen sie sich flach auf die Seite und strecken die Beine lang von sich. Nur beim Tiefschlafen können sich Körper und Geist voll regenerieren, genau wie beim Menschen. Deshalb ist es so wichtig für das Pferd, genügend Platz zum ausgestreckt Liegen zu haben. Ein wildes Pferd döst oder schläft nur dann, wenn ein anderes Pferd Wache hält, weil es nur dann sicher sein kann, nicht angegriffen zu werden.
In freier Natur legt ein Pferd täglich viele Kilometer zurück, weidend und sich dabei langsam im Schritt vorwärtsbewegend, manchmal trabend oder galoppierend auf dem Weg zu anderen Weideflächen oder auf der Flucht vor Angreifern. Es spielt und kämpft manchmal (Letzteres spielerisch oder zur Rangordnungsklärung) mit anderen Pferden. Das Pferd ist ein Bewegungstier und so gut wie immer in Bewegung, wenn es nicht döst oder schläft.
Das Pferd wurde mit einem perfekten Fell geschaffen, das sich Jahreszeiten und Anforderungen automatisch anpasst. Es hält Regen und Wind durch eine natürliche Fettschicht ab, schützt gegen Kälte, wächst länger und dichter wenn es kälter wird und fällt automatisch aus, wenn es wärmer wird. Bei Wind, Regen oder Sturm stellt sich das Pferd instinktiv mit der Kruppe/Hinterteil zur Wetterseite, die Schweifrübe mit dem etwas seitlich abstehenden und ständig nachwachsenden Schweifhaar schützt dabei den After. Wenn Regen unangenehm wird, sucht das Pferd Schutz unter Bäumen o.ä., wenn vorhanden. Mähne und Schweif helfen bei der Insektenabwehr, der natürlich lange Schopf schützt die Augen und vertreibt beim Schütteln Insekten, genauso wie der Schweif. Zum Schutz vor Insekten wälzt sich das Pferd im Schlamm, es wälzt sich wenn es juckt, z.B. besonders beim Fellwechsel und auch, um eine ranghöhere Position zu demonstrieren, indem es sich auf genau der Stelle wälzt, wo ein rangniederes Tier sich zuvor gewälzt hat. Das wilde Pferd selbst bestimmt, wann es von insektengeplagten Stellen verschwindet, es ist völlig frei darin, sich dort aufzuhalten, wo es sich am Besten fühlt.
In der Natur geht das Pferd barfuss, selbst auf abriebstarken oder harten Flächen wie in Wüsten oder Geröll und bei vielen Kilometern Beanspruchung täglich reguliert sich der Huf dabei von selbst. Er wird gleichmässig abgenutzt, durchblutet, „lebt“ und ist flexibel, dehnt sich nach Bedarf aus und zieht sich zusammen. Gelenke, Sehnen und Bänder passen sich sowohl weichen wie auch harten Untergründen ohne Probleme und automatisch an, in der Natur läuft und steht das Pferd immer wieder auf unterschiedlich harten und weichen Untergründen, ebenen und unebenen, auch auf trockenen sowie nassen Böden, so dass der Huf auch automatisch die lebensnotwendige Feuchte bekommt. Das gesunde, unverletzte Pferd wählt instinktiv eine Körperhaltung, die für es am bequemsten und gesündesten ist, wenn es sich im Schritt, Trab oder Galopp vorwärtsbewegt. Im entspannten, also ungejagten oder ungestressten Zustand ist der Hals dabei etwas gesenkt, das Pferd wölbt den Hals dabei selbst so viel, wie es für es bequem ist, der Kopf wird dabei aufrecht gehalten, nicht wie beim versammelten Reiten mit der Stirnlinie in der Senkrechten.
Durch den permanenten Gebrauch der Zähne beim Kauen von Gras, Büschen, Blättern etc. werden die Zähne perfekt abgenutzt, so dass in der Natur beim gesunden Tier keine Regulation bzw. Raspeln der Zähne erforderlich ist.
Das Wesen des domestizierten Pferdes, das wir im Zusammenleben mit uns Menschen erleben dürfen, lässt sich wie folgt beschreiben. Pferde sind hyper-wachsam, d.h. sie nehmen alles um sie herum wahr, was ist und geschieht. Sie sehen, hören, riechen, fühlen und nehmen energetisch wahr. Mit Letzterem ist gemeint, dass sie Schwingungen und Energien von Lebewesen und Dingen wahrnehmen, die wir Menschen oftmals nicht registrieren. Pferde spiegeln uns Menschen und lassen sich durch kein noch so gutes „Theater“ täuschen. Ein Mensch kann z.B. nach aussen hin vorgaukeln, er sei selbstsicher, in Wirklichkeit aber ist er unsicher. Das Pferd wird durch ihn auch unsicher werden und wenn es die Möglichkeit hat, vom Menschen wegzukommen versuchen.
Pferde haben perfekte soziale Fähigkeiten, die sie dem Menschen gegenüber zeigen. Sie akzeptieren, sind tolerant, freundlich, respektvoll, ehrlich, gerecht, sie urteilen niemals, sind mitfühlend und verzeihen. Wie alle Tiere leben sie im Hier und Jetzt. Sie schenken uns bedingungslose Liebe. Und sie fordern nichts von uns Menschen.
Pferde haben eine magische Wirkung auf viele Menschen. Sie füllen etwas in unseren Herzen und machen, dass wir uns in ihrer Gegenwart gut fühlen. Sie lassen uns Zeit und Raum vergessen und nehmen uns mit in einen Raum des reinen Seins. Pferde heilen etwas in uns Menschen, von dem wir oft nicht wissen, dass es Heilung braucht…
In der Natur ist alles im perfekten Gleichgewicht, sowohl was die physische als auch psychische Gesundheit eines Pferdes betrifft. (Lediglich bei mangelndem Futterangebot ist das Gleichgewicht für das Pferd selbst nicht vorhanden, es ist zu mager, stirbt an Unterernährung oder als leichte Beute. In einem größeren Zusammenhang jedoch macht dies immer seinen Sinn, da die Natur damit anderweitig Gleichgewicht herstellt.)
In der Natur gibt es weder übergewichtige, neurotische, verspannte, asoziale noch verhaltensgestörte Pferde. Alles körperliche und psychische Ungleichgewicht in und an Pferden, nahezu alle Krankheiten, alle Verhaltensstörungen, treten ausschliesslich bei der Haltung durch den Menschen oder unsere Einmischung in den freien Lauf der Natur durch Zucht auf. Dies ist übrigens bei der Haltung und Zucht aller Tiere durch den Menschen so, bei Nutztieren wie Haustieren. Durch Beeinflussung und genetische Selektion durch den Menschen werden Krankheiten verursacht oder begünstigt, ebenso wie durch nicht artgerechte Haltung.
