Fallen Courts 2: Divide - Tine Bätcke - E-Book

Fallen Courts 2: Divide E-Book

Tine Bätcke

0,0
4,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Düster-romantische Fae-Fantasy Tarmo hat sein Versprechen, Key zu beschützen, gebrochen und sein Versagen hat schwerwiegende Folgen. Einen gebrochenen Schwur zahlen Fae mit ihren Erinnerungen. Die Zeit drängt. Schließlich führt ihn die Suche nach Key in die Anderwelt, denn er ist nicht nur der Statthalter von Hopetown, sondern auch der Fürst des Winterreiches. Indes fasst Key einen neuen Plan, um die Fae zu besiegen. Doch die Rebellen haben ihre eigenen Ziele und zwingen Key, an zwei Fronten zu kämpfen … Young Adult Romantasy wie wir sie lieben – eine Slow Burn Romance, durchtriebene Fae und eine Heldin, die zwischen den Welten steht. //Dies ist der zweite Band der »Fallen Courts«-Trilogie. Alle Romane der Fae-Fantasy-Serie im Loomlight-Verlag:  - Fallen Courts 1: Conquer - Fallen Courts 2: Divide - Fallen Courts 3: Unite (erscheint vrsl. im Herbst 2025)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Das Buch

Selbst wenn die ganze Welt in Dunkelheit versinkt, gibt es ein Licht, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Tarmo hat sein Versprechen gebrochen, Key zu beschützen. Damit beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn einen gebrochenen Schwur bezahlen die Fae mit ihren Erinnerungen. Um diese zurückzuerlangen, muss Tarmo Key finden. Seine Suche führt ihn schließlich in die Anderwelt, doch dort erwartet ihn ein Strudel aus Feinden und Intrigen. Key fasst unterdessen einen neuen Plan, um die Fae zu besiegen. Doch die Rebellen haben ihre eigenen Ziele und zwingen sie, an zwei Fronten zu kämpfen …

Der zweite Band der Fallen Courts-Trilogie

Die Autorin

© Privat

Tine Bätcke wurde in Braunschweig geboren und absolvierte ein Lehramtsstudium in Braunschweig und Köln. Wenn sie nicht gerade dabei ist, der Sonne in dieser Welt hinterherzureisen, lebt sie mit den letzten Familienmitgliedern, die noch nicht flügge geworden sind, in einem winzigen Dorf in der ›Toskana Südostniedersachsens‹ mit ganz viel Blick auf freies Feld und ganz viel Ruhe – die perfekte Umgebung, um den Geschichten im Kopf genügend Raum zum Wachsen zu geben.

Für mehr Informationen über Tine Bätcke und ihre Bücher folgt der Autorin auf TikTok: @tine_baetcke

Tine Bätcke auf Instagram: www.instagram.com/tine_baetcke/

Der Verlag

Du liebst Geschichten? Wir bei Loomlight auch!Wir wählen unsere Geschichten sorgfältig aus, überarbeiten sie gründlich mit Autor:innen und Übersetzer:innen, gestalten sie gemeinsam mit Illustrator:innen und produzieren sie als Bücher in bester Qualität für euch.

Deshalb sind alle Inhalte dieses E-Books urheberrechtlich geschützt. Du als Käufer erwirbst eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf deinen Lesegeräten. Unsere E-Books haben eine nicht direkt sichtbare technische Markierung, die die Bestellnummer enthält (digitales Wasserzeichen). Im Falle einer illegalen Verwendung kann diese zurückverfolgt werden.

Mehr über unsere Bücher und Autor:innen auf:www.thienemann.de

Loomlight auf Instagram:https://www.instagram.com/loomlightverlag

Loomlight auf TikTok:https://www.tiktok.com/@thienemannverlage

Und hier kommst du direkt zu unseren Events und Lesungen:www.thienemann.de/events-lesungen

Viel Spaß beim Lesen!

Tine Bätcke

Fallen Courts

Divide

Loomlight

Liebe Leser:innen,

dieser Roman enthält potenziell triggernde Inhalte.

Auf der vorletzten Seite findest du eine Themenübersicht,

die Spoiler für die Geschichte beinhaltet.

Entscheide bitte für dich selbst, ob du diese

Warnung liest.

Wir wünschen dir das bestmögliche Leseerlebnis!

Tine Bätcke und das Loomlight-Team

Personenverzeichnis

Key

Beste Wächterin Hopetowns und sog. Göttin des DEAE-Projekts

Menschen

Rylan

der beste Wächter von Hopetown und Keys engster Freund

Luke

Keys kleiner Bruder

Jaden

Wächter, Keys Ex-Freund

Mace

Wächter, sehr guter Freund von Key und Rylan

Clare

Rylans Mutter

Ruby

Rylans jüngere Schwester

Helen

Rebellin, die im Stadtpalast lebt

Megan

Wächterin, Keys ehemalige Konkurrentin und Nummer eins ihres Jahrgangs (inzwischen im Labor verstorben)

Jenna

ehemalige Wächterin, lebt im Rebellenlager (die große Liebe von Aiven)

Derek

IT-Mitarbeiter an der Akademie in Hopetown

Fae

Tarmo

Statthalter in Hopetown, Fürst des Winterhofs, Anführer der Rebellen

Arcon

König der Fae

Kail

Tarmos engster Freund (aus dem Sommerreich)

Niven

Tarmos Freund und Hlíns ehemalige große Liebe (Winterreich)

Aiven

Fürst des Sommerhofs und Tarmos Freund

Sayo

stellvertretender Fürst des Winterhofs

Cenan

Statthalter von Star City, Tarmos größter ­Widersacher in Breyta

Arran

Tarmos Nachfolger als Statthalter von Hopetown

Aodh

Cenans engster Berater

Glyn

Statthalter von Dream Village

Jaán

Tarmos Vorgänger als Fürst des Winterhofs

Lichtelfen

Niamh

Königin der Elfen, Engelchen im Inner Circle

Aeryn

Fürstin des Frühlingshofs, die Schuld im Inner Circle

Farlan

Nerd im Inner Circle

Cuinn

Ewiger Zweifler im Inner Circle, Heiler im Dorf der Elfen

Enya

Fünfjähriges Naseweis im Inner Circle

Fineen

Hyperaktiver Gummiball im Inner Circle

Norya

Durchgeknallte Irre im Inner Circle

Hya

Heimliche Motivatorin im Inner Circle

Rhain

Dummdreister Kackenhauer im Inner Circle

Erock

Unerträglicher Klugscheißer im Inner Circle

Maven

Unsägliche Nervensäge im Inner Circle

Hlín

Keys Mutter, im Labor verstorben

Dunkelelfen

Carden

Fürst des Herbsthofes

Yorn

Sexy Dunkelelf und Spider-Mans Angebeteter

Geister

Spider-Man

Wassergeist in Tarmos Gefolge

Aristoteles

Luftgeist in Cardens Gefolge

Veriden

Luftgeister Arcons, die Lügen enttarnen können

1 Tarmo

Ich diktiere eine Nachricht für Kail in meinen Tracker. Ich brauche einen verdammten Hubschrauber. Das Prickeln zwischen meinen Schulterblättern wird unerträglich. Wut flammt in mir auf. Ich will etwas zerstören. Dennoch tue ich nichts dergleichen. Weil sich nämlich ein Rest von Vernunft in mir meldet, der sagt, dass Zerstörung nicht weiterhilft.

Nachdem ich ein paar Mal tief durchgeatmet habe, rufe ich in Gedanken meinen Wassergeist, erhalte jedoch keine Antwort. Warum ist der Scheißkerl nie auf Empfang, wenn man ihn braucht? Dschinni?, versuche ich es erneut. Ich brauche dich, und zwar mehr als dringend. Also beweg bitte umgehend deinen grünen Hintern hierher und melde dich.

Die Pause bis zu seiner Antwort dauert mir eindeutig zu lang. Ich heiße nicht mehr Dschinni.

Mein Wunsch nach Zerstörung verwandelt sich spontan in akute Mordlust. Es ist mir scheißegal, wie du heißt. Komm her!

Ich höre ein zickiges Schnauben. Du musst mich schon bei meinem Namen rufen, sonst werde ich nicht zu dir kommen, das weißt du.

Mit einem animalischen Schrei schmettere ich die Karaffe mit Wasser, die bis vor einer Sekunde noch auf dem Wohnzimmertisch stand, an die Wand, wo sie in tausend Scherben zersplittert. Die klare Flüssigkeit rinnt an dem weißen Putz herunter und ich schließe die Augen. Bitte, Geist in meinem Gefolge, nenn mir deinen neuen Namen. … ich brauche deine Hilfe. Betteln ist mir zuwider, aber der Kerl hat so viele alberne Befindlichkeiten, dass ein bisschen Demut für den Moment vielleicht hilft.

Spider-Man.

Scheiße. Er hat das Marvel-Imperium entdeckt. Das ist sogar uns Fae heilig. Also gut, Spider-Man. Komm bitte zu mir.

Nur einen Wimpernschlag später manifestiert sich der Wassergeist schwebend vor meinen Augen und nach nur einem weiteren Blinzeln trifft ihn meine Faust. Sein Körper gerät etwas aus der Form und knallt an die Wand, an der noch immer Wassertropfen herunterlaufen. Eine Dampfwolke löst sich aus ihm und schwebt nach oben, dann vernehme ich ein geflüstertes ›Arschloch‹. Sein leuchtender Körper wabert ein paar Sekunden, bis er sich wieder manifestiert und er beleidigt die Arme vor der Brust verschränkt. »Wofür war der jetzt?«

»Für beschissenes Timing«, entgegne ich grollend. »Und eine neue Nummer eins auf der Liste der dämlichsten Namen.«

»Der ist nicht dämlich. Ich habe da ein paar Parallelen entdeckt, die …«

»Bitte«, presse ich um Beherrschung bemüht hervor. »Du kannst es mir später erzählen. Es interessiert mich wirklich. Aber jetzt haben wir keine Zeit. Es ist dringend.«

Meine beschwichtigenden Worte scheinen die richtige Wirkung zu haben, denn er schwebt gemächlich Richtung Sofa, wo er seine schimmernde grüne Schwanzflosse verschwinden lässt und nun in zerschlissener Jeans und einem – was auch sonst – Spider-Man-T-Shirt vor mir sitzt. Seine kurzen verstrubbelten Haare sind momentan grün gefärbt und ein ganzes Arsenal von Ringen ziert seine Finger und eine Menge andere Körperteile, die man durchbohren kann. Er greift nach dem Glas auf dem Tisch, in dem noch ein Rest Wasser ist, und leert es in einem Zug. »Ein Mojito wäre zur Begrüßung schön gewesen, Süßer, aber dazu hast du vermutlich ebenfalls keine Zeit, hm?«

Ich schüttele resigniert den Kopf. »Nein. Aber wenn Rum pur auch geht, kannst du gerne einen haben.«

Spider-Man zieht seine Nase glücklich beseelt kraus und zwinkert mir zu. »Du bist ein Schatz.«

»Du nicht.«

»Ach, Schnuckelchen«, entgegnet er gewohnt empört. »Du wirst mich eines Tages noch schätzen lernen.«

»Ja, aber der Tag liegt vermutlich in weiter Ferne.« Im Moment bin ich ihm schon dankbar, dass er seine menschliche Gestalt angenommen hat. In dieser Form ist er für alle sichtbar und wenn Kail gleich eintrifft, wirkt unsere Unterhaltung nicht ganz so bescheuert. Ich gehe zu der Anrichte aus dunklem Kirschbaumholz, öffne die Türen und nehme eine Flasche Rum und ein Glas heraus. Sein geflötetes »Danke« geht jedoch bereits im Rattern der Rotorblätter unter, die sich dem Haus nähern.

Eine Viertelstunde später sitzen Kail, Niven, Rylan und ein Rum trinkender Wassergeist auf meinem Sofa. Und ein blonder Junge, der mich viel zu ängstlich ansieht. Ich ahne, dass ich ihn kennen müsste, bin aber noch nicht bereit, das gebrochene Versprechen auf den Tisch zu bringen.

»Okay, wie ist sie dir dieses Mal abhandengekommen?«, erkundigt sich Kail leicht spöttisch.

»Sie ist mir nicht abhandengekommen. Sie wurde gekidnappt.« Jeglicher Spott verschwindet aus dem Gesicht meines besten Freundes und ich registriere nebenbei, dass der blonde Junge kreidebleich wird.

»Von wem?«

»Sie haben sich mir nicht vorgestellt«, erwidere ich brummend und fahre mir mit der Hand durch die Haare. »Ich denke, es waren zwei Fae. Es ging zu schnell, um irgendetwas genau zu erkennen. Sie haben sie von der Terrasse geklaubt und sind mit ihr fortgeflogen.« Und ich konnte ihnen nicht folgen, schiebt mein Schuldgefühl hinterher. Weil ich es damals zu weit getrieben habe. Weil ich meine Flügel für sie geopfert habe.

Niven sieht mich nachdenklich an. »Bist du sicher, dass es Fae waren, oder könnten es auch Elfen gewesen sein?«

Unsere Flügel sehen sich verdammt ähnlich, seine Frage ist nicht unberechtigt. »Es war dunkel. Ich bin keine verfluchte Katze, die nachts alles glasklar erkennen kann«, schieße ich dennoch zurück. Keiner von ihnen kann etwas für das, was passiert ist, doch mein eigener Frust und die Wut auf meine verlorenen Flügel sind so groß, dass ich ein Ventil brauche. »Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich tendiere in Richtung Fae. Welches Motiv hätten die Elfen, sie zu kidnappen?«

Rylan zuckt mit den Schultern. »Was ist mit den Dunkelelfen?«

»Wäre ’ne Option«, räumt Kail ein, »aber wahrscheinlicher ist, dass die Pisser in der Hauptstadt irgendwie erfahren haben, dass Key noch am Leben ist und sich jetzt holen, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.«

Spider-Man schenkt sich seinen zweiten Rum ein und sieht sich grübelnd in der Runde um. »Ich lausche euch wirklich gerne und grundsätzlich reicht es mir, den Anblick von euch Zuckerschnuten einfach zu genießen, aber es wäre jetzt doch schön, wenn ihr mich ein wenig erhellen würdet. Wen haben wir denn überhaupt verloren?«

Der blonde Junge blickt zum ersten Mal auf und holt Luft. »Meine Schwester.«

Scheiße. So was in der Art hatte ich befürchtet. Kail sieht mich durchdringend an, er kennt mich zu gut und hat meinen erschrockenen Blick bemerkt. »Niven, kannst du bitte den trinkwütigen Geist aufklären? Ich werde mich mit Tarmo mal draußen umsehen. Vielleicht finden wir irgendeinen Hinweis.«

Niven verdreht die Augen, nickt aber. Auf der Terrasse angekommen zieht Kail die Tür hinter uns zu und mich außer Sichtweite der anderen. »Tarmo, was geht hier vor?« Ich neige den Kopf und sehe ihn fragend an. »Du hast Luke nicht erkannt, stimmt’s?«

»Nein«, gestehe ich flüsternd.

»Verdammt.« Kails Stimme ist nur noch ein Hauchen. Er weiß sofort, was das bedeutet. »Dein Versprechen.«

Ich schlucke. Neunzehn Jahre lang habe ich es geschafft, Key vor den Machenschaften der anderen Fae zu beschützen, so wie ich es ihrer Mutter versprochen habe. Aber mit ihrer Entführung wurde mir jegliche Möglichkeit genommen, mein Gelübde weiter zu erfüllen.

Ein erneuter Anflug von Verzweiflung breitet sich in mir aus. Ich hätte nicht gedacht, dass das Vergessen dermaßen zeitnah einsetzt. »Kail, ich muss sie finden. Unbedingt.«

Mein bester Freund mustert mich mit zusammengekniffenen Augen. »Es geht nicht nur um deine Erinnerungen, stimmt’s? Sie bedeutet dir sehr viel mehr, als du uns bis jetzt hast glauben lassen.«

Ich zucke etwas unbestimmt mit den Schultern. Es geht um so viel mehr. Um ihr Wesen. Ihre wirkliche Bestimmung. Dabei würde es eindeutig reichen, wenn es bloß um meine Gefühle für sie gehen würde. Aber es ist kein guter Moment, um ihm zu erklären, dass ich dieses starrsinnige Mädchen möglicherweise mehr liebe als jedes Geschöpf, das mir jemals begegnet ist. Offensichtlich steht mir diese Tatsache jedoch deutlich ins Gesicht geschrieben, denn mein bester Freund legt mir eine Hand auf die Schulter. »Dann sollten wir uns beeilen.«

Bevor wir wieder ins Haus gehen, sehen wir uns tatsächlich auf der Terrasse um, entdecken aber nichts. Das hier ist schließlich keine Schnitzeljagd, bei der großzügig Hinweise verteilt werden. Drinnen ist Spider-Man inzwischen auf den neuesten Stand gebracht worden und wenn ich das richtig sehe, ist er bei seinem dritten Rum angekommen.

»Habt ihr was gefunden?«, erkundigt sich Niven, doch wir können nur mit einem Kopfschütteln antworten. »War zu erwarten. Also, wo zuerst? In der Hauptstadt oder in Hopetown? Oder müssen wir Dream Village ebenfalls in Betracht ziehen?«

»Wir sollten alles in Betracht ziehen. Im schlimmsten Fall auch die Anderwelt oder …«

Ich würge den Gedanken an die Erde ab. Die Anderwelt ist schon groß. Aber wenn sie weder dort noch hier in Breyta ist, haben wir keine Chance.

»Wir sollten uns zunächst auf die drei Städte aufteilen«, bringt Spider-Man eine erste produktive Aussage auf den Tisch. »Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sie dein Häschen in der weiten Welt der einfachen Menschen versteckt haben.«

»Sie ist kein Häschen.«

Der Geist hebt beschwichtigend die Hände.

»Eher eine Mischung aus Bullterrier und störrischem Esel«, schiebt Kail murmelnd hinterher. »Typ mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-auch-wenn-die-aus-Stahlbeton-ist-und-dahinter-der-Teufel-wartet.«

»Könnten wir bitte aufhören, ihren Charakter zu sezieren? Ich glaube nicht, dass uns das bei der Suche hilft.«

»Nein, aber es ist sehr aufschlussreich, auf welchen Typ Frau du so stehst. War mir neu, dass du es mit Kampfschweinen aufnimmst.«

Ich werfe Spider-Man einen vernichtenden Blick zu. »Wenn du noch ein einziges Wort abseits eines Schlachtplans von dir gibst, werde ich dich in eine Flasche sperren. Und es wird kein Rum drin sein.«

»Leute, jetzt mal zur Sache«, greift Niven in das Gespräch ein und ich bin ihm äußerst dankbar. Er ist eindeutig der Vernünftigste von uns. Mag daran liegen, dass er ein paar Hundert Jahre mehr auf dem Buckel hat als Kail und ich. Er fixiert meinen Wassergeist. »Warum glaubst du nicht, dass sie Key auf die Erde verschleppt haben?«

Spider-Man leert sein drittes Glas und lehnt sich nachdenklich zurück. »Wenn wir davon ausgehen, dass es Fae waren, die sie mitgenommen haben, welche Motivation könnten sie haben? In meinen Augen gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder wollen sie Keys Bestimmung einfordern, dann brauchen sie sie nicht mehr verstecken. Du bist ohnehin aufgeflogen. Sie lebt und sie war bei dir. Und bei deiner Vergangenheit, Schätzchen, ist ja wohl klar, dass sie dir nicht eine Sekunde glauben werden, dass du sie nicht selbst gerettet hast.«

Die anderen nicken. »Nicht nur das«, stimmt Niven zu. »Dann werden sie dich einbuchten und dieses Mal für immer.«

»Danke für diese überaus aufmunternden Worte. Es geht mir direkt sehr viel besser.«

Niven ignoriert mich und wendet sich erneut an den Geist, der sich ein weiteres Glas gönnt. »Was ist deiner Meinung nach die zweite Möglichkeit?«

»Sie können Key als Druckmittel benutzen. Dann allerdings möchten sie entweder, dass du sie findest und in eine Falle läufst oder sie werden sich ganz von allein melden.«

»Und wer kommt für eine solche Entführung infrage?«

Spider-Man nimmt einen großen Schluck, schlägt die Beine übereinander und lehnt sich entspannt auf dem Sofa zurück. »Keine Ahnung. Sagt es mir.«

Kail schnaubt. »Starke Theorie, Grünling. Ich bin beeindruckt.« Dann schenkt er sich ebenfalls ein Glas ein.

Und ich beginne zu grübeln, wer mich so sehr hasst, dass er mich aus dem Weg schaffen will. Oder zumindest ein Interesse daran hat, meiner Karriere ein Ende zu setzen. Leider fallen mir da ein paar mehr Leute ein.

»Okay«, fasse ich zusammen, »wir beginnen mit den drei Städten. Und wenn Ghosties Theorie stimmt, reicht es auch, sich zunächst in den Akademien umzusehen. Um Key ihrer Bestimmung zuzuführen, werden sie sie nicht in irgendeine dreckige Garage verschleppen. Dazu ist ihnen das Gelingen zu wichtig.«

Zum ersten Mal, seit wir hier sitzen, schaltet sich Rylan ein. »Tarmo, ich denke nicht, dass es schlau ist, wenn du auch nur einen Fuß in eine der Städte setzt. Falls es wirklich die Fae aus der Stadt waren, hat Niven recht. Dann bist du dran.«

»Netter Versuch, aber ich werde hier nicht untätig rumsitzen, während ihr Key sucht.«

»Nein, aber wie wäre es, wenn du zu den Elfen gehst? Du bist der Einzige von uns, der dorthin kann und wir sollten sie fragen, ob sie etwas von ihr gehört haben. Du hast gesagt, dass sie mit ihr im Geist kommunizieren können. Vielleicht hat Key sich an sie gewendet.«

Verdammt, warum bezieht ausgerechnet Rylan die Elfen in seine Überlegungen mit ein, obwohl er als Einziger zu der Anderwelt überhaupt keinen Bezug hat? Weil er sich besser in Key reindenkt, muss ich mir eingestehen und bin nicht zum ersten Mal froh, dass die beiden sich damals an der Akademie gefunden haben.

Als ich das Frühlingsreich heute morgen mit Key verlassen habe, hatte ich so viel Stress mit Niamh und Aeryn, dass ich die Elfen komplett ausgeblendet habe. Aber Key hat davon nichts mitbekommen, also ist es möglich, dass Rylan recht hat. Ich nicke. »Die Idee ist gut. Ich besuche die Elfen und du bringst Luke unter Wasser.«

Der Junge schnappt nach Luft und will etwas erwidern, aber Rylan kommt ihm zuvor. »Nein, Luke. Wir nehmen dich nicht mit. Wer auch immer deine Schwester in seinen Händen hat, du hast ihnen nichts entgegenzusetzen und wir wollen nicht noch jemanden verlieren.« Ihr Bruder kämpft mit seiner Wut, aber Rylan sieht ihn eindringlich an. »Key würde nicht wollen, dass du dich in Gefahr bringst. Das hat sie nie gewollt.« Jetzt mischen sich Tränen als zweiter Gegner in den Kampf mit ein. Ich kann es ihm nicht verdenken. Irgendein Gefühl sagt mir, dass die beiden sich sehr nahestehen.

»Ich sehe mich in Hopetown um«, erklärt Kail. »Und Niven sollte sich die Hauptstadtakademie vornehmen.«

»Na super«, beschwert sich Spider-Man. »Und ich darf in den Wald. Hauptgewinn.«

Kail sieht ihn grinsend an. »Ich versteh dein Problem nicht. Du bist als Einziger farblich auf den Wald abgestimmt. Mehr Deckung geht nicht.«

Anstatt einer Antwort schüttet der Geist das volle Glas Rum mit einem letzten Schluck in sich hinein und ich nehme ihm die Flasche weg. »Dann wollen wir mal. Wann immer ihr etwas Wichtiges herausfindet, meldet euch. Ansonsten treffen wir uns morgen Abend wieder hier.« Ich hoffe inständig, eher von ihnen zu hören, auch wenn das bedeuten würde, dass Key in irgendeinem Keller der Akademie an Dutzenden von Schläuchen hängt. Aber immerhin wüssten wir dann, wo sie ist.

Spider-Man flötet ein »Gutes Gelingen« zum Abschied und wird unsichtbar. Niven und Kail erheben sich in den Nachthimmel und Rylan, Luke und ich gehen zum Hubschrauber. Entgegen meiner Annahme brauche ich ihn doch noch nicht. Das nächste Tor zum Reich der Lichtelfen ist direkt hinter meinem Haus auf einem Hügel. Alles in mir sträubt sich dagegen, mich nicht aktiv an der Suche zu beteiligen, aber die anderen haben recht. Die Städte sind keine Option mehr für mich.

Die Rotorblätter beginnen bereits sich zu drehen, als ich Rylan noch einmal zur Seite ziehe. »Hack dich in den Computer im Archiv ein«, bitte ich ihn. »Er ist vom restlichen Netzwerk getrennt und ist der einzige, in dem die wirklich wichtigen Informationen hinterlegt sind. Wenn sie irgendetwas dokumentiert haben, was mit Key geschehen ist, dann da.«

Rylan nickt und schiebt Keys Bruder ins Cockpit, der inzwischen keinen Mucks mehr von sich gibt. Er tut mir leid. Ich beuge meinen Oberkörper durch die Tür und sehe ihn entschieden an. »Wir werden sie finden, okay? Du bist nicht der Einzige, der sie wiederhaben möchte.«

Er nickt, aber in seinen hellblauen Augen erkenne ich maßlose Angst. Wenn wir Key nicht finden, werde nicht nur ich daran zerbrechen.

2 Tarmo

Als ich das Reich des Frühlings betrete, bin ich wie jedes Mal von seiner Schönheit beeindruckt. Die Nächte bei den Elfen sind das ganze Jahr über nur wenige Stunden lang und sobald sie vorbei sind, strahlt die wärmende Sonne aus einem fast wolkenlosen Himmel. Das Reich der Lichtelfen hat unter der Wut der Götter eindeutig am wenigsten gelitten.

Sobald ich die grüne Ebene überquert habe und mich den außergewöhnlichen Häusern und Hütten nähere, stellt sich mir Aeryn in den Weg. Seit Keys Geburt gehe ich im Frühlingsreich ein und aus und muss zugeben, dass ich die Elfen erstaunlich gerne mag. Aber diese eine hier ist mir ein echter Dorn im Auge. Zugegebenermaßen bin ich für sie vermutlich ein ganzer Pfahl.

Ihre fast weißen Haare sind zu einer kunstvollen Flechtfrisur aufgesteckt, die hübsch sein könnte, wenn ihr verhärmtes Gesicht ihre Erscheinung nicht überlagern würde. »Hast du was vergessen, oder was willst du schon wieder hier, Fae?«, zischt sie mich unverhohlen feindselig an. »Wenn ich mich richtig erinnere, hattest du es heute Vormittag sehr eilig, von hier wegzukommen.«

»Stimmt, und ich weiß auch direkt wieder wieso«, brumme ich zurück. Ich kenne keine Elfe, die uns Fae so sehr hasst wie Aeryn, deshalb versuche ich für gewöhnlich, den Kontakt mit ihr zu vermeiden. Leider ist sie die aktuelle Fürstin des Frühlingsreiches, was die Sache etwas schwierig macht.

»Ich möchte Niamh sprechen.« Die Königin der Elfen steht in der Hierarchie eindeutig über Aeryn, auch wenn sie selbst keinen Wert darauf legt. Ich in diesem Fall schon. Meine Probleme werde ich sicher nicht ausgerechnet der griesgrämigen Fürstin anvertrauen. Mir kommt der Gedanke, dass ich sie durchaus mit auf die Liste meiner Feinde setzen sollte, zumal sie mir in der Nacht, in der ich Key hierhergebracht habe, so ganz nebenbei eine Morddrohung untergejubelt hat. Dennoch ziehe ich nicht in Erwägung, dass sie hinter der Entführung steckt. Zum einen würde sie damit den geballten Zorn ihrer Königin auf sich ziehen, zum anderen ist Key immerhin zur Hälfte eine Elfe und diesem Teil von ihr würde selbst Aeryn nichts antun.

»Niamh ist nicht hier«, weist sie mich dennoch harsch ab. »Sie hat sich in die Halle der Seelen zurückgezogen.«

»Wann?«

»Vor etwa einer Stunde.«

Verdammt, das ist schlecht. Eigentlich ist es sogar richtig beschissen. Ein Aufenthalt dort dauert im Regelfall viele Stunden, manchmal einen ganzen Tag. In der Halle der Seelen können die Elfen Kontakt zu ihren Verstorbenen aufnehmen, allerdings müssen sie sich vorher den Göttern als würdig erweisen, und dafür nehmen diese überheblichen Gottheiten sich leider manchmal sehr viel Zeit.

Aeryn erkennt mein Dilemma und sieht mich süffisant an. »Also, Fae, was willst du?«

Nicht mit ihr reden, so viel ist sicher. Aber ich möchte weder endlose Stunden verstreichen lassen, noch ohne eine Information wieder gehen.

»Tarmo«, fährt sie mich scharf an und ich zucke zusammen, weil sie für gewöhnlich nicht meinen Namen benutzt. »Ich habe Besseres zu tun, als dir beim Grübeln zuzusehen. Wenn du also ohnehin schweigst, würde ich dich bitten, meine Zeit nicht weiter zu beanspruchen und zu gehen.«

Das war eindeutig und leider ernst. Ich hole tief Luft und überwinde meine innere Gegenwehr. »Key ist verschwunden, sie wurde gekidnappt. Wir haben bereits begonnen, sie zu suchen und haben uns gefragt, ob sie vielleicht zu euch Kontakt aufgenommen hat.«

»Ich habe es gewusst«, brummt sie unwirsch und ihre Stimme wird kalt bei den nächsten Worten. »Wir hätten sie dir niemals überlassen dürfen. Du bist unfähiger Abschaum, absolut nicht vertrauenswürdig und ich garantiere dir, Fae, wenn ihr sie nicht findet, bringe ich dich persönlich um, und zwar nicht auf die nette Art.«

»Das höre ich jetzt schon zum zweiten Mal von dir. Danke für die Erinnerung.« Ich beuge mich zu ihr hinunter und komme ihrem vom Hass gezeichneten Gesicht näher. »Aber ich habe nicht vor, Key nicht zu finden. Und es hält dich niemand davon ab, sie ebenfalls zu suchen. Allerdings hast du vermutlich zu viel Angst, zu versagen, also schieb ruhig weiter den einzigen Wesen die Schuld in die Schuhe, die sich in den letzten neunzehn Jahren um sie gekümmert haben.«

»Verschwinde.«

Wow, noch kritikunfähiger geht nicht. »Nicht, bevor ich weiß, ob sie euch kontaktiert hat.«

Aeryns Augen werden schmal. »Hat sie nicht. Und du solltest besser beginnen zu beten, denn wenn sie tot ist, bist du es auch.« Morddrohungen gehen ihr offensichtlich schnell über die Lippen.

»Ist Niamh deswegen in die Halle der Seelen gegangen? Will sie herausfinden, ob Key bereits dort ist?«

»Unsere Halle der Seelen ist heilig. Und du unwürdig. Sie geht dich nichts an.« Die Elfe macht einen Schritt zur Seite und weist mir mit der Hand den Weg zum Übergang nach Breyta. »Und jetzt geh.«

Ich sehe mich noch einmal um, aber die beiden Männer, die in einiger Entfernung an einem Tisch sitzen, zeigen keine Reaktion auf meine Anwesenheit, also haben sie mir vermutlich nichts zu sagen. Zwischen meinen Schulterblättern kribbelt es vor Wut, aber ich muss für den Moment klein beigeben. »Wir sehen uns«, versichere ich der Elfe, bevor ich mich auf den Weg zurück in die Zwischenwelt mache.

Ich tigere seit geschlagenen zwei Stunden in meinem Haus an der großen Fensterfront auf und ab und nehme erleichtert wahr, dass die Nacht endlich der Dämmerung weicht. Es ist verlockend, den Rest Rum, den mein Wassergeist mir gnädigerweise übrig gelassen hat, in einem Zug zu vernichten, aber ich brauche einen klaren Kopf, selbst wenn der mich an den Rand des Wahnsinns treibt.

Wir haben uns erst heute Abend wieder hier verabredet und ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie ich bis dahin durchhalten soll. Zumal mir der Gedanke nicht aus dem Kopf geht, dass Aeryn etwas vor mir verheimlicht hat. Aber was für Beweggründe hätte sie? Ist es einzig ihr exorbitanter Hass auf jeden Tropfen Faeblut, der in ihre Nähe kommt? Das scheint mir zu einfach.

Aeryn hat durchaus gute Gründe für diesen Hass, sie ist damals bei der Teilung der Welten eine echte Verliererin gewesen. Der Fürst des Sommerreiches war gerade gestorben und sie sollte seine Nachfolgerin werden. Doch dann kam Niamhs Fehltritt dazwischen und die Reiche wurden getrennt. Da Aeryn in ihrem Gefolge war, musste sie mit der Königin gehen und damit nicht nur ihre Stellung, sondern auch ihre Liebe zurücklassen. Eine unerfüllte Liebe, wohlgemerkt. Sie galt Aiven, der dann an ihrer statt den Fürstentitel erhielt.

Bei dem Gedanken an ihn muss ich kurz lächeln. Er hätte Aeryn ohnehin niemals glücklich gemacht, er ist ein unverbesserlicher Frauenheld und hat in keiner Welt je etwas anbrennen lassen. Dabei pflastern gebrochene Herzen seinen Weg, um die er sich nicht schert. Dennoch halte ich große Stücke auf ihn. Er ist neben Kail und Niven mein loyalster Mitstreiter und, obwohl er der Älteste von uns ist, immer offen für Veränderungen. Er war der Erste, der mit nach Breyta wollte – genau wie ich nicht aus Habgier, sondern Neugier. Was das angeht, wäre er eigentlich der perfekte Mann für Niamh gewesen, doch sie hat so einen Schürzenjäger nicht verdient.

Die Königin mag früher zu unbeschwert und sorglos gewesen sein, aber es fällt mir schwer, ihr das vorzuwerfen. Ihre Neugier und ihre Liebe waren der Grund für die Spaltung der Anderwelt und dennoch hat sie nie ihre Güte und ihre Offenheit verloren. Ebenso wenig ihren Sinn für Gerechtigkeit. Sie wusste damals um ihre Schuld, deshalb hat sie die Teilung der Reiche demütig akzeptiert und sich in die neuen Strukturen eingefügt. Sie ist ihrem Volk die beste Königin, die man sich vorstellen kann.

Keys Mutter Hlín hingegen war fünftausend Jahre lang die Fürstin des Frühlingsreiches. Als sie vor neunzehn Jahren starb, hat Niamh Aeryn zu ihrer Nachfolgerin ernannt. Sie hat damit versucht, nach vielen Tausend Jahren ihren Fehler wiedergutzumachen und der unversöhnlichen Elfe endlich den Titel zu geben, den sie sich damals so sehr gewünscht hat. Leider hat sie es damit nicht geschafft, Aeryns alles verzehrenden Hass zu mindern. Seltsamerweise hat der sich immer gegen die Fae gerichtet und nie gegen Niamh selbst, obwohl sie die eigentlich Schuldige in der ganzen Sache war.

Ich fahre mir mit den Händen durch das Gesicht. Will Aeryn Aiven nach all den tausend Jahren eins auswischen, weil auch er sich für Keys Sicherheit mitverantwortlich fühlt? Gefällt es ihr, uns scheitern zu sehen? Oder hat sie gar keine Geheimnisse vor mir und hat nur Spaß daran, mit uns zu spielen?

Ich wende mich vom Fenster ab, gehe zu der hölzernen Anrichte und schnappe mir den Rum. Ich muss meine Gedanken für eine Weile lahmlegen. Auf dem Weg in die Küche nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung vor dem Fenster wahr. Schnell stelle ich die Flasche wieder ab und mache ein paar Schritte in Richtung Terrasse. Nur einen Wimpernschlag später klopft ein offensichtlich nervöser Elf an meine Scheibe.

Ich kenne ihn nicht, vermute aber, dass ich das sollte, denn er ist einer der beiden, die vorhin an dem Tisch gesessen und mir keine Beachtung geschenkt haben. Und soweit ich mich erinnere, kenne ich eigentlich jeden aus Niamhs Dorf. Schnell öffne ich ihm die Tür. Die Elfen verlassen ihre Welt niemals ohne triftigen Grund, also muss sein Erscheinen einen wichtigen Anlass haben.

»Tritt ein«, begrüße ich den blonden Strubbelkopf freundlich. Nach einem kurzen Blick zurück schlüpft er durch die Tür in mein Wohnzimmer. »Können wir vielleicht irgendwohin, wo etwas weniger Glas ist?«, erkundigt er sich mit einem schiefen Grinsen. Ich deute mit dem Kinn Richtung Küche und wir gehen schweigend zum Tresen.

»Also«, versuche ich den Grund seines Erscheinens schnell herauszufinden, »was treibt dich zu mir?«

»Key hat sich sehr wohl bei mir gemeldet, aber Aeryn weiß nichts davon. Ich habe es nicht ihr, sondern Niamh erzählt. Das ist der Grund, weshalb sie in der Halle der Seelen ist. Sie will sich vergewissern, dass Key nicht dort ist.« Er fährt sich mit der Hand durch die Haare, was seinen Strubbelkopf noch unordentlicher macht. »Niamh wollte persönlich zu dir kommen und es dir sagen, sobald sie zurück ist. Aber offensichtlich scheinen die Götter heute besonders viel Spaß daran zu haben, sie aufzuhalten. Da dachte ich, ich gucke lieber schnell selbst vorbei, bevor du nicht mehr hier bist.«

Ich nicke dankbar und hoffe, dass ich ihm wirklich vertrauen kann, denn leider gibt mir mein Gedächtnis darüber keine Auskunft mehr. »Was hat Key gesagt?«

»Nicht viel. Sie hat mich gebeten, dir zu sagen, dass es zwei Fae waren, die sie mitgenommen haben und dass sie Richtung Norden fliegen.« Sein Blick wandert kurz zur Terrassentür. »Sie klang … besorgt, als würde sie sich mehr Sorgen um dich machen, als um sich selbst.«

Ich muss mir ein bitteres Auflachen verkneifen. Das sieht ihr ähnlich. Sie ist eine solche Kämpferin, dass sie sich um sich selbst immer als Letztes sorgt. »Was noch?«

Leider schüttelt er den Kopf. »Es war eine ganze Weile Pause, dann hat sie mir ein Bild vom Meer geschickt und von einer Klippe. Plötzlich habe ich sie laut aufkeuchen hören, danach wurde unsere Verbindung gekappt. Seitdem kann ich sie nicht mehr erreichen«, schließt er fast entschuldigend.

»War ein Tor in die Anderwelt in der Nähe?«

Der Elf schüttelt den Kopf. »Ich weiß es nicht, das Bild war leicht verschwommen.«

»Kanntest du die Klippe?«

»Nein. Falls dort also ein Tor war, müsste es in eure Welt führen, nicht in unsere.«

Ja. Aber wir wissen nicht einmal, ob es ein Tor gab. Oder ob sie Key einfach von der Klippe gestoßen haben, um das in die Tat umzusetzen, was ich nur vorgetäuscht habe. Ich schließe die Augen. Ich kann diesen Gedanken nicht zulassen, will ihn nicht einmal in Erwägung ziehen. Irgendwie rede ich mir ein, dass ich es spüren würde, wenn sie tot wäre, dass dann die Welt einstürzen oder ich einen brennenden Schmerz in meiner Brust fühlen müsste.

»Danke für deine Informationen. Und kannst du Niamh bitte sagen, dass ich hier auf sie warten werde?«

»Natürlich. Und ich versuche, ein Bild von der Klippe zu zeichnen, vielleicht hilft euch das bei der Suche weiter.«

3 Tarmo

Zwei Minuten später bin ich wieder allein und trotz der Information noch nervöser als vorher. Key kann die Elfen kontaktieren, den Beweis habe ich jetzt definitiv. Warum um alles in der Welt ist die Verbindung dann abgerissen? Gibt es eine andere Erklärung dafür als ihren Tod?

Es gibt eine, allerdings ist sie nicht viel besser. Ihre Gedankenübertragung ist eine magische Fähigkeit und die einzige Möglichkeit, Magie zu blockieren, ist kalt geschmiedetes Eisen.

Allein bei dem Gedanken daran läuft mir ein Schauer über den Rücken und die Erinnerung an meine Gefangenschaft bahnt sich einen Weg an die Oberfläche. Für einen Moment ist es, als könnte ich den Ring um meinen Hals wieder spüren, das Brennen auf der Haut und das Gefühl maßloser Schwäche, das er hervorgerufen hat. Zwanzig Tage habe ich ihn getragen und ich werde keinen einzigen davon jemals vergessen.

Ich versuche, die Vergangenheit abzuschütteln, und meine Gedanken wieder auf Key zu lenken. Leider ist das in keiner Weise beruhigend. Wenn ihre Entführer sie in ein dunkles Verlies sperren und ihr kalte Eisen anlegen, werden wir den Wettlauf gegen die Zeit definitiv verlieren. Die Dunkelheit ist unser ganz großer Gegner, weil Key sie nicht lange erträgt. Sie war noch nicht mal wieder richtig fit. Wie lange hält sie das ein zweites Mal durch? Wenn selbst ich nicht wusste, dass sie Licht braucht, ist nicht davon auszugehen, dass andere Fae über diese Schwäche Bescheid wissen und ich vermute nicht, dass ihre Entführer sie aus Nettigkeit auf einer sonnenbeschienenen Wiese unterbringen.

Ich beschließe, zu meinem Rum zurückzukehren, und gehe in die Küche. Langsam lasse ich viel zu viel von der bernsteinfarbenen Flüssigkeit in das Glas fließen, als sich aus dem Nichts ein grünhaariger Wassergeist vor mir materialisiert. Lässig lehnt er sich an den Tresen und greift nach meinem Glas. »Vielen Dank, genau das brauche ich jetzt.«

Unter anderen Umständen hätte ich ihm ein paar warme Worte mit auf den Weg gegeben und ihn rausgeschmissen, aber nicht jetzt. »Was hast du herausgefunden?«, dränge ich ihn stattdessen.

»Nichts. Ich habe jeden Quadratzentimeter der Akademie abgesucht, aber sie ist nicht dort.«

»Der Rest der Stadt?«

»Ich würde diese magere Ansammlung von Häusern nicht als Stadt bezeichnen, aber nein. Ich habe den Ort grob durchkämmt, da war nichts.«

Ich nicke und weiß nicht, ob ich das als gute oder schlechte Nachricht einordnen soll.

»Tarmo, ich denke, wenn sie überhaupt in Breyta ist, dann in der Hauptstadt. Alles andere würde wenig Sinn ergeben. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht daran. Wenn sie Key immer noch schwängern wollen, um kleine Göttinnen zu züchten, dann würdest du nicht mehr hier sitzen. Oder meinst du allen Ernstes, dass sie dir eine zweite Chance geben, sie da rauszuholen?«

Natürlich nicht. Er hat recht. Und es würde die Klippe erklären. Es existieren hier an der Küste sechs Tore in die Welt der Fae und alle liegen an einer Klippe. Allerdings gibt es auch unendlich viele Klippen, an denen kein Tor ist. Ich stöhne. Es sind einfach zu viele Unbekannte in diesem Rätsel.

Mein Tracker brummt und ich sehe hoffnungsvoll auf das kleine Display. Eine Nachricht von Niven.

Mach dich für ganz großen Ärger bereit. Vor einer halben Stunde sind –.

Bevor ich den Grund des Ärgers erfahren kann, überlagert eine neue Nachricht die meines Freundes. Sie ist von Cenan, dem Statthalter aus Star City, der Hauptstadt.

Bitte umgehend um Kontakt. Weitere Verluste beim Deae-Projekt.

Mist. Es ist noch eine Göttin gestorben.

Ich zeige Spider-Man die Nachricht und er pfeift anerkennend. »Ich würde mal sagen, damit sitzt du ziemlich tief in der Scheiße, Schätzchen.«

Ich presse mir einen Moment lang die Handflächen auf die Augen, dann sehe ich den Geist wieder an. »Falle?«

Er zuckt mit den Schultern. »Gut möglich.«

Wenn es keine Falle ist und ich mich nicht sofort melde, werde ich immer verdächtiger. Verdammt, ich brauche einen Plan, und zwar schnell. Noch dringender brauche ich aber eigentlich Zeit.

Ich hebe meinen Arm und diktiere eine Antwort an Cenan. Mache mich sofort auf den Weg. Bin in eineinhalb Stunden da.

Mein großes Glück ist, dass er mich in Hopetown vermutet und die Strecke von dort in die Hauptstadt länger ist als von hier. Einen kleinen Zeitvorsprung habe ich also.

Als Erstes bitte ich Rylan, mich abzuholen. Dann nehme ich Kontakt zu Niven auf. Natürlich sind unsere Tracker nicht die, welche die anderen Fae vermuten. Sie sind alle manipuliert und sind weder abhörbar, noch geben sie den wahren Standort preis und es erscheint mir wichtiger denn je, dass das so ist.

»Scheiße, Tarmo, hier brennt die Luft«, begrüßt mich Niven leise.

»So weit war ich auch schon. Der liebe Cenan ist eine wahre Plaudertasche.«

»Ja, weil er sich vor Freude fast einpinkelt. Er ist sich sicher, dich jetzt endlich dranzukriegen.«

»Okay, was ist passiert?«, erkundige ich mich nach ein paar mehr Details.

»Key ist nicht hier, da bin ich mir inzwischen sicher. Ich habe noch nicht jede Etage abgesucht, aber im Labor ist sie definitiv nicht, ebenso wenig in den Räumlichkeiten, in denen Hlín damals lag. Die oberen Stockwerke habe ich alle durch und ich gehe nicht davon aus, dass sie sie bei den Trainingsräumen oder in der Umkleide untergebracht haben.«

Wohl kaum.

»Viel verstörender ist allerdings, dass gerade eben durchgesickert ist, dass Trust und Dream gestorben sind. Beide gleichzeitig, wieder durch eine tödliche Injektion.«

Die letzten Göttinnen. Beide. Das ist in der Tat verstörend. »Hat Cenan einen Verdacht?«

»Das fragst du nicht wirklich, oder?«

Verflucht. Inzwischen bin ich mir sicher, dass der trinkende Geist in meiner Küche recht hat und Key in keiner der Städte ist. Ich möchte nichts lieber, als mich sofort auf den Weg in die Anderwelt zu begeben, aber wenn ich mich in der Hauptstadt jetzt nicht blicken lasse, wissen sie endgültig, dass ich in der Sache ganz tief drinstecke. Obwohl ich nur halb so schuldig bin, wie sie denken.

»Ich mache mich auf den Weg«, informiere ich Niven. »Sag Kail bitte, dass er auch kommen soll. Ich kann vermutlich jeden Einzelnen von euch gut gebrauchen.«

»Okay. Dann bis später. Ich halte weiter die Ohren offen.«

»Danke.«

Ich beende das Gespräch, nehme Spider-Man das Glas ab und leere es in einem Zug. Dann gehe ich zum Sofa, lasse mich in die weichen Polster fallen und versuche, meine Gedanken zu sortieren.

An dem Tag, an dem ich Key habe ›sterben‹ lassen, haben Niven und ich ebenfalls die Medikation von Megan verändert. Die Wächterin ist noch am selben Abend eingeschlafen. Ich war es nicht nur ihr selbst, sondern auch Key schuldig, aber es war natürlich auffällig, zwei von ihnen an einem Tag zu verlieren.

Zu Beginn des Projektes haben meine Mitstreiter und ich immer wieder in unregelmäßigen Abständen Frauen aus dem Labor entführt, um ihnen ihr Leben zurückzugeben, aber es hat nicht funktioniert. Die lange Zeit im Koma und die Wahrheit über das, was ihnen angetan wurde, hat sie alle wahnsinnig werden lassen. Keine von ihnen wurde je wieder so wie vorher. Die meisten haben sich mittlerweile das Leben genommen und ich kann es ihnen kaum verdenken.

Die Letzte, die wir befreit haben, war Jenna. Es war Aivens Wunsch. Vielleicht war sie die erste Frau, die er wirklich geliebt hat, denn seitdem ist er ruhiger geworden. Sie ist der Grund, weshalb er im Rebellenlager lebt. Er hat es niemals fertiggebracht, sie danach allein zu lassen.

Nach dem Tod von Key und Megan hatte ich ein einwandfreies Alibi. Natürlich hat Rylan alle Daten so manipuliert, dass wir definitiv keine Schuld an ihrem Ableben haben konnten. Dennoch hat Cenan mir nicht geglaubt, der Verlust eines so wertvollen Wesens wie Key war für ihn ein zu herber Rückschlag. Es ärgert mich noch immer, dass ich sie deswegen allein unter Wasser lassen musste, aber Cenan hat keine Ruhe gegeben, bis ich vom Rat offiziell verhört worden war. Erst dann hat er mich gehen lassen.

Weitaus größere Ausmaße hat das Problem nur einen Tag später angenommen, als Truth ebenfalls gestorben ist, und ihr Tod war eindeutig von außen verursacht. Allerdings nicht von uns.

Dennoch musste ich Key zum zweiten Mal allein lassen und mich erneut vor dem Rat verteidigen. Doch obwohl sie mir auch da nichts anhaben konnten, verdächtigen sie mich noch immer. Dass ausgerechnet heute, direkt nach Keys Verschwinden, die letzten zwei Göttinnen getötet wurden, kann kein Zufall sein. Irgendjemand will mir die Schuld dafür in die Schuhe schieben und mich absägen, aber ich bin mir nicht sicher, wer das ist.

Natürlich steht Cenan ganz oben auf meiner Liste. Es ist ihm ein Dorn im Auge, dass ich es nach meiner Inhaftierung geschafft habe, mich zu rehabilitieren, und jetzt einen so hohen Posten innehabe. Er war immer die treibende Kraft im Deae-Projekt und hätte mich lieber bis zum Ende meiner Tage hinter Gittern gesehen. Und er hat Keys vermeintlichen Tod definitiv nicht verkraftet.

Aber er würde niemals drei Göttinnen opfern, um mich dranzukriegen. Sie sind ihm zu wichtig. Doch wer wäre dazu bereit? Kurz schwenken meine Gedanken zu Aeryn. Ihr Hass würde eindeutig ausreichen, um mir etwas anhängen zu wollen, aber würde sie sich dafür mit Menschen verbünden? Wohl kaum. Schließlich war ein Mensch an Niamhs Fehltritt beteiligt und seitdem meidet Aeryn sie ebenso gründlich wie die Fae.

Meine Grübeleien werden von Spider-Man unterbrochen, der plötzlich neben mir auftaucht. »Schätze, du wirst abgeholt.«

Erst jetzt nehme ich das Rattern der Rotorblätter wahr, das sich dem Haus nähert, und stelle erleichtert fest, dass es tatsächlich mein Hubschrauber ist, der am Himmel zu sehen ist. Ich werfe meinem Geist einen letzten Blick zu und gehe zu der Terrassentür. »Es wäre schön, wenn du noch ein paar Flaschen im Schrank übrig lässt«, bitte ich ihn. »Und wenn du nachher auch in die Akademie kommst.«

Er nickt. »Natürlich, Schätzchen.«

»Und mach die Tür zu, wenn du das Haus verlässt.«

Während ich nach draußen gehe, höre ich ihn lachen und das Geräusch der Schranktüren. Er ist vermutlich der kostspieligste Geist, den man im Gefolge haben kann, weil er sehr treffsicher dabei ist, die teuersten Flaschen zu finden. Jetzt gerade ist mir das allerdings ziemlich egal. Er wird wieder nüchtern sein, wenn er in der Hauptstadt ist. Sobald er in seine natürliche Form zurückkehrt, ist der Alkohol aus seinem Blut verschwunden, nur deshalb trinkt er so gerne.

Eine knappe Stunde später lande ich mit Rylan auf dem Dach der Hauptstadtakademie und kann nicht behaupten, dass ich dabei entspannt bin. Keys bester Freund hat in den Rechnern der Fae nichts gefunden. Der letzte Eintrag ist selbst in dem vom Netz abgekoppelten Gerät ihr Tod. Leider hat er auch keine anderen Hinweise auf ihr Verschwinden entdeckt, egal, wo er sich umgeschaut hat. All das deutet in meinen Augen darauf hin, dass die Fae in den Städten nichts mit ihrer Entführung zu tun haben und ich könnte schreien, weil ich hier jetzt wertvolle Zeit verschwende.

Als wir die Luke öffnen, erwartet mich Cenan bereits auf dem Dach. Seine Haare sind wie immer unnatürlich akkurat frisiert und seine Miene undurchdringlich. Die Begrüßung fällt gewohnt kühl aus und ich beschränke mich auf ein Nicken, um ihm anschließend durch die Metalltür nach drinnen zu folgen.

Meine Gedanken schweifen sofort wieder zu Key und dem schrecklichen Tag, an dem ich sie hier ins Labor gebracht habe. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass sie mir anstandslos gefolgt ist, obwohl sie fest an ihren Tod geglaubt hat. Nicht zum ersten Mal frage ich mich, ob Hlín uns beide verzaubert hat, denn es passt absolut nicht zu der starken Wächterin, dass sie mir kampflos ihr Leben geopfert hätte und in meiner Nähe Schwächen zeigt, die sie sonst niemandem offenbart. Ihr Wimmern und Weinen beim Versorgen ihrer Wunden verfolgen mich noch heute in meinen Träumen, ebenso wie ihre Schreie und ihre Zusammenbrüche. Kurz presse ich mir zwei Finger an die Nasenwurzel. Ich sollte mich auf die Ereignisse des Tages konzentrieren, wenn ich hier schnell wieder wegkommen möchte. Noch eine Befragung vor dem Rat kann ich mir zeitlich nicht erlauben.

Schweigend erreichen wir die vierte Etage, in der wir nur wenige Meter vom Fahrstuhl entfernt einen Konferenzraum betreten. Es sind etwa zehn Fae anwesend, neben den Statthaltern und unseren persönlichen Beratern noch einige hochrangige Männer, die das Deae-Projekt betreuen. Beruhigt nehme ich wahr, wie sich mir Spider-Man an der Zimmerdecke zeigt, und begrüße Kail mit einem Nicken. Nach ein paar unerträglichen Minuten unehrlichen Small Talks setzen wir uns an den ovalen Tisch und überlassen Cenan das Wort.

In Breyta ist er der Herrscher, Glyn, der Statthalter aus Dream Village, und ich sind ihm unterstellt. In der Anderwelt wären die Machtverhältnisse völlig andere, aber dort sind wir nun mal nicht. »Ich begrüße euch alle und bin froh, dass wir uns so schnell zusammenfinden konnten«, beginnt Cenan seinen Vortrag. »In den letzten zwei Wochen sind fünf unserer Göttinnen zu Tode gekommen und ich denke, niemand von uns wird das noch für einen Zufall halten.« Er erntet zustimmendes Nicken, dem sogar ich mich anschließen kann.

»Was ich mich allerdings insbesondere frage, ist, ob es eine Bedeutung hat, dass diese Serie ausgerechnet mit dem Tod unseres größten Schatzes begonnen hat.«

Natürlich. Er hat genau zwei Sätze gebraucht, um mich wieder als Verdächtigen hinzustellen. Zu meinem Glück kommt mir Glyn zu Hilfe. »Woher bist du so sicher, dass es sich um eine Serie handelt? Key ist durch eine fehlerhafte Medikation gestorben, eure angeblichen Experten haben ihre körperliche Reaktion völlig falsch eingeschätzt.«

Ich jubiliere innerlich. Ich weiß, dass er dem Projekt kritisch gegenübersteht, obwohl er nicht zu den Rebellen gehört. Aber so große Schützenhilfe habe ich in der Vergangenheit nicht von ihm bekommen. Und er ist noch nicht fertig.

»Die Wächterin hingegen ist schlicht und ergreifend eingeschlafen, sie ist nicht die erste menschliche Frau, die das lange Koma und die zweite Schwangerschaft nicht überlebt hat. Es ist in der Tat auffällig, dass diese beiden Vorfälle am selben Tag stattgefunden haben, dennoch kann ich keinen Zusammenhang erkennen. Die letzten drei Göttinnen wurden ermordet. Alle mit der gleichen Überdosis an Opiaten. Ich denke, es reicht, wenn wir uns auf die drei beschränken.«

Erstaunlich viele Fae hier im Raum stimmen ihm zu. Vielleicht sind sie es alle leid, hier ständig aufzulaufen und zu diskutieren. Ich erkenne ein leichtes Zucken unter Cenans rechtem Auge. Das hat er sich anders vorgestellt.

»Okay, beschränken wir uns auf die letzten drei«, stimmt ein dunkelhaariger Fae zu, den ich nicht kenne. Verdammt, es ist bereits die dritte Person, an die ich mich nicht erinnern kann. Ich hatte angenommen, dass der Verlust meiner Erinnerungen langsamer vonstattengeht. »Es war Mord, da sind wir uns einig. Dennoch haben die Geräte erst viel zu spät eine Warnung ausgegeben und auf den Überwachungskameras war nichts zu sehen. Vielleicht sollten wir nach jemandem suchen, der sich ausgesprochen gut mit Technik auskennt.«

»Womit wir unter den Menschen suchen müssen«, wirft Kail ein. »Keiner von uns ist technisch so versiert wie sie. Sie haben einfach einen zu großen Vorsprung.«

»Vielleicht lohnt es sich, ein paar Nachforschungen in eurer IT-Abteilung anzustellen«, schlägt Glyn vor. »Dort sitzen fast ausschließlich Menschen und es würde mich wundern, wenn sie nicht in der Lage sind, eure Rechner und ein paar Überwachungskameras zu überlisten.«

Damit hat er eindeutig recht. Vielleicht ist er auf genau dem richtigen Weg, wobei das im allerschlimmsten Fall bedeuten könnte, dass sie auch Rylan und mir auf die Schliche kommen.

»Der Vorschlag ist gut«, räumt Cenan jetzt ein. »Dennoch bleibt die Frage offen, wer den Menschen beauftragt hat. Ich gehe nicht davon aus, dass einer von ihnen im Alleingang unsere Göttinnen vernichtet. Sie wissen nichts von dem Projekt, sondern glauben, dass sich in unserem Keller eine normale Krankenstation befindet. Alle Daten, die Deae betreffen, werden im Archiv aufbewahrt und sind nicht im Netz eingepflegt.«

Herrje, er ist naiver, als ich dachte. Oder überheblicher.

»Nun, aber wenn wir den richtigen Menschen erst haben, werden wir den Auftraggeber schon von ihm erfahren«, prophezeit der mir unbekannte Fae voller Vorfreude.

»Das ist vermutlich korrekt, aber was, wenn wir den Auftraggeber direkt fragen können?« Cenan sieht mich feindselig an. Er gibt nicht auf und hofft noch immer, mich einer Lüge überführen zu können. Bislang hat er jedoch nie die richtigen Fragen gestellt.

Ich sehe, wie Glyn die Augen verdreht. Er ist eindeutig auf meiner Seite, aber leider der Einzige, der das offen kundtut. Alle anderen kriechen vor Cenan im Staub. Der hingegen wendet sich jetzt mir zu. »Tarmo, hast du den Tod der letzten drei Göttinnen in Auftrag gegeben?«

Ich schüttele den Kopf und seufze. Auf zum Verhör. »Nein, habe ich nicht.«

»Hast du den Tod von Key zu verantworten?«

»Nein, und das hast du mich bereits ein Dutzend Mal gefragt, langsam könntest du es dir merken.« Ich kann diese Frage mit Nein beantworten, denn es ist keine Lüge. Schließlich ist Key nicht tot. Jedenfalls war sie es bis gestern Abend nicht.

Cenans Auge zuckt bedenklich, er will das hier für mich endgültig beenden. »Hast du die letzten drei Göttinnen selbst getötet?«, versucht er es fast verzweifelt.

»Nein, ich war nicht einmal in der Stadt, als sie gestorben sind, Himmel noch mal.«

Die Augen meines Gegenübers werden zu schmalen Schlitzen, mein Ton gefällt ihm nicht, aber er kann sich bei all den Zeugen ja schlecht auf mich stürzen. »Hast du jemals den Tod einer Göttin in Auftrag gegeben oder selbst ausgeführt?«

Es klopft an der Tür und ich zucke zusammen. Ich könnte auch diese Frage mit Nein beantworten, zumal er sie mir nicht zum ersten Mal stellt. Es waren nur Menschenfrauen, an deren Tod oder Entführung ich beteiligt war. Trotzdem bin ich extrem angespannt. Es gibt viele Beweise, mit denen er mich überführen könnte, und ich verdanke es bislang nur seiner Überheblichkeit, dass er sich nicht die Zeit nimmt, über seine Fragen besser nachzudenken.

Cenan gibt seinem Berater ein Zeichen, die Tür zu öffnen und den Besucher hereinzuführen. Als er in der Tür erscheint, kann ich gerade noch verhindern, in Schnappatmung zu verfallen. Der Fae dort ist definitiv nicht hier aus den Städten. Er trägt ein schwarzes weites Leinenhemd und eine gleichfarbige Lederhose. Sein langes dunkles Haar ist offen und die Kette um seinen Hals zeichnet ihn als einen von Arcons Männern aus. Er ist ein Diener des Königs der Anderwelt.

Wir alle erheben uns, denn auch wenn er nur ein Bote ist, ist es Brauch, seiner Stellung am Hof des mächtigen Herrschers Respekt zu zollen. Der Mann verneigt sich knapp vor uns und sieht mich dann direkt an. »Fürst des Winterreiches. Arcon, der König der Fae, wünscht dich zu sprechen. Ihm wurde berichtet, dass der Erfolg des wichtigen Projektes zur Rettung unserer Frauen nicht mehr sicher ist, und er möchte Erklärungen. Bitte begleite mich.«

4 Tarmo

Meine Gedanken rasen. So zufrieden, wie Cenan eben aussah, muss er hinter dieser Sache stecken, obwohl das überhaupt keinen Sinn ergibt. Er will mich aus dem Weg haben, ja, aber er würde dafür niemals drei Göttinnen opfern. Oder ist das Erscheinen des Boten gar nicht sein Werk? Ist es Zufall, dass er genau jetzt auftritt? Die letzten zwei Göttinnen sind erst heute Morgen gestorben. Natürlich hat Arcon Geister in seinem Gefolge, die ihn über die Geschehnisse in der hiesigen Welt unterrichten, aber ich hätte nicht gedacht, dass das Deae-Projekt für ihn eine solche Wichtigkeit hat. Key hingegen schon, deswegen habe ich seit jeher versucht, sie nicht auf seinem Radar auftauchen zu lassen. Aber das Projekt treiben eher die Fae hier in Breyta massiv voran. Fast, als hätten sie die Hoffnung, sich damit Ruhm und Ansehen zu verschaffen, welche sie in unserer eigenen Welt nicht haben. Diejenigen, die es dort besitzen, sind lange nicht so verbissen, neue Frauen zu züchten.

Ich habe dieses Ansehen, ich bin seit fast zweihundert Jahren der Fürst des Winterreiches und ich wundere mich nicht zum ersten Mal darüber, dass Key diesen Umstand nach ihren Recherchen im Archiv nie angesprochen hat. Aiven hingegen herrscht im Sommerreich bereits seit fast fünftausend Jahren. Welche Ironie, dass sich die Herrscher der Anderwelt hier bei den Menschen den Rebellen verbunden fühlen und nicht den Machthabern. Aber die Gesetze in Breyta sind andere. Unsere Macht zählt in dieser Welt nicht, und genau das ist es, weshalb mich die Einladung unseres Königs irritiert. Cenan ist der Hauptverantwortliche für das Deae-Projekt, wenn einer Rechenschaft ablegen müsste, dann er. Die Tatsache, dass ich es stattdessen tun muss, deutet auf irgendetwas hin, aber ich habe keine Ahnung auf was.

Während wir auf den Fahrstuhl warten, sieht der Bote mich fragend an. »Wie lange wirst du brauchen?«

»Stellt Arcon mir Pferde zur Verfügung?«

»Natürlich. Sie warten am Tor auf euch.«

»Wie viele?«

»Zwei.«

Sehr gut. Das bedeutet, dass Kail an meiner Seite bleiben kann. Er wird in nächster Zeit mein Gedächtnis sein und ich sollte mir dringend notieren, dass er mein bester Freund ist. »Dann werden Kail und ich in etwa einer Woche an seinem Hof eintreffen.«

Der Bote nickt. »Ich werde es den König wissen lassen. Er wird euch beide erwarten.«

Der Fahrstuhl öffnet sich und ich lasse dem Mann den Vortritt. »Wir werden gegen Abend aufbrechen«, informiere ich ihn.

»Wie du wünschst. Auf Wiedersehen.«

Die gläsernen Türen schließen sich geräuschlos und ich presse mir die Finger an die Schläfen, um meine Gedanken auf den richtigen Weg zu bringen. Wir werden in die Anderwelt gehen, das ist genau das, was ich wollte. Allerdings hätte ich es gerne ohne eine Einladung unseres Königs getan, denn so habe ich das Gefühl, direkt in eine riesige Falle zu tappen. Wenn er mit Cenan unter einer Decke steckt, sieht es vermutlich nicht gut für mich aus und die Tatsache, dass ich mich in einer Woche im schlimmsten Fall nicht mal mehr an seinen Namen erinnern werde, macht die Sache wahrhaftig nicht besser.

Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Kail den Besprechungsraum ebenfalls verlassen hat und sich zu mir gesellt. »Warum brechen wir nicht sofort auf?«, fragt er verwundert.

Ich schüttele den Kopf. »Nicht hier.«

Als wir vor meinem Haus an der Klippe landen, sind alle auf dem neuesten Stand. Auch in Hopetown gab es keine Spur von Key, was mich nicht mehr überrascht. Ich selbst habe Kail, Niven und Rylan über mein Vorhaben aufgeklärt, noch einmal zu den Elfen zu gehen, bevor wir uns auf den Weg zu Arcon machen. Ich muss wissen, was Niamh in der Halle der Seelen erfahren hat, obwohl es das ist, was ich am meisten fürchte.

Ich öffne die Luke des Helikopters und will mich sofort auf den Weg zum Tor der Elfen machen, als mich eine Bewegung im Inneren des Hauses innehalten lässt. Im Wohnzimmer auf der Couch sitzt Niamh mit einem Glas Weißwein in der Hand und plaudert fröhlich mit einem grünhaarigen Geist, der möglicherweise nicht seinen ersten Caipirinha in sich hineinschüttet.

Mein Körper weigert sich allerdings, auch nur einen einzigen Schritt in ihre Richtung zu machen. So ausgelassen wie Niamh aussieht, nimmt die Hoffnung in mir sehr großen Raum ein, dass sie mir eine positive Nachricht überbringen wird. Aber ich mag diese Hoffnung nicht zulassen, denn die Tatsache, dass die Königin der Elfen ihre Welt überhaupt verlassen hat, ist ein Indiz dafür, dass es einen gigantisch wichtigen Grund geben muss. Und ein leises Stimmchen in meinem Inneren sagt mir, dass das kein guter Grund sein kann.

Die Elfe wendet mir ihr Gesicht zu und augenblicklich wird sie ernst und erhebt sich. Noch immer stehe ich wie angewurzelt auf der Terrasse und schaffe es gerade mal zu atmen. Alle anderen Funktionen meines Körpers sind zum Erliegen gekommen. Ich weiß nicht, zu wem ich beten soll, zu unseren Göttern sicher nicht, aber dennoch schicke ich ein paar Worte an einen unbestimmten Empfänger. Sie darf Key nicht gefunden haben. Diese mutige und starrsinnige junge Frau darf nicht fort sein. Ich muss ihr noch so viel erzählen, muss ihr sagen, wie faszinierend sie für mich ist, wie sich ihre Haut unter meinen Fingern anfühlt und wie samtweich ihre Lippen sind. Ich muss ihr sagen, wie sehr sie mir den Atem raubt, wenn sie lacht und wie mein Herz zerreißt, wenn sie weint. Ich muss sie küssen, sie im Arm halten und in ihre funkelnden Augen sehen. Ich muss ihr sagen, dass ich sie liebe.

Ich spüre, wie sich eine Hand auf meine Schulter legt, und erst jetzt merke ich, dass ich die Augen geschlossen habe. Als ich sie wieder öffne, um mich der Wahrheit zu stellen, sehe ich in Niamhs lächelndes Gesicht. Sie schüttelt kurz den Kopf. »Ich habe sie nicht gefunden, Tarmo. Sie ist nicht in der Halle der Seelen. Sie lebt.«

Ich sollte dringend wieder anfangen zu atmen, sonst hat sich die Suche spontan erledigt, aber es kostet mich eine Menge Überredungskunst, bis meine Lunge ihre Tätigkeit wieder aufnimmt.

»Bist du sicher?« Die Erleichterung zögert noch und traut sich nicht aus ihrer Verbannung.

»Ganz sicher.« Niamh nimmt meine Hände in ihre, betrachtet sie einen Moment und hebt dann den Blick zu mir empor. »Ich habe mit ihrer Mutter gesprochen. Sie ist nicht bei den Seelen angekommen, sie muss irgendwo da draußen sein.«

Ich mache einen tiefen Atemzug. »Ich danke dir.«

»Das brauchst du nicht. Finde sie lieber, und zwar schnell.« Niamh entlässt meine Finger aus ihren und blickt an mir vorbei auf das Meer. »Hlín hat mir gesagt, dass sie Key nicht mehr besonders gut spüren kann und keiner von uns kann Kontakt zu ihr aufnehmen. Unsere Verbindung ist komplett unterbrochen und das kann nur zwei Gründe haben. Entweder ist sie an einem Ort, der für uns nicht erreichbar ist, oder …«

»… sie wird durch irgendetwas blockiert«, vollende ich den Gedanken.

Niamh nickt und sieht mich nachdenklich an. »Es waren Fae, die sie entführt haben und ich glaube nicht, dass sie sie an einen unerreichbaren Ort bringen können. Nicht so schnell.«

»Das denke ich auch nicht«, stimme ich ihr zu. »Arcon hat nach mir schicken lassen. Er möchte, dass ich ihm Keys Verschwinden und das von drei weiteren Göttinnen erkläre.«

»Das klingt nicht nach einem Zufall.«

»Nein, sicher nicht.«

Eine Weile sieht die zarte Elfe mich nachdenklich an. Dann greift sie in die Tasche ihres hellen Kleides und zieht ein zusammengefaltetes Blatt Papier heraus. »Farlan hat ein Bild von der Klippe gezeichnet, das sie ihm als Letztes geschickt hat.« Sie legt mir vorsichtig eine Hand an meine Wange. »Pass auf dich auf, Tarmo.«

Ich nicke stumm. Die Königin schenkt mir ein zuversichtliches Lächeln. »Und wenn du sie zurückgebracht hast, würde ich gerne mit dir ein weiteres Glas deines köstlichen Weins trinken.« Dann dreht sie sich um, winkt Spider-Man zum Abschied zu und geht fort.

Kopfschüttelnd sehe ich ihr hinterher und als sie aus meinem Sichtfeld verschwunden ist, kann ich meine Beine endlich dazu bewegen, das Wohnzimmer zu betreten. Mein Wassergeist rührt gedankenverloren in seinem Cocktail und grinst. »Sie ist wirklich atemberaubend, vielleicht sollte ich sie öfter aufsuchen.«

Ich schaffe es, die Bilder in meinem Kopf zu schwärzen, bevor sie entstehen können. »Tolle Idee«, entgegne ich ironisch. »Aber vorher würde ich gerne wissen, ob du noch etwas Brauchbares herausgefunden hast.«

Der Geist erhebt sich, geht um das Sofa herum und lehnt sich locker gegen den Tresen. »Nope, und ich gebe zu, dass ich damit nicht gerechnet habe. Ich hätte meinen zuckersüßen Arsch darauf verwettet, dass Cenan hinter der Sache steckt.«

»Da bin ich aber froh, dass wir mal einer Meinung waren und dein Hintern noch da ist, wo er hingehört. Aber jetzt mal ehrlich, keine weiteren Hinweise?«

Er schüttelt den Kopf. »Es ist nicht so, dass Cenan sich nicht darüber gefreut hätte, dass du dich vor dem König verantworten musst.« Genüsslich trinkt er einen großen Schluck. »Aber ich hatte den Eindruck, dass er genauso überrascht war wie wir alle. Also hat er entweder in den letzten Wochen sein Schauspieltalent entdeckt oder es war ihm tatsächlich nicht bewusst, dass er Arcon auf seiner Seite hat.«

»Warum habe ich nicht das Gefühl, dass das die Sache besser macht?«

»Vermutlich, weil du jetzt mit einem Feind mehr rechnen musst?«

»Danke für den Hinweis«, entgegne ich höhnisch. »Hätte ich nicht gebraucht.«

»Du hast gefragt.«

Ich verdrehe die Augen. »Okay, Spider-Man. Wirst du mir helfen, Key zu finden, oder nutzt du die Zeit, um meine Bar leer zu trinken.«

Er zieht nachdenklich die Nase kraus. »Hättest du die zweite Option nicht erwähnt, wäre die Sache für mich klar gewesen, aber so denke ich kurz drüber nach.«

Ich hebe eine Augenbraue und sehe ihn auffordernd an.

Er leert sein Glas und seufzt. »Ich helfe. Und du hast nicht wirklich mit einer anderen Antwort gerechnet, oder?«, schiebt er leicht schmollend hinterher.

»Nein.« Ich seufze ebenfalls. »Könntest du dann bitte so nett sein und dich bei Arcon mal umsehen? Ich weiß nicht, ob ich mir wünschen soll, dass Key in seine Fänge geraten ist, aber dann würden wir mit dem Besuch bei ihm wenigstens keine Zeit verlieren.«