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Eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ist das Ziel 12.3, das weltweit eine Halbierung der Lebensmittelabfälle in den Bereichen Konsum und Handel bis 2030 sowie eine Reduktion der Lebensmittelverluste, die entlang der Produktions- und Lieferketten entstehen, vorsieht. Die Handlungsmöglichkeiten und -grenzen des Lebensmitteleinzelhandels zur Erreichung dieser Zielsetzung diskutierten Vertreterinnen und Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels, von Politik und Verbänden sowie der Wissenschaft im Rahmen der digitalen Retail Innovation Days 2020 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Band 14 der Schriftenreihe Handelsmanagement stellt die Positionen der Diskutierenden dar, setzt diese in einen wissenschaftlichen Kontext und beleuchtet so Handlungsmöglichkeiten, Forderungen der Gesellschaft und Politik an den Handel und deren Grenzen. Die Retail Innovation Days finden seit 2016 jährlich statt und versammeln regelmäßig Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker der Handelsbranche, um die neusten Trends, Geschäftsmodelle und Strategien im Handel zu präsentieren und zu diskutieren. Die Schriftenreihe Handelsmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn leistet Beiträge zu konkreten und aktuellen Fragestellungen des Handels. Die Reihe wendet sich sowohl an Unternehmen als auch an Studierende.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Die Schriftenreihe Handelsmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn leistet Beiträge zu aktuellen Fragestellungen des Handels sowie zu Innovations- und Exzellenzansätzen in diesem Bereich. Aus der dynamischen Entwicklung des Handels ergeben sich kontinuierlich neue Herausforderungen und Lösungsansätze für das Handelsmanagement, die sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft diskutiert werden. Das maßgebliche Ziel dieser Schriftenreihe ist eine Verknüpfung von theoretischen Konzepten mit praktischen Anwendungen durch einen wechselseitigen Transfer von Lösungsansätzen aus Theorie und Praxis. Die Reihe erhebt den Anspruch, zu einer wichtigen Diskussions-, Impuls- und Informationsquelle für Studium, Lehre und Praxis zu werden.
Band 14 der Schriftenreihe dokumentiert die Arbeit der Initiative „Runder Tisch zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung im Handel“ und insbesondere die Experten-Diskussion im Rahmen des Fachsymposiums „Retail Innovation Days“ am 20.10.2020 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Der Runde Tisch unter der Leitung von Frau Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch wurde 2017 vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) in Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Die Handlungsmöglichkeiten und -grenzen des Einzelhandels, der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels, von Politik und Verbänden sowie der Wissenschaft im Rahmen der digitalen „Retail Innovation Days 2020“. Die Retail Innovation Days finden seit 2016 jährlich statt und versammeln regelmäßig Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker der Handelsbranche, um Trends, Geschäftsmodelle und Strategien im Handel zu präsentieren und zu diskutieren.
Prof. Dr. Ludwig Hierl, Prof. Dr. Oliver Janz, Prof. Dr. Stephan Rüschen
Liebe Wissenschaftler*innen und Nachwuchskräfte,
liebe Praktiker*innen,
liebe Leser*innen,
ich freue mich außerordentlich, Ihnen heute den vorliegenden Band 14 in der Schriftenreihe Handelsmanagement der DHBW Heilbronn vorstellen zu dürfen.
Die DHBW Heilbronn ist das jüngste Mitglied unter dem Dach des DHBW State University Systems und hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2010 zu einer betriebswirtschaftlichen Kaderschmiede für die Lebensmittelbranche entwickelt. Sie bildet heute, Stand Sommer 2021, eine wissenschaftliche Heimat für 1.300 Studierende und 125 Mitarbeitende, über 470 Duale Partner und etwa 450 externe Lehrbeauftrage. Unser Studienportfolio adressiert in zielorientierter Weise den Bedarf der Wirtschaft und unserer Dualen Partner. Das Spektrum der BWLStudiengänge Handel, Food Management und Dienstleistungsmanagement wurde zum Herbst 2014 durch das Studienangebot Textilmanagement und zum Herbst 2017 um das Studienangebot Digitaler Handel sowie zum Herbst 2020 um die Angebote Handelslogistik und International Retail erweitert. Mit dem Studienjahr 2019/2020 konnte der Studiengang „Wein – Technologie – Management“ als schlüssige Weiterentwicklung das Portfolio rund um den Lebensmittelbereich abrunden. Durch die Aufnahme der Studienangebote Wirtschaftsinformatik und BWL-Digital Commerce Management trägt die DHBW Heilbronn zudem seit Beginn des Studienjahrs 2020/2021 dem steigenden Bedarf der Digitalisierung Rechnung.
Mit der frühzeitigen Ausrichtung des Handels auf den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und das profilbildende Studienangebot Food Management hat sich die DHBW Heilbronn als Lebensmittel-Kompetenzzentrum für die Qualifikation des Fach- und Führungskräftenachwuchses aller Betriebe entlang der Wertschöpfungskette etabliert. Die Studiengänge sind geprägt durch eine hohe Qualität der Lehre und innovative didaktische Konzepte. So wurden für die Einrichtung der Lehrfirma Culinary Coffee an der DHBW Heilbronn die Gründungsprofessoren mit dem Landeslehrpreis 2019 ausgezeichnet.
Über alle Studiengänge hinweg ist die DHBW Heilbronn ein integraler Bestandteil der bildungspolitischen aber auch der kulturellen Landschaft in Heilbronn. Fachsymposien, wie die Retail Innovation Days, haben sich zu einem festen Bestandteil der Handelsbranche entwickelt.
In zahlreichen Projekten und Studien widmen sich Professor*innen und Studierende aktuellen Fragen, Themen und Forschungsfeldern. Eine zunehmende Bedeutung nimmt hierbei das Thema Nachhaltigkeit ein. In diesem Kontext haben „Food Waste“ oder Lebensmittelverluste, wie die Verschwendung eigentlich noch genießbarer Lebensmittel bezeichnet wird, eine hohe politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Um dieses Thema aufzugreifen, wurde bereits 2018 vom Ministerium für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) gemeinsam mit dem Studiengang Handel ein Projekt gegen Lebensmittelverschwendung initiiert. In diesem Kooperationsprojekt soll dem Nachwuchs im Lebensmitteleinzelhandel das Gespür für die Relevanz der Reduzierung von Lebensmittelverlusten verdeutlicht werden. Ergänzend rief Frau Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch 2018 gemeinsam mit dem Handelsverband Baden-Württemberg einen Runden Tisch ins Leben, um mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels unter akademischer Begleitung der DHBW Heilbronn das Thema Lebensmittelverschwendung stärker ins Bewusstsein zu rücken und gemeinsame Aktivitäten zu erarbeiten. Beide Initiativen führen zu einem breiten öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs, der auch in dem hier vorliegenden Band thematisiert und dokumentiert wird.
Ich möchte an dieser Stelle allen Akteuren und Mitwirkenden für ihr Engagement im Kampf gegen Lebensmittelverluste danken. Eine ganz besondere Danksagung gilt Frau Staatssekretärin Gurr-Hirsch für die intensive, vertrauensvolle Zusammenarbeit, die von innovativen, kreativen Impulsen und Fragestellungen geprägt ist und immer neue und relevante Erkenntnisse hervorgebracht hat.
Viel Spaß beim Lesen und nehmen auch Sie teil an der Wertschätzung von Lebensmitteln im Kampf gegen „Food Waste“.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Prof. Dr. Nicole Graf
Rektorin DHBW Heilbronn
Hinführung zum Thema
Gesetzliche Regelungen für die Weitergabe von Lebensmitteln
2.1 Rechtliche Situation in Deutschland und in Frankreich
2.2 Positionen der Diskussionsteilnehmenden
Mindesthaltbarkeitsdatum
3.1 Fehlsteuerung durch das Mindesthaltbarkeitsdatum
3.2 Positionen der Diskussionsteilnehmenden
Vermarktungsnormen
4.1 Vermarktungsnormen für frisches Obst und Gemüse
4.2 Positionen der Diskussionsteilnehmenden
Verpackungsgrößen
5.1 Verpackungsgröße als Verkaufsanreiz
5.2 Positionen der Diskussionsteilnehmenden
Containern
6.1 Containern im In- und Ausland
6.2 Positionen der Diskussionsteilnehmenden
Coating & Branding
7.1 Innovative Kennzeichnung und Verpackung
7.2 Positionen der Diskussionsteilnehmenden
Fazit
Über die Diskussionsteilnehmenden
Quellenverzeichnis
Abbildung 1: Sustainable Development Goals / Ziele für eine nachhaltige Entwicklung
Abbildung 2: The waste hierachy
Abbildung 3: MHD
Abbildung 4: Obst und Gemüse B-Ware aus der Biokiste
Abbildung 5: Eiscremeverpackung in den USA mit 3,9 Litern im Vergleich zu deutschen Familienpackungen mit 0,9 Litern
Abbildung 6: Restmüllcontainer im Lager eines Supermarktes
Abbildung 7: Avocado mit Schutzschicht
AES
Alltagskultur-Ernährung-Gesundheit
DHBW
Duale Hochschule Baden-Württemberg
BMEL
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
EU
Europäische Union
FAO
Food and Agricultural Organization of the United Nations
GfK
Gesellschaft für Konsumforschung
HBW
Handelsverband Baden-Württemberg
LEH
Lebensmitteleinzelhandel
LMIV
Lebensmittelinformationsverordnung
MHD
Mindesthaltbarkeitsdatum
MLR
Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
SDG
Sustainable Development Goal
StGB
Strafgesetzbuch
UN
United Nations/Vereinte Nationen
USA
United States of America
WD
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags
XXL
extra, extra large
Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel wird verschwendet.1 Food Waste bezeichnet und beinhaltet alle Lebensmittel und -erzeugnisse, verarbeitet, teilweise verarbeitet oder roh, die für den menschlichen Konsum vorgesehen sind, die jedoch nie von Menschen konsumiert werden. Dazu gehören auch Getränke sowie die Teile der Nahrung, die als unvermeidbare Lebensmittelabfälle gelten, wie Knochen oder Obstkerne.2 Für die Bundesrepublik Deutschland sind das in absoluten Zahlen 11,86 Millionen Tonnen pro Jahr. Diese Summe ergibt sich aus den Abfällen von fünf Sektoren entlang der Lebensmittel-Wertschöpfungskette: der Primärproduktion, der Lebensmittelverarbeitung, dem Handel, dem Außerhausverzehr3 und den privaten Haushalten. Diese Sektoren tragen in unterschiedlichem Umfang zu den 11,86 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen pro Jahr bei. 6,14 Millionen Tonnen und damit über die Hälfte (52%) entstehen in den privaten Haushalten, gefolgt von der Lebensmittelverarbeitung (18%) und dem Außerhausverzehr mit 14%. Im Rahmen der Primärproduktion fallen 12% der Lebensmittelabfälle an, im Handel sind es 4% und damit 490.000 Tonnen pro Jahr.4
Obwohl der Handel in Deutschland damit denjenigen Teilbereich darstellt, der in geringstem Maße zu den Lebensmittelabfällen beiträgt, so kommt ihm doch als Schnittstelle zwischen Primärproduktion, Lebensmittelverarbeitung und Konsum eine bedeutsame Rolle zu. Betont sei an dieser Stelle, dass der Handel allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen bereits ein Interesse daran hat, möglichst wenig Lebensmittel aufgrund von Bruch, MHD5 oder Verderb entsorgen zu müssen. Der Handel kann jedoch über Produkteinheiten, -verpackungen und Kaufanreize, wie beispielsweise Sonderangebote oder Regalplatzierungen, den Konsum und damit indirekt auch die Lebensmittelabfälle der privaten