Fördern - Thomi Eichhorn - E-Book

Fördern E-Book

Thomi Eichhorn

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Beschreibung

Dieses Buch ist sowohl an Fachleute aus dem Bildungsbereich als auch an andere bildungsaffine Menschen gerichtet. Es soll ein Fachbuch sein, aber keine wissenschaftliche Arbeit. Die Lektüre soll neue Ideen liefern und zum Hinterfragen eigener Glaubenssätze und Heuristiken anregen. Es soll nicht abschliessenden Charakter haben, es soll vielmehr ein Prozessbuch sein. Es geht darin um Grundlagen des Förderns, um die beiden Generalplayer Lernende-Lehrende und eine kritische Betrachtung des Systems Schule in Bezug auf das Fördern.

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Seitenzahl: 119

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dieses Buch ist sowohl an Fachleute aus dem Bildungsbereich als auch an andere bildungsaffine Menschen gerichtet. Es soll ein Fachbuch sein, aber keine wissenschaftliche Arbeit. Die Lektüre soll neue Ideen liefern und zum Hinterfragen eigener Glaubenssätze und Heuristiken anregen. Es soll nicht abschliessenden Charakter haben, es soll vielmehr ein Prozessbuch sein.

Es geht darin um Grundlagen des Förderns, um die beiden Generalplayer (Lernende – Lehrende) und eine kritische Betrachtung des Systems Schule in Bezug auf das Fördern.

Vorwort

Das soziale Wesen Mensch kommt nicht umhin, seinen Mitmenschen gegenüber immer wieder helfend, betreuend, assistierend oder kooperierend zu begegnen. Besteht ein Ziel, worauf wir mit anderen hinsteuern, oder äussern sich Bedürfnisse in unserem Umfeld, werden wir oft fördernd tätig.

Fördern ist ein soziales Ereignis, das wir in fast allen Lebensbereichen finden. Hier in meiner Arbeit soll vor allem das Fördern in einem schulischen und erzieherischen, aber durchaus auch in einem weiter gefassten Sinn betrachtet werden, um Eindrücke davon zu erhalten, was Fördern als soziale Aktion ausmacht, was es dafür braucht und wann es nachhaltig wird.

Vorerst soll der Blick nicht nur auf die didaktischen Aspekte fallen: Es gilt, begrifflich etwas Klarheit zu schaffen, dann verschiedene Bilder von Bildung zu betrachten, im Weiteren den Gelingensgrundlagen nachzuspüren und schliesslich und hauptsächlich die Belange von Fördernden und Geförderten sowie Fragen zum System Schule zu behandeln. Dieses System gibt Regeln vor, die auf die Nachhaltigkeit von Förderbemühungen begünstigend oder erschwerend Einfluss nehmen. Und letztendlich hängt die Wirksamkeit dieser Anstrengungen von allen Beteiligten ab, insbesondere von den Lehrpersonen und deren Haltungen und Glaubenssätzen.

Meine Dokumentation ist weniger an die breite Öffentlichkeit gerichtet als an eben diese Lehrpersonen und an Menschen, die in der Bildung tätig oder in besonderer Weise mit ihr verbunden sind.

Ich erwarte selbstredend nicht in allen Belangen Zustimmung. Im Gegenteil: Ich freue mich auf einen lebendigen und erweiternden Diskurs. Vielleicht gelingt es mir, das Hinterfragen tradierter Lehrtraditionen anzuregen oder zu neuen Sichtweisen zu verhelfen und eine «konstruktive Verunsicherung» zu bewirken.

Die vorliegende Schrift ist nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung. Vielmehr ist es eine Sammlung und Reflexion von Eindrücken und Fachmeinungen aus Hospitationen und Interviews mit Förderfachleuten, ein Vergleichen und Interpretieren dieses «Sammelguts» mit den Inhalten der studierten Fachliteratur und nicht zuletzt ein Kondensat meines eigenen Forschens in der täglichen Arbeit mit den Lernenden.

Die Auswertungen der Hospitationen habe ich aus datenrechtlichen Gründen bewusst anonymisiert.

Folgende Förderbereiche habe ich besucht:

IF (Integrierte Förderung) KG/UnterstufeIF GesamtschuleIF OberstufeLogopädiePsychomotorikFrühberatungSchulsozialarbeitSpitalschuleNeonatologieDemenzabteilung AltersheimSonderschule HZIBehindertenwerkstatt: WerkenBehindertenwerkstatt: TagesstätteFachstelle Bildung im Strafvollzug BiStGefängnisunterrichtMusikunterrichtkollegiale Hospitationen

Im Vorfeld zu meiner Weiterbildungsphase ergab sich für mich im Herbst 2015 eine sehr erfreuliche Gelegenheit: Anlässlich eines Besuchs bei unserem Bekannten Christof Arn eröffnete dieser, dass er gerade an einem Buch über Präsenzdidaktik arbeite und Fachlektoren suche, die überdies einen Artikel aus ihrer Fachrichtung beisteuern würden. Gerne habe ich diese Chance wahrgenommen, zumal das Thema des Buches im ganzen reformpädagogischen Kontext starke Berührungspunkte zu meinem Thema hat. Mein Artikel zu diesem Buch (das im März 2016 erschien) findet sich im letzten Kapitel ab Seite 91.

Thomi Eichhorn, Oktober 2018

Inhalt

Begriff – fördern und be-fördern, was heisst das?

Bedeutungen

Synonyme

Bilder – Vorstellung von Bildung im Zusammenhang mit Fördern

Erziehungsstile

Rollenbilder

Verantwortung

Grundlagen – was im Umfeld von Fördern beachtenswert ist

Plädoyer für eine Wohlfühlschule

Grundbedingungen des Wohlfühlens

Individualisieren

Konstruktivistische Didaktik

Modus «flow»

Offener Unterricht

Gruppendynamik

Was heisst Erziehung?

Lob und Tadel

Die Rolle des Glücks

Der Lehrende – die Belange des Fördernden

Authentisch sein

Sympathie für Schüler und Inhalte

Vorbild

Haltungen

Autorität, Regeln, Grenzen, Strafen

Wohlfühlschule – auch für Lehrende

Lehrerverhalten – fördernd oder hemmend

Die Hattie-Studie

Der Lernende – die Belange des Geförderten

Der Lernende bin ich

Lernen lehren

Lernbereitschaft

Teilhabe

Selbstattribution

Selbstwirksamkeit

Resilienz

Leben mit der Schwäche

Zuckerbrot oder Peitsche

Autonome Lernprozesse

Schlüsse aus der Wesensheterogenität der Lernenden

Heterogene Elternschaft

Systemkritische Gedanken – was hindert, was fördert

Familie und Schule

Person oder System

Neue Bilder

Neue Ziele

Schülerbeurteilung

Neue Strukturen

Politik als Weichensteller

Förderparadigmen, neue Werte

10 Gebote des Förderns – mehr als eine Glaubensfrage

Präsenzdidaktik – Artikel zum Buch von Christof Arn

Lehrerzentrierung – Schülerzentrierung – Lehr/Lern-Kosmos

Kontrollverlust, Zeitmangel, Chaos und andere Ängste

Neue Bilder und Altbewährtes

Agile Didaktik – warum gerade bei kleinen Kindern

Literatur

Begriff

Der Begriff «fördern» findet in mannigfaltigen Lebensbereichen von Bildung über Kultur und Sport, aber auch in sehr spezifischen Situationen rege Verwendung.

Bezieht man weitergehend auch seine Abwandlungen und Synonyme mit ein, eröffnet sich ein grosses Feld unseres Gesellschaftslebens.

In den weiteren Kapiteln wird dann «fördern» vorab im Sinne der zwei unten folgenden Begriffserklärungen verstanden.

Bedeutungen von fördern, be-fördern

Fördern als ein Füllen von Defiziten, als ein Perfektionieren von fragmentarischem Wissen oder mangelhafter Fertigkeit mit dem Ziel einer definierten Leistungsfähigkeit.

Fördern im Sinne einer Entwicklungsbegleitung einer begabten Person mit dem Ziel einer möglichst hohen Leistungsfähigkeit.

Fördern in der Gestalt einer finanziellen oder administrativen Hilfe für eine Institution, eine Idee, ein Brauchtum; oft in der Form eines Fördervereins oder eines Mäzenatentums.

Fördern im Sinn der Rohstoffgewinnung.

Be-fördern von Personen oder Gegenständen von A nach B.

Be-fördern von Personen von Status A zum höheren Status B.

Weg-befördern: Im gemeinsamen Nutzen der beförderten Person und der Gesellschaft lässt man diese aufsteigen, um sie einem durch sie ungünstig beeinflussten Umfeld oder einem ihr Unwohlsein bereitenden Umfeld zu entziehen. Beispielsweise befördert man eine wenig kontaktbegabte Person weg vom Publikumsbereich in eine administrative Leitungsposition.

Peter-Prinzip: Die These von Laurence J. Peter besagt, dass in einer genügend komplexen Hierarchie Personen so lange befördert werden, bis sie den Grad ihrer höchsten Unfähigkeit erreicht haben. Komplett pervertiert wäre das System schliesslich, wenn alle Mitarbeitenden den maximalen Inkompetenzgrad erreicht hätten.

Peter-Prinzip in gezielt angewandter Form: Eine Person, die man als fürs Ganze ungeeignet erachtet, der man aber mangels eigentlicher Verfehlungen nicht einfach kündigen kann, wird so lange befördert, bis ihre Unfähigkeit auch für sie offensichtlich oder gar unerträglich wird und sie von sich aus den Betrieb verlässt.

Synonyme für fördern (gem. Rechtschreibe-Duden 2014)

Allgemein: aufbauen, begönnern, begünstigen, sich einsetzen, eintreten, helfen, sponsern, unterstützen, vorwärtsbringen, weiterbringen

Gehoben: Förderung angedeihen lassen, sich verwenden für

Bildungssprachlich: lancieren, protegieren

Umgangssprachlich scherzhaft: In den Sattel helfen, unter seine Fittiche nehmen

Jargon: powern

Wirtschaftlich, politisch: anregen, befördern, begünstigen, steigern, unterstützen, zur Entfaltung bringen, pushen

Bergbau: ausbeuten, gewinnen, abbauen, schürfen

Synonyme für be-fördern (gem. Rechtschreibe-Duden 2014)

Allgemein (im Sinne von transportieren): bringen, fahren, schaffen, spedieren, transportieren, überführen

Bildungssprachlich: expedieren

Beruflicher Aufstieg: höhergruppieren, höherstufen

Vorteilhafter Einfluss: begünstigen, erhöhen, fördern, heben, steigern, unterstützen, verstärken, anheizen

«Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.»

Aristophanes,

altgriechischer Dichter

Albert Anker, «Die Dorfschule von 1848», 1896, Öl auf Leinwand

Herkunft/Fotograf: «Von Anker bis Zünd, Die Kunst im jungen Bundesstaat 1848 – 1900», Kunsthaus Zürich

Bilder

Lange Zeit bestand über Erziehung und Bildung in unserer Gesellschaft ein weitgehender Konsens. Eltern erzogen ihre Kinder, wie sie selbst erzogen wurden. Was die Eltern in der Schule lernten, wiederholte sich bei ihren Kindern weitgehend.

In den letzten Jahrzehnten hat sich vieles verändert, Reformen haben ganz neue Varianten von Erziehen und Bilden hervorgebracht. Ziele und Selbstverständnis von Erziehenden bewerten Gesellschaft und Fachwelt inzwischen sehr divergent. Und vieles, was früher selbstverständlich war, bedarf heute einer Begründung oder Rechtfertigung. Obschon oder weil das Wissen über Bildung und Erziehung in der Gesellschaft grösser geworden ist, haben es Eltern und Lehrpersonen heute erheblich schwerer. Dazu kommt, dass sich fast jeder berufen fühlt, über dieses Thema zu befinden.

Die verschiedenen Erziehungsstile und Rollenbilder, die den Erwachsenen im Umgang mit dem Nachwuchs zur Verfügung stehen, haben grossen Einfluss auf die Nachhaltigkeit des Förderns und bedürfen hier einer kurzen Betrachtung in Form einer Zusammenfassung aus der Literatur.

Erziehungsstile

Die Fachliteratur stellt die gängigen Erziehungsstile sehr ähnlich dar. Ich habe mich hier zusammenfassend auf die meistgenannten Kriterien konzentriert.

Autoritärer Erziehungsstil

alleiniger Entscheidungsanspruch des Erziehendengeringe Wertschätzungwenig emotionale Zuwendungstrenge Regeln, Strafen, Erziehung durch Zwanghoher Dirigismus

Antiautoritärer Erziehungsstil (Laisser-faire)

umfängliches Entscheidungs- und Mitspracherecht des Gefördertenhohe Wertschätzunghohe emotionale Zuwendungdemokratische Regelbildung, wenig Regeln, kein Zwang

Vernachlässigender (negierender) Erziehungsstil

Desinteresse des Erziehers am Wohl des Geförderten und seiner Entwicklunggeringe Wertschätzunggeringe oder fehlende emotionale Zuwendungkeine Regeln – der Geförderte ist sich selbst überlassen

Autoritativer Erziehungsstil

dialogischer Umgang mit Rechten und Pflichten (begründend, erklärend)hohe Wertschätzunghohe emotionale Zuwendungklare Regeln, klare Führung, aber geteilte und klar deklarierte Verantwortlichkeitenmassvoller, förderorientierter Dirigismushoher Förder- und massvoll hoher Forderanspruch

Rollenbilder

Beobachtet man Eltern im Umgang mit ihren Kindern oder Lehrpersonen beim Unterrichten, offenbaren sich dem geübten Auge verschiedene Rollenmuster, die Lehrende und Lernende meist recht stabil pflegen – Rollen, die sich oft gegenseitig bedingen oder zumindest begünstigen.

Zur Veranschaulichung solcher Rollensysteme hier vier Beispiele, die das Rollenverhalten von Lehrenden und Lernenden bewusst überzeichnen. Die Geschlechterzuordnung ist beliebig.

Lehrende

Lernende

Der Messias

Der Gläubige

Er sieht sich als die personifizierte Kompetenz. Er geht davon aus, dass schon seine Anwesenheit einen Kompetenzsprung bewirken muss. Wer nicht reüssiert, muss folglich dumm, renitent und sonst wie selbst schuld sein. Kritisches Denken nimmt er absolut persönlich.

Was vom Lehrer kommt, wird unhinterfragt übernommen. Er sammelt folgsam Fakt um Fakt und gibt diese anlässlich der Prüfung möglichst deckungsgleich wieder. Kritische Anmerkungen versucht er der unvermeidlich bissig-bösen Kommentare wegen zu vermeiden.

Die Aufopfernde

Die Dankbare

Sie gibt alles für ihre Kinder und investiert viel in ihre Vorbereitung. Als Gegenleistung für ihr Opfer erwartet sie Aufmerksamkeit und vor allem Dankbarkeit. Wer nicht versteht, tut das, um sie zu ärgern.

Sie macht alles, um in der Gunst der Lehrerin zu sein. Oft bedankt sie sich und lobt den Unterricht. Nie würde sie etwas bemängeln oder Fragen stellen, denn das würde sie mit kaltem Wind aus dem Paradies fegen.

Lehrende

Lernende

Der Entertainer

Der Partygänger

Der Spass seiner Schüler ist ihm wichtig. Er gestaltet unterhaltsame Unterrichtseinheiten, die den Schülern weitgehende Freiheiten lassen – ein reizvoller Selbstbedienungsladen. Regeln, Pflichten und Lernziele sind zweitrangig, Freude an der Schule geht vor.

Er geht meist gern in die Schule. Der Lehrer ist ein cooler Typ. Die Schule findet er meist unterhaltsam. Was nicht unterhält, vermeidet er. Leuten gegenüber, die Regeln oder Pflichten einfordern, reagiert er frech oder renitent, denn «Spass geht vor»!

Der Regisseur

Die Schauspielerin

Das Lern- und Lebenswohl seiner Kinder ist ihm wichtig. Er begleitet die Kinder reflektiert und achtsam in ihrem Lernen und führt klar und bewusst. Er schafft fördernde und fordernde Umgebungen, passt die Schwierigkeiten jedem an, aber er weiss: Lernen müssen die Kinder schliesslich selber.

Sie sieht sich klar in der Verantwortung für ihr Lernen. Sie ist aber froh, dass der Lehrer immer da ist, wenn sie ihn braucht. Sie schätzt es, aufgemuntert, bestärkt zu werden. Seine Tipps und Tricks helfen ihr auch durch die Klippen des Miteinanders in der Klasse. Aber sie weiss: Meine Rolle, die spiele ich selber!

Verantwortung

Für Lehrende wie Lernende stellt sich nun die Frage, zu welchem Typ sie tendieren. Geht es dem Lehrenden um Macht (administrative, kognitive oder emotionale), will er unterhalten oder will er zum Katalysator einer gesunden Entwicklung eines jungen Menschen werden?

Der Lernende muss abwägen, ob er allein um Geltung und Zuwendung buhlt, ob nur Reiz und Fun ihn aktivieren, oder ob er bereit ist, Lernverantwortung zu übernehmen und seine Rolle eigendynamisch zu füllen.

Sind wir als Erwachsene in der Rolle des Lernenden, ist diese Reflexionsleistung zumutbar. Kinder sind da überfordert und der Lehrende muss sich der kausalen Folgen seines Lehrverhaltens bewusst sein. Gerade in der Volkschule hat das Kind (im Gespann mit den Eltern) keine Chancen, dem Lehrer-Schüler-Setting zu entrinnen. Die Schulbehörden entscheiden über die Zuteilung.

Die Lehrenden haben es in der Hand, und eigentlich nur sie, dieses Setting so zu gestalten, dass ein nachhaltiges Fördern resultieren kann, in dem ein autoritativ führender Regisseur zusammen mit motivierten Schauspielern ein starkes Stück auf die Bühne bringt.

«Überall lernt man nur von dem, den man liebt.»

Johann Wolfgang von Goethe,

deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Grundlagen

Bevor wir uns den Förder-Akteuren, den Lehrenden und den Lernenden widmen, richtet das nächste Kapitel den Fokus auf die Bedingungen, die dem Fördern zuträglich sind. Ähnlich wie ein umsichtiger, professioneller Gärtner Voraussetzungen wie Standort, Bodenqualität, Besonnung, Wasser, Zweck und ähnliches vor der Gestaltung einer Pflanzung bedenkt, müssen sich auch die Lehrenden den Bedingungen achtsam zuwenden, die dem jungen «Schüler-Pflänzchen» das Wachsen ermöglichen oder zumindest erleichtern.

Vieles davon liegt schon in der Person des Lehrenden und insbesondere in seiner Haltung sowohl seinen Klienten (Schüler/in, Eltern) wie auch seiner Rolle gegenüber. Seine Zuwendungsbereitschaft, sein Interesse an Kind und Inhalt, seine Empathie, seine philanthropische Grundeinstellung, seine Agilität und Flexibilität, seine Authentizität, seine Aufrichtigkeit und seine Klarheit sind wichtige Förderfaktoren. Ebenso ist in der Person des Lernenden vieles an Potential oder an Grenzen vorbestimmt.

Da hinein mischen sich Erwägungen oder Kritiken der Gesellschaft, die jeden weitreichenden Konsens in Zweifel ziehen können. Die Aufgabe von Erziehenden und Lehrenden ist eine schwierige. Da lohnt es sich, ein paar Einflussgrössen für den «Garten Schule» gesondert anzuschauen.

Plädoyer für die Wohlfühlschule

Ein beliebter, schon längst zum Schimpfwort avancierter Begriff ist jener der «Wohlfühlschule». Von den Kritikern wird gerne – parallel zu diesem Vorwurf – die Geborgenheit stiftende Familie hochgehalten. Wärme und Sicherheit, Führung und Begleitung, ein Hort der Zugehörigkeit, dies alles macht eine Familie als Grundlage für das Werden des Kindes unverzichtbar. Das Wohlgefühl in der Familie – das ist der unangefochtene Konsens der Gesellschaft.

Und in der Schule? Da soll das Wohlfühlen plötzlich nicht mehr mit Wärme und Sicherheit, mit Führung und Begleitung, mit Hort der Zugehörigkeit assoziiert werden, sondern mit Nichtstun, mit Ziel- und Führungslosigkeit, mit «jeder darf tun, was er gerade mal will».

Da stimmt etwas nicht. Da haben die Kritiker nicht zu Ende gedacht.