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Katrin ist wütend, als sie an diesem Morgen in die Gondelbahn steigt, die sie ins Skigebiet tragen soll. In der Nacht hatte sie Streit mit ihrem eifersüchtigen Mann gehabt – weil sie sich am Abend beim Apres Ski sehr angeregt mit einem fremden Mann unterhalten hatte. Deshalb ist es ihr auch ganz recht, dass sie diesen Skitag erst einmal allein beginnen kann und die Gondel mit niemandem teilen muss. Kurz bevor sich die Tür schließt, springt jedoch noch ein anderer Skifahrer zu ihr in die Kabine. Als Katrin feststellt, dass dies der sympathische und gutaussehende Mann ist, der Ursache für den blödsinnigen Ehekrach war, kommt sie ins Grübeln. Eigentlich neigt sie nicht zum Seitensprung – und schon gar nicht zum Spontansex mit einem Fremden. Hier und jetzt kann die vollbusige Frau aber einfach nicht widerstehen. In der Serie „Sinnliche Augenblicke“ erzählt Kirsten Steiner in loser Folge von erotischen Begegnungen an besonderen Orten oder in besonderen Situationen.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Wunderbar, sie hatte die Gondel für sich. Katrin stand an diesem Morgen ohnehin nicht der Sinn nach Konversation. In einer Seilbahn war es zwar auch völlig normal, dass man sich die ganze Fahrt über anschwieg, wenn man mit Fremden in der Kabine saß, aber heute war es doch ganz schön, dass sie allein war in der Gondel, die eigentlich für sechs Personen Platz bot. Der absonderliche Streit mit ihrem Mann wirkte nach – und das tat nicht gut. Da war es schön, ein bisschen für sich zu sein. Sie war froh, dass er ausschlafen wollte und sie diesen Tag auf der Piste erst einmal allein verbringen konnte.
Es war insgesamt noch nicht viel los an diesem frühen Morgen in der Talstation. Die Lifte hatten gerade erst ihren Betrieb aufgenommen, und viele Skifahrer hatten sich vermutlich vom dichten Schneetreiben abschrecken lassen. Als die Gondel um die Kurve schwebte, steckte Katrin ihre Ski außen in die dafür vorgesehene Halterung und stieg ein. Knapp 15 Minuten würde die Fahrt bis zur Bergstation dauern. Sie würde diese Viertelstunde der Einsamkeit genießen – auch wenn bei dem Wetter heute kaum Sicht vorhanden war. Vielleicht schien oben auf dem Berg ja die Sonne. So etwas erlebte man beim Skifahren immer wieder.
Nur ein paar Sekunden bevor die Tür sich automatisch schloss, steckte doch noch jemand seine Ski außen ins Fach. In nächsten Augenblick saß ihr ein fremder Mann gegenüber. So viel zum Thema erwünschte Einsamkeit während der Fahrt nach oben, dachte sie missmutig. Dann also 15 Minuten gemeinsames Schweigen. Der Fremde setzte sich, während fast im selben Augenblick die Türen zuschwenkten und die Gondel Fahrt aufnahm.
„Nicht gerade sonnig heute“, sagte der Mann.
Auch das noch, dachte Katrin. Der Fremde wollte Smalltalk. Aber zu mehr als einem zustimmenden „Mhm“ wollte sie sich nicht hinreißen lassen.
Der Mann nahm Sturzhelm sowie die blau-violett getönte Schneebrille ab und legte beides auf den Sitz neben sich. Anschließend setzte er ein charmantes Lächeln auf und sah sie an. Offensichtlich erwartete er mehr als ihr undefinierbares Murmeln. Sein Problem. Immerhin sah sie ihn jetzt ernsthaft an – und war perplex. Sie kannte dieses offene, freundliche Lächeln.
Das konnte doch nicht wahr sein! Wie viele Skiurlauber gab es hier in dem kleinen Alpendorf? Hunderte? Vermutlich waren es eher Tausende. Und in einer der ersten Gondeln, die an diesem Morgen die Menschen auf den Berg trugen, stieß sie ausgerechnet auf Simon – den Mann aus der Schirm-Bar, der der Grund gewesen war für den Ehekrach, den sie am Vorabend mit Christoph erlebt hatte. Solche Zufälle gab es doch gar. Offenbar gab es es sie doch, wie sie nun feststellte.
Unter dem Schirm war es voll gewesen. Als Katrin und Christoph die Bar am Ende der Talabfahrt am Nachmittag zum täglichen Apres-Ski betraten, konnten sie zunächst keinen freien Platz entdecken. Sie waren allerdings auch spät dran. So spät, dass sie bei ihrer letzten Abfahrt von der Pistenkontrolle eingeholt worden waren. Der Mann von der Bergwacht stellte sicher, dass sich nach Betriebsende der Lifte niemand mehr in den Abfahrten befand, bevor die Schneeraupen ihre Arbeit aufnahmen. Geduldig hatte er gewartet, bis Katrin und Christoph ihre Abfahrt beendet hatten – was an diesem Tag etwas länger dauerte, weil Christoph seit einem heftigen Sturz eine Stunde zuvor etwas zittrig auf den Beinen war. Er hatte sich seinen Apres-Ski an diesem Tag wirklich verdient, befand seine Frau, als sie die Bar betraten.
Der fremde Mann fiel Katrin sofort auf – und sie ihm offenbar ebenfalls. Er saß auf einer der vollen Bänke, hatte ein Bier (oder vielleicht auch ein Radler) vor sich und machte mit freundlichem Lächeln eine einladende Handbewegung. Dann sagte er noch etwas zu den Sitznachbarn, und alle rückten so zusammen, dass zwei freie Plätze entstanden. Katrin setzte sich zwischen die Fremden, ihr Mann stieß ein paar Minuten später mit zwei Bechern Glühwein dazu. Katrin hätte nach dem Skitag zwar erst einmal eine große Apfelschorle bevorzugt, aber sie nahm auch dankbar den Glühwein.
In den wenigen Minuten, in denen Christoph nach Getränken angestanden hatte, war Katrin bereits mit dem freundlichen Fremden warm geworden und hatte seinen Namen erfahren: Er hieß Simon und war mit mehreren Freunden hier. So etwas war völlig normal nach dem Skitag unter dem Schirm. Anders als in den Gondelbahnen kam man beim Apres-Ski schnell mit Fremden ins Gespräch. Auch Christoph begann eine Diskussion mit zwei Männern aus Simons Clique. Allerdings hörte Katrin in der Richtung bald weg. Die Männer sprachen über Politik und waren offenbar unterschiedlicher Meinung. Das klang zunehmend unfreundlich – und darauf hatte sie keine Lust.
Sie fand es sehr viel angenehmer, mit Simon über die Schönheit der Alpen und die richtige Technik beim Tiefschneefahren zu plaudern. Außerdem hatte der Mann schöne Augen, ein charmantes Lächeln und eine sonore Stimme. Er gefiel ihr. Sie hatte auch überhaupt nichts dagegen, dass sich ihre Beine aneinanderdrückten – was bei der Enge auf der Sitzbank ohnehin nicht zu vermeiden war. Auch als nach einiger Zeit (beim inzwischen dritten Glühwein) andere Gäste gingen und mehr Platz entstand, sah sie keinen Grund, von dem Mann zu ihrer Rechten abzurücken – auch wenn sie durchaus wahrnahm, dass Christoph zu ihrer Linken dafür Platz machte. Dafür war die Plauderei mit diesem fremden Skifahrer, der ihr längst nicht mehr fremd erschien, viel zu anregend. Oder war aus der Plauderei bereits ein Flirt geworden? Die Grenzen waren ja oftmals fließend. Und Katrin hatte es schon immer genossen, nicht so genau zu wissen, auf welcher Seite der Grenze man sich befand.
