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WAS IST EIGENTLICH EINE STUMPERY? Was verbirgt sich hinter den altehrwürdigen Mauern von Berkeley Castle? Und wie kann Salbei dabei helfen, den Klimawandel aufzuhalten? Gartenexpertin und Energiebündel Gerda Walton lädt ein zu einer Reise durch die schönsten Gärten Englands. Mit im Gepäck: das Wissen der besten Headgardener und Koryphäen der Landschaftsarchitektur. Walton gibt zahlreiche Tipps und Tricks, um den heimischen Garten wie die Profis zu gestalten. "Gärtnern wie Gott in England" begeistert Fans der eleganten und traditionsreichen englischen Gartenkunst, die tiefer in die Materie eintauchen möchten. Mit praxisnahen und leicht verständlichen Anleitungen inspiriert Walton Gartenleidenschaftler, von dem Laien bis hin zum Profi.
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Seitenzahl: 219
Veröffentlichungsjahr: 2025
„Die schönste & höchste Art des irdischen Vergnügens zu bereiten, das ist die Aufgabe eines Gartens.“
GERTRUDE JEKYLL
GERDA WALTON
Das dekorative Gartentor der privaten Manor House Gardens von Upton Grey steht Gartenbegeisterten bei rechtzeitiger Anmeldung jederzeit offen
EINLEITUNG
HISTORISCHE GÄRTEN
Die Gärten rund um Burgen & Schlösser
Die Gärten der englischen Königinnen
Knotengärten
Topiary
ENGLISCHE GARTENKUNST
Die 5 Gartenwunder der Royal Horticultural Society
Der ewig junge Cottage Garden
Zauberhafte Frühlingsgärten
Englische Rosenträume
Landschaftsgärten & „geliehene“ Landschaften
Walled Gardens
Mixed Borders
Gärten in Weiß, Silber & Grün
Gärten mit „Sunny Spells“
Es blüht aus jeder Ritze
Hidden Gardens
Gemüse aus dem Garten
Englischer Rasen
Stumpery
MOST BELOVED: ENGLISCHE LIEBLINGSBLUMEN
Allium
Amsonia
Blauer Mohn
Bluebells – Hasenglöckchen
Disteln
Etagen-Primeln
Euphorbien
Lavendel
Die neuen Katzenminzen
Rittersporn
Säckelblume
Salbei
BOTANISCHES VERZEICHNIS • IMPRESSUM
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Getreu meinem Lebensmotto, wonach Alter kein Stillstand, sondern Erntezeit ist, habe ich nach meiner Pensionierung mein lebenslang sehr intensiv gepflegtes Hobby Garten zu meinem Zweitberuf gemacht. Mittlerweile bin ich nun seit 25 Jahren mit Enthusiasmus für das größte Tiroler Reisebüro als fotografierende und nie auslernende Garten-Reiseleiterin durch die grünen Paradiese dieser Erde unterwegs. Aus Altersgründen jetzt nicht mehr weltweit, sondern vorzugsweise nur mehr nach England, wo ich als mittlerweile routinierter „garden hunter“ aus der Fülle an eindrucksvollen Gärten bereits einige hundert kennenlernen durfte. Viele, viele würden noch auf meiner Wunschliste stehen…
Von Jahr zu Jahr denke ich natürlich darüber nach, wann wohl mein letztes Reisejahr sein wird. Aber nachdem meine Gartenreisen ein wahres Lebenselixier sind, eine meiner Stammkundinnen hat neulich sogar gemeint, sie seien eine Droge, bin ich optimistisch und freue mich bereits auf viele weitere wunderbare Erlebnisse in den einzigartigen englischen Gärten. Ich schaue einfach nicht mehr auf mein Geburtsdatum, sondern richte mich nach dem keltischen Baumhoroskop, das ich als für mich stimmig entdeckt habe. Dort bin ich ein zeitloser Nussbaum, ein praktisch pflegefreier und sehr alt werdender Baum, der ob seiner ausgeprägten Herzwurzel schwierig zu verpflanzen ist, mit zunehmendem Alter jedoch mehr und mehr Früchte trägt. Bekanntlich geht das, was man weitergibt, nicht verloren. Und so möchte ich mit diesem Buch, das ich mit viel Herzblut geschrieben habe, „mit warmen Händen“ zumindest ein bisschen von all dem weitergeben, was mich während der letzten Jahre in den englischen Gartenparadiesen begeistert und mein Leben ungemein bereichert hat.
Aldrans bei Innsbruck, im November 2024
Wenn man beim Besuch hoch aufragender mittelalterlicher Burgen, prächtiger englischer Castles, geschichtsträchtiger alter Abteien oder eines der zahllosen herrschaftlichen Anwesen Englands an der meist sehr bescheidenen Kasse am Eingang einen großformatigen Gartenplan in die Hand gedrückt bekommt, so hat das mehrere, ganz einfache Gründe. Zum einen liefe man angesichts der für kontinentale Verhältnisse oft schlichtweg gigantischen Ausmaße dieser Anwesen Gefahr, sich zu verlaufen, und zwar nicht nur in den legendären Heckenlabyrinthen. Die Größe englischer Gärten wird oft unterschätzt. Die Angaben erfolgen meist in Acres, einem in England gebräuchlichen Flächenmaß, das etwa 4.000 Quadratmetern entspricht – was schon für sich eine beachtliche Größe darstellt. Wenn man dann aber etwas ungläubig liest, dass zum Beispiel in den berühmten Wisley Gardens sage und schreibe 240 Acres – fast 100 Hektar – zur Verfügung stehen, kann man kaum glauben, dass man sich nicht verrechnet hat. Die farbenfrohen Pläne helfen daher vor allem auch, den ungefähren Zeitaufwand abzuschätzen, den man für den Besuch der Rosengärten, Teichlandschaften, Walled Gardens, Kies- und Gemüsegärten, Mixed Borders, Rhododendronwälder, Bluebells Walks und was sonst noch geboten wird, benötigt, damit wenigstens noch etwas Zeit für die Besichtigung der Innenräume der Houses bleibt, die meist für ihren Prunk berühmt und mit unzähligen Antiquitäten überreich ausgestattet sind. Bei aller Gartenliebe und angesichts der auf Reisen bekanntlich viel zu schnell vergehenden Zeit, sollte man keinesfalls auf die angebotenen Hausbesichtigungen verzichten, da Haus und Garten meist ein harmonisches Ensemble bilden und uns einen tieferen Einblick in den einstigen Zeitgeschmack und wohl auch unvorstellbaren Reichtum der früheren Besitzer vermitteln. Am besten stellt man sich einen ungefähren Zeitplan zusammen und schaut ab und zu auf die Uhr, denn die Zeit vergeht nur allzu schnell.
Last but not least nimmt man die bunten Pläne natürlich gerne als Souvenir mit nach Hause, als Erinnerung an die unvergesslich schönen Stunden, die man in den oft märchenhaft anmutenden Gärten verbracht hat. Zu diesem Eindruck trägt vielleicht auch ein wenig bei, dass man nur selten merkt, wie viel Gärtnerschweiß in diesen Märchengärten vergossen wurde und immer noch fließt, um sich so perfekt zu präsentieren, wie es die zahlenden Besucher von heute erwarten. Die Öffnungszeiten sind meist relativ kurz, dafür stören weder Rasenmäher-Lärm noch nervtötende Heckenscheren den Besuch. In aller Ruhe kann man das leise Plätschern der Springbrunnen, das Gezwitscher der Vögel, vielleicht auch das Quaken der Frösche in den malerischen Teichlandschaften genießen und hört allenfalls ganz leise die Stimmen der anderen Gartenbesucher, die sich hinter hohen Hecken verbergen.
Zu den ganz großen Sehenswürdigkeiten gehört zweifellos Warwick Castle, ein mittelalterliches Machtsymbol, das in der englischen Geschichte immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Die martialische Burg in der gleichnamigen Stadt wurde von Generationen von Gärtnern kunstvoll mit unterschiedlichstem Grün umgeben, das den kriegerischen Zweck in den Hintergrund drängt. Die Mauern, die den riesigen Burghof umschließen, versinken von Jahr zu Jahr mehr unter mächtigen Rhododendren, während im Topiary-Rosengarten lebendige Pfauen vor ihren aus Eiben geschnittenen Nachbildungen für die fotografierenden Besucher ein dekoratives Rad schlagen. Baumfreunde stehen mit ehrfürchtiger Bewunderung vor den gigantischen Baumriesen, die unbeeindruckt vom Zahn der Zeit und dem oft dramatischen Geschehen im nahen Schloss Jahrhundert um Jahrhundert überdauert haben. Übrigens: Wer angesichts der Fülle an Highlights noch etwas Zeit übrig hat, sollte sich die direkt unterhalb der Burgmauern gelegenen privaten Mill Gardens mit ihren beeindruckenden „Vistas“ auf die nebenan hoch aufragende Burg und den vorbeifließenden malerischen Avon nicht entgehen lassen.
Dieser, nach Windsor Castle zweitgrößte Adelssitz Englands, hat als Kulisse für die Verfilmungen der Harry Potter-Romane eine neue Bekanntheit erhalten. So prachtvoll und interessant das nahe der schottischen Grenze gelegene Schloss auch sein mag, Gartenfreunde werden die weite Reise in den Norden wohl eher aus einem anderen Grund auf sich nehmen. Im Jahr 2001 öffnete hier nämlich, damals mit kräftiger Unterstützung und entsprechender Bewerbung durch die EU, das ambitionierteste Gartenprojekt im Vereinigten Königreich seit dem Zweiten Weltkrieg nach einem langen Dornröschenschlaf wieder seine Pforten. Der erste Garten war hier bereits Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden, wurde aber 1950 geschlossen, bis er mit kolportierten Kosten von damals rund 40 Millionen Pfund als gemeinnütziges Projekt zur Revitalisierung des englischen Nordens wiederbelebt wurde.
Rund um eine aufwendige Wasserkaskade, die den Garten dominiert, wurden die unterschiedlichsten Gärten angelegt. Der Ornamental Garden beherbergt die landesweit größte Sammlung europäischer Pflanzen, der Kirschgarten sorgt zur Blütezeit für eine rosa Farbexplosion und der Rosengarten blüht den ganzen Sommer über. Einzigartig ist jedoch, was sich hinter schwarzen Metallgittern mit eingravierten Totenköpfen verbirgt. Hier, im „Giftgarten“, wachsen nämlich giftige bis tödliche Pflanzen, weshalb dieser Teil des Gartens vorsichtshalber nur mit Führung betreten werden darf.
Sehenswert ist auch das an der Südküste bei Chichester gelegene Arundel Castle, dessen abwechslungsreiche Gärten teilweise einen faszinierenden Blick auf die im neugotischen Stil erbaute Kathedrale des Städtchens bieten. Es gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen und zugleich als eines der eindrucksvollsten Schlösser Großbritanniens. Es ist die standesgemäße Residenz des jeweiligen Herzogs von Norfolk. Wer das heute von einer gemeinnützigen Stiftung betriebene Schloss mit seinen unzähligen Kostbarkeiten und den rund 18 Hektar großen Park- und Gartenanlagen mit mehreren Themengärten ausgiebig besichtigen möchte, sollte fast einen Tag einplanen. Besondere Attraktionen und Höhepunkte des Gartenjahres sind das Tulpenfestival im April/Mai vor der Kulisse des Schlosses und die Margeriten-Wiesen im Juni. Mehrere Gartenbereiche von Arundel wurden bereits mit Preisen ausgezeichnet, so beispielweise The Stumpery, eine Ansammlung bizarrer, umgedrehter Wurzeln alter Eiben-, Kastanien- und Eichenstümpfe, die als Opfer der Stürme im Oktober 1987 hier Verwendung fanden und nun mit jahreszeitlich wechselnder Bepflanzung aufwarten. Besonders schön sind neben vielen Farnen verschiedene Wildtulpen und Hasenglöckchen (Bluebells) im Frühjahr, aber auch die eher seltenen Martagon-Lilien im Juni. Das ehemalige mittelalterliche Bowling Green wurde vor einigen Jahren mit historischen englischen Rosen bepflanzt, im Küchengarten kann man außerdem ein restauriertes Wein- und Pfirsichhaus aus dem Jahr 1852 besichtigen.
Das dramatische Berkeley Castle an der Grenze zu Wales darf ebenfalls nicht fehlen, auch wenn der Garten für englische Verhältnisse nicht allzu groß ist. Dafür punktet die aus dem 11. Jahrhundert stammende Burg mit einem grandiosen Blick in eine „borrowed landscape“, wie die Engländer so treffend sagen. Im Juni verzaubern die von Rosen überwucherten alten Mauern und verleihen dem geschichtsträchtigen Castle den Nimbus eines Dornröschenschlosses. Derzeit wird an einer Erweiterung des Gartens gearbeitet.
Auch die sehenswerte Isle of Wight hat eine große Burganlage zu bieten, Carisbrook Castle aus normannischer Zeit. Hier verbrachte die jüngste Tochter von Queen Victoria, Beatrice, oft ihre Sommerferien und hat nicht nur ein Museum, sondern auch einen bezaubernden Garten angelegt, der die trutzigen Mauern völlig vergessen lässt. Nicht allzu weit entfernt liegt inmitten eines riesigen Landschaftsgartens Osborne House, die bevorzugte Sommerresidenz ihrer Mutter. Vom inzwischen in einen Rosengarten umgewandelten, einst als Gemüsegarten dienenden Walled Garden, zieht er sich als vorwiegend von Rhododendron und Baumriesen dominierter, waldähnlicher Park bis an den einstigen Privatstrand der königlichen Familie.
im Südwesten Londons wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut und besaß einst einen der prächtigsten Gärten Europas. Für Liebhaber formaler Gärten mag dies auch heute noch zutreffen. Der 24 Hektar große Park mit seinen in England eher seltenen, meist aus der Barockzeit stammenden formalen Gartenanlagen wird jedenfalls mit großem Aufwand gepflegt und ist unverzichtbarer Bestandteil eines Ausflugs zum riesigen Palastkomplex an der Themse. Der im Tudorstil angelegte Knotengarten wurde zwar erst 1924 angelegt, erinnert aber an die Zeit, in der Heinrich VIII. Hampton Court mit seinen wechselnden Ehefrauen bewohnte. Neben der großen Orangerie steht in einem eigenen Gewächshaus „The Great Vine“, ein 1769 von Englands berühmtestem Gartengestalter, Lancelot „Capability“ Brown gepflanzter Weinstock, der heute als der größte der Welt gilt. Ende des 17. Jahrhunderts wurde, passend zum Umbau des Schlosses und dem Zeitgeist entsprechend, ein formaler Barockgarten mit aufwendigem Broderieparterre angelegt, der 1995 restauriert wurde und heute mit einer jahreszeitlich wechselnden Bepflanzung aufwartet.
Eine wirkliche Besonderheit in England sind wohl die Gärten, in denen malerische Ruinen gepflegt und nicht selten sogar öfter fotografiert werden, als die dazugehörigen Herrenhäuser neueren Datums. Vor allem dann, wenn sie so sorgfältig und liebevoll in die Natur eingebettet sind, wie das vom National Trust betreute Scotney Castle in Kent. Bereits um 1830 hatte der damalige Besitzer die Idee und wohl auch die finanziellen Mittel, das ziemlich feuchte und damals unbewohnbare mittelalterliche Schlösschen in den Mittelpunkt seiner geplanten „natürlichen“ Gartenumgestaltung zu stellen, wie es der damaligen Mode entsprach. Wann immer man Scotney besucht, der Anblick ist atemberaubend. Die Gärtner haben hier mit so viel Einfühlungsvermögen gearbeitet, dass man sich, wenn sich der Blick auf das ehemalige Schlösschen am Ende eines kleinen Tales inmitten eines Teiches öffnet, selbst als Teil dieses einzigartigen Bildes fühlt. Einfach überwältigend ist die Zeit der Rhododendronblüte, an die sich nahtlos die Blüte der großflächig angepflanzten, seltenen Kalmien anschließt, während wenig später Unmengen von Fingerhut den Hang vom viktorianischen Herrenhaus bis zur alten Burgruine in ein rosa-violettes Blütenmeer tauchen. Es fällt schwer, sich vom Blick hinunter auf das einfach bezaubernde alte Schlösschen zu trennen, doch wer sich umdreht, stellt überrascht fest, dass der Blick über die Wasserfläche hinauf zum neuen Herrenhaus nicht minder malerisch ist. Um den weitläufigen Park, das noch immer mit Heidekraut bewachsene ehemalige „Ice House“, das viktorianische Bootshaus, die Heilquelle, die artenreichen Wildblumenwiesen und nicht zuletzt den Walled Garden an der höchsten Stelle über dem großen Parkplatz auch nur annähernd erkunden zu können, sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Einfach überwältigend muss Scotney zur Zeit der Laubfärbung sein, seine Gärtner lieben es aber auch im Winter, wenn der nächtliche Frost einen weißen Schleier über den Park wirft und er für kurze Zeit ganz ihnen gehört.
Viele der ehemals großen Abteien wie die romantische Anglesey Abbey in der Nähe von Cambridge oder die gewaltige Forde Abbey in Dorset, die nach der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. seinen Günstlingen als Adelssitze übergeben wurden, beeindrucken noch heute durch ihre Größe und Ausstattung. Die meisten wurden in den späten Nachkriegsjahren, wie viele der großen Herrenhäuser und Gärten, meist aus finanziellen Gründen oder mangels geeigneter Nachfolger dem National Trust übergeben, der ihren Erhalt für die Nachwelt sicherstellt und auch die Gärten mit großer Sorgfalt pflegt.
Die Zeit hat castles & gardens zu einzigartigen Bildern verwoben.
Arundel Castle liegt von weitem sichtbar in herrlicher Aussichtslage und ist von sehr unterschiedlichen Gärten umgeben.
Die einst kriegerischen Zwecken dienenden Mauern von Berkeley Castle wurden inzwischen von Rosen erobert.
Blühender Fingerhut im Vordergrund, den Rasen mähende Schafe im Hintergrund, so präsentiert sich das romantische Scotney Castle seinen vielen Besuchern aus aller Welt.
In Warwick Castle hat üppig blühender Rhododendron das Kommando über die Burgmauern übernommen.
Durch das Interieur der Anglesay Abbey sollte man sich unbedingt von der „Haushälterin“ führen lassen.
Optisch nicht zu toppen – die Kathedrale von Arundel als Gartenhintergrund
Durch eine einstige Bewohnerin von Hever Castle, Anne Boleyn, hat sich das Rad der englischen Geschichte gewaltig gedreht.
Hinter den martialischen Mauern von Carisbrook Castle auf der Isle of Wight kann man einen bezaubernden kleinen Walled Garden entdecken.
In der weitläufigen Anlage von Hampton Court finden sich Gärten der unterschiedlichsten Stil-Epochen.
Nur selten kann man in den englischen Prachtgärten, wie hier in Scotney. Castle, den Gärtnern auch einmal bei ihrer interessanten Arbeit zusehen.
GESCHICHTSTRÄCHTIGE BURGEN, SCHLÖSSER, ANWESEN ODER EINSTIGE ABTEIEN MIT SEHENSWERTEN GÄRTEN
1Alnwick CastleNORTHUMBERLAND
alnwickcastle.com
2Arundel CastleWEST SUSSEX
arundelcastle.org
3Berkeley CastleGLOUCESTERSHIRE
berkeley-castle.com
4Blenheim PalaceOXFORDSHIRE
blenheimpalace.com
5Carisbrooke CastleISLE OF WIGHT
6Chenies ManorBUCKINGHAMSHIRE
cheniesmanorhouse.co.uk
7Cholmondeley Castle,CHESHIRE
cholmondeleycastle.com
8Haddon HallDERBYSHIRE
haddonhall.co.uk
9Hatfield HouseHERTFORDSHIRE
hatfield-house.co.uk
10Leeds CastleKENT
leeds-castle.com
11Penshurst PlaceEAST SUSSEX
penshurstplace.com
12Scotney CastleEAST SUSSEX
13Sherborne CastleDORSET
sherbornecastle.com
14Warwick CastleWARWICKSHIRE
warwick-castle.com
15Anglesey AbbeyCAMBRIDGESHIRE
16Buckland AbbeyDEVON
17Forde AbbeyDORSET
fordeabbey.co.uk
18Fountains AbbeyNORTH YORKSHIRE
19Lacock AbbeyWILTSHIRE
20Mottisfont AbbeyHAMPSHIRE
21Norton PrioryCHESHIRE
nortonpriory.org
22Sudeley CastleGLOUCESTERSHIRE
sudeleycastle.co.uk
Eigentlich könnte so gut wie jeder der vielen historischen Gärten auf der britischen Insel, die sich weitläufig um die trutzigen Burgen und Schlösser als Zeugen der englischen Geschichte ausbreiten, Geschichten ohne Ende über Freud und Leid seiner Nutzer erzählen. Und nicht selten wohl auch über die Lebensgeschichte der berühmten, aber allzu oft namenlosen Gärtner, die sie gestalteten – und das über Jahrhunderte hinweg. Meist ist in den Familienchroniken der großen Adelsgeschlechter genau überliefert, warum und auf welchem Weg diese in den Besitz der oft riesigen Ländereien kamen, und fast immer sind damit kriegerische Auseinandersetzungen und viel Blutvergießen verbunden. Fast alle englischen Könige des Mittelalters und der Renaissance vergaben ihre großen Besitzungen als Lehen und Treuepfand an ihre wechselnden Vasallen, und die Schlösser und Burgen, die uns Gartenbesuchern heute mit ihren alten, von Rosen geschmückten Mauern so malerische Fotomotive bieten, wechselten häufig den Besitzer, denn in königliche Ungnade konnte man schnell und gründlich fallen.
Nicht wenige der ehemals königlichen Anwesen sind untrennbar mit den Namen großer englischer Königinnen verbunden. Und wenn auch nicht alle das Rad der Geschichte so stark drehten, dass ihre Namen auch über die Jahrhunderte hinweg nicht in Vergessenheit gerieten, so waren es doch immer sie, die sich um Haus und Hof und damit auch um die Gestaltung der Gärten kümmerten, während die Könige im Krieg, auf Kreuzzügen, Eroberungszügen oder wo auch immer, oft jahrelang abwesend waren. Wer sich nicht nur für berühmte Gärten, sondern auch für Geschichte interessiert, und beides ist in England eng miteinander verbunden, wird sich nach der Rückkehr von einer Gartenreise wohl sofort auf die Suche nach den oft weit zurückliegenden Ereignissen in den besuchten Schlössern und ihren Gärten machen. Denn nicht nur in den alten Gemäuern weht der Hauch längst vergangener Zeiten und erzählt vom Alltag vieler Generationen, auch die Gärten tragen ihren Teil dazu bei.
Vom Kontinent kommend liegt als erstes das Wasserschloss Leeds Castle auf der Reiseroute, das auch „Schloss der Königinnen“ genannt wird, und dessen Ursprünge auf das Jahr 857 zurückgehen. Es ist Märchenschloss und Zeitzeuge zugleich. Im 12. Jahrhundert lebte hier für einige Zeit Eleonore von Aquitanien, die in Ungnade gefallene Gemahlin Heinrichs II. Im 15. Jahrhundert war es Aufenthaltsort der Stammmutter der Tudor-Dynastie, Katharina von Valois, die mit ihrem nicht standesgemäßen zweiten Ehemann Owen Tudor am königlichen Hof unerwünscht war. Vom Londoner Hof zunächst nach Leeds verbannt wurde im 16. Jahrhundert auch Katharina von Aragon, die erste Frau des berüchtigten Heinrich VIII., der sich von ihr wegen einer gewissen Anne Boleyn scheiden ließ.
Wie viele englische Schlösser und Herrenhäuser verdankt Leeds seinen perfekten Erhaltungszustand seiner letzten Besitzerin, einer Amerikanerin, die zwar keine Adelige war, aber über die Mittel verfügte, das Schloss aufwendig zu restaurieren. Die riesige Besitzung wurde von ihr in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt und das inmitten einer großen Wasserfläche gelegene Schloss in einen weitläufigen Landschaftspark mit mehreren Höhepunkten eingebettet. Weithin bekannt ist das Labyrinth aus 2.400 Eiben, das zwar recht tückisch ist, aus dem aber bisher jeder irgendwie wieder herausgefunden hat. Der Rosengarten zeigt vor allem alte Rosensorten in bunter Mischung mit Stauden. Im Park kann man im Sommer als botanische Besonderheit eine große Gruppe des rosa blühenden Chinesischen Losbaums bewundern, der irgendwann, vermutlich über den Umweg Kew Gardens, aus China kommend im weitläufigen Park von Leeds Castle eine neue Heimat gefunden hat.
Das Schloss ist in vielerlei Hinsicht ein absoluter Publikumsmagnet. Nur wenige Besucher wissen von der Liebesgeschichte, die sich hier im 16. Jahrhundert abspielte und England buchstäblich auf den Kopf stellte. Hever war der Familiensitz der Boleyns, deren beiden Töchtern Heinrich VIII. nicht widerstehen konnte. Die Obstbäume sind zwar nicht mehr die gleichen, aber der historische Apfelgarten, in dem der berüchtigte despotische englische König seiner späteren zweiten Frau Anne Boleyn den Hof machte, ist natürlich erhalten geblieben. Dass die hier bekundete Liebe nicht ewig währte, sondern für die unglückliche Anne mangels eines männlichen Erben, offiziell wegen Hochverrats, auf dem Schafott endete, bedeutete gleichzeitig die Enteignung der Familie Boleyn und für England die Wirren einer neuen Religion. Hever und seine Ländereien fielen an die Krone zurück, und Heinrich VIII. zögerte nicht, seine kurzzeitige Ehefrau Nr. 4, Anna von Cleve, dort unterzubringen, die sich nach der Annullierung ihrer Ehe auf Hever sogar sehr wohl gefühlt haben soll.
Nach Jahren des Verfalls erwarb die amerikanische Familie Astor 1904 Hever Castle, renovierte es von Grund auf, damit wieder Leben einkehren konnte, und legte prachtvolle Gärten an, die noch heute besichtigt werden können. Berühmt ist vor allem der Walled Rose Garden, aber auch das Schachspiel aus goldenen Eiben, ein kleiner Irrgarten, der riesige See am Ende des Gartens und der Kamelienweg. Vor allem aber die vielen dekorativen Topiary-Figuren und nicht zuletzt der stimmungsvolle Apfelgarten verleihen dem architektonisch einzigartigen Hever sein ganz besonderes Ambiente.
Ehemals königliche Gärten sind oft mit den Namen englischer Königinnen verbunden.
Im Herzen der Cotswolds versinkt das von einstigen kriegerischen Auseinandersetzungen nicht verschont gebliebene Sudeley Castle heute in der Fülle seiner blühenden Gärten.
Hever Castle präsentiert seinen Besuchern aus aller Welt unter anderem auch mehrere wunderbare Rosengärten.
Im Juni wird der einstige legendäre Apfelgarten von Hever zum umsummten Bienenparadies.
Clerodendrum bungei, auch Herrlicher Losbaum oder Ruhmesblume genannt, stammt, wie der Name sagt, aus China. Der sommergrüne Strauch wird etwa 2 Meter hoch und breit und ist als Spätsommerblüher bei Insekten aller Art sehr beliebt. Nach den rosafarbenen, intensiv duftenden Blüten, die denen der Hortensien sehr ähnlich sind, bilden sich auffällige, rotblaue Fruchtstände, die bis in den Winter hinein für Farbe sorgen. Die Pflanze stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, am besten geeignet ist ein nährstoffreicher, durchlässiger, feuchter Boden im Halbschatten. Ist der Boden locker und sandig, sollte in niederschlagsfreien Perioden gelegentlich gewässert werden. Wenn die Pflanze genügend Platz hat, breitet sie sich gerne über unterirdische Ausläufer aus. Um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, kann man eventuell eine Wurzelsperre einbauen, aber auch einfaches Ausreißen unerwünschter Triebe hält die Pflanze in Schach. Um den Strauch kompakt zu halten, sollte er vor dem Austrieb etwas zurückgeschnitten werden. Clerodendrum bungei gilt als winterhart, friert aber oft bis zum Boden zurück. Im Frühjahr treibt er wieder aus und blüht erneut. Insgesamt ist der Herrliche Losbaum sehr pflegeleicht, in den ersten Jahren nach der Pflanzung empfiehlt sich jedoch ein Winterschutz aus Laub, das um den Wurzelballen verteilt wird. Er eignet sich auch gut als Kübelpflanze und verzaubert so mit seinen duftenden Blüten.
Unweit von Hever Castle liegt inmitten weitläufiger Gärten der Landsitz Penshurst Place, in dem Heinrich VIII. auf seinem Ritt nach Hever oft Station machte. Das in Teilen mittelalterlich erhaltene Haus gilt als eines der vollständigsten Beispiele der Wohnkultur des 14. Jahrhunderts in England, das bis heute erhalten geblieben ist. Auch Penshurst befand sich einige Zeit in den Händen der Krone, nachdem sein Besitzer, einer der Herzöge von Buckingham, aus nicht ganz geklärten Gründen auf Befehl des Königs hingerichtet worden war. In den Ausstellungsräumen von Penshurst sind unter anderem zahlreiche Erinnerungsstücke an Elizabeth I. zu sehen, die als eine der bedeutendsten Königinnen Englands gilt, und auf ihren alljährlichen Sommerreisen durch England mit ihrem riesigen Hofstaat gerne auf dem schönen Landsitz Station machte. Die für die Besichtigung hergerichteten Räumlichkeiten erstrecken sich über mehrere Stockwerke und lohnen den etwas mühsamen Aufstieg über die, damals aus Verteidigungsgründen im alten Gemäuer sehr schmal und steil angelegten, Treppen allemal. Die weitläufige Gartenanlage wurde in den letzten Jahren von ambitionierten Gärtnern nach und nach komplett erneuert und kann sich heute wirklich sehen lassen. Für Gartenfreunde interessant ist die im Winter 2023/24 durchgeführte drastische Verjüngung der kilometerlangen Eibenhecken, die einen aufschlussreichen Blick in das geheime Innenleben einer so alten Pflanzung erlaubt, wie man ihn nur selten zu sehen bekommt. In einigen Jahren soll sie sich wieder in ihrem ursprünglichen Zustand präsentieren, allerdings deutlich „erschlankt“.
Die Gärten des Buckingham Palace, die bis zum Tode von Elizabeth II. nur anlässlich ihrer alljährlichen Gartenparty (und auch dann nur einem ausgewählten Kreis) offen standen, werden in Zukunft wahrscheinlich einem größeren Kreis von Garteninteressierten zugänglich sein, so der Palast, wie öfters kolportiert, für zahlendes Publikum geöffnet wird. Windsor Castle hat, zumindest für den normalen Besucher, nur einen kleinen Schlossgarten anzubieten. Ganz in der Nähe befinden sich aber die sehenswerten Savill Gardens, die vor allem zur Rhododendronblüte einen Besuch wert sind. Schloss Sandringham, das von der königlichen Familie immer um die Weihnachtszeit besucht wird, liegt inmitten eines großen Landschaftsparks und kann in den Sommermonaten nach Voranmeldung besichtigt werden.
Eines der berühmtesten und geschichtsträchtigsten Herrenhäuser Englands, nördlich von London gelegen, präsentiert sich inmitten einer 17 Hektar großen, sehr abwechslungsreichen Gartenanlage. Einst Bischofssitz, ging der so genannte Old Palace nach der Aufhebung der Klöster in den Besitz Heinrichs VIII. über. Hier ließ er seine drei Kinder abseits des Hofes aufwachsen. Elizabeth I. soll nach dem Tod ihrer Halbschwester Mary bei einem Spaziergang durch die Gärten von Hatfield von ihrer Thronfolge erfahren haben, was auf einem großen Marmorrelief inmitten des Blumengartens dargestellt ist. Der ehemalige königliche Palast wurde später von Robert Cecil erworben, dem Chefminister sowohl Elisabeths I. als auch ihres Nachfolgers Jakob I. Er ließ ein prächtiges neues Haus im jakobinischen Stil errichten, für das zum Teil Material aus dem riesigen alten Palast verwendet wurde. Ein Teil davon ist glücklicherweise bis heute erhalten geblieben und bildet zusammen mit dem davor liegenden elisabethanischen Labyrinth und dem Knotengarten ein äußerst reizvolles Ensemble. Einst von einem der berühmtesten Gartengestalter Englands, John Tradescant, entworfen, wurden das historische Heckenlabyrinth, der Küchengarten und die üppigen Staudenbeete seit der viktorianischen Zeit bis heute immer wieder sorgfältig restauriert und geben einen guten Überblick über die verschiedenen Epochen der Gartengeschichte. Hatfield House ist Privatbesitz des jeweiligen Marquess of Salisbury und kann an mehreren Tagen der Woche besichtigt werden.
Heute liegt Chenies in friedlicher ländlicher Stille, aber das war nicht immer so. Könnten seine Mauern sprechen, sie würden wohl nie aufhören zu erzählen. Die Ursprünge des – zumindest im Vergleich zu zahllosen anderen protzigen Adelssitzen in England – heute eher bescheiden wirkenden Herrenhauses reichen bis ins 12. Jahrhundert. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das aus rotem Backstein errichtete Haus ständig erweitert, da kein Geringerer als der berühmte Heinrich VIII. der es liebte, anlässlich seiner vielen Reisen durch sein Herrschaftsgebiet, in Chenies zu logieren und es nicht nur mit seinen bekanntermaßen häufig wechselnden Königinnen, sondern stets auch mit einer riesigen Entourage beehrte. Als historisch verbürgte Pikanterie erzählt man sich in Chenies vom einstigen Techtelmechtel seiner blutjungen Königin Nr. 5, Catherine Howard, mit einem attraktiven Höfling namens Thomas Culpepper, das sich hier abgespielt haben soll und beiden schließlich wegen Hochverrats den Kopf kostete.
Hatten die Herzöge von Bedford Chenies einst mit großem Aufwand zu einem Palast ausgebaut, der eines königlichen Besuchs würdig war, so konnten oder wollten die späteren Besitzer diesen Prunk nicht erhalten, und das heutige, vergleichsweise bescheidene, aber dennoch sehr stilvolle Herrenhaus erinnert kaum noch an vergangene Zeiten. Es sei denn, der Blick schweift nach oben zu den rund 30 aufwendig gestalteten und original erhaltenen Backsteinkaminen aus der Tudorzeit, die eine wahrhaft beeindruckende Dachlandschaft bilden.
