Gedanken für den Tag - Omraam Mikhaël Aïvanhov - E-Book

Gedanken für den Tag E-Book

Omraam Mikhaël Aïvanhov

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Beschreibung

Das Buch »Gedanken für den Tag« enthält für jeden Tag des Jahres einen schönen, prägnanten Text aus dem Werk von Omraam Mikhael Aivanhov. Es ist ein wertvoller Begleiter durch das Jahr, der jeden Tag bereichern kann. Auch ist es als Meditationshilfe und als Geschenk gut geeignet. Das Buch erscheint jährlich mit neuen Texten und ist unser Bestseller.

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Über den Autor

Omraam Mikhaël Aïvanhov war ein großer spiritueller Meister, ein lebendiges Vorbild, ein »Überbringer des Lichts« und ein warmherziger, humorvoller Lehrer, der durch sein selbstloses, zugängliches und brüderliches Verhalten überzeugte.

Er strebte an, alle Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten – so wie ein Bergführer seine Kameraden sicher bis auf den höchsten Gipfel führt.

Das Gedankengut, das Omraam Mikhaël Aïvanhov verbreitet hat, bietet zahlreiche Methoden und einen klaren, begehbaren Weg zu größerer Vollkommenheit und mehr Lebensglück.

In wohltuend einfacher Sprache erklärt er alle wichtigen Zusammenhänge des Lebens und ist gerade bei den Fragen unserer heutigen Zeit wegweisend. Ob es um die Bewältigung des Alltags geht, um das Thema der Liebe und Sexualität oder um tiefgründige philosophische Themen – stets sind seine Antworten überraschend klar und hilfreich.

Kurzbeschreibung

»Gedanken für den Tag – Ausgabe 2019«

Das Buch »Gedanken für den Tag - Ausgabe 2019« enthält für jeden Tag des Jahres einen schönen, prägnanten Text aus dem Werk von Omraam Mikhael Aivanhov. Es ist ein wertvoller Begleiter durch das Jahr, der jeden Tag bereichern kann. Auch ist es als Meditationshilfe und als Geschenk gut geeignet. Das Buch erscheint jährlich mit neuen Texten und ist unser Bestseller.

Da Omraam Mikhaël Aïvanhov seine Lehre ausschließlich mündlich überlieferte, wurden seine Bücher aus stenographischen Mitschriften, Tonband- und Videoaufnahmen seiner frei gehaltenen Vorträge erstellt.

Inhaltsverzeichnis

Über den Autor

Kurzbeschreibung

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Januar 2019

Februar 2019

März 2019

April 2019

Mai 2019

Juli 2019

August 2019

September 2019

Oktober 2019

November 2019

Dezember 2019

Index

Anhang

Abbildung 1: Die höhere und niedere Natur im Menschen

Abbildung 2: Der Lebensbaum

Abbildung 3: Namen der Hierarchien im Lebensbaum

Abbildung 4: Der hebräische Buchstabe Shin

Anmerkung zur Abbildung 2 und 3: Einführung in den Lebensbaum

Vom selben Autor – Reihe Gesamtwerke

Vom selben Autor – Reihe Izvor

Vom selben Autor – Reihe Broschüren

Copyright

Vorwort

»Jeden Morgen, bevor ihr irgendetwas anderes unternehmt, sammelt euch einen Moment lang in andächtiger Stille, damit Frieden und Harmonie in euch einziehen und um euch mit dem Schöpfer zu verbinden, dem ihr den beginnenden Tag durch euer Gebet und eure Meditation weiht.

Der Beginn ist sehr wesentlich. Denn zu diesem Zeitpunkt werden neue Kräfte ausgelöst und auf ein Ziel ausgerichtet. Um in der rechten Weise zu handeln, muss immer die Suche nach dem Licht am Anfang stehen. Denn auch in der Nacht stürzt ihr euch nicht in die Dunkelheit, um irgendwo einen Gegenstand zu holen oder eine Arbeit zu beginnen, sondern ihr macht zuerst eine Lampe an, damit ihr etwas seht, und dann handelt ihr. Und in gleicher Weise ist es notwendig, in allen Situationen des Lebens zuerst ein Licht anzumachen, das heißt, sich zu konzentrieren und sich innerlich zu sammeln, damit man weiß, wie man vorzugehen hat. Wenn ihr dieses Licht nicht habt, werdet ihr hin und her laufen, an etliche Türen klopfen und doch nichts Rechtes ausrichten.

Der ganze Tagesverlauf ist durch die Richtung, die ihr am Morgen euren Gedanken gebt, schon vorgegeben. Denn je nachdem, ob ihr achtsam und wachsam seid oder auch nicht, räumt ihr euch den Weg frei oder, im Gegenteil, ihr versperrt ihn euch mit allerlei unnützen, ja sogar schädlichen Dingen. Ein Schüler in der Einweihungswissenschaft weiß, wie er den Tag beginnen muss, damit es ein fruchtbarer, mit der Gnade Gottes erfüllter Tag werde und er diese Gnade dann um sich herum an alle Geschöpfe austeilen kann. Er weiß, dass er schon früh am Morgen einen grundlegenden Gedanken hegen muss, um den herum im Tagesverlauf alle weiteren Gedanken kreisen.

Wenn ihr für jeden Tag ein bestimmtes Ziel, eine bestimmte Ausrichtung und ein Ideal habt, dem ihr zustrebt, dann werden sich nach und nach eure sämtlichen Aktivitäten ordnen und regeln und so zur Verwirklichung dieses Ideals beitragen. Und selbst wenn fremde, negative Gedanken und Empfindungen in euch eindringen wollen, werden sie umgelenkt und in den Dienst der göttlichen Welt gestellt; auch sie werden die Richtung nehmen müssen, für die ihr euch entschieden habt. Auf diese Weise könnt ihr dank des grundlegenden Gedankens, den ihr früh am Morgen in euer Denken aufgenommen habt, diesen Tag in das große Buch des Lebens einschreiben.

Und da ja alles aufgezeichnet wird, so wird, wenn ihr einmal einen großartigen Tag gelebt habt, einen Tag des ewigen Lebens, dieser nicht nur registriert und unvergänglich, sondern er hat auch die Tendenz, alle weiteren Tage auf seinen Weg zu ziehen, sodass sie ihm gleichen. Versucht, zumindest einen einzigen Tag gut zu leben, denn dieser wird die folgenden beeinflussen; er wird sie ermuntern, ihnen zuflüstern und sie überzeugen, so wie er zu werden, ausgeglichen, geordnet, harmonisch.«

Omraam Mikhaël Aïvanhov

Januar 2019

1. Januar

Wenn ihr morgens erwacht, so bemüht euch, bewusst darüber zu werden, wie wichtig dieser Augenblick ist, denn von ihm wird der ganze restliche Tag abhängen, und von diesem Tag hängt auch euer weiteres Leben ab. Wenn ihr heute nicht richtig lebt, werdet ihr den nächsten Tag immer damit verbringen, die Folgen der am Vortag begangenen Fehler auszumerzen. All jene, die sich um ihre Zukunft bemühen und dabei die gegenwärtigen vierundzwanzig Stunden vernachlässigen, hinterlassen überall in ihrer Existenz Lücken und werden wieder auf die Erde kommen, um zu korrigieren, zu reparieren und zu leiden.

Wenn es euch nur gelingt, die gegenwärtigen vierundzwanzig Stunden richtig zu leben, dann bereitet ihr damit die kommenden vierundzwanzig Stunden vor, und euer jeweiliges Lernprogramm ist einfach auszuführen: Der Weg ist geebnet, es gibt keine Behinderungen, und dadurch wird das Leben leichter. Beginnt also damit, die ersten Momente jeden Tages bewusst zu leben, um die darauf folgenden Stunden vorzubereiten. Sagt euch: »Die Vergangenheit ist vergangen, die Zukunft muss erst noch kommen, aber das Heute steht mir zur Verfügung. Deshalb mache ich mich jetzt an die Arbeit!«

2. Januar

Es gibt die Erde und es gibt den Himmel. Beide verlangen unsere Aufmerksamkeit, und wir müssen lernen, sowohl für die eine als auch für den anderen zu arbeiten, indem wir damit beginnen, gut zu unterscheiden, welches die materiellen, irdischen und welches die spirituellen Werte sind. Solange wir auf der Erde leben, ist es ausgeschlossen, sie zu verlassen. Aber auf diese Erde sollen wir nur unsere Füße stellen und unseren Kopf im Himmel halten, was bedeutet, dass wir in alle unsere Aktivitäten Weisheit und Liebe hineinlegen, damit jede von ihnen uns der göttlichen Welt näher bringt.

Um ein Bild zu verwenden, würde ich sagen, dass wir unsere irdische Existenz so angehen sollen, wie es die Pflanzen tun. Betrachtet einen Baum: Er bleibt in der Erde verankert, aber dank des Wassers und des Lichts, das er vom Himmel erhält, verwandelt er die Erde und bewirkt ihre Weiterentwicklung, indem er Blüten und Früchte hervorbringt. Der Baum enthüllt uns, wie wir auf der Erde arbeiten, während wir uns gleichzeitig zum Himmel ausrichten. Das ist eine weitere Lehre, die uns die Natur erteilt: Wir dürfen nicht nur die Erde, die Materie nicht vernachlässigen, sondern wir sollen etwas tun, um sie zu verwandeln.

3. Januar

Die Liebe ist eine Wissenschaft, aber nur sehr wenige kümmern sich darum, diese zu studieren. Deswegen gibt es so viele Leute, die, voll guter Absichten, anderen ihre Liebe erklären und nach kurzer Zeit enttäuscht und verbittert dastehen, obwohl sie nichts als das Wort »Liebe« in ihrem Munde führten. Das ist fatal: Ihre Liebe, die unaufgeklärt war, hat sie in jämmerliche Situationen gebracht, und jetzt beklagen sie sich, dass die Liebe die Ursache allen Übels sei.

In Wirklichkeit ist es die Unwissenheit über die Liebe, welche Unglück bringt, nicht die Liebe selbst. Aber ihr müsst euch lange darin üben, euch mit Gott, der Quelle des ewigen Lebens zu verbinden, damit das Wasser in euch, eure Kräfte und Energien, sich ohne Unterlass erneuert. Zu Beginn wird euch diese Übung vielleicht nicht anziehend erscheinen. Ihr würdet Gott gerne lieben, aber euer Herz bleibt leer, ihr langweilt euch und lasst eure Gedanken umherschweifen. Macht aber weiter und sagt euch, dass euer gesamtes Leben von dieser Verbindung abhängt, die ihr gerade mit Ihm aufbaut. Nach und nach werdet ihr so reich, so stark, dass ihr allein durch eure Gedanken Tausenden von Menschen in der Welt helfen könnt, weil es für die Schwingungen keine Grenzen gibt.

4. Januar

Jeder Mensch hat eine bestimmte äußere Erscheinung, die es möglich macht, ihn wiederzuerkennen. Angesichts gewisser physischer Formen kann man sich nicht täuschen. Innerlich besitzt er jedoch die Fähigkeit, sich mit allem, was existiert, zu identifizieren, und übrigens tut er dies mehr oder weniger bewusst den ganzen Tag lang. Durch die Nachahmung identifiziert sich ständig etwas in ihm mit dem, was er berührt, sieht oder hört. Deswegen müssen wir wachsam sein und ab und zu innehalten, um uns zu fragen, mit wem oder mit was wir uns gerade identifizieren. Denn wir werden früher oder später zu jenen Wesen und Dingen, mit denen wir uns in dem Moment vereinen.

Und das Licht ist das, womit wir vor allem zu verschmelzen trachten sollten, um eines Tages wirklich zu diesem Licht zu werden. Wenn es uns gelingt, ausgehend von unserem Geist, dem in uns wohnenden Funken, nach und nach unser ganzes Wesen zu erleuchten, so werden wir die gleichen Fähigkeiten haben und die gleichen Segnungen bringen wie das Sonnenlicht.

5. Januar

Was ist eine Wohnung? Ein Ort, an dem man Schutz findet, an dem man arbeitet und lebt. Aber man kann sagen, dass unser physischer Körper bereits eine Wohnung ist, so wie auch alle anderen materiellen Körper – ein Tier, ein Baum, eine Blume, ein Stein – Wohnungen sind.

Auf der physischen Ebene haben wir mindestens zwei Wohnungen: unser Haus und unseren Körper. Doch die Wohnung ist nicht nur auf der physischen Ebene, sondern auch auf der psychischen und spirituellen Ebene eine Realität. Auf den feinstofflichen Ebenen besitzen wir auch Wohnungen: den Astral-, Mental-, Kausal-, Buddhi- und Atmankörper.* So wie in einem Gebäude mehrere Wohnungen vorhanden sein können, gehören unsere verschiedenen seelischen Wohnungen auch zu unserem physischen Körper.

Und diese Frage der Wohnung geht noch viel weiter, denn das Holz-, Stein- oder Betonhaus, das unseren physischen Körper beherbergt, wohnt selbst in einem anderen, viel größeren und weiteren Haus: der Erde. Die Erde wohnt im Sonnensystem, und das Sonnensystem wohnt im Kosmos. So umfassend stellt sich uns das Thema des Hauses dar.

*Siehe Abbildung 1 und Anmerkung im Anhang.

6. Januar

Der Kampf gegen das Böse ist Sache der himmlischen Wesen und nicht Sache der Menschen. Die Menschen haben dafür weder die Größe noch die Bedeutung noch die Methoden. Alle, die sich einbildeten, sie seien stark genug, um gegen das Böse in den Krieg zu ziehen, wurden überwältigt, weil das Böse eine extrem mächtige kosmische Kraft ist. Trotzdem ist es ein Irrtum zu glauben, es besitze ebenso viel Macht wie das Gute, und der Teufel sei eine Kraft, die mächtig genug ist, um Gott ewig die Stirn zu bieten; aber es ist den Menschen nicht gegeben, dieses Wesen zu besiegen. Wenn bestimmte wagemutige Menschen glauben, sie hätten die Mission, das Böse in der Welt zu vernichten, so wissen sie nicht, welchen Gefahren sie sich aussetzen.

Und doch ist dies kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und zu warten, bis die himmlischen Wesen den Drachen, der in der Apokalypse erwähnt wird, besiegen. Indem wir täglich auf dem Weg des Lichts voranschreiten, können wir die Armee des Guten, die Armee der Söhne und Töchter Gottes verstärken, um ihren Sieg zu beschleunigen. Wenn diese Armee einmal groß genug sein wird, dann werden die finsteren Wesen besiegt sein. Sie üben nur deswegen weiterhin ihre zerstörerischen Aktivitäten aus, weil sie noch immer zu reichlich von den niederen Leidenschaften und Begierden der Menschen genährt werden.

7. Januar

Der himmlische Vater und seine Gemahlin, die göttliche Mutter, sind unsere wahren Eltern. Wer nicht fühlt, dass die Natur seine Mutter ist, der kann auch mit seinem himmlischen Vater keine echte Bindung haben. Es ist wesentlich für uns, uns bewusst zu werden, dass wir oben nicht nur einen Vater, sondern auch eine Mutter haben, denn unser Leben, wie auch das Leben des Universums, hat nicht nur die Offenbarungsformen des männlichen Prinzips, sondern auch die des weiblichen Prinzips zum Ursprung.

Wir haben zwei Eltern im Himmel. Man muss diese Wahrheit akzeptieren und dabei wissen, dass das Leben sich niemals der Unwissenheit und den Vorurteilen der Menschen beugen wird. Denn das Leben weiß sich zu verteidigen und sagt zu uns: »Warum versucht ihr, mich zu verstümmeln, indem ihr eines der beiden Prinzipien, die mich, das Leben, doch gerade ausmachen, unterdrücken wollt? Ich werde immer wieder die Oberhand gewinnen.« Eine wahre Religion ist vor allem eine Lehre des Lebens, des ganzen Lebens, ohne etwas abzuschneiden oder zu trennen.

8. Januar

Die erste Bedingung für euer Heil ist die Wachsamkeit. Lasst niemals zu, dass sich Aufruhr und Verwirrung in euch niederlassen. Steigt auf, sobald etwas euch alarmiert, anstatt euch zu zerstreuen! Sucht Zuflucht in eurem inneren Heiligtum, ruft den Geist Gottes in euch herbei, bittet Ihn um Rat, denn Er wird euch die Waffen geben. Wenn ein Teil von euch fähig ist, dort oben auf der Höhe zu bleiben, wird euch sogar inmitten größter Qualen kein Feind schaden können. Warum sind die Flugzeuge in Kriegszeiten eine so gefürchtete Waffe? Weil sie von oben angreifen.

Bezüglich der Vorsichtsmaßnahmen und der Methoden gibt es auf der spirituellen Ebene viele Analogien zur physischen Ebene. Wenn der Feind sich naht, zerstreut man seine Kräfte nicht, sondern man konzentriert sie und steigt nach oben. Auch ihr solltet euch konzentrieren, denn indem ihr euch konzentriert, steigt ihr auf. Überlegt einmal und fragt euch, wie oft es vorgekommen ist, dass ihr überrumpelt und malträtiert wurdet, nur weil ihr unten in der Zerstreuung geblieben seid.

9. Januar

Der Schüler einer spirituellen Lehre lernt, eine erwartende Haltung zu pflegen, denn sie ist ein innerer Zustand, der ihn wach hält. So wird er im Moment, wo lichtvolle Wesen ihn besuchen kommen, bereit sein, ihnen sofort die Tore seiner Seele zu öffnen. Allein diese erwartende Haltung macht ihn fähig, die Ereignisse der unsichtbaren Welt, die ihn durcheilenden Strömungen und die segenbringenden Wesen, die anwesend sind, wahrzunehmen. Ihr werdet sagen, ihr hättet diese Wesen niemals gesehen. Aber muss man sie denn unbedingt sehen? Ihr könnt sie fühlen, das ist viel wichtiger. Wenn euer Herz und eure Seele diese Enthüllungen, die euch die himmlischen Wesenheiten bringen, nicht spüren, dann würde es auch nichts bringen, sie zu sehen.

Ihr erwartet ein Licht, die Gnade des Himmels. Werdet aber niemals ungeduldig; lernt im Gegenteil, die Erwartung zu kultivieren, denn ihr könnt in jedem Augenblick eine Warnung, eine Nachricht, eine Aufklärung oder eine Nahrung erhalten. Dank eurer Erwartung sind eure feinstofflichen Zentren immer im Wachzustand. So erschafft ihr in euch eine Art Sensor, der euch über die Ankunft eines göttlichen Botschafters oder Besuchers informieren wird.

10. Januar

Jeder Mensch, auf welcher Entwicklungsstufe er sich auch befinden mag, ist dazu aufgerufen, immer weiter und weiter fortzuschreiten. Oft macht man nur deswegen keine Anstrengungen, weil man sich einbildet, der Weg sei versperrt, aber vielleicht ist er offen... Der Mensch sollte Erfahrungen machen, um herauszufinden, wozu er fähig ist. Selbst wenn er nicht sehr weit kommt, soll er doch in seinem Geiste gewahr bleiben, dass die göttliche Vollkommenheit das Ziel seines Erdenlebens ist. Natürlich ist die göttliche Vollkommenheit ein unerreichbares Ideal, aber dennoch muss er an der Verwirklichung dieses Ideals arbeiten, um seine Zukunft aufzubauen. In dem Moment werden die unterschiedlichen Gedanken, Gefühle und Wünsche, die ihn sonst in alle Richtungen zogen und ihn schwächten, ihren Meister gefunden haben und gezwungen sein, an seiner Regeneration teilzunehmen, so wie er selbst es beschlossen hat.

Welch große Wissenschaft muss da erarbeitet, welch starke Disziplin akzeptiert, welch enorme Anstrengung täglich geleistet werden! Doch gerade das ist so großartig. Man bleibt immer in Bewegung, man schreitet voran und man klettert hinauf. Der gesamte Sinn unserer Existenz steht in diesem Sehnen nach göttlicher Vollkommenheit geschrieben.

11. Januar

Die einzige Wissenschaft, deren Studium sich lohnt, ist die Wissenschaft des Lebens. Denn alle anderen Themen, die ihr angeht, alle anderen Aktivitäten, die ihr unternehmt, werden euch nur dann wirklich etwas bringen, wenn ihr euch auf diese wesentliche Realität konzentriert, welche das Leben ist. Anstatt also aus ihm das Mittel zu machen, durch das ihr eure Wünsche, euren Ehrgeiz und eure Launen befriedigen wollt, solltet ihr lernen, es als ein Ziel zu betrachten. Setzt alle eure Fähigkeiten dazu ein, es in euch zu stärken, zu erhellen, zu reinigen, denn ohne das Leben bleibt nichts übrig.

Es ist das Leben, welches den Verstand, das Herz und den Willen versorgt. Sobald ihr dieses Leben in euch aufrechterhaltet, versteht euer Verstand, liebt und freut sich euer Herz, stärkt sich euer Wille und wird schöpferisch. Ohne das Leben ist das Wissen nicht einmal mehr möglich, genauso wenig wie die Philosophie, die Religion und die Kunst. Deswegen ist die Wissenschaft des Lebens der Schlüssel für alle Verwirklichungen.

12. Januar

Wie viele Leute halten sich für sehr intelligent und für sehr gebildet! Wenn man sie reden hört, so haben sie alles gesehen, alles kennengelernt, alles verstanden, und sie werfen auf ihre Umgebung einen oberflächlichen Blick. Deswegen lernen sie fast gar nichts mehr dazu, sie sind abgestumpft. Bemühten sie sich jedoch, alles so zu betrachten, als wäre es das erste Mal, dann würden sie nicht nur wirklich etwas Neues entdecken, sondern sie würden auch neue Freuden kosten.

Ihr atmet, ihr esst, ihr trinkt... Tut es, als wäre es das erste Mal, dann wird euch alles köstlich erscheinen. Und verfahrt ebenso mit den Menschen, die euch umgeben, mit eurem Mann, eurer Frau, euren Kindern, euren Freunden... Ihr wendet ein, es brauche eine große Fähigkeit der Autosuggestion, um einen Mann, eine Frau, derer man schon lange überdrüssig ist, neu zu finden. Gewiss, aber wenn ihr beharrlich bleibt, wenn ihr wirklich sucht, so wird euch diese Fähigkeit der Autosuggestion erlauben, eine andere Wirklichkeit zu entdecken.

13. Januar

Das Leben ist eine unaufhörliche Bewegung. Deswegen müssen auch die Menschen in Bewegung bleiben und immer nach vorne schauen. Wer sich weigert voranzuschreiten, wird rückwärtsgehen. Sie verlieren die in ihnen eingeschriebene göttliche Prägung und kehren zur Unbewusstheit der Steine zurück, die nichts anderes ist, als ein schlafendes Bewusstsein. Wie viele Menschen sind, trotz ihrer menschlichen Erscheinung, wie die Steine, unfähig sich zu bewegen, man muss sie ständig anschieben, damit sie den Ort wechseln. Sie sollten wenigstens die Anstrengung unternehmen, das Mineralreich zu verlassen, um Pflanzen zu werden und zu wachsen! Später werden sie lernen, sich fortzubewegen wie die Tiere.

Es ist ein großer Vorteil, wenn man ohne äußere Hilfe fähig ist, seine Nahrung zu suchen, den Gefahren zu entfliehen und sich vor Unwettern in Sicherheit zu bringen. An dem Tag, an dem die Menschen eben diese Fähigkeiten auf der psychischen Ebene entwickelt haben werden, werden sie große Fortschritte gemacht haben. Aber damit sie zu Herren über ihr Schicksal werden, muss noch der wirkliche Zugang zum Menschenreich, zur Welt des Geistes, stattfinden.

14. Januar

Die Menschen suchen allzu oft eine Nahrung in dem, was nicht wesentlich ist. Sie verbringen den größten Teil ihrer Zeit mit Beschäftigungen, die ihrem Geist nichts bringen, und sie rechtfertigen sich, indem sie sagen, dass sie durch ihr Alltagsleben, ihre Verpflichtungen, ihre Familie, ihren Beruf, die Gesellschaft, zu Aktivitäten gezwungen werden, an denen der Geist in keiner Weise teilnehmen kann. Dies ist nicht wahr, weil der Geist überall ein Wort mitzureden hat.

Um das Wesentliche niemals aus den Augen zu verlieren, müssen wir unsere Existenz um dieses Zentrum, den Geist, den in uns wohnenden Funken, herum organisieren. Auf diese Weise werden alle unsere Aktivitäten, sogar unser Zeitvertreib, dazu beitragen, das Leben in uns zu nähren. Der im Menschen wohnende Geist lehnt die Leber, die Verdauungsorgane und die Füße nicht unter dem Vorwand ab, sie hätten keine ebenso edlen Aktivitäten wie Er. Alles ist an seinem Platz und der Geist benützt es. Aber sobald jene vereinende, regierende Kraft im Zentrum fehlt, fangen alle Elemente an, sich zu zerstreuen, und daraus folgt der Tod, der spirituelle Tod.

15. Januar

Um fähig zu sein, ausdauernd auf dem guten Weg weiterzugehen, müsst ihr die Beziehungen sorgfältig erforschen, die in euch zwischen der niederen und der höheren Natur stattfinden. Ihr fasst beispielsweise gute Vorsätze, wollt euch von einer schlechten Gewohnheit befreien oder jemandem helfen. Nun, wisst, dass eure niedere Natur, die euch beobachtet, euch Vorschläge und Versuchungen schicken wird, um euch davon abzuhalten. Oder sie wird geduldig auf den Augenblick warten, an dem sie sich rächen kann. Die niedere Natur besteht aus einem ganzen Volk, das im Menschen wohnt, und wie bei allen Völkern der Erde besteht dieses Volk nicht nur aus ehrlichen, edlen und großzügigen Geschöpfen; es gibt dort auch böswillige Wesenheiten, die versuchen, die Oberhand zu gewinnen.

Wenn die höhere Natur in euch Pläne schmiedet, so profitiert dabei von den Momenten, in denen eure niedere Natur eingeschlafen ist, andernfalls wird sie aufstehen und alle Mittel des Widerstands suchen. Sie wird euch zuflüstern: »Aber das ist doch nicht eilig... Du hast viel Zeit... Warum solltest Du all diese Anstrengungen unternehmen, obwohl Du doch so ruhig leben könntest?« Ihr solltet also gewisse Vorkehrungen treffen, um nicht in Versuchung zu geraten, eure guten Projekte aufzugeben.

16. Januar

Manche beharren darauf, die Hölle als einen Ort darzustellen, in dem die unglücklichen Sünder verdammt sind, ewige Qualen zu erleiden. Sie merken dabei gar nicht, wie sehr diese Vorstellung der Liebe Gottes widerspricht, denn Gott wird kein einziges Geschöpf endgültig verdammen. Sie widerspricht auch der Weisheit Gottes, denn Gott, der weise ist, lässt nichts verkommen, alles in Seiner Schöpfung ist nützlich und wird verwendet.

Die Gesetze der kosmischen Ökonomie sind wieder so ein Feld, das erforscht werden sollte. Wie auf der physischen Ebene, so werden auch auf der psychischen Ebene alle unreinen Elemente an einen Ort geschickt, wo sich Wesen darum kümmern, sie zu verwandeln. Es gibt ein richtiges Kanalisationssystem, aus dem die gereinigten Materialien anschließend wieder herauskommen. Sie werden dann in andere Wege geleitet, um noch unbekannte Regionen zu ernähren, zu bewässern und zu düngen. Es sind also nicht immer die gleichen unreinen Elemente, die sich in der Hölle ansammeln und dort stagnieren, sondern es kommen ständig neue Abfälle an, die die bereits behandelten ersetzen. In diesem Sinne kann man sagen, dass die Hölle ein Ort ist, der vom göttlichen Licht abgesondert wird, aber die Stoffe gehen erneuert aus ihr hervor, um wieder in die Kreisläufe des Lebens eingespeist zu werden.

17. Januar

Wer ist hochmütig und wer ist demütig? Man hat nicht immer die richtigen Kriterien, um das zu beurteilen. Von einem unscheinbaren Menschen, der sich unterwirft, sagt man, er sei demütig und man ist zufrieden mit ihm: Er stört niemanden und widersetzt sich nicht. Aber ist dies wirklich eine gute Eigenschaft? Nein, weil diese Demut oft nicht von einer Weisheit, einem wahren Verständnis geführt wird, sondern eher von der Furcht, der Schwäche und der Unwissenheit.

Was kann jemand schon tun, der weder Geld, noch eine soziale Stellung, noch Eigenschaften und Fähigkeiten besitzt, die ihm Gewicht verschaffen würden? Nicht viel. Aber wird er sich auch weiterhin demütig zeigen, wenn man ihm solche Möglichkeiten gibt? Nichts ist unwahrscheinlicher. Man kann sich also kein Urteil bilden, bevor man die Menschen nicht geprüft und getestet hat.

18. Januar

Die körperlichen Formen, die die Wesen hier auf der Erde besessen haben, sind in den kosmischen Archiven aufbewahrt. Wenn man in einer spiritistischen Sitzung eine Persönlichkeit herbeiruft, die in ferner Vergangenheit gelebt hat, so kommt sie und spricht durch das Medium in genau der Form, die sie in dieser Vergangenheit hatte, selbst wenn sie sich inzwischen schon mehrmals wieder inkarnierte. In Wirklichkeit ist nicht das Wesen selbst da, sondern nur seine Form, die man sehen und beinahe berühren kann…

Jeder Mensch, der sich auf der Erde inkarniert, erhält eine Form, die er am Ende seines Lebens verlässt. Sie dient ihm nur für eine Inkarnation und wird in den Archiven des Universums aufbewahrt. Wenn er sich wieder inkarniert, erhält er eine andere Form, und diese wird ebenfalls aufbewahrt. Es wird immer neue Formen geben, und alle werden, bis zum Verschwinden des Universums, aufbewahrt.

19. Januar

Die Maler, welche Engel, Erzengel und Gottheiten darstellen wollten, haben diese oft mit großartigen, goldüberzogenen Gewändern und Edelsteinen bekleidet. Sie hatten intuitiv erfasst, dass es eine Entsprechung zwischen dem spirituellen und dem materiellen Reichtum gibt. Der Brauch, die Priestergewänder mit Edelsteinen zu verzieren, existiert bis heute und hat dieselbe Bedeutung: Der äußere Reichtum der vom Priester getragenen Kleider soll seinen spirituellen Reichtum ausdrücken.

Und ihr solltet, wenn ihr mit Edelsteinen verzierten Schmuck tragt, daran denken, dass ihr diese Steine ebenfalls innerlich besitzen müsst: der Saphir ist der Friede, der Rubin die Liebe, der Amethyst das Opfer, der Topas die Weisheit, der Smaragd die Hoffnung, der Diamant die Kraft des Geistes... Die Symbolik der Edelsteine ist sehr umfassend und reichhaltig, und man kennt das Ausmaß ihrer Wirkungen noch nicht.

20. Januar

Das spirituelle Leben ist eine lange Wanderung in ein gelobtes Land. Dieses gelobte Land ist zuerst in uns, und wir müssen uns jeden Tag erneut auf den Weg machen, um uns ihm zu nähern. Wie die Nomaden in der Wüste, die auf der Suche nach Brunnen und Oasen immer weiter gehen, müssen auch wir uns unablässig weiterbewegen.

Wie viele Spiritualisten glauben, sie würden das gelobte Land finden, indem sie an Ort und Stelle bleiben! Sie schließen sich, symbolisch gesprochen, in sich selbst ein, wie in einer Behausung mit dicken Mauern und kommen dort nicht nur nicht mehr heraus, sondern häufen auch noch eine Menge nutzloser und sperriger Gegenstände an. Sie sollten diese Behausung ein wenig verlassen und nur das für die Reise Notwendige mitnehmen! Um das gelobte Land zu erreichen, genügt ein kleines Zelt; und sie müssen die Einfachheit erlernen, während sie nach den Nahrungen für Seele und Geist suchen.

21. Januar

Warum stellen so viele religiöse Menschen Gott als einen unerbittlichen Richter dar, der die Menschen für die geringste Übertretung bestraft? In Wirklichkeit verteilt Gott keine Strafen, aber das von Ihm geschaffene Universum beruht auf Gesetzen, und diese Gesetze regieren auch über den Menschen, über sein physisches wie über sein psychisches und spirituelles Leben. Diese Gesetze sind unbeugsam, und wer sie nicht respektiert, versetzt sich in einen Umstand, in dem er eine Strafe erhält. Über den Weg der Ursache und Wirkung kann sich diese Strafe sogar auch auf seine Nachkommen erstrecken.

Nehmen wir eines der bekanntesten Beispiele: den Alkoholismus. Der Alkoholmissbrauch ist nicht nur für die physische und psychische Gesundheit dessen schädlich, der ihn ausübt, sondern auch für die seiner Kinder. Das Gleiche gilt für alle möglichen anderen Exzesse und Übertretungen. So offenbart sich die göttliche Gerechtigkeit, die den Menschen dazu führen will, sich seiner Verantwortungen bewusst zu werden.

22. Januar

Jedes Problem, das wir im Leben zu lösen haben, jede Entscheidung, jede Erfahrung, berührt auf die eine oder andere Weise die Frage: »Was müssen wir opfern, um von einem reichen und schönen Leben zu profitieren?«

Weil sie nicht verstanden haben, was das Opfer ist, betrachten es die meisten Menschen als eine Entbehrung, einen Verlust, und es gibt tatsächlich Opfer, die durch nichts zu rechtfertigen sind und die deshalb einen Verlust bedeuten. Man muss verstehen, dass im spirituellen Sinne das Opfer nicht darin besteht, »sich« zu opfern, sondern dass man damit etwas Nutzloses, Schädliches in sich sterben lässt, um etwas Größeres, Mächtigeres und Kostbareres zu erlangen. Wenn man das Niedere nicht in sich opfert, um das Höhere lebendig zu machen, wird man notwendigerweise das Beste, was man hat, zugunsten der gröbsten Instinkte opfern. Es ist unmöglich, diesem Gesetz zu entkommen: Unsere höhere Natur kann nur dann leben, wenn wir ihr unsere niedere Natur opfern. Was für die eine das Leben ist, ist für die andere der Tod. Das wahre Opfer bedeutet, auf sein begrenztes, schwaches, armes menschliches Ich zu verzichten, um in seinem göttlichen Selbst zu leben.

23. Januar

Die christliche Tradition, welche die jüdische Überlieferung übernommen hat, lehrt die Existenz von neun Engelordnungen. Von unten nach oben sind dies: die Engel, die Erzengel, die Fürstentümer, die Himmelskräfte, die Mächte, die Herrschaften, die Throne, die Cherubin und die Seraphin. Die Kabbala nennt sie Cherubim, Bnei-Elohim, Elohim, Malachim, Seraphim, Chaschmalim, Aralim, Ophanim und Chajoth ha-Kadosch. Jede dieser Engelordnungen ist ein Aspekt der göttlichen Macht und der göttlichen Tugenden. Selbst wenn wir sie uns nicht vorstellen können, ist es einfacher für uns, eine Ahnung von der göttlichen Welt zu bekommen und mit ihr in Kontakt zu treten, indem wir ihre Namen nennen, als wenn wir lediglich das Wort »Gott« aussprechen.

Für eure spirituelle Entwicklung ist es gut, die Existenz dieser Engelshierarchien zu kennen, die wie Leuchtfeuer auf dem Weg zum Gipfel sind. Bemüht euch, euch mit ihnen bekannt zu machen, Zuflucht bei ihnen zu suchen, um euch durch Gebet und Meditation bis zum Thron Gottes zu erheben. Und denkt daran, dass ihr durch sie die himmlischen Segnungen auf die Erde herabkommen lasst.

24. Januar

Unter den vier Elementen entspricht nicht die Erde, sondern das Wasser am besten der Vorstellung, die man sich von der Materie machen kann. Das Wasser ist das Symbol der Urmaterie, welche die befruchtenden Keime des Geistes erhalten hat. Deswegen heißt es zu Anfang der Schöpfungsgeschichte »Der Geist Gottes bewegte sich über den Wassern«. Das Wasser ist die Wiege des Lebens. Das Leben kam aus dem Wasser, dank dem Prinzip des Feuers, des Geistes, der diese Materie in Bewegung gesetzt hat. Ohne die Einwirkung des Feuers ist kein Leben möglich. Durch sich selbst besitzt das Wasser, die Materie, kein Leben; es ist das Feuer, das es ihnen einhaucht.

Auch auf unserem Planeten Erde wurde das Leben durch die Einwirkung des Feuers auf das Wasser geboren. Von den Sonnenstrahlen getragen reisten die ersten Lebenskeime, bis sie das Wasser der Ozeane erreichten. Dieses Wasser empfing sie voller Liebe, wie eine Mutter. Sie hat sie lange in ihrem Schoß getragen, damit sie sich entwickeln, sich vermehren und allen Existenzformen, die wir heute kennen, zum Leben verhelfen.

25. Januar

Solange die Menschen keine wahren Kriterien haben, um den Ursprung ihrer Erwartungen und Forderungen zu erkennen, wird die politische Szene ein Ort der Konfrontationen bleiben. Wie oft in der Geschichte haben sie die Erfahrung gemacht, dass sich ein Regime änderte und Revolutionen stattfanden! Aber solange es im Bewusstsein – in der Mentalität – keine Weiterentwicklung gibt, kann es keinen wahren Fortschritt geben, egal welche Reformen man in Betracht zieht.

Erst wenn die Menschen aus dem engen Kreis ihrer egoistischen Begierden heraustreten, werden die von ihnen vorgeschlagenen Änderungen echte Verbesserungen bringen. Bis dahin wird man weiterhin den immer gleichen, verbissenen Anstrengungen einer Handvoll ehrgeiziger und gieriger Leute zuschauen, die all jene Posten an sich reißen, von denen sie sich mehr Macht und Geld erhoffen. Wie viele bereiten sich wirklich darauf vor, die ihnen angetragene grandiose Aufgabe zu erfüllen? Und haben diejenigen, die sie wählen, nicht die stille Hoffnung, sich dieser Leute zu bedienen, um ihrerseits für sich selbst die gleichen Begierden zu befriedigen?

26. Januar

Keine Geste bleibt ganz ohne Wirkung. Naturgemäß ist jede Geste magisch: Sie erzeugt Strömungen, Farben, Schwingungen, die im Raum Geschöpfe berühren werden. Jede von ihnen öffnet oder schließt bestimmte Türen und verbindet uns mit schädlichen oder wohltätigen Mächten. Was soll man also von all diesen hysterischen Gesten halten, die heute unter dem Namen »Tanz« präsentiert werden? Wie kann man diesen Unwissenden verständlich machen, dass jede Bewegung wie ein Kieselstein ist, der in den Ozean der Energien geworfen wird? Er erzeugt Wellen, die unweigerlich eines Tages an ihren Ursprungsort zurückkehren werden, und wenn sie Schläge erhalten, sollten sie daher nicht erstaunt sein.

Wir können unsere Gesten auch mit Briefen vergleichen, die wir unablässig an die sichtbaren und unsichtbaren Welten schreiben. Sie sind geheime Zeichen, mit deren Hilfe wir mit allen vernünftigen oder unvernünftigen Naturwesen in Kontakt treten. Sie sind der Ausdruck unseres Verstandes und unseres Herzens, und durch sie haben wir die Möglichkeit, unsere Zukunft zu erschaffen oder zu zerstören.

27. Januar

Wenn es euch gelingt, in euch die Stille, den Frieden und das Licht herrschen zu lassen, so deshalb, weil ihr wenigstens für einen Moment die Regionen der Seele und des Geistes erreichen konntet, die ihr schon seit aller Ewigkeit in euch tragt. Die Existenz dieser Regionen, zu denen man im gewöhnlichen Leben nur schwer Zugang bekommt, wird von der Mehrheit der Menschen nicht einmal erahnt. Genauso wenig wie sie wissen, was in ihrem eigenen Unterbewusstsein vorgeht, wissen sie, was oben im Himmel, ihrem Himmel, ihrem Geist und ihrem göttlichen Bewusstsein geschieht.

Ihr meditiert beispielsweise über eine Frage spiritueller Art, die ihr schwer zu lösen findet. Ihr tretet tief in euer Inneres ein, um eine Antwort zu suchen, und nach einiger Zeit in dieser Stille entsteht nach und nach ein Licht, und ihr erhaltet die Antwort. Was ist geschehen? Woher kam dieses Verstehen? Euer Geist besaß es, aber euer Bewusstsein konnte sich noch nicht bis dort erheben. Doch jetzt, da ihr vor Hektik und Lärm geschützt seid, haben sich eure Gedanken hinaus in den Raum begeben und eine Enthüllung wurde euch zuteil.

28. Januar

Warum sind so viele Personen dunkel, kalt, starr und verkrampft? Man fühlt in ihnen keine Wärme, kein Licht. Sie werden euch sagen, dass sie die Poesie lieben, aber sie überlassen diese den schreibenden Dichtern. Ab und zu lesen sie einige Verse, doch ihr eigenes Leben ist nicht poetisch, deshalb haben sie so wenig Freude daran, einander zu begegnen. Wann werden sie die wahre Kunst, die Kunst der Zukunft verstehen, die darin besteht, das Leben poetisch zu machen, indem man selbst warmherzig, lichtvoll, ausdrucksstark und lebendig wird?

Die Menschen sind eigenartig: Sie erwarten von den anderen Ermunterung, Freundschaft, Liebe und Licht, aber sie bleiben selbst reglos, verschlossen, finster und prosaisch. Sie wissen nicht, wie sie jenes poetische Leben leben können, dank dessen man sie lieben würde. Nun, sie sollten sich jeden Tag darin üben, Licht und Wärme zu verbreiten, um ein wenig aus sich selbst herauszukommen, aus diesem derart prosaischen Zustand der Stagnation. Es ist so angenehm, einem Poeten zu begegnen: einem Wesen, bei dem man spürt, dass innerlich alles lebendig, animiert und erhellt ist!

29. Januar

Die Hypnose besteht darin, auf das Unterbewusstsein einer Person einzuwirken, indem man sie in einen dem Schlaf ähnlichen Zustand versetzt. In diesem speziell veränderten Zustand führt sie Befehle aus, die man ihr erteilt – etwas, was sie im wachen Zustand vielleicht nie getan hätte. Man kann daraus folgern, dass man, um die Verwirklichung eines Wunsches zu beschleunigen, ins Unterbewusstsein hinabsteigen muss, um dort das Bild dieses Wunsches zu hinterlegen.

Folgende Methode wird euch bei eurer spirituellen Arbeit helfen. Wollt ihr eine gute Eigenschaft, eine Tugend entwickeln? Konzentriert euch im Moment des Einschlafens auf diese Eigenschaft, meditiert über das Ziel, das ihr dank ihr erreichen möchtet: Während des Schlafes werden die Kräfte des Unterbewusstseins zur Materialisierung dieses Wunsches beitragen. Wenn ich so oft unterstreiche, wie wichtig der Zustand ist, in dem man jeden Abend einschläft, so deshalb, weil der Schlaf die Kristallisation aller inneren Zustände begünstigt. Man muss lernen, mit den besten Gedanken, den besten Wünschen einzuschlafen, weil man dadurch zu ihrer Verwirklichung beiträgt.

30. Januar

So viele Bücher wurden geschrieben, um den Menschen das Gesetz Gottes zu enthüllen! Aber bevor es in den Büchern stand, war dieses Gesetz zuerst in ihrem Herzen eingeprägt. Nun präsentiert sich jede Religion als eine Anzahl von Dogmen und Doktrinen, die sie ihren Gläubigen aufzuerlegen versucht. Sie müssen sie nicht nur akzeptieren, sondern sollen auch noch überzeugt sein, dass ihre Religion allen anderen überlegen ist und dass sie nur in dieser Religion das Heil finden werden. Doch dies ist nichts anderes als Fanatismus.

Natürlich wäre es nicht vernünftig, die Menschen sich selbst zu überlassen unter dem Vorwand, dass sie das Gesetz Gottes in ihrem Herzen lesen sollen, denn die meisten von ihnen sind dafür noch nicht vorbereitet. Damit sie dieses Gesetz richtig lesen können, muss man ihnen beibringen, in ihrer inneren Welt Ordnung zu schaffen, ihre Gedanken, Gefühle und Wünsche zu beherrschen, weil sie sonst nur Dinge in ihrem Inneren lesen, die ihrer Phantasie oder sogar ihren primitivsten Impulsen entspringen. Die Pflicht der Religionen besteht also zuerst darin, den Menschen beizubringen, wie das in ihnen geschriebene Gesetz Gottes zu lesen ist.

31. Januar

Wer wirklich groß ist, akzeptiert es, sich in den Dienst der anderen zu stellen, um ihnen dabei zu helfen, klarer zu sehen, die besten Lösungen für ihre Probleme zu finden, sogar wenn ihm diese Probleme unbedeutend zu sein scheinen. So zögert ein Weiser, ein geistiger Meister nicht, sich auf die Ebene der Kleinen, Schwachen und Unwissenden herunterzubegeben. Er weiß, dass er dadurch nicht von seinem inneren Gipfel, den er zu erreichen wusste, heruntergebracht wird. Niemals wird er seine Überlegenheit zum Vorwand nehmen, anderen Befehle zu erteilen. Er weiß, dass er sich umso demütiger verhalten muss, je höher er innerlich gelangt ist. Übertrifft er die anderen durch seine moralischen und spirituellen Qualitäten? Das ist gut so, aber es genügt nicht, denn anschließend stellt sich die Frage nach seiner Haltung, seinem Verhalten. Kein spirituelles Wissen oder Können gibt einem das Recht, die anderen zu beherrschen und ihnen Befehle zu erteilen.

Jeder soll so hoch steigen, wie er kann, aber nur in seinem inneren Leben. Im Äußeren darf er sich nicht auf ein Podest stellen. Es macht keinerlei Sinn, sich zu erheben, wenn man danach seine Mitmenschen unterdrückt. Der Eingeweihte, der Weise, wird seine Größe durch die Liebe, die Güte und die Sanftheit offenbaren.

Februar 2019

1. Februar

Die Kälte wird oft im negativen Sinne verstanden, sie wird mit Verkrampfung und Lähmung in Zusammenhang gebracht, während die Wärme eher das Lebendige und Großzügige symbolisiert. In Wirklichkeit gibt es zwei Arten von Wärme und von Kälte. Es gibt die Wärme, die erweitert, belebt und zur Reifung bringt und die Wärme, die verbrennt und austrocknet. Es gibt die Kälte, die alles Gute konserviert und die Kälte, die alles Leben lähmt.

Nehmen wir den Zyklus des Wassers in der Natur. Unter Einwirkung der Sonnenstrahlen erwärmt es sich und verdunstet. Einmal oben in der Atmosphäre angekommen, kühlt es ab, kristallisiert und fällt dann als Schnee herab. Wenn die Sonne den Schnee schmilzt, strömt das Wasser in die Täler, wo es in Flüsse, Seen und Ozeane hineinfließt. Dann verdunstet es, und der Zyklus beginnt aufs Neue. So benutzt die Natur diesen Wechsel von Wärme und Kälte, um das Leben zu erhalten.

Im Menschen muss der Intellekt kühl sein, um richtig zu denken und auf dem Weg der Weisheit voranzuschreiten; das Herz hingegen muss warm sein, um die Liebe zu offenbaren.

2. Februar

Die Menschen neigen natürlicherweise dazu, die Dinge zu klassifizieren; egal, ob es sich um die Intelligenz, das Talent, die Kraft, die Geschicklichkeit, die Schönheit, den Reichtum usw. handelt. Überall und immer gibt es einen Ersten und einen Letzten. Aber diese Klassifizierungen sind sehr relativ. Wenn man eine begrenzte Anzahl von Individuen betrachtet, kann man sagen, dass dieser der Erste und jener der Letzte ist; aber wenn man das Leben als eine unendliche und ununterbrochene Kette betrachtet, wo wird man dann den Ersten und den Letzten finden? Auch wenn man das Leben mit einem sich drehenden Rad vergleicht, wird der Erste zum Letzten – und umgekehrt.

Und wer ist in einer Familie der Erste: der Vater, die Mutter oder das Kind? Vom Alter her ist das Kind an letzter, aber bezüglich der Wichtigkeit ist es an erster Stelle, denn sein Vater und seine Mutter konzentrieren ihre ganze Aufmerksamkeit auf es. Manche sind wiederum dort die Ersten, wo man sich weise, intelligent oder gebildet zeigen muss, aber bei der körperlichen Widerstandsfähigkeit sind sie die Letzten – und umgekehrt. So geht das in der Welt: Diejenigen, die in einem Bereich die Ersten sind, sind die Letzten in einem anderen. Jeder kann sich also freuen und sich sagen, dass er irgendwo der Erste ist.

3. Februar

Christus ist ein kosmisches Prinzip. Dieses Prinzip kann sich durch einen Menschen manifestieren, der sich vorbereitet hat, es zu empfangen; aber, wie außergewöhnlich dieser Mensch auch sein mag, er kann nicht Christus sein, er kann nicht die Inkarnation von Gott-Selbst sein. Christus hat niemals einen physischen Körper angenommen und wird es nie tun, er kann kein Mensch werden, sondern tritt nur in die Seele und den Geist desjenigen ein, der bereit ist, mit ihm zu verschmelzen. So ist er in alle uns bekannten großen spirituellen Meister der Menschheit eingetreten und auch in viele andere, die wir nicht kennen.

Christus bleibt ein Geist. Und Jesus, wie alle anderen Eingeweihten, musste einen langen Weg durchlaufen, bevor der Geist Christi in ihn herabstieg. Er wurde nicht Jesus Christus genannt, weil er Christus selbst war, sondern weil er Christus empfangen hat. Und wenn er Christus empfangen hat, so deswegen, weil er das höchste Bewusstsein über die Anwesenheit Gottes in sich besaß. Dieses Bewusstsein müssen die Menschen also entwickeln, bis sie mit der Gottheit verschmelzen und eines Tages wie Jesus sagen können: »Ich und der Vater sind eins« (Jh 10,30).

4. Februar

Ein Wort der Wahrheit kann nur verstanden und vor allem angewendet werden, wenn es auf einen günstigen Boden fällt. Um diese Frage zu erläutern, müssen wir die psychische Struktur des Menschen als Ausgangspunkt nehmen. Diese Struktur beruht auf drei Prinzipien: dem Verstand, dank dem er denkt, dem Herzen, dank dem er Gefühle wahrnimmt und dem Willen, der ihn zum Handeln drängt. Der Wille handelt nämlich niemals ohne einen Beweggrund, sondern unter dem Impuls von Gedanken und Gefühlen.

Beobachtet euch: Um die Entscheidung zur Handlung zu fällen, genügt es nicht zu denken, dass dies nützlich wäre, sondern ihr müsst das, was ihr zu tun habt, auch lieben. Man kann also sagen, dass die Handlungen vom Verstand erzeugte Gedanken und vom Herzen erzeugte Gefühle konkretisieren, sie sind ihre Kinder; und entsprechend der Qualität dieser Gedanken und Gefühle sind die vom Willen ausgeführten Handlungen gut oder schlecht. Sie sind gut, wenn der Verstand von der Weisheit und das Herz von der Liebe inspiriert werden. Dann handelt man nach der Wahrheit: Die Wahrheit offenbart sich durch den Willen, so wie ein Samenkorn, das in einer fruchtbaren Erde gewachsen ist.

5. Februar

Was wissen wir über einen Menschen? Man kann seinen physischen Körper beschreiben, ihn berühren, aber die Wesenheit, die diesen Körper geformt hat, die ihn bewohnt und lebendig macht, kann man weder beschreiben noch anfassen. Ein Mensch liegt ausgestreckt auf dem Boden, er ist zwar sichtbar und greifbar, aber er ist tot. Etwas Unsichtbares hat ihn also verlassen, jenes »Etwas«, das bewirkte, dass er laufen, sprechen, lieben und denken konnte. Ihr könnt neben ihm alle Nahrung, alle Schätze der Welt auftürmen und zu ihm sagen: »Hier, mein guter Alter, das alles ist für dich, erfreue dich daran!« – nichts zu machen, er rührt sich nicht.