Die Pädagogik in der Einweihungslehre - Teil 1 - Omraam Mikhaël Aïvanhov - E-Book

Die Pädagogik in der Einweihungslehre - Teil 1 E-Book

Omraam Mikhaël Aïvanhov

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Beschreibung

"Der Mensch kann mit einem Königreich verglichen werden, in dem seine eigenen Zellen die Bewohner sind und er der König ist. Leider ist er meistens ein entthronter König. Er wurde von seinem Volk, das er nicht weise regieren und erziehen konnte, gestürzt. Solange er an der Macht war, gab er sich seelenruhig unnützen und sogar verbrecherischen Tätigkeiten hin und seine Umwelt, die nicht einmal etwas davon merkte, bewunderte ihn vielleicht sogar. Aber seine eigenen Zellen beobachteten ihn. Er konnte sich vor ihnen nicht verstecken und eines Tages beschlossen sie, diesen Herrscher zu stürzen, der sich unablässig verwerfliche Handlungen erlaubte.Bevor man sich auf die Erziehung der anderen stürzt, muss jeder selbst Pädagoge seiner eigenen Zellen werden. Denn man muss wissen, dass ein Volk, dessen König ein schlechtes Vorbild ist, ihn nachahmt und ihn eines Tages entthront. Wenn hingegen der König ein Vorbild an Güte, an Edelmut und an Ehrlichkeit ist, ahmen seine Zellen ihn auch nach und unternehmen alles, um ihn zu unterstützen: Sie werden so gehorsam, so strahlend, dass dieses Strahlen sich sogar nach außen manifestiert. Und dieses Strahlen, diese Emanationen wirken auf Menschen, auf Tiere und sogar auf Pflanzen und beeinflussen sie. Das ist wahre Pädagogik." Omraam Mikhaël Aïvanhov

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Über den Autor

Omraam Mikhaël Aïvanhov war ein großer spiritueller Meister, ein lebendiges Vorbild, ein »Überbringer des Lichts« und ein warmherziger, humorvoller Lehrer, der durch sein selbstloses, zugängliches und brüderliches Verhalten überzeugte.

Er strebte an, alle Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten – so wie ein Bergführer seine Kameraden sicher bis auf den höchsten Gipfel führt.

Das Gedankengut, das Omraam Mikhaël Aïvanhov verbreitet hat, bietet zahlreiche Methoden und einen klaren, begehbaren Weg zu größerer Vollkommenheit und mehr Lebensglück.

In wohltuend einfacher Sprache erklärt er alle wichtigen Zusammenhänge des Lebens und ist gerade bei den Fragen unserer heutigen Zeit wegweisend. Ob es um die Bewältigung des Alltags geht, um das Thema der Liebe und Sexualität oder um tiefgründige philosophische Themen – stets sind seine Antworten überraschend klar und hilfreich.

Kurzbeschreibung

»Die Pädagogik in der Einweihungslehre - Teil 1«Reihe Gesamtwerke – Band 27

»Der Mensch kann mit einem Königreich verglichen werden, in dem seine eigenen Zellen die Bewohner sind und er der König ist. Leider ist er meistens ein entthronter König. Er wurde von seinem Volk, das er nicht weise regieren und erziehen konnte, gestürzt. Solange er an der Macht war, gab er sich seelenruhig unnützen und sogar verbrecherischen Tätigkeiten hin und seine Umwelt, die nicht einmal etwas davon merkte, bewunderte ihn vielleicht sogar... Aber seine eigenen Zellen beobachteten ihn. Er konnte sich vor ihnen nicht verstecken und eines Tages beschlossen sie, diesen Herrscher zu stürzen, der sich unablässig verwerfliche Handlungen erlaubte.

Bevor man sich auf die Erziehung der anderen stürzt, muss jeder selbst Pädagoge seiner eigenen Zellen werden. Denn man muss wissen, dass ein Volk, dessen König ein schlechtes Vorbild ist, ihn nachahmt und ihn eines Tages entthront. Wenn hingegen der König ein Vorbild an Güte, Edelmut und Ehrlichkeit ist, ahmen seine Zellen ihn auch nach und unternehmen alles, um ihn zu unterstützen: Sie werden so gehorsam, so strahlend, dass dieses Strahlen sich sogar nach außen manifestiert. Und dieses Strahlen, diese Emanationen wirken auf Menschen, Tiere und sogar auf Pflanzen und beeinflussen sie... Das ist wahre Pädagogik.«

Omraam Mikhaël Aïvanhov

Da Omraam Mikhaël Aïvanhov seine Lehre ausschließlich mündlich überlieferte, wurden seine Bücher aus stenographischen Mitschriften, Tonband- und Videoaufnahmen seiner frei gehaltenen Vorträge erstellt.

Inhaltsverzeichnis

Über den Autor

Kurzbeschreibung

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Zuerst sollten die Eltern unterwiesen werden!

Kapitel 2: Die Rolle des Unterbewusstseins bei der Kindererziehung

Kapitel 3: Erziehung und Bildung – Die Macht des Vorbildes

Kapitel 4: Die Jugend auf die Zukunft vorbereiten

Kapitel 5: Das Erlernen der Gesetze

Kapitel 6: Das Kind und der Erwachsene

Kapitel 7: Die Rolle eines Meisters

Kapitel 8: Die Nachahmung als Faktor der Erziehung

Kapitel 9: Die Einstellung gegenüber einem Meister

Kapitel 10: Die Methoden eines Meisters

Kapitel 11: Die Arbeit in der Einweihungsschule

Vom selben Autor – Reihe Gesamtwerke

Vom selben Autor – Reihe Izvor

Vom selben Autor – Reihe Broschüren

Copyright

Kapitel 1: Zuerst sollten die Eltern unterwiesen werden!

I

Lesung des Tagesgedankens:

»Um in eurem Leben alles besser zu machen, alles zu erneuern, alles zu neuem Leben zu erwecken und in Richtung Unermesslichkeit zu gehen, solltet ihr die Idee der Kollektivität in den Mittelpunkt eures Lebens stellen. Und wendet jetzt nicht ein, ihr hättet eine Familie und Kinder, die euch daran hindern. Im Gegenteil, diese Idee, für die Kollektivität zu arbeiten, wird euch helfen, eure Kinder zu erziehen: Sie werden euch bewundern und euch folgen, weil ihr für sie ein Vorbild seid.

Oft machen Kinder ihre Eltern unglücklich, weil sie ihnen unbewusst vorwerfen, sie auf zu engstirnige Weise erzogen zu haben, ihnen nicht den Weg der Größe und des Lichtes gezeigt zu haben. Sie kümmerten sich nur darum, es ihren Kindern in materieller Hinsicht möglichst bequem zu machen, ohne etwas dafür zu tun, dass sich ihr Geist entfaltet, der erstickt und sich auflehnt. Die Eltern haben natürlich nicht allein die Schuld daran, aber sie tragen einen großen Teil der Verantwortung.

Ändert also eure Meinung, verschreibt euch dieser kollektiven Arbeit und alles in eurem Leben wird in Ordnung kommen. Die Menschen brauchen eine spirituelle Nahrung und ihre Wertschätzung euch gegenüber hängt davon ab, inwieweit ihr fähig seid, sie ihnen zu geben.«

Viele von euch fragen sich, warum ich als Pädagoge sehr wenig über die Erziehung der Kinder spreche. Alle Pädagogen kümmern sich um die Kinder, nur ich nicht, ich mache eine Ausnahme. Warum? Weil ich denke, dass man zuerst damit beginnen muss, die Eltern anzuleiten.

Es gibt keine pädagogische Theorie, der ich Glauben schenke, ich glaube allein an den hohen Stellenwert des Vorbildes. Deshalb wollte ich nie so viel über Kindererziehung sprechen. Wenn die Eltern nichts dafür tun, selbst besser zu werden, wie wollen sie dann ihre Kinder besser machen? Man spricht mit Eltern über die Erziehung ihrer Kinder, als wären sie bereits darauf vorbereitet. Sobald sie Kinder haben, nimmt man an, sie seien auch darauf vorbereitet. Nein, das sind sie eben nicht und zuallererst sollten sie selbst erzogen werden, sollte man ihnen beibringen, wie sie sich verhalten sollen, damit sich ihr Beispiel in ihren Kindern widerspiegelt. Aber da man mein Programm nicht kennt, kritisiert man mich: »Pädagoge? Pah! Er ist doch kein Pädagoge. Er spricht nie über die Kindererziehung!« Das heißt, dass man nicht erkannt hat, wie ich arbeite. Übrigens versichere ich euch, solange die Eltern nicht so sind wie sie sein sollten, kann man ihnen lange die besten pädagogischen Erklärungen geben, es wird zu nichts führen. Wenn sie die Grundbegriffe, die sie nicht verstanden haben, anwenden wollen, werden sie ihren Kindern sogar sehr schaden.

Alle wollen Kinder haben, ohne sich darum zu kümmern, ob sie wirklich die Bedingungen dafür erfüllen. Sind sie bei guter Gesundheit? Haben sie die finanziellen Mittel? Und vor allem: Besitzen sie die nötigen Qualitäten, um ihren Kindern in jeder Lebenslage Vorbild, Schutz und Trost zu sein? Daran denken sie nicht. Sie setzen Kinder in die Welt und diese Kinder werden von ganz alleine aufwachsen, sie werden schon zu Rande kommen, sie werden arbeiten und eines Tages auch Kinder in die Welt setzen, unter den gleichen bedauernswerten Bedingungen wie ihre Eltern.

Ich bin immer wieder erstaunt, so viele junge Männer und Mädchen zu sehen, die heiraten wollen, ohne sich auf ihre zukünftige Rolle als Väter und Mütter vorzubereiten. Wenn man manche junge, schwangere Frauen ansieht, so fragt man sich wirklich... Ein Kind, das ein anderes Kind in sich trägt! Man sieht es in ihrem Gesicht: ein Kind. Was soll dann dabei herauskommen? Es ist besser, keine Kinder in die Welt zu setzen, solange man nicht darauf vorbereitet ist, sonst – das versichere ich euch – wird man es sehr teuer bezahlen. Viele Eltern sind wegen ihrer Kinder unglücklich und durcheinander, weil sie selbst nicht reif dafür waren, als sie sie in die Welt setzten. Sie sollten sich also vorbereiten, dann werden ihnen ihre Kinder alles geben: Reichtum, Freude, Stolz.

Ihr werdet sagen: »Sich vorbereiten... Aber wie soll man sich denn vorbereiten?« Sich vorbereiten bedeutet, Gedanken, Gefühle und eine Einstellung zu besitzen, die in eine Familie Genies und Gottheiten anziehen. Nicht aus Zufall wird dieses oder jenes Kind in eine Familie geboren. Bewusst oder unbewusst – und meistens unbewusst – sind es seine Eltern, die es angezogen haben. Deshalb sollten die Eltern bewusst außergewöhnliche Wesen anziehen, denn man kann seine Kinder auswählen. Ja, das ist etwas, was die meisten nicht wissen.1

Es ist also notwendig, alles bis zum Beginn zurückzuverfolgen und der Beginn ist die Empfängnis der Kinder. Die Eltern denken nicht daran, dass sie sich zuerst Monate, ja jahrelang darauf vorbereiten sollten. An einem ausschweifenden Abend, wenn sie zu viel Alkohol getrunken haben, empfangen sie ein Kind! Dies ist der Moment, den sie wählen, wenn man überhaupt von »wählen« sprechen kann! Sie könnten sich auch dazu entschließen, auf einen Moment des Friedens, der Klarheit zu warten, auf einen Moment, wo zwischen ihnen eine große Harmonie besteht. Aber nein, sie warten darauf, dass sie vom Alkohol erregt werden und dass sie nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. In diesem »wunderbaren« Zustand empfangen sie dann ein Kind! Aber welche Elemente, glaubt ihr, vermitteln sie ihm auf diese Art und Weise? Ein Kind, das mit solchen Elementen beladen auf die Welt kommt, kann nur das erste Opfer seiner eigenen Eltern sein. Nun, wen sollte man jetzt also erziehen? Ich sage euch, dass es nicht die Kinder, sondern die Eltern sind.

Wenn die Eltern einmal das Wesentliche ihrer Aufgabe verstanden haben, dann werden sie wissen, das versichere ich euch, wie sie sich ihren Kindern gegenüber verhalten sollen. Und das Wesentliche, was sie lernen sollten, ist genau das, worüber ich jeden Tag in meinen Vorträgen spreche. Man muss zuerst die Eltern erziehen, dann wird es mit den Kindern sehr leicht sein, denn die Kinder sind sehr geschmeidig, sehr modellierbar. Alles, was ihre Eltern tun, spiegelt sich in ihnen wider. Deshalb ist der erste Rat, den ich den Eltern gebe, aufmerksam zu sein bezüglich ihrer Gedanken, ihrer Gefühle und ihrer Handlungen.

In diesem Tagesgedanken sagte ich euch, dass die Eltern zuallererst daran denken sollten, den Geist bei ihren Kindern zu erwecken und Bequemlichkeit und Wohlbefinden an die zweite Stelle zu setzen. Den Geist bei den Kindern zu erwecken, heißt, für sie Beispiel eines wahrhaft spirituellen Lebens zu sein. Es reicht nicht aus, ein Kind in die Schule zu schicken und sei es auch die beste. Wenn die Eltern ihren Kindern zu Hause ständig das Schauspiel ihres Streits, ihrer Lügen, ihrer Unehrlichkeiten vorführen, wie können sie sich dann einbilden, sie würden sie erziehen? Man hat festgestellt, dass ein Baby krank werden und nervöse Beschwerden bekommen kann, wenn die Eltern streiten. Sogar wenn das Kind gar nicht dabei ist, schafft dieser Streit rund um es herum eine Atmosphäre von Disharmonie, die es fühlt, weil es mit seinen Eltern noch sehr stark verbunden ist. Das Baby ist sich dessen nicht bewusst, aber sein Ätherkörper nimmt die Erschütterungen auf.

Die Eltern müssen sich also der enormen Verantwortung bewusst werden, die sie ihren Kindern gegenüber haben und wachsam sein. Da sie Seelen und Geister eingeladen haben, sich bei ihnen zu inkarnieren, haben sie nun auch die Pflicht, Vorbilder zu sein. Sie sind sich ihrer Verantwortung noch nicht genug bewusst, dass sie vor den Augen ihrer Kinder ein Idealbild darzustellen, anzubieten und aufrechtzuerhalten haben. Denn diese beobachten und nehmen alles instinktiv, unbewusst auf, und eines Tages sind sie die Widerspiegelung des Verhaltens ihrer Eltern. Die Erwachsenen haben nicht das Recht, Geister zur Inkarnation einzuladen, um sich zu inkarnieren, wenn sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Wie viele unwissende Eltern laden sich enorme Schuld auf, weil sie glauben, es reiche aus, Kinder in die Welt zu setzen, ohne sich vorher um die Bedingungen zu kümmern, unter denen sie aufwachsen werden! Aber alle finden das normal: Man soll die Kinder nur kommen lassen! Man wird sie ernähren, man wird sie beherbergen, man wird sie verhauen und das war’s dann! Diese Eltern haben nichts gelernt und nichts verstanden, sie übertreten zahlreiche Gesetze und bereiten sich eine bedauernswerte Zukunft.2

Ich sehe bei manchen Eltern eine so unglaubliche Verhaltensweise, dass ich mich nicht zurückhalten kann, sie zu fragen: »Lieben Sie denn Ihre Kinder überhaupt?« Sie sind empört: »Was? Ob wir unsere Kinder lieben? Natürlich lieben wir sie!« – »Nun, das glaube ich aber nicht, denn würden Sie sie lieben, so würden Sie Ihr Verhalten ändern, Sie würden beginnen, in sich selbst gewisse Schwächen zu korrigieren, die sich sehr negativ auf Ihre Kinder widerspiegeln. Sie machen keinerlei Anstrengung. Sieht so Ihre Liebe aus?«

Ich weiß, dass die Zukunft der Bruderschaft in den Kindern liegt, aber ich kümmere mich um die Eltern. Ich möchte ihnen verständlich machen, dass sie nicht Kinder in die Welt setzen sollten, nur um dem Zeugungsinstinkt zur Arterhaltung Folge zu leisten. Dieser Instinkt existiert selbstverständlich, aber er sollte mehr auf spirituelle Art und Weise verstanden werden. Das Denken, die Seele und der Geist sollten an diesem Akt teilhaben, damit das Kind mit der höheren Welt verbunden ist. Meistens beschränken sich die Menschen auf das Tierische: Sie essen, sie trinken und sie zeugen wie die Tiere. Es liegt nichts Spirituelles in ihrem Akt. Die Liebe ist nicht wichtig, allein das Vergnügen zählt und so kann sie die mechanische Seite sehr gut ersetzen. Da sind zwei Organe, zwei Maschinen, die sich umarmen. Es fehlt jegliches Gefühl. Die Seele entfernt sich, die Liebe entfernt sich und das ist sehr schlimm.

Ihr wollt, dass ich mich um die Kinder kümmere? Oh nein, ich kümmere mich zuerst um euch und indem ich mich um euch kümmere, kümmere ich mich indirekt auch um eure Kinder, die ihr schon habt und die ihr eines Tages haben werdet.

Le Bonfin, den 5. September 1978

II

In der Gesellschaft gibt es zahlreiche Veränderungen, die nicht immer günstig für die Erziehung der Kinder sind: Zum Beispiel gehen immer mehr Frauen arbeiten. Sie wollen genauso unabhängig sein wie der Mann und da ihnen die Arbeit diese Unabhängigkeit gibt, wollen sie einen Beruf ergreifen. Nun zwingt aber dieser Beruf sie dazu, ihre Kinder zu vernachlässigen, die oft, wenn sie von der Schule nach Hause kommen, niemand im Haus vorfinden: Ihr Vater und ihre Mutter sind bei der Arbeit! Also schlagen sie sich irgendwie durch – und sie schlagen sich »sehr gut« durch, indem sie Dummheiten machen, außerhalb der Reichweite ihrer Eltern. Diesen werden sie übrigens immer fremder!

Ich sage nicht, dass die Mütter nicht arbeiten sollen, sondern ich stelle nur die Auswirkungen dieser neuen Sitten auf die Erziehung der Kinder fest. In meiner Eigenschaft als Pädagoge bin ich gezwungen, all diese Auswirkungen zu sehen. Ich gebe keinen Rat, jeder muss sein Problem persönlich lösen, aber ich denke, für die Kinder kann nichts die Anwesenheit der Mutter im Haus ersetzen, unter der Bedingung natürlich, dass sie auch wirklich anwesend ist und weiß, wie sie ihre wahre Rolle als Erzieherin spielen sollte.

Ihr werdet sagen: »Ja, aber diese veränderte Mentalität kommt auch von der Industrialisierung, vom technischen Fortschritt!« Natürlich, es sind immer äußere Faktoren, die man verantwortlich macht. Es war nicht zwangsläufig notwendig, dass der technische Fortschritt den Menschen in eine katastrophale Situation führt. Die Menschen selber haben sich auf Grund ihrer Unwissenheit, ihres Egoismus, ihrer Gier in diese Situation gebracht. Man beschuldigt immer die Bedingungen, aber wer hat sie geschaffen? Sie sind nicht vom Himmel gefallen. Der technische Fortschritt wäre eine gute Sache, warum hat es die Menschheit so eingerichtet, dass er im Begriff ist, ihren Untergang zu verursachen?

Auf jeden Fall rechtfertigt nichts, dass die Eltern unter dem Vorwand, beschäftigt zu sein, ihre Kinder allein lassen oder sie anderen anvertrauen: der Putzfrau, der Nachbarin usw. Warum haben sie dann überhaupt diese Kinder in die Welt gesetzt? Wenn sie sich nicht um sie kümmern können, dann hätten sie sie besser dort gelassen, wo sie waren. Diese Eltern werden Lektionen erhalten und es sind ihre eigenen Kinder, die sie ihnen erteilen und sie leiden lassen werden. Da sie sie auf die Erde gerufen haben, ihnen einen Körper gegeben haben, müssen sie sich auch um sie kümmern und sich nicht entlasten durch andere Personen. Gott allein weiß, was diese Personen ihnen beibringen an Dummheiten und sogar an Schweinereien! – Ich werde nicht in die Details gehen. Die Eltern sind von solcher Ahnungslosigkeit! Statt ihr Baby selbst zu stillen, gibt es die Mutter irgendeiner Amme, die viel Milch hat, ohne sich um die Krankheiten oder Laster zu kümmern, die diese dem Kind durch ihre Milch übermittelt. Denn das Kind empfängt durch die Milch etwas vom Charakter der Frau, die es nährt. Deshalb ist es wichtig, dass die Mutter ihr Kind selbst stillt. Und wenn sie ihm in diesem Moment viel Liebe gibt, wird das Kind sie nie verlassen, ihr nie Leid zufügen, ganz einfach, weil die Mutter es mit ihrer Liebe nährte.

Betrachtet jetzt einmal einen sehr interessanten Punkt: Vor der Geburt nährt die Mutter das Kind mit ihrem Blut. Dann, wenn es geboren ist, nährt sie es mit ihrer Milch. Symbolisch gesehen stellt das rote Blut Leben, Kraft und Aktivität dar. Und die weiße Milch stellt Frieden und Reinheit dar. Hier handelt es sich um ein Prinzip der Harmonie, das die rein biologischen Tendenzen, die durch das Blut repräsentiert werden, ausgleicht.3 Deshalb können alle Kinder, die nicht von der Milch ihrer eigenen Mutter ernährt wurden, sich später nicht auf ideale Weise manifestieren. Die Milch anderer Frauen oder die von Tieren enthält für das Kind nicht die gleichen Elemente wie die der Mutter. Die Mutter, die ihr Kind stillt, gibt ihm mit der Milch die Liebe und die Zärtlichkeit, die es so sehr braucht, um sich zu entfalten. Deshalb ist es wichtig, dass sie ihr Kind nicht stillt, wenn sie zornig oder schlecht aufgelegt ist, denn diese negativen Zustände vergiften die Milch und das Kind empfängt dann Elemente, die es physisch und psychisch krank machen können. Die Mütter müssen sehr wachsam sein und sich immer darauf vorbereiten, ihr Kind im bestmöglichen Zustand zu stillen.

Aus ästhetischen, oberflächlichen Gründen geben viele Mütter dem Kind das Fläschchen oder beauftragen andere damit. Währenddessen gehen sie auf Bälle, zu Abendveranstaltungen, zu Zusammenkünften und finden es amüsanter, ihre Brust für die Männer, für ihren Ehemann oder ihren Geliebten zu bewahren, denn anscheinend verdirbt das Stillen die Form der Brüste! – Man erlebt heute so viele Irrungen und Wirrungen in diesem Bereich! Deshalb entfremden sich Kinder und Eltern immer mehr. Denn sie wurden nicht mit der Liebe ernährt, mit der Milch der Mutter. Glaubt mir, ich erfinde nichts, das sind Tatsachen, die erwiesen sind.

Wenn die Mutter ihr Kind stillt, sollte sie dies bewusst machen, indem sie an es denkt, indem sie mit ihm spricht, um ihm einen Teil ihres Herzens, ihrer Seele, ihrer Quintessenz zu schenken. Ein Kind, das auf diese Art und Weise ernährt wurde, wird seine Mutter ewig lieben. Selbst wenn sie ungebildet oder nicht schön ist, wird es sie verehren. Das Kind sollte mit Liebe empfangen und mit Liebe genährt werden. Die Mütter haben noch kein ausreichend umfassendes und unpersönliches Bewusstsein. Sie sind sich der Bedeutung ihrer erzieherischen Aufgabe nicht bewusst. Niemand kümmert sich um die wirkliche Pädagogik und deshalb geht heutzutage alles den Bach hinunter.

Seht einmal, was aus all diesen Kindern wird, die anderen überlassen wurden und denen die Liebe ihres Vaters und ihrer Mutter fehlte. In den USA sind viele solcher Kinder auf den Straßen, wo sie darauf warten, dass ein Mann ihnen anbietet, für Geld mit ihnen zu schlafen. Hunderte von acht-, zehn-, zwölfjährigen Kindern gehen auf den Strich. – Vorher waren es vor allem Mädchen und jetzt sind es auch sehr junge Knaben. Und sie sagen es auch, diese Kinder, wenn man sie fragt: »Warum sucht ihr diese Männer?« – »Weil sie nett zu uns sind. Für uns zählt nicht so sehr das Geld. Sie schenken uns Zuneigung, während unsere Eltern uns geschlagen, weggeschickt oder verlassen haben.« Natürlich, Kinder brauchen Liebe! Und wenn sich das Gleiche nun auch allmählich in Frankreich abspielen würde? – Ganz sicher wird das kommen, denn alles, was sich in Amerika abspielt, kommt früher oder später auch nach Frankreich.

Kümmert euch also um eure Kinder! Ich weiß, dass zurzeit viele Eltern Erziehung unnötig finden. Sie denken, man solle das Kind sich von ganz allein entfalten lassen, ohne äußeres Eingreifen, weil sich in dieser Freiheit angeblich ihre Qualitäten auf natürliche Weise entfalten. Was für ein Irrtum! In jedem Kind schlummert der Himmel und die Hölle und die Zukunft des Kindes hängt von den Neigungen ab, die seine Eltern in ihm zu erwecken und zu entfalten versuchen. Ich gab euch eines Tages folgendes Beispiel: Nehmt das reinste, unschuldigste, besterzogenste junge Mädchen. Es scheint unfähig dazu zu sein, die geringste Dummheit zu begehen, aber wenn man es erregt, wenn man es bestimmten Bedingungen aussetzt, welche die Sexualität erwecken, wärt ihr erstaunt zu sehen, wozu dieses engelsgleiche Geschöpf fähig ist! Jeder ist dazu fähig, alles Gute und alles Böse zu tun, das hängt von den Bedingungen ab, denen ihr ihn unterwerft, von den Neigungen, die ihr in ihm erweckt.

Die menschliche Natur hat zwei Seiten, zwei Gesichter, das eine ist himmlisch und das andere höllisch4, und die Eltern begünstigen, je nach den pädagogischen Methoden, die sie anwenden, entweder das eine oder das andere und wenn sie nicht Acht geben, werden sie schon sehen, was dabei herauskommt! Man muss sehr wachsam sein, vor allem solange die Entwicklung des Kindes noch nicht abgeschlossen ist. Während es größer wird, während es sich formt, ist es voller Energien, die einen Weg suchen. Das ist nicht der richtige Augenblick blindes Vertrauen zu haben und zu glauben, man habe einen kleinen Engel in die Welt gesetzt. Es wird ein Engel aus ihm werden, ja, aber nur unter der Bedingung, dass ihr wachsam, intelligent und weise seid, aber wenn ihr nachlässig oder unwissend seid, so werdet ihr einen Teufel dabei herauskommen sehen!

Übrigens sollten sich die Eltern sogar schon vor der Geburt ihres Kindes mit dieser Frage beschäftigen. Vor der Empfängnis sollten sie sich bereits darauf vorbereiten, um eine himmlische Seele anzuziehen. Aber woran denken sie, anstatt sich darauf vorzubereiten? Während der Schwangerschaft befriedigt die Mutter oft all ihre Launen, ohne zu ahnen, dass niedere Wesenheiten sie dazu drängen, ihre Begierden zu befriedigen, um das Kind später besser besitzen zu können. Die meisten Mütter wissen das nicht und dann, Jahre später sind sie erstaunt, dass diese oder jene Schwäche bei ihrem Kind zutage tritt. Aber das kommt daher, dass sie sich während ihrer Schwangerschaft nicht analysiert, überwacht und beherrscht haben. Das ist noch ein Beweis dafür, dass nicht die Kinder, sondern die Eltern erzogen werden sollten. Denn wie viele Unkosten entstehen und wie viel Zeit geht verloren, für den Versuch, die Kinder zu erziehen! Aber es ist nichts mehr zu machen, sie sind bereits geformt.

Natürlich, die Erziehung, die man dem Kind gibt, formt es äußerlich, aber innerlich bleibt es, wie es ist. Nur wer mit einer inneren Veranlagung für Poesie geboren wird, kann Poet werden, wenn die Bedingungen das begünstigen. Und wer mit mystischen Neigungen geboren wird, hat später die Möglichkeit, Mystiker zu werden, auch wenn sich dies nicht sofort äußert, vorausgesetzt, dass die Bedingungen diese Gabe nicht ersticken. Aber damit ein Erzieher bei einem Kind Qualitäten entfalten kann, muss das Kind die Keime dazu bereits in sich tragen, muss die Mutter diese Keime zuvor bereits in es hineingelegt haben. Was immer man auch tut, um das Blei zum Glänzen zu bringen, es bleibt Blei. Ihr könnt es ruhig polieren, feilen, anschneiden, damit es glänzt, nach ein paar Minuten wird es wieder matt, denn es ist Blei. Man sollte ein Kind aus Gold und nicht aus Blei machen. Aber da die Eltern sich nicht darum bemühen, Kinder aus Gold zu machen, kann ihnen keiner helfen, kein Erzieher, kein Psychologe, denn nach der Geburt ist es bereits zu spät. Natürlich kann man die Situation ein bisschen verbessern, aber nach wie vielen Anstrengungen und Kosten!5

Die Eltern, die ein Kind haben wollen, sollten sich also darauf vorbereiten, das ist alles. Sie dürfen sich nicht einbilden, dass nur das Vergnügen zählt. Man zahlt das ganze Leben lang für ein Vergnügen von ein paar Minuten. Wenn man auf die Menschheit einen Blick wirft, wie viele Gangster, jugendliche Strolche, Henker oder Verwirrte sieht man da! Und immer deshalb, weil die Eltern keine Vorkehrungen getroffen haben, um durch ihre Einstellung nur himmlische Seelen anzuziehen. Sie wollen Kinder haben, in Ordnung, aber man sollte die besten Kinder auswählen und herbeirufen.

Meine Mutter erzählte mir, dass, als sie mich empfing und später mit mir schwanger ging, sie dies in dem Gedanken tat, mich dem Dienste Gottes zu weihen. Es scheint sogar, dass der Pope, der mich taufte, so glücklich war, dass er sich an diesem Tag zum ersten Mal betrank; gewöhnlich trank er nie. Er sagte später, er hätte sich betrunken, weil ich sicherlich ein Kind wäre, das anders sei als die anderen und er machte mich betreffend eine Prophezeiung... aber ich bin nicht verpflichtet, sie euch zu offenbaren! Später, als ich dann größer wurde, war ich ein kleiner Schlingel: Ich erzählte euch, wie ich bei den Nachbarn Äpfel stahl und die Scheunen anzündete. Aber dies hat nicht lange angehalten, denn die Keime, die tief im Inneren angelegt sind, die bleiben. Die anderen Verhaltensweisen sind oberflächlich, sie überdauern nicht.

Ich will damit nicht sagen, dass ich ein außergewöhnlicher Mensch bin, nur weil mich meine Mutter Gott geweiht hat. Man kann Kinder dem Dienste Gottes weihen, aber dabei nicht wissen, auf welche Stufe sie sich in der Hierarchie der Diener stellen werden. Die Mütter wissen das sicher nicht, und ich glaube auch, dass meine Mutter es nicht wusste. Die Tatsache also, dass mich meine Mutter dem Himmel geweiht hat, sagt also nichts über meinen persönlichen Entwicklungsstand aus. Viele Christen wurden von ihrer Mutter geweiht, aber sie bleiben in ihren Kirchen, ohne einen spirituellen Fortschritt zu machen. Sicher ist nur, dass die Eltern darum baten, dass es in ihnen einen kleinen Funken gibt. Wenn man diesen Funken anfacht, kann er zu einer lodernden Flamme werden, aber ein Funke ist nichts, wenn er nicht genährt wird. Damit er größer wird, muss man unaufhörlich Holz nachlegen, symbolisch gesprochen, und ihn anfachen.

Im Allgemeinen lieben mich alle Kinder sehr, die zu mir kommen, aber es ist drei oder vier Mal vorgekommen, dass bestimmte Kinder vor mir davongelaufen sind und keiner konnte es sich erklären. Aber ich habe es verstanden, denn all diese Phänomene des Lebens sind sehr klar für mich. Den Eltern tat es natürlich leid und sie waren unglücklich. Ich musste der Mutter Folgendes erklären: »Also, während der Schwangerschaft haben Sie sich sicherlich manche Sachen erlaubt und haben dadurch Wesenheiten angezogen, die nur danach verlangen, bei ihrem Kind zu bleiben, um von ihm zu profitieren. Diese Wesenheiten sind da und warten auf den richtigen Moment, um sich zu manifestieren.6 Aber sie empfinden mich als Feind, denn sie wissen, dass ich sie verjagen werde, wenn dieses Kind in meinen Einflussbereich kommt. Durch mein Verhalten, durch meinen Willen, durch meine Emanationen, durch alles, was ich dem Kind gebe, würden sie vertrieben werden... Übrigens mache ich nichts anderes. Ich ersetze bestimmte Wesenheiten durch andere, das ist mein Vergnügen. Sie sehen, auch ich habe meine Vergnügen! – Also, diese Wesenheiten versuchen, Ihr Kind aus meiner Anwesenheit zu entfernen.« Ich gebe mich aber nicht geschlagen und da ich die Eltern sehr liebe, entschließe ich mich, ihnen zu helfen. Ich mache mich an die Arbeit und kurze Zeit später kommt das gleiche Kind, das vor mir flüchtete, auf mich zugelaufen, um mich zu umarmen. Das ist sogar vor euren Augen ein oder zwei Mal geschehen, nicht wahr?

Aber all diese Phänomene der unsichtbaren Welt sind den meisten Menschen unbekannt. Und es ist eben die Rolle der Lehre, uns sensibel zu machen gegenüber dieser feinstofflichen, ungreifbaren aber wirklichen Welt, die sogar noch wirklicher ist als die Wirklichkeit selbst. Dank unserer Lehre werden wir bewusster und aufmerksamer gegenüber allen Strömungen, die uns beeinflussen, gegenüber allen Wesenheiten, die uns umgeben. Und dieses Bewusstsein befähigt uns zu richtigem Denken und Handeln.

Sèvres, den 25. Januar 1978

III

Habt ihr gesehen, wie stolz die Kinder darauf waren, dass sie gesungen haben? Für sie war das eine ernsthafte Sache. Oh ja, sie haben etwas geleistet, was zählt! Ihr ganzes Leben lang werden sie sich daran erinnern, dass sie vor Publikum gesungen haben. Für euch zählt das vielleicht gar nicht, aber für sie ist das ein Ereignis. Wenn ihr euch in die Herzen dieser Kinder hineinversetztet, würdet ihr sehen, dass dies ein Ereignis ist. Jetzt solltet ihr sie ermutigen, ihnen sagen, dass es großartig war, dass wir ihre Lieder gerne hören und das brauchen und dass sie noch mehr Lieder lernen sollen. Man sollte in den Kindern den Wunsch erwecken, die bestmöglichsten Fähigkeiten in der einen oder anderen Tätigkeit zu erwerben. Das ist die beste Methode, wie man sie daran hindert, Dummheiten zu machen und ihre Zeit mit sinnlosen Tätigkeiten zu verlieren.

Ein Kind sollte niemals untätig gelassen werden. Oft sagt man zu einem Kind, damit es ruhig bleibt: »Sei brav!« Aber warum verwechselt man Bravsein mit Unbeweglichkeit? Man darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn das Kind anschließend das Bravsein verachtet, denn in seinem Kopf ist das mit Unbeweglichkeit verbunden, dabei ist es doch so dynamisch! Übrigens ist es besser, von einem Kind nicht zu verlangen, dass es sich nicht rührt, sondern es immer mit etwas zu beschäftigen.

Deshalb sollten es die Eltern akzeptieren, wenn ihre Kinder ein bisschen leiden müssen, damit sie das, was man von ihnen in der Schule oder anderswo verlangt, auch machen. Die Kinder haben so viele Möglichkeiten und Reserven, so viel Widerstandskraft, dass sie dieses Leiden sofort vergessen. Mit jeder Anstrengung formt sich ihr Charakter und dies sollte die Väter und Mütter erfreuen. Aber wenn sie stattdessen sagen: »Oh, das Arme, es darf doch nicht so strapaziert werden«, so macht man es – um ihm ein paar kleine Anstrengungen zu ersparen – schwach, faul, unfähig und egoistisch. So sehen Liebe und Pädagogik der Erwachsenen aus! Seht doch, sind die Kinder, die auf den Felsen hinaufgehen, um dem Sonnenaufgang beizuwohnen, zu bedauern? Sind sie unglücklich, weil sie nicht in ihrem Bett geblieben sind? Nein. Die Eltern müssen sich darüber im Klaren sein, dass oft sie es sind, die ihre Kinder unter dem Vorwand, ihnen kein Leid zuzufügen, diese in der Schwäche belassen. Sie müssen ihre Einstellung ändern, sonst werden sie selbst das ganze Leben lang leiden, weil sie aus ihren Kindern egoistische und launenhafte Menschen gemacht haben.

Ich kenne viele, die diesen Irrtum begingen und sich jetzt die Haare raufen. Ich sage zu ihnen: »Es ist Ihre Schuld. Sehr früh schon hätten Sie ihren Kindern beibringen sollen, Ihnen zu helfen; einige Teller abzuwaschen, den Tisch zu decken, einige kleine, einfache Aufgaben auszuführen.« Natürlich sind die meisten Arbeiten zu schwierig für die ganz Kleinen, sie haben weder die nötige Kraft noch die nötige Geschicklichkeit, aber man kann es ihnen vormachen und sagen: »Später wirst auch du das machen.« Bis dahin gibt es viele kleine Arbeiten, die sie bereits erledigen können. Nur, die Eltern geben ihnen nichts zu tun, denn es ist viel einfacher für sie, manches schnell selbst auszuführen, als es den Kindern zu zeigen und sie dabei zu überwachen. Aber das ist keine gute Erziehungsmethode, denn später wollen die Kinder nicht mehr machen, was sie hätten lernen sollen, als sie ganz klein waren. Ihre Fähigkeiten wurden nicht früh genug trainiert. Dann können die Eltern ruhig schimpfen: »Faulpelz, mach dies; mach jenes; lerne jetzt endlich...«, das Kind will nicht mehr, es ist zu spät.

Es gibt gute Gewohnheiten, die man den Kindern beibringen sollte, wenn sie noch sehr jung sind, denn diese Gewohnheiten werden sie nie mehr verlassen. Eines Tages traf ich einen Mann, der bereits öfters im Gefängnis war wegen Diebstahls. Er vertraute mir an, dass er sogar im Gefängnis morgens und abends sein Gebet spreche. Das war eine Gewohnheit, die er durch seinen Vater angenommen hatte, als er noch klein war, und er konnte sich nicht mehr davon trennen. Ich sagte zu ihm: »Was, Sie beten morgens und abends und stehlen immer noch?« – »Ah, das ist eine andere Sache.« Für ihn waren beten und stehlen nicht unvereinbar. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn sein Vater ihm auch angewöhnt hätte, nicht zu stehlen!

Man ist sich nicht im Klaren über die Kraft der Gewohnheit. Wenn ein Kind gewohnt ist, dass seine Eltern seinen Launen nachgeben, dann ist es vorbei. Es wird später, selbst wenn es im Unrecht ist und das auch weiß, weiterhin wollen, dass man ihm nachgibt. Und in diesem Augenblick wird es zu spät sein, es zu ändern. Ein Kind, das umhegt, verhätschelt und verwöhnt wurde, verlangt, dass man ihm immer dieses Verhalten entgegenbringt. Leider gibt es in diesem Augenblick nur eine Kraft, die fähig ist, es zu erziehen: das Leben. Denn das Leben ist unerbittlich. Das Kind wird also leiden und sich ändern. Aber wie viel unnützes Leid bereiten die Eltern ihren Kindern, weil sie nicht wissen, wie sie deren Launen entgegentreten sollen!

Deshalb sage ich oft zu den Eltern: »Vorsicht, Vorsicht, Ihre Güte ist in Wirklichkeit nur Schwäche und Unwissenheit. – Am Ende werden Sie weinen, denn Sie werden das erste Opfer Ihrer dummen Güte sein.« Wie viele Eltern beklagten sich bei mir über das Verhalten ihrer Kinder! Ich war gezwungen, ihnen zu sagen, dass sie selbst schuld daran sind und natürlich haben sie mich nicht verstanden. Man darf nicht schwach sein mit den Kindern, denn später werden sie es ausnutzen, und das ist dann nicht einmal ihre Schuld. Wenn niemand einem Kind zeigt, dass es Regeln zu respektieren gilt und wenn es sehr früh schon den Eindruck hat, dass alles sich seinen Launen fügen muss, wie wollt ihr dann, dass es später jemandem gehorcht, der es zurechtweisen will? Es wird nicht gehorchen. Das ist normal. Es wird lieber allem trotzen, alles zerschlagen, sich selbst zugrunde richten, um nur ja nicht nachgeben zu müssen. Denn das hat man ihm ja angewöhnt, es ist also nicht seine Schuld.

Wenn sich die Eltern darüber im Klaren sind, dass ihre schlechte Erziehung den Charakter ihres Kindes verdorben hat, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Himmel, die Geister der Weisheit zu bitten, ihm eine Lektion zu erteilen, die es zum Nachdenken bringt. Das Kind wird ein bisschen weinen, sie werden es trösten, aber es hat wenigstens verstanden. Und so wird es nach ein paar kleinen, guten Lektionen gerettet werden. Ich habe das gut beobachtet und habe oft gesehen, dass Güte, dumme Güte, die Laster verstärkt. Güte ist wunderbar, aber unter der Bedingung, dass sie im Dienst der Weisheit steht.

Eines Tages weilte ich in einer Familie von sehr reichen und in der Gesellschaft gut situierten Leuten. Sie waren sehr besorgt wegen ihres einzigen Sohnes, der ihnen schwer zu schaffen machte. Sie verwöhnten ihn, gaben ihm viel Geld und er amüsierte sich natürlich und vernachlässigte seine Studien. Ich wollte ihnen helfen und sagte ihnen: »Wollen Sie Ihren Sohn retten? Zuerst müssen Sie begreifen, dass er für ein Studium nicht begabt ist. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich ihn als Lehrling in eine Autowerkstatt schicken, zu einem anspruchsvollen Chef, der ihn zur Arbeit zwingt, und ich würde aufhören, ihm Geld zu geben, denn dieser Wohlstand entwickelt nur seine schlechte Seite.« Ich erklärte ihnen all dies sehr lange, aber sie verstanden mich nicht. Sie waren sogar sehr unzufrieden mit meinem Rat, denn sie fühlten sich gedemütigt von der Vorstellung, dass ich aus ihrem Sohn einen Arbeiter machen wollte. Sie hörten also nicht auf mich und schickten ihren Sohn weiterhin auf die besten Schulen, gaben ihm die besten Lehrer und vor allem verwöhnten sie ihn weiterhin mit Geld und Geschenken.

Nach einigen Jahren war die Situation so katastrophal geworden, dass sie sich an meinen Rat mit der Autowerkstatt erinnerten. Aber was für eine Überraschung für mich! Ich hatte den Eltern geraten, ihn als Lehrling zu einem Automechaniker zu schicken. Stattdessen kauften sie ihm die größte und modernste Autowerkstatt, die sie finden konnten. Selbstverständlich bereitete niemand diesen jungen Mann darauf vor, Eigentümer einer solchen Autowerkstatt zu werden und es kam, wie es kommen musste: Einige Zeit später ging er in Konkurs. Ich erzähle euch nicht, wie die Geschichte weiterging, aber das sind Eltern, die ihrem Sohn viel Unglück brachten aufgrund ihrer Schwäche und ihrer dummen Liebe.

Heute trauen sich die Eltern nicht mehr, Methoden anzuwenden, die den Charakter der Kinder formen. Sie sagen: »Oh, er darf nicht leiden, er soll alles haben, was er will.« Nun gut, sie machen aber ihre Kinder mit dieser Schwäche kaputt. Eines Tages werden sie nichts mehr von ihnen erwarten können. Sie werden sich dann sogar Henkern gegenüber sehen, die sie mit Füßen treten und sie werden bittere Lektionen empfangen aufgrund ihrer falschen Pädagogik.

Aber die Eltern glauben mir nicht, sie denken, ich sei grausam. Ich bin nicht grausam, ich kenne nur ein paar kleine Gesetze – die eigentlich große Gesetze sind. In der Vergangenheit zogen auf diese Weise viele Leute ihre Kinder auf, sogar Könige. Es gab in ihren Palästen immer Weise, die sie berieten. Und dies war zum Beispiel ein Ratschlag, den sie ihnen gaben: »Ihr habt einen Sohn, der dazu bestimmt ist zu regieren. Aber wird er gerecht, wird er ehrlich und unparteiisch sein? Ihr solltet Folgendes tun, Majestät: Noch bevor Euer Sohn weiß, dass er ein Prinz, der zukünftige Thronfolger ist, schickt ihn in eine arme Familie, damit er sieht, wie die Menschen leiden und kämpfen, wie sie arbeiten, um sich das kleinste Stück Brot zu verdienen. Wenn er zurückkehren und seinen Thron besteigen wird, so wird er mit Gerechtigkeit, Milde und Barmherzigkeit herrschen.« Und die Könige folgten diesen Ratschlägen.7

In der heutigen Zeit wollen die reichen Familien ihre Söhne nicht zu einem Vorgesetzten in harte und schwierige Bedingungen schicken, wo es sogar sein kann, dass man ihnen ein paar Ohrfeigen gibt. Sie schicken sie in die großen Hauptstädte oder in die Schweiz in die renommiertesten Internate, wo sie mit Prinzen verkehren, wo sie Tennis spielen, Ski fahren und Schwimmwettbewerbe mitmachen – und wenn sie von dort herauskommen, diese geliebten Söhne, wird man sie in Watte packen. Dies ist die Pädagogik der sehr reichen und sehr »intelligenten« Leute!

Übrigens sollte ein sehr reicher Vater diesen Reichtum seinen Kindern nicht zeigen, denn sie würden zu viel auf ihre zukünftige Erbschaft zählen und keine Anstrengungen mehr unternehmen, um zu arbeiten und zu lernen, sich selbst durchzuschlagen. Sie würden glauben, dass ihnen alle Launen und Vergnügungen erlaubt wären, sie würden faul werden und das ist die schlimmste Erziehung. Die Eltern sollten also ihre Kinder so lange wie möglich im Ungewissen über den Reichtum lassen, der sie erwartet. Wenn sie gelernt haben, gut zu arbeiten und sich zu bemeistern, dann, ja dann können die Eltern über all den Reichtum sprechen, den die Kinder erben werden, aber nicht vorher.

Dies macht übrigens der Herr mit uns allen. Der Herr ist der größte Erzieher, der größte Pädagoge. Er zeigt uns nicht sofort die Erbschaft, die uns oben, in den himmlischen Banken erwartet. Da wir uns also für arm und unglücklich halten, arbeiten wir, strengen wir uns an, und wenn wir uns endlich unter Stöhnen und Tränen unserer himmlischen Erbschaft würdig erwiesen haben, zeigt Er uns all die Schätze, die für uns angehäuft wurden.8 In diesem Augenblick verstehen wir die Weisheit des Ewigen, der uns nichts im Voraus enthüllt hat. Die Eingeweihten, die wie der Herr arbeiten wollen, verstecken auch vieles im Interesse ihrer Schüler, damit diese sich gut entfalten.

Als ich noch sehr jung war, acht oder neun Jahre alt, ging ich bei einem Schmied arbeiten, aber aus freien Stücken, weil ich es wollte. Der Schmied ließ mich den Blasebalg drücken, um das Feuer am Brennen zu halten. Und wenn er mit seinem Hammer schlug, so drückte auch ich. Dies gab viele Funken und ich war von diesen Funken sehr entzückt. Manchmal fielen sie auf meine nackten Füße und ich bekam Blasen. – Wisst ihr, wie viel ich für meine Arbeit bekam? Das waren umgerechnet zwanzig Centimes pro Tag, aber zur damaligen Zeit waren zwanzig Centimes viel und ich war glücklich, meiner Mutter dieses Geld zu bringen, denn zu dieser Zeit hatte ich schon meinen Vater verloren. Und während meiner Zeit bei dem Schmied beobachtete ich, studierte und überlegte ich.

Später wollte ich in einer Fabrik für Pastellstifte arbeiten... Wie liebte ich dort die Geschwindigkeit bei der Arbeit. Ich entwickelte ein paar Tricks, die es mir ermöglichten, schneller als die anderen Arbeiter zu sein und der Chef belohnte mich dafür. Überall habe ich viel gelernt. Ich beobachtete, wie die Leute lebten, dachten und arbeiteten. Einmal wurde ich auch in einer Bonbonfabrik eingestellt. Ich war erstaunt, als ich erfuhr, dass der Chef erlaubte, so viel davon zu essen, wie man wollte und ich vergesse nie, wie viel ich am ersten Tag davon aß! Die Arbeiter, die das sahen, lächelten und ich fragte mich, warum wohl! Sicher sagten sie sich, dass dies nicht lange andauern würde und in der Tat verlor ich sehr schnell vollständig die Lust am Bonbonessen. Der Chef erlaubte es, denn er wusste, dass seine Arbeiter nach ein oder zwei Tagen, an denen sie sich voll stopften, so angeekelt sein würden, dass sie monatelang keins mehr anrühren würden. Hätte er es ihnen jedoch verboten, so hätten sie vielleicht jeden Tag ein Dutzend davon genommen und schließlich wären ganze Säcke verschwunden.

Ihr wollt, dass ich euch sage, was ich noch alles für Berufe ausübte? Nun gut, eines Tages wurde ich Schneider. Aber das war kein Beruf für mich. Man musste im Schneidersitz sitzen, ohne sich zu bewegen, fast untätig und da bin ich eingeschlafen. Ich verließ diesen Schneider noch am gleichen Tag – zu seinem großen Leidwesen, denn er wollte aus mir einen echten Schneider machen. Aber dank dieses Tages, den ich bei ihm verbracht hatte, kann ich nun nähen – wenigstens einen Knopf annähen! Ich habe gelernt, einen Faden einzufädeln, einen Knoten zu machen usw.