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Aus dem Käfig: Wenn man sich auf ein wildes Tier einlässt, sollte man sich darauf einstellen, gebissen zu werden. Die Anfeindung durch seine Familie wird für Jason Truollo zu viel – eine Ohrfeige von seinem Stiefvater ist der buchstäblich letzte Tropfen – und er macht sich auf den Weg zu dem einzigen Verwandten, der Verständnis zeigte, als er sich outete: sein Onkel Raul Braga. Als er bei ihm ankommt, ist er schockiert, da er nicht nur von seinem Onkel mit offenen Armen begrüßt wird, sondern dieser Onkel sich auch noch in einer festen Beziehung befindet … mit einem Mann. Mehr als das, auch viele Freunde von Onkel Raul sind schwul. Endlich fühlt sich Jason, als hätte er einen Ort gefunden, an den er passt. Noch besser, er trifft einen Mann, der seine Gefühle in Wallung bringt, aber Michel McDover, der sexy, raubeinige Mann aus den Bergen kann sicherlich nicht schwul sein. Doch er ist es, und er macht sein Interesse an Jason deutlich. Mit dem Gedanken, dass es perfekt ist, die Freuden der körperlichen Liebe von einem älteren Mann zu erlernen, beginnt Jason eine heiße Affäre mit Michel. Dann lässt eine überraschende Begegnung mit einigen Fremden im Wald Jason erkennen, dass er weit mehr zu lernen hat, als er je für möglich gehalten hätte. Ist er bereit, für die Hoffnung auf Liebe und Akzeptanz offen zu sein? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 36.000 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
ÜBER CHARLIE RICHARDS
LESEPROBE:
Gefährte des Mountain Man
Aus dem Käfig: Wenn man sich auf ein wildes Tier einlässt, sollte man sich darauf einstellen, gebissen zu werden.
Die Anfeindung durch seine Familie wird für Jason Truollo zu viel – eine Ohrfeige von seinem Stiefvater ist der buchstäblich letzte Tropfen – und er macht sich auf den Weg zu dem einzigen Verwandten, der Verständnis zeigte, als er sich outete: sein Onkel Raul Braga. Als er bei ihm ankommt, ist er schockiert, da er nicht nur von seinem Onkel mit offenen Armen begrüßt wird, sondern dieser Onkel sich auch noch in einer festen Beziehung befindet … mit einem Mann. Mehr als das, auch viele Freunde von Onkel Raul sind schwul.
Endlich fühlt sich Jason, als hätte er einen Ort gefunden, an den er passt. Noch besser, er trifft einen Mann, der seine Gefühle in Wallung bringt, aber Michel McDover, der sexy, raubeinige Mann aus den Bergen kann sicherlich nicht schwul sein. Doch er ist es, und er macht sein Interesse an Jason deutlich. Mit dem Gedanken, dass es perfekt ist, die Freuden der körperlichen Liebe von einem älteren Mann zu erlernen, beginnt Jason eine heiße Affäre mit Michel. Dann lässt eine überraschende Begegnung mit einigen Fremden im Wald Jason erkennen, dass er weit mehr zu lernen hat, als er je für möglich gehalten hätte. Ist er bereit, für die Hoffnung auf Liebe und Akzeptanz offen zu sein?
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 36.000 Wörter
CHARLIE RICHARDS
Gefährte des Mountain Man
Die Wölfe von Stone Ridge 20
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „The Mountain Man’s Mate“:
Charlie Richards
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2019
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Sage Marlowe
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Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
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Widmung
Für alle, die diese Widmungen tatsächlich lesen. Wir schätzen euch, denn manchmal ist es schwierig, sich diese zu überlegen.
Jason Truollo stieg aus dem Fernreisebus, schnappte sich schnell seine Tasche und ging allen Reisenden aus dem Weg. Er nahm sich Zeit, um sich in Ruhe in dem Busbahnhof umzusehen und beobachtete, wie jeder Reisende von einem Angehörigen begrüßt wurde – mit Umarmungen und Küssen – und aus dem Gebäude verschwand.
Würde ich auch so begrüßt werden, wenn ich Onkel Raul gesagt hätte, dass ich komme?
Jason rieb sich die Stirn und realisierte, dass er es wirklich nicht wusste. Sicher, vor fünf Jahren, als er sich geoutet hatte und seine Mutter sich das Telefon geschnappt und angefangen hatte, wegen ihres fürchterlichen Sohnes und seiner Neigungen in die Leitung zu weinen, war Onkel Raul freundlich gewesen und beruhigte seine Schwester. Sein Onkel hatte nicht mit ihm sprechen wollen. Stattdessen hatte Jason einen Brief – einen richtigen handgeschriebenen Brief – von dem Mann erhalten.
Onkel Raul hatte ihm gesagt, er solle seiner Mutter Zeit lassen, und ihn ermutigt, er selbst zu sein, egal was andere Leute sagten. Sein Onkel hatte auch seine Telefonnummer und Adresse mitgeteilt. Vor fast drei Monaten, als die Drohungen und Misshandlungen von seinem Stiefvater Arthur Barringer begannen, hatte Jason diese Nummer gewählt. Es hatte nicht funktioniert. Ein Brief an die Adresse war zurückgeschickt worden. Es hatte weitere zwei Monate gedauert, um den aktuellen Aufenthaltsort seines Onkels ausfindig zu machen.
Angst und Besorgnis erfüllten Jason und er blinzelte seufzend die Tränen zurück. Er wusste genau, wie viel in seiner Brieftasche steckte, und es war nicht viel. Wenn sein Onkel es nicht ehrlich gemeint hatte … oder wenn er nicht mehr dort wohnen sollte … Jason wusste nicht, was er dann tun würde.
Jason legte sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und ging zum Taxistand in der Nähe des Südausgangs.
Er war die einzige Person an der Schlange von Taxis.
Er zwang sich zu einem Lächeln und wandte sich dem wartenden Taxifahrer zu. Dann zog er seine Brieftasche hervor und nahm den Zettel mit der Adresse seines Onkels Raul heraus. Er hatte sie von der letzten Geburtstagskarte abgeschrieben, die sein Onkel seiner Schwester Brianna, Jasons Mutter, geschickt hatte. Die Tatsache, dass er den Müll durchwühlen musste, um sie zu finden, war total beschissen, aber es hatte sich gelohnt … hoffte er jedenfalls.
„Ich muss zu dieser Adresse“, sagte Jason und hielt den Zettel hoch, damit der große, dunkelhaarige Kerl seine enge Handschrift lesen konnte.
Für eine Sekunde dachte Jason, der Taxifahrer würde den Mund öffnen, als wollte er eine Frage stellen. Er nickte jedoch nur und öffnete seinen Kofferraum, dann packte er Jasons Tasche und warf die vollgepackte, schwere Tasche leicht in sein Fahrzeug.
Jason biss sich auf die Zunge, um nicht zu fragen, ob er seine Tasche bei sich haben könnte.
In dieser schwarz-braun gemusterte Reisetasche befanden sich Jasons gesamte weltliche Besitztümer … und die meisten davon waren keine Kleidungsstücke. Zu diesem Zeitpunkt konnte Jason sich nicht für Jeans und T-Shirts begeistern. Diese konnte er überall kaufen, wenn er erst einen Ort gefunden hatte, an dem er sich niederlassen konnte.
Stattdessen wollte er die Dinge bei sich haben, die ihn an bessere Zeiten erinnerten … wie der Ball, den er bei dem Baseballspiel gefangen hatte, zu dem sein Vater ihn im Alter von zehn Jahren mitgenommen hatte. Das war zwei Wochen vor dem Verschwinden seines Dads gewesen. Danach musste seine Mutter sich allein um ihn und seine beiden jüngeren Schwestern kümmern.
Er wünschte, er wüsste, was mit seinem Vater geschehen war. Seine Mutter sprach nie darüber … und das veranlasste ihn, sich zu fragen, ob sie etwas darüber gehört hatte, was mit ihm passiert war.
„Das wäre typisch“, flüsterte er. Seine Mutter war noch nie eine sehr mütterliche Frau gewesen, aber es hatte selbst ihn erschüttert, als sie einfach neben ihm gestanden und zugesehen hatte, wie sein Stiefvater ihm ein Ultimatum stellte. Jason hatte sich bereits vor fünf Jahren geoutet, es war also nicht so, als würde er sich jetzt ändern, nur weil Arthur sagte, er wolle keine Schwuchtel als Sohn. Er solle hetero sein, sonst würde er rausgeschmissen, war nichts, was Jason gerne zu hören bekam.
Arschloch.
Und jetzt ruhten Jasons gesamte Hoffnungen auf einem Onkel, den er seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen oder gesprochen hatte. Verunsichert steckte er seine Hand in die Tasche und suchte nach dem verblichenen alten Brief von Onkel Raul, während er beobachtete, wie Kiefern vor dem Fenster vorbeisausten.
In weniger als zwanzig Minuten bog das Taxi in eine enge, von Bäumen gesäumte Einfahrt ein. Jason beugte sich in seinem Sitz vor und spähte durch die Windschutzscheibe, als ein kleines, einstöckiges Gebäude erschien.
Jason wusste nicht, was er erwartet hatte, aber das jedenfalls nicht. Auf der weitläufigen Veranda befanden sich mehrere Stühle und im Vorgarten, nicht weit von der untersten Stufe, einer dieser Plastikschildkröten-Sandkästen. Mit gerunzelter Stirn durchforstete er sein Gehirn nach Erinnerungen, die darauf hindeuten könnten, dass Raul geheiratet hatte.
In der Einfahrt befanden sich auch mehrere Fahrzeuge, darunter eine Limousine, ein Jeep, ein SUV und ein Porsche. Jason fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Wer zur Hölle fuhr einen Porsche in den Bergen?
„Das macht zweiunddreißig sechzig“, sagte der Taxifahrer.
Jason drehte sich um, um sich auf den Kerl zu konzentrieren, und war überrascht, als er den abschätzenden Blick des Mannes sah, so als würde der versuchen, mehr über ihn herauszufinden. Er beschloss, es zu ignorieren, zog seine letzten beiden Zwanziger heraus und reichte sie dem Fahrer, dann drückte er die Autotür auf und stieg aus.
Der Fahrer tat dasselbe und versuchte, ihm das Wechselgeld zu geben, als er zum Kofferraum ging. Jason winkte ab und erhielt dafür ein Dankeschön vom Taxifahrer. „Raul erwartet dich?“, fragte der Mann schließlich, während er Jasons Tasche herauszog.
„Ähm, nein“, antwortete Jason und nahm sein Gepäck. Erleichterung erfüllte ihn, dass sein Onkel demnach zumindest noch hier lebte.
„Soll ich warten?“
„Ähm …“ Scheiße, warum hatte er nicht darüber nachgedacht? Was wäre, wenn Raul nicht wollte, dass er blieb? „Ja, okay“, murmelte er und seine Nervosität wuchs.
Der Taxifahrer tätschelte tatsächlich seine Schulter. „Dann geh schon, Sohn. Ich werde für ein paar Minuten hier bleiben“, versicherte er.
Jason spürte, wie sich seine Brauen überrascht hoben. Er konnte sich nicht erinnern, wann ein Erwachsener das letzte Mal so … freundlich gewesen war. Die meisten Leute hatten keine Schwierigkeiten, ihn auf den ersten Blick als schwul einzuschätzen, und er hielt es auch für besser so. Keine Fehleinschätzung. Keine Verwirrung. Es war also überraschend, einen Fremden in einer Kleinstadt zu treffen, der sich so entspannt ihm gegenüber verhielt.
Jason zwang sich zu einem Lächeln und nickte. Er atmete tief ein und ging den Weg zur Veranda hinauf. Er stellte seine Reisetasche auf einen der Stühle, klingelte, dann steckte er die Hände in die Taschen, um zu verhindern, dass sie beim Warten zitterten.
Die Tür öffnete sich, und ein breitschultriger Blonder schaute mit einem kühlen Blick aus blauen Augen auf ihn herab. Nur war es nicht der große, gutaussehende Mann, der Jasons Aufmerksamkeit auf sich zog. Stattdessen war es das Baby, das der Mann in seinen stämmigen Armen hielt, was dazu führte, dass sich sein Mund vor Überraschung öffnete … und vor Enttäuschung und Angst. Jetzt ergab der Sandkasten einen Sinn. Wenn Onkel Raul ein Baby hatte, würde er sicherlich keine Zeit haben, ihm zu helfen.
„Kann ich dir helfen?“
Die tiefe Stimme des Kerls lenkte Jason von seiner aufsteigenden Panik ab. Er spürte, wie Hitze seine Wangen durchdrang. Verdammte helle Haut. „Ähm, ja“, sagte er und versuchte verzweifelt, sein Gehirn in Gang zu bringen. „Ich suche Raul Braga. Ist er da?“
„Sicher“, antwortete der Mann. „Komm rein. Ich hole ihn für dich.“ Der Blonde mit dem Baby winkte ihn herein und in ein Wohnzimmer.
„Danke“, murmelte Jason.
Der Mann winkte dem Taxifahrer zu, und als er die Tür schloss, hörte Jason den Motor des Fahrzeugs anspringen. Jason hoffte, dass sein Onkel ihn wenigstens in die Stadt zurückbringen würde, wenn er nicht dort bleiben könnte, und ihm vielleicht etwas Geld leihen würde, bis er einen Job gefunden hatte.
„Wer ist es, Baby?“
Jason richtete sich auf, als er die Stimme seines Onkels hörte, aber mit wem redete er?
„Weiß nicht. Hier ist ein junger Mann, der dich sehen will“, antwortete der Blonde.
Er konnte sich nicht helfen. Jasons Augen weiteten sich und sein Kiefer klappte erschrocken nach unten. Waren dieser Kerl und sein Onkel etwa –? Nein, Onkel Raul hätte esmirgesagt! Oder nicht?
Jason beobachtete, wie sein Onkel in den Raum schlenderte. Zu seiner Erleichterung leuchteten seine grünen Augen auf und ein Grinsen erschien auf seinem Gesicht, als der Mann ihn entdeckte. „Jason! Was zur Hölle? Ich wusste nicht, dass du kommst!“
Zu Jasons Freude nahm sein Onkel ihn in seine Arme und drückte ihn kräftig, genau wie er es immer getan hatte. Hinter Onkel Raul ertönte ein leises Knurren, und der Mann zog sich lachend zurück. Sein Onkel behielt eine Hand auf Jasons Schulter, wandte sich dem Blonden zu und sagte: „Ruhig, Junge. Das ist Jason Truollo. Mein Neffe.“
Der Blonde zuckte die Achseln und sein Lächeln war entschuldigend, als er sagte: „Ich werde schnell eifersüchtig. Du weißt das.“
Onkel Raul nickte. „Das wirst du tatsächlich, aber ich liebe dich und würde nichts an dir ändern.“
Der Mann schien über diese Antwort äußerst erfreut zu sein, denn er grinste.
„Äh, Onkel?“, murmelte Jason, unsicher, wie er fragen sollte, was er so unbedingt wissen wollte.
Sein Onkel schien es sich denken zu können. „Das ist Sean Garcia, mein Partner, und das süße Mädchen in seinen Armen ist seine Nichte Lily. Wir sind ihre Erziehungsberechtigten“, erklärte Onkel Raul.
„Dein Partner?“, quietschte Jason.
Raul zuckte die Achseln. „Manchmal hat das Schicksal die Angewohnheit, sich einzumischen.“ Wieder sah er Sean an. „Es hat eine großartige Wahl getroffen“, sagte er, und in seinen Worten lag etwas offensichtlich Unausgesprochenes, den erhitzten Blicken zwischen den Männern nach zu urteilen.
„Ich wusste gar nicht, dass du schwul bist“, sagte Jason leise. „Weiß Mom es?“
„Wenn Brianna fragen würde, würde ich ihr die Wahrheit sagen“, sagte Raul. „Aber sie ist ein bisschen … egozentrisch.“ Er verzog das Gesicht und fügte hinzu: „Das weißt du ja.“
Jason nickte. Er wusste es allerdings.
„Also, nimm Platz und sag mir, was zum Teufel du hier machst“, befahl sein Onkel. Er steuerte Jason auf eine Couch zu, hielt kurz inne, um einen raschen Kuss auf Seans Lippen zu drücken, als sie vorbeigingen, und fragte leise: „Wie wäre es mit einem Kaffee, Baby?“
„Sicher. Bin gleich wieder da“, antwortete Sean. Er sah zu Jason: „Es ist schön, dich kennenzulernen. Raul sagt nur Gutes über dich.“ Dann trat er aus dem Raum und ging zum hinteren Teil des Hauses.
Raul ließ sich auf die Couch fallen, den Rücken zur Ecke gedreht, so dass er Jason halb zugewandt saß, der am anderen Ende des Möbelstücks die gleiche Haltung einnahm. „Du hättest mir sagen sollen, dass du kommst“, tadelte Raul und lächelte. „Ich hätte dich abgeholt. Oder hast du jetzt ein Auto? Bist du hergefahren?“
„Nein, ich habe einen Fernbus genommen“, sagte Jason zu ihm. „Arthur hat angefangen, meinen Lebensstil ziemlich heftig zu kritisieren.“ Er konnte die höhnische Note in seinem Ton nicht verbergen, bemühte sich aber auch nicht. „Er sagte, dass der College-Fonds, den er auf die Seite gelegt hat, nicht für eine Schwuchtel bestimmt wäre und hat sich geweigert, weiterhin für mich zu zahlen.“
„Bastard“, knurrte Raul. „Und Brianna war damit einverstanden?“
Jasons eigene Frustration entspannte sich angesichts des aufsteigenden Zorns seines Onkels. Er zuckte mit den Schultern. „Wie du gesagt hast, Mom ist ein wenig egozentrisch. Sie hat mir gesagt, ich solle mir stattdessen einen Job suchen und aufs Community College gehen“ Jason sah Raul finster an und hob die Hand. „Versteh mich nicht falsch, ich hatte genau das geplant, aber …“ Er berührte seinen Kiefer in dem Wissen, dass die Blutergüsse verschwunden waren, aber die Erinnerung war noch frisch.
Ein Mann sprach mit kaltem Ton: „Hat Arthur dich geschlagen, Jason?“
Jason riss den Kopf nach rechts und sah, dass Rauls Freund Jared Templeton sich zu ihnen gesellt hatte und an die Wand gelehnt dastand, die Arme verschränkt, einen finsteren Ausdruck auf seinem Gesicht und Kälte in seinen braunen Augen. Er hatte den Mann ein paar Mal getroffen und nie etwas anderes als Wärme in seinem Blick gesehen. Jason starrte den schlanken Mann für eine Sekunde einfach an.
„Ja“, gab Jason schließlich leise zu. „Ich weigerte mich danach, zu bleiben.“ Er war bei seiner Familie geblieben, während er aufs College ging, weil er nicht von seinen Schwestern getrennt sein wollte, und er wusste, dass Arthur versuchen würde, sie voneinander fern zu halten. Er liebte seine jüngeren Schwestern und verbrachte viel Zeit mit ihnen. Im Gegensatz zu Jason, den Arthur schon größtenteils ignoriert hatte, bevor er sich bei seiner Familie outete, versuchte Arthur, den Mädchen eine Vaterfigur zu sein und verhätschelte sie.
Jetzt war Alisha neunzehn Jahre alt und bereitete sich auf das College vor, wo sie auch wohnen würde, also war es nicht so, als hätte Arthur dieselbe Kontrolle über sie. Sogar Trina, mit ihren siebzehn Jahren, kam mit einer Menge mehr davon als Jason. Die ganze Welt drehte sich um die Mädchen.
„Ich verstehe“, murmelte Jared.
Jasons Herz hüpfte in seiner Brust. Rauls Freund war immer nett zu ihm gewesen, daher beunruhigte es ihn, den seltsam kalten Ausdruck in Jareds Augen zu sehen. Raul sah Jared finster an. „Jared.“ Raul zog den Namen des Mannes in die Länge, eine klare Warnung in einem einzigen Wort.
Als Jared lächelte, half es nicht viel, Jasons Sorgen zu lindern. „Komm schon, Raul“, sagte Jared. „Du weißt doch, dass ich für Auge um Auge bin. Ich werde nur sichergehen, dass er es sich zweimal überlegt, ob er nochmal jemanden schlägt, der unter seiner Obhut steht“, sagte der Mann und versuchte, dabei unschuldig zu klingen.
„Hier ist der Kaffee“, sagte Sean, als er in den Raum kam. Er warf einen Blick zwischen ihnen hin und her und verdrehte die Augen. „Meine Güte, drohst du wieder jemandem, Jared?“
„Ich drohe nicht“, antwortete Jared.
Sean schüttelte den Kopf und stellte das Tablett, das er trug, auf den Beistelltisch. „Vielleicht sollte ich Carson holen gehen“, murmelte er.
„Petzer“, witzelte Jared sofort und grinste ohne jede Reue.
Plötzlich erschien ein großer Native American und legte einen Arm um Jareds Taille. „Habe ich meinen Namen gehört?“
Jasons Augen weiteten sich. „Du bist auch schwul?“ Er wusste nicht, ob er weitere Überraschungen verkraften konnte.
„Nur für ihn“, antwortete Jared und deutete mit einem Daumen auf den Mann, der ihn hielt. „Carson, das ist Rauls Neffe, Jason Truollo.“ Er grinste Jason an. „Das ist Carson Angeni, mein Partner.“
„Freut mich, dich kennenzulernen“, sagte Jason ganz automatisch.
Carson nickte. „Gleichfalls.“
„Also, bleibst du?“, fragte Sean und reichte ihm eine Tasse Kaffee. „Sahne oder Zucker?“
Jason sah sich unter den vier Männern um, sein Mund arbeitete, aber es kam kein Ton heraus.
Raul lachte leise und nahm ihm die Tasse ab. „Komm schon“, sagte er und forderte Jason mit einer Hand auf seinem Arm auf, sich zu erheben. „Ich denke, du brauchst etwas Ruhe. Du warst lange unterwegs und hast gerade einige Überraschungen erlebt. Du könntest wohl etwas Zeit zum Verdauen brauchen.“
Jason folgte ihm ruhig, und sein Onkel führte ihn in ein kleines Schlafzimmer. Er war sich nicht sicher, wie er sich fühlen sollte, und im Moment konnte er in der Flut von Emotionen, die in ihm tobten, nur Erleichterung ausmachen. Sein Onkel hatte ihn mit offenen Armen begrüßt. Er würde sich später um den Rest kümmern. Jetzt war er endlich in Sicherheit, bei einem Familienangehörigen.
„Danke, Onkel Raul“, sagte er erleichtert und setzte sich auf das Bett.
Raul hockte sich vor ihm nieder und lächelte ermutigend. „Soll ich deine Mutter anrufen und sie wissen lassen, dass du hier bist?“
Jason nickte. „Vielen Dank. Ich bin vielleicht nicht mit ihrem Erziehungsstil einverstanden … oder mit ihrem Ehemann, aber ich möchte nicht, dass sie sich Sorgen macht.“
Raul nickte, stand auf und ging zur Tür. „Ruh dich aus.“
Nachdem er seine Schuhe ausgezogen hatte, legte sich Jason auf das Bett. Er schnappte sich das Kissen und drückte es an seine Brust, als er sich auf seiner Seite zusammenrollte. Er stieß einen langen Seufzer aus und fühlte sich zum ersten Mal seit Monaten sicher und glücklich.
„Danke für das Update, Michel“, sagte Declan McIntire und erhob sich von seinem Stuhl. „Lass mich wissen, wenn dir sonst noch etwas seltsam vorkommt.“
Dankbar, dass das Treffen zu Ende war, erhob sich Michel McDover und nickte. „Aye, Alpha.“ Als er seine Berghütte verlassen hatte, um zu berichten, dass er Fallen im Nationalpark gefunden hatte, während er in Wolfsgestalt herumlief, hatte Michel nicht erwartet, dass sein Alpha sofort den Beta und einen Vollstrecker anrufen würde. Da der Vollstrecker in Sean und Rauls Haus gewesen war, das sich etwa auf halber Strecke zwischen den Häusern des Alphas und des Betas befand, hatten sie sich in ihre Fahrzeuge gesetzt und waren zu einem spontanen Treffen hingefahren.
Michel hoffte, dass der Verdacht seines Anführers – dass es wieder die Wissenschaftler waren – falsch war. Bei all der Scheiße, die diese schrecklichen Menschen schon abgezogen hatten, dachte er aber natürlich, dass sein Alpha wahrscheinlich richtig lag.
Er fuhr sich mit der Hand über den dicken Bart und verbarg sein Schaudern über einige der Geschichten, die er gerade gehört hatte.
