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Maui Knight kann nicht glauben, dass er seinen Gefährten gefunden hat, als er Ian Carmichael aus den Laboren der Psy rettet. Aus dem Drang heraus, seinen Gefährten zu beschützen, schlägt er Ian die Bitte ab, seine Schwester von seinem Vater wegzuholen. Aber Maui hat nicht damit gerechnet, dass Ian wild entschlossen ist, seine Schwester vor den unehrenhaften Absichten seines Vaters zu retten. Ian Carmichael flieht aus dem sicheren Territorium der Allianz, um seine Schwester zu holen. Aber von dem Moment an, in dem er das Haus seiner Kindheit betritt, geht alles schrecklich schief. Er rettet seine Schwester, wird jedoch erneut von den Psy geschnappt. Als er das letzte Mal eingesperrt war, haben sie ihn gefoltert, doch diesmal erreicht ihre Folter eine ganz neue Stufe. Und was noch schlimmer ist: Sie haben ihn verwandelt. Ians einzige Hoffnung ist, dass Maui ihn einmal mehr befreien wird. Aber selbst dann ist Ian nicht sicher, ob Maui lieben kann, was Ian geworden ist. Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 41.500 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Epilog
ÜBER SHEA BALIK
LESEPROBE:
Gefährten im Feuer
Maui Knight kann nicht glauben, dass er seinen Gefährten gefunden hat, als er Ian Carmichael aus den Laboren der Psy rettet. Aus dem Drang heraus, seinen Gefährten zu beschützen, schlägt er Ian die Bitte ab, seine Schwester von seinem Vater wegzuholen. Aber Maui hat nicht damit gerechnet, dass Ian wild entschlossen ist, seine Schwester vor den unehrenhaften Absichten seines Vaters zu retten.
Ian Carmichael flieht aus dem sicheren Territorium der Allianz, um seine Schwester zu holen. Aber von dem Moment an, in dem er das Haus seiner Kindheit betritt, geht alles schrecklich schief. Er rettet seine Schwester, wird jedoch erneut von den Psy geschnappt. Als er das letzte Mal eingesperrt war, haben sie ihn gefoltert, doch diesmal erreicht ihre Folter eine ganz neue Stufe. Und was noch schlimmer ist: Sie haben ihn verwandelt.
Ians einzige Hoffnung ist, dass Maui ihn einmal mehr befreien wird. Aber selbst dann ist Ian nicht sicher, ob Maui lieben kann, was Ian geworden ist.
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 41.500 Wörter
SHEA BALIK
Gefährten im Feuer
Paranormal Wars: Stone Haven 3
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Mating Forged in Fire“:
Shea Balik, 2014
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2017
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Vanessa Tockner
URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:
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Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
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Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.
Widmung
Für meine Freunde M und P, für eure ständige Unterstützung und Ermutigung, selbst wenn andere mich für etwas verrückt hielten, weil ich mein Leben änderte, um das hier zu tun.
Es gibt Momente im Leben eines Menschen, wenn die ganze Existenz unwiderruflich verändert wird – Momente, die man einfach nicht aufhalten kann, egal wie sehr man dagegen ankämpft. Wie ein führerloser Güterzug stoßen sie frontal mit einem zusammen und lassen einen unter ihren Auswirkungen wankend zurück.
Ian hatte nie gedacht, dass so etwas passieren könnte, er hätte es nicht einmal für möglich gehalten, dass er einmal dort enden würde, wo er war, und doch war er hier. Erst vor sieben Jahren war seine ganze Welt auf den Kopf gestellt worden und seitdem hatte er an jedem einzelnen Tag mit jeder Zelle seines Körpers gegen diese Umstände angekämpft. Nicht, dass es je funktioniert hatte, aber er war entschlossen gewesen, etwas aus seinem Leben zu machen. Bis jetzt. Jetzt war er kurz davor aufzugeben.
Alles hatte damit begonnen, dass seine Mutter von einem Betrunkenen angefahren worden war, als sie vom Einkaufen nach Hause gekommen war. Sein Vater war gerade befördert worden und sie hatte mit Schmorbraten, seiner Lieblingsmahlzeit, feiern wollen.
Sie war sofort tot gewesen. Danach hatten Ian und seine Schwester Shayla nach Kräften versucht, ihrem Vater aus dem Weg zu gehen. Er war nie ein besonders liebevoller Vater gewesen, aber ihre Mom hatte seine Ecken und Kanten abgefangen. Von diesem Moment an hatte ihr Vater sich so verändert, dass sie ihn nicht wiedererkannten.
Er trank viel, war bis spät unterwegs und manchmal kam er tagelang nicht nach Hause. Als der Ältere kümmerte Ian sich um Shayla, brachte sie zur Schule, überprüfte, ob sie ihre Hausaufgaben machte, und fand Wege, um ihr etwas zu essen zu beschaffen, was nicht immer einfach war, da ihr Vater nie daran dachte, ihnen Geld zu geben oder Lebensmittel nach Hause zu bringen.
Sobald er merkte, dass es an ihm war, Essen für sie beide zu beschaffen, fand Ian einen Job. Shayla und er kamen größtenteils über die Runden. Sie verließen sich aufeinander und gingen ihrem Vater aus dem Weg. Ian hatte größere Probleme, mit ihrer angespannten Beziehung umzugehen, und bemühte sich, die Aufmerksamkeit des Mannes zu bekommen.
Auch wenn es nur in kleinen Dingen war, Ian konnte anscheinend nicht anders, als auf den Mann zuzugehen. Schließlich war er immer noch Ians Vater und vor dem Tod seiner Mutter hatte Ian ihn geliebt. Jeden Tag tat er etwas und hoffte dabei, dass er Ian endlich wieder liebevoll ansah, aber es sah aus, als würde das nie geschehen.
Vor etwa einem Jahr hatte Ian bemerkt, dass sein Vater seine eigene Tochter, Ians Schwester Shayla, mit sexuellem Verlangen in den Augen ansah. Sie war fast achtzehn und Ian wusste, dass er sie wegbringen musste, bevor sein Vater diese Gefühle in Handlungen umsetzte. Die Möglichkeit bestand, dass sein Vater nicht wartete, bis sie volljährig war, aber wenn Ian vorher versuchte, mit ihr auszureißen, und sie geschnappt wurden, würde Ian wahrscheinlich der Entführung beschuldigt werden. Ohne Ian hätte Shayla niemanden, der ihr helfen würde.
Eine Woche vor ihrem achtzehnten Geburtstag kam Ian nach Hause und sah einen weißen Transporter vor dem Haus stehen. Etwas drängte ihn davonzulaufen, aber er konnte seine Schwester nicht alleine zurücklassen. Also tat er, was er seit dem Tod ihrer Mutter immer getan hatte: Er straffte die Schultern, atmete tief ein und wappnete sich für das, was kommen würde.
Ian hatte sich selbst geschworen, so mutig zu sein, wie seine Mutter es immer von ihm behauptet hatte. Das war es, was ihm über ihren Tod hinweg und durch Shaylas Pflege half. Oft hatte er eklige Jobs annehmen müssen, wie etwa Zimmer in einem Motel zu putzen, das sie pro Stunde vergab, aber er weigerte sich nachzugeben, egal wie sehr er alles hinschmeißen wollte.
Er erlaubte sich eine Minute, um seinen Mut zusammenzunehmen, und starrte an dem Gebäude hinauf, das er sein ganzes Leben lang sein Heim genannt hatte. Als klar geworden war, dass sein Vater sich nicht um den Garten oder irgendwelche Reparaturen kümmern würde, hatte Ian diese Arbeiten erledigt. Es war nicht perfekt, die Farbe war an den meisten Stellen abgeblättert und die Außenwände könnten einen neuen Anstrich vertragen, aber der Garten war gepflegt. Die geliebten Blumenbeete seiner Mutter waren noch da und ziemlich frei von Unkraut.
Jetzt suchte er diese Beete mit seinem Blick – in diesem Moment brauchte er ein wenig von der Liebe seiner Mutter. Beim Anblick der leuchtend gelben Rosen musste er lächeln, als er sich daran erinnerte, wie gut sie sich immer darum gekümmert hatte. Er betete, dass er falsch lag, und öffnete die Tür zu der geschützten Veranda.
Als er durch die Vordertür eintrat, wusste er, dass seine Vorahnung richtig gewesen war. Sein Vater stand im Eingang zur Küche, lässig an den Türstock gelehnt und mit einem Lächeln, das nur als teuflisch bezeichnet werden konnte. „Willkommen zuhause, Junge, ich habe eine Überraschung für dich.“
Er wollte gar nicht nachfragen, aber er wusste, dass es keinen Unterschied machte, ob er stumm blieb, also antwortete auf die übliche sarkastische Weise. „Hast du beschlossen, dass dein krankes Verlangen nach Shayla falsch ist, und lässt dich einweisen?“ Es war das erste Mal, dass einer von ihnen zugab, was sein Vater für Shayla empfand, aber tief im Inneren wusste Ian, dass, was auch immer gerade passierte, ohnehin nicht gut für ihn enden würde, daher konnte er seine Sticheleien ebenso gut loswerden.
Einen Moment lang dachte er, das hätte dem Mann endlich das Letzte gegeben und er würde einen Herzinfarkt bekommen, so rot, wie sein Gesicht anlief. Es sah beinahe aus, als hätte er aufgehört zu atmen, aber so viel Glück hatte Ian nicht. „Wie kannst du es wagen, mich perverser Gedanken zu beschuldigen, wenn du doch derjenige bist, der gerne Männer fickt?“
Warum sein Vater so tat, als würde es ihm etwas ausmachen, dass Ian schwul war, das wusste er nicht. Ian hatte seine sexuelle Orientierung nie verheimlicht. Im Gegenteil, er hatte seine Partner sogar zum Abendessen nach Hause eingeladen. „Wenigstens begehre ich nicht meine eigene Familie.“
Sein Vater zischte warnend, aber Ian war es egal. „Ich habe mich schon mit fünfzehn geoutet. Warum tust du auf einmal so, als wäre das wichtig?“
In dem Moment trat ein großer Mann in den Raum. „Warum lässt du nicht mich das regeln, Harold?“, sagte der Mann zu Ians Vater, der lediglich nickte und dem etwas wie Angst in die Augen geschrieben stand.
Als der Mann sich zu Ian drehte, konnte er den ängstlichen Blick seines Vaters verstehen. Die Augen des Mannes sahen kalt, tot aus, als wäre es ihm egal, ob man ihn tötete oder mit ihm redete. Es gab überhaupt keine Emotion darin.
„Also, Ian, aus irgendeinem Grund will dein Vater, dass du aus dem Haus verschwindest und nie wiederkommst.“ Das überraschte Ian nicht gerade. Sein Vater konnte ihn nicht in der Nähe haben, wenn er seine eigene Tochter vergewaltigte. „Also hat er für ein kleines Entgelt zugestimmt, dass du an einem von den Psy durchgeführten Experiment teilnimmst.“
Okay, jetzt war Ian schockiert und sah an dem unheimlichen Mann vorbei zu seinem Vater. „Du hast mich an die Psy verkauft?“, fragte er ungläubig.
Der Mann antwortete für seinen Vater. „Ganz genau.“
Ian sagte nichts, er rannte einfach nur und schlug mit einer Hand auf die Tür ein, um sie aufzustoßen, da er sich nicht damit aufhalten wollte, sie ordentlich zu öffnen. Er schaffte es nicht einmal über die Veranda hinaus, bevor er spürte, wie jemand ihn von hinten packte, aber erst der leichte Stich einer Nadel in seinem Nacken sagte ihm, dass er nicht entkommen würde – nicht, dass er sich deshalb weniger gesträubt hätte.
Er spürte fast sofort, wie sein Körper schwerer wurde, und konnte sich nicht mehr wehren, da seine Glieder ihm nicht mehr gehorchten. Er spürte, wie jemand ihn aufhob und über die Schulter warf. Sein Blick fiel auf seinen Vater, der erneut selbstzufrieden dreinsah. Kurz bevor Dunkelheit ihn umfing, hörte er seinen Vater sagen: „Ich werde mich gut um Shayla kümmern.“
Inzwischen war das ein knappes Jahr her, in dem ununterbrochen an Ian herumgedoktert und ihm genug Blut abgenommen worden war, um eine ganze Vampirarmee zu ernähren, falls Vampire überhaupt existierten. Außerdem war er von den Psy als Spielzeug benutzt worden. Ihr Lieblingsspiel war es, seinen Verstand zu erobern und ihn zu zwingen, Sex mit den Soldaten zu haben, die hier stationiert waren. Ian fand das ziemlich ironisch, da die Psy vehemente Anti-Schwulen-Propaganda betrieben.
Jedes Mal, wenn er gezwungen wurde, ihren Befehlen zu folgen, kämpfte er so heftig dagegen an, wie er konnte. Mehrere Male versuchte er zu entkommen, entschlossen zu Shayla zurückzugehen, aber er schaffte es nie aus dem Gebäude hinaus.
Er hatte die Sonne seit einem Jahr nicht mehr gesehen, da es ihm nicht erlaubt war hinauszugehen. Die Forschungsanstalt befand sich unter der Erde, deshalb gab es keine Fenster. Der einzige Lichtblick in diesem Höllenloch war JJ Well – sein richtiger Name lautete Jason Jachovich, aber Ian hatte ihn abgekürzt. Er war ebenfalls ein Gefangener, mit dem Ian sich schnell angefreundet hatte, und wahrscheinlich der einzige Grund, warum er noch bei Verstand war.
Sie erzählten einander jede Grausamkeit, die die Psy ihnen antaten, in allen Details. Das war der einzige Weg, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Nicht, dass sie sie je vergessen würden, aber das Wissen, dass sie nicht die einzigen waren, die diese Dinge durchmachten, schien zu helfen. Tatsächlich gab es knapp hundert Gefangene und mit der Zeit begannen sie alle, ihre Geschichten miteinander zu teilen. Sie versuchten aufeinander aufzupassen. Es half zwar nicht viel – die Psy konnten mühelos ihre Gedanken kontrollieren und sie dazu zwingen zu tun, was die Psy wollten –, aber sie konnten füreinander da sein, wenn sie wieder in ihre Zellen gebracht wurden.
In letzter Zeit kamen die Gefangenen nicht mehr zurück. Jason und Ian hatten versucht herauszufinden, was los war, aber die Psy erzählten ihnen nichts. Sie waren völlig verängstigt. Jede Nacht hielten sie sich an den Händen, die Körper gegen die Gitterstäbe gepresst, um sich gegenseitig zu trösten. Sie hatten den Glauben an die Götter mehr oder weniger verloren, trotzdem beteten sie zu jedem Gott, der vielleicht zuhörte, dass sie lebendig hier herauskamen.
Erst vor ein paar Wochen war Jason beinahe katatonisch zurückgekommen und nicht in der Lage gewesen, darüber zu reden, was er gesehen hatte. Immer wieder murmelte er etwas von Monstern, aber egal, wieviel Mühe Ian sich gab, er schien seinen Freund einfach nicht beruhigen zu können. Jedes Mal, wenn sie Jason wegbrachten, schottete er sich immer mehr ab und starrte nur ins Leere. Dann war Jason genau wie die anderen weggebracht worden und nicht mehr zurückgekommen.
Ian war in Rage verfallen und hatte jeden, der es wagte, sich ihm zu nähern, noch heftiger attackiert als vorher. Der Arzt, der die hier durchgeführten Experimente leitete, beschloss, Ian zu zeigen, was los war. Ian wollte gerne glauben, dass er es aus Mitgefühl tat, aber in Wirklichkeit wollte er ihm wahrscheinlich nur eine Heidenangst einjagen.
Eines Tages brachte ihn Dr. Reid, den sie unter sich Dr. Frankenstein nannten, nicht zum Untersuchungsraum, sondern hinunter in das fünfte Untergeschoss. Er brachte Ian in einen Raum, der ähnlich aussah wie im vierten Untergeschoss, wo er gehalten wurde. Es gab Käfige auf beiden Seiten des Ganges, in denen Gefangene waren, mit dem einzigen Unterschied, dass diese Käfige größer waren.
Als sie an dem ersten vorbeikamen, sah Ian hinein und blieb abrupt stehen, denn darin waren keine Menschen. In dem ersten Käfig war etwas, das nur als Monster bezeichnet werden konnte.
Ian blieb wie angewurzelt stehen, obwohl der Doktor weiter an der Reihe von Käfigen vorbeiging, bis er vor einem stand, der sich etwa in der Mitte befand. „Jason, ich habe Ian mitgebracht, um dich zu sehen.“
Das bewirkte, dass Ians Beine wieder funktionierten. Er wollte die anderen Käfige nicht sehen und eilte zu dem, vor dem Dr. Reid stand. „Jason“, sagte er, gerade als er einen ersten Blick in den Käfig bekam. Er hörte, wie er ein unmännliches Quieken von sich gab, als er das über zwei Meter große Wesen entdeckte, das seinen Vermutungen nach am ehesten wie ein Bär aussah, aber anders als alle Bären, die Ian je gesehen hatte.
„Ian“, sagte das Wesen, das Dr. Reid Jason nannte, oder zumindest hörte es sich so an. Das bärenähnliche Geschöpf packte die Stäbe seines Käfigs und versuchte zu reden, aber die Worte kamen zu verzerrt heraus. Er schien eher zu knurren als zu reden.
Die Tatsache, dass das Wesen zu reden versuchte, ließ Ian genauer hinsehen. Da bemerkte er den flehenden Blick in den Augen, die zimtfarben waren wie die seines Freundes. „Oh mein Gott. Jason, was haben sie dir angetan?“ Er drehte sich zum Doktor. „Was hast du ihm angetan?“, schrie er.
Das schien mehrere Kreaturen in den anderen Käfigen aufzuregen und sie begannen zu knurren und an den Stäben ihrer Käfige zu rütteln. Dr. Reid nahm lediglich Ians Hand und zog ihn durch den Korridor zurück. „Wir müssen hier weg, bevor die Soldaten kommen, um nachzusehen, was los ist.“
Ian war zu überrascht von allem, was er gerade gesehen hatte, um sich gegen den Doktor zu wehren, und er wurde hinaus und in den Untersuchungsraum gezogen, bevor er wieder klar denken konnte. Er riss sich los und brachte so viel Distanz zwischen sie wie möglich. „Du hast das getan. Wie? Warum?“, fragte er, obwohl er gar nicht sicher war, ob er die Antwort wissen wollte.
Der Doktor war anständig genug, um wenigstens so auszusehen, als würde er sich für seine Handlungen schämen – zumindest hoffte Ian, dass es das war. „Ich hatte keine Wahl“, sagte er durch zusammengebissene Zähne. „Das ist vielleicht schwer zu glauben, aber ich bin ebenso ein Gefangener wie du.“
„Ja, klar“, sagte Ian – sein Sarkasmus war auf Angriffsmodus gestellt. „Selbst wenn du ein Gefangener bist, wie können sich dich zu irgendetwas zwingen? Du bist ein Psy. Sie können dich nicht kontrollieren wie uns“, zischte Ian.
Dr. Reids Schultern sackten etwas nach unten, als er sich schwer gegen die Wand lehnte. „Das spielt keine Rolle. Der Punkt ist, dass ich keine Wahl habe.“
Ian hatte genug davon, was ihm alles zugestoßen war, und wenn er daran dachte, was mit den anderen Gefangenen geschah, würde bestimmt auch er bald in eine Art Monster verwandelt werden. Deshalb war er nicht bereit, von dem Mann abzulassen.
Er ging direkt auf den Doktor zu und baute sich vor ihm auf. „Es gibt nichts auf der Welt, das mich zwingen könnte, die kranken, verdorbenen Dinge zu tun, die du uns antust. Du hast uns täglich mit Spritzen gefoltert, uns mit irgendwelchem gottverdammten Zeug vollgepumpt und dann stehst du einfach daneben, wenn die Wachen uns als ihr persönliches Sexspielzeug benutzen. Sitz nur selbstzufrieden hier und denk, dass du keine Wahl hattest, aber die hattest du doch. Du bist genauso böse wie sie. Also sag mir, was um alles in der Welt dich dazu bewegt hat, das zu tun?“
„Sie haben meine Eltern, meinen Bruder und meine Schwester“, flüsterte Dr. Reid, als hätte er Angst, dass die Worte realer würden, als sie ohnehin waren, wenn er sie laut aussprach. „Wenn ich nicht tue, was sie wollen, haben sie gesagt, dann schneiden sie ihnen verschiedene Körperteile ab und schicken sie mir, bis ich tue, was sie von mir verlangen. Als ich nicht tat, was sie wollten, haben sie mir einen Finger von meinem Vater geschickt, an dem noch sein Ehering steckte.“
„Oh, Scheiße“, fluchte Ian.
Das war das erste und einzige Mal, dass sie je darüber redeten, warum der Doktor tat, was er tat. Sie wagten nicht mehr es anzusprechen, aus Angst, dass jemand sie hörte. Seitdem blieben sie Arzt und Gefangener und tauschten keine persönlichen Kommentare mehr aus. Ja, sie zeigten nicht mit einer Geste an, dass der Doktor sein tiefstes, dunkelstes Geheimnis verraten hatte.
Ian war gerade in seiner Zelle und wartete darauf, dass Dr. Reid ihn für ihren nächsten Termin abholte, als der Doktor von dem Kommandanten der Einrichtung aufgehalten wurde, demselben gefühllosen Mann, der Ian vor einem knappen Jahr entführt hatte. „Dr. Reid, wir müssen wissen, wie schnell Sie mehr Kreaturen erschaffen können. Wir haben alle in der Schlacht verloren.“
Ian keuchte entsetzt auf. Jason.
Der Doktor sah in Ians Richtung, sagte jedoch nichts zu seiner Reaktion. „Es gab keine Überlebenden?“, fragte er den Kommandanten, oder Luzifer, wie Ian und Jason ihn nannten. Der Kerl hatte kein Quäntchen Freundlichkeit in seinem Körper. Tatsächlich schien es ihn zu erregen, wie frei er die Gefangenen foltern konnte.
Der Kommandant zuckte mit den Schultern, als spielte es sowieso keine Rolle. „Wir können nicht sicher sein, ob irgendwelche überlebt haben, da die Allianz sie zu Asche verbrannt hat. Das macht es schwierig, Leichen zu zählen, aber wir bezweifeln, dass irgendwelche überlebt haben.“
So sehr er auch dagegen ankämpfte – jede Emotion, die er zeigte, konnte und würde gegen ihn verwendet werden –, Ian konnte einfach nicht verhindern, dass ihm Tränen über die Wangen liefen, während er zuhörte. Er hielt den Kopf gesenkt und hoffte, dass niemand etwas bemerken würde, aber sein Freund verdiente seine Tränen, selbst wenn Ian dafür bestraft wurde.
„Wir sind der Meinung, dass dieses Labor in Gefahr ist, daher müssen wir evakuieren. Sie werden in der nächsten Stunde abfahren, damit Sie bestimmt nicht geschnappt werden, aber wir müssen wissen, wie die neuesten Verwandelten zu transportieren sind.“ Bei diesen Worten hob Ian ruckartig den Kopf.
Vielleicht war Jason nicht mit den anderen mitgeschickt worden, vielleicht war er noch hier. In diesem Moment traf der Blick des Doktors auf seinen. Als könnte er Ians Hoffnungen spüren, machte er sie mit einem leichten Kopfschütteln zunichte, während Luzifer die Anweisungen, die der Doktor ihm gab, auf seinem Tablet mitschrieb.
Sobald der Kommandant die Anweisungen eingegeben hatte, sagte er: „Wie schon erwähnt, werden Sie innerhalb der nächsten Stunde abfahren. Sobald Sie an dem neuen Stützpunkt angekommen sind, werden Sie den restlichen Tag haben, um das neue Labor einzurichten. Wir erwarten, dass Sie morgen Früh damit beginnen, die Menschen zu verwandeln. Anscheinend hat die Allianz nicht vor, die Kreaturen zu retten, daher brauchen wir so viele wie möglich.“
„Was hilft es, mehr zu erschaffen, wenn sie sie ohnehin umbringen?“, fragte Dr. Reid.
„Die Allianz tötet nur, wenn sie befürchtet, etwas nicht besiegen zu können, was bedeutet, dass diese Kreaturen stark genug sind, um es mit ihnen aufzunehmen.“ Luzifer machte sich nicht die Mühe, noch länger zu bleiben und seine absurde Logik zu erklären.
Dr. Reid sagte nichts zu Ian, aber Ian sah das Mitgefühl in seinen Augen. Seltsamerweise spendete dieser Blick Ian Trost, während er um seinen Freund trauerte.
Seit er von Seth, dem Gefährten des Alphas, erfahren hatte, dass die Psy immer noch Experimente an Paranormalen und Menschen durchführten, brannte Maui Knight darauf, ihre Forschungsanstalten zu zerstören. Er hatte seine ersten dreißig Lebensjahre in der Hölle eines Labors der Menschen verbracht, wo er für das gefoltert worden war, was die Menschen Wissenschaft nannten.
Alles hatte 2012 begonnen, vor dreihundert Jahren, als die drei Rassen in die Welt gekommen waren. In ihrer unendlichen Weisheit hatten die Götter drei neue Rassen erschaffen, um die Erde zu retten, aber dabei hatten sie offensichtlich nicht bedacht, dass die Menschen in wilde Panik ausbrechen könnten.
Die drei neuen Rassen wurden Paranormale genannt und umfassten Gestaltwandler, Mystiker und Psy. Gestaltwandler teilten sich ihre Körper mit einem Tier, damit sie mit allen Tieren kommunizieren und das weit verbreitete Aussterben verschiedener Spezies aufhalten konnten. Mystiker konnten jeweils eines der Elemente – Feuer, Wind, Erde, Wasser – kontrollieren, um das natürliche Gleichgewicht der Erde wiederherzustellen. Die Psy hatten die Gabe des Geistes bekommen, um den Menschen dabei zu helfen, ihre verzerrte Denkweise zu ändern.
Maui war ein Feuer-Mystiker. Er konnte Feuer manipulieren, es sowohl entzünden als auch löschen. Er musste zugeben, dass das wahrscheinlich die coolste aller möglichen Fähigkeiten war. Es war nicht so, dass er die anderen nicht ebenso würdigte, aber er wusste, dass er zu den besonders zerstörerischen Kräften auf dieser Erde gehörte. Nicht, dass es ihm je zu Kopf stieg. Im Gegenteil, seine Freunde stellten sicher, dass er kein allzu großes Ego bekam, besonders sein Alpha Alek Rykov, der Mann, der ihn vor all den Jahren gerettet hatte.
Zum Unglück der Wandler und Mystiker konnten ihre Geburten nicht als normal bezeichnet werden. Direkt nach ihrer Geburt verwandelten sich die Wandler weniger als eine Minute lang in ihr Tier und die Mystiker in ihr Element.
Sobald die Regierungen hörten, was geschah, schwärmten sie aus und töteten die Babys entweder oder nahmen sie in Gewahrsam. Indem sie nationale Sicherheit als Grund nannten, wenn die Eltern es wagten zu protestieren, und Panik überall unter der Bevölkerung verbreiteten, kamen die Regierungen damit davon.
Zugegeben, das wurde auch dadurch erleichtert, dass Mystiker, vor allem die Feuer-Mystiker, hunderte in Gefahr gebracht hatten. Wenn Mystiker sich in ihr Element verwandelten, verursachten sie oft Chaos, besonders wenn ein Wind- und ein Feuer-Mystiker um dieselbe Zeit im selben Krankenhaus zur Welt kamen.
Wenn ein Feuer-Mystiker geboren wurde, brach er oder sie in Flammen aus. Erschrocken über den Anblick eines in Feuer gehüllten Babys, schrien die Zeugen des Phänomens los. Diese erste Verwandlung war nur eine Kostprobe des Elements, generierte jedoch keine Hitze, daher brannte das Feuer nicht wirklich.
