Gehetzt - Kevin Hearne - E-Book

Gehetzt E-Book

Kevin Hearne

4,5
7,99 €

oder
Beschreibung

Der junge Ire Atticus hat sich mit seinem Wolfshund Oberon im Südwesten der USA niedergelassen. Er betreibt eine Buchhandlung mit okkulten Schriften und verkauft allerlei magischen Krimskrams. An Arizona schätzt er vor allem »die geringe Götterdichte und die fast vollständige Abwesenheit von Feen«. Ein verhängnisvoller Irrtum … Dieser Band ist bereits zuvor in einer anderen Ausgabe unter dem Titel »Die Hetzjagd« erschienen. Atticus O’Sullivan führt ein scheinbar friedliches Dasein in Arizona. In seinem Laden bekommt man alles, was man eben so brauchen kann. Nachbarn und Kunden halten ihn für einen netten, tätowierten jungen Mann. Tatsächlich ist Atticus aber nicht 21, sondern über 2100 Jahre alt: Er ist der letzte lebende Druide. Seine übermenschlichen Kräfte zieht er direkt aus der Erde und außerdem besitzt er ein unsagbar scharfes magisches Schwert namens Fragarach. Zu Atticus’ Unglück aber ist eine überaus erzürnte keltische Gottheit hinter genau diesem Schwert her. Und sie hat es auf Atticus’ Leben abgesehen …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 456




KEVIN HEARNE

DIE CHRONIK DES EISERNEN DRUIDEN 1

Aus dem Englischen vonAlexander Wagner

Impressum

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Hobbit Presse

www.klett-cotta.de/hobbitpresse

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

»The Iron Druid Chronicles 1. Hounded«

im Verlag Ballantine Books, New York

© 2011 by Kevin Hearne

Für die deutsche Ausgabe

© 2013/2014 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung

Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Printed in Germany

Umschlag: Birgit Gitschier, Augsburg

Photo-illustration von Gene Mollica

Datenkonvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Printausgabe: ISBN 978-3-608-93930-9

E-Book: ISBN 978-3-608-10427-1

Dieses E-Book entspricht der 1. Auflage 2014 der Printausgabe

Schau mal, Mami, was ich gemacht hab! Können wir das am Kühlschrank aufhängen?

1

Es hat viele Vorzüge, einundzwanzig Jahrhunderte alt zu werden, aber das mit Abstand Beste daran ist, dass man Zeuge der seltenen Geburt echter Genialität wird. Das spielt sich ausnahmslos so ab: Jemand wirft den Ballast überkommener kultureller Traditionen ab, ignoriert die unheilschwangeren Blicke der Autoritäten und tut etwas, das seine Landsleute für komplett verrückt halten. Unter diesen Genies war Galileo mein persönlicher Favorit. Van Gogh folgte dicht dahinter auf Rang zwei, wobei dieser tatsächlich komplett verrückt war.

Der Göttin sei Dank sehe ich nicht aus wie jemand, der Galileo persönlich die Hand geschüttelt – oder den Uraufführungen von Shakespeare-Stücken beigewohnt hat oder mit den wilden Horden von Dschingis Khan ritt. Wenn mich Menschen fragen, wie alt ich bin, antworte ich ihnen einfach, einundzwanzig, und wenn sie davon ausgehen, damit wären Jahre und nicht Jahrzehnte oder Jahrhunderte gemeint, ist das wohl nicht meine Schuld, oder? In manchen Lokalen mit Altersbeschränkung wollen sie sogar immer noch meinen Ausweis sehen, was ziemlich schmeichelhaft ist, wie euch jeder ältere Mitbürger gerne bestätigen wird.

Das Äußere eines jungen, irischen Burschen kommt mir allerdings weniger gelegen, wenn ich an meinem Arbeitsplatz einen gelehrten Eindruck erwecken will – ich betreibe eine okkulte Buchhandlung mit einer kleinen, in eine Ecke gezwängten pharmazeutischen Theke –, gleichzeitig hat es einen ungeheuren Vorteil. Wenn ich beispielsweise im Supermarkt einkaufen gehe, und die Menschen sehen meine roten Locken, meine helle Haut und den langen Kinnbart, dann nehmen sie automatisch an, ich würde Fußball spielen und viel Guinness trinken. Oder wenn ich ein ärmelloses Hemd trage, und sie bemerken die Tätowierungen, die meinen gesamten rechten Arm bedecken, dann vermuten sie, ich würde zu einer Rockband gehören und jede Menge Gras rauchen. Aber nicht einen Augenblick kommt ihnen der Gedanke, ich könnte ein uralter Druide sein – und das ist der Hauptgrund, weshalb ich dieses Äußere so schätze. Würde ich mir stattdessen einen langen, weißen Bart wachsen lassen, einen spitzen Hut aufsetzen und beständig Würde und Weisheit ausstrahlen, könnten die Menschen bald den falschen – beziehungsweise den richtigen – Eindruck gewinnen.

Manchmal vergesse ich, wie ich aussehe, falle ein wenig aus der Rolle und singe beispielsweise ein aramäisches Hirtenlied, während ich bei Starbucks in der Schlange warte; aber das Gute am Leben in den Städten Amerikas ist, dass die Menschen hier Exzentriker entweder ignorieren oder in die Vorstädte ziehen, um ihnen aus dem Weg zu gehen.

So etwas wäre in den alten Tagen undenkbar gewesen. Menschen, die anders waren, wurden damals kurzerhand auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder gesteinigt. Anders zu sein hat natürlich auch heute noch gewisse Nachteile, weshalb ich mir auch solche Mühe gebe, mich möglichst gut anzupassen. Allerdings beschränken sich diese Nachteile meist auf verbale Belästigungen und Diskriminierung, und das ist eine entscheidende Verbesserung gegenüber einer der Volksbelustigung dienenden Hinrichtung.

Das Leben in der modernen Welt bietet einige solcher entscheidenden Verbesserungen. Zwar finden die meisten mir bekannten alten Seelen, der Reiz der Modernität erschöpfe sich in cleveren Erfindungen wie Innenklos und Sonnenbrillen. Für mich besteht die eigentliche Attraktivität Amerikas jedoch vor allem darin, dass es praktisch gottlos ist. Als ich noch jünger und ständig auf der Flucht vor den Römern war, konnte ich in Europa keine Meile gehen, ohne auf irgendeinen einer Gottheit geweihten Stein zu treten. Hier draußen in Arizona muss ich mir nur über die gelegentlichen Begegnungen mit Coyote Gedanken machen, der aber im Grunde ziemlich in Ordnung ist. (Er hat keinerlei Ähnlichkeit mit THOR, und das allein reicht aus, dass wir gut miteinander klarkommen. Die College-Kids hier in der Stadt würden THOR als »aufgeblasenen Riesenblödmann« bezeichnen, falls sie je das Pech hätten, ihm zu begegnen.)

Noch mehr als die geringe Götterdichte schätze ich an Arizona die fast vollständige Abwesenheit von Feen. Damit meine ich nicht diese niedlichen, kleinen Disney-Flatterwesen. Ich meine das Feenvolk, die Sidhe, die wahren Nachkommen der TUATHA DÉ DANANN, geboren in TÍR NA NÓG, dem Land der ewigen Jugend, bei denen man sich nie sicher sein kann, ob sie einen umarmen oder aufschlitzen wollen. Sie sind mir nicht sonderlich wohlgesonnen, daher versuche ich, mich möglichst an Orten niederzulassen, die für sie nur schwer erreichbar sind. In der Alten Welt haben sie alle möglichen Pforten, um auf die Erde zu gelangen, aber in der Neuen Welt benötigen sie für diese Reise Eiche, Esche und Stechapfel, und diese wachsen in Arizona nur selten an einem Ort. Ich habe einige derartige Stellen entdeckt, oben in den White Mountains an der Grenze zu New Mexiko oder in den Uferauen bei Tucson, aber sie liegen über hundertfünfzig Kilometer von meinem hübsch zubetonierten Wohnviertel nahe der Universität von Tempe entfernt. Ich hielt die Chancen für außerordentlich gering, dass das Feenvolk dort auf die Erde gelangen und anschließend eine baumlose Wüste durchqueren würde, um einen abtrünnigen Druiden aufzuspüren. Als ich diesen Ort in den späten Neunzigern entdeckte, beschloss ich zu bleiben, bis die Einheimischen Verdacht schöpfen würden.

Eine goldrichtige Entscheidung für mehr als ein Jahrzehnt. Ich baute mir eine neue Identität auf, mietete einen Laden an, hängte ein Schild davor mit der Aufschrift DAS DRITTE AUGE – BÜCHER UND KRÄUTER (in Anspielung auf vedische und buddhistische Glaubensvorstellungen, denn ein keltischer Name wäre eine signalrote Flagge für all diejenigen gewesen, die nach mir suchten), und ich legte mir ein kleines Haus zu, das in der Nähe und gut mit dem Fahrrad zu erreichen war.

Ich verkaufte Kristalle und Tarotkarten an College-Kids (die ihre protestantischen Eltern schockieren wollten), haufenweise alberne Bände mit »Zauberformeln« an naive Wicca-Kult-Anhänger und Kräuterheilmittel an Menschen, die sich vor einem Arztbesuch drücken wollten. Ich hatte sogar umfangreiche Werke über die Magie der Druiden auf Lager, die alle auf viktorianischen Wiedererweckungslehren basierten und allesamt kompletter Humbug waren, die ich aber vor allem dann unterhaltsam fand, wenn ich welche davon verkaufte. Vielleicht einmal im Monat betrat ein ernsthaft an Magie Interessierter den Laden auf der Suche nach einem echten Grimoire – etwas, wovon man besser die Finger lassen sollte oder am besten gar nichts weiß, es sei denn, man ist in diesen Künsten einschlägig bewandert. Die meisten Geschäfte mit seltenen, kostbaren Büchern wickelte ich ohnehin übers Internet ab – eine weitere großartige Errungenschaft der modernen Zeit.

Leider hatte ich beim Aufbau meiner neuen Identität und meines Geschäftes nicht bedacht, wie leicht es für jemand anderen sein würde, mich durch eine Adressensuche im Internet zu finden. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen, dass jemand aus der Alten Welt es auf diese Weise versuchen könnte – ich hatte damit gerechnet, dass sie Kristallkugeln oder andere Divinationstechniken ausprobieren würden, aber niemals das Internet –, daher war ich bei meiner Namenswahl nicht so vorsichtig gewesen, wie ich es eigentlich hätte sein sollen. Besser, ich hätte mir ein Alias wie John Smith zugelegt oder etwas vergleichbar Fantasieloses und Langweiliges, aber mein Stolz hatte nicht zugelassen, einen christlichen Namen zu tragen. Also hatte ich mich für O’Sullivan entschieden, die englische Version meines echten Familiennamens. Für den Alltagsgebrauch nutzte ich den klassischen griechisch-lateinischen Vornamen Atticus. Doch ein vermeintlich einundzwanzigjähriger O’Sullivan, der einen okkulten Buchladen betrieb und extrem seltene Bücher verkaufte, von denen er eigentlich nichts hätte wissen dürfen, das reichte dem Feenvolk an Information, um mich aufzuspüren.

An einem Freitag drei Wochen vor Samhain fielen sie über mich her, gerade als ich meinen Laden verließ und in die Mittagspause gehen wollte. Eine Klinge zischte unter meinen Knien hindurch, ohne dass ich zuvor auch nur ein »Nimm das!« vernommen hätte, und der Schwung des Schwertarms riss meinen Angreifer aus der Balance, als ich darüber hinwegsprang. Bevor er sich wieder fangen konnte, rammte ich ihm den linken Ellbogen ins Gesicht, womit ein Elf ausgeschaltet war. Blieben noch vier.

Dank sei den Göttern der Unterwelt für die Paranoia. Für mich war sie ein Überlebensinstinkt und nicht so sehr ein neurotischer Zustand. Sie war die Schneide eines stets bereiten Messers, geschärft über die Jahrhunderte am Schleifstein all derer, die mich hatten töten wollen. Sie sorgte dafür, dass ich um den Hals ein Eisen-Amulett trug und meinen Laden nicht nur mit massiven Eisenträgern, sondern mit magischen Bannsprüchen schützte, die das Feenvolk und andere Unerwünschte fernhalten sollten. Sie führte dazu, dass ich mich beständig im unbewaffneten Nahkampf trainierte und meine Schnelligkeit im direkten Vergleich mit Vampiren erprobte, was mich schon unzählige Male vor Schlägern wie diesen gerettet hatte.

Schläger ist vielleicht ein zu hartes Wort; es suggeriert ein Übermaß an Muskelbergen sowie einen eklatanten Mangel an Intellekt. Doch diese Kerle sahen nicht aus, als hätten sie je ein Fitnessstudio besucht oder von anabolen Steroiden gehört. Es waren schlanke, drahtige Typen, die sich als Geländeläufer getarnt hatten und nichts am Leib trugen außer kastanienbraunen Shorts und teuren Laufschuhen. Für jemand, der zufällig vorbeikam, musste es wohl so aussehen, als würden sie mich mit Reisigbesen attackieren, aber das war nur der Tarnzauber, unter dem sie ihre Waffen verbargen. Die tödlichen Spitzen ihrer Klingen waren im Reisig versteckt, und wäre ich nicht imstande gewesen, ihre Trugbilder zu durchschauen, hätte ich eine böse Überraschung erlebt, und ihre hübschen Besen hätten meine Eingeweide glatt durchbohrt. Da ich jedoch die magischen Illusionen des Feenvolks durchschaute, bemerkte ich, dass zwei der verbleibenden vier Angreifer Speere trugen. Einer davon begann mich jetzt von rechts zu umkreisen. Unter ihrer menschlichen Fassade waren sie typische Elfenwesen – will heißen, keine Flügel, leicht bekleidet und attraktiv in der Art von Orlando Blooms Legolas; die Art Mann, wie man sie in der Werbung für Haarpflegeprodukte sieht. Die Speerträger stachen gleichzeitig von zwei Seiten auf mich ein, aber ich fegte die Speerspitzen mit den Handgelenken beiseite, so dass sie vor und hinter mir vorbeistachen. Dann stürzte ich mich auf die Deckung des Typen zu meiner Rechten und hieb ihm den Unterarm hart gegen die Kehle. Es ist ziemlich schwer, mit einer zerschmetterten Luftröhre zu atmen. Nummer zwei war ausgeschaltet. Aber sie waren schnell und geschickt, und in ihren dunklen Augen glomm kein Funken Mitleid.

Ich hatte ihnen bei meinem Ausfall nach rechts den ungeschützten Rücken gezeigt, also wirbelte ich herum und riss meinen linken Unterarm hoch, um den erwarteten Schlag zu parieren. Tatsächlich sauste in diesem Moment ein Schwert auf meinen Schädel zu, und ich fing es am höchsten Punkt seiner Bahn mit bloßem Arm ab. Die Klinge fraß sich bis auf den Knochen, was höllisch wehtat, aber nicht annähernd so sehr, wie wenn ich den Schlag durchgelassen hätte. Ich zog eine schmerzerfüllte Grimasse, machte einen raschen Schritt nach vorn und zahlte es dem Elf mit einem kräftigen Stoß der offenen Hand in den Solarplexus heim. Er flog gegen die Mauer meines Ladens – die Mauer, die mit Eisenträgern verstärkt war. Nummer drei war ausgeschaltet, und ich lächelte den beiden Verbliebenen zu, die es jetzt nicht mehr ganz so eilig hatten, auf mich loszugehen. Drei ihrer Mitstreiter waren außer Gefecht gesetzt, und nicht nur das, sie waren durch meine Berührung auch auf magische Weise vergiftet worden. Mein Eisenamulett stand in Verbindung mit meiner Aura, und inzwischen hatten meine Angreifer dies ohne Zweifel erkannt: Ich war ein Eisendruide, ihr fleischgewordener Albtraum. Mein erster Gegner zerfiel bereits zu Asche, und auch die beiden anderen würden bald einsehen müssen, dass wir alle nichts weiter als Staub im Wind sind.

Ich trug Sandalen und schüttelte sie rasch ab, während ich mich rückwärts in Richtung Straße bewegte, sodass die Elfen die mit Eisen durchsetzte Wand im Rücken hatten. Dies war nicht nur strategisch sinnvoll, es brachte mich zudem näher an den schmalen Grünstreifen zwischen Gehweg und Straße heran, wo ich Kraft aus der Erde ziehen konnte, um meine Wunde zu schließen und den Schmerz auszuschalten. Das Zusammenflicken des Muskelgewebes konnte ich später noch besorgen. Im Moment musste ich vor allem die Blutung stoppen, denn es gab zu viele entsetzliche Dinge, die ein feindlicher Magier mit meinem Blut anstellen konnte.

Während ich meine Füße ins Gras presste und Energie für meine Heilung tankte, schickte ich zugleich eine Botschaft – eine Art durchs Erdreich übermittelte SMS – an einen mir bekannten Eisen-Elementargeist. Ich teilte ihm mit, falls er Appetit auf einen Snack hätte, ständen gerade zwei Elfen vor mir. Er würde rasch antworten, denn die Erde ist auf magische Weise mit mir verbunden, ebenso wie ich mit ihr. Dennoch würde er möglicherweise einen kleinen Augenblick benötigen. So stellte ich meinen Angreifern erst mal eine Frage.

»Nur so aus Neugier, wolltet ihr Jungs mich gefangen nehmen oder umbringen?«

Der Elf zu meiner Linken, der ein kurzes Schwert in seiner rechten Hand hielt, fauchte, statt mir zu antworten: »Sag uns, wo das Schwert ist!«

»Welches Schwert? Das in deiner Hand? Es ist immer noch da, schau nur hin.«

»Du weißt genau, welches Schwert! Fragarach, der Antwortgeber!«

»Keine Ahnung, wovon du redest.« Ich schüttelte den Kopf. »Wer hat euch geschickt? Seid ihr überhaupt sicher, dass ihr den Richtigen habt?«

»Sind wir«, knurrte der Speerträger. »Du hast Druidentätowierungen und du durchschaust unseren Tarnzauber.«

»Eine Menge magisches Volk kann das. Und man muss kein Druide sein, um keltisches Knotenwerk zu schätzen. Denkt doch mal nach, Jungs. Ihr kommt, um mich nach einem Schwert zu fragen, ganz offensichtlich besitze ich aber keines, denn andernfalls hätte ich es wohl längst gezückt. Daher solltet ihr überlegen, ob man euch vielleicht hierher geschickt hat, damit ihr den Tod findet. Seid ihr euch sicher, dass die Motive eures Auftraggebers aufrichtig sind?«

»Den Tod finden?« Der Schwertträger stotterte fast, so lächerlich fand er das. »Bei fünf gegen einen?«

»Inzwischen zwei gegen einen, falls du nicht mitbekommen haben solltest, dass ich drei von euch getötet habe. Möglicherweise war demjenigen, der euch geschickt hat, klar, dass genau das geschehen würde?«

»AENGHUS ÓG würde so was niemals tun!«, rief der Speerträger, und bestätigte damit meinen Verdacht. Nun hatte ich einen Namen, und dieser Name verfolgte mich bereits seit zwei Jahrtausenden. »Wir sind von seinem Blut!«

»AENGHUS ÓG hat seinen eigenen Vater mit List aus seinem Haus gejagt. Denkt ihr wirklich, Blutsverwandtschaft bedeutet für jemanden wie ihn auch nur das Geringste? Hört zu, ich kenne diesen Kerl schon eine Weile länger als ihr. Der keltische Gott der Liebe liebt nichts so sehr wie sich selbst. Er würde niemals mit einem Spähkommando seine Zeit verschwenden oder gar seine eigene erhabene Person in Gefahr bringen, daher schickt er jedes Mal einen kleinen Trupp seiner ersetzbaren Verwandtschaft los, wenn er glaubt, mich gefunden zu haben. Und kehrt jemals einer von ihnen zurück, weiß er, dass sie mich nicht gefunden haben, verstanden?«

Auf ihren Gesichtern dämmerte Erkenntnis und sie duckten sich in Verteidigungsstellung, doch dafür war es längst zu spät; außerdem blickten sie auch nicht in die richtige Richtung. Die Eisenträger in der Wand hinter ihnen hatten sich lautlos verformt und in zwei riesige Kiefer mit rasiermesserscharfen Eisenzähnen verwandelt. Das gigantische schwarze Maul wölbte sich vor, schnappte nach ihnen und grub sich in das Fleisch der Elfen, als wäre es Frischkäse, bevor es die beiden wie Wackelpudding einschlürfte und ihnen gerade noch Zeit für einen kurzen, verblüfften Schrei ließ. Ihre Waffen klapperten zu Boden, aller Zauber war verflogen, und das eiserne Maul schmolz zurück in seine ursprüngliche Form, eine unauffällige Reihe von Eisenträgern; allerdings nicht ohne mir vorher mit einem zufriedenen Grinsen zu danken.

Kurz vor seinem endgültigen Verschwinden empfing ich eine Botschaft des Eisen-Elementargeists, abgefasst in den typischen emotionalen Kürzeln und Bildern, die ihnen als Sprache dienen: // Druide ruft/ Elfen warten schon/ Lecker/ Dankbarkeit//

2

Ich schaute mich um, ob jemand den Kampf beobachtet hatte, aber es war niemand in der Nähe – es war Mittagszeit. Mein Laden befindet sich südlich des University Drive auf der Ash-Avenue, und alle Esslokale sind nördlich des University Drive entlang der Ash- und der Mill-Avenue gelegen.

Ich sammelte die Waffen vom Gehweg auf, schloss die Ladentür auf und grinste angesichts des BIN-MITTAGESSEN-Schilds. Ich drehte es mit der GEÖFFNET-Seite nach außen; während mich die Aufräumarbeiten im Laden festhielten, konnte ich ebenso gut Kundschaft empfangen. Dann ging ich in meine kleine Teeküche, füllte einen Krug mit Wasser und untersuchte meinen Arm. Er war immer noch rot und geschwollen von dem Schnitt, machte aber ansonsten einen guten Eindruck, und die Schmerzen hatte ich erfolgreich ausgeblendet. Trotzdem wollte ich es nicht riskieren, die Muskeln weiter zu zerreißen, indem ich sie mit Wasserschleppen strapazierte; lieber würde ich zweimal gehen. Ich ließ den Krug auf der Theke stehen, zog einen Kanister mit Bleichmittel unter der Spüle hervor und nahm ihn mit nach draußen. Dort kippte ich etwas von der Bleiche auf jeden Blutfleck und kehrte dann zurück, um den Krug zu holen und alles fortzuspülen.

Als ich das Blut zufriedenstellend beseitigt hatte und gerade die Ladentür aufstieß, um den Wasserkrug zurückzubringen, flatterte hinter mir eine gewaltige Krähe in den Laden. Sie ließ sich auf einer Ganesha-Statue nieder, breitete ihre Schwingen aus und sträubte in einer aggressiven Gebärde ihr Gefieder. Es war die MORRIGAN, keltischer Todesengel und Kriegsgöttin, und sie sprach mich mit meinem irischen Namen an.

»Siodhachan Ó Suileabháin«, krächzte sie dramatisch. »Wir müssen reden.«

»Könntest du bitte menschliche Gestalt annehmen?«, sagte ich, während ich den Krug zum Trocknen auf die Geschirrablage stellte. Dabei bemerkte ich einen winzigen Blutspritzer auf meinem Amulett, und ich löste es von meinem Hals, um ihn abzuwaschen. »Es ist irgendwie gruselig, wenn du so mit mir sprichst. Vogelschnäbel können keine Reibelaute erzeugen, wie du vermutlich weißt.«

»Ich habe diese weite Reise keineswegs unternommen, um mir sprachwissenschaftliche Vorträge anzuhören«, sagte die MORRIGAN. »Ich bringe schlimme Kunde. AENGHUS ÓG weiß, dass du hier bist.«

»Gut, ja, das ist mir bereits bekannt. Hast du dich nicht gerade um die fünf toten Elfen gekümmert?« Ich legte meine Halskette auf die Theke und nahm ein Handtuch, um sie trocken zu tupfen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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