Gerechtigkeit unter der Lupe - Annrose Niem - E-Book

Gerechtigkeit unter der Lupe E-Book

Annrose Niem

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Beschreibung

Der Titel dieses populärwissenschaftlichen Vortrags erklärt sich daraus, dass Sokrates in Platons "Staat" für eine Definition von Gerechtigkeit beim einzelnen Menschen die Gerechtigkeit im Staat quasi als Vergrößerungsglas benutzt. Dafür lässt er vor seinen Zuhörern das Bild eines neuen, eines gerechten Staates entstehen. Gefragt, ob die Verwirklichung eines solchen Staates möglich sei, nennt Sokrates drei Bedingungen dafür: Die Gleichberechtigung der Frau, Frauen- und Kindergemeinschaft und die Herrschaft von wahren Philosophen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 36

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Meinem verehrten Lehrer

Otto Hiltbrunner

zum 100. Geburtstag

Ein Vortrag im Stadtmuseum Quakenbrück

(8. Januar 2014)

Vorwort

Zum sechsten Mal hatte der Förderverein Stadtmuseum Quakenbrück Frau Dr. Annrose Niem als Referentin zu Gast, und wieder liegt eine gedruckte Fassung ihres Vortrags vor. Wie gut war es, dass diesmal der gemütliche Versammlungsraum des Stadtmuseums mit dem größeren Vortragssaal im Franziskushaus ausgetauscht wurde. Dort war genügend Platz für die große Gruppe von 50 Teilnehmern, für die Frau Dr. Niem Gerechtigkeit „unter die Lupe nahm“.

Wieder ist es der Referentin gelungen, die Zeit vor fast 2500 Jahren lebendig werden zu lassen, das zeigte auch die anschließende lebhafte Diskussion. Wir danken, dass nun schon zum fünften Mal eine schriftliche Fassung dieser Vorträge vorliegt, in denen Gedanken aus alter Zeit behandelt werden; die auch heute noch große Aktualität haben.

Welch komplexes Problem sich hinter dem Begriff „Gerechtigkeit“ verbirgt, hatten schon die Teilnehmer an der Gesprächsrunde um Sokrates in Platons „Staat“ erkannt. Frau Dr. Niem versteht es, die Argumente dieser Gesprächsteilnehmer in Platons Werk lebendig werden zu lassen: So schafft Sokrates vor den Augen der Zuhörer einen neuen, einen idealen Staat, in dem er Gerechtigkeit finden will. Dieser soll dann quasi als Vergrößerungsglas dazu dienen, Gerechtigkeit auch in der Seele des einzelnen Menschen aufzuspüren. Fast am Rande werden Themen wie die Gleichberechtigung der Frau, die Erziehung von frühester Kindheit an sowie die Erziehung zum wahren Herrscher angeschnitten, so dass man über die Ähnlichkeit mit heutigen Problemen nur staunen kann.

Die vorliegende Schrift greift diese und noch viele weitere Themen auf und verhilft nicht nur den Teilnehmern der Veranstaltung zu weiterem Nachdenken über Gerechtigkeit. Wir wünschen der Veröffentlichung viele interessierte Leser und bitten um Werbung für diese und die anderen Broschüren von Frau Dr. Niem, die im Stadtmuseum zu haben sind. Gleichzeitig hoffen wir, dass die Beiträge unserer Expertin für das klassische Altertum auch in Zukunft das Programm des Fördervereins bereichern.

Quakenbrück, im Januar 2014

Heinrich Böning

Stadtmuseum Quakenbrück

Kein Tag vergeht, an dem nicht in den Medien von Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit die Rede ist oder wir selbst diese Wörter aussprechen oder denken. Doch wissen wir eigentlich, wovon wir sprechen, wenn wir sagen: „Das ist aber ungerecht!“ oder „Das ist nur gerecht!“? Vielleicht wollen wir ja einen Kuchen gerecht aufteilen. Aber ist es dann wirklich gerecht, wenn wir nur möglichst genau darauf achten, dass jeder die gleiche Anzahl möglichst gleich großer Stücke bekommt? Oder spielen dabei nicht auch andere Dinge eine Rolle wie z.B. der besonders große Appetit eines jungen Menschen oder vielleicht das Vorrecht eines Gastes oder dessen, der den Kuchen gebacken hat? Sie merken schon: Obwohl wir die Wörter kennen und auch zu wissen glauben, was sie bedeuten, könnten wir doch nicht sagen, was wir genau darunter verstehen.

Spätestens hier werden diejenigen, die meinen Sokrates-Vortrag im vergangenen Jahr gehört haben, wissen, worum es heute gehen soll; damals hatte ich von der Eigenheit des Sokrates gesprochen, solchen alltäglich gebrauchten, aber für das Zusammenleben wichtigen Begriffen auf den Grund zu gehen, dazu viele Menschen zu befragen und ihnen manchmal auch klarzumachen, dass sie das, was sie zu wissen behaupten, gar nicht wissen. Das haben ihm die übelgenommen, die sich durch sein Fragen offensichtlich bloßgestellt fühlten, so dass sie ihn schließlich vor Gericht brachten und zum Tode verurteilen ließen.

Wir können das heute noch nachlesen, weil sein Schüler Platon (427–347 v.Chr.) durch die Verurteilung seines Lehrers derart erschüttert worden war, dass er daraufhin sein ganzes Leben der Philosophie widmete, um sich ausgiebig mit denselben Themen befassen zu können, die auch Sokrates bewegt hatten. Aber nicht nur das: Er hat in den zahlreichen Dialogen, die er geschrieben hat, auch die Art des Sokrates, mit Menschen umzugehen, widergespiegelt; denn Platon machte ihn in den meisten Fällen zum Hauptunterredner. Auf Grund seiner plastischen Darstellungsweise lernen wir so auch den Menschen Sokrates kennen, seine Art zu fragen und die Entschiedenheit seines Ringens um die Wahrheit.