Mittagshitze unter der Platane - Annrose Niem - E-Book

Mittagshitze unter der Platane E-Book

Annrose Niem

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Beschreibung

Im Zentrum von Platons späten Dialog "Phaidros" steht eine Rede des Sokrates, die er vor einer prächtigen Naturkulisse vor dem jungen Phaidros hält. Thema dieser Rede ist die Liebe, die Sokrates mit Hilfe eines anschaulichen Seelenmythos zu beschreiben und zu begründen versucht. Ein großes Werk, das seine Spuren in der Weltliteratur hinterlassen hat.

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Seitenzahl: 33

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Für Albert

Vorwort

Nun habe ich doch noch einen zwölften Vortrag zur Antike vorbereitet, den ich am 12.3.2020 vor dem Förderverein des Quakenbrücker Stadtmuseums halten will.

Zum sechsten Mal habe ich ein Thema aus den Werken Platons gewählt; diesmal seinen späten Dialog Phaidros.

In diesem Dialog wird uns vor prächtiger Naturkulisse lebendig vorgeführt, wie Sokrates in dem jungen, schönen Phaidros die Liebe zur Philosophie weckt, nachdem dieser vorher von der sophistischen Rhetorik begeistert gewesen war.

Der Philosoph lässt sich zunächst von Phaidros vortragen, was diesen begeistert, um ihm dann schrittweise die Augen zu öffnen für die Absurdität des Vorgetragenen.

Dazu verfasst er zunächst eine eigene, anschauliche Rede zum selben Thema, die er der sophistischen gegenüberstellt, und erklärt dem jungen Mann in einem anschließenden Gespräch den grundlegenden Unterschied zwischen scheinbar logischer, zweckgebundener Argumentation, die der Masse zu Munde redet, und der dialektischen, aufs Ganze gerichteten Argumentation; ein Gespräch, das aus geistiger Enge in die Weite der Philosophie führt.

Quakenbrück, im Februar 2020 Dr. Annrose Niem

Am Stadtrand von Athen begegnet Sokrates dem jungen Phaidros. Er fragt ihn nach dem Woher und Wohin und erfährt, dass der junge Mann den ganzen Vormittag dem Redner Lysias gelauscht hat und nun zur Entspannung einen Spaziergang außerhalb der Stadt unternehmen will. Sokrates ist sehr daran interessiert zu hören, was Phaidros von Lysias gelernt hat. Er erklärt sich bereit, selbst einen längeren Spaziergang auf sich zu nehmen, wenn er nur Näheres über die Rede des Lysias hören könnte. Möglichst viel möchte er erfahren, zumal ihm Phaidros gesagt hatte, es handle sich in der besagten Rede in gewisser Weise um Liebesdinge (227c5). Doch Phaidros ziert sich: Es sei ihm nicht möglich, das, was Lysias in höchst kunstvoller Art gesagt habe, so einfach aus dem Stegreif wiederzugeben. Schließlich entdeckt Sokrates, dass sein junger Weggenosse eine Schriftrolle unter seinem Gewand verbirgt, bei der es sich um den Text der besagten Rede handelt.

Man beschließt, sich in der Mittagshitze ein idyllisches Plätzchen zu suchen, an dem Phaidros den Text vorlesen könnte. So betätigt sich Phaidros quasi als Fremdenführer, indem er – eine Rede über die Liebe als Köder vor ihn haltend – den sonst nur in der Stadt verweilenden Sokrates in die freie Natur hinaus geleitet. Der Weg führt die beiden am Flüsschen Ilissos entlang, dessen Wellen ihre Füße sanft umspülen. Phaidros ist an diesem Tag zufällig barfuß unterwegs und betont, dass Sokrates ja immer ohne Sandalen laufe. Auch andere Wesenheiten des Sokrates werden auf diesem Weg beleuchtet: So fragt ihn Phaidros z.B., was er von der Sage halte, nach der am Ufer des Ilissos ein junges Mädchen vom Windgott Boreas geraubt worden sei. Sokrates erwidert, dass er – weil er gläubig sei – nicht so wie die Sophisten irgendwelche verstandesmäßige Deutungen geben wolle, etwa dass ein starker Nordwind (Boreas) das am lieblichen Ufer verweilende Mädchen in die Fluten gerissen haben könnte. Wenn man nämlich beginnen wolle, alle Sagen auf diese Weise zu deuten, käme man in große Schwierigkeiten. Dafür habe er, Sokrates, keine Zeit, solange er sich nicht selbst erkannt habe; denn das sei ja das höchste Gebot des delphischen Apollon.

Über solchen Reden gelangt man an die Stelle, die Phaidros vorgeschwebt hatte: Eine hohe Platane, an deren Fuß ein plätschernder Quell entspringt, überwölbt eine saftige Wiese. Die Luft ist erfüllt von Blütenduft und dem Zirpen der Zikaden, die im dichten Gebüsch sitzen. Einige dort aufgestellte Mädchenstatuen und andere Weihegegenstände lassen darauf schließen, dass es sich hier um einen Nymphenhain handelt. Das üppige Gras zieht sich einen Hang empor, so dass man hier sehr bequem sitzen und sogar liegen kann. Sokrates legt sich nieder und bittet seinen jungen schönen Begleiter, ihm die Rede des Lysias vorzulesen.

Damit ist der Rahmen für das Folgende gegeben. Es ist, dafür dass es sich beim Phaidros