2,99 €
Der Ausdruck "Platonische Liebe" dürfte allgemein bekannt sein. In diesem Vortrag über Platons "Symposion" soll der Herkunft der Bezeichnung nachgegangen werden. Im "Symposion" wird in gastlicher Atmosphäre zunächst bei mäßigem Weingenuss über das Thema Eros/Liebe diskutiert, bis die Versammlung schließlich von einem ehemaligen Schüler des Sokrates in feucht-fröhliche Bahnen gelenkt wird. Dadurch wird die Diskussion über die Liebe zu einem ungeahnten, aber aufschlussreichen Ende geführt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 38
Veröffentlichungsjahr: 2017
Meinem Tübinger Lehrer
Konrad Gaiser
(1929-1988)
Ein Vortrag im Stadtmuseum Quakenbrück
(12. Januar 2017)
Zum neunten Mal entführte Frau Dr. Niem die zahlreichen Gäste des Fördervereins Stadtmuseum Quakenbrück in die Welt der Antike. Bei aller wissenschaftlichen Exaktheit hat sie es wieder geschafft, die Zuhörer zu fesseln und in das Werk Platons einzuführen.
Es wurde sehr begrüßt, dass der jeweilige Vortrag nachträglich in einer Broschüre, wie sie hier vorliegt, erscheint und somit die Möglichkeit gegeben wird, das Gehörte noch einmal in Ruhe nachzulesen.
Inzwischen wurde diese Vortragsreihe beim Niedersächsischen Altphilologenverband zu einer bekannten Größe. Deren jüngste Veröffentlichung befasst sich mit Dr. Niem und ihren Aktivitäten: Sie eröffne einen lebendigen Zugang zur Welt der Antike.
Hier wird die jahrtausendealte Literatur nicht mehr als fremdartig empfunden, sie verdeutlicht vielmehr, dass Grundfragen der menschlichen Existenz überzeitlich sind und Sachverhalte aus dem Bereich der griechisch-römischen Antike durchaus mit Fragen unserer Zeit verglichen werden können.
Wörtlich heißt es dort: „In allen Publikationen gelingt es Annrose Niem, nicht nur ein literarisch interessiertes Publikum anzusprechen. Trotz der Darstellungsbreite und der thematischen Vielfalt bleibt der jeweilige zentrale Leitgedanke erhalten. An den Leser werden in unterhaltsamer Weise überzeitlich gültige Themen herangetragen.“
Das geschieht auch in dieser Schrift, die uns in die Wende vom 5. zum 4. vorchristlichen Jahrhundert führt. In Platons Symposion halten die Teilnehmer aus unterschiedlichen Perspektiven jeweils eine Rede auf den Liebesgott Eros. Erstaunliche Sichtweisen und überraschende Gesprächswendungen lassen die spannende Zeremonie in ganz unvorhergesehene platonische und erotische Tiefen geraten.
Quakenbrück, im Januar 2017
Heinrich Böning
Stadtmuseum Quakenbrück
Nachdem ich Sie in den beiden letzten Vorträgen über das Orakel in Delphi und den pseudohomerischen Frosch-Mäuse-Krieg in ganz frühe Zeiten des griechischen Altertums mitgenommen habe, kehre ich nun ins 5. bzw. ins 4. Jahrhundert vor Christus zurück, in die Zeit der griechischen Philosophen Sokrates und Platon. Von ihnen handelten auch meine Vorträge über Atlantis (2012), über das sokratische Nichtwissen (2013) und über Gerechtigkeit in Platons Staat (2014).
Heute soll es nun um ein Werk Platons gehen, das in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen fällt, das Symposion, übersetzt das Trinkgelage oder auch das Gastmahl.
Bevor ich es Ihnen vorstelle, will ich Ihnen noch einmal das Wichtigste zu Sokrates und Platon ins Gedächtnis zurückrufen:
Platon lebte von 427 bis 347 vor Christus in Athen und stammte aus einer alten aristokratischen Familie. Durch diese Herkunft war er eigentlich dazu prädestiniert, einmal in die Politik zu gehen. Doch er lernte in seiner Jugend den Philosophen Sokrates kennen, der sein ganzes Leben der Suche nach der Wahrheit verschrieben hatte. Besonders die Jugend wollte er in ausgiebigen Gesprächen zum Philosophieren und damit zur Wahrheitssuche animieren. Im Jahr 399 v. Chr. wurde er hingerichtet mit der Begründung, er verderbe die Jugend und glaube nicht an die vom Staat anerkannten Götter. Obwohl diese Begründung in keiner Weise den Tatsachen entsprach und Sokrates sich seiner Unschuld bewusst war, nahm er das Urteil ergeben hin, nicht jedoch ohne vorher in einer Verteidigungsrede vor Gericht den wahren Sachverhalt zu klären. Auch Platon, der, von Sokrates höchst beeindruckt, eine politische Laufbahn aufgegeben hatte und sich seither nur noch mit Philosophie befasste, war in dieser Gerichtsverhandlung zugegen; er lässt uns in seinem Frühwerk Apologie des Sokrates an diesem Prozess Anteil nehmen. Sokrates selbst hat nämlich nichts Schriftliches hinterlassen.
In der Folge verfasste Platon ca. 30 philosophische Dialoge, die von Themen handeln, die auch Sokrates bewegt hatten. Welches waren nun diese Themen? Obwohl wir über Sokrates nicht viel Authentisches wissen, steht fest, dass er in der Philosophie seiner Zeit eine bedeutende Wende herbeigeführt hat. Das kann man daran ablesen, dass die Philosophen, die vor seiner Zeit wirkten, bis heute Vorsokratiker genannt werden. Sie hatten sich vor allen Dingen mit Natur und Kosmos und ihrem Entstehen befasst, während Sokrates die Philosophie „vom Himmel herabholte“, wie es der Römer Cicero einige Jahrhunderte später ausdrückte. Von da an beschäftigte man sich in erster Linie mit Problemen der Lebenspraxis, mit den Problemen also, die den Menschen und sein soziales Umfeld betreffen.
Damit befassten sich allerdings auch die Sophisten, die sich zur selben Zeit als Weisheitslehrer etabliert hatten. Sie zogen umher und unterrichteten gegen ein hohes Honorar hauptsächlich die Söhne aus vornehmen Elternhäusern, denen sie neben enzyklopädischem Wissen besonders auch rhetorische Kenntnisse vermittelten, um sie damit auf eine politische Karriere vorzubereiten. Unrecht könne man durch geschliffene Rhetorik in Recht umwandeln, brachten sie ihren Schülern bei. – Augenscheinlich hatten das auch die Richter, die Sokrates zum Tode verurteilten, von ihnen gelernt. –
