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Der "Frosch-Mäuse-Krieg", ein kleines Epos von knapp 300 Versen, ist wahrscheinlich in hellenistischer Zeit entstanden. Lange Zeit diente er als Schullektüre. Dieser Tatsache verdanken wir, dass das Werk überhaupt auf uns gekommen ist, andererseits gibt es deshalb davon zahlreiche Varianten, so dass der Text zeitlich schlecht eingeordnet werden kann. In diesem Vortrag geht es auch um die beiden homerischen Epen "Ilias" und "Odyssee", die im "Frosch-Mäuse-Krieg parodiert werden.
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Seitenzahl: 36
Veröffentlichungsjahr: 2016
Meinem verehrten Lehrer
Wolfgang Schadewaldt
(1900 – 1974)
Es ist immer interessant, wenn Frau Dr. Annrose Niem im Förderverein Stadtmuseum einen Gegenstand aus der Antike aufgreift. Zum achten Mal ist es ihr gelungen, vor vollem Haus ihr Thema – diesmal eine Parodie aus hellenistischer Zeit – spannend zu präsentieren.
Hinter dem zunächst banal klingenden Titel des kleinen Epos Frosch-Mäuse-Krieg verbirgt sich eine Weisheit, die auch im 21. Jahrhundert noch zum Nachdenken anregt. Über viele Jahre sind Schulkinder mit ihm altersgemäß in die Sprache Homers eingeführt worden; allerdings gilt der griechische Dichter nach heutigem Wissen nicht mehr als Urheber dieser Parodie.
Die hier vorliegende Veröffentlichung des Vortrags führt zunächst in die großen homerischen Epen Ilias und Odyssee ein, um deren Verballhornung es im Frosch-Mäuse-Krieg geht. Es folgt die spannende Erzählung mit den kuriosen, aber recht hintergründigen Rufnamen der beteiligten Tiere.
Die Spannung hält an bis zum Ende, das einen unerwarteten Ausgang präsentiert. Kriegerisch geht es zur Sache, aber hintergründig lässt sich aus dem Geschehen schließen, dass der Autor gegen den Unsinn von Kriegen protestiert.
So ganz nebenbei hatte die Autorin des Vortrags auch das Quakenbrücker „Wappentier“ im Visier: Zum Glück wird der Frosch am Ende mit der göttlichen Hilfe des Zeus vor seinem Untergang gerettet.
Der Leser hat mit der vorliegenden Schrift die Möglichkeit, die antike Darstellung in Ruhe zu genießen. Wir danken Frau Dr. Niem für diesen besonderen Punkt im Winterprogramm und hoffen, dass sie uns auch in der nächsten Saison wieder Themen aus der Antike so spannend darbietet.
Quakenbrück, im Februar 2016
Heinrich Böning
Stadtmuseum Quakenbrück
Heute gehe ich mit Ihnen in ganz frühe Zeiten zurück: Der Frosch-Mäuse-Krieg (Batrachomyomachia), ein kleines Epos von knapp 300 Versen, soll im Mittelpunkt des heutigen Abends stehen. Es wurde lange Zeit dem griechischen Dichter Homer zugeschrieben, der um 800 v.Chr. gelebt haben soll. Darin geht es um einen Krieg zwischen den Mäusen und dem Volk der Frösche. – Natürlich habe ich bei der Wahl dieses Themas an das Quakenbrücker „Wappentier“, den Frosch, gedacht. –
Das kleine Werk war über Jahrhunderte hinweg Schullektüre. Das lag sicher an der überschaubaren Länge und seinem lustigen Inhalt. Dieser Tatsache verdanken wir, dass es überhaupt auf uns gekommen ist, allerdings unterscheiden sich die zahlreichen Handschriften so sehr voneinander, dass es bisher noch nicht gelungen ist, eine gültige Textversion herauszuschälen. Da haben offenbar die Schulmeister innerhalb vieler Jahrhunderte immer wieder Änderungen angebracht, Verse gestrichen, andere hinzugefügt, vielleicht, um es ihren Schülern leichter zu machen oder die Lektüre zu verkürzen oder aus vielen anderen denkbaren Gründen.
Wichtig für uns ist, dass der Frosch-Mäuse-Krieg eine Parodie ist, in der Tiere statt Menschen handeln; insofern steht sie auch der Fabel nahe. Eine Parodie setzt ja immer ein oder mehrere ernsthafte Werke voraus, auf die sie anspielt und die sie karikiert. Man kann sie also nur richtig verstehen, wenn man die vom Parodisten aufs Korn genommenen Werke kennt. In unserem Fall geht es um eine Verballhornung der beiden großen homerischen Epen Ilias und Odyssee, die den Trojanischen Krieg zum Inhalt haben, den man um die Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus ansetzt und der, wie die Grabungen von Heinrich Schliemann (1822-1890) zeigen, auf historischen Wurzeln beruht.
Ehe ich Sie mit dem Frosch-Mäuse-Krieg bekannt mache, soll es also zunächst um die beiden großen homerischen Epen gehen: In der Ilias werden wir in die einzelnen Kämpfe des Trojanischen Krieges zwischen Griechen und Trojanern mit hineingenommen. In der Odyssee geht es um die Rückkehr eines der griechischen Helden, Odysseus, vom Kampfort Troja in seine Heimat Ithaka. Schon dieser unterschiedlichen Schwerpunktsetzung kann man entnehmen, dass beide Werke völlig verschiedener Natur sind: Das eine ist ein Kriegsepos; das andere beschreibt neben den vielen Abenteuern, die Odysseus während seiner zehn Jahre dauernden Heimkehr zu bestehen hat, auch die vielen kleinen alltäglichen Dinge, die die Menschen zu allen Zeiten bewegten und noch immer bewegen.
Neben dieser grundlegenden Verschiedenheit kann man auch Unterschiede beobachten. So kann man z.B. feststellen, dass sich in beiden Werken das Verhältnis zwischen Göttern und Menschen unterscheidet. In der Ilias geben die Götter den Menschen Gedanken und Ideen ein und benehmen sich selbst wie Menschen, indem sie z.B. auf einander eifersüchtig sind und sich streiten. In der Odyssee sind Götter und Menschen mehr vertraut miteinander. Das „Nur-zu-Menschliche“ ist an den Göttern nicht mehr so ausgeprägt.
