Heute gehn wir ins Theater! - Annrose Niem - E-Book

Heute gehn wir ins Theater! E-Book

Annrose Niem

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Beschreibung

Die Entstehung des europäischen Theaters bei den Griechen.

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EPUB

Seitenzahl: 36

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Vorwort

Zum zehnten Mal konnte Dr. Annrose Niem vor vollem Haus den Mitgliedern und Gästen des Fördervereins Stadtmuseum Quakenbrück die Welt der Antike näherbringen. In ihrem Vortrag wird deutlich, dass die Wurzeln des europäischen Theaters vor 2500 Jahren bei den Griechen zu finden sind.

Eine Menge an Fakten, Namen und Beziehungen fand das Interesse der Besucher, die mit dieser Veröffentlichung wie schon in den vergangenen Jahren die Inhalte dieser Veranstaltung noch einmal in Ruhe verfolgen können. Der Stellenwert von Theateraufführungen hat sich seit dieser Zeit kolossal verändert, ebenso die Art der Darstellung.

Die Beschreibung führt den Leser zunächst in die äußere Welt des antiken Griechenland, in die das Theater auch landschaftlich eingebunden war. Chor und Masken waren wesentliche Elemente, nur männliche Darsteller erschienen auf der Bühne, die Inhalte bezogen sich auf den griechischen Mythos.

Vorgestellt werden die drei bedeutendsten griechischen Tragödiendichter, aber auch die Komödie erscheint mit einem markanten Beispiel. Kaum glaublich, dass einer der Autoren 123 Stücke verfasst hat! Die Dichter inszenierten die Stücke, führten Regie und agierten sogar manchmal als Schauspieler. Diese kompakte Szenerie konnten damals die Zuschauer, die sich in das Geschehen eingebunden fühlten, mehrere Stunden hintereinander auf unbequemen Sitzen verfolgen.

Diese Veröffentlichung führt Sie noch einmal in die Welt der Antike. Wir danken Frau Niem für die spannende und unterhaltsame Darstellung und hoffen, dass es nicht die letzte sein wird.

Quakenbrück, im Januar 2018

Heinrich Böning

Oma zieht das kleine Schwarze an, während ihre Eltern noch in Abendgarderobe erschienen. Der Sohn kommt in seiner besten Jeans und die Enkelin in künstlich zerschlissenen Jeans und Flipflops. – Schon am Wandel der Theatergarderobe kann man erkennen, wie sich bei uns der Stellenwert von Theateraufführungen in den letzten Jahren verändert hat.

Was mag dann erst vor etwa 2500 Jahren üblich gewesen sein, als das Theater bei den Griechen entstand? Schon das Wort „Theater“ weist ja auf die Griechen zurück; jeder erkennt das unschwer am „th“, mit dem das Wort beginnt. Es geht auf das griechische Wort θεᾶσθαι/theasthai/sehen, betrachten zurück. Das θέατρον/theatron war ein Ort, an dem es etwas zu sehen gab; und Ihnen ist sicher allen bekannt, wie ein solcher Ort in der griechischen Antike aussah:

Der Zuschauerraum bestand in einem ansteigenden Halbrund von steinernen Stufen, die aus dem Fels herausgeschlagen waren. – So war es jedenfalls vom vierten vorchristlichen Jahrhundert an. Vorher bestand er aus Holzgerüsten, die jeweils wieder ab- und aufgebaut wurden. – Der Zuschauertribüne gegenüber befand sich die halbrunde Orchestra, der Tanzplatz, auf der der Chor agierte, der damals zu jedem Theaterstück gehörte; hinter der Orchestra lag die Bühne, die sogenannte σκηνή/skené (unser Wort Szene kommt davon), auf der die Schauspieler auftraten. Dahinter lag in klassischer Zeit das flache Bühnengebäude; flach deshalb, weil so die Zuschauer darüber hinweg in die dahinter liegende Landschaft sehen konnten, die somit in das Geschehen eingebunden wurde. Im Gebäude befanden sich allerlei Maschinen, die es z. B. ermöglichten, dass mitten in der Szene plötzlich ein rettender Gott erschien (deus ex machina), oder auch Maschinen, die dazu da waren, das Ergebnis einer blutigen Szene, die sich hinter der Bühne ereignet hatte, sichtbar zu machen.

Schon aus diesem kurz Skizzierten können Sie entnehmen, dass sich eine Theateraufführung im alten Griechenland in viel mehr als nur in der Garderobe der Zuschauer von einer heutigen Aufführung unterschied. Was die Garderobe der Zuschauer damals betraf, so ähnelte sie wahrscheinlich eher der heutigen; denn ins Theater ging man mehrere Tage hintereinander und verweilte dort ganze Tage auf den lehnenlosen Stufen, dem Wetter erbarmungslos ausgesetzt.

Auf steinernen Lehnsesseln durften die Priester sitzen, die die Oberaufsicht hatten; denn wie so vieles in der griechischen Antike war auch das Theater eine kultische Handlung, dem Dionysos geweiht, aus dessen Kult es einst entstanden war: Dionysos (Bacchus), der Gott des Weines, des Rausches und der Fruchtbarkeit, kam aus Thrakien und war etwas später in den Kanon der griechischen Götter aufgenommen worden als die anderen. Er und sein enthusiasmiertes Gefolge, das zum großen Teil aus Frauen (sog. Mänaden oder Bakchen) bestand, waren Urheber so mancher – zum Teil blutiger – Orgien. Dadurch, dass Apollon den neu dazugekommenen Gott zum Teilhaber des Delphischen Orakels machte (Apoll herrschte dort in den Sommermonaten, Dionysos im Winter), wurde sein Kult in gemäßigtere Bahnen gelenkt.