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Schluss mit dem Gejammer vom Sprachverfall! Mehr kreativer Spaß mit dem Neu-Deutschen
Wir sind umzingelt von englischen Wörtern. In Werbung, Mode, Wirtschaft und Pop, egal ob offline oder online, werden wir ununterbrochen mit Anglizismen bombardiert. Gleichzeitig schreibt eine wachsende Gruppe von elitären Sprachwächtern und germanophilen Mahnern gegen den angeblich drohenden Untergang der schönen deutschen Sprache an.
Dabei ist die Sprache längst weiter, denn alle Kritiker greifen zu kurz. Sie übersehen die ungeheure Elastizität der Sprache, ihre Kraft zur Einverleibung und Neuschöpfung. Ob „Handy“, „Liebe machen“, „kostenloses Upgrade“ oder „tausend Plätze, die man gesehen haben muss!“ – englische Worte und Satzstrukturen haben sich im Deutschen eingenistet und sind vom Deutschen aufgesogen worden. Und das ist auch gut so. Jo Wüllner klärt auf, ob man im Sweatshop auch Sweatshirts kaufen kann, wieso Bedtime Storys nichts für die Kleinen sind, ob ein Applet das gleiche ist wie eine App und was das Handy davon hält. Jo Wüllners Buch ist eine Attacke gegen die ewig-ängstlichen Deutschbewahrer und zugleich tatkräftige Überlebenshilfe. Es versammelt die wichtigsten Wörter und Redewendungen, zeigt ihre Herkunft, liefert Kulturkunde und skurrile Fundstücke.
Endlich richtig Deutsch verstehen!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 672
Veröffentlichungsjahr: 2013
Jo Wüllner, Jahrgang 1953, studierte Germanistik und Sozialwissenschaften und arbeitet als Journalist und PR-Berater. Er lebt in Herten bei Recklinghausen
1. Auflage
Copyright © 2013 beim Albrecht Knaus Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
ISBN 978-3-641-09428-7
www.knaus-verlag.de
Einleitung
Was will ich Ihnen zumuten?
German für Deutsche steht auf dem Cover, oh, sorry: auf dem Umschlag dieses Buches. Also Deutsch für Deutsche? Nein: Englisch für Deutsche. Jedenfalls das Englisch, dem wir tagtäglich im Deutschen begegnen. Kein Medium, in dem es nicht von Wörtern, Sätzen, Redewendungen wimmelt, die aus dem Englischen kommen und sich in unserer Sprache eingenistet haben. Eine Zumutung? Manchmal. Nun kann man stöhnen, fluchen und einen Verein zur Rettung der deutschen Sprache gründen. Und dann Artikel und Bücher schreiben, die darüber klagen, wie schlimm es um das Deutsche bestellt ist.
Das tut dies Buch nicht. Fluchen, Stöhnen und sogar das Gründen eines Sprachrettungsvereins sind psychologisch einigermaßen verständlich. Es ist aber mindestens sinnlos, im Grenzfall sogar dumm. Unsere Sprache schert sich nämlich nicht um irgendwelches Gestöhne und Gefluche. Das Deutsche wird zwar von knapp 100Millionen Muttersprachlern weltweit gesprochen. Ist aber gegen deren Fluchen und Stöhnen immun. Davon verschwinden keine englischen Wörter. Nicht aus der TV-Werbung und den Computermagazinen, nicht aus den Modesendungen oder den Wirtschaftsartikeln. Und schon gar nicht aus all dem, was halb privat, halb öffentlich im Internet an Sprachbrocken zu finden ist.
Statt nun Schutz vor Anglizismen zu bieten, fordert dies Büchlein die Beschäftigung mit ihnen heraus. Noch eine Zumutung! Viele Menschen kommen mit ein paar hundert Wörtern gut durchs Leben. Und hier wird einem ein zusätzliches Bündel von gut 600 aus dem Englischen entlehnten Wörtern aufgebürdet?
Und das soll auch noch Vergnügen machen können, wie der Autor an dieser Stelle frech behauptet. Wie soll das funktionieren? Nun, das Buch bietet in seinem Hauptteil kleine Happen. Leser mit wenig Zeit für lange Lektürephasen können also aufatmen. Sodann gönne ich mir, oft boshaft und manchmal ungerecht zu urteilen. Das wird die einen freuen, die andern ärgern. Beides hält Leserinnen und Leser wach.
Wenn es (manchmal) wissenschaftlich wird, bleibt es (hoffentlich) verständlich. Und weil es verständlich sein soll, wird mancher Wissenschaftler die Nase rümpfen, weil es ihm zu salopp erscheint. Damit kann ich leben.
»Salopp« haben wir übrigens aus dem Französischen entlehnt; da heißt salope»Schlampe« oder »Miststück«. Um 1900 konnte hierzulande ein moralferner Schmutzfink als »saloppe Erscheinung« tituliert werden. Die positive Umwertung im Deutschen in Richtung »zwanglos-lockere Haltung« schlich sich in den 50er Jahren ein, als die Modeberichterstattung saloppe Kleidung positiv bewerten durfte. Hintergrund: Der Deutsche war nun etwas weniger abhängig von gerader Haltung durch strenge Kleidung. Heute sprechen wir bei gelockerten Kleidungssitten von »Casual Wear« (engl. casual:»lässig, zwanglos«) und bei der passenden Haltung von »Coolness« oder »Relaxtheit«.
Darüber hinaus bietet das Buch schnelle Orientierung durch seine alphabetische Sortierung. Das wirkt auf die meisten Menschen beruhigend. Ordnung wirkt immer beruhigend. Das Buch erlaubt Entdeckungen für den, der sich auf Kurzausflüge in Sprachgeschichte und die Beziehungen zwischen der eigenen Sprache und fremden Sprachen einlässt. Und das Buch erlaubt hüpfendes Lesen. Wer hüpfen will, folgt den Verweisen am Ende mancher Wortartikel. So gelangt man zwanglos vom Alien zum Stranger, vom Appetizer zum Teaser. Oder von der Bag über den Bodybag zum Backpack.
Dies Buch soll nützlich sein. Wie? Es versammelt Wörter, von denen Menschen in Deutschland umgeben sind. Und die, selbst wenn sie manchen leicht von der Zunge gehen, doch oft nicht selbstverständlich sind. Wer sich in diesem, unserem Lande mit seinen Exportzwängen, Globalverknüpfungen und seiner Lernen-bis-zum-bitteren-Ende-Logik orientieren will, kann Anglizismen nicht aus seinem Sprachschatz ausschließen. Er müsste so viel aus seinem Alltag ausschließen, dass er das meiste Aktuelle aus Wirtschaft, Technik und Unterhaltungskultur nicht verstünde.
So viel fremd und englisch Klingendes beunruhigt aber viele Menschen. Wenn sich Unruhe mit Sendungsbewusstsein paart, kommt ein Sprachwächter oder Worthirte dabei raus. Letztere sind harmlose, weil im kleinen Kreis sich entfaltende, meist freundliche Mahner, die mit dem Finger winken, wenn einer sich schlampig ausdrückt. Sprachwächter hingegen gründen Vereine, wie den »Verband deutscher Sprache« (VDS), schreiben Artikel und Bücher, wie der gegenwärtige VDS-Präsident, ein Herr Krämer. Wirtschafts- und Sozialstatistiker ist er; leider aber auch ein äußerst stil- wie niveauloser Redner und Schreiberling, wenn er seinem Hobby, der Sprachreinhaltung, frönt.
O-Ton des Herrn Krämer: »Noch ist Deutschland kein Bundesstaat der USA. Es wird höchste Zeit, daß wir Europäer und insbesondere auch wir Deutschen uns wieder auf die eigenen Stärken besinnen. Viel zu lange haben wir uns von Hollywood und der amerikanischen Kulturindustrie wie Zirkusbären (oder sollte ich besser sagen: Zirkusaffen) an der Nase herumführen lassen.«
Damit ist eine Front skizziert, an der ich nicht kämpfen will, sondern die ich unterwandern möchte. Das macht mehr Spaß. Ich gebe zu: Ich mag Sprachwächter nicht. Ich unterstelle ihnen keine völkisch-nationalen, gar nationalsozialistischen Gesinnungen. Manche Kritiker der Sprachwächter tun das. Der Angriff ist dumm, weil die Abwehr so leicht ist.
Obwohl der oben zitierte Herr Krämer schon einige Steilvorlagen für Faschismusverdacht geliefert hat: Wendungen wie »deutsch-englische Schimpansensprache und Schimpansendeutsch der Werbung«, die auch noch geäußert in einem Interview des rechten Blattes Junge Freiheit, reichen aus, um Ideologiewächter der linken Randszenen hellwach zu machen. Ich sehe das eher individualpsychologisch: Da hat sich einer Stammtisch-Denken bewahren müssen, weil die Ansprüche seines Hobbys (Sprache) mit den Werkzeugen seines Faches (Statistik) nicht ganz kompatibel sind.
Für mich entscheidend: Sprachwächter sind systemisch dumm. Dies ist eine besondere Form der Dummheit angesichts einer ziemlich komplexen Welt. Sie wirkt sich doppelt aus:
Sprachwächter schreiben zu simpel über das, was in unserer Sprache passiert. Ein Dutzend Beispiele im Kapitel »Wo das Deutsche Nonsense macht« zeigen, was ich meine.Sprachwächter glauben, Sprache durch moralisch getriebenes Reden und Schreiben entscheidend verändern zu können.Zum Beispiel glaubt der sehr bekannte Herr Wolf Schneider, ein klug-jovialer älterer Herr mit vielen Verdiensten um die Ausbildung deutscher Journalisten und eifriger Buchschreiber, dass man die rund 30000 entscheidenden deutschen Journalisten dazu bringen müsste, klares Deutsch ohne üble Anglizismen zu schreiben.
Das ist ein hehres Ansinnen. Leider ist es zum Scheitern verurteilt. Journalisten schreiben so, wie es ihr Medium verlangt. Medien und der Medienmarkt bestimmen den Stil, in dem uns Botschaften erreichen. Journalisten suchen sich dann bestenfalls das Medium aus, in dem ihre Neigungen am ehesten schreiberisch verwirklicht werden können. Wer das als Medienmensch nicht weiß, hat den Betrieb nicht kapiert. Oder es sich in einem Schonraum bequem gemacht. Der Bildungsbetrieb liefert noch solche Schonräume.
Natürlich verändert sich unsere Sprache. Sie ist ein riesiges System, das sich permanent durch Milliarden Äußerungen ihrer Sprecher und Schreiber verändert. Jeder von uns beeinflusst dies System, das er niemals ganz zu Gesicht bekommt. Aber diese Beeinflussung funktioniert nicht so, wie ein Tritt aufs Gaspedal oder die Bremse das Fahrverhalten eines Autos ändert. Komplexe Systeme benehmen sich unberechenbar. Das ist schon bei der Kommunikation zwischen zwei Menschen zu beobachten: Wenn einer sagt, dass er was vom anderen will, tut der meist irgendetwas, aber in vielen Fällen eben nicht das, was gewünscht war.
Sprecher haben mehr oder weniger Einfluss. Der hängt unter anderem ab von: Lautstärke und Rhetorik des Sprechers, Größe und Zusammensetzung von Auditorium und Leserschaft. Bei Büchern sind Auflage, Image des Autors, Verlagsmarketing und Reaktionen der Besprechungskultur für den »Erfolg« bedeutsam.
Aber wann hat ein kommunikativer Akt, gleich ob Buch oder Rede, »Erfolg«? Wenn viele zuhören oder lesen? Bedeutet abnickende Zustimmung eines Publikums Erfolg? Hat das Buch eines Sprachwächters in dem Sinne Erfolg, dann hat er wohl die erreicht, die eh seiner Meinung sind und nicht mehr von einem Buch erwarten, als dass diese Meinung wiedererkannt wird.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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