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Die Geschichte der Hapag in Hamburg und des Nordeutschen Lloyd in Bremen wird nach einer umfangreichen Dokumentation der Hapag-Lloyd AG mit vielen Bildern und Zusatzinformationen wird dieses Buch neu herausgegeben. Es folgen Texte und Bilder über den Eintritt der Hapag in die Ostasienfahrt und viele Werbeplakate der Hapag, des NDL und sonstiger Reedereien. – Rezession: Ich bin immer wieder begeistert von der "Gelben Buchreihe". Die Bände reißen einen einfach mit. Inzwischen habe ich ca. 20 Bände erworben und freue mich immer wieder, wenn ein neues Buch erscheint. oder: Sämtliche von Jürgen Ruszkowski aus Hamburg herausgegebene Bücher sind absolute Highlights. Dieser Band macht da keine Ausnahme. Sehr interessante und abwechslungsreiche Themen aus verschiedenen Zeit-Epochen, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt haben! Man kann nur staunen, was der Mann in seinem Ruhestand schon veröffentlicht hat. Alle Achtung!
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Seitenzahl: 76
Veröffentlichungsjahr: 2023
Jürgen Ruszkowski
Geschichte der Hapag und des NDL – Band 230 in der maritimen gelben Buchreihe – bei Jürgen Ruszkowski
Band 230 in der maritimen gelben Buchreihe
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort des Herausgebers
Geschichte der Hapag und des Norddeutschen Lloyd
1848
1849
1850
1851
1852
1853
1854
1855
1856
1857
1858
1859
1860
1861
1862
1863
1864
1865
1866
1867
1868
1869
1870
1871
1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
1882
1883
1884
1885
Die Ära Ballin
1889
1892
1894
1897
1900
1904
1909
1911
1914
1916
1918
1921
1923
1925
1927
1929
1931
1933
1935
1936
1938
1940
1945
1947
1950
1953
1956
1960
1963
1966
1968
1970
Siegeszug des Containers
1974
1977
1980
1984
1990
1993
1996
2000
2005
2008
2009
2011
2013
2015
Eintritt der Hapag in die Ostasienfahrt
Werbeplakate
Weitere Informationen
Impressum neobooks
Vorwort des Herausgebers
Von 1970 bis 1997 leitete ich das größte Seemannsheim in Deutschland am Krayenkamp am Fuße der Hamburger Michaeliskirche.
Dabei lernte ich Tausende Seeleute aus aller Welt kennen.
Im Februar 1992 entschloss ich mich, meine Erlebnisse mit den Seeleuten und deren Berichte aus ihrem Leben in einem Buch zusammenzutragen. Es stieß auf großes Interesse. Mehrfach wurde in Leser-Reaktionen der Wunsch laut, es mögen noch mehr solcher Bände erscheinen. Deshalb folgten dem ersten Band der „Seemannsschicksale“ weitere.
2022 Jürgen Ruszkowski
Ruhestands-Arbeitsplatz
Hier entstehen die Bücher und Webseiten des Herausgebers
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Geschichte der Hapag und des Norddeutschen Lloyd
https://www.hapag-lloyd.com/de/company/about-us/history.html
Die Wurzeln der Hapag-Lloyd AG reichen bis weit in s 19. Jahrhundert zurück, als die Gründunggesellschaften der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) und der Norddeutsche Lloyd ihre ersten Schiffe mit Stückgut und Passagieren nach New York in See stechen ließen. Aus diesen Anfängen erwuchs in einer spannenden, an Wandlungen und Umbrüchen reichen Geschichte die heutige führende und global agierende Container-Linien-Reederei.
Das Verwaltungsgebäude der Hapag-Lloyd AG am Ballin-Damm in Hamburg
Foto: Jürgen Ruszkowski
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Die Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) wurde 1847 in Hamburg gegründet.
* * *
ttps://www.hapag-lloyd.de/de/about_us/history_between_1847_1885.html
Die industrielle Revolution hat bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa viele traditionelle Berufe aussterben lassen, Arbeitskräfte werden immer weniger gebraucht. In einer ersten Globalisierung entwickeln sich die Verkehrsverbindungen rasant. Eisenbahnen ermöglichen Ortsveränderungen erstmals auch für Durchschnittsbürger, die ersten Dampfschiffe werden im Überseeverkehr erprobt. Die große Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten beginnt.
„O sprecht! Warum zogt ihr von dannen?", fragt der Dichter Ferdinand Freiligrath in der Ballade „Die Auswanderer“, die so etwas wie die Hymne einer deutschen Massenbewegung wird. Die Antwort ist einfach: Weil sie es daheim nicht mehr aushalten. Not und politische Unterdrückung veranlassen bis 1918 Millionen Europäer, unter ihnen besonders viele Deutsche, in die Neue Welt aufzubrechen, zu neuen Chancen, in ein neues Leben.
Deutschland ist in absolutistisch regierte, rückständige Fürstentümer zersplittert. Es herrscht Massenarmut, die Untertanen emigrieren scharenweise. Der Obrigkeit ist das nur recht, verspricht doch das Ticket nach Amerika die Lösung aller sozialen Probleme. Wer stört, wird über den großen Teich geschickt. Die Insassen ganzer Armenhäuser müssen kollektiv auf die Reise gehen. New York klagt bald über Scharen deutscher Bettler.
Die Gefahren der Emigration sind ebenso unbegrenzt wie die erhofften Möglichkeiten in den USA. Vor dem erträumten Paradies steht die Hölle: Die meisten Auswanderer sind buchstäblich unerfahren, haben noch nie ihren Geburtsort verlassen. Erreichen sie nach strapaziöser Reise die Hafenstädte, müssen die erschöpften Menschen dort wochenlang auf die Überfahrt warten und werden in den Hafenvierteln regelrecht ausgeplündert.
Die Überfahrt auf kleinen hölzernen Segelschiffen dauert durchschnittlich 70 bis 100 Tage, oft viel länger. Passagiere, besonders Emigranten im niedrigen, engen Zwischendeck, werden wie minderwertiges Frachtgut behandelt. Proviant müssen sie oft mitbringen, Trinkwasser wird schnell knapp, die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. Die Todesraten sind entsprechend, jede Seereise bedeutet ein Risiko mit ungewissem Ausgang.
1845 emigrieren 115.000 Deutsche, die Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt. Neun von zehn Reisenden, die über deutsche Häfen auswandern, schiffen sich in Bremen ein, wo der Senat 1832 Schutzgesetze erlassen hat. Hamburg, der größte deutsche Hafen, hat die armen, oft kranken Auswanderer mit Restriktionen möglichst ferngehalten. Seit die 1837 gelockert wurden, sind die Zustände im Hafenviertel und auf vielen Schiffen derart, dass Bremens Spitzenstellung nicht in Gefahr gerät.
Die deutsch-amerikanische „Ocean Steam Navigation Company“ wird 1846 gegründet. Beteiligt ist auch der Bremer Kaufmann und spätere Konsul Hermann Henrich Meier, der von einer direkten Dampfschifffahrtslinie Bremen – New York träumt.
Hermann Henrich Meier, * 16. Oktober 1809 in Bremen – † 17. November 1898 ebenda, war ein deutscher Kaufmann, Reeder und Parlamentarier.
Das Unternehmen treibt schnell in den Konkurs. Hamburg steht dem Fortschritt generell reserviert gegenüber, will aber den Wachstumsmarkt Auswanderung nicht der Bremer Konkurrenz überlassen.
1847
Am 27. Mai 1847 beginnen sich die Verhältnisse für Emigranten entscheidend zu verbessern: Im Konferenzzimmer der Hamburger Börse gründen Reeder und Kaufleute die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag. Ihr erster Direktor wird Adolph Godeffroy. Ihr Ziel ist schneller, zuverlässiger Liniendienst zwischen Hamburg und Nordamerika, zunächst New York, mit erstklassigen Segelschiffen.
Adolph Godeffroy, * 28. November 1814 in Hamburg – † 13. Dezember 1893 ebenda, war ein Hamburger Kaufmann, Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft, Mitbegründer der Reederei HAPAG und deren erster Vorsitzender.
„Etwas Ausgezeichnetes“ will das Direktorium schaffen, und das zeigt sich auch in der neuartigen Unternehmensphilosophie: Die Hapag versteht ihre Passagiere erstmals nicht als Menschenfracht, sondern als Kunden, die es zu umwerben gilt. Am 15. Oktober kommt das Vollschiff „DEUTSCHLAND“ in Fahrt und bietet auch für Auswanderer zeitgemäß bescheidene, aber spürbare Verbesserungen. Service auf See: dieses Konzept bedeutet Erfolg.
Die „Packet-Segler“ „DEUTSCHLAND“ (538 BRT, ausgerüstet für 20 Kajüt-Passagiere sowie 200 Auswanderer und Fracht.), „NORD-AMERIKA“, „RHEIN“ und „ELBE“, alle um die 500 BRT groß und mit Platz für etwa 220 Passagiere, stellen zuverlässig Rekorde auf. Sie benötigen für die Ausreise von Hamburg nach New York durchschnittlich sensationelle 40 Tage, mit dem Westwind zurück nur 28 Tage. Der Andrang ist groß, und in Bremen wird darüber geklagt, dass die Hapag mit zu gutem Essen an Bord die Auswanderer abwerbe.
Die gescheiterte deutsche Revolution von 1848 und die darauffolgenden Repressionen haben die Emigration noch einmal sprunghaft ansteigen lassen. Die Hapag, ihrem Selbstverständnis nach „gediegen und durch und durch respektabel“, befindet sich „im erfreulichen Fortschreiten“. Besonders attraktives Angebot: „Namentlich hat man darauf Rücksicht genommen, jedem Passagier ein eigenes Bett zur Verfügung zu stellen.“
In „Paketen“, geölten Leder- oder Leinensäcken, wird die Post über See befördert, und diese wertvolle Ladung wird nur den zuverlässigsten, schnellsten Linienreedereien anvertraut. Eine Reederei, wie die Hapag, „Packetfahrt“ zu nennen, setzt qualitätsvolle Schiffe und gut geschulte Mannschaften voraus. Mehrere Reedereigründungen führen damals das anspruchsvolle Gütesiegel im Namen. Überlebt hat es nur in der Hapag.
Die Hapag zahlt ihren Aktionären erstmals vier Prozent Dividende. Ihre Segler führen, da es noch kein einiges Deutschland gibt, als Heimatflagge die rotweiße Hamburger Stadtflagge. Nicht immer allerdings: Als nach dem deutsch-dänischen Krieg 1849 die Elbmündung für deutsche Schiffe blockiert war, flaggte sie als erste deutsche Reederei kurzerhand um. Ihre „DEUTSCHLAND“ segelte als russische „HERMANN“ unbehelligt nach New York.
Adolph Godeffroy
Hapag-Direktor Godeffroy ruft eine außerordentliche Aktionärsversammlung ein und plädiert leidenschaftlich für den Bau zweier großer Schraubendampfschiffe. Er hat solche technischen und geschäftlichen Experimente eben noch abgelehnt, weiß aber, dass es jetzt eilt: Die ewigen hanseatischen Rivalen rühren sich. Von der Weser, aus der, wie Godeffroy sie unfroh nennt, „tätigen Nachbarstadt“ Bremen, droht Konkurrenz.
Zwar gibt es kein einiges Deutschland, noch nicht einmal den Norddeutschen Bund, doch an der Weser plant Hermann Henrich Meier nicht weniger als die große deutsche Schifffahrtslinie – und die soll in Bremen zuhause sein.
Hermann Henrich Meier
Außer seinem Traum und Anteilen an einigen bescheidenen Fluss- und Schleppdampfschiffsgesellschaften, die er fusionieren will, hat er bisher nur einen Namen: „Norddeutscher Lloyd“.
Die ersten Hapag-Dampfer, „aus Eisen und erster Klasse“, laufen bei Caird & Company im schottischen Greenock vom Stapel. Deutsche Werften können noch keine eisernen Schraubendampfschiffe bauen. „HAMMONIA“ und „BORUSSIA“ sind beide über 2.000 BRT groß, 101 Meter lang, knapp 12 Meter breit und 11 Knoten schnell. Sie haben 80 Mann Besatzung und können 510 Passagiere befördern, davon 310 im Zwischendeck.
Am 4. April läuft der erste Hapag-Dampfer, die „BORUSSIA“ unter Kapitän Ehlers, erstmals seinen Heimathafen an. Großer Empfang mit Salut und Böllern, das Auslaufen zur Jungfernreise ist ein Volksfest. Ebenso enthusiastisch feiert die Stadt einen Monat später das Schwesterschiff „HAMMONIA“. Die „BORUSSIA“ transportiert gleich auf ihrer ersten Reise die Post in Rekordzeit, die Hapag bietet einen monatlichen Liniendienst an.
Hermann Henrich Meier hat es geschafft. Zusammen mit dem jungen Berliner Eduard Crüsemann hat er die Bremer Wirtschaft überzeugt, sich an einer „rein deutschen, großartigen“ transatlantischen Dampfschifffahrtslinie zu beteiligen.
Eduard Crüsemann, * 16. Juni 1826 in Berlin – † 1. September 1869 in Bremen, war ein Großkaufmann und Mitbegründer des Norddeutschen Lloyd.
Am 20. Februar 1857 wird der Norddeutsche Lloyd in Bremen gegründet. Am 15. August wird im Hamburger Hafenviertel Albert Ballin geboren, als dreizehntes und letztes Kind eines kleinen dänisch-jüdischen Passage-Agenten.
Albert Ballin, * 15. August 1857 in Hamburg – † 9. November 1918 ebenda, war ein deutscher Reeder und eine der bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten in der Zeit des deutschen Kaiserreiches.
Er wächst buchstäblich im Hafen auf.