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In diesem Buch befasst sich die Autorin mit Gewaltformen und -ursachen. Sie behandelt ebenso die Auswirkungen der Migration auf die Partnerschaft.
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Seitenzahl: 55
Veröffentlichungsjahr: 2014
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„Gewalt verkürzt jedes Jahr überall auf der Welt das Leben von Millionen von Menschen und zerstört das Leben von weiteren Millionen. Sie kennt keine geografischen Grenzen und keine Grenzen von Rasse, Alter oder Einkommen. Sie trifft Kinder, Frauen, junge und alte Menschen. Sie schleicht sich in das Zuhause der Menschen, in Schulen und an Arbeitsplätzen ein. Frauen und Männer haben überall das Recht, ihr Leben ohne Furcht vor Gewalt leben zu können und ihre Kinder in einer nicht von Gewalt geprägten Umwelt aufwachsen zu sehen.“[1]
Gewalt hat viele Gesichter und viele Formen.[2] Es hat sie immer gegeben und es wird sie höchst wahrscheinlich auch immer geben. Sie passiert auf der Straße, aber auch zuhause. Die Täter können Fremde, Bekannte oder sogar nahe stehende Personen sein. In der vorliegenden Arbeit geht es genau um diese Tätergruppe. Es geht um die Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen.
Nicht, dass von Frauen in der Partnerschaft keine Gewalt gegen Männer ausgeht, ganz im Gegenteil, die Studien beweisen, wenn Frauen physische Gewalt anwenden, dieses meistens in der Partnerschaft tun.[3] Aber die Untersuchungen zeigen auch, dass die männlichen Gewalthandlungen, im Vergleich zwischen den beiden Geschlechtern, dominieren. Diese Dominanz spiegelt sich auch in den Kriminalstatistiken wider.[4] Gewaltdelikte gegen Frauen (insbesondere Körperverletzungs- und Tötungsdelikte) passieren meistens in Beziehungen.[5] Im Jahre 2003 sind zum Beispiel 86,2 Prozent schwere/gefährliche Körperverletzungen durch Männer und 13,8 Prozent durch Frauen in Deutschland ausgeübt worden. Sogar 98,9 Prozent der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung im Jahre 2003 gingen von Männern aus und nur 1,1 Prozent erfolgte durch die Frauen.[6]
Die am meisten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen sind laut dem Kinderhilfswerk Unicef (1997) weltweit die vielfältigen Gewaltanwendungen gegenüber Frauen und Mädchen. Diese Form der Gewalt ist die alltägliche Praxis und tief über die Grenzen hinaus in allen Kulturen verankert.[7] Sie bleibt oft unbemerkt hinter verschlossenen Türen. Gewalt ist ein hohes Risiko, welche meistens akute Beschädigung wie psychische und psychosomatische Störungen verursacht.[8]
Trotzdem wurde die Männergewalt gegen Frauen erst 1993 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Wien als Missachtung gegen die Menschenrechte aufgenommen.[9]
Häusliche Gewalt[10] kennt keine Grenzen; sie kann zwischen Ehe- und Lebenspartnern stattfinden; sie kann ältere Menschen, Kinder, Eltern und Geschwister treffen. Sie kann eine physische, psychische und sexuelle Form haben[11] und sie ist auch ein Thema in Migrantenfamilien.[12] Lange Zeit waren die Daten zur Häufigkeit und Ausprägung häuslicher Gewalt bei Migrantinnen unbekannt. Heute ist zwar immer noch die Dunkelziffer sehr groß, aber es wurde inzwischen festgestellt, dass die Migrantinnen stärker von Partnergewalt betroffen sind als die deutschen Frauen.[13]
Laut Ergebnissen einer Studie (2004) war bei türkischen Migrantinnen die Gewaltprävalenz höher. 40-50 Prozent von ihnen schweigen jedoch über ihre Situation.[14] Die von häuslicher Gewalt betroffenen Migrantinnen erleben einfache bis massive Körperverletzungen, die sichtbar und unsichtbar sind. Sie werden oft kontrolliert. Ihnen bleibt jeglicher Kontakt mit ihrer Familie, der Nachbarschaft, mit Bekannten und andere soziale Kontakte verboten.[15]
Interessanterweise wurde bei einer Studie eine große gewaltbefürwortende Einstellung bei den befragten männlichen türkischen Jugendlichen festgestellt.[16]
Solche Ergebnisse zur Partnergewalt von Migrantinnen[17] und die gewaltbefürwortende Einstellung der jungen türkischen Männer führten dazu, dass die Verfasserin neugierig wurde, sich daher in der vorliegenden Arbeit mit der Frage, inwieweit der Migrationshintergrund Einfluss auf Gewalt in der Partnerschaft hat, auseinanderzusetzen. Es ist daher wichtig zu untersuchen, welche Ursachen und Einflussfaktoren überhaupt zur Gewalt, insbesondere bei Paare mit Migrationshintergrund, führen und welche Hilfsformen für die Betroffenen vorhanden sind. Die durch diese Arbeit gewonnenen Erkenntnisse sollen zum besseren Verstehen dieser Paare führen.
Die Ursachen der Gewalt sind genauso umstritten wie die Definition des Begriffes. Vor diesem Hintergrund wird in der vorliegenden Arbeit zunächst eine Begriffsbestimmung von Gewalt und deren Formen kurz dargestellt. Nach diesem Schritt folgen Erläuterungen zu den Ursachen von Aggression/Gewalt beziehungsweise antisozialem Verhalten. Ferner befasst sich das vierte Kapitel mit einer repräsentativen Gewaltprävalenz-Studie, die sich mit Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen beschäftigt hat. Diese Studie untersuchte die Migration, als einen belastenden Faktor, näher, so dass sie hier eine wichtige Rolle bei der Darstellung der Gewalt beeinflussender Faktoren bezüglich der Paare mit Migrationshintergrund spielt. An dieses Kapitel schließt sich dann die Erläuterung über die Formen der Hilfsangebote für die Betroffen an. Ein Resümee des Ganzen erfolgt zum Schluss.
[1] Kofi Annan 2001 n. Weltgesundheitsorganisation (Hrsg.) 2003, S. 73
[2] Vgl. Lamnek 2012, S. 113ff.
[3] Vgl. Lück/Strüber/Roth (Hrsg.) 2005, S. 121
[4] Vgl. Lück/Strüber/Roth (Hrsg.) 2005, S. 121
[5] Vgl. Heiliger/Goldberg/Schröttle/Hermann n. Gender Datenreport 2005, S. 610
[6] Vgl. Heiliger/Goldberg/Schröttle/Hermann n. Gender Datenreport 2005, S. 623
[7] Vgl. Bunch 1998 n. Heiliger 2000, S. 15
[8] Vgl. Heiliger/Hoffmann (Hrsg.) 1998, S.33
[9] Vgl. Heiliger/Hoffmann 1998 n. Heiliger 2000, S. 15
[10] „Häusliche Gewalt ist jede Gewalt, die innerhalb oder außerhalb des Hauses zwischen Familien- oder Haushaltsmitgliedern oder Partnern in existierenden oder früheren Beziehungen geschieht. Sie kann seelische und sexuelle Misshandlungen, sowie körperliche An-/Übergriffe einschließen. Häusliche Gewalt wird in der Regel von Männern gegen Frauen ausgeübt“ (London Borough of Waltham Forest Hrsg. 1999, S. 12 n. Gabriel 2004, S. 21).
[11] Vgl. Lamnek 2012, S. 113ff.
[12] „Von Migration spricht man, wenn eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt. Von internationaler Migration spricht man dann, wenn dies über Staatsgrenzen hinweg geschieht" (BAMF 2006 n. Bundeszentrale für politische Bildung 2013). Zu den Menschen mit Migrationshintergrund (im weiteren Sinn) zählen "alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil"(Statistisches Bundesamt 2010,S. 6).
[13] Vgl. BMFSFJ (Hrsg.) 2004 und 2008
[14] Vgl. Bergmann 2006 n. Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Hrsg.), S. 4
[15] Vgl. Schröttle/Müller 2004 n. Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit (Hrsg.) 2008, S. 9ff.
[16] Vgl. Augstein 2006 n. Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Hrsg.), S. 7
[17] Vgl. Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit (Hrsg.) 2005, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) 2008 und Brzank 2012
Das Begriffsverständnis von Gewalt erscheint in der Debatte sehr widersprüchlich.[1] Eine abstrakte Gewaltdefinition wird einerseits für Analysebedingungen ohne Berücksichtigung der allgemeinen problematischen Ansprüche auf Macht- und Herrschaftsstrukturen dargelegt. Andererseits soll die Gewaltdefinition das herrschaftskritische Interesse beachten. Sie muss alltagsbezoge subjektive Erfahrungen, Einstellungen und Bemessungen mit einbeziehen und soll von konkreten gegensätzlichen, konfliktträchtigen, politischen und sozialen Bedingungen und Interessen dependieren.[2] Lange Zeit betrachtete in den Sozialwissenschaften Gewalt als individuelle Handlungen einzelner Personen, das heißt, die Motive und Entstehungsbedingungen wurden in der Person des Täters gesucht, ohne gesellschaftliche Einflüsse zu berücksichtigen. Inzwischen wird besonders in der Kriminalsoziologie in Verbindung mit definitionstheoretischen Ansätzen eine Ausweitung der Gewaltdefinition beobachtet. Sie geht weit über die Körpergewalt hinaus. Es werden auch kritische Blicke auf die staatlichen Kontrollorgane wie Polizei und Strafjustiz sowie auf andere Instanzen wie Sozialarbeit und Psychiatrie geworfen.[3]
Eine ausgewählte Erläuterung zur Gewaltdefinition folgt unten.
2.1. Gewaltdefinition
Die bekannteste Gewaltdefinition trifft der Friedensforscher Johann Galtung. Laut Galtung ist die Gewalt auch dann gegeben, „wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische, psychische und geistige Entwicklung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung
