Grenzen überwinden! - Uwe Henrich - E-Book

Grenzen überwinden! E-Book

Uwe Henrich

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Beschreibung

Wo gibt es in all dieser Unsicherheit eigentlich einen Halt? Ist der Mensch auf seinem Lebensweg gebunden und getrieben durch die verschiedenen Umstände oder kann er von sich sagen, dass er frei ist? Diese beiden Fragen werden klar beantwortet. Der Weg führt über eine überzeugende Erkenntnistheorie – die "Wissenschaft der Freiheit" – dann weiter zur Schilderung der Erkenntnispraxis in den Kapiteln zur "Wirklichkeit der Freiheit". Die "Philosophie der Freiheit" wurde vor 130 Jahren veröffentlicht. In diesem Zeitraum veränderte sich unerwartet viel. Die zentralen Aussagen in Steiners Erkenntnistheorie und Erkenntnispraxis sind jedoch unverändert aktuell und zukunftsweisend. Neue naturwissenschaftliche und gesellschaftspolitische Fragestellungen werden in diesem Buch mit einbezogen. Das ICH kann seinen Weg in die Gemeinschaft finden. Der Weg zu dieser Freiheit des "ethischen Individualismus" ist mühevoll. Schließlich setzt er voraus, dass alle biografischen Begrenzungen, alle kulturellen Prägungen, sprachliche, nationale, gesellschaftliche, auch körperliche Einschränkungen, alles dies überwunden wird auf dem Wege hin zu dem genannten bewussten Erleben eines rein geistigen Inhalts. Auf diesem Weg kann sich übrigens zeigen, dass die Antworten auf die zwei Grundfragen letztlich identisch sind. Freiheit und Halt wird in diesem geistigen Erlebnis erfahrbar. Manche dieser Wegstrecken sind in der "aufgeklärten Moderne" rund 200 Jahre nach Kant schwer zu verstehen. Wie kann zum Beispiel im Hinblick auf das Bewusstsein und das Denken ein "naiver Realismus" angemessen sein, der für die materielle Außenwelt abgelehnt wird? Welche Bedeutung kann die "Philosophie der Freiheit" für das Bild des Menschen in der Gegenwart haben? Die Doppelgrundlage Bewusstsein und Freiheit wird in Kapitel 4 erläutert. Das "Ja" zu dieser Philosophie bedeutet Bejahung eines modernen Idealismus, der das Wissen um die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft mit einbezieht.

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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2024

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GRENZENÜBERWINDEN!

Rudolf Steiners „Philosophie der Freiheit“

Ein Weg zum ICH in der Gemeinschaft

© 2024 Uwe Henrich

Illustration von: Erika Henrich

Softcover

978-3-384-11198-2

Hardcover

978-3-384-11199-9

E Book

978-3-384-11200-2

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter:

tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

1 Mein Weg zur Philosophie der Freiheit

2 Einführung zu den Kapiteln der „Philosophie der Freiheit“

Die Ausgangsfragen

Wissenschaft der Freiheit

Die Wirklichkeit der Freiheit

Die letzten Fragen

Aus dem Vorwort der Erstausgabe 1894

3 „Die Philosophie der Freiheit“ Zitat und persönlicher Eindruck

Wissenschaft der Freiheit

Die Wirklichkeit der Freiheit

Die letzten Fragen

„Zweiter Anhang“

4 Bewusstsein und Freiheit: Die Doppelgrundlage der „Philosophie der Freiheit“

5 Geist und Materie: Anregungen zur eigenen Arbeit

1. Anregung zum biographischen Rückblick

2. Anregung zum methodischen Verständnis

3. Anregung, den Bruchstellen in der Naturwissenschaft nachzugehen

4. Anregung zum Perspektivwechsel

5. Anregung zum Erfahren des sinnenfälligen Weltbildes

6. Anregung zum Erfahren des Geistigen

7. Anregung zum Nachdenken über „Geist“

8. Anregungen zum Nachdenken über Materie

8.1 Die Art der jeweiligen Materie hängt von der Gesamtkonstitution des Weltalls ab

8.2 Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht

8.3 Materie ist innerlich nach Tonschwingungen gestaltet und gegliedert

8.4 Die Geschwindigkeit ist real, Zeit und Raum sind es nicht.

9. Anregung zum Verständnis des Christentums

6 Die Konsequenz des „Deutschen Idealismus“: Eine noch nicht eingelöste Zivilisationsaufgabe

7 Das Bild des Menschen und die Zukunft der Gesellschaft

1. Auswirkungen spiritueller Menschenbilder auf die Gesellschaft

2. Kurzer Blick auf die Volksrepublik China: Materialismus und paternalistische Gesellschaftsordnung

3. Materialismus in der „westlichen Welt“ und „Homo Oeconomicus“

4. Spirituelles Menschenbild und Möglichkeit einer Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft

8 Ausblick und Ausklang

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Cover

Titelblatt

Urheberrechte

1 Mein Weg zur Philosophie der Freiheit

8 Ausblick und Ausklang

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1 Mein Weg zur Philosophie der Freiheit

Schon als Kind wurden mir Richtlinien und Begrenzungen vorgegeben. Dies verstärkte sich in der langen Schulzeit. Berufliche und kulturelle Einflüsse prägten und begrenzten mich Jahrzehntelang. Vieles habe ich als „normal“ empfunden, manches aber auch als Belastung und Begrenzung der eigentlichen inneren Wünsche. Nun gibt es viele Möglichkeiten zur Überwindung solcher Einschränkungen und Grenzen. Auf einige hat Rudolf Steiner hingewiesen: „Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?“, die acht Meditationen „Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen“, oder das Buch „Die Schwelle der geistigen Welt“ 1. Der Weg kann auch auf ganz andere Weise – unabhängig von den Werken Rudolf Steiners – gefunden und gegangen werden.

Mein Weg hat mich zu dem frühen Hauptwerk von Steiner, seiner „Philosophie der Freiheit“ 2 geführt.

1. Ein kleines Gedankenexperiment: Es ist jetzt kurz nach drei Uhr. Ich sitze an meinem Schreibtisch. Damit habe ich für mich Raum und Zeit festgestellt. Die Zeit fließt und den Raum erlebe ich dreidimensional. Ich kann mich geborgen fühlen in der menschlichen Welt zwischen dem Makrokosmos, dem unfassbaren Sternenhimmel und dem Mikrokosmos, der unfassbaren Quantenwelt.

Ich lebe in einem Mesokosmos, einem mittleren Bereich zwischen dem ganz Großen und dem ganz Kleinen. Den Begriff Mesokosmos verwendet Rudolf Steiner nicht. Er schildert in seinen Werken die große Welt der Sterne als Makrokosmos. Der Mikrokosmos ist in seinen Ausführungen der Mensch. Wir haben viele sich ergänzende Schilderungen von Steiner dazu, wie sich der Makrokosmos im menschlichen Mikrokosmos sinnvoll spiegelt. Blaise Pascal empfindet den Mesokosmos deutlich, wenn er schreibt: „Was ist der Mensch in der Natur? Ein Nichts vor dem Unendlichen, ein All gegenüber dem Nichts, ein Mittelding zwischen Nichts und Allem“3

Für mich ist es eine „Hilfskonstruktion“, mich selbst in einem mittleren Bereich zwischen den beiden gewaltigen Raumvorstellungen – Sternenwelt und Quantenwelt – zu erleben. Ich kann mich mit dieser Mitte, in diesem Mesokosmos zufriedengeben und mich in ihm für die Dauer meines Lebens einrichten. Soweit so gut. Es kann aber zu Schicksalsschlägen oder zu unterschiedlichen inneren Aktivitäten kommen, die diese Weltvorstellung ins Wanken bringen. Viele persönliche krisenhafte Zuspitzungen sind möglich, auch über die Religion, die Kunst oder besondere Begegnungen mit Menschen oder Naturereignissen.

2. Von meiner Ausbildung her bin ich Wirtschaftler, habe aber seit meiner Jugendzeit Interesse für Naturwissenschaften und Philosophie gehabt. Ich fing auf meine Weise an, die Welt zu hinterfragen, mich auf den Weg zu machen. Dieser Weg führte zu dem immer stärker werdenden kritischen Befragen unseres Mikrokosmos: Was ist eigentlich Materie? Sie löst sich unter dem Elektronenmikroskop und durch aufwendige physikalische Versuchsanordnungen in fluktuierende Wahrscheinlichkeiten auf. Eine bizarre Quantenwelt tritt in Erscheinung. Raum und Zeit – wie wir sie im Alltag erleben – können als illusionär wahrgenommen werden. Dies geschieht bei der Beschäftigung mit der modernen Naturwissenschaft, es geschieht auch durch die Beschäftigung mit der Anthroposophie. (Einzelheiten: Kapitel 5 dieses Buches)

3. Der junge Steiner beschäftigte sich intensiv mit Goethes naturwissenschaftlichen Schriften. Sein Ergebnis formulierte er bereits 1890, im Alter von 29 Jahren:

«Nach diesen Ausführungen können wir sagen: das sinnenfällige Weltbild ist die Summe sich metamorphosierender Wahrnehmungen ohne eine zu Grunde liegende Materie».4

An anderer Stelle führt Steiner aus, dass Raum und Zeit nicht wirklich existieren, sondern nur in unserer menschlichen Wahrnehmung vorhanden sind.5 Dies deckt sich weitgehend mit der Einsicht von Immanuel Kant, für den Raum und Zeit „a priori Vorstellungen“ des Menschen sind, also auch nicht unabhängig existieren.6

Ich habe mich diesen Überlegungen ausgesetzt, sie auf mich wirken lassen. Der „Zufall“ führte mich zum Beginn der „Philosophie der Freiheit“. Sie ist auch ein Weg zu einem neuen Erleben von Raum und Zeit.

4. Es stehen da die grundlegenden Fragen, die Steiner Wurzelfragen nennt:

 Wo gibt es in all dieser Unsicherheit eigentlich einen Halt?

 Ist der Mensch auf seinem Lebensweg gebunden und getrieben durch die verschiedenen Umstände oder kann er von sich sagen, dass er frei ist?

Diese beiden Fragen werden klar beantwortet. Der Weg führt über eine überzeugende Erkenntnistheorie – die „Wissenschaft der Freiheit“ – dann weiter zur Schilderung der Erkenntnispraxis in den Kapiteln zur „Wirklichkeit der Freiheit“.

5. Die „Philosophie der Freiheit“ wurde vor 130 Jahren veröffentlicht. In diesem Zeitraum veränderte sich unerwartet viel. Die zentralen Aussagen in Steiners Erkenntnistheorie und Erkenntnispraxis sind jedoch unverändert aktuell und zukunftsweisend. Auf meinem Weg zu dieser Philosophie habe ich 70 Kernaussagen gefunden und aus dem Originaltext herausgeschrieben.

Steiner äußerte sich in späteren Vorträgen häufig zu seiner philosophischen Schrift, beispielsweise in einem Vortrag 1918:

„Es hat vielleicht dieser Abschnitt ‚Wissenschaft der Freiheit‘ einen kampfartigen Charakter. Der ist zu erklären aus der ganzen Geistesstimmung der damaligen Zeit heraus. Auseinanderzusetzen hatte ich mich mit der Philosophie des 19. Jahrhunderts, mit dem, was die Philosophie des 19. Jahrhunderts über die Welt gedacht hatte.“7

Steiner kämpfte gewissermaßen mit verbalem Florett gegen viele Argumente, die damals aktuelles Zeitgeschehen waren. Diese philosophiegeschichtlichen Auseinandersetzungen bleiben für die Fachwelt wichtig.8, sie können aber dem heutigen Leser den Zugang erschweren, denn es kommt heute darauf an, zentrale Aussagen zu erkennen und in Dialog zu bringen mit den heutigen Denkmustern. Eine Konzentration auf „Kernaussagen“ der umfangreichen Schrift hat subjektiven Charakter. Mir kam es darauf an, zeitlos-wichtige Textabschnitte zu zitieren, in denen Rudolf Steiner seine „Lebenserfahrung“ mitgeteilt hat. Es sind dies „70 Schritte“ geworden (Kapitel 3). Die Zitate sind in den römisch nummerierten Kapiteln der Originalschrift gut zu finden. Bei der inneren Verarbeitung dieser Originalzitate sind persönliche Eindrücke entstanden, die im Buch jeweils auf der nächsten Seite neben dem Original stehen.9

6. Auf dem langen Weg der „Philosophie der Freiheit“ bilden die Antworten auf die beiden Ausgangsfragen besondere Wegmarken. Zur ersten Frage, ob es überhaupt irgendwie einen festen Halt gebe, finden wir die Antwort im Abschnitt V „Das Erkennen der Welt“. Es heißt dort im 14. Originalzitat (S. 52 dieses Buches):

„Wir sehen in uns eine schlechthin absolute Kraft zum Dasein kommen, eine Kraft, die universell ist, aber wir lernen sie nicht bei ihrem Ausströmen aus dem Zentrum der Welt kennen, sondern in einem Punkt der Peripherie.“

Dies ist die Kraft des Denkens, der wir im ich-bewussten Denken begegnen. Wir können meditativ daran arbeiten, in ihr den Halt zu finden, den Materie, Raum und Zeit uns eben nicht bieten können.

Im Abschnitt IX über „Die Idee der Freiheit“ wird dann die grundlegende Antwort auf die Frage nach der menschlichen Freiheit gegeben. In einem großen Wurf schildert Steiner zunächst die ersten drei Entwicklungsstufen der Menschheit, die wir alle in unserer individuellen Biografie durchlaufen (vgl. Kapitel 2, S. 21/22). Auf dem Weg zur vierten Stufe, die bisher nur von wenigen Menschen erreicht wurde, öffnet sich das „Alltags-Ego“ allmählich zum „eigentlichen Ich“. Dieses „höhere Selbst“ führt zur Intuition. Steiner beschreibt sie als das „im rein Geistigen verlaufende bewusste Erleben eines rein geistigen Inhalts“.10 Die körperliche und biographische Bedingtheit der Erkenntnis ist auf dieser Stufe überwunden. Der Mensch ist frei geworden.

7. Der Weg zu dieser Freiheit des „ethischen Individualismus“ ist mühevoll. Schließlich setzt er voraus, dass alle biografischen Begrenzungen, alle kulturellen Prägungen, sprachliche, nationale, gesellschaftliche, auch körperliche Einschränkungen, alles dies überwunden wird auf dem Wege hin zu dem genannten bewussten Erleben eines rein geistigen Inhalts. Auf diesem Weg kann sich übrigens zeigen, dass die Antworten auf die zwei Grundfragen letztlich identisch sind. Freiheit und Halt wird in diesem geistigen Erlebnis erfahrbar.

8. Manche dieser Wegstrecken sind in der „aufgeklärten Moderne“ 200 Jahre nach Kant schwer zu verstehen. Wie kann zum Beispiel im Hinblick auf das Bewusstsein und das Denken ein „naiver Realismus“ angemessen sein, der für die materielle Außenwelt abgelehnt wird?11 Welche Bedeutung kann die „Philosophie der Freiheit“ für das Bild des Menschen in der Gegenwart haben? Die Doppelgrundlage Bewusstsein und Freiheit wird in Kapitel 4 erläutert.

9. Das „Ja“ zu dieser Philosophie bedeutet Bejahung eines modernen Idealismus, der das Wissen um die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft mit einbezieht. Er beinhaltet, Denken, Fühlen und Wollen in Einklang zu bringen und auf dem Weg im jeweiligen Umfeld konkret zu handeln, denn „das Gute liegt im Handeln, nicht im Wissen,“ wie Thomas von Kempen geschrieben hat.12 Steiner bringt allerdings die wichtige Präzisierung, nach der es darauf ankomme, aus Erkenntnis zu handeln.13

10. Zum Erfassen der umfangreichen Wanderausrüstung dieser Philosophie gehört auch die Thematik „Geist und Materie“ sowie die Frage nach dem „Bild des Menschen und der Zukunft der Gesellschaft“. In den Kapiteln 5 und 7 dieses Buches werden beide Themenbereiche aufgegriffen.

11. Eckart Förster betont, dass Steiner in der „Philosophie der Freiheit“ einen „objektiven Idealismus“ sieht.14 Das Verständnis dieser Anschauung kann durch einen Rückblick auf die Zeit des „deutschen Idealismus“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts erleichtert werden. Wichtige Verbindungslinien sind im Kapitel 6 zusammengefasst.

12. Insbesondere für Leser, die sich bisher nur wenig mit der „Philosophie der Freiheit“ beschäftigt haben, ist den Originalzitaten im Kapitel 2 eine Einführung zu den auch im Original römisch nummerierten Texten vorangestellt.

Ich danke meinen Gesprächspartnern für freundschaftliche Hinweise und Anregungen, die mir sehr geholfen haben. Für die Grafiken danke ich meiner Ehefrau Erika Henrich. Wir freuen uns, wenn die Darstellungen in ergänzender Weise zum Nachdenken anregen. Ein besonderer Dank gilt Angelika Wiehl, die mit Umsicht und Klugheit auf notwendige Korrekturen und Verbesserungen des Entwurfs aufmerksam gemacht hat. Vielleicht mögen Sie – Leserin oder Leser – die vielen Freistellen unter den persönlichen Eindrücken für eigene Formulierungen nutzen.

1 Drei Bücher von Rudolf Steiner, die in der Gesamtausgabe (GA) als GA 10, GA 16 und GA 17 veröffentlicht sind.

2 Alle Textzitate der „Philosophie der Freiheit“ in diesem Buch wurden der 16. Auflage 1995, (GA 4), Rudolf Steiner Verlag Dornach entnommen

3 Blaise Pascal, GEDANKEN mit den Anmerkungen von Voltaire, Reclam Verlag Leipzig, urheberrechtsfreie Kindle-Ausgabe, S. 64

4 Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften (GA1), S. 274

5 Siehe hierzu Abschnitt 5.8 dieses Buches (S. 190 f)

6 Hierzu ausführlich Manfred Geier in seiner Biographie „Kants Welt“, Rowohlt Verlag 2004, S. 171

7 GA 185 (Geschichtliche Symptomatologie, 6. Vortrag, Dornach 27.10.1918)

8 Interessierten Lesern sei Bd. 2 der „Rudolf Steiner Schriften, Kritische Ausgabe“ (SKA) von Christian Clement, Frommmann-Holzboog Verlag 2016, empfohlen. Dieser Band enthält auch ein umfassendes Verzeichnis von Sekundärliteratur zu Steiners philosophischen Schriften.

9 Auch in den persönlichen Eindrücken sind Stellen wörtlich aus dem Original übernommen worden, die dann kursiv geschrieben sind.

10 Vgl. 32. Originalzitat

11 GA 4, S. 103

12 Thomas von Kempen, zitiert in Barbara Tuchman, „Der ferne Spiegel“ dtv 1983, S. 438,

13 Vgl. Originalzitat 2

14 SKA Bd2, im Vorwort S. X; Förster: Prof. der Philosophie Johns Hopkins University Baltimore und Honorarprof. Humboldt-Universität Berlin

2 Einführung zu den Kapiteln der „Philosophie der Freiheit“

Die Ausgangsfragen

Feste Materie, Flüssiges und Gasförmiges löst sich dem Forscher und jedem um Einsicht bemühten Menschen letztlich in nicht fassbare Quarks und Energiefelder auf. Auch die Zeit – als Eigenschaft dieser verschwindenden Materie – wird immer unverständlicher. Gleiches gilt für den menschlichen Körper und damit auch für mein Erleben in der Zeit.15

Vor diesem schwankenden Hintergrund stellt Rudolf Steiner zwei Ausgangsfragen:

 Wenn alles so unsicher und unfassbar erscheint, gibt es dann überhaupt irgendwo einen festen Punkt, von dem her Mensch und Welt zu verstehen sind?

 Ist der Mensch durch Naturgesetze eindeutig in allem bestimmt und festgelegt, oder kann er als freies Wesen verstanden werden?

Es sind dies die beiden grundsätzlichen Fragen, die in der „Philosophie der Freiheit“ beantwortet werden. Die folgenden Kapitel mit den Haupt-Themen „Wissenschaft der Freiheit“, „Die Wirklichkeit der Freiheit“ und „Die letzten Fragen“ zeigen Schritt für Schritt einen Weg zu ihrer Beantwortung.

Wissenschaft der Freiheit

I Das bewusste menschliche Handeln

Es gibt für unser Handeln als Mensch zwei Extreme: Einfach etwas instinktmäßig und unüberlegt tun oder ein dauerndes Zögern mit ständigem Grübeln, das unser Tun immer wieder abbremst. Der aus Erkenntnis Handelnde folgt einem mittleren Weg. Dieses selbstbewusste Handeln ist auf der Erde dem Menschen möglich geworden, es ist dem Menschen gemäß.

II Der Grundtrieb zur Wissenschaft

Mit Öffnung der Sinne setzt der Grundtrieb zur Wissenschaft beim Menschen ein. Die Außeneindrücke über das Sehen, Hören, Tasten usw. stauen sich im Inneren: Das wache Bewusstsein wird zum Staunen gerufen.

Es stellen sich dem Menschen Fragen: Wie verbindet sich die Wahrnehmung der Außenwelt mit dem Wissen, den Fragen und Bedenken im Inneren? Ich bin weder nur im Äußeren noch allein im Inneren, sondern erlebe die zwei Fälle, den Zweifel zwischen Innen und Außen. Wo finde ich mein „zu Hause“? Wo löst sich das Staunen, wo kommen die Fragen zur Ruhe?

III Das Denken im Dienste der Weltauffassung

Je intensiver der Mensch im alltäglichen Denken steckt, desto mehr vergisst er sich selbst, ist vielleicht im „Flow“, im Strom der Gedanken, aus dem er aufwachen kann.

Waches, selbstbewusstes Denken ist schwierig, denn es setzt das Beobachten des eigenen Denkens voraus. Beobachten – wie ein äußeres Ereignis – kann ich normalerweise nur das vergangene Denken, nicht das gegenwärtig aktuelle. Es erfordert Anstrengung, das Denken im Vollzug zu beobachten. Aber in diesem Bemühen kann ich die Kraft und Besonderheit des Denkens erleben, erfahren.

Die Fähigkeit und Kraft des bewussten Denkens kann ich nicht beweisen, sie ist aber jedem Menschen erfahrbar. Sie ist das Höchste, zu dem das irdische Leben sich bisher entwickelt hat.

IV Die Welt als Wahrnehmung

Die Wahrnehmung – der Eindruck von außen – ist zweifellos real, auch wenn ihm – ganz im Sinne der modernen Physik – letztlich keine „Substanz“ zugrunde liegt. Dennoch erlebt der Mensch einen Strom von Eindrücken fester, flüssiger, gasförmiger, schöner, hässlicher Bilder und Geschehnisse im Inneren. Hier treffen die Eindrücke auf den ergänzenden Strom des Denkens.

Die Beobachtungen kommen von außen, die zu denkenden Begriffe kommen von innen. Ich bringe sie zusammen, mein Ich ist damit zugleich der Schauplatz, wo Beobachtung (wahrgenommener Eindruck von außen) und Begriff (gefundene Deutung durch Denken) miteinander zur Ganzheit verschmolzen werden.

Die Welt ist eine Einheit, eine Ganzheit. Der Begriff ist in dem zu Hause, was wir beobachtend wahrnehmen. Aber diese Ganzheit können wir nicht beobachten, nicht wahrnehmen. Für das Sein des Menschen, für seine konkrete Konstitution, ist diese Ganzheit zerrissen, zweigeteilt. Auf der heutigen Entwicklungsstufe kann er jedoch in sich diese Spaltung überwinden und die Einheit der Welt erfahren.

Gleiches gilt für das eigene Ich des Menschen: Nehme ich mein Ich beobachtend wahr im Sinne der geschilderten Doppelnatur der vom Menschen erfahrenen Welt, so kann es gelingen, im Begriff des eigenen Selbst das Hinzugehörende zu finden und im eigenen Innersten die Ganzheit zu erleben und zu sein.

V Das Erkennen der Welt

Im alltäglichen Erleben bringe ich – durch Erfahrung geschult – fast „automatisch“ Beobachten und Denken zusammen. Die Bedeutung der Beobachtung, der Sinneswahrnehmung erscheint offensichtlich, die des Denkens bleibt im Inneren verborgen.

Deshalb bleibt dem fragenden Menschen die Außenwelt sehr leicht rätselhaft und illusorisch. So war für Kant die Sinneswelt eine merkwürdige Erscheinungsform von „Dingen an sich“, die ihm letztlich unerkennbar blieben.16

Steiner geht einen entscheidenden Schritt weiter: Das Bewusstsein erfährt er als Realität, sich selbst bezeichnet er sinngemäß als „naiven Realisten“ im Hinblick auf das Bewusstsein. Mit der erstarkenden Kraft des Denkens hat er sich in diese Wirklichkeit hineingearbeitet. 17

Die äußere Sinneswahrnehmung („Beobachtung“) wird bewusst und willentlich durch eine innere „Gedankenwahrnehmung“, die von ihm „Intuition“ genannt wird, ergänzt. Die Alltagserfahrung der Einheit von Beobachtung und Denken kann durch diese willentliche Anstrengung zu einem neuen Erleben der Ganzheit von Welt führen.

Mein Körper ist räumlich und zeitlich begrenzt. Dies gilt damit auch für die menschliche Sinneswahrnehmung. Einen Ausschnitt aus der Ganzheit der Welt nehme ich wahr. Auch die Intuition bezieht sich auf den jeweiligen Wahrnehmungsbereich. Diese Begrenzung ist somit durch die Organisation des menschlichen Körpers bedingt. Für unsere Konstitution fällt die Welt in zwei Wahrnehmungsbereiche – innerliche und äußerliche Wahrnehmung – auseinander. In unserer raum-zeitlichen Erfahrung können wir nur jeweils ein Stück der umfassenden Ganzheit erkennen.

Die räumliche Begrenzung gehört zum Menschen. Jede Beobachtung ist so bestimmt. In der Intuition gibt es diese Begrenzungen nicht. Im Inneren kann der Mensch sich Anteil am Über-Räumlichen und Über-Zeitlichen erarbeiten. Dieser Anteil ist ein Ausschnitt der kosmischen Ganzheit. Er bleibt begrenzt durch die Organisation des Menschen, auch durch seine Biographie, seine Lebenserfahrungen.

Im Denken kann ich eine Brücke ins Ewige und Unräumliche erfahren, im Fühlen erlebe ich mich als ein auf mich gestelltes Individuum. Diese Doppelnatur macht den Menschen aus.

Aus früheren Beobachtungen kann ich Erinnerungen haben. Sie können dann in Vorstellungen innerlich wachgerufen werden, die von der äußeren Wahrnehmung unabhängig sind.

VI Die Menschliche Individualität

Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens individuelle Erfahrungen, entwickelt Eigenschaften, die auch sein Denken und Vorstellen prägen. Jemand, der einen Löwen in Afrika gesehen hat, wird eine andere Vorstellung von ihm bilden als jemand, dem nur von einem Löwen erzählt wurde. Der Begriff des Löwen ist für alle Menschen gleich. In der Vorstellung des Einzelnen – also der Erinnerung an Beobachtung und Begriff – geschieht eine häufig auch unbewusste individuelle Prägung. Steiner nennt die Vorstellung deshalb auch einen „individualisierten Begriff“. Beide Bereiche sind individuell geprägt: das Beobachtungs- und das Intuitionsvermögen.

Wer gedankenlos die Welt bereist, macht kaum Erfahrungen, die ihn weiterbringen. Gleiches gilt für den Menschen, der nur Gedankensysteme erklügelt. Beobachtungs- und Intuitionsvermögen ergänzen sich, sie sind beide entwicklungsfähig.

Unser Wahrnehmungsprozess ist eng mit einem subjektiven Gefühl, Freude, Unlust, Begeisterung, Kummer usw. verbunden. In diesem Gefühl bin ich zunächst auf mich selbst als getrenntes Einzelwesen zurückgeworfen. Ich kann einen Zwiespalt zwischen mir und der Welt erleben. Wenn es mir in einem weiteren Schritt gelingt, mein Gefühl bewusst in der Zusammenführung von Beobachtung und Begriff wahrzunehmen, dann wandle ich mein Gefühl um in Erkenntnis, es wird damit durch mich in das Umfassende der Ideenwelt eingegliedert.

Jeder Mensch lebt in einer konkreten Wahrnehmungssphäre, die räumlich und zeitlich begrenzt ist. Entsprechend diesem Erfahrungshorizont kann er sich entwickeln und seinen Beitrag zur Veränderung der Welt leisten. Vorstellungen und Gefühle sind dadurch geprägt. Es ist dem Menschen möglich, ihre subjektive Gestaltung zu erkennen. Aus diesen Erfahrungen können entsprechende neue Fähigkeiten entstehen.

VII Gibt es Grenzen der Erkenntnis?

Wir erleben die ganzheitliche Welt in zwei Wahrnehmungsbereiche auseinandergefaltet: in die äußerlich beobachtende und die innerlich denkende Wahrnehmung. Wird das Denken in Intuitionen in seiner Bedeutung verkannt, so kann dies zum Missverständnis des „Dinges an sich“ führen, das nach KANT absolut unerkennbar bleibt.

Tatsächlich erlebe ich die Wirklichkeit der einen Welt zwar aufgrund meiner menschlichen Organisationsstruktur von zwei Seiten, der Kosmos selbst ist in all seinen Einzelheiten aber vollständig und einheitlich, er bedarf keiner Erklärung. Die Erklärung braucht der Mensch, in dem das Staunen erwacht. Er kann in sich die Wahrnehmungen von außen und innen wieder zusammenführen.

Grenzen der Erkenntnis erlebt der Mensch aufgrund seiner raum-zeitlichen Körperlichkeit und damit in einer individuellen Prägung. Diese Grenzen sind dementsprechend auch individuell veränderbar.