Handlungsfähig in Extremsituationen - Markus Schimpl - E-Book

Handlungsfähig in Extremsituationen E-Book

Markus Schimpl

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Beschreibung

Allen kann es passieren – wir können in eine Situation kommen, die für uns eine Ausnahmesituation ist. Sei es, dass wir in einen Unfall verwickelt werden, dass wir bedroht, überfallen oder bei uns eingebrochen wird, dass wir beim Sport oder alltäglichen Verrichtungen in eine extreme Situation kommen. Viele Menschen sind dann handlungsunfähig, wissen weder sich noch anderen zu helfen, sind erstarrt. Genau hier setzt Markus Schimpl an. Er zeigt verschiedenste Techniken, um in solchen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Wie kann man mentale Stärke und Stressresistenz erwerben, um in Ausnahmesituationen ruhig und überlegt zu bleiben und handlungsfähig zu sein? Eine Reihe von Interviews mit Personen, die in ihrem Leben regelmäßig mit Extremsituationen konfrontiert sind, runden das Buch ab und zeigen, mit welchen Methoden Profis arbeiten, um handlungsfähig zu bleiben.

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Seitenzahl: 251

Veröffentlichungsjahr: 2024

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MARKUS SCHIMPL / CLOSEPROTECTION.AT

HANDLUNGS FÄHIGIN EXTREMSITUATIONEN

Der Umgang mit Adrenalin

MENTALE STÄRKE,MOTIVATIONUNDSTRESSRESISTENZ

Leopold Stocker Verlag

Graz – Stuttgart

Umschlaggestaltung: Werbeagentur Rypka GmbH, A-8143 Dobl

Titelbilder: Vorderseite: istock.com/kieferpix

Rückseite: Swen Gruber (Bild 1), Bruno Baumann (Bild 2), Closeprotection.at (Bild 3 und 5), Chris Redl (Bild 4)

Bildnachweis: Den Bildnachweis finden Sie jeweils direkt beim einzelnen Bild.

Der Inhalt des Buches wurde vom Autor und vom Verlag nach bestem Wissen überprüft; eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Die juristische Haftung ist daher ausgeschlossen.

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Hinweis:

Dieses Buch wurde auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Die zum Schutz vor Verschmutzung verwendete Einschweißfolie ist aus Polyethylen chlor- und schwefelfrei hergestellt. Diese umweltfreundliche Folie verhält sich grundwasserneutral, ist voll recyclingfähig und verbrennt in Müllverbrennungsanlagen völlig ungiftig.

Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne kostenlos unser Verlagsverzeichnis zu:

Leopold Stocker Verlag GmbH

Hofgasse 5 / Postfach 438

A-8011 Graz

Tel.: +43 (0)316/82 16 36

Fax: +43 (0)316/83 56 12

E-Mail: [email protected]

www.stocker-verlag.com

ISBN 978-3-7020-2102-3

eISBN 978-3-7020-2275-4

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger jeder Art, auszugsweisen Nachdruck oder Einspeicherung und Rückgewinnung in Datenverarbeitungsanlagen aller Art, sind vorbehalten.

© Copyright by Leopold Stocker Verlag, Graz 2024

Layout: Werbeagentur Rypka GmbH, A-8143 Dobl

INHALT

Liebe Leserin, lieber Leser!

Vorworte

Von Mag. Dr. hc. Martin Veigl

Selbststärkung und Prävention

Von Johannes Hetfleisch

Allgemeine Definitionen

Motivation

Wie wirken Konsequenzen und Ziele motivierend? Der „Soll-Zustand“

Einige Beispiele von mir zur Selbst- und Fremdmotivation

Beispiel 1

Beispiel 2

Beispiel 3

Stress

Adrenalin und Auswirkungen von Adrenalin in Stresssituationen

Mobilisierung von Energiereserven

Gesundheit versus Stress (emotionaler, körperlicher Belastungsstress, positiver Stress)

Gastkommentar von Martin Veigl

Die Kraft des Wassers zur Stressreduktion von Markus Schimpl

Geist, mentale Stärke

Gastbeitrag von Martin Veigl

Zwischen Todesangst und Bauchgefühl – ein Praxisbeispiel einer erlebten Krisensituation

Angst, Mut

Angst

Mut

Bauchgefühl/Intuition

Intuition

Enterisches Nervensystem

Allgemeine Aspekte der Intuition

Weitere Erfahrungen von Spezialisten aus der Praxis zu dieser Thematik

Training von Bauchgefühl

Körper, Körpersprache, Körperhaltung

Selbstbewusstes Auftreten

Stabiler Stand

Präventives Verhalten

Warum ist präventives Verhalten – und besonders für Kinder – so wichtig?

Deeskalation

Reflexe und Nutzen von Reflexen

Angeborene Reflexe

Erworbene Reflexe

Wie also läuft ein Reflex ab?

Die schnellsten Reflexe der Welt

Auswirkungen von Reflexen, insbesondere dem „Interlimb-Reflex“, in Kombination mit dem Wissen des eigenen Verhaltens in einer Stresssituation

Interlimb-Reflex

Hilfreicher Reflex zum Selbstschutz: Aktivierung des Fangreflexes

Drilltraining

Drill

Positiver Nutzen des Drilltrainings

Praktische Anwendung des Drilltrainings

Handlungsfähig in Stresssituationen

Einige Erfahrungen zum Thema Handlungsfähigkeit in Stresssituationen

Auf den Golanhöhen

Ein fast missglückter Fallschirmsprung

Abwehr eines Messerangriffs

Johannes Ernst, Sportwissenschaftler und Notfallsanitäter

Susana Caballero, ehemalige Undercover-Agentin

Chris Redl, Apnoetaucher und Weltrekordhalter

Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker, Verleger Leopold Stocker Verlag

Wie bleibt man in Stresssituationen handlungsfähig?

Fokussierung

Reales Situationstraining

Ruhe bewahren

Wurstigkeitsgefühl, Gelassenheit, Galgenhumor und ihr Nutzen

Erfahrungen bei einem Segeltraining

Boule-bretonne-Turnier

Wie kann ich selbst die Kontrolle über meine Sinne und vor allem über mein Handeln behalten?

Der Umgang mit Adrenalin, um handlungsfähig zu bleiben

Interviews und Erfahrungswerte zum Thema Handlungsfähig in Extremsituationen

Markus Schimpl

Markus Rogan

Chris Redl

Franz Müllner

Inge Solheim

Übersetzung des Interviews

Originalinterview

Günther Bresnik

Bruno Baumann

Susana Caballero

Übersetzung des Interviews

Originalinterview

Johannes Ernst

Johannes Hetfleisch

Tarmo Jõeveer

Übersetzung des Interviews

Originalinterview

Wie finde ich meine Belastungsgrenzen heraus und wie setze ich Ziele?

Die 10 Tugenden der Shaolin

1. Demut: Überwinde deinen Stolz!

2. Die Achtung

3. Rechtschaffenheit: Tragen Sie Verantwortung für Ihr Handeln!

4. Vertrauen: Seien Sie vertrauenswürdig und lernen Sie zu vertrauen!

5. Loyalität: Bekennen Sie sich zu Ihren Werten!

6. Wille: Verlieren Sie Ihr Ziel niemals aus den Augen!

7. Ausdauer: Verbessern Sie sich ständig selbst!

8. Beharrlichkeit: Analysieren Sie Ihre Fehler und lernen Sie aus ihnen!

9. Geduld: Machen Sie weiter, auch wenn Sie den Sinn noch nicht erkennen!

10. Mut: Überwinden Sie Ihre Angst!

Mein Fazit des Buches

Literaturverzeichnis

Weiterführende Literatur zum Thema Motivation

Weiterführende Literatur zum Thema Reflexe

Weiterführende Literatur zum Thema Angst

Tane Mahuta (the live giver) ist ungefähr 2.000 Jahre alt und Neuseelands größter noch lebender Kauri-Baum.

© Closeprotection.at

Das Ziel des Buches ist es, die Motivation zu steigern, die Gesundheit zu fördern, notwendiges Wissen zu vermitteln, die Trainingseinheiten zu definieren, um die Handlungsfähigkeit in Extremsituationen zu erhöhen, das Wohlbefinden und die Gesundheit zu fördern, um körperlichen und geistigen Schaden abzumildern und im bestem Fall zu verhindern sowie beruflich und privat erfolgreich zu sein.

Innere Stärke und Kraft sind bei diesem Inka deutlich zu spüren.

© Closeprotection.at

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER!

Zu Beginn möchte ich mich vorab bei meiner Lebenspartnerin Susanne bedanken, die mich über die Jahre ausgehalten hat, mich immer unterstützt hat und mir das Schreiben auch in schwierigen Situationen ermöglicht hat.

Mein mittlerweile drittes Buch ist wie die letzten beiden ein Sachbuch, gespickt mit sehr vielen Lebenserfahrungen von Freunden, Bekannten und natürlich von mir selbst.

Optimales Training ist das ideale Zusammenspiel zwischen Belastung und Erholung! Reflexe können trainiert werden! Ein Training ist nur so effektiv, wie der Trainierende es umsetzt. Gesundheit, Ehrlichkeit und Mut kann man nicht kaufen!

Die Idee zu meinem neuen Buch entstand einerseits aus Eigeninteresse, meinen unzählig selbst gemachten Erfahrungen und aufgrund des nachfolgenden Ereignisses. 2018 bekam ich einen Anruf von Johannes Gelich, einem Mitarbeiter von Ö1 (Österreichischer Radiosender), der beim Recherchieren in der österreichischen Nationalbibliothek auf mein erstes Buch Ich rette mich gestoßen ist, worin das Thema Adrenalin und dessen Auswirkungen unter Stress von mir beschrieben wurden. Ich schlug ihm vor, bei einem meiner Situationstrainings zum Thema „Selbstschutz in der Tiefgarage und im Wald (bei totaler Finsternis!)“ dabei zu sein. Daraus entstand ein, wie ich finde, sehr guter Beitrag mit praktischen Erfahrungen und wissenschaftlicher Expertise. Dieser Beitrag wurde im Format „Radio Kolleg von Ö1“ im Jänner 2019 ausgestrahlt.

Markus Schimpl

© Swen Gruber

Seit Anbeginn meines Wirkens im Sicherheitsbereich im Jahr 1991 hatte ich bereits über 300 Opfer als Teilnehmer bei meinen speziellen Trainings. Schreitraining wird allerdings nie in meinem Programm einen Platz finden. Warum? Weil die Stimme in einer Stresssituation leider meistens versagt. 90 % dieser Opfer haben in der An- und Übergriffssituation keinen Pieps herausgebracht. Manuell zu reagieren, ist dagegen möglich, um z. B. eine Technik zur Verteidigung einzusetzen oder ein Selbstverteidigungshilfsmittel zu benützen. Das Bauchgefühl sagt Ihnen genau, wann und wo mögliche Gefahren lauern, und vor allem hilft es, meist unbeschadet aus einer gefährlichen Situation zu entkommen. 85 % der teilnehmenden Opfer verließen sich nicht auf ihr Bauchgefühl. Auch einige dieser Erfahrungen werden hier ihren Niederschlag finden.

Handlungsfähig in Extremsituationen zu bleiben, bedingt meist ein spezielles Training im Voraus, wie aber auch Bespiele und wissenschaftliche Abhandlungen in diesem Buch zeigen werden. Oft reicht aber auch nur die mentale Beschäftigung mit einem Thema, um im richtigen Moment die richtige Handlung zu setzen und unbeschadet gefährliche Situationen zu meistern.

Als Trainer, Ausbilder, Sicherheitsberater und Personenschutzexperte kann ich auf eine umfangreiche nationale und internationale Einsatz- und Berufserfahrung zurückgreifen. Dazu zählen Einsätze in über 40 Ländern und auf mittlerweile 6 Kontinenten, überwiegend in Krisen- und Kriegsgebieten. Zudem war ich ein Jahrzehnt als Ausbilder beim österreichischen Jagdkommando SOF (Austrian Special Operation Forces) tätig. Ein sensibler Umgang mit Menschen und eine überdurchschnittliche Stressresistenz sehe ich als Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäfts- und Arbeitstätigkeit.

Ich versuche, im Trainingsbereich immer innovativ neue Wege zu gehen und diese relativ einfach und verständlich wissenschaftlich zu ergründen und darzustellen. Die faktische, praktische Erkenntnis und die Umsetzung daraus ist aber immer auch mit Lebenserfahrungen von mir oder anderen verknüpft, um ein reales Bild zu schaffen.

Ich bitte um Verständnis, dass ich aus Gründen der besseren Lesbarkeit das Gendern größtenteils unterlassen habe.

Andere zu kennen, bedeutet Weisheit; das Selbst zu erkennen, bedeutet Erleuchtung.

Andere zu meistern, erfordert Kraft; das Selbst zu meistern, erfordert Stärke.

Wer weiß, dass er genug besitzt, ist reich.

Ausdauer ist ein Zeichen von Willensstärke.

Wer da bleibt, wo er ist, hält durch.

Zu sterben, aber nicht zu vergehen, ist ewige Gegenwart.

Tao-Te-Ching (Lao-Tse)

VORWORTE

VON MAG. DR. HC. MARTIN VEIGL

weltweit aktiver Gesundheitstrainer und Tao Calligraphy Master Teacher

Selbststärkung und Prävention

Vieles verbindet Markus Schimpl und mein Wirken; auch wenn wir in unterschiedlichen Aufgabengebieten tätig sind, trifft sich unsere Arbeit in den so wichtigen Themen der Selbststärkung und der Prävention. Während mein Zugang die körperliche, mentale und seelische Gesundheit ist, hat sich Markus als der Experte im Bereich des Selbstschutzes etabliert.

Unzählige Kinder, aber auch Erwachsene konnten dank seiner Schulungen, Vorträge und Bücher bereits potenziell bedrohliche Situationen rechtzeitig erkennen, ihnen ausweichen oder aber auch ganz konkrete, einfache Selbstverteidigungstechniken anwenden, um sich aus der akuten Gefahr zu befreien.

Kennengelernt hatten wir uns Anfang 2000 in der Management Akademie eines führenden, europäischen Wirtschaftsberatungsunternehmens, wo mir vor allem die mentale Stärke, die Markus damals bereits hatte, sehr schnell aufgefallen ist. Auch sein innerer Wunsch, Menschen zu helfen, sich zu verbessern und weiterzukommen, war immer schon spürbar.

Besonders fasziniert waren wir beide, als wir als Bestandteil unserer damaligen Ausbildung im Top Management schließlich einen persönlichen Trainingstag mit echten Shaolin-Mönchen des legendären Songshan Shaolin Tempels aus der chinesischen Provinz Henan absolvieren durften. Erstmals konnten wir in die jahrtausendealten Geheimnisse des altehrwürdigen Shaolin Kung-Fu sowie in die von dort aus etablierten Energieübungen des Qi Gong eintauchen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kannte:

Zu erleben, welche Kraft von den erfahrensten Kung-Fu-Meistern, aber vor allem auch von den jüngsten Schülern in Extremsituationen abrufbar war, hat uns nachhaltig geprägt. Ebenso die tiefgehende Philosophie, woraus auch der Zen Buddhismus entstand, sowie auch die bis 2004 noch geheimen Lehren und Übungen des Shaolin Qi Gong sind auch heute noch Bestandteil meiner Dienstleistung. Beim abschließenden gemeinsamen Abendessen mit den Mönchen und den dortigen Gesprächen wurde uns immer mehr bewusst, dass es möglich war, ohne viel Kraftaufwand alles zu erreichen.

Nach einer sehr erfolgreichen Zeit in der Wirtschaftsberatung wuchs in uns immer mehr das Bewusstsein, dass unsere jeweilige Berufung nicht in der Finanzwelt, sondern in der Arbeit mit Menschen sein würde, und so entschieden wir uns auch jeder für sich, seine Herzensanliegen zum Hauptberuf zu machen. So wurden aus anfänglich vier, mittlerweile bereits mehr als 400 Schulen, in denen Markus sein wertvolles Wissen vermitteln konnte, um Kindern auf ihrem Lebensweg etwas Einmaliges mitzugeben, nämlich Strategien und praktische Anwendungen, wie schmerzhafte Erlebnisse erst gar nicht entstehen müssen.

Markus erzählte mir einmal, dass er schon im Alter von 15 Jahren wusste, dass er mit seinen Fähigkeiten etwas ganz Besonderes machen wollte, und so ist es heute umso schöner zu hören, wenn er von seinem Lebensauftrag zu erzählen beginnt, und zu spüren, „wie schön es ist, wieder einer Seele helfen zu können“.

Somit bin ich sehr dankbar, auch auf diesem Weg in diesem Buch etwas bei tragen zu dürfen, und freue mich schon sehr darauf, all das entstehen zu sehen, was hoffentlich noch vielen Menschen jeglichen Alters hilft, in ihre wahre Kraft zu kommen und daraus ein glücklicheres Leben zu führen – ganz im Sinne der bedeutsamen Werte des Shaolin Kung-Fu:

Das höchste Ziel des Shaolin Kung-Fu in der Kunst des Schwertkampfes ist es, auf das Schwert in der Hand zu verzichten.

Die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen.

Übertragen auf unser alltägliches Leben lässt sich somit überaus viel aus den altehrwürdigen, fernöstlichen Weisheiten lernen, worauf ich gerne in meinem Kapitel dieses Werkes eingehen möchte.

Möge dieses Buch vielen helfen, ein Leben mit mehr Leichtigkeit, Gesundheit, Sicherheit und Freude zu führen.

Alles Liebe,

Martin Veigl

VON JOHANNES HETFLEISCH

mit über 43 Dienstjahren einer der längstdienenden Ausbildungsleiter beim Jagdkommando, SOF (Austrian Special Operation Forces)

Jagdkommando-Sonnenaufgang in Kalifornien

© Closeprotection.at

Als mich Markus Schimpl anrief und fragte, ob ich für sein Buch „Handlungsfähig in Extremsituationen“ das Vorwort schreiben wollte, freute ich mich und sagte spontan zu. Mäx, wie er von uns Jagdkommando-Kameraden kurz genannt wird, hat sich in der Sicherheitsbranche in den letzten Jahren einen hervorragenden Namen mit seiner Firma Closeprotection.at Schimpl KG gemacht: einerseits durch seine Fachkonferenz in Unternehmenssicherheit und Personenschutz, Vorträge zum Thema Selbstschutz, Deeskalation und Krisenmanagement, aber auch durch seine permanent abgehaltenen altersspezifischen Selbstschutz- und Deeskalationstrainings für jedermann. Er ist auch immer wieder in diversen Fachzeitschriften mit Fachkommentaren zum Thema Selbstschutz, Deeskalation und Personenschutz zu finden. Nicht zu vergessen sind seine ersten beiden Bücher, wobei auch das Thema des vorliegenden Werkes sehr spannend ist.

Markus Schimpl absolvierte 1991 den Jagdkommandokurs und verblieb dann mehrere Jahre beim Verband. Unsere ersten Berührungen fanden beim Militärischen Nahkampf statt, aber auch bei der Überlebensausbildung und beim Winterkampf sowie später beim Personenschutz lernten wir uns näher kennen und schätzen. Diese Kameradschaft ist bis heute erhalten geblieben und daher ehrt es mich, diese Worte schreiben zu dürfen.

Seine „Dienstliche Basis“ (Fernspäher, Rettungsschwimmlehrer, Sportausbilder, Freifall- Fallschirmspringer – auch Demo Team –, Nahkampfausbilder uvm.) haben zu seiner Vielseitigkeit beigetragen. Und diese trägt jetzt in seinen jetzigen Tätigkeiten im zivilen Bereich Früchte!

Alpinspringen beim Jagdkommando

© Bundesheer, CC BY-NC-SA 2.0 DEED

Markus Schimpl und Franz Müllner auf der Tour „7 Kontinente – 7 Weltrekorde“

© Closeprotection.at

Nicht zu vergessen die Koordination, Sicherheitsberatung und Planung von „7 Kontinente – 7 Weltrekorde“ mit seinem Buddy Franz Müllner, wobei die Weltrekorde auf vier Kontinenten bereits gefallen sind und die restlichen drei mit Sicherheit folgen werden (siehe auch diverse Pressemeldungen).

Markus, bleib so, wie du bist, und verrichte deine Tätigkeiten weiterhin mit derselben Hingabe wie bisher.

Johannes Hetfleisch

Einsteigen in den Hubschrauber

© Bundesheer, CC BY-NC-SA 2.0 DEED

ALLGEMEINE DEFINITIONEN

MOTIVATION

Die Motivation ist eine unsichtbare Triebfeder unseres Handelns, also der Beweggrund für das Verhalten des Einzelnen. Sie steuert Richtung, Dauer und Intensität unseres Verhaltens und ist abhängig von aktuellen Anreizen und Bedürfnissen, aber auch von Zielen und Konsequenzen, die wir uns später erhoffen. Langfristige Ziele stehen dabei mit momentanen Bedürfnissen immer wieder in Konkurrenz.

Die Energie der starken Bäume vereinfacht die Umsetzung der großen Ziele.

© Closeprotection.at

Grafik: © Werbeagentur Rypka

Zusammenhang zwischen Anreiz und Bedürfnissen ist (nach den Modellen von Maslow, McClelland und Alderfer) der so genannte „Ist-Zustand“.

Menschen haben ganz unterschiedliche, meist auch widersprüchliche Bedürfnisse:

1. Kultur-Bedürfnisse › Selbstverwirklichung, Transzendenz …

2. Individual-Bedürfnisse › Anerkennung, Geltungsbedürfnis …

3. Soziale Bedürfnisse › Integration, Kommunikation, Beziehungen, Familie …

4. Bedürfnisse nach Sicherheit › körperliche Sicherheit, Versorgungssicherheit …

5. Physiologische (körperliche) Grundbedürfnisse › Atem, Trinken, Schlaf, Nahrung …

BEDÜRFNISPYRAMIDE NACH MASLOW

Bedürfnispyramide nach Maslow

Grafik: Werbeagentur Rypka nach © LMU Dozent Medizin, CC BY-SA 3.0

Grafik: Werbeagentur Rypka, nach Quelle: https://somiha.so.ch/einsetzenfuehren/fuehrung/motivation/

Damit ein Motiv handlungssteuernd wird, muss sich eine Person in einer Situation befinden, die das Bedürfnis unterstützt.

Dabei kann die Situation selbst einen Anreiz geben, z. B. indem sie das Bedürfnis

auslöst,

verstärkt.

Motivation und damit auch Verhalten ist immer ein Zusammenspiel von Person und Situation.

Man ist nie verantwortlich für die Motivation von anderen, aber sehr wohl kann man Einfluss nehmen, indem man die dementsprechenden Anreize setzt!

Anreize können in der Tätigkeit (intrinsische Motivation) selbst oder außerhalb der Tätigkeit (extrinsische Motivation) liegen.

Bei intrinsischer Motivation tut man etwas zum Selbstzweck, oder weil es Freude bereitet, Befriedigung gibt, Spaß macht, sinnvoll ist … Bei der extrinsischen Motivation tut man etwas, weil man sich Anerkennung oder soziale Kontakte verspricht oder eben als Mittel zum Zweck oder aber, damit etwa ein unangenehmer Druck wegfällt …

Aber intrinsische und extrinsische Faktoren lassen sich nicht einfach zusammenzählen! Also je mehr vom einen vorhanden ist, umso weniger vom anderen. Vorsicht! Eine aktuell bestehende innere Motivation kann durch eine äußere verdrängt werden, aber auch die Kompensation ist möglich. Langweilige, wiederkehrende, monotone Routinearbeiten können durch Aussicht auf eine Belohnung (extrinsische Motivation) z. B. wieder attraktiver gemacht werden.

Grafik: Werbeagentur Rypka, nach Quelle: https://karrierebibel.de/intrinsische-motivation/

Wie wirken Konsequenzen und Ziele motivierend? Der „Soll-Zustand“

Ob mehr Gehalt, Zugehörigkeit, mehr Einfluss etc. motivieren, hängt nicht nur davon ab, ob sie einem etwas bedeuten (subjektiver Wert), sondern auch davon, wie man die Erfolgsaussichten einschätzt.

Ist das angestrebte Ziel (z. B. der berufliche Aufstieg) durch das eigene Verhalten (z. B. die gute Leistung) auch tatsächlich zu erreichen (Erwartung)? Oder spielen unbeeinflussbare Faktoren bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle (z. B. persönliche Beziehungen oder Geschlecht)?

7 Kontinente – 7 Weltrekorde, Ziehen von drei Zugmaschinen

© Closeprotection.at

Um sich selbst oder andere motivieren zu können, muss der Motivierende die Motive und die individuellen Möglichkeiten des Einzelnen kennen.

Zur Selbst- wie auch zur Mitarbeitermotivation müssen Vorgesetzte also wissen, was ihnen bzw. ihren Mitarbeitenden wichtig ist und ob bzw. wie und womit dies auch erreicht werden kann.

Wann sind Ziele motivierend:

wenn man sich mit dem Ziel/den Zielen identifiziert. Bei selbstgefassten Zielen und die Selbstverantwortung der Zielerreichung erhöht sich die Motivation um ein Vielfaches.

wenn man im Zielerreichungsprozess durchgehend Feedbacks des Fortkommens erhält.

wenn Ziele ambitiös formuliert (spezifisch, messbar, aber realistisch sind).

VROOMS ERWARTUNGSTHEORIE

Grafik: Werbeagentur Rypka, nach Quelle: https://sanzubusinesstraining.com/vrooms-expectancy-theory/setzen!

Merke

Der Begriff Motivation beschreibt das Bestreben, einen Ist-Zustand hin zu einem bestimmten Soll-Zustand zu verändern. Motivation ist also die Kraft, die uns antreibt, bestimmte Dinge zu tun!

Einige Beispiele von mir zur Selbst- und Fremdmotivation

Beispiel 1

Als ich bei einer meiner Auslandsmissionen war, wollte ich mein tägliches Training absolvieren. Ich wusste in der Früh sehr selten, wie mein Tag verlaufen würde. Ich war zwar der Kommandant der Spezialtruppe, aber das machte auch keinen Unterschied. Es war sehr schwer, täglich um 04:30 Uhr aufzustehen und in die Kraftkammer zu gehen, aber das positive Gefühl, etwas getan zu haben, die Vorfreude nach dem Training auf das Frühstück sowie der Kaffee am Morgen motivierten einen Morgenmuffel wie mich, dies zu tun. Ich finde, sich selbst zu motivieren, ist immer das Schwierigste. Je älter ich werde, desto schwieriger wird es, mich selbst zu motivieren. Als ich vor Kurzem mit meiner Australischen Cousine Anna telefonierte, bestätigte sie mir auch, je älter sie wird, desto schwie riger wird es, sich selbst zu motivieren. Es ist aber wichtig, sich immer neue Ziele zu suchen und sich dadurch selbst überhaupt motivieren zu können.

Beispiel 2

Ich bin derzeit mit meinem Freund und Ausnahme-Strongman Franz Müllner auf seiner Tour „7 Weltrekorde – 7 Kontinente“ unterwegs, dabei spielt die Eigen- und Fremdmotivation eine entscheidende Rolle. Wie oben wissenschaftlich begründet, musste ich von dem zu motivierenden Probanden die Ziele und Motive kennen, um diesen überhaupt motivieren zu können. Beim ersten Kontinent Südamerika war es noch relativ einfach, weil wir wussten, dass auf dieser Seehöhe (2.780 m) noch nie jemand einen Zug gezogen hatte. Nichtsdestotrotz musste Franz diese 81 Tonnen mit vermindertem Sauerstoff erst einmal bewegen. Was ihm auch gelang – schlussendlich bewegte er den Zug (jeder der drei Waggons war eine Lokomotive) mit einem Gesamtgewicht von 81 Tonnen 10 Meter und 60 Zentimeter.

Ich musste Franz sogar bremsen, da diese Anstrengung natürlich auf dieser Seehöhe gesundheitlich weit gefährlicher ist als im Tal. Bei Kontinent zwei in Holland musste ich Franz weit über seine Komfortzone hinaus motivieren. Ausgangslage war das Brechen seines eigenen Rekordes – Ziehen von drei LKW-Zugmaschinen über eine Strecke von 20 Metern unter 59 Sekunden. In Wien, wo er den Rekord aufgestellt hatte, bestand die Straße aus feinkörnigem Asphalt und es hatte ca. 20 Grad Celsius Lufttemperatur. In Holland dagegen aber hatte es eine Außentemperatur von über 30 Grad Celsius und der Asphalt war grobkörnig, was bekanntlich mehr Reibungswiderstand bedeutet. Es waren einige hundert Zuschauer anwesend. Die ersten beiden Versuche schlugen fehl. Niemand außer Franz und ich glaubte noch daran, dass er seinen eigenen Weltrekord brechen wird können. Erschwerend kam noch hinzu, dass es nahezu unsichtbare Mulden gab, durch die die LKW-Zugmaschinen quasi durchgezogen werden mussten.

7 Kontinente – 7 Weltrekorde Ollantaytambo, Peru

© Closeprotection.at

Ich sprach nochmal mit Franz und sagte zu ihm, dass ich die Seile zwischen den LKW-Zugmaschinen marginal verlängern würde, damit wir ein anderes, besseres Momentum bekamen, und sagte ihm: „Du schaffst das bestimmt.“ Nun startete der dritte Versuch und ich rief ihm exakt die noch benötigten Meter zu: am Anfang alle fünf Meter und die letzten fünf Meter meterweise, bis er die 20-Meter-Linie überschritt und zusammenbrach. Er war weit über seine Komfortzone gegangen, wie er mir später noch bestätigte. Mit Abstand einer der schwersten Weltrekorde, wenn nicht sogar der schwerste bis zu diesem Zeitpunkt – und ohne mich als Motivator hätte es nicht funktioniert.

7 Kontinente – 7 Weltrekorde, Holland

© Closeprotection.at

Beispiel 3

Auch in Australien bei Kontinent 4 war es wieder wichtig zu motivieren. Das Vertrauen in den Motivator und in sich selbst ist dabei entscheidend. Unsere Idee war, einen Tanklastwagen mit einem Helipad (Helikopterlandeplatz) zu ziehen, währenddessen der Helikopter darauf landet. Franz probte nur einen Tag davor. Das Ziehen des Tanklastwagens, der 30 Tonnen hatte, funktionierte relativ gut. Franz hatte das nun im Kopf verankert, dass es klappen würde, allerdings noch ohne Helikopter und an dieser Stelle des Flugplatzes. Er schlief hervorragend, weil er wusste, dass es klappen würde. Wir trafen uns am nächsten Morgen mit der Crew von Meridian Helicopter, wie abgemacht, um 08:00 Uhr am Flugplatz an der Sunshine Coast in Queensland Australien. Die Außentemperatur lag bei 28 Grad Celsius. Nun bereiteten wir alles vor und waren soweit fertig. Der Tower gab aber keine Freigabe, weil der Ort, den wir gewählt hatten, zu nahe am Hangar war. Nun mussten wir den Standort verlegen, an einen Ort, wo wir nicht wussten, ob die Landebahn eben war oder bergauf oder bergab führte. Es war, wie wir im Nachhinein herausfanden, einige Promille ansteigend, also musste Franz den Truck plus Helikopter leicht bergauf ziehen. Er war nun gezwungen, diesen Tanklastwagen an einer Stelle zu ziehen, von der er nicht wusste, ob es klappen würde oder nicht. Er ist und war immer frei im Gedanken und „geht‘s nicht, gibt‘s nicht“ bei ihm. So motivierte er sich selbst. Alles wurde wieder vorbereitet. Wir sprachen in aller Ruhe den Ablauf durch. Franz wärmte sich auf und sagte mir drei Minuten vor Ende seines Aufwärmrituals Bescheid – die Zeit, die der Helikopterpilot zum Starten benötigte, um in der Luft zu sein und den Landevorgang zu starten. Diese Koordination war wichtig, um das nur einige Sekunden große richtige Zeitfenster zu erwischen, damit der Helikopter auch in der Zeit, wo Franz den Tanklastwagen zog, am Helipad landen würde. Ich gab dem Piloten das Zeichen, er bereitete den Helikopter vor und flog in die Warteposition. Als Franz fertig war, begann er, den Tanklastwagen zu bewegen. Ich gab dem Piloten das Zeichen und er begann mit dem Landeanflug, welcher ca. 20 Sekunden dauerte, bis er am Helipad aufsetzte und Franz den Truck plus Helikopter bewegen konnte. Der erste Versuch endete bei 2,8 Metern. Franz war nicht zufrieden und sagte: „Wir versuchen es nochmal.“ Obwohl er und ich gemerkt hatten, dass es bergauf ging, versuchten wir es an der gleichen Stelle nochmal. Nun kam ich ins Spiel als Fremdmotivator in Form von Wissensvermittlung und Ablaufbesprechung. Ich zeigte Franz das Videomaterial des ersten Versuches, wir sprachen alles nochmal in Ruhe durch und veränderten noch ein paar marginale Dinge, die mir aufgefallen waren. Der Versuch musste umgehend stattfinden, da Franz’ Muskeln sonst ausgekühlt wären und es dann nicht mehr funktioniert hätte. Ich gab dem Hubschrauberpiloten abermals das Zeichen zum Start. Dieser Ablauf war der gleiche wie beim ersten Mal, der Hubschrauber landete, während Franz den Tanklastwagen zog, am Helipad. Diesmal waren es 4 Meter und 85 Zentimeter und damit neuer Weltrekord.

7 Kontinente – 7 Weltrekorde, Australien

© Closeprotection.at

7 Kontinente – 7 Weltrekorde, Australien, Meridian Helicopter

© Closeprotection.at

Nun sein 56., aber ein Rekord, den es noch nie gab. Kontinent 4 war somit abgehakt. Bei der Nachbesprechung sagten uns Goeff, der Pilot und Besitzer der Helikopterfirma Meridian Helicopters, dass der Helikopter beim Abheben vom Helipad beim so genannten Upwash doppelt so schwer wäre und beim Landen, so wie es beim Weltrekord von Franz der Fall war, dem sogenannten Downwash, sich das Gewicht des Helikopters verfünffachen würde. Betrachtet man hier das Gewicht, bewegte Franz 30 Tonnen Tanklastwagen und 2,2 Tonnen Helikopter, der zu 80 % betankt war, also alles in allem 32,2 Tonnen.

Wenn man jetzt den Downwash dazu rechnet, wären es 41 Tonnen. Eine wirklich außergewöhnliche Leistung!

Fazit

Haben Sie keine Ziele, werden Sie auch Schwierigkeiten haben, Ihre Motivation zu finden.

Finden Sie selbst heraus, was Ihre Lebensaufgabe ist und wie Sie sie erreichen können.

Finden Sie vor allem heraus, wie Sie sich selbst oder wie andere Sie motivieren können, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Finden Sie Ihre Motive und legen Sie sich Belohnungen zurecht, um die nötige Motivation zu haben, Ihre gestellten Ziele zu erreichen.

Fragen Sie sich immer und immer wieder, was Sie im Leben wollen, und setzen Sie Ihre Ziele so, dass Sie diese auch erreichen können, oder versuchen Sie, diese zu erreichen, oder/und adaptieren Sie diese gegebenenfalls.

Die Motivation, speziell die Selbstmotivation, ist entscheidend für ein gesundes und erfolgreiches Leben.

Etwas selbst zu schaffen, obwohl andere sagen, es geht nicht, hat mich schon immer motiviert.

Ich bin Schachspieler, deshalb ist es für mich leichter, fünf Züge vorauszudenken. Was eher ein Vor- als ein Nachteil ist.

Die Fokussierung auf Ziele ist wichtig.

Aber es kann auch passieren, dass der Weg das Ziel ist.

Flexibilität im Kopf vermeidet Stress. Man macht sich oft selbst das Leben schwer und setzt sich Grenzen, die gar nicht da sind. Ich würde nicht sagen, alles ist möglich, aber doch überwiegend viel.

STRESS

Als Stress bezeichnet man eine psychophysische Alarmreaktion, die sich als gesteigerte Aktivität des vegetativen Nervensystems und der endokrinen Organe äußert. Diese Organsysteme führen zur erhöhten Katecholaminausschüttung (Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin), zu erhöhtem Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz und anderen physiologischen Veränderungen.

Situationstraining zum Selbstschutz in einer Tiefgarage

© Closeprotection.at

Stress ist also ein intensiver, unangenehmer Zustand, der langfristig negative Wirkungen auf die Produktivität, Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen haben kann, wodurch er meist negativ assoziiert wird. Er ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Spannung, Druck oder Veränderungen.

Es ist wichtig, zwischen Herausforderung und Stress zu unterscheiden. Herausforderung kann als Motivation funktionieren und ist deutlich anders zu bewerten als Stress. Eine gewisse Dosis an Stress/Eustress kann das Leben aber interessanter und weniger langweilig machen. Diese Form von Stress kann durchaus positiv empfunden werden, obwohl sie den Organismus belastet, man sagt umgangssprachlich auch positiver Stress dazu, während Distress als negativer Stress bezeichnet wird. Zu viel Stress wiederum kann schädlich sein und gesundheitliche Probleme verursachen. Es ist entscheidend, Stresssymptome zu erkennen, um, wenn nötig, Handlungen gegen schädlichen Stress/Distress setzen zu können.

Stressminimierung kann nur geschehen, wenn die Ursache von schädlichen Stress (Distress) festgestellt werden kann. Diese können aber sehr vielfältig und bei jedem Menschen anders gelagert sein. Je mehr Stressoren (Faktoren, die Stress auslösen können) zusammenkommen, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung von Stress.

Messerangriff im Park

© Swen Gruber

Adrenalin und Auswirkungen von Adrenalin in Stresssituationen1

Adrenalin oder Epinephrin ist ein im Nebennierenmark gebildetes und ins Blut ausgeschüttetes Stresshormon. Als solches verursacht Adrenalin eine Herzfrequenzsteigerung, einen Blutdruckanstieg, eine Bronchienerweiterung, eine schnelle Energiebereitstellung durch Fettabbau (Lipolyse) sowie die Freisetzung und Biosynthese von Glukose und reguliert dadurch die Durchblutung (Zentralisierung).

Mobilisierung von Energiereserven

Jeder Mensch verspürt bei Bedrohung instinktiv Angst. Adrenalin kann ein positiver oder auch negativer Faktor sein. Das hängt unmittelbar mit der Persönlichkeit eines Menschen zusammen. Die größten Angstfaktoren sind Angst vor Schmerz und Angst vor Verletzungen. Eine offensive Geisteshaltung ist, Angst zu erkennen, mit ihr umzugehen und sie zu überwinden.

Selbstverteidigung sollte durch ein blitzschnelles Handeln und das Nutzen des Überraschungseffektes gekennzeichnet sein.

Zwei Reaktionen können hervorgerufen werden: Durch eine entsprechende Reaktion auf einen Angriff oder Übergriff mit nahezu übermenschlichen Kräften entgegenzuwirken oder durch Flucht. Das Erstarren durch Furcht stellt eine Ausnahmesituation des Fluchtinstinktes dar. Durch ein praxisnahes, einsatzbezogenes und wiederholtes Training wird versucht, die Wahrscheinlichkeit des Erstarrens auf ein Minimum zu senken. Dies erfordert jedoch ein ständiges Training, vergleichbar mit einer Erste-Hilfe-Ausbildung. Nach zu langer Nichtanwendung von Erste-Hilfe-Techniken oder auch Selbstverteidigungstechniken wird die effektive Umsetzung im Ernstfall nur schwer bzw. gar nicht mehr möglich sein. Als Spezialist in Sachen Selbstschutz leite ich Selbstbehauptungs- und Präventionskurse in ganz Österreich und lehre Erwachsene und Kinder den richtigen Umgang mit Gefahrensituationen. Mit meinen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern suche ich Orte auf, an denen potentielle Täter ihren Opfern auflauern könnten. Dazu gehören Tiefgaragen ebenso wie abgelegene Landstraßen und Waldstücke.

Durch realitätsnahe Übungen werden die Teilnehmer der Kurse in simulierte Gefahrensituationen geführt. Adrenalin ist hier ein ständiger Begleiter.

„Durch Adrenalin bemerken wir vielleicht andere Kleinigkeiten, die man vorher nicht so bemerkt hätte.“ (Aussage einer Kursteilnehmerin bei einem Situationstraining Selbstschutz zum Thema Adrenalin)

Situationstraining zu Selbstverteidigung

© Swen Gruber

In solchen Stresssituationen reagiert unser Nervensystem sofort und gibt einen Impuls an die Amygdala, das sind die Mandelkerne im Hirnstamm. Es wird umgehend geprüft, ob so eine Situation schon einmal da gewesen ist, es folgt ein Signal an die Atmung, an das Herz und wir spüren eine leichte Aufregung und ein ungutes Gefühl.

Adrenalin versetzt bei Gefahr die inneren Organe in maximale Einsatzbereitschaft. Aus der Entwicklung der Menschheit heraus ist es primär auf Kampf oder Flucht ausgelegt. Der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen und der Muskeltonus wird aktiviert. Die Durchblutung und die Tätigkeit vom Verdauungstrakt werden hinunterreguliert, nun geht alles in Richtung maximale Einsatzfähigkeit des Körpers.

Wie wichtig Adrenalin für die Mobilisierung sämtlicher Energiereserven ist, beweist auch der Einsatz des Stresshormons in der Notfallmedizin. Das Hormon wird bei Herzstillstand intravenös verabreicht und bewirkt im besten Fall die Rückkehr der Spontanzirkulation. Im Falle eines anaphylaktischen Schocks verhindert das Adrenalin die lebensbedrohlichen Symptome.

Ein ebenso wichtiges Stresshormon, das auf die Ausschüttung von Adrenalin folgt, ist Kortisol. Anders als Adrenalin wird es nicht im Nebennierenmark, sondern in der Nebennierenrinde gebildet. Es ist dafür verantwortlich, Energie in Form von Zucker bereitzustellen.

In einer Zeit, in der Begriffe, wie Stress, Burn-out und Work-Life-Balance, in aller Munde sind, scheint das Bewusstsein über die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Stress bereits Allgemeinwissen zu sein.

Der Dauerstress verursacht zu viel Katecholamine, also Adrenalin, Noradrenalin (und Dopamin), aber auch Kortisol, welches zu einer Beeinträchtigung des Zuckerstoffwechsels führt. Die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sind der schnellere Puls, der höhere Blutdruck, dies führt zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf beim Herzmuskel, was das Risiko für Herzinfarkt, aber auch für Herzrhythmusstörungen erhöht. Es ist aber generell schlecht für die Gefäße: Dauerstress über Jahre, negatives Essverhalten, Zigarettenkonsum und Alkohol führen zur Gefahr von Organschäden.

Der menschliche Körper ist faszinierend und hält so einen Überdruck jahrelang aus, aber irgendwann kommen die Symptome, ob Herzinfarkt, Krebs oder psychische Störungen. Dies tritt dann plötzlich auf, weil der Körper nicht mehr in der Lage ist, den andauernden Stress zu verarbeiten.