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Thomas Michael Glaw

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Beschreibung

Die Adventszeit in München beginnt mit einem Mord. Kriminalrat Benedict Schönheit, bei der Münchner Kriminalpolizei für Gewaltverbrechen zuständig, wird in aller Frühe zu einem Tatort gerufen: Sein Bruder, Pfarrer in einer Schwabinger Kirche, hat im Pfarrgarten eine Leiche gefunden. Zu diesem Fall, der Benedict in der Obdachlosenszene und im Drogenhandel ermitteln lässt, kommt noch ein zweites Verbrechen: eine wertvolle Figur wird aus der derselben Kirche entwendet. Die Neuauflage ist um die Erzählung „Weihnachten bei Kriminalrat Schönheit“ ergänzt, in der es ausnahmsweise einmal nicht um Mord geht.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Thomas Michael Glaw

Hanna

Benedict Schönheits erster Fall

Mit der Kurzgeschichte Weihnachten bei Kriminalrat Schönheit

Wie immer für Doro

Lektorat: Ulrike Parnow

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar

1. Auflage

Lubahn + Glaw Verlag GbR – Mediathoughts

Copyright 2022 Lubahn + Glaw Verlag GbR – Mediathoughts

ISBN: 978-3-947724-37-6

Inhalt

Hanna oder das Maß aller Dinge 5;

Ein Espresso geht immerWeihnachten mit Kriminalrat Schönheit 150

Hanna oder das Maß aller Dinge

Benedict Schönheits erster Fall

Monsignore Jean-Baptiste Schönheit hat eine Leiche im Pfarrgarten und ein Christkind zu wenig in der Sakristei

Hanna Fliegel trägt eine für Obdachlose ungewöhnlich modische Jacke und ist tot

Kriminaloberrat Robert Theiss braucht Ergebnisse, um seinen aufhaltsamen Aufstieg zu befördern

Martina Beinhauser wollte eigentlich gar keinen Knüller schreiben

Monika Ernst hat sich einst wegen eines Mannes weggeworfen

Eva-Maria Meerkatz, MdL erregt sich aus Gründen, die nicht nur politischer Natur sind

Paul Lobensteiner und Georg Schmallenberg verkaufen Informationen für Leberkässemmeln

und Kriminalrat Benedict Schönheit sitzt sein Chef im Nacken und ein Kinderwagen fährt ihm immer wieder davon.

1.

Es war grau. Es nieselte. Viele kleine Tropfen vereinigten sich an meinem Schlafzimmerfenster zu größeren. Warum war ich schon so früh wach geworden? Keine Ahnung. Die Glocken der nahen Kirche war ich eigentlich gewöhnt, und zur halben Stunde waren es nur zwei Schläge. Trotzdem war halb sieben eindeutig zu früh.

Die warme Bettdecke gab eigenartige Geräusche von sich, als ich sie mir bis zum Kinn zog.

Meine Gedanken schweiften ab. Es war Montag. Um halb elf war die übliche Dienstbesprechung mit dem Chef. Ich habe nie verstanden, warum er darauf bestand, diesen Termin, den er von seinem Vorgänger vor vielen Jahren übernommen hatte, aufrecht zu erhalten. In unserer schnelllebigen Zeit zogen sich Ermittlungen nicht mehr über so lange Zeit hin. Mich hielten diese Konferenzen eher davon ab, meine eigenen Wege zu gehen.

Ich hatte mir durch einige Erfolge in der Vergangenheit den Ruf des, wohlgemerkt erfolgreichen, Einzelgängers erworben. Das bringt zwar einen gewissen Freiraum, aber eben auch Neider. Mein Vater hielt es für einen Witz, dass sich sein Jüngster nach dem abgeschlossenen Jurastudium dem Polizistenberuf zuwandte. Er mochte schon das Jurastudium nicht, es war ein Kompromiss gewesen. Ich hätte lieber Philosophie studiert, er wollte die ärztliche Tradition in der Familie fortgesetzt sehen, nachdem, um mit seinen Worten zu sprechen, schon mein Bruder und meine Schwester ›aus der Art geschlagen waren‹. Jura war zumindest der Garant ›für einen anständigen Beruf‹. Und jetzt das: Kriminalrat bei der Mordkommission.

Eigentlich war es eine Laune. Irgendwie wollte ich etwas Ordnung in mein Leben bringen. Ich fand die Ermittlungsarbeit von Anfang an leicht; ich kann mich gut in Menschen hineinversetzen und füge gerne Einzelbeobachtungen zu einem logischen Ganzen zusammen.

Aber warum erzähle ich das eigentlich?

Ein grauer, dunkler Morgen … ich erinnerte mich: Der Morgen vor einem Jahr war genauso grau, nur kälter. Es war eine merkwürdige Geschichte, die mich durch den letzten Advent begleitete. Sie begann an einem Montag, und das Handy musste genau um diese Zeit geläutet haben.

»Schönheit«, hatte ich gemurmelt.

Doch, ich heiße wirklich so, kein Witz. Benedict Schönheit.

»Bist du es, Bene?«

So konnte eigentlich nur mein Bruder fragen.

»Und wer sollte sonst in aller Herrgottsfrüh an mein Handy gehen? Brauchst du einen Messdiener für die Frühmesse? Vergiss es! Schau lieber mal auf die Uhr.«

»Bene, du musst sofort rüberkommen, es ist etwas passiert.«

Mein Bruder hatte Theologie studiert und, um mit Vater zu sprechen, es zumindest zu etwas gebracht. Als päpstlicher Ehrenkaplan durfte er sich ›Monsignore‹ nennen und tat das auch mit großem Vergnügen. Aber Eitelkeit ist ja eine lässliche Sünde. Er war zurzeit Leiter einer Pfarrei in München Schwabing, wo auch ich lebe.

»Haben sie dir wieder Rosenstöcke aus dem Garten geklaut, oder ist gar jemand in deinen Weinkeller eingestiegen und hat sich des Zweiundachtzigers bemächtigt?« Ich fand es schwer, die Ironie im Zaum zu halten, wenn ich der Probleme meines Bruders gedachte. »Ich kann dir die Telefonnummer der Polizeiinspektion 13 geben, die Kollegen kommen sicher gerne vorbei.«

»Benedict.«

»Ja?«

»Wir haben eine Leiche.«

»Im Keller? Das erstaunt mich nicht. Du arbeitest doch für die Kirche...«

»Hör endlich zu! Wir haben eine tote Frau im Garten liegen.«

»Und warum rufst du nicht die Polizei?«

»Du bist die Polizei, du Depp! Und ich brauche jetzt wirklich deine Hilfe. Das Letzte, was ich brauche, ist das große Tatütata. Komm bitte rüber.«

»Ernsthaft?«

»Ja, ganz ernsthaft. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll. Die Frau sieht aus wie eine Pennerin und ist eindeutig tot.«

»Eine Obdachlose, wolltest du sagen. Und woher weißt du, dass sie tot ist?«

»Weil sie sich nicht rührt und eiskalt ist.«

»Vielleicht ist sie erfroren?«

»Benedict, bitte, komm einfach her.«

»Schon unterwegs.«

2.

Manchmal hätte ich wirklich gerne ein Auto. An diesem Morgen zum Beispiel. Andererseits mochte ich meinen Drahtesel, man kam damit in München schnell voran, und für Notfälle und ganz schlechtes Wetter gab es immer noch Taxis oder den Dienst-BMW.

Eingehüllt in zwei Pullover und mit Baskenmütze auf dem Kopf, war ich die Feilitzschstraße runter geschossen und kam kurz nach sieben in Sankt Ursula an. Mein Bruder ging vor der Feuerwehrzufahrt auf und ab und rauchte eine Zigarette. Wo er die wohl geschnorrt hatte? Wenn ich mich richtig erinnerte, versuchte er gerade zum siebten Mal, sich das Rauchen abzugewöhnen.

»Guten Morgen, Jean-Baptiste.«

Die französischen Vornamen waren die Idee unserer Mutter gewesen; sie stammt aus dem Elsass. Benedict, Jean-Baptiste und Marie Claire. Außerdem waren sie schön katholisch.

»Salve, Bene. Danke, dass du so schnell gekommen bist.«

Wir gingen in den kleinen Garten, der zwischen Pfarrhaus und Kirche lag und in dem mein Bruder tatsächlich versuchte, in einer Ecke Rosen und Küchenkräuter zu züchten. An einer Wand des Pfarrhauses, von der Straße aus nicht einzusehen, lehnte der Körper einer Frau. Sie saß auf einem Mauervorsprung, an die Wand eines kleinen Erkers geneigt. Über einer braunen Cordhose, die ihr fast zu groß war, trug sie einen beigen Strickpullover und eine senfgelbe Jacke, deren Farbe schon fast wieder dem Geschmack der Saison entsprach.

Auf dem Rasen in Hausnähe waren keine Spuren zu erkennen, trotzdem näherte ich mich vorsichtig entlang der Hauswand und fühlte ihren Puls. Es gab keinen, ihre Haut war kalt, die Lippen aschfarben, ihre Augen waren geschlossen. Zu meinem großen Erstaunen hing der leichte Duft eines Parfums in der Luft; ich hatte eher den Geruch von Schweiß und Unsauberkeit erwartet; bisweilen wird man zum Opfer seiner eigenen Vorurteile. Ich stand auf und ging zwei Schritte auf Jean-Baptiste zu.

»Und?«

»Tot. Aber das wusstest du ja schon. Woher weißt du eigentlich, dass es eine Obdachlose ist?«

»Ich habe sie ein paar Mal hier gesehen, oft in Begleitung einer anderen Frau. Sie haben immer einen Kinderwagen dabei.«

»Habt ihr hier viele Obdachlose?«

»Im Sommer mehr als im Winter; dann sitzen oder liegen sie meist auf den Bänken vor der Kirche. Gerade die älteren Gemeindemitglieder haben sich schon darüber aufgeregt - aber wo sollen diese Leute denn hin?«

»Und wie ist sie in den Garten hineingekommen?«

»Gute Frage, Bene. Wir hatten gestern eine feuerpolizeiliche Begehung, und vielleicht hat man vergessen, das Tor abzusperren.«

»Wieso warst du eigentlich schon so früh unterwegs?«

»Mir gingen ein paar Sachen im Kopf herum, ich konnte nicht schlafen, und als ich aus dem Fenster schaute, sah ich sie da sitzen.«

»Ich werde jetzt die Truppen informieren. Tut mir leid, Jean, aber das lässt sich nicht vermeiden. Wir machen es ohne großen Lärm, versprochen.«

Innerhalb von zwanzig Minuten waren die Kollegen vom Kriminaldauerdienst da, die Spurensicherung und der diensthabende Rechtsmediziner. Nach einer kurzen Weile kam er zu Jean-Baptiste und mir herüber und fragte: »Herr Schönheit?«

Als wir uns beide umdrehten, war er im ersten Moment erstaunt, aber ich stellte das schnell klar: »Mein Bruder Jean-Baptiste, der Pfarrer von Sankt Ursula.«

Dr. Orthuber unterrichtete uns und die Kollegen, die dazu getreten waren, dass die Tote vermutlich zwischen zwei und drei Uhr nachts verstorben sei.

»Und?«

»Tot durch Gewalteinwirkung, man hat ihr den Schädel eingeschlagen.«

Ich hätte fast gelächelt. Üblicherweise sprachen unsere Rechtsmediziner immer von stumpfer Gewalteinwirkung, aber Orthuber war schon zu lange im Geschäft, um sich hinter solchen Phrasen zu verstecken.

»Warum hat man kein Blut gesehen?«

»Das dürfen Sie eher die Damen und Herren von der Spurensicherung fragen. Ich denke, sie wurde nicht hier umgebracht. Man hat ihr mit einem kantigen Gegenstand mit großer Wucht auf den Hinterkopf geschlagen.«

»Einen Unfall schließen Sie aus?«

Er lächelte müde. »Sofern Sie nicht dort, wo sie lag, noch eine scharfe Kante auftun, die mir entgangen ist, ja. Was am eigentlichen Tatort passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis.«

»Vielen Dank, Herr Doktor.«

»Meinen Bericht bekommen Sie im Verlauf der nächsten Tage.«

»Bitte so schnell …«

Er vollendete meinen Satz, »… wie möglich. Ich weiß.«

Die Kollegen vom Kriminaldauerdienst schauten mich an. Ich war mir nie sicher, ob ein gewisser Respekt in ihren Blicken lag oder ob sie einfach den als etwas sonderlich geltenden Kriminalrat in Pullover und Baskenmütze betrachteten.

»Ich denke, das ist eine Sache für das K11. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie hier die Stellung halten könnten, bis die Kollegen eintreffen.«

»Geht klar, Herr Kriminalrat.«

Ich wandte mich zum Gehen.

»Benedict?«

Mein Bruder berührte mich am Arm.

»Wie geht das jetzt weiter?«

»Ich muss jetzt erst einmal zu unserer Wocheneingangsbesprechung, und dann sehen wir weiter. Ich schicke Kollegen vorbei, die sich um alles kümmern und auch dich, deine Mitarbeiter und die Nachbarn befragen werden. So leid es mir tut, Jean, aber das läuft jetzt auf ganz normale Polizeiarbeit hinaus, und da wird sich ein gewisses Aufsehen nicht vermeiden lassen. Vielleicht solltest du deine Vorgesetzten informieren, keine Ahnung, wie das bei euch läuft. Außerdem bin ich sicher, du wirst auch die Presse bald auf der Matte haben.«

»Morgen, Herr Schönheit, guten Morgen, Herr Pfarrer.«

Wenn man vom Teufel sprach … Der widerspenstige, rote Haarschopf von Martina Beinhauser kam auf uns zu gewirbelt. Einer der Kollegen wollte sie sofort hinauskomplimentieren, aber ich wusste, was das für Folgen haben konnte. ›Die Beinhauserin‹, wie sie in der Szene hieß, arbeitete für eine der beiden Münchner Boulevardzeitungen und wurde wegen ihrer Hartnäckigkeit und ihrer frechen Schreibe bewundert und gefürchtet.

»Lassen Sie nur, Herr Kollege. Ich spreche kurz mit ihr.«

»Morgen, Frau Beinhauser.«

Ich führte sie sanft, aber bestimmt, mit Jean-Baptiste im Schlepptau, von der Fundstelle der Toten weg, ärgerte mich darüber, dass wir den Tatort nur ungenügend gesichert hatten, und erklärte ihr kurz den Sachverhalt.

»Das wird keine große Sache, Frau Beinhauser. Ich kann Ihnen vermutlich heute Nachmittag ein wenig mehr dazu sagen.«

Sie lächelte. Wir hatten uns immer ganz gut verstanden. Sie respektierte meine Arbeit, wie ich die ihre.

»Ich würde aber gerne noch ein Wort mit dem Herrn Pfarrer sprechen.«

Jean-Baptiste rang die Hände. »Aber, liebe Frau Beinhauser, ich kann doch nach einem so großen Schock unmöglich …«

Ich grinste die Beinhauserin verstohlen an. Dafür war er ja Monsignore, er würde sich da schon herauswinden.

»Ich muss jetzt los. Bitte gehen Sie aber aus dem Garten heraus, es handelt sich immerhin um einen Tatort.«

3.

Die Besprechung war schnell vorbei gewesen. Anfang Dezember war es eher ruhig in München, zumindest für unser Dezernat. Die Kollegen bei der Straßenkriminalität hatten deutlich mehr Arbeit; die zahlreichen Weihnachtsmärkte lockten viele ungebetene Gäste mit langen Fingern an.

Ich hatte kurz von der Toten berichtet, Robert Theiss, der Leiter der Mordkommission, wie die Presse immer so schön schrieb, meinte, ich sollte mich ruhig weiter darum kümmern. »Sie haben ja sonst nichts zu tun.«

Theiss und ich mochten einander nicht sonderlich. Er war der Nachfolger von Kriminaloberrat Odenthal, der dieses Dezernat sechzehn Jahre geführt hatte und ein wirklicher Kriminalist war. Ein Mann mit einem Ohr für Zwischentöne, der trotz allem, was er gesehen hatte, an gewissen Idealen festhielt. Theiss hatte als Streifenbeamter angefangen und sich hochgedient. Ich respektierte das, aber wie soll ich es ausdrücken? Ich empfand ihn als sehr engstirnig. Gewiss, wenn er einmal auf einer Fährte war, ließ er nicht mehr los – es interessierte ihn allerdings auch nicht wirklich, ob es unter Umständen die falsche Fährte war.

Der Nieselregen hatte aufgehört und ich fuhr nach Schwabing zurück. Mein Handy machte sich in der Jackentasche bemerkbar, aber es würde warten müssen. Es war mittlerweile kurz nach eins und ich verspürte einen gewissen Hunger. Sollte ich mich bei meinem Bruder einladen? Besser nicht. Er hatte zurzeit keine Haushälterin und war derjenige von uns drei Geschwistern, dem die Mutter am wenigstens von ihren Kochkünsten mitgegeben hatte. Jean-Baptiste konnte vielleicht gerade eine Dose öffnen oder ein paar Spiegeleier nicht zu sehr anbrennen lassen.

Gegenüber der Kirche war der Grafengarten. Auch wenn man dort in den letzten Jahren begonnen hatte, eher arriviert zu kochen – was nicht unbedingt mein Ding war –, so produzierte die Küche doch ausgezeichnete Schlutzkrapfen, auf die ich allein beim Gedanken daran Appetit bekam … vielleicht ein Glas Côtes du Rhône dazu. Wie hatte Theiss so schön gesagt? »Sie haben ja sonst nichts zu tun.«

»Servus, Theo!«

»Ja, der Herr Kommissar, habe die Ehre.«

Prompt drehten sich einige Köpfe zu mir um.

»Theo!?«

Er grinste und kam zu mir herüber. »Das musste jetzt sein, Benedict. Wenn ich mich nicht täusche, warst du das heute Morgen im Pfarrgarten deines Bruders. Jetzt hat der Grafenplatz endlich auch einmal eine Leiche.«

»Was du so alles weißt. Was hast du denn sonst noch gesehen?«

»Jetzt setz dich erst mal. Was magst du denn essen? Ich hätte ein wunderbares Zanderfilet …«

»Schlutzkrapfen und ein Glas Côtes du Rhône.«

»So schlimm?«

»Wie meinst du das?«

»Das isst du immer, wenn dir irgendwas quer liegt.«

»An dir ist ein Kriminaler verloren gegangen«, brummte ich. »Sag mir lieber, was du sonst noch gesehen hast.«

»Jetzt wart’s halt ab. Ich komme gleich.« Sprach’s und verschwand in Richtung Küche.

Ich warf einen Blick auf mein Handy. Die Beinhauserin hatte versucht, mich zu erreichen, ich würde sie nach dem Essen zurückrufen.

Mein Blick schweifte ein wenig durch das Lokal. Man traf hier vor allem Schwabinger, nur selten verirrten sich Fremde her. Das eine oder andere Gesicht kam mir bekannt vor, aber nach Theos dämlichem Entree waren natürlich alle sehr bemüht, auf ihren Teller zu schauen oder ins Gespräch vertieft.

Vor meiner Nase tauchte ein Glas Côtes du Rhône auf. Theo setzte sich mit einem Grünen Veltliner zu mir.

»Ziemlicher Auftrieb heute Morgen.«

»Ich weiß, ich hab ihn bestellt.«

»Und was ist nun dran, an der Leiche?«

»Woher weißt du denn, dass es eine Leiche gibt?«

»Die Martina war auf einen Cappuccino hier.«

Die Beinhauserin hatte also geplaudert.

»Und?

---ENDE DER LESEPROBE---