Hegel, die Dinosaurier und wir - Rother Baron - E-Book

Hegel, die Dinosaurier und wir E-Book

Rother Baron

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Beschreibung

Klimaschutz und Naturschutz stehen für unterschiedliche Herangehensweisen an den Umweltschutz. Beide können, müssen aber nicht denselben Zielen dienen. So besteht die Gefahr, dass wir durch eine Abkehr vom Naturschutzgedanken am Ende auch unsere "Klimaziele" verfehlen. Der vorliegende Band beleuchtet diese Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln. Neben Essays, die den Klimaschutz unter den Aspekten Naturschutz, soziale Gerechtigkeit und Wachstumsökonomie in den Blick nehmen, enthält er auch Gedichte von Ilona Lay.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Rother Baron

Hegel, die Dinosaurier und wir

und weitere Essays zum Thema

Natur-und Klimaschutz

Mit Gedichten von Ilona Lay

INHALT:

Zur Einführung: Die Energiewende – Dichtung und Wahrheit

I. Klimaschutz und Naturschutz

Das Land. Gedicht

Hegel, die Dinosaurier und wir.Warum Klimaschutz ohne Naturschutz zum Scheitern verurteilt ist

Geist und Natur. Wie wir lernten, die Natur zu verachten

Der Wald. Gedicht

Die Mär vom klimaneutralen Heizen mit Holz

II. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit

Feierabend. Gedicht

Klimaschutz aus dem Penthouse. Energieversorgung als soziale Frage

III. Klimaschutz und Naturempfinden

Windräder, nachts

Entfremdung und Gewalt. Zur negativen Ästhetik von Windkraftanlagen

Das versunkene Dorf

Heimat im Windstromzeitalter. Überlegungen zu einer kritischen Neubewertung des Heimatbegriffs

IV. Klimaschutz und Wachstumsökonomie

Die Berauschte. Gedicht

Der Laubbläser und der Klimanotstand. Ein Plädoyer gegen die Normativität des technisch Machbaren

Bilanz.Gedicht

Inneres und äußeres Wachstum. Die Paradoxie eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums

Meine Braut.Gedicht

Zur Einführung: Die Energiewende – Dichtung und Wahrheit

Ein bahnbrechender Vorschlag zur Eindämmung des Klimawandels …

Im Jahr 2007 unterbreitete die ecuadorianische Regierung der Weltgemeinschaft einen Vorschlag: Ecuador würde auf die Ausbeutung eines im Regenwald gelegenen Erdölfeldes verzichten, wenn das Land dafür Ausgleichszahlungen in Höhe von 50 Prozent der prognostizierten Erlöse aus dem Ölverkauf erhielte.

Diese nach den geographischen Eckpunkten des Erdölfelds benannte "Yasuní-ITT-Initiative" [1] mündete drei Jahre später in eine förmliche Vereinbarung mit den Vereinten Nationen, in der Ecuador die Zahlung der entsprechenden Kompensationssumme zugesagt wurde. Erwartet wurde hierdurch die Einsparung von einer Milliarde Tonne an CO2-Emissionen. Diese unmittelbare Maßnahme zur Eindämmung des Klimawandels sollte noch verstärkt werden durch einen intensiveren Schutz des Regenwaldes, dem eine besondere Bedeutung bei der CO2-Speicherung zukommt.

… und sein Scheitern

Alles sehr vernünftig und zielführend. Leider entpuppte sich das Ganze am Ende als schöner Traum: 2013 verkündete Rafael Correa, der damaligeecuadorianische Präsident, das Scheitern der Initiative. Von den zugesagten Kompensationszahlungen hatte das Land nur einen Bruchteil erhalten. So waren all die hehren Pläne zum Schutz der Naturvölker, der einzigartigen Tierwelt und des fragilen Ökosystems auf einmal Makulatur. Mit großer Mehrheit beschloss das ecuadorianische Parlament, Lizenzen zur Förderung des Erdöls in dem sensiblen Gebiet zu vergeben.

Anstatt als Vorbild für wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel zu dienen, wurde die Yasuní-ITT-Initiative damit zur Bankrotterklärung der Völkergemeinschaft. Bis heute markiert sie, allen gegenteiligen Bekundungen zum Trotz, den Vorrang nationaler Egoismen vor den Interessen der Weltgemeinschaft.

Ungebrochene Ausbeutung fossiler Rohstoffe

Wo auch immer neue Öl- und Gasvorkommen entdeckt werden, wird deren Erschließung geplant. Die gigantischen Erdgasfelder, die vor den Küsten Israels und Zyperns geortet worden sind, verursachen zwar durchaus Streit. Dabei geht es aber nicht darum, ob, sondern von wem das Erdgas gefördert werden soll. Selbst das Abschmelzen der Polkappen und des grönländischen Eisespanzers, das den Klimawandel durch die abnehmende Lichtreflexion in einem sich selbst verstärkenden Prozess weiter beschleunigt, treibt manchen eher Dollarzeichen als Tränen in die Augen – denn sie träumen schon jetzt von der Ausbeutung der unter dem Eis lagernden Rohstoffe und der Erschließung neuer Schifffahrtsrouten (wie der schon jetzt zeitweise befahrbaren Nordwestpassage).

Auch die Kohleförderung und -nutzung ist keineswegs an ihr Ende gelangt. Während in Deutschland um das Ausstiegsdatum aus der Braunkohleförderung gerungen wird, wird weiter fleißig Steinkohle aus Kolumbien importiert [2] – aus einem Land, in dem weit geringere Umwelt- und Gesundheitsstandards gelten als hierzulande. Und auf Borneo holzen Malaysia und Indonesien mit vereinten Kräften den Regenwald ab, um die darunter lagernden Kohlevorkommen zu erschließen [3].

Wenn aber Kohle, Öl und Gas erst einmal gefördert worden sind, werden sie auch genutzt. Es hilft dann auch nichts, das Schmiermittel der Weltwirtschaft künstlich zu verteuern. Eine solche Maßnahme liegt zum einen durchaus im Interesse der Industrie, da die wertvollen Rohstoffe dann leichter für den Produktionsprozess zurückgehalten werden können. Zum anderen wird bei höheren Ölpreisen auch das kostenintensivere Fracking attraktiv – also jene Form der Ölgewinnung, bei der der Rohstoff durch das Aufbrechen tieferer Bodenschichten aus dem Gestein herausgepresst wird.

Beim Fracking kommen umweltschädliche Gifte zum Einsatz. Außerdem werden durch den hohen Druck, der für das Lösen des Öls aus dem Gestein erforderlich ist, die Bodenschichten instabil, was Erdbeben auslösen kann. So ist diese Methode der Ölförderung etwas, das sich für verantwortungsbewusste Gesellschaften auch ohne drohende Klimakatastrophe verbietet. Faktisch wird sie jedoch speziell von den USA massiv vorangetrieben.

Auch Deutschland, das sich so gerne als Vorreiter in Sachen Klimaschutz präsentiert, macht bei der Heuchelparade keine Ausnahme. Auch hierzulande wird Verzicht gepredigt, während gleichzeitig in die Nutzung fossiler Energien investiert wird. Das Erdgas, das durch die Pipeline "North Stream 2" aus Russland nach Deutschland gelangt, soll bei uns ja schließlich nicht sicher im Boden eingelagert, sondern durchaus – wenig klimafreundlich – in die Luft geblasen werden. Und umstritten ist das Projekt auch nicht in erster Linie wegen einer unglaubwürdigen Klimapolitik, sondern aus politischen Gründen: Die USA wollen in Deutschland lieber Flüssiggasterminals errichtet sehen, über die sie die Produkte ihrer eigenen Öl- und Gasförderung nach Europa verschiffen könnten.

Beschneidung des Naturschutzes

So fragt sich der geneigte Klimaschützer: Wie kann das sein? Warum wird angesichts des immer deutlicher vor Augen tretenden Klimawandels nicht das Naheliegende getan, um ihn einzudämmen – während gleichzeitig unter Verweis auf eben diesen Klimawandel der Naturschutz ausgehebelt wird?

Der "Ausbau der Erneuerbaren Energien" gehört laut der jüngsten Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 45, Abs. 7) zu jenen "zwingenden Gründe[n] des öffentlichen Interesses", für die von den Regeln des Natur- und Artenschutzes abgesehen werden kann – und zwar ausdrücklich auch bei "Vorhaben privater Träger". Diese Gesetzesänderung dient vor allem den Interessen der Windstrombranche. Windkraftanlagen gelten nicht nur als "privilegierte" Bauwerke, für die kommunale Mitbestimmungsmöglichkeiten beschnitten werden und Umweltverträglichkeitsprüfungen nur in eingeschränkter Form durchgeführt werden müssen. Es wird auch ausdrücklich in Kauf genommen, dass zahlreiche Tierarten durch sie massiv gefährdet sind.

300.000 getötete Fledermäuse durch Windkraftanlagen allein in Deutschland? [4] Bedrohung seltener Vogelarten wie etwa des Rotmilans? [5] Irreversible Bodenversiegelung durch die Betonfundamente der Anlagen? [6] Ungeklärte Entsorgungsfrage für das Verbundmaterial von bislang ca. 30.000 Windkraftanlagen? [7] Gesundheitsbelastung durch Infraschall? [8] Abholzung von Wald für die Errichtung der Anlagen? [9] Na und? Wir müssen die Welt retten, da gibt es eben Kollateralschäden! Wer zum Opfer wird, kann sich damit trösten, als Märtyrer auf dem Schlachtfeld des Kampfes gegen den Klimawandel gefallen zu sein.

Statistische Verzerrungen

Der Erfolg dieser Art von Energiepolitik wird meist mit dem Rückgang des Kohlendioxidausstoßes begründet. Dabei wird jedoch gerne das Jahr 1990 als Referenzjahr angeführt. Dies verzerrt allerdings die tatsächliche Entwicklung des CO2-Ausstoßes, weil unmittelbar nach der Wiedervereinigung die Industrieproduktion in Ostdeutschland eingebrochen ist. Die Folge war ein vorübergehender starker Rückgang bei den CO2-Emissionen. Nimmt man das Jahr 2010 als Vergleichsmaßstab, so hat sich der CO2-Ausstoß, allen Investitionen in erneuerbare Energien zum Trotz, kaum verändert [10].

Auch die Behauptung, dass die "Erneuerbaren" eine immer größere Rolle für den deutschen Energieverbrauch spielen, lässt sich bei  näherer Betrachtung kaum halten. Denn die Jubelmeldung beruht hier vor allem darauf, dass nicht auf die gesamte Energiebilanz, sondern lediglich auf den Stromverbrauch geschaut wird. Dieser macht jedoch lediglich 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Von diesen 20 Prozent entfällt wiederum nur ein Viertel auf den Haushaltsstrom. Die Hochglanz-Bilanz beruht also lediglich auf der Ausblendung der für Industrie, Mobilität, Digitalisierung und Wärmeerzeugung benötigten Energie [11].

Vor diesem Hintergrund ist es auch keine Überraschung, dass der Anteil Windenergie am deutschen Primärenergieverbrauch lediglich 3,1 Prozent beträgt [12]. Dass in den Hochglanzbroschüren der Windstrombranche etwas anderes steht, liegt daran, dass hier nicht von der tatsächlichen, sondern von der installierten, also der theoretisch möglichen Leistung ausgegangen wird. Diese lässt ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail außer Acht: die Tatsache, dass der Wind nicht ständig weht. In den übrigen Zeiten muss dann doch wieder auf Strom aus anderen Quellen zurückgegriffen werden. Die dabei entstehenden Emissionen werden allerdings dem Ausland angelastet, von wo ein großer Teil des Stroms importiert wird. Deutschland erscheint so als eine Insel der Klima-Seligen, die durch eine Armee von Windkraftpropellern alle Luftschadstoffe von ihren Grenzen fernhält.

Im Bereich des Heizens beruht der Anstieg des Anteils der "Erneuerbaren" denn auch auf einem nicht gerade innovativen Rohstoff: 75 Prozent gehen hier auf das Konto des guten, alten Holzes [13]. Der Preis für die Ausweitung des Anteils der "Erneuerbaren" ist damit in diesem Fall eine Zunahme des Abholzens von Wäldern und ein vermehrter Feinstaubausstoß – was beides kaum dem Ziel einer Eindämmung des Klimawandels dienen dürfte.

Notwendigkeit einer nachhaltigen Ökonomie

Und hier fragt sich nun der geneigte Klimaschützer: Könnte es sein, dass der ausgerufene Kampf gegen den Klimawandel dieselbe Rücksichtslosigkeit gegenüber Mensch und Natur impliziert wie jene Denk- und Verhaltensmuster, die eben diesen Klimawandel verursacht haben? Und laufen wir dann nicht noch immer in die falsche Richtung? Müssten wir nicht die Richtung ändern, unseren Lebenswandel umstellen und eine achtsamere Haltung gegenüber der Natur, einen verantwortungsvolleren Umgang mit den vorhandenen Ressourcen an den Tag legen, um dauerhaft für Lebensbedingungen zu sorgen, unter denen unsere Spezies auf diesem Planeten überleben kann?

Fakt ist leider: Die Diskussion um ein menschenfreundliches Klima vergiftet mehr und mehr das soziale und ökologische Klima. Unter dem Deckmantel des "Klimanotstands" wird ein "Green New Deal" durchgesetzt, der de facto nichts anderes ist als ein gigantisches Programm zum Schutz der Wachstumsökonomie. Eben diese hat jedoch erst zu der dramatischen Situation geführt, in der wir uns heute befinden.

So verstärkt die Reaktion auf den "Klimanotstand" nur jene Tendenzen, die das Klima für uns Menschen erst so ungemütlich gemacht haben. Indem "Klimaschutz" an die Stelle von Naturschutz gesetzt wird, wird jener Zerstörungsprozess intensiviert, der uns an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Zugleich werden unter der Flagge des "Klimanotstands" Mitbestimmungsrechte eingeschränkt, die bislang dazu dienen konnten, den Naturschutz gegen eine ausufernde Wachstumsökonomie zu verteidigen.

Zum Aufbau dieses Buches

Der vorliegende Essay-Band beleuchtet die Thematik unter vier Aspekten. Im ersten Teil gehe ich der Frage nach, wie es sein kann, dass Klima- und Naturschutz zunehmend gegeneinander ausgespielt werden. Dafür unternehme ich auch einen längeren Ausflug in die Philosophie, um die geistesgeschichtlichen Hintergründe der technizistischen Verachtung und Ausbeutung der Natur nachzuzeichnen.

Im zweiten Teil werden die sozialen Verwerfungen beleuchtet, die sich aus den aktuellen Tendenzen bei der Bekämpfung des Klimawandels ergeben. Inwiefern sind die bisher ergriffenen Maßnahmen unsozial? Welche Alternativen gäbe es?

Teil 3 widmet sich der Frage, was die Eingriffe in Natur und Landschaft, die im Zuge der so genannten "Energiewende" um sich greifen, mit den Menschen machen, die sie erleiden müssen. Zentral ist dabei die These, dass die dadurch bewirkte Entfremdung von der Natur das zerstört, was durch die Bekämpfung des Klimawandels eigentlich geschützt werden soll: das harmonische Miteinander von Mensch und Natur.

Im vierten Teil schließlich werden die Widersprüche und fehlenden systemischen Ansätze in der aktuellen deutschen Energiepolitik noch einmal vor einem weiteren Horizont beleuchtet. Im Mittelpunkt steht dabei ein übergreifender Essay zu der in sich widersprüchlichen Vorstellung einer nachhaltigen Wachstumsökonomie – verbunden mit Überlegungen zu einer Wirtschafts- und Gesellschaftsform, die auf einer nachhaltigen, klima- und naturfreundlichen Lebensweise aufbaut.

Der Überleitung zwischen den einzelnen Essays dienen von Ilona Lay beigesteuerte literarische Texte, die den menschlichen Umgang mit der Natur noch einmal aus einem anderen Blickwinkel beleuchten. Wo Essays mit Thesen und Herleitungen arbeiten, Forschungsergebnisse diskutieren und die verschiedenen Argumente gegeneinander abwägen, nimmt die Literatur – insbesondere die Poesie – uns mit auf den Flug der Phantasie. Manches lässt sich auf diese Weise unmittelbarer erfahren als in den ewig unvollendeten Kathedralen unserer Diskurse.

Nachweise

[1]Alarcón, Pedro / Rocha, Katherine / Di Pietro, Simone: Die Yasuní-ITT-Initiative zehn Jahre später. Entwicklung und Natur in Ecuador heute. In: Peripherie 38 (2018), H. 1: 55 – 73.

[2] Vieth, Antje: "Wenn nur die Kohle zählt" – Der Tagebau El Cerrejón im Norden Kolumbiens. Nachrichtenpool Lateinamerika, npla.de, 17. Februar 2019.

[3] Schmid, Erhardt: Die letzten Regenwald-Nomaden – Eine Suche im Herzen Borneos. Bayern 2 (RadioFeature), 11. Januar 2020.

[4] Krauter, Ralf: Interview mit Christian Voigt (Leiter der Abteilung Evolutionäre Ökologie am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin): Windkraftanlagen: Gefahr für Fledermäuse; Deutschlandfunk (Forschung aktuell), 29.03. 2019.

Zur Problematik der Windenergie allgemein vgl. das Glossar auf rotherbaron.com: Das Windstromkartell. Kleines ABC seiner Durchsetzungsstrategien.

[5] Breuer, Wilhelm: Lizenz zum Töten. Das Ausmaß an Tierverlusten an Windkraftanlagen. In: Nationalpark 4/2015;

Ders. / Brücher, Stefan / Dalbeck, Lutz: Der Uhu und Windenergieanlagen. Erkenntnisse, Vermutungen und Schlussfolgerungen. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 47 (2015), H. 6, S. 165 – 172.

Flade, Martin: Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster – zur Lage des Vogelschutzes in Deutschland. In: Vogelwelt 133, 2012: 149 – 158.

Kramper, Gernot: Raubvögel dezimiert: Wenn Windkraftanlagen dramatisch ins Ökosystem eingreifen. In: Stern, 10. November 2018.

[6] Stahr, Alexander: Bodenbelichtung: Windparks und potentielle Nitratbelastung von Trinkwasser. In: Ahabc.de. Das Magazin für Boden und Garten, 15. Juli 2015.

[7] Dunkel, Monika / von Zepelin, Jenny: "Windräder können wir nicht recyceln." [Interview mit Herwart Wilms, Manager des Recyclingunternehmens Remondis].In: Capital, 19. Januar 2017.

Kiosz, Margret: Friedhof der Rotorblätter. Warum die Entsorgung der Windradflügel so problematisch ist. In. Schleswig-Holsteinische Zeitung, 9. September 2018.

Körner, Jan: Rückbau bei Windrädern oft mangelhaft; NDR (Panorama 3), 23. Januar 2018.

[8] Lenzen-Schulte, Martina / Schenk, Maren: Infraschall: Der Schall, den man nicht hört. In: Deutsches Ärzteblatt 116 (2019), H. 6.

Mathys, Werner [ehemaliger Leiter des Bereichs Umwelthygiene/Umweltmedizin am Universitätsklinikum Münster]: Bewertung der gesundheitlichen Wirkungen von Infraschall auf den Menschen. Eine Zusammenstellung nationaler und internationaler Erfahrungen über die Wirkungen von Schall/Infraschall. Greven, Nov. 2019; als PDF im Netz abrufbar (auch über die Website von Vernunftkraft NRW).

[9] Göbel, Jörg / Purtul, Güven: Wenn für Windräder Wald gerodet wird; ARD (Frontal 21), 24. Juli 2018.

Richarz, Klaus: Windenergie im Lebensraum Wald. Gefahr für die Artenvielfalt. Situation und Handlungsbedarf. Hamburg 2016: Deutsche Wildtier Stiftung [als PDF-Dokument online abrufbar].

[10] Dubbers, Dirk / Stachel, Johanna / Uwer, Ulrich: Energiewende: Fakten, Missverständnisse, Lösungen – ein Kommentar aus der Physik, S. 1 (mit einem Schaubild des Bundeswirtschaftsministeriums). Physikalisches Institut der Universität Heidelberg, 4. September 2019; als PDF-Dokument im Netz verfügbar.

[11] Ebd., S. 3.

[12] Ebd., S. 2.

[13] Deutscher Forstwirtschaftsrat: Produkte rund um den Wald: Brennholz. Berlin, Forstwirtschaft-in-deutschland.de, ohne Datum (aufgerufen am 21. Januar 2020).

I. Klimaschutz und Naturschutz

Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels,

Vincent van Gogh: Sternklare Nacht (1889); Museum of Modern Art, New York

Das Land

Der Wald ein Stoff ein Kapital

die Stämme mundgerecht zerstückt

der Mond von Scheinwerfern zerpflückt

auf Wüstenhängen bleich und kahl

das Land von Reifenfurchen wund

Schoß in den sich Pfeiler zwingen

Feld an dem Traktoren wringen

Moos das unter Teer verstummt

des Himmels Tränen säen Gift

Kelch der unsichtbar zerfällt

ein Schiff in unerkannter Drift

die Nacht ein Apfel ohne Kern

Traumfähre die an Stein zerschellt

und hinter Glas der Abendstern

Hegel, die Dinosaurier und wir

Warum Klimaschutz ohne Naturschutz zum Scheitern verurteilt ist

"Klimaschutz" – ein unlogischer Begriff

Naturschutz ist out. Heute schützen wir – klar – "das Klima". Dabei ist so viel von "Klimaschutz" die Rede, dass uns der unlogische oder zumindest ungenaue Charakter des Wortes gar nicht mehr auffällt.

Wenn wir von "Naturschutz" sprechen, haben wir etwas Konkretes vor Augen: bestimmte Tier- oder Pflanzenarten, Ökosysteme oder Biotope, in denen durch das Interagieren spezifischer Organismen einzigartige Lebenswelten entstehen. "Das Klima" lässt sich zwar auch auf eine Vielzahl einzelner, konkret fassbarer Elemente zurückführen. Dabei handelt es sich jedoch zum einen nicht um Lebewesen, sondern um Wirkmechanismen, durch die etwa Windverhältnisse, Temperaturschwankungen oder Meeresströmungen einander gegenseitig beeinflussen.

Zum anderen geht es uns, genau genommen, auch keineswegs darum, "das Klima" als solches zu schützen. Wäre dem so, so bräuchten wir keinerlei Anstrengungen zur Eindämmung des Klimawandels zu unternehmen. Denn auch wenn wir unsere "Klimaziele" verfehlen sollten, wird es weiterhin ein Klima geben. Nur wird dieses den Menschen dann eben nicht so zuträglich sein wie das bisherige Klima.

Der anthropozentrische Kern des Klimaschutzkonzepts

Wenn wir von "Klimaschutz" reden, meinen wir also in Wahrheit die Bewahrung eines Klimas, dass dem Fortbestehen der Menschheit förderlich ist. Das ist natürlich legitim. Schließlich ist der Kampf um das Überleben der eigenen Art eine der Hauptantriebskräfte der Evolution. Dennoch impliziert das Konzept des "Klimaschutzes" damit eine anthropozentrischere Herangehensweise an den Umweltschutz als der Naturschutz.

Zwar bebildern wir die Angst vor dem Weltuntergang, die der Klimawandel befeuert, auch immer wieder mit dadurch gefährdeten Tierarten und einzigartigen Ökosystemen, wie dem Eisbär oder Korallenriffen (mit dem australischen Great Barrier Reef als prominentestem Beispiel). Dennoch steht im Vordergrund der Bemühungen um Klimaschutz stets die Bewahrung der für den Menschen günstigen Umweltbedingungen.

Deshalb ist es bei diesem Paradigma zwar möglich, dass Umweltschutzmaßnahmen auch dem Erhalt einzelner Tier- und Pflanzenarten dienen. Es ist aber auch der umgekehrte Fall denkbar, dass der Klimaschutz den Naturschutz aussticht. So ist das deutsche Naturschutzgesetz explizit für die Errichtung der vermeintlich dem Klimaschutz dienenden Windkraftanlagen aufgeweicht worden.

Beim Naturschutzparadigma ist die Denkrichtung dagegen genau umgekehrt. Die Schutzmaßnahmen setzen hier nicht am Menschen und den ihm förderlichen Umweltbedingungen an, sondern an der Natur, als dem übergeordneten Ganzen, zu dem auch der Mensch gehört. Der Grundgedanke ist: Was der Natur dient, dient langfristig auch dem Menschen, weil er ein Teil der Natur ist.

Klimaschutz kontra Naturschutz?

Die Fokussierung auf den Klimaschutz ist damit einerseits, angesichts der konkreten Bedrohung der menschlichen Lebensumwelt durch den Klimawandel, verständlich. Andererseits birgt dieser Paradigmenwechsel die Gefahr in sich, dass wir durch einseitig auf den Menschen und seine Lebensbedürfnisse bezogene Maßnahmen im Endeffekt sogar zu einer Beschleunigung des Klimawandels beitragen.

Dies gilt zum einen unmittelbar in all jenen Fällen, in denen – wie etwa beim Bau von Windkraftanlagen oder der Förderung von Rohstoffen, die für die Batterien zum Betrieb von E-Autos benötigt werden – Natur zerstört wird, um das Klima zu schützen. Die dadurch entstehenden Umweltschäden (Rückgang der Artenvielfalt, Austrocknung von Böden, Beschädigung der als Kohlendioxidspeicher benötigten Wälder) können sich allesamt direkt in für uns ungünstiger Weise auf die Entwicklung des Klimas auswirken.

Zum anderen führt die Ersetzung des Naturschutz- durch den Klimaschutzgedanken aber auch dazu, dass wir das Gespür für das komplexe Interaktionsgefüge verlieren, das naturhaftes Leben auszeichnet. Wenn aber das Denken in Kategorien von Ökosystemen oder symbiotischen Beziehungen, wie sie uns der Naturschutz gelehrt hat, in den Hintergrund tritt, verlernen wir auch die nötige Achtsamkeit im Umgang mit der Natur, die durch die Umweltschutzbewegungen des vergangenen Jahrhunderts stärker zur Geltung gebracht worden ist.

Im Schatten der "klimafreundlichen" Transformation der Wirtschaft können dann auch die ausbeuterisch-rücksichtslosen Formen des Umgangs mit der Natur, die gerade erst mühsam eingedämmt worden sind, wieder ungenierter praktiziert werden. Falls nötig, braucht man ja nur zu behaupten, dass dies im Namen des Klimaschutzes unerlässlich sei. Wenn vom "Green New Deal", einer "Versöhnung von Ökonomie und Ökologie" oder dem wachstumsfördernden Potenzial der neuen, "klimaschonenden" Technologien die Rede ist, bereitet das exakt einer solchen Entwicklung den Boden.

Die Menschen als Profiteure einer Klimakatastrophe

So sollten wir in unserem eigenen Interesse nie vergessen, dass der Gedanke des "Klimaschutzes" ein anthropozentrisches Konzept ist. Wenn wir es auf Kosten des Naturschutzes durchzusetzen versuchen, ist es zum Scheitern verurteilt. Dann können wir uns nur damit trösten, dass es – wenn auch vielleicht nicht für uns – auch ein Leben nach der Klimakatastrophe gibt. Schließlich sind wir selbst ebenfalls die Profiteure einer Klimakatastrophe: nämlich der Klimakatastrophe, die dem Leben der Dinosaurier auf diesem Planeten ein Ende bereitet hat.

Hätten die Dinosaurier auch nur annähernd so viel Energie auf die Erweiterung ihrer geistigen Kapazitäten wie auf die Ausdehnung ihrer Körpermasse verwandt, so hätten sicher auch sie alles Menschen-, sorry: Dinosauriermögliche für den Schutz des Klimas getan. In ihrem Fall hätte das wohl bedeutet, dass sie intensivste Anstrengungen unternommen hätten, um eine Kollision der Erde mit dem Asteroiden, der ihr Überleben auf dem Planeten unmöglich gemacht hat, zu verhindern.