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Die Autorin erzählt in ihrem autobiographischen Werk auf teilweise amüsante Art die Geschichte von Sandra, die zufällig ihr komisches Talent entdeckt und beschließt damit aufzutreten. Aber nicht genug damit - jetzt will sie in ihrem neuen Programm auch noch singen und zaubern und dazu noch Gitarre spielen. Alles, was sie eigentlich bisher so gar nicht konnte. Das Buch ist als Fortsetzungsroman geschrieben und informiert den geneigten Leser über ihre Fortschritte und lässt den Leser zeitnah an Sandras Schicksal teilnehmen.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Sandra Notthoff
Honky-Tonk for to go
... oder wie man in vier Wochen berühmt wird ...
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Honky-Tonk for to go
Kapitel I – wie alles begann …
Impressum neobooks
oder
berühmt in nur vier Wochen
… ein nicht (immer so ganz ernst gemeinter)
biographischer
Für Anfang 50 sah sie noch recht gut aus. Ihr schulterlanges Blondes Haar wirkte immer frisch gestylt. Ihre Nase war ein wenig zu groß und ein wenig krumm. Das hatte sie sich bei einer Balgerei mit einem ihrer drei Brüder zugezogen. Wahrscheinlich war die Nase mal gebrochen und nicht wieder gerade zusammengewachsen. Die Lippen etwas zu schmal und ein wenig asymmetrisch, das hatte sie wohl einem Schlaganfall vor ungefähr 15 Jahren zu verdanken. Trotzdem rauchte sie munter weiter. Und wenn Rauchen - wie oft von Wissenschaftlern behauptet - wirklich vorzeitig altern ließ, dann war sie der lebende Beweis dafür, dass die Theorie anscheinendnichtstimmen konnte. Von den meisten Leuten wurde sie auf Anfang, maximal Mitte Vierzig geschätzt. Selten einmal, wurde sie auf 52 geschätzt, die sie nun mal seit einem dreiviertel Jahr war. Sandra hatte trotz ihres mittleren Alters immer noch so etwas Mädchenhaftes an sich. Es waren nicht ihre unendlichen und nicht enden wollenden Beine, nicht ihr schlankes Gesicht und auch nicht ihr wohlgeformtes Dekolleté.
Es war einfach die Art, wie sie ihr Leben lebte. Der unbändige Freiheitsdrang, dass gewisse Savoir vivre - wie es die Franzosen nennen bzw. das dolce Vita, wie es so wohlklingend von den Italienern genannt wird. Ihr trockener und teilweise skurriler Humor, der auch gerne mal bissig und bisweilen auch sehr sarkastische werden konnte, ließ nicht annähernd erahnen, was sie in den letzten Jahrzehnten alles wegstecken musste. Trotz der zahlreichen Tiefschläge, die sie in den vergangenen Jahren erdulden musste, lebte sie recht unbekümmert in den Tag hinein. Trotz aller Unbekümmertheit, spätestens am 10. eines jeden Monats merkte sie plötzlich: Ups, kein Geld mehr da. Gut, da sie nun mal eine ausgemachte Frostbeule war, kam Arbeit im Freien nicht in Frage. Vor allem nicht in den Wintermonaten. Warm und muckelig sollte es dann doch schon sein und etwas Geld sollte dabei auch noch herausspringen. Möglichst viel und möglichst schnell. So viele Jobs, mit denen das so funktioniert, gibt es halt auch nicht. Meistens waren das Jobs, die unsere Heldin als unmoralisch abgetan hätte.
Sandra war mal wieder - wie so oft in ihrem Leben - vollkommen abgebrannt. Pleite, so könnte man sagen, war ihr zweiter Vorname. Was immer sie auch anpackte, eines war gewiss: es ging irgendwie - auf die ein oder andere Weise - schief …
Schon seit Jahren war sie auf der Suche nach einem lukrativen Nebenjob in Schwerin. Aber so etwas in einer kleinen Provinzstadt zu finden, das glich einem Sechser im Lotto. In den vergangenen Jahren hatte sie zahllose Bewerbungen verschickt und meistens nie wieder etwas von den Firmen gehört, bei denen sie sich beworben hatte. Verdient hatte daran nur die gute alte Post. Denn einen Sozialtarif für Frührentnerinnen gibt es nun mal nicht.
An den Qualifikationen konnte es kaum gelegen haben. Denn Sandra war eine hochintelligente, gebildete Frau. Und irgendwann hatte sie mal an einem hochoffiziellen Aufnahmetest teilgenommen. Anschließend teilte man ihr ihren IQ mit: 159
Neben der Ausbildung zur Krankenschwester hatte sie noch eine Ausbildung zur Speditionskauffrau abgeschlossen, war Kommunikationsassistentin für Marketing (einem Titel, auf den man sich - wie sie immer zu sagen pflegte - ein Spiegelei braten konnte) und noch dies und das …
Also, für einen Hamster recht ordentlich und für ein Eichhörnchen faszinierend genial. Aber was und vor allem wem nutzt der beste und höchste IQ, wenn man davon nicht einmal einen toten Papageien satt bekommt. Ihr gerade am allerwenigsten. Zudem und da schien ein Fünkchen Wahrheit dahinter zu stecken, wurden Jobs in Schwerin von den alten Stasi-Seilschaften verwaltet. Und als Kind des Westens war sie im Grunde genommen chancenlos. Nur wenn es mal Jobs gab, bei denen es im Grunde genommen nur wichtig war, dass der Kandidat bzw. die Kandidatin wenigstens über einen Kopf, zwei Arme und zwei Beine verfügen musste, war sie ganz weit vorne. Denn diese Kriterien erfüllte sie mit größter Lockerheit. So kam sie vor ein paar Jahren auch zu ihrem ersten Nebenjob seit ihrer Frühberentung. Als Fahrgast-Interviewerin bei einem Subunternehmen der Deutschen Bahn. Leider sehr schlecht bezahlt und Arbeitszeiten, formulieren wir es mal sehr wohlwollend: die einfach nur unchristlich waren. Aber immerhin hatte sie Arbeit und sie brauchte sich eine Zeit lang keine Sorgen mehr zu machen, wie sie über die Runden kommen sollte. Der Job war zwar nicht anstrengend, aber ziemlich nervig. Abgesehen von der Tatsache, dass sie sich häufig schon gegen zwei Uhr morgens aus dem Bett schälen musste, waren da noch die teilweise sehr nervigen Mitmenschen. Einige wollten bei der Befragung partout nicht mitmachen. Meist die Sorte Menschen, die ihre Persönlichkeitsrechte dadurch in Gefahr sahen, dass man sie vollkommen anonym nach ihrem Reiseverlauf, der Fahrkarte und nach ein paar anderen unwesentlichen Dingen fragte. Die gleiche Sorte Mensch, die auf Facebook ihr ganzes (größtenteils intimes) Leben postet. Mit ihrer charmanten Art konnte sie trotzdem die meisten der Fahrgäste zum Mitmachen überreden. Abends hatte sie dann oft den Eindruck, als hätten ihre Lippen Fransen. Egal dachte sie sich, was tut man nicht alles für das liebe Geld. So kam sie auch mal wenigstens aus dem Haus raus und unter Menschen.
Denn seit ihrer Frühberentung und dem Umzug nach Mecklenburg-Vorpommern war sie selten ausgegangen. Und die paar Begegnungen, die sie dann hatte, waren entweder bei einem Arzt - ja, Arztbesuche waren schon seit vielen Jahren zu einem Pflichtprogramm geworden. Man konnte es ihr nicht unbedingt ansehen, aber sie hatte schon das ein oder andere gesundheitliche Malheur zu erdulden. Insbesondere eine fehlgeschlagene Unterleibsoperation machte ihr zu schaffen und zwang sie dazu, regelmäßig ihren Urologen und ihre Gynäkologin aufzusuchen. Auf den Fahrten zu den Ärzten sprach sie wildfremde Menschen an und unterhielt sich mit ihnen über - irgendwie alles Mögliche und vor allem auch das Unmögliche. Der Job als Interviewerin war aber von vornherein befristet und eine leidlich fiese Angelegenheit verkürzte diese ohnehin schon kurze Zeit. Und obwohl es nicht ihr Verschulden war, kündigte sie fristlos während einer Bahnfahrt von Hamburg nach Rostock sehr spontan, um 23:20 Uhr, aber auch sehr impulsiv ihren Job. Sie ist in manchen Angelegenheiten einfach sehr kompromisslos und ihr Gerechtigkeitssinn ist extrem stark ausgeprägt. Auch wenn sie ansonsten ein Kind der 60 er ist. Obwohl: eigentlich war sie dafür auch wieder zu jung. Denn Woodstock hatte sie nie miterlebt. Nur, wie viele andere ihrer Generation auch, einfach davon gehört. Zu dieser Zeit war sie gerade einmal 8 Jahre alt. Und da sie extrem auf ihr Äußeres achtete, wäre das ohnehin nicht ihr Ding gewesen, sich nackt im Schlamm zu wälzen und Drogen zu nehmen. Weniger wegen dem Nackt, eher wegen dem Schmutz. Und mit den Drogen ist das eh so eine Sache für sich. Da konnte sie auch gerne mal ein Auge zudrücken. Denn das ein oder andere hatte sie in den vergangen Jahren durchaus ausprobiert und festgestellt: alles halb so wild
Das Meiste, was man diesbezüglich von vermeintlichen Koryphäen hörte, war gelinde gesagt, vollkommener Schwachsinn:
