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Viele Frauen, die auf die 40 zugehen, haben Angst vor der Menopause. Vor allen Dingen fürchten sie die Symptome, aber auch das damit einhergehende Stigma. Lara Briden, Expertin für Frauenheilkunde, beschäftigt sich seit Langem mit den Wechseljahren. In ihrem Ratgeber »Hormone im Lot« bietet sie umfassende Hilfe zur Bewältigung der Hormonumstellung und gibt wertvolle Tipps zu Ernährung, Gesundheit und Prävention.
Anhand zahlreicher Fallbeispiele aus der Praxis der Autorin erfahren Betroffene, wie sie die Herausforderungen gut überstehen und was gegen Auswirkungen wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gedächtnisprobleme, Zyklusbeschwerden, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und Schmerzen am besten hilft.
Ein einfühlsamer, verständlich geschriebener Begleiter für einen gesunden Umgang mit der Perimenopause, Menopause und Postmenopause. Für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt und einen gelungenen Start in einen neuen, positiven Lebensabschnitt. - Anhand zahlreicher Fallbeispiele aus der Praxis der Autorin erfahren Betroffene, wie sie die Wechseljahre gut überstehen und was gegen typische Symptome wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gedächtnisprobleme, Zyklusbeschwerden, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und Schmerzen am besten hilft.
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Seitenzahl: 474
Veröffentlichungsjahr: 2024
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LARA BRIDEN
HORMONE IM LOT
Gesund und ausgeglichen durch die Wechseljahre
Was sich ab 40 ändert – und wie man entspannt damit umgeht
Die in diesem Buch enthaltenen Informationen entbinden die Leserin nicht von ihrer persönlichen Verantwortung für ihre eigene Gesundheit und Sicherheit. Es wird empfohlen, sich von einem Arzt / einer Ärztin oder bei medizinischem Fachpersonal individuell beraten zu lassen. Die Autorin kann nicht für Verletzungen oder Schäden haftbar gemacht werden, die einer Person durch das Befolgen der in diesem Buch enthaltenen Informationen entstehen.
Impressum:
Lara Briden
HORMONE IM LOT
Gesund und ausgeglichen durch die Wechseljahre
Was sich ab 40 ändert – und wie man entspannt damit umgeht
1. deutsche Auflage 2024
ISBN 978-3-96257-345-4
© 2024 Narayana Verlag GmbH
Titel der Originalausgabe:
HORMONE REPAIR MANUAL
Every Woman’s Guide to Healthy Hormones After 40
Copyright © 2021 Lara Briden
Übersetzung aus dem Englischen: Alice Canstein
Layout und Satz: Buch&media GmbH, München
Herausgeber:
Unimedica im
Narayana Verlag GmbH,
Blumenplatz 2, D-79400 Kandern
Tel.: +49 7626 974 970-0
E-Mail: [email protected]
www.unimedica.de
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf von Personen oder Organisationen (einschließlich Google, Amazon oder ähnlichen Organisationen) in irgendeiner Form, auch nicht elektronisch oder mechanisch, einschließlich Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen, oder durch ein Informationsspeicher- und -abrufsystem ohne vorherige schriftliche Genehmigungder Autorin vervielfältigt oder übertragen werden.
Die Fallgeschichten in diesem Buch sind anonymisierte und fiktionalisierte Zusammenstellungen von repräsentativen Fällen, die nur der Veranschaulichung dienen. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig.
Autorin und Verlag haben sich nach besten Kräften bemüht, die Inhaber der Urheberrechte für das in diesem Buch verwendete Material zu kontaktieren. Jede Person oder Organisation, die möglicherweise übersehen wurde, möge sich bitte an die Autorin wenden.
Lara Briden ist Naturheilkundlerin und verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Frauengesundheit. In ihrer Praxis in Christchurch, Neuseeland, behandelt sie Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom, Prämenstruellem Syndrom, Endometriose, Beschwerden in der Perimenopause und vielen anderen hormon- und periodenbedingten Problemen. Sie ist Autorin des Titels Period Repair Manual: Natural Treatment for Better Hormones and Better Periods. Das vorliegende Buch, Hormone im Lot: Gesund und ausgeglichen durch die Wechseljahre, ist ihr zweites Buch.
Lara Bridens Blog, The Period Revolutionary, ist zu finden unter www.larabriden.com (in englischer Sprache, Anm. d. Verlags) sowie auf Twitter, Instagram und Facebook unter @LaraBriden.
Für meine Patientinnen
Einleitung
Wie dieses Buch zu verwenden ist
Infoboxen
Sind die Empfehlungen evidenzbasiert?
Meine Ausbildung und mein beruflicher Hintergrund
TEIL EINS: DIE PERIMENOPAUSE UND DIE MENOPAUSE VERSTEHEN
1. Hormonrevolution: Warum nach der zweiten Pubertät alles anders ist
Die Perimenopause ist wie eine zweite Pubertät, die vorübergeht
Die Perimenopause ist eine Abfolge von Ereignissen
Die Perimenopause ist ein kritisches Zeitfenster für Ihre allgemeine Gesundheit
Wie schlimm wird es?
Die Intensität Ihrer Periode vor der Perimenopause
2. Stigma, Freiheit, Trauer und alles, was dazwischen liegt
Stigma und Scham
Freiheit und Unsichtbarkeit
Trauer
Die Bedeutung der Menopause aus Sicht der Evolution
3. Ein Hoch auf den Eisprung: Der Nutzen natürlicher, ovulatorischer Menstruationszyklen
Der Eisprung fördert die Gesundheit
Haben Sie noch einen Zyklus oder sind Sie schon in der Menopause?
Was bedeutet die Pille für die Perimenopause?
Verhütung in der Perimenopause
4. Die hormonellen und körperlichen Veränderungen in der zweiten Pubertät
Verlust von Progesteron
Hohes und schwankendes Östrogen
Verlust von Östrogen
Diagnose der Perimenopause
Der Zeitpunkt der Perimenopause
Wenn die Menopause früh einsetzt: Primäre Ovarialinsuffizienz oder Menopause
TEIL ZWEI: BEHANDLUNG
5. Allgemeine Gesundheitsförderung in der Perimenopause und danach
Das Nervensystem beruhigen
Das vegetative Nervensystem
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse (HPA-Achse)
Zirkadianer Rhythmus
Chronische Entzündungen
Insulinresistenz
Gesunde Verdauung
Umweltgifte
Alkohol
Ihren Körper nähren
Stärken Sie Ihren Körper: Bewegung
6. Menopausale Hormontherapie
Verschiedene Arten von Hormontherapie
Hormontherapie für die Perimenopause
Hormontherapie für die Menopause
Fehlerbehebung bei der Hormontherapie
7. Neuvernetzung des Gehirns: Hilfe bei Hitzewallungen, Schlaf- und Gedächtnisproblemen, Migräne und Stimmungsschwankungen
Grundlegender Aktionsplan für die Neuorganisation Ihres Gehirns
Hitzewallungen
Schlaf
Migräne
Gedächtnisprobleme
Stimmungsschwankungen
8. Gewichtszunahme, Schilddrüsenerkrankungen, Allergien und Schmerzen
Umkehr von Insulinresistenz und Reduzierung von Bauchfett
Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen
Allergien
Schmerzen
9. Die Östrogen-Achterbahn, starke Perioden und Brustschmerzen
Normale Regelschmerzen
Endometriose und Adenomyose
Myome
Anovulatorische Blutungen
Brustschmerzen
10. Was danach kommt
Das Urogenitale Menopausensyndrom (UGMS)
Gesichtsbehaarung und Haarausfall
Für ein gesundes Körpergewicht sorgen
Verringerung des Osteoporoserisikos
Verringerung des Risikos für Herzerkrankungen und Schlaganfall
Verringerung des Demenzrisikos
Ein letztes Wort zu dem, was danach kommt
Bezugsquellen
Glossar
Referenzen
Stichwortverzeichnis
Herzlich willkommen bei Hormone im Lot: Gesund und ausgeglichen durch die Wechseljahre, Ihrem Ratgeber für einen gesunden Hormonhaushalt ab 40.
Wenn Sie mein erstes Buch, Period Repair Manual: Natural Treatment for Better Hormones and Better Periods (zu Deutsch: Das Perioden-Handbuch: Natürliche Behandlungen für ausgeglichenere Hormone und leichtere Perioden) gelesen haben, dann wissen Sie bereits, dass ich für die Themen Hormone und Menstruation brenne! Man könnte mich sozusagen als Fürsprecherin weiblicher Hormone und all der Vorteile eines natürlichen Menstruationszyklus bezeichnen.
Mit derselben Leidenschaft habe ich dieses Buch für die letzten Jahre der Periode, die so genannte Perimenopause, und die Jahre nach der Periode, die Menopause, geschrieben. Im Titel habe ich bewusst auf die Begriffe »Perimenopause« und »Menopause« verzichtet, weil ich vermeiden wollte, dass Sie denken »Oh, das Buch betrifft mich nicht«, obwohl es Sie, sofern Sie 40 (oder nahe an der 40) sind, sogar sehr betrifft.
Warum liegen mir die Themen Perimenopause und Menopause so sehr am Herzen?
Erstens, weil ich das, worüber ich in diesem Buch schreibe, selbst erfahren habe. Während ich dieses Buch schreibe, bin ich fünfzig Jahre alt, und mittlerweile liegen lange Zeiträume zwischen meinen einzelnen Perioden, und ich weiß oft nicht mehr, wo ich mein Auto geparkt habe. Außerdem entdecke ich ein neues Gefühl von befreiender Unabhängigkeit, worauf ich in Kapitel 2 noch genauer eingehen werde. Über dieses Phänomen haben viele meiner Patientinnen berichtet, aber ich konnte es erst richtig nachvollziehen, als es mir selbst auch so ging.
Der zweite Grund meiner Leidenschaft für dieses große Thema liegt darin begründet, dass ich aufzeigen möchte, wie natürlich und vollkommen in Ordnung diese Phase im Leben einer Frau ist. Denn ich habe auf meinen Social-Media-Seiten eine kleine Umfrage durchgeführt und gefragt: »Haben Sie Angst vor der Menopause?« Diese Frage beantworteten 64 Prozent der Frauen mit »Ja«. In den Kommentaren schrieben sie, sie fürchteten sich – verständlicherweise – vor den Symptomen, aber auch vor dem Stigma der Menopause. Letzteres ist zwar ebenfalls verständlich, aber sehr traurig. Wie kann die Gesellschaft einen normalen, natürlichen Prozess, der 51 Prozent der Bevölkerung betrifft, noch immer so stigmatisieren?
Über dieses Stigma sprechen wir in Kapitel 2, in dem ich – hoffentlich – für neue Sichtweisen sorgen werde. Ich werde Sie auch dazu einladen, die Menopause als einen vom Altern losgelösten Prozess anzusehen. Denn die Perimenopause findet zwar parallel zum Altern statt, dennoch ist sie ein eigenständiger Prozess, der eher einer Art zweiten Pubertät gleicht. Dieses Konzept der »zweiten Pubertät« werden wir in den Kapiteln 1, 2 und 4 behandeln, in denen ich Argumente dafür liefere, dass die Menopause sich aus evolutionärer Sicht betrachtet wahrscheinlich als nützliche Anpassungsmaßnahme entwickelt hat, um den Menschen eine längere Lebenserwartungszeit zu ermöglichen. Die Menopause als nützliche Anpassungsmaßnahme zu betrachten, ist nur einer von vielen Wegen, einen Sinn hinter dem Prozess zu finden und über das kollektive Narrativ hinauszusehen, die Menopause habe ihre Ursache nur darin, dass die Menschen zu lange leben.
In den ersten vier Kapiteln geht es darum, den Prozess der Perimenopause zu verstehen, sowohl aus emotionaler als auch biologischer Sicht. Darin beschreibe ich auch, wie wichtig ein regelmäßiger Eisprung ist. Wenn es Ihnen kurios vorkommt, genau dann mehr über den Eisprung zu erfahren, wenn Sie kurz davorstehen, überhaupt nie wieder einen Eisprung zu haben, sollten Sie wissen, dass der ausbleibende Eisprung der Grund für die meisten Symptome ist. Um die Symptome zu verstehen und zu wissen, wie Sie sie behandeln können, müssen Sie damit anfangen, den Eisprung zu verstehen.
In den letzten sechs Kapiteln des Buches spreche ich über Behandlungsmöglichkeiten. Basierend auf den neuesten Forschungsergebnissen und meiner 25-jährigen Erfahrung mit meinen Patientinnen, werde ich ernährungsbezogene und hormonelle Behandlungsstrategien für Symptome aufzeigen, die von starken Perioden über Gewichtszunahme und Angstzuständen bis hin zu Nachtschweiß reichen. Wir beginnen mit dem Kapitel »Allgemeine Gesundheitsförderung«, in dem es um das Nervensystem und Ernährung geht, und sprechen dann ausführlich über Hormontherapie, ehe wir jedes Symptom einzeln betrachten und ich erkläre, wie man diese sowohl mit konventionellen als auch naturheilkundlichen Methoden behandeln kann.
Bitte lesen Sie das Buch von vorne nach hinten, denn ich lasse in jedes Kapitel wichtige Themen einfließen. So enthalten die Kapitel 5 und 8 zum Beispiel eine ausführliche Beschreibung der sogenannten Insulinresistenz, die für fast jeden Aspekt der Perimenopause und der Menopause von Bedeutung ist. In Kapitel 7, dem »Hirnkapitel«, werden Sie alles über Hitzewallungen lernen, und in Kapitel 10 bespreche ich langfristige Probleme, wie Scheidentrockenheit, kognitive Probleme und Knochengesundheit.
Durch das ganze Buch hindurch werden Sie Definitionen, Tipps und Hinweise, Patientengeschichten und Spezialthemen finden.
Definition
In den Definitionsboxen finden Sie einfache Erklärungen der Fachbegriffe. Diese Erklärungen finden Sie auch im Glossar am Ende des Buches.
Unter Tipps und Hinweise sind jeweils zusätzliche nützliche Informationen zu finden.
Lara – Es liegt immer mehr Zeit zwischen den einzelnen Perioden
Die Geschichten über meine Patientinnen, die ich hier als anschauliche Beispiele aufführe, beruhen auf deren tatsächlichen Erfahrungen und Erlebnissen. Selbstverständlich habe ich die Namen und auch persönliche Details geändert.
Spezialthema bedeutet: Hier geht es tiefer ins Detail
Spezialthemen liefern Ihnen zusätzliche, tiefergehende Informationen.
Tipps für ein Arztgespräch
Manchmal werden Sie die Hilfe Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin benötigen, sei es für eine Diagnose oder die Verordnung einer angemessenen medikamentösen Behandlung. Ich möchte, dass Ihr Arztgespräch so produktiv wie möglich abläuft, darum will ich Ihnen hiermit einige Stichworte und Hinweise für das Gespräch mitgeben.
Bei allen Empfehlungen zu Ernährung, Lebensweise und Nahrungsergänzungsmitteln verweise ich, wann immer möglich, auf eine wissenschaftliche Studie. Insgesamt sind es mehr als 350 Studien, die viele meiner Empfehlungen stützen. Habe ich keinen solchen Verweis genannt, dann weil bislang keine Forschungsergebnisse zu dem Thema veröffentlicht wurden. Dies ist beispielsweise bei manchen pflanzlichen Arzneimitteln der Fall, aber auch bei Konzepten wie etwa die Rolle der Mastzellaktivierung und des Histamins bei perimenopausalen Stimmungsschwankungen. Ich hoffe, dass Forschende sich eines Tages auch mit diesen Behandlungsmöglichkeiten und Konzepten befassen, doch bis dahin möchte ich, dass Sie dennoch von einem umfassenderen Bild profitieren können. Wenn das bedeutet, der wissenschaftlichen Forschung voraus zu sein, dann soll es so sein.
Meine Empfehlungen basieren vor allem auf den Genesungsgeschichten von Tausenden meiner Patientinnen. Die meisten Empfehlungen sind einfach und sicher umzusetzen. Sollte es Vorsichtsmaßnahmen geben, so führe ich sie auf. Ich bitte Sie dennoch, sich mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder in einer Apotheke über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Ihrem Gesundheitszustand zu besprechen. Dies gilt auch für den Fall, dass Sie schwanger sind oder stillen. Schauen Sie immer auf den Verpackungen oder Beipackzetteln nach Vorsichtshinweisen und Anweisungen zur Dosierung. Ich weise darauf hin, dass ich nicht dafür bezahlt wurde, bestimmte Produkte aufzuführen. Letztlich sollten Sie selbst sich für ein Nahrungsergänzungsmittel entscheiden, das Sie problemlos beziehen können und das nicht allzu teuer ist.
In Kapitel 6 werden wir ausführlich über Hormontherapie in der Menopause sprechen. Meine Angaben sind so aktuell wie möglich. Man muss jedoch bedenken, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse sich ständig ändern, und es einmal heißt »Hormone sind eine gute Prävention«, dann wieder »nur zur Symptombeseitigung zu verwenden« – um schlussendlich dann doch wieder als »gute Prävention« zu gelten und so weiter. Meine Beobachtungen haben mir gezeigt, dass eine Östrogen- und Progesterontherapie bei einigen Beschwerden helfen können. Deshalb gebe ich einen Überblick zu den neuesten Forschungsergebnissen und den allgemeinen Konsens darüber sowie ergänzend dazu die Erfahrungen meiner Patientinnen.
Für dieses Buch habe ich die Forschungsergebnisse meiner Kollegin Jerilynn C. Prior herangezogen, einer kanadischen Professorin für Endokrinologie und Autorin des Buches Estrogen’s Storm Season: Stories of Perimenopause (zu Deutsch: Sturmzeit des Östrogens: Geschichten von der Perimenopause), auf deren Arbeit ich insbesondere im Kapitel über die Hormontherapie eingehe. Sie ist eine starke Verfechterin der Behandlung mit Progesteron, mit oder ohne Kombination mit Östrogen. Im gesamten Buch werden Sie auf ihre Zitate und Erkenntnisse stoßen.
Für meinen ersten Universitätsabschluss mit dem Bachelor of Science (BSc) der Universität Calgary erstellte ich eine wissenschaftliche Abhandlung über das Futtersuchverhalten männlicher und weiblicher Fledermäuse. Diese Arbeit in Evolutionsbiologie war der Beginn meiner großen Liebe zu Wissenschaft und Natur und hat den Weg zu meiner Arbeit mit meinen Patientinnen geebnet. So sehe ich den Körper als logisch reagierendes System an, das genau weiß, was es tut, wenn es die richtige Unterstützung durch Ernährung und natürliche Behandlungsformen erfährt.
Nach meinem Abschluss in Biologie studierte ich Naturheilkunde am Canadian College of Naturopathic Medicine (CCNM) in Toronto, Kanada. Dies ist eines von sieben anerkannten Colleges für naturheilkundliche Medizin in Nordamerika, von denen es in Kanada zwei und in den USA fünf gibt. Die ersten beiden Studienjahre ähneln stark dem regulären Medizinstudium, aber in den letzten beiden Jahren durchläuft man Hunderte Lehrstunden im Bereich der Ernährungs- und Kräutermedizin sowie eine klinische Ausbildung an einer ambulanten Klinik. 1997 absolvierte ich die Lizenzprüfungen des North American Board of Naturopathic Examiners (NABNE).
Meine ersten Praxisjahre verbrachte ich in Pincher Creek, Alberta, Kanada. Das war noch in den 1990ern, eine interessante Zeit für Naturheilkundler, denn sogar grundlegende Dinge wie Probiotika wurden damals noch als etwas sehr Merkwürdiges angesehen. »Gute Bakterien?«, fragte mich eine Kollegin. »Was für ein Schwachsinn!« Außerdem waren die 1990er eine etwas furchteinflößende Zeit, was Frauengesundheit anbelangte. Viele meiner Patientinnen erhielten hochdosierte Anti-Baby-Pillen, mussten sich routinemäßigen Hysterektomien unterziehen oder wurden mit einem altmodischen Mittel zur Hormontherapie namens Premarin behandelt. Als ich nach besseren Lösungen für meine Patientinnen suchte, entdeckte ich, dass natürliche Behandlungsmethoden sogar bessere Ergebnisse erzielten, als ich erwartet hatte. Beispielsweise halfen Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel bei Symptomen wie etwa Hitzewallungen und die Therapie mit bioidentischen Hormonen (auch körperidentische Hormone genannt) war eine gut geeignete und sichere Alternative zur konventionellen Hormonersatztherapie (HRT). Diese Behandlung ist nun als sogenannte menopausale Hormontherapie (MHT) bzw. nur Hormontherapie bekannt.
25 Jahre sind seitdem vergangen, und die Behandlung mit bioidentischen Hormonen ist nun die Standard-Hormontherapie der Schulmedizin. Die Umstellung auf die Behandlung mit bioidentischen Hormonen hat länger gedauert als ich dachte, aber irgendwann war es so weit, sodass Ihnen nun die »natürlichen Hormone« als eine von mehreren Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen routinemäßig verschreiben kann. Damit Sie auch tatsächlich die sicherere und natürlichere Form der Hormontherapie erhalten, sollten Sie sich dazu Kapitel 6 durchlesen.
Nachdem ich zunächst im ländlichen Alberta praktiziert hatte, zog ich nach Sydney, Australien, wo ich fast zwanzig Jahre lang meine Praxis hatte, ehe ich mich endgültig in Christchurch in Neuseeland niederließ. Derzeit lebe ich in Neuseeland, reise aber häufig nach Australien, um dort Vorträge zu halten und den Kontakt zu meinen Patientinnen in Sydney aufrecht zu halten.
Ich bin Mitglied des Scientific Advisory Council for the Centre for Menstrual Cycle and Ovulation Research (Wissenschaftlicher Beirat des Zentrums für Menstruationszyklus- und Ovulationsforschung), der 2002 von Jerilynn C. Prior an der University of British Columbia gegründet wurde, sowie der Endometriose Special Interest Group (Endometriose-Interessenvereinigung) in Neuseeland. Außerdem bin ich im Redaktionskomitee der Vital Link, dem offiziellen Magazin für naturheilkundliche Medizin der Canadian Association of Naturopathic Doctors.
Ich möchte mich bei meinen vielen Tausend Patientinnen während all dieser Jahre bedanken. Danke, dass Sie mir Ihre Gesundheit und Ihre Geschichten anvertraut haben. Dieses Buch ist Ihnen gewidmet.
Lara Briden
Man braucht im Leben nichts zu fürchten, man muss es nur verstehen. Jetzt ist es an der Zeit, mehr zu verstehen, damit wir weniger fürchten.
~ Marie Curie ~
Sie halten dieses Buch in den Händen, weil Sie das Gefühl haben, Ihr Körper und möglicherweise auch Ihr Leben verändern sich.
Das bilden Sie sich nicht ein. Denn mit Ende dreißig oder Anfang vierzig verändert sich tatsächlich etwas in Ihrem Körper und vor allem in Ihrem Gehirn. Das kann verwirrend, frustrierend und befreiend zugleich sein. Bei dieser Veränderung handelt es sich nicht um ein einmaliges Ereignis, sondern um einen Prozess, der Perimenopause genannt wird und zwei bis zwölf Jahre vor dem Ende Ihrer Regelblutung einsetzt. Die Perimenopause unterscheidet sich von der Menopause, die ein Jahr nach Ihrer letzten Regelblutung beginnt und als Lebensphase bezeichnet werden kann, nicht als Prozess. Dieses Buch handelt also vom Prozess der Perimenopause und der Lebensphase der Menopause. Beides zusammen umfasst einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten. Nun – was benötigen Sie, um dieses wichtige, neue Kapitel Ihres Lebens zu verstehen?
Zuallererst müssen Sie wissen, dass die oftmals damit einhergehenden Symptome (sofern Sie welche haben) normalerweise vorübergehend sind. Zwar gehen nicht alle Symptome der Perimenopause vorbei, aber viele. Und wenn Ihnen dies bewusst ist, sind Sie bereits gut davor bewahrt zu denken: »O mein Gott, so wird es mir für den Rest meines Lebens gehen.« So wird es nicht für immer bleiben; auch das geht vorüber.
Als nächstes müssen Sie wissen, dass es sich bei der Perimenopause nicht um chaotische »Hormonschwankungen« handelt, sondern um eine Abfolge von Ereignissen, zu deren Beginn ein niedriger Progesteronspiegel auf einen vorübergehend hohen Östrogenspiegel trifft, und an deren Ende ein niedriger Östrogenspiegel und einige gravierende Veränderungen des Insulinstoffwechsels stehen. Wenn Sie diesen Prozess als eine Abfolge beschreibbarer Ereignisse verstehen, können Sie die richtige Behandlungsmethode finden.
Letztlich müssen Sie auch wissen, dass die Perimenopause und die frühen Jahre der Menopause ein kritisches Zeitfenster für Ihre Gesundheit generell sind, selbst wenn Sie keinerlei Symptome haben. Mit »kritischem Zeitfenster« meine ich eine sensible Phase oder einen Moment, während der bzw. während dem kleinere gesundheitliche Probleme sich zu größeren, dauerhaften Gesundheitsproblemen im späteren Leben entwickeln können, wenn sie nicht angegangen werden. Das Gute an so einem Kipppunkt ist, dass er sich auch als Gelegenheit anbietet, kleine Veränderungen im Alltag einzuführen, die sich für Ihre zukünftige Gesundheit auszahlen.
Ich fasse zusammen:
• Viele Symptome sind nur vorübergehend.
• Die Perimenopause ist eine Abfolge von Ereignissen.
• Die Perimenopause und die ersten Jahre der Menopause sind ein kritisches Zeitfenster für die Gesundheit.
Das wollen wir uns im Folgenden im Detail anschauen.
Bei der Perimenopause geht es nicht ums Altern. Wenn Sie 35 oder sogar noch jünger sind, sind Sie eindeutig noch jung. Und auch wenn Sie 50 sind, geschieht die Perimenopause zwar gleichzeitig mit dem Altern, aber sie wird nicht durch das Altern hervorgerufen. Stattdessen ist die Perimenopause eine Abfolge von hormonellen Ereignissen und Veränderungen, die eher der Pubertät oder einer zweiten Pubertät gleichen. Schauen Sie sich bitte die folgende von der Endokrinologin Jerilynn C. Prior erstellte Abbildung des Östrogen- (Estradiol-) und Progesteronspiegels im Laufe des Lebens an.
Abbildung 1 — Die Hormone im Laufe des Lebens. Aus dem Buch von JC Prior, »Perimenopause Lost—Reframing the End of Menstruation.«
Der Östrogenspiegel ist während der Kindheit niedrig und in den Teenagerjahren hoch und schwankend, insbesondere im Vergleich zu Progesteron, dem »Perioden erleichternden Hormon«, das niedrig ist, bis sich regelmäßige Zyklen eingestellt haben. Hohes Östrogen in Kombination mit niedrigem Progesteron ist sowohl in der ersten als auch der zweiten Pubertät der Fall, wobei das Progesteron in der ersten Pubertät langsam gebildet und in der zweiten Pubertät langsam verloren wird. Hohes Östrogen zusammen mit niedrigem Progesteron ist der Grund, warum Sie als Teenager möglicherweise starke Regelblutungen hatten, und weshalb Sie sie leider vielleicht auch in Ihren Vierzigern erneut haben. Im Laufe der zweiten Pubertät verlieren Sie irgendwann das Östrogen, bis der Östrogenspiegel mit der Menopause ähnlich niedrig ist wie in der Kindheit.
Dieser Prozess der hormonellen Veränderung kann zehn Jahre dauern, was bedeutet, dass die Symptome zehn Jahre lang anhalten können, aber nicht für immer bleiben. Darum sollten Sie sich zweimal überlegen, ob Sie eine Diagnose, wie beispielsweise chronische Erschöpfung oder Fibromyalgie, als dauerhaft akzeptieren.
Fibromyalgie
Fibromyalgie ist eine Krankheit, bei der man unterschiedlichste chronische Schmerzen hat und verstärkt auf Druckschmerzen reagiert. Typischerweise betrifft sie Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren.
Prior spricht über die sogenannte perimenopausale Fibromyalgie in ihrem Buch »Estrogen’s Storm Season« und führt sie auf vorübergehende perimenopausale Schlafstörungen zurück:
»Aufgrund der Schlafstörungen werden manche Frauen sehr schmerzempfindlich und müde. Bei manchen von uns wird in der frühen Perimenopause das chronische Erschöpfungssyndrom oder Fibromyalgie diagnostiziert. Wüssten wir, dass unsere Symptome Teil der Perimenopause sind, hätten wir Anlass zur Hoffnung. Doch stattdessen erhalten wir häufig eine Diagnose und werden erwerbsunfähig und verlieren nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Identität und unseren Job.«1
Wir werden in Kapitel 8 mehr über Fibromyalgie und die entsprechende Behandlung erfahren.
Andere vorübergehende Symptome der zweiten Pubertät sind starke Regelblutungen, Unterleibsschmerzen, schmerzende Brüste, Migräne, Nachtschweiß und vor allem: Angst und Depressionen. Laut den meisten Forschungsarbeiten steigt das Risiko für Angst und Depressionen mit der Perimenopause,2 und sinkt dann mit der Menopause wieder. Mit anderen Worten: Falls Sie es schaffen, einfach durchzuhalten – oder sich mit den Behandlungsmethoden in Kapitel 7 zu helfen –, ist es gut möglich, dass Sie mit Mitte fünfzig feststellen, dass Ihre Stimmung so gut ist wie in jungen Jahren, und manchmal sogar besser. Das besagen mehrere Studien, unter anderem Forschungsarbeiten der University of Melbourne, die zu dem Schluss kamen, dass der Großteil der Frauen über 60 sich »sehr gut«3 fühlt, sowie die Beobachtungen der US-amerikanischen Psychologin Mary Pipher, die sagt, dass »eine Frau in ihren Siebzigern wahrscheinlich glücklicher ist als jemals zuvor.«4 Professorin Prior sagt, Frauen müssten wissen, dass »die Perimenopause in eine ruhigere und angenehmere Lebensphase mündet, die zurecht Menopause genannt wird.«5
Nicht jedes Symptom in Ihren Vierzigern kann auf die Perimenopause zurückzuführen sein. Bei Weitem nicht. Symptome wie Schmerzen und Erschöpfung können auch an einem zugrundeliegenden Gesundheitsproblem liegen, darum sollten Sie auf jeden Fall Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufsuchen. Unbedingt im Auge behalten sollte man Schilddrüsenerkrankungen, die unabhängig von der Perimenopause bestehen, aber durch diese verschlechtert werden können – oder sogar fälschlicherweise für die Perimenopause gehalten werden können, weil sich die Symptome so stark ähneln. Die Überlappungen von Schilddrüsenerkrankungen und Perimenopause werden wir in Kapitel 8 besprechen.
Bislang haben wir uns angeschaut, wie viele Symptome der zweiten Pubertät wahrscheinlich nur vorübergehend sind. Schauen wir uns im Folgenden die Perimenopause als eine Abfolge von Ereignissen an.
Die Perimenopause beginnt damit, dass das Progesteron abnimmt. Zu irgendeinem Zeitpunkt in unseren Vierzigern oder späten Dreißigern bilden wir weniger Progesteron, selbst wenn die Periode noch regelmäßig kommt. Warum das so ist, erfahren Sie in Kapitel 3, doch jetzt reicht es erst einmal, zu akzeptieren, dass das so ist und zu einer Reihe von Symptomen führen kann, wie beispielsweise Angst, Brustschmerzen, Herzrasen, Nachtschweiß, häufige Migräne, und verrückte, starke Regelblutungen. Da die perimenopausalen Symptome größtenteils von Progesteronverlust herrühren und nicht von abnehmendem Östrogen, ist Progesteron möglicherweise die bessere Behandlungsweise, nicht Östrogen.
Wenn der Progesteronspiegel sinkt, kann es sein, dass der Östrogenspiegel höher als je zuvor steigt; er kann sogar dreimal so hoch liegen. Dies kann zu Symptomen wie gereizter Stimmung, Brustschmerzen und starken Regelblutungen führen. Symptome eines hohen Östrogenspiegels kommen sowohl von den direkten Auswirkungen des Hormons als auch den indirekten Auswirkungen von Östrogen auf die Mastzellen und auf Histamin. Das werden wir uns in den Kapiteln 4 und 5 noch anschauen. Hitzewallungen in der Perimenopause werden durch die Östrogenschwankungen und den Abfall von hoch zu tief hervorgerufen. Laut JC Prior bedeutet das, dass – solange man noch seine Periode hat – Hitzewallungen eher eine Reaktion auf Progesteron als auf Östrogen sind.
Nach Ihrer letzten Periode bewegen Sie sich schließlich, auf dem Terrain des niedrigeren Östrogenspiegels. Ich betone ausdrücklich »niedriger«, nicht zu verwechseln mit einem Östrogenmangel, denn man kann keinen »Mangel« an etwas haben, wenn man den Hormonspiegel hat, der für die jeweilige Lebensphase normal ist. Wir werden später sehen, dass Sie auch in dieser Zeit noch einiges an Östrogen bilden, wobei der Spiegel schwankt, was wiederum bedeutet, dass viele der Symptome vom Absinken des Spiegels kommen. Symptome der Wechseljahre wie Schlaflosigkeit, Gedächtnisprobleme und Scheidentrockenheit können auf eine Therapie mit Östrogen plus Progesteron ansprechen.
Ihr neuer Zustand, bestehend aus verringertem Östrogen und sehr niedrigem Progesteron, kann auch zu einer Veränderung der Insulinsensitivität führen, die als Prädiabetes oder Insulinresistenz bekannt ist.
Insulinresistenz
Bei einer Insulinresistenz reagiert der Körper weniger empfindlich auf das Hormon Insulin, was zu einem chronisch (dauerhaft) erhöhten Insulinspiegel führt. Andere Namen für diese Krankheit sind Hyperinsulinämie, Metabolisches Syndrom oder Prädiabetes. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Gewichtszunahme im Bauchbereich und vielen anderen Menopausensymptomen.
Eine Insulinresistenz zu erkennen und umzukehren, ist ein entscheidender Teil Ihrer Menopausen-Reise. Die Gründe dafür werde ich in den Kapiteln 4, 5, 7 und 8 erläutern, in denen ich auch die Bedeutung der relativen Testosterondominanz erklären und Behandlungsstrategien wie Intervallfasten vorstellen werde.
Intervallfasten
Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, ist eine Ernährungsform, bei der täglich zwischen Fasten- und Essensperioden abgewechselt wird.
Die Abfolge der Ereignisse während der Perimenopause sieht so aus:
1. niedrigeres Progesteron,
2. hohes und stark schwankendes Östrogen,
3. niedrigeres Östrogen,
4. mögliche Insulinresistenz.
Im Durchschnitt dauert der gesamte natürliche Wandel während der Perimenopause rund sieben Jahre. JC Prior unterteilt sie in die folgenden vier Phasen und die Menopause, was wir uns in Kapitel 4 noch genauer ansehen werden:
1. sehr frühe Perimenopause mit noch regelmäßigen Zyklen,
2. früher Übergang zur Menopause, ab dem Beginn unregelmäßiger Zyklen,
3. später Übergang zur Menopause, ab dem Zeitpunkt, an dem zwischen zwei Zyklen mindestens sechzig Tage liegen,
4. späte Perimenopause, welche die zwölf Monate nach der letzten Periode umfasst,
und die Menopause, also die Lebensphase, die ein Jahr nach der letzten Periode beginnt.
Abbildung 2: Die vier Phasen der Perimenopause
Wenn Sie die Menopause erreichen, ehe Sie 45 sind, oder aufgrund einer Operation oder Medikamenten in die Menopause kommen, durchleben Sie diese vier Phasen nicht, sondern befinden sich direkt im Zustand des niedrigen Östrogenspiegels. Ein so plötzlicher Übergang kann zu stärkeren Symptomen führen und benötigt fast immer eine Therapie mit Östrogen sowie Progesteron, worüber wir ebenfalls in den Kapiteln 4 und 6 sprechen werden.
Falls bei Ihnen eine partielle Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) vorgenommen wurde, Sie Ihre Eierstöcke aber behalten haben, durchleben Sie dennoch die vier natürlichen Phasen der Perimenopause und haben jahrelang einen »versteckten Zyklus«, was bedeutet, dass jahrelang das Östrogen hoch ist und Sie »prämenstruelle« Symptome haben, wie zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Brustschmerzen und sogar Endometrioseschmerzen – allerdings keine Blutung, die zeigt, was da vor sich geht. Das kann eine verwirrende Zeit sein, weil Sie oder Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin fälschlicherweise annehmen könnten, dass Sie in der Menopause sind, und deswegen versucht wird, die Symptome eines hohen Östrogenspiegels mit Östrogen zu behandeln.
Das ist meiner Patientin Rita passiert.
Rita – noch nicht in der Menopause
Rita war 48, als sie mich um Hilfe bat, weil sie »Menopausen-Symptome« hatte, darunter gereizte Stimmung und monatliche Migräneattacken.
»Ungefähr zweimal im Monat bekomme ich schlimme Kopfschmerzen«, erklärte mir Rita. »Und ungefähr zur gleichen Zeit schwellen meine Brüste an. Meine Ärztin hat mir ein Östrogenpflaster verschrieben, aber das scheint meine Stimmung und Kopfschmerzen nur noch zu verschlimmern.«
Ich schaute mir ihre Unterlagen an und las, dass sie sich drei Jahre zuvor einer Hysterektomie unterzogen hatte.
»Sie haben noch einen Zyklus«, sagte ich.
»Aber ich habe keine Blutung«, widersprach Rita.
»Das liegt nur daran, dass Sie keine Gebärmutter mehr haben, die bluten kann«, erklärte ich ihr. »Aber Ihre Eierstöcke produzieren noch jede Menge Östrogen, weshalb Sie jeden Monat Kopfschmerzen haben.«
Wir untersuchten, wie hoch der FSH-Wert bei Rita war. Dabei handelt es sich um ein Hypophysenhormon, das die Menopause anzeigen kann. Bei Rita lag der Wert im normalen, nicht-menopausalen Bereich.
»Ich denke, Sie haben noch einige Jahre mit regelmäßigen Zyklen vor sich«, sagte ich. »Ich würde gern eine Behandlung probieren, die besser zum hohen Östrogenspiegel der Perimenopause passt.«
Rita begann mit der Einnahme von Magnesium und Progesteron – meinen beiden Lieblingsbehandlungen in der Perimenopause – und fühlte sich deutlich besser.
»Das sollte momentan gut funktionieren«, erklärte ich ihr. »Bis Sie näher an der Menopause sind. Dann kann es entweder sein, dass Sie sich gut fühlen, oder dass Sie Symptome eines niedrigeren Östrogenspiegels verspüren, wie zum Beispiel Hitzewallungen und Scheidentrockenheit. Wenn das der Fall ist, können wir überlegen, ob Sie es mit einer Östrogentherapie ausprobieren können.«
Über den FSH-Test werden wir in Kapitel 3 genauer sprechen, dennoch möchte ich kurz etwas dazu sagen. FSH steht für follikelstimulierendes Hormon und wird von der Hypophyse bildet, um mit den Eierstöcken zu kommunizieren. Wenn Sie noch nicht in der Menopause sind, liegt Ihr FSH-Wert normalerweise unter 40 IU / L, wobei dieser Wert auch schwankt, sodass er manchmal höher liegen kann. Weil der FSH-Wert in der Perimenopause so stark schwankt, messen die meisten Ärzte ihn nicht. Ich ordne den FSH-Test dennoch an, um eine mögliche frühe Menopause zu entdecken oder um einen nicht-menopausalen Zustand wie bei Rita zu untersuchen.
Sollten Sie eine Hysterektomie gehabt haben und nicht genau wissen, was da los ist, sollten Sie auf diese Dinge achten:
• Sie können noch immer einen Zyklus haben, insbesondere wenn Sie ein monatliches Muster an Symptomen erkennen, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Schmerzen. Falls Sie ein paar Nächte lang schlecht schlafen, kurz bevor eigentlich Ihre Periode kommen sollte, kann das der Hinweis auf einen versteckten Zyklus sein.
• Sollten Sie den Tag ausmachen können, an dem Ihre Stimmungs- oder Schlafsymptome wieder verschwinden, dann ist das »Tag eins« Ihres versteckten Zyklus.
• Durch Temperaturmessung (Kapitel 3) könnten Sie genau bestimmen, ob und wann Sie einen Eisprung haben und wann die prämenstruelle Phase beginnt.
Sie können dies auch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen.
Tipps für ein Arztgespräch
• Klären Sie, ob es sich bei Ihren Symptomen um prämenstruelle Symptome handeln könnte.
• Fragen Sie nach einer Messung Ihres FSH-Wertes um zu sehen, ob Sie bereits in der Menopause sind.
Denken Sie daran, dass wir uns hier mit einigen Schlüsselkonzepten beschäftigen. Bislang haben wir uns angeschaut, inwieweit die Perimenopause eine Art zweite Pubertät und darum von vorübergehender Natur ist, und dass sie Abfolge von Ereignissen ist. Jetzt schauen wir uns an, inwiefern die Perimenopause ein kritisches Zeitfenster ist.
Wie zuvor erklärt, ist ein kritisches Zeitfenster eine sensible Phase oder ein Kipppunkt, an dem sich kleinere gesundheitliche Probleme (sofern sie nicht angegangen werden) zu größeren gesundheitlichen Problemen entwickeln können. Kritische Zeitfenster sind Zeiten des körperlichen Wandels, wie zum Beispiel Kindheit, Pubertät, Schwangerschaft und die Zeit nach der Entbindung – all das sind Phasen, in denen man anfälliger für neue Krankheiten ist. Manche Wissenschaftler beschreiben solche Zeiträume auch als körperliche »Kipppunkte«, bei denen kleine gesundheitliche Störungen sich auf eine Art und Weise ausweiten können, wie es nicht der Fall wäre, wenn sie zu einer Zeit auftreten würden, in der der Körper nicht ohnehin schon Veränderungen durchläuft, die ihn belasten.67
Das Konzept des kritischen Zeitfensters umfasst jeden Aspekt der Gesundheit. Zum Beispiel ist laut Daten der US-amerikanischen Study of Women’s Health Across the Nation (SWAN) die Perimenopause eine riskante Zeit für das Auftreten von Herzerkrankungen. Die Studie bezeichnet diese Phase als ein »kritisches Zeitfenster, um diesen vorzubeugen.«8 Das kardiovaskuläre Risiko rührt zu einem großen Teil von der Entwicklung hin zu einer Insulinresistenz, worauf ich noch weiter eingehen werde, was glücklicherweise aber durch einfache Veränderungen in der Ernährung und durch Sport verbessert werden kann.
Des Weiteren kann das Immunsystem betroffen sein, das sich in der Perimenopause grundlegend umbaut, wie wir noch sehen werden. Darum ist die Perimenopause (genau wie die Phase nach der Entbindung)6 eine riskante Zeit, in der sich Autoimmunerkrankungen entwickeln oder verschlimmern können. Bestes Beispiel ist die Hashimoto-Thyreoiditis, über die wir in Kapitel 8 sprechen werden. Darin werde ich Ihnen auch Strategien liefern, wie Sie Ihr Immunsystem während seines Umbauprozesses schützen können.
Schließlich ist die Perimenopause auch eine riskante Zeit für das Gehirn, und zwar in ähnlicher Weise wie Kindheit, Pubertät, Schwangerschaft und die Zeit nach der Entbindung. Während all diesen Zeiten findet eine Neukalibrierung des Gehirns statt, vom Prinzip her eine Art »Software-Update«. Wenn das Update gut läuft, unterscheidet sich das Ergebnis zwar etwas vom vorigen Zustand, aber man verfügt noch immer über eine gesunde Gehirnfunktion. Kommt es beim Update-Prozess hingegen auch nur zu einer kleinen Störung, kann das Ergebnis ein größeres gesundheitliches Problem sein, als wenn die gleiche Störung während einer körperlich stabilen Phase aufgetreten wäre. Ein Beispiel ist das leicht erhöhte Risiko für den Beginn ernsthafter psychischer Probleme während der Pubertät und des frühen Erwachsenenalters9 und dann wiederum in der Perimenopause.10 Insgesamt ist das Risiko für ernsthafte psychische Erkrankungen allerdings gering; machen Sie sich also keine Sorgen. Mit diesem Beispiel will ich nur zeigen, dass sowohl die erste als auch die zweite Pubertät wichtige Zeiten des »neurologischen Wandels« sind.7
Ein weiteres Beispiel für den Neukalibrierungsprozess des Gehirns ist der leichte Abbau der kognitiven Fähigkeiten während der Perimenopause, der für gewöhnlich vorübergehend ist, sich im späteren Verlauf des Lebens aber auch zu Demenz ausweiten kann. Laut der Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi ist es so, dass Alzheimer bei Frauen mit der Menopause beginnt.11 Das bedeutet nicht, dass Alzheimer durch die Perimenopause verursacht wird, sondern diese ist vielmehr ein »Trigger« als die Ursache. Mosconi betont, dass die Perimenopause die Zeit ist, in der sich das Risiko im Gehirn manifestiert, wenn eine Frau aus irgendeinem Grund für Alzheimer prädisponiert ist. Über Kognition und Demenzprävention werden wir in den Kapiteln 7 und 10 sprechen.
Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Perimenopause vorübergeht, sie aus einer Abfolge von Ereignissen besteht und ein für die Gesundheit kritisches Zeitfenster ist. Mit diesem Buch halten Sie einen Leitfaden in den Händen, der Sie durch diesen Veränderungsprozess navigiert, damit Sie sicher und glücklich im stabilen letzten Drittel Ihres Lebens ankommen.
An diesem Punkt fragen Sie sich wahrscheinlich, wie schlimm die Symptome der Perimenopause werden. Falls Sie Horrorgeschichten von Ihren Freundinnen gehört haben, machen Sie sich vielleicht Sorgen. Doch welche Erfahrungen Sie selbst machen werden, hängt von mehreren Faktoren ab.
Sollten Sie vor 45 oder aufgrund einer chirurgischen oder medikamentösen Therapie in die Wechseljahre kommen, ist das Risiko für Symptome und langfristige gesundheitliche Einschränkungen am größten. Auf diese besonderen Situationen werde ich im Laufe des Buches immer wieder zu sprechen kommen.
Bei einem natürlichen perimenopausalen Übergang liegt die Wahrscheinlichkeit für starke Symptome bei 25 Prozent. Wahrscheinlicher ist es also, dass Sie nur leichte oder gar keine Symptome haben. Sollten Sie keine Symptome haben, sollten Sie sich über dieses große Glück freuen, aber dennoch nicht vergessen, dass Sie sich in einem kritischen Zeitfenster befinden und darum ein paar Jahre lang besonders auf Ihre Gesundheit achten sollten.
Sollten Sie starke Symptome haben, liegt das an einer Kombination aus Ihrer Genetik, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und auch der Intensität Ihrer Periode vor der Perimenopause. Schauen wir uns diese Punkte jetzt einmal an.
Die Genetik bestimmt sowohl den Zeitpunkt der Menopause als auch die Art und Schwere der Symptome bis zu einem gewissen Grad. Fragen Sie falls möglich Ihre Mutter und ältere Schwestern, ob sie unter starken Perioden, Nachtschweiß oder Schlafproblemen litten. Deren Erfahrung mit der Perimenopause kann Ihnen ein Einblick in das geben, was Sie möglicherweise erwartet. Darum sage ich immer zu meiner jüngeren Schwester: »Ich gehe zuerst und sage dir dann, wie es ist.«
Zum Glück sind die Gene nur ein Teil der Geschichte. Genauso wichtig ist die sogenannte Genexpression, die durch Ernährung, Bewegung und Unterstützung eines gesunden zirkadianen Rhythmus modifiziert werden kann. Auf diese Themen komme ich in den nächsten Kapiteln zu sprechen.
Die Perimenopause ist wie ein Barometer der Gesundheit, denn sie kann zugrundeliegende gesundheitliche Probleme aufdecken oder verschlimmern. Sollten Sie beispielsweise bereits gestresst sein und nicht gut schlafen, kann die perimenopausale Neukalibrierung Ihres Gehirns dazu führen, dass an Schlaf kaum noch zu denken ist. Wenn Ihnen die Minerale Jod und Zink fehlen, kann sich dieser Mangel durch das Auf und Ab des Östrogens dadurch zeigen, dass Sie unter Brustschmerzen beziehungsweise Scheidentrockenheit leiden. Und schließlich kann es sein, dass, falls Sie bereits zu einer leichten Insulinresistenz tendieren, der Übergang zum niedrigen Östrogen bei Ihnen zu einer ausgewachsenen Insulinresistenz und Gewichtszunahme im Bauchbereich führt.
Die Perimenopause als »Gesundheitsbarometer« zu betrachten bedeutet, dass die beste Behandlung Ihrer Perimenopausensymptome häufig die ist, die Sie ohnehin benötigt hätten.
Wenn die Periode bei Ihnen immer eine leichte Sache war, dann können Sie wahrscheinlich davon ausgehen, dass Sie auch gut durch die Perimenopause kommen. Denn symptomfreie Perioden sind ein guter Hinweis darauf, dass alles gut funktioniert, darunter auch die Fähigkeit Ihres Körpers, Östrogen abzubauen oder zu verstoffwechseln (Kapitel 9), und die Möglichkeit Ihres Gehirns, sich an das normale Auf und Ab der Hormone anzupassen (Kapitel 7).
Hatten Sie hingegen schwierige Perioden, verläuft bei Ihnen möglicherweise auch die Perimenopause schwieriger, denn dieselben Probleme, die Ihre Perioden beeinträchtigten, beeinträchtigen später auch Ihre Perimenopause. Ein Beispiel ist ein gestörter Östrogenstoffwechsel, der zu starken Perioden während der fruchtbaren Jahre und sogar zu noch stärkeren Perioden in der Perimenopause beitragen kann. Ein weiteres Beispiel ist die Empfindlichkeit gegenüber Neurosteroidveränderungen, was bedeutet, dass das Gehirn empfindlich auf die sich verändernden Hormonspiegel reagiert, was sowohl die prämenstruelle als auch die perimenopausale Stimmung beeinflussen kann.
Und letztlich kann es sein, dass Sie, falls Sie noch die Pille oder eine kombinierte Anti-Baby-Pille nehmen, von einem »Östrogen-Entzug« betroffen sind, wenn Sie diese absetzen. Das ist meiner Patientin Bronwyn passiert.
Bronwyn und das Absetzen der Pille
»Meine Hitzewallungen sind furchtbar«, erzählte mir Bronwyn. »Sie setzten mit aller Macht ein, als ich die Pille absetzte. Und meine Haut wird immer trockener.«
»Möglicherweise waren Sie schon eine Zeit lang in der Menopause«, erklärte ich ihr. (Bronwyn war damals 53.) »Das wurde durch die Pille nur maskiert, weil Sie Fake-Perioden hatten, und die Hitzewallungen durch ein starkes synthetisches Östrogen verhindert wurden. Leider macht Östrogen süchtig, weshalb Sie jetzt unter einem Östrogenentzug leiden.«
Bronwyn schaute mich ungläubig an. »Wie lange dauert denn ein Östrogenentzug?«, wollte sie wissen.
»Schwer zu sagen«, musste ich zugeben. »Mindestens ein paar Monate.«
Ich sprach mit Bronwyn über Magnesium, Sport und ein paar andere Methoden, um sich an den niedrigeren Östrogenspiegel zu gewöhnen, aber zu diesem Zeitpunkt war sie schon mit den Nerven am Ende.
»Vielleicht sollte ich einfach wieder die Pille nehmen«, schlug sie vor. »Wenn Sie wieder Östrogen einnehmen wollen, dann sind Sie mit einer Hormontherapie besser dran«, erklärte ich ihr. »Die modernen Hormontherapien arbeiten mit bioidentischen Hormonen, weshalb sie sanfter und sicherer sind als Medikamente zur Empfängnisverhütung.«
Bronwyn entschied sich für eine bioidentische Progesteronkapsel und ein Östrogenpflaster, was sie irgendwann ausschleichen zu können hoffte.
Sogenanntes bioidentisches Östrogen bzw. bioidentisches Progesteron sind identisch mit den körpereigenen Hormonen, weshalb es zu weniger Nebenwirkungen kommt als bei Empfängnisverhütungsmitteln oder älteren Formen der Hormontherapie, wie zum Beispiel konjugierten equinen Östrogenen, die in den 1990ern beliebt waren. Ein anderer Ausdruck für Hormone, die mit den körpereigenen identisch sind, ist »körperidentisch«. Im Grunde ist der einzige Unterschied zwischen »körperidentisch« und »bioidentisch«, dass »körperidentisch« manchmal der bevorzugte konventionelle Begriff ist, während »bioidentisch« häufig der traditionelle Ausdruck für patientenindividuelle, durch einen Apotheker ausgegebene Hormonrezepturen ist und noch aus der Zeit stammt, als man nur durch diese patientenindividuelle Herstellung Hormone herstellen konnte, die mit den körpereigenen Hormonen identisch waren. Moderne bioidentische Produkte sind über jeden Arzt bzw. jede Ärztin und jede Apotheke zu beziehen und werden allgemein als sicherer angesehen als die Behandlung mit nicht-bioidentischen Hormonen (siehe Kapitel 6).
Waren Sie überrascht, als ich Bronwyn erklärte, dass die Abbruchblutung nur eine Pseudomenstruation ist und Östrogen »süchtig« macht? Auf diese Themen werden wir in den nachfolgenden Kapiteln noch genauer eingehen, unter anderem in einem Abschnitt in Kapitel 3 mit dem Titel »Was bedeutet die Pille für die Perimenopause?«. Zunächst genügt es zu wissen, dass Bronwyn unter starken Symptomen litt, weil sie direkt von der Pille zur Menopause übergegangen war und deshalb nicht schrittweise die vier Phasen der Perimenopause durchlaufen konnte.
In den beiden Fallgeschichten, die wir bislang gesehen haben, entschieden sich meine Patientinnen für eine Hormontherapie, was zwar häufig der Fall, aber nicht die Regel ist. Rita nahm Progesteron für ihre Perimenopausensymptome, was meiner Meinung nach alles ist, was sie brauchte. Bronwyn nahm sowohl Progesteron als auch Östrogen, und zwar größtenteils, weil sie in der schwierigen Situation war, ein hochdosiertes synthetisches Östrogen abzusetzen. Wie wir in den nächsten Kapiteln sehen werden, benötigen manche meiner Patientinnen keine Hormontherapie, sondern kommen sehr gut mit einfacheren, hormonfreien Behandlungsformen aus.
Ihre Entscheidung bezüglich einer Hormontherapie hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, unter anderem davon, was Sie selbst bevorzugen. Wenn Sie sich mit dem Gedanken an eine Hormontherapie nicht wohlfühlen, ist das vollkommen in Ordnung, da es auch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ebenso ist es in Ordnung, wenn Sie sich für eine Hormontherapie entscheiden (und Ihr Arzt oder Ihre Ärztin diese für unbedenklich hält). Wie wir in Kapitel 6 sehen werden, ist die moderne Hormontherapie sicherer als die »alten« Hormonersatzformen der 1990er.
Ihr unmittelbares Ziel ist, sich während einer manchmal schwierigen Übergangsphase wohlzufühlen. Je nachdem, wie Ihre Situation geartet ist, kann es für dieses Wohlgefühl nötig sein, Ihre Ernährung oder Ihre Lebensweise zu verändern und / oder Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen oder eine Hormontherapie durchzuführen. Denken Sie daran, dass viele dieser Maßnahmen möglicherweise nur vorübergehend notwendig sind. Wenn Sie tiefer in die Lebensphase der Menopause eintauchen, sollte Ihre Gesundheit sich stabilisieren, und dann stellen Sie vielleicht fest, dass Sie keine Nahrungsergänzungsmittel oder Hormontherapie mehr benötigen, um gegen Probleme wie Nachtschweiß, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen anzukämpfen.
Stattdessen bemerken Sie dann vielleicht mildere, konstante Symptome wie Blasenprobleme und Scheidentrockenheit, worüber wir in Kapitel 10 mehr erfahren werden. Im letzten Kapitel »Was danach kommt« werde ich Ihnen noch Strategien an die Hand geben, um für eine langfristige Gesundheit von Knochen, Herz und Hirn zu sorgen.
Sind Sie bereit für Ihre Reise in die Menopause? Lassen Sie uns mit den emotionalen und sozialen Aspekten dieses wichtigen Lebensereignisses beginnen.
Welche Gefühle ruft die Vorstellung der Menopause bei Ihnen hervor? Oder was rufen die Erfahrungen in Ihnen hervor, die Sie bislang gemacht haben, falls Sie schon weiter auf dem Weg sind? Oftmals unterscheiden sich die Erfahrungen stark von dem, was man zuvor erwartet hat, wenn die Menopause schließlich eintritt, wie es bei mir der Fall war. Außerdem können Ihre Erfahrungen ohnehin anders sein als das, was andere Frauen beschreiben. Aber das ist vollkommen in Ordnung.
Wenn man diesem Kapitel einen Hauptgedanken zuordnen müsste, dann, dass es nicht das eine richtige Gefühl gibt, das einen beim Übergang in die Menopause begleiten sollte. Sie können sich darüber freuen, darüber traurig sein oder Sie können eine Mischung aus beidem verspüren. Sie dürfen fühlen, was Sie nun einmal fühlen, und Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen und auch nicht zu erklären. Wir werden sogar noch sehen, dass die Freiheit, sich nicht entschuldigen und anderen Menschen nicht mehr gefallen zu müssen, eine der besten Begleiterscheinungen der zweiten Pubertät sein kann.
Gern möchte ich damit anfangen, was ich als den »Elefanten im Zimmer« bezeichne: das Stigma der Menopause und die Scham, die manche deshalb empfinden.
Wenn es Ihnen nichts ausmacht, dass Sie in die Menopause kommen und Sie keinerlei unangenehme Empfindungen dabei, können Sie dieses Kapitel überspringen. Wenn Sie allerdings mit dem Stigma der Menopause konfrontiert werden oder auch nur eine Spur von Scham dabei empfinden, sollten wir darüber sprechen, um dieses Gefühl letztlich ganz zu vertreiben.
Die Menopause ist nichts, wofür man sich schämen muss. Ich weiß das, Sie wissen das. Doch leider ist es noch immer so, dass andere, wenn wir ihnen davon erzählen, häufig verlegen oder unbeholfen reagieren. Und wenn wir nicht aufpassen, kann es gut sein, dass wir dieses Gefühl unbewusst übernehmen.
Sonia – zu viele Informationen
Sonia ist Ärztin und Ende vierzig. Sie arbeitet in einer Uniklinik mit stressigem Alltag, und man könnte sagen, dass sie in jeder Hinsicht auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ist.
Eines Tages sagte Sonia während der Kaffeepause mit ihren Kollegen nebenbei: »Puh, ich schwitze so, ich habe gerade eine Hitzewallung.« Die Männer in der Gruppe sagten alle sofort: »Sonia! Zu viele Informationen!« Dann lachten sie verlegen und wechselten schnell das Thema. Die anderen Frauen in der Gruppe waren jünger als Sonia und schwiegen.
Die Scham, die Sonia daraufhin überrollte, war in vielerlei Hinsicht schlimmer als die Hitzewallung im Moment zuvor. Sie hatte in einer Gruppe Kollegen zusammengesessen, mit denen sie sonst immer locker reden konnte, doch jetzt hatte sie die Erfahrung gemacht, dass ihre Hitzewallungen für die anderen äußerst unangenehm waren. Aber warum? Eine Hitzewallung fällt nicht in die Kategorie der intimen Körperfunktionen, wie Sex oder sogar eine Menstruationsblutung. Stattdessen ist eine Hitzewallung nur das Gefühl, dass einem heiß wird, was jedem passieren kann, und worüber wahrscheinlich auch männliche Kollegen problemlos wie beiläufig reden würden.
Sonia dachte in den folgenden Wochen viel über die Situation nach und fand, es war ihr absolutes Recht, eine beiläufige Bemerkung zur Menopause zu machen. Das nächste Mal, als sie eine Hitzewallung bekam, erwähnte sie diese Tatsache mutig. Und als ihre Kollegen zusammenzuckten, erwiderte sie: »Leute, also ehrlich! Ihr seid Ärzte!«
Für mich beinhaltet diese Geschichte mehrere interessante Aspekte, unter anderem die kühne Art und Weise, wie Sonia sich bei der zweiten Gelegenheit behauptete. Außerdem fand ich es interessant, dass die jüngeren Frauen schwiegen, was meiner Meinung nach daran lag, dass sie spürten, dass das »M-Wort« mit einem Stigma behaftet ist, weshalb sie damit lieber nichts zu tun haben wollten. Das Interessanteste an der Geschichte ist aber vielleicht, dass Sonia darauf hinwies, sie seien doch alle Ärzte und müssten es besser wissen. Wenn die Menopause sogar unter sachkundigen Medizinern mit einem Stigma behaftet ist, welche Hoffnung gibt es dann für andere Berufszweige?
Auch laut der British Medical Association ist die Menopause bei Ärzten mit Vorurteilen belastet. Diese Vereinigung befragte über 2000 Ärztinnen und stellte fest, dass viele zwar Symptome der Perimenopause hatten, aber nur wenige mit ihren Kollegen oder Vorgesetzten darüber sprechen wollten, aus Angst, ausgelacht oder verhöhnt zu werden.12
Eine der Befragten erklärte: »Hätte ich meine Perimenopausensymptome erwähnt, wäre ich stigmatisiert worden, und man hätte gedacht, ich könne nicht mehr vernünftig denken oder wäre nicht mehr leistungsfähig.«
Erfrischenderweise sagte jedoch Michelle Obama, ihr Ehemann Barack sei von den Perimenopausensymptomen, über die sie und einige seiner weiblichen Kabinettsmitglieder berichtet hatten, unbeeindruckt gewesen. »Das ist in Ordnung«, sagte Barack seinen Kollegen. »So leben wir nun mal.«13
Offen über die Perimenopause zu sprechen, ist der beste Weg, um auf dieses Stigma zu reagieren und dazu beizutragen, dass die Situation der Frauen auch am Arbeitsplatz als normal angesehen wird. Auch im persönlichen Umfeld ist es hilfreich, wie ich kürzlich bei einer Unterhaltung mit meinem Neffen, der Anfang zwanzig ist, feststellte. Wir saßen mit Familienmitgliedern zusammen; größtenteils waren Frauen anwesend, aber auch ein paar Männer. Als jemand mich zu meiner Arbeit befragte, fiel das Wort »Menopause« und als Antwort machten die anwesenden Männer einen dezenten Witz über »zu viele Informationen«. Zuerst lachten wir Frauen mit ihnen und bestätigten dadurch also das Tabu, doch dann beschloss ich, freundlich darauf hinzuweisen, dass die Menopause tatsächlich ein interessantes Thema und ganz und gar nicht unangebracht für eine gemischtgeschlechtliche Gruppe sei. In dem Moment antwortete mein junger Neffe ernst: »Oh, interessant.« Und dann fragte er schließlich: »Was genau ist denn die Menopause?«
Mein Neffe gab zu, dass er nur wusste, dass die Menopause irgendetwas mit dem Altwerden zu tun hatte, aber nicht wusste, dass sie das Ende der Periode bedeutete, wenn die Frau noch relativ jung ist, und dass er überhaupt keine Ahnung hatte, dass es seine Mutter und Tante in ihren Vierzigern betreffen könnte. Ich erklärte ihm die interessanten Aspekte der Menopause aus evolutionärer Sicht (was wir uns noch genauer anschauen werden), und mein Neffe hörte sich aufmerksam (zumindest schien es so) all die Informationen an, denn er ist ein nachdenklicher junger Mann, der sich für die Welt interessiert.
Wenn wir die Menopause entstigmatisieren, indem wir über sie sprechen, fühlen wir uns besser und zuversichtlicher. Das kann sogar zu einer Verringerung der körperlichen Symptome führen, was darauf schließen lässt, dass Scham zumindest zu einem Teil die körperlichen Symptome verschlimmert.
Naila – es bedeutet, dass ich alt bin
Ich arbeitete mit Naila an ihren Hitzewallungen, die sich nach einem Monat der Behandlung von vier Hitzeattacken am Tag auf nur ein paar wenige pro Woche verringert hatten. Sie schlief gut und litt nicht unter Nachtschweiß. Bislang nahm sie Magnesium und Taurin (Kapitel 7), und wir besprachen, welche Behandlung noch weiter nötig war.
»Ich bin offen dafür, weitere Therapieoptionen auszuprobieren, auch eine Hormontherapie«, sagte ich. »Aber zuerst möchte ich herausfinden, welches das Hauptsymptom ist, das sich in Ihren Augen verbessern muss. Sind es noch immer die Hitzewallungen?«
Sie nickte, ja, es seien die Hitzewallungen.
»Es sind nur ein paar Hitzewallungen in der Woche«, merkte ich an. »Und Hitzewallungen sind harmlos. Sind sie denn so stark?«, wollte ich wissen. »Oder anderweitig unangenehm?«
In dem Moment sammelten sich Tränen in ihren Augen, und ich wusste, wir waren beim entscheidenden Punkt angelangt.
»Es bedeutet, dass ich alt bin«, sagte sie, woraufhin ich mich im Stuhl zurücklehnte, innerlich aber betroffen war. Sogar die gelegentlichen Hitzewallungen wühlten Naila auf, weil sie für sie ein Zeichen dafür waren, dass sie alt wurde.
»Ich habe das Gefühl, als sei mein Leben vorbei«, fuhr sie fort, »dass ich keine Frau mehr bin.«
Daraufhin erklärte ich ihr, sie sei immer noch eine Frau und hätte wahrscheinlich noch ein jahrzehntelanges, aktives Leben vor sich. »Die Menopause bedeutet nicht, dass man alt wird«, erklärte ich ihr. »Obwohl Sie natürlich auch älter werden, aber das tun wir alle.«
Naila beschloss, mit ihrer Ärztin über eine Östrogentherapie gegen die Hitzewallungen zu sprechen, was meiner Ansicht nach aber eher den Grund hatte, dass sie emotional nicht mehr an diese Veränderung erinnert werden wollte. Ich glaube, sie hoffte auch, dass das Östrogen auf irgendeine Weise eine Anti-Aging-Wirkung hätte.
Ob eine Östrogentherapie (d. h. Estradiol) eine »Anti-Aging-Wirkung« hat, wird noch immer stark diskutiert. Estradiol verbessert zwar die Dicke und Elastizität der Haut, was – zumindest in der Theorie – bei lokaler Anwendung Falten verringern soll. Üblicherweise jedoch wird Östrogen nicht zu diesem Zweck verschrieben, und es gibt kaum Studien, die den Einsatz für kosmetische Zwecke unterstützen.14 Wie Sie in den kommenden Kapiteln noch sehen werden, bin ich generell eine Befürworterin der Östrogentherapie, auch was seine Anti-Aging-Wirkung anbelangt, aber Sie sollten unbedingt wissen, dass es viele andere Methoden gibt, um das biologische Altern zu verlangsamen, darunter auch all die offensichtlichen Strategien wie gesund essen, Sport treiben und – am allerwichtigsten – nicht rauchen.
Hinweis: In diesem Kapitel geht es um die verschiedenen emotionalen Reaktionen auf die Menopause, die normalerweise altersentsprechend mit 45 bis 55 eintritt. Eine frühe oder durch eine Operation hervorgerufene Menopause ist eine andere Situation, auf die man verständlicherweise mit negativeren Gefühlen reagieren kann. In Kapitel 4 gehe ich auf diesen Punkt genauer ein.
Erstens: Mit fünfzig ist man noch nicht alt. Damit will ich auch nicht sagen, dass es schlecht ist, alt zu sein, denn das ist eine natürliche Entwicklung, die das Leben mit sich bringt, aber das ist ein Thema für ein eigenes Buch. In diesem Buch geht es um die Perimenopause und die Menopause, was bedeutet, dass Sie ungefähr im Alter zwischen vierzig und sechzig sind und daher noch Jahrzehnte Zeit haben, bis Sie alt sind. Die fälschliche Gleichsetzung der Menopause mit einem hohen Alter wird auch dadurch verstärkt, dass in den Medien bei Artikeln über die Menopause häufig Bilder alter Menschen – quasi mit einem Gehstock – verwendet werden. Kein Wunder also, dass mein Neffe dachte, die Menopause hätte »irgendwas mit dem Altern« zu tun.
Zweitens: Es ist erlaubt, älter zu werden. Mit fünfzig ist man zwar noch nicht alt, aber auch nicht mehr wirklich jung. Die meisten von uns sehen mit fünfzig nicht mehr aus wie mit dreißig, und da frage ich mich: Warum sollten wir das überhaupt? Jedes Mal, wenn wir eine Frau dafür loben, wie jung oder zumindest noch nicht alt sie aussieht, verstärken wir den weit verbreiteten und beklemmenden Glauben, dass das Altern etwas Schlechtes sei und Frauen alles tun müssten, um jung und attraktiv zu bleiben, was natürlich unmöglich ist und was wir gar nicht erst versuchen sollten. Stattdessen bleiben wir stark, wenn es uns möglich ist, gesund, wenn wir Glück haben, und sexuell aktiv, wenn uns das Spaß macht. Für nichts dieser aufgezählten Dinge ist es notwendig, ein bestimmtes Äußeres zu haben.
Ich persönlich hatte große Angst davor, nicht mehr jung auszusehen. Doch ich finde, diese Eitelkeit können wir uns verzeihen. Denn in unserer Kultur wird uns ständig gesagt, dass eine Frau eine glatte Haut und eine gelenkige Figur haben muss. Trotz meiner Angst, mein jugendliches Aussehen zu verlieren, geschah etwas Überraschendes: Ich wurde fünfzig und merkte plötzlich, dass es mich nicht mehr so sehr kümmerte, jung auszusehen, wie es noch zuvor der Fall gewesen war. Es ist mir wichtig, gesund zu sein, was meist automatisch dazu führt, dass man etwas jünger aussieht. Ich achte auch darauf, gepflegt zu sein und schöne Dinge zu tragen, und ja, ich färbe meine Haare, auch wenn ich Frauen bewundere, die ihr natürliches Grau behalten. Aber ich gebe mich nicht mehr dem ständigen Kampf gegen das Altern hin, denn ich habe wahrlich Besseres zu tun. Es hat etwas Erleichterndes, sich vom ständigen Bedürfnis zu verabschieden, immer hübsch auszusehen, das viele von uns als junge Frauen verspürten.
Die Lexikografin Erin McKean hat das wunderbar ausgedrückt: »Schönheit schuldet man niemandem. Nicht deinem Freund / Ehemann / Partner, nicht deinen Mitarbeitern, vor allem nicht irgendwelchen Männern auf der Straße. Du schuldest sie nicht deiner Mutter, nicht deinen Kindern, nicht der Zivilisation. Schönheit ist keine Miete, die man für die Nutzung eines als »weiblich« gekennzeichneten Raumes bezahlt.«15 Im selben Social-Media-Kontext sagte McKean weiterhin: »Ich sage damit nicht, dass du nicht hübsch sein sollst, wenn du es möchtest.« Anders ausgedrückt: Man schuldet niemandem Schönheit, aber man schuldet auch niemandem Un-Schönheit, auch nicht der Menopause. Ihr Aussehen gehört allein Ihnen, und Sie können damit machen, was immer Sie wollen oder können, solange Sie sich nicht vom unrealistischen Druck, so hübsch zu bleiben wie in Ihren Zwanzigern, tyrannisieren lassen.
Für mich war es eine große Erleichterung, die Vorstellung gehen zu lassen, noch genauso hübsch wie in jungen Jahren sein zu müssen, und dies ist Teil eines größeren, langfristigen Projekts, nämlich sich auch von Perfektionismus zu verabschieden. Die amerikanische Buchautorin Brené Brown schrieb einmal: »Perfektionismus ist der Glaube, dass – wenn wir perfekt leben, perfekt aussehen und uns perfekt verhalten –, wir den Schmerz des Vorwurfes, des Verurteiltwerdens und der Scham minimieren können. Er ist ein Schutzschild. Ein zwanzig Tonnen schweres Schutzschild, das wir mit uns herumschleppen, weil wir glauben, es würde uns schützen, während dieses Schutzschild uns in Wahrheit jedoch davon abhält, zu kämpfen.«16 Falls Sie die Menopause auch so empfinden, dass Sie ein zwanzig Tonnen schweres Schutzschild abnehmen können, das das Selbstbewusstsein Ihrer gebärfähigen Jahren war, dann erhaschen Sie auch einen Blick auf das, was ich als die »Kümmer’ dich einen Sch*«-Freiheit der Menopause bezeichne.
Zwar berichteten mir Patientinnen davon, welche Freiheit sie durch die Menopause erfahren hätten, aber so richtig glauben konnte ich es nicht. Ich fing an, diese Aussage zu verstehen, als ich vor ein paar Jahren mit meiner Schwester einen Wanderurlaub verbrachte. Meine Schwester ist jünger als ich, aber für ihr Alter schon sehr weise. Sie machte mich auf eine kleine Gruppe glücklich wirkender Frauen in ihren Fünfzigern aufmerksam, an denen wir auf dem Wanderweg vorbeikamen.
»Sie haben ein Geheimnis«, beobachtete meine Schwester. »Ihre Kinder sind erwachsen, und sie sind hier ohne ihre Ehemänner. Sie können in diesem Moment einfach sie selbst sein.« Mir waren die älteren Frauen nicht aufgefallen, bis meine Schwester mich auf sie aufmerksam gemacht hatte, was in meinen Augen nach schon Bände spricht über die Unsichtbarkeit älterer Frauen – was meiner Meinung nach mit der Freiheit der Menopause zusammenhängt. Unsichtbarkeit und Freiheit sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.
Erstens geht es bei der menopausalen Unsichtbarkeit größtenteils darum, dass man für Männer, insbesondere jüngere Männer, weniger sichtbar ist, als in früheren Jahren – was wohl eher für Heterosexuelle eine Rolle spielt. Durch die menopausale Unsichtbarkeit kann es auch schwieriger sein, im Beruf gehört und ernst genommen zu werden, vor allem, wenn man sich nicht die Haare färbt. So ungerecht das auch ist, es stimmt tatsächlich, wenn man mit Männern zusammenarbeitet oder in den Medien auftritt. Freundinnen erzählen mir immer wieder, es sei leichter, in von Frauen dominierten Berufszweigen graue Haare zu haben, was Sinn ergibt, und alles könne sich mit der neuen »Grey-Hair-Bewegung« in den sozialen Medien ändern. Je öfter wir starke, erfolgreiche, grauhaarige Frauen sehen, desto eher sehen wir bei Frauen graue Haare als elegant oder vornehm an, so wie es auch bei Männern der Fall ist.
