Hundeglückskeks - Sigrid Ellenberger - E-Book

Hundeglückskeks E-Book

Sigrid Ellenberger

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Beschreibung

Robert, der liebenswerte, immer hungrige, Hund der Holms erzählt die Geschichte von Constanze und Martin aus seiner Perspektive: Die geplante Hochzeit der beiden platzt, weil Robert wegen seiner Wespenphobie Constanzes Brautkleid zerstört. Da er sich mehr und mehr für das Chaos und die entstandenen Missverständnisse verantwortlich fühlt, beschließt Robert, das Schicksal selbst in die Pfoten zu nehmen und Constanze und Martin wieder zu vereinen. Ganz nebenbei versucht er auch, seine große Liebe, Martins Dalmatinerhündin Lucy, zu erobern. Allerdings landet er nicht bei Lucy, sondern im Tierheim.

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Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Sigrid Ellenberger

Hundeglückskeks

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Danke

Wie alles begann

Einen Traum später …

Unterm Gartenschlauch

Eine Hundeewigkeit später …

Paradiesisch

Spätsommer

Vorbereitung: Phase 1

Phase 2 beginnt …

Vernachlässigter Hund

Der große Tag

Einziger Mann im Haus

Kindergartenhund

Abenteuerausflug

Männerbesuch

Frühlingsgefühle

Ausreißer

Tierheimhund

Home, sweet home

Hochzeitsvorbereitungen

Flitterdingsbums

Einzug bei Susi

Kurzurlaub

Paarungszeit

Wieder zu Hause

Wochen später

Fruchtbarkeitstanz

Kommunikationsprobleme

Wehenalarm

Schneemann

Impressum neobooks

Danke

Hunde(glücks)keks

Roman von Sigrid Ellenberger

Ich danke meinen Hunden und meinen Pflegehunden für die Inspirationen - es ist immer spannend mit euch.

Wie alles begann

Vielleicht fragen Sie sich, wie das denn sein kann, dass ein Hund ein Buch schreibt. Aber ich habe da so meine Tricks …

Aber für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin Robert, der liebenswerte Vierbeiner der Holms, also von Constanze, Swenja und Julia. Klaus, mein Herrchen, ist jetzt mein Ex-Herrchen, sagt zumindest Frauchen, und nur noch selten zu Besuch. Und wenn er mal da ist, schaut er nur kurz rein, krault mich am Kopf und verschwindet ganz schnell wieder mit den Kindern. Ich habe mich mittlerweile super an die Verkleinerung der Familie gewöhnt, zumal es für mich seit unserem Umzug auf einen ehemaligen Bauernhof genug zu bewachen gibt. Meine absoluten Lieblingsfreunde sind die Minischweinchen von Inge. Inge ist Architektin und die Vermieterin unserer Hütte, die früher mal ein Bauernhof war. Keine Ahnung, was das ist. Ich weiß nur, dass hier einige Tiere herum rennen, fliegen, kriechen. Inge und Frauchen überlassen mir das Hüten der Minischweinchen Frieda und Frederick. Die mögen mich sehr, ich sehe das immer an ihrem Dauergewedel mit dem Schwänzchen. Ach, ist das schön hier...

Ich bin ein Hund, wie ich schon erwähnt habe. Mein Frauchen sagt, ich bin irgendetwas zwischen Neufundländer, Bernhardiner und Vielfraß. Von der letzten Rasse habe ich zwar noch nie etwas gehört, aber das macht mich wahrscheinlich so besonders.

Ich wiege schlappe sechzig Kilogramm und bin damit schwerer als mein Frauchen. Na ja, ich bin ja auch ein Mann!

Eigentlich dachte ich immer, ich bin Constanzes Lieblingsmann – aber in letzter Zeit ist sie wirklich oft mit Doktor Kolb, meinem Arzt, unterwegs. Und wenn die beiden zusammen sind – Sie glauben gar nicht, wie verklärt der Blick von Frauchen da wird. Da schmilzt das Eis in der Kühltruhe! Toll ist, dass der Doktor eine superscharfe Hündin sein Eigen nennt: Lucy. Eine Dalmatinerdame. Jeder einzelne Punkt an ihr ist absolut liebenswert. Und wie die erst duftet … alleine, wenn ich daran denke, vergesse ich meine Umwelt. Oh, Lucy …

Frauchen meint ja, ich sei total in Lucy verschossen. Keine Ahnung, was das bedeutet, aber das ist völlig absurd. Ich würde nie, niemals auf Lucy schießen – was soll das denn!

In meine Gedanken an Lucy drängt sich ein mir nur zu gut bekannter Ton: die Klingel. Ok, ich mache mich mal an die Arbeit. Schließlich erwartet meine Familie, dass ich melde, wenn es klingelt. Also lasse ich einen lauten, unüberhörbaren Beller los. Wuff!

„Robert, hör auf, ich bin doch nicht taub“, weist mich mein Frauchen zurecht.

Schon gut, schon gut, ich geh ja schon. Offensichtlich werde ich hier nicht gebraucht.

Ich verziehe mich unter den Tisch und schmolle ein bisschen. Scheint aber keinen hier zu interessieren. HALLO! ICH SCHMOLLE!

Ich glaube, die ignorieren mich einfach – dabei bin ich doch nur schwerlich zu übersehen.

Aber gut, mir soll es recht sein, dann kann ich noch ein bisschen weiter von Lucy träumen...

Einen Traum später …

„Los, Dicker, wach auf!“

Die kleine Julia rüttelt an mir herum. Wie? Was?

DICKER?

Ich bin ja vielleicht vieles, aber doch nicht dick!

Na gut, ein klein wenig mollig um die Hüften - aber das ist rassespezifisch. Nur davon hat die Kleine natürlich keine Ahnung. Und sie – nur sie – darf mich DICKER nennen ohne dass ich schmolle! Jawohl!

Ich öffne also mein linkes Auge und sehe, was so wichtig ist, dass Julia mich weckt.

„Jetzt steh doch auf! Los, Robert, mach schon!“

Na gut, ich bewege vielleicht noch mein zweites Augenlid in Richtung Decke und da sehe ich es: der Wahnsinnsgeruch in meiner Nase war gar kein Traum, nein, Lucy ist hier. Leibhaftig. Schwanzwedelnd.

Julia hat bereits die Leine in der Hand, Frauchen und das Herrchen von Lucy halten Händchen und jetzt – nein, igitt, wie eklig – reiben die ihre Münder gegeneinander. Was soll das denn, bitte schön? Aber solch seltsames Verhalten habe ich an den Menschen ja schon öfter beobachten können. Die erfahren doch so NIEMALS, wie der andere duftet und ob er oder sie gerade paarungsbereit ist. Wobei, das gilt ja eher für die weibliche Rasse, wir Männer sind ja ALLZEIT paarungsbereit.

Die süße, kleine Julia macht also meine Leine an meinem Halsband fest und los geht’s …

Im Hof angekommen, rennt Lucy sofort los, um an den Schweinchen zu schnuppern.

„Warte, Lucy, ich komme mit“, kläffe ich ihr hinterher. Was ich auch sofort in die Tat umsetze. Allerdings habe ich kurzzeitig vergessen, dass Julia noch an meiner Leine hängt. Ich höre hinter mir also sofortiges Gejammer: „Nicht so schnell, Robert! Mama!“ Und schon wird der Druck an der Leine schwächer und ich stürme zu Lucy und den Minischweinchen.

„Robert! Komm sofort hierher!“ Oha, Frauchen klingt ziemlich sauer. Vielleicht ist es das beste, wenn ich mal nachsehe, was sie hat …

„Robert, du bist unmöglich! Jetzt ist Julia hingefallen und du hast sie durch den Dreck gezogen!“

Ja, die Kleine sieht ein wenig staubig aus und reibt sich die Knie, das gebe ich zu. Aber: Was habe ich damit zu tun?

„Constanze, mach’ ihn doch los, die wollen doch miteinander toben.“ DER Mann ist vernünftig, das muss ich schon sagen. Wir Männer verstehen uns, das finde ich super.

Constanze, also mein Frauchen, zieht ihre Stirn kraus, macht dann aber die Leine ab und lässt mich wieder gehen.

„Jetzt wird er noch belohnt, obwohl er sich so daneben benommen hat!“

„Er ist völlig vernarrt in Lucy. Ich verstehe das. Da setzt das Gehirn schon mal aus.“ Diese Worte kommen von dem bis gerade eben noch sympathischen Doktor.

Dieser Mann ist wohl völlig übergeschnappt. Erstens bin ich nicht vernarrt in Lucy und zweitens funktioniert mein Gehirn einwandfrei.

Ich habe verdammt gute Ohren, Doktor!

Ich denke kurzfristig daran, ihm mal so richtig meine Meinung zu kläffen, aber Lucy und das Minischweinchen sind eindeutig interessanter. Also entschließe ich mich, den Doktor und seine bescheuerten Kommentare sein zu lassen und mich Lucy und Frieda zuzuwenden.

„Robert, hierher.“

Wie bitte? Ich habe ja noch nicht einmal „hallo“ gesagt. Am besten, ich stelle mich einfach mal taub.

Ich höre nichts, Frauchen. Rein gar nichts.

„R-o-b-e-r-t!“

Oha. Das klingt ziemlich ungeduldig. Meine jahrelange Erfahrung sagt mir, dass ich vielleicht besser doch reagiere. Also wende ich meinen liebenswertesten Blick in Richtung Frauchen. Die steht bereits mit hochrotem Kopf da und funkelt mich böse an. Gut, überredet. Aber nur dieses eine Mal.

Ich trabe in dem mir eigenen Tempo Richtung Frauchen.

„Wird ja auch Zeit. Hast du Tomaten auf den Ohren?“

Sie schlägt sich an ihren Oberschenkel und geht in die Gegenrichtung. Weg von Frieda. Und: weg von Lucy.

Glücklicherweise ruft Doktorchen in genau diesem Moment auch nach Lucy, die auch sofort unsere Richtung einschlägt. Also begrüße ich Lucy ein weiteres Mal und trabe selig neben ihr her.

Spaziergänge mit Lucy können gar nicht lange genug sein. Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint, mir wird langsam warm. Nein, heiß. Oh, da vorne sehe ich eine Matschpfütze, die vom letzten Regen noch übrig geblieben ist. Abkühlung! Hurra. Ich animiere Lucy, mitzukommen, doch die ziert sich ein wenig. Also renne ich alleine los. Platsch. Mitten rein in die kühle Matsche. Herrlich. Ich glaube, ich drehe mich noch einmal kurz auf den Rücken, der ist auch schon ganz heiß.

„Nein, Robert. Aus. Igitt!“

Frauchen ist ein wenig aufgebracht. Keine Ahnung, wieso.

„Komm sofort da raus. Oh, was für ein Schwein!“

Frauchen flucht immer noch. Mit wem wohl? Ich schaue mich um – ich sehe kein Schwein.

„Robert! Hierher! Ach was, am besten bleibst du weg. Du bist mir viel zu schmutzig.“

Was nun? Kommen oder weg bleiben?

Lucy, die Feine, schaut mich verständnislos an.

„Hey Lucy, das macht Spaß. Mach doch einfach mit!“, versuche ich Lucy zu animieren. Doch die schaut mir nur verständnislos zu.

„Robert! Du gehst zu Hause postwendend unter den Gartenschlauch.“

Wie, Gartenschlauch? Dann ist ja meine ganze kühlende Matsche wieder weg.

Lucy und ich toben noch ein bisschen mit den Mädchen herum – Fangen spielen mit der kleinen, liebenswerten Julia ist mein Lieblingsspiel. Frauchen und der Doktor halten Händchen und sprechen so leise, dass noch nicht einmal ich es verstehen kann. Und das obwohl meine Ohren richtig gut sind.

Unterm Gartenschlauch

Also nein, brrrrr, ist das nass. Ich liebe Matsche und ich liebe Wasser aber ich HASSE Gartenschläuche! Frauchen ist aber auch gemein. Brrrrrrr!

„So, Robert, fertig. Jetzt siehst du wieder aus wie ein Hund.“

Na, wie sah ich wohl vorher aus? Hä? Wie ein Termitenhügel etwa?

Ich schüttele mich am besten mal kräftig ab. Ich bin ja nass bis auf die Haut!

„Igitt!“ Frauchen flucht, weil ihre Hose jetzt völlig vollgesprenkelt ist. Sie sieht fast ein bisschen aus wie Lucy.

Julia und Swenja lachen.

„Jetzt hat Mama auch geduscht!“

Frauchen lässt uns einfach stehen und geht ins Haus. Doktorchen läuft ihr hinterher.

„Wenn du dich schon ausziehen musst, komme ich mit.“

„Martin! Die Kinder!“

„Swenja, Julia, ihr passt auf Robert und Lucy auf, ja?“

„Ja“, kommt es zeitgleich von meinen beiden Süßen, die sich sofort in unsere Richtung begeben.

„Komm, Robert! Komm, Lucy.“

Gut, dann schaue ich mit Lucy noch mal nach Frieda und Frederick.

Ich springe mit Volldampf in die Schweinekuhle. Schließlich rieche ich dann besonders gut. Und ich will doch ein bisschen Eindruck bei Lucy schinden …

Mein Leben ist einfach perfekt!

Als ich so glückselig vor mich hin sinniere, stört ein Geräusch meine Öhrchen: Ein Auto fährt unsere Einfahrt hinauf. Ja, ja, die Pflicht ruft, also lasse ich einen kurzen aber bedrohlich klingenden Beller los – ist schließlich mein Job hier - und schaue mal nach dem Rechten.

Entwarnung: Es ist Susi, das erkenne ich schon an der sympathischen Lache, als sie aus dem Auto steigt. Susi ist Frauchens beste Freundin und kommt oft zu Besuch. Susi ist auch meine ziemlich beste Freundin, weil sie immer, wirklich immer, ein Hundeleckerli dabei hat. Und Susi kauft immer die, die besonders gut nach Fleisch duften.

Ich muss mich nur vor sie setzen, ein Pfötchen heben und schon zieht Susi einen dieser wahnsinnig leckeren Kekse hervor. Für mich sind das echte Glückskekse.

„Hallo Robert. Na, wer bist denn du?“

Susi schaut Lucy an, als ob diese antworten könnte.

„Das ist Lucy. Martins Hund.“

Swenja klärt Susi auf.

„Und wo ist Mama?“

„Die ist oben. Mit Martin.“

„Aha.“

„Mama muss sich ausziehen und Martin hilft ihr dabei.“

Susi grinst: „So so.“

Was daran witzig ist, verstehe ich zwar nicht, aber vielleicht rückt sie angesichts ihrer guten Laune noch ein Leckerchen heraus.

„Warte, Robert. Sitz, Lucy!“

Wir beide setzen uns also, ganz braver Hund, hin und warten.

Mmmmh. Susi zaubert noch ein Leckerchen für jeden von uns hervor, dann wendet sie sich an Julia und Swenja.

„Was haltet ihr davon, wenn wir hier warten bis Mama und Martin wiederkommen?“

„Das machen wir sowieso. Wir sollen nämlich auf Robert und Lucy aufpassen.“

„Prima.“

Da die Leckerchen wieder in Susis Tasche verschwunden sind, können Lucy und ich genauso gut wieder zu den Schweinchen gehen. Susi und die Mädchen quatschen eh nur …

Eine Hundeewigkeit später …

„Robert!“

„Lucy!“

Hoppla, Frauchen und Martin sind wieder da und befinden sich mitten in einem sehr angeregten Gespräch mit Susi. Susi grinst immer noch, also setze ich mich vor sie, hebe mein Pfötchen und hoffe auf ein weiteres Leckerli. Tatsächlich, sie kramt schon wieder in ihrer Handtasche und zaubert einen köstlichen Keks hervor. Natürlich auch für Lucy, obwohl die überhaupt nicht sitzt und auch keine Pfote hebt …

„Sag mal, Robert, du stinkst ja schon wieder wie ein Iltis. Warst du in der Schweinekuhle?“

Frauchen rümpft die Nase, wendet sich dann aber Susi zu.

„Seit wann bist du hier?“, will Frauchen von ihr wissen.

Die schaut auf ein Armband an ihrem Handgelenk und antwortet: „Seit etwa einer halben Stunde. Ich habe mich mit Swenja und Julia unterhalten.“ Und dann, mit einem noch breiteren Grinsen fügt sie hinzu: „Ich wollte euch nicht stören.“

Frauchen boxt ihr in die Rippen, aber das scheint Susi gar nicht weh zu tun, Sie lacht nur noch lauter.

„Schatz, ich muss jetzt leider los. In zehn Minuten mache ich die Praxis auf.“

Martin küsst Frauchen, winkt Susi und klopft sich an seinen Oberschenkel. Das wiederum ist das Zeichen für Lucy.

Die wedelt mit ihrem Schwanz noch ein kurzes „tschüss“ in meine Richtung und rennt dann zu ihrem Herrchen.

Schade, dass Lucy nicht immer bei mir sein kann. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. So bleiben wenigstens alle Restkekse von Susi für mich.

„Erzähl schon, wie läuft es zwischen dir und Martin?“

Susi hat überhaupt keinen Blick für mein vorbildliches Sitz und mein noch vorbildlicheres Pfötchen. Dabei bekomme ich schon fast einen Krampf in meinen Unterschenkel. Mist!

„Super. Susi, ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit wieder sowas von glücklich.“

Frauchen strahlt wie die Sonne im Juli. Und Susi bemerkt mich immer noch nicht. Ob ich sie mal schubse? Nur so ein klitzekleines Nasenstüberchen?

„Robert, nimm sofort deine Schnauze von Susi weg. Du stinkst!“

„Ach lass ihn doch“, meint meine Gönnerin und zieht auch schon wieder ein Leckerli aus der Tasche.

„Susi, Robert ist schon übergewichtig. Hör doch bitte mal auf, ihm ständig Leckerlis mitzubringen!“

Frauchen, bist du übergeschnappt? Ich bin doch nicht übergewichtig! Das ist nur mein dickes Fell. Ich bekomme schon Winterfell, das spüre ich genau.

„Und wie geht es weiter? Mit Martin, meine ich ...“

„Ich weiß es noch nicht. Aber es passt einfach alles: er mag die Kinder, sie mögen ihn, die Hunde verstehen sich und … mit ihm ist es einfach herrlich. In jeder Hinsicht.“

„Du meinst … im Bett?“

„Ja, da auch.“

„Na super. Wenn du eine Brautjungfer brauchst, bin ich für dich da.“

„Susi!“

„Warum zögern, wenn alles stimmt?“

„Susi, ich bin gerade mal seit vier Monaten geschieden.“

„Also kannst du getrost wieder heiraten!“

„Mal sehen. So eilig habe ich es nicht damit. Wie sieht es aus, hast du Lust auf einen Tee?“

„Ich dachte schon, du fragst nie! Natürlich. Ich liebe Tee.“

Frauchen lacht und die beiden haken sich unter und gehen zum Haus. Ich komme mit, schließlich bin ich der Hütehund.

„Kinder, kommt ihr mit hoch oder wollt ihr noch weiter spielen?“

„Ich will einen Kakao.“ Julia kann mittlerweile schon richtige Sätze sprechen.

„Na dann komm mal mit, mein Schatz.“

„Dann will ich auch einen.“

Swenja hüpft gutgelaunt hinterher.

Herrlich, meine Herde ist wieder zusammen. Dann geht es mir richtig gut.

In unserem Haus angekommen, lege ich mich direkt in mein Körbchen. Mann, war das anstrengend heute. Ich ruhe mich nur kurz aus. Denke ich - und fange sofort an zu träumen ….

Vor ein paar Monaten, als Frauchen, die Kinder und ich hier eingezogen sind, habe ich auf einer Entdeckungstour ein richtig leckeres Fleischbällchen gefressen. Mmmmh. Aber ein paar Stunden später ging es mir echt hundeelend, weil das Fleischbällchen, wie sich herausstellte, irgendein Gift war. Und da brachte mich mein Frauchen zu Doktor Martin Kolb, meinem Tierarzt. Bis dahin war es immer Herrchens, also Ex-Herrchens Job, mich zum Tierarzt zu bringen. Ja, ich bin schuld daran, dass die beiden sich kennengelernt haben. Und während ich Bauchkrämpfe und einen sagenhaften Brechdurchfall hatte, haben die beiden sich ineinander verliebt. Was ja eigentlich ganz praktisch ist, weil ich so richtig viel Zeit mit meiner geliebten Lucy verbringen kann.

Mein Ex-Herrchen kommt auch noch ab und zu vorbei, aber nur noch, um die Mädchen abzuholen, nicht mehr, um mich zum Arzt zu begleiten. Wenn ich das richtig verstanden habe, hatte Ex-Herrchen mit Carol, die kurzfristig bei Inge auf unserem Hof wohnte, ein Verhältnis. Was immer das sein mag. Ich glaube, Ex-Herrchen hatte Frauchen und Carol als Frau.

Keine Ahnung, was so verwerflich daran ist, wenn ein Mann zwei Frauen hat. Ich meine, ich erlaube mir ja auch mal an anderen Hündinnen zu schnuppern, auch wenn ich Lucy wirklich mag. Die Menschen nennen das wohl Treue, wir Hunde sind da nicht so kleinlich …

Paradiesisch

Ich wache kurz auf und stelle fest, dass Susi in der Zwischenzeit wohl gegangen ist. Schade. Aber ich glaube sowieso, dass ich schon alle Leckerlis bekommen habe. Wahrscheinlich ist sie direkt zum nächsten Futterplatz gefahren und kauft mir neue. Gut so.

Gerade ist es hier für mich das Paradies auf Erden. Meine ganze Herde ist da. Swenja und Julia haben Kindergartenferien und Frauchen ist auch den ganzen Tag hier. Ich glaube, ihr Auto, so eine ganz alte rostige Ausgabe eines Vierräders, läuft auch nicht mehr. Wunderbar, so sind wir alle zusammen und ich kann völlig entspannt hier liegen und vor mich hin träumen.

„Kinder, los, zieht euch an, wir fahren noch mal ins Gewerbegebiet nach einem neuen Wagen schauen. Robert, du bleibst schön hier und passt auf.“

Die Kinder ziehen sich die Schuhe an und schlüpfen in ihre Jäckchen, Frauchen nimmt ihre Tasche, packt den Schlüssel und zieht die Tür hinter sich ins Schloss.

„Halt!“, belle ich den drei Davoneilenden hinterher.

Fahren? Ich dachte, das Auto fährt gar nicht mehr? Ist das nicht kaputt?

Im Hof höre ich Frauchen mit Inge reden.

„Danke, dass ich dein Auto haben kann. Ich verspreche dir, dass ich mir schnellstmöglich ein neues besorge.“

„Kein Problem. Wo ist Robert?“

„Der ist oben. Der pennt eh den ganzen Tag, da macht es ihm nichts aus, wenn er mal alleine ist. Wahrscheinlich merkt er es nicht einmal!“

HALLO!

Ich schlafe nicht! Ich bin ein Hund, da döst man höchstens mal ein bisschen. Und: Es macht mir sehr wohl etwas aus, alleine zu sein. ICH HASSE ES!