Ice Breakers - Donovan - Jillian Quinn - E-Book

Ice Breakers - Donovan E-Book

Jillian Quinn

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Beschreibung

Ein Anfang voller Hindernisse ...

Carter Donovan ist der Star-Torhüter der Philadelphia Flyers. Berühmt und gutaussehend, ist er es gewohnt, dass die Frauen ihm regelmäßig zu Füßen liegen. Als er jedoch bei einem Verkupplungsversuch seiner Freunde die toughe Sydney Carroway kennenlernt, scheint er eine echte Herausforderung gefunden zu haben. Sydney ist eine erfolgreiche Romance-Autorin aus reichem Elternhaus, die gewohnt ist, zu bekommen, was sie will. Als die beiden aufeinandertreffen, fliegen sofort die Funken. Doch trotz der starken Anziehung, stehen ihnen zunächst noch ihre Dickköpfe im Weg.

"Und schon wieder habe ich mich in einen von Jillian Quinns Hockeypielern verliebt!" RED'S ROMANCE REVIEWs

Band 3 der ICE-BREAKERS-Reihe

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Seitenzahl: 329

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

1

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Epilog

Liebe Leser

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von Jillian Quinn bei LYX

Impressum

JILLIAN QUINN

Ice Breakers

DONOVAN

Roman

Ins Deutsche übertragen von Michael Krug

Zu diesem Buch

Ein Anfang voller Hindernisse …

Carter Donovan ist der Star-Torhüter der Philadelphia Flyers. Berühmt und gutaussehend ist er es gewohnt, dass die Frauen ihm regelmäßig zu Füßen liegen. Als er jedoch bei einem Verkupplungsversuch seiner Freunde die toughe Sydney Carroway kennenlernt, scheint er eine echte Herausforderung gefunden zu haben. Sydney ist eine erfolgreiche Romance-Autorin aus reichem Elternhaus, die gewohnt ist, zu bekommen, was sie will. Als die beiden aufeinandertreffen, fliegen sofort die Funken. Doch trotz der starken Anziehung, stehen ihnen zunächst noch ihre Dickköpfe im Weg.

1

Carter

Zum ersten Mal seit der Highschool bin ich vor einem Date nervös. Und es ist nicht bloß irgendein Date. Ich treffe gleich Sydney Carroway, die berühmte Liebesromanautorin, die aussieht wie ein Pin-up-Girl. Sie ist so was wie eine lokale Berühmtheit. Andererseits bin ich das auch.

Warum also bin ich nervös?

Aus irgendeinem Grund lockt mich diese Frau aus der Reserve, und dabei habe ich sie noch nicht einmal persönlich kennengelernt. Sydney wurde in geradezu unanständigen Reichtum hineingeboren, ein Luxus, der mir nicht vergönnt war, bis ich es zum Eishockeyprofi geschafft hatte. Und mittlerweile leitet sie ihr eigenes Imperium. Eingeschüchtert zu sein, ist mir inzwischen so fremd geworden, dass ich keine Ahnung habe, warum ich mich davon überkommen lasse. Ist aber so.

Unwillkürlich setzen Selbstzweifel ein und sorgen dafür, dass mir die Galle hochkommt. Diese Sydney wird sich fraglos als Teufelsweib erweisen. Das weiß ich aus den Schilderungen von Kennedy Lockwood, ihrer besten Freundin und Tyler Kanes Lebensgefährtin.

Ich fahre durch das schmiedeeiserne Tor von Tylers Grundstück und weiter die lange Auffahrt entlang. Er schließt das Tor nie, was sich nicht wirklich empfiehlt, wenn man so berühmt und reich wie Tyler ist. Ich bin finanziell zwar auch sehr gut gestellt, aber Tyler ist der höchstbezahlte Spieler der NHL und unbestreitbar am gefragtesten. Als Kapitän unserer Mannschaft und fix gesetzter Center der Flyers verkörpert er jemanden, von dem jeder ein Stück abhaben will.

Ich hingegen bin der Torhüter, der es für uns in dieser Saison vermasselt hat. Weil Tyler mein bester Freund ist, lässt er nicht zu, dass ich die Schuld auf mich nehme. Er sagt, die Mannschaft wäre insgesamt scheiße. Trotzdem lade ich die Verantwortung für jeden Torschuss, mit dem ein gegnerisches Team punktet, auf mich. Wenn eine Mannschaft wiederholt verliert, schieben es die Medien dem unzulänglichen Torhüter in die Schuhe. Und ich gebe ihnen recht.

Nebenbei gesagt gebe ich auch dieser weiteren, besch…eidenen Saison die Schuld daran, dass ich so nervös wegen dieses Dates bin. Ist nicht hilfreich, dass mich Tyler vor dem Treffen heute Abend mehrfach vor Sydney gewarnt hat. Auch er wird ihr zum ersten Mal persönlich begegnen. Und er will, dass alles glatt läuft, weil Kennedy und Sydney wie Schwestern sind. Also darf ich es nicht vermasseln.

Ich rolle in die Einfahrt und parke vor Tylers Villa. Sein Grundstück sollte eigentlich eine eigene Postleitzahl haben. Mein Haus ist zwar groß, aber nichts im Vergleich zu dem Ungetüm, das Tyler Kane als sein Zuhause bezeichnet. Neben Tylers BMW parkt der Porsche meines anderen Teamkameraden, Alex Parker. Per Ausschlussverfahren vermute ich mal, dass Sydney noch nicht eingetroffen ist. Das verschafft mir Zeit, reinzugehen und die anderen zu begrüßen, bevor sie ihren großen Auftritt hinlegt.

Sie scheint mir der Typ dafür zu sein, extra verspätet aufzukreuzen, damit alle bereits da sind und erstarren, um ihre Ankunft zu erleben. Grundsätzlich sind anspruchsvolle Frauen ja nicht so mein Ding. Aber wenn jemand einen Körper und ein Gesicht wie sie besitzt, sind Ausnahmen mehr als gerechtfertigt. Außerdem bin ich neugierig.

Nachdem ich tief durchgeatmet habe, öffne ich die Tür und steige aus meinem Hummer. Ich bin ein großer Kerl, schon immer gewesen. Mit knapp zwei Metern Körperlänge und rund hundertzehn Kilo Lebendgewicht brauche ich einiges an Bewegungsfreiheit. Mich verblüfft immer wieder, wie Alex und Tyler kleine Sportwagen fahren können, obwohl sie ebenfalls groß und kräftig sind.

Als ich die Eingangstür erreiche, finde ich sie wie immer unversperrt vor. Tyler muss echt an seiner Sicherheit zu Hause arbeiten, bevor er noch ausgeraubt oder von Fans belästigt wird, die ihm nachstellen. Vor Jahren hatte er schon mal eine Stalkerin. Man sollte meinen, er hätte aus dem Vorfall damals gelernt. Idiot.

»Hallo«, rufe ich, als ich den Eingangsbereich aus Marmor betrete.

Das Haus hat eine gewölbte Decke, wodurch meine Stimme widerhallt. Im Eingangsbereich hängt ein riesiger Kronleuchter, eine lange Treppe führt zu den Zimmern im ersten Stock. Ich gehe geradeaus ins Wohnzimmer, von wo ich die Geräusche des letzten Spiels der Playoffs zum Stanley Cup aus den Surround-Sound-Lautsprechern höre. Für Tyler und mich ist es Tradition, dass wir uns die Endrunde zusammen ansehen.

Alex und seine feste Freundin und Managerin Charlotte Coachman sind dieses Jahr das erste Mal Teil mit von der Partie. Charlottes Spitzname ist Coach, und sie vertritt sowohl Alex als auch Tyler. Sie hat sogar zugesagt, mir bei meinen nächsten Vertragsverhandlungen zu helfen. Aber wenn sich meine Leistungen nicht bald verbessern, wird es wohl mein letztes Jahr bei den Flyers.

Als ich das Wohnzimmer betrete, kuscheln Coach und Alex auf einem der überdimensionierten Sofas. Tyler sitzt mit dem Arm um Kennedys Schultern neben ihnen, hält sie fest an sich gedrückt, während er sich mit Alex über das Spiel im Fernsehen unterhält. Die beiden Paare sind unzertrennlich, seit sie zusammengekommen sind. Manchmal ist das zwar irgendwie zum Kotzen, gleichzeitig jedoch schön zu sehen, dass Alex und Tyler nach all dem Leid und den Dramen, die sie über die Jahre durchgemacht haben, wieder glücklich sind.

Wie ich hat Tyler eine dunkle Vergangenheit, die er für sich behält. Nicht mal Parker weiß über unsere Geheimnisse Bescheid. Ursprünglich haben uns unsere gemeinsamen Probleme und unsere Frustration darüber verbunden, in einer Verlierermannschaft zu spielen. Und jetzt, da Angebote von anderen Teams der Liga hereinflattern, wollen weder Tyler noch ich weg. Tyler hat dafür seine Gründe, ich habe meine.

Überwiegend liegt es daran, dass es uns nur im Paket gibt. Ich schätze, wenn letztlich der Tag für eine Entscheidung ansteht, wird wohl auch Alex mit an Bord sein. Allerdings bezweifle ich, dass sich diesbezüglich in nächster Zeit etwas tut. Dafür ist Tyler zu versessen darauf, aus den Flyers eine Siegermannschaft zu formen.

Er telefoniert fast täglich mit Mike Turner, unserem Geschäftsführer, um sich nach Transfers zu erkundigen. Nachdem dieses Jahr Alex unter Vertrag genommen wurde, ist weder etwas in Planung, noch ist dafür ein Gehaltsbudget vorhanden. Also bleibt uns keine andere Wahl, als durchzuhalten und zu hoffen, dass wir uns bis zum Beginn der nächsten Saison in den Griff bekommen.

Am Eingang zum Wohnzimmer hebe ich die kräftigen Arme über den Kopf, um mich zu strecken. Ich trage eine Jogginghose und ein ärmelloses Oberteil, durch das meine Tätowierungen deutlich zur Geltung kommen. Die Aufmachung ist mein Versuch, ungezwungen rüberzukommen und so zu tun, als wäre ich nicht aufgeregt wegen meiner ersten Begegnung mit Sydney. Allerdings wird mir bei Kennedys missbilligendem Blick klar, was für eine schwachsinnige Idee dieses Outfit war. Sydney wird mich wahrscheinlich auf Anhieb hassen.

Wenigstens habe ich mir den dunklen Bart gestutzt, wodurch ich wieder weniger wie ein Holzfäller aussehe. Ist mein Ritual während der Saison, mich nicht zu rasieren. Bis zum letzten Spiel war die Länge meines Barts allmählich außer Kontrolle geraten, und er hat ernsthaft angefangen, mir auf die Nerven zu gehen.

Für das Treffen mit Sydney habe ich mich rasiert und geduscht. Aber das war so ziemlich alles, was ich gemacht habe, abgesehen davon, dass ich auch die restliche Körperbehaarung zurechtgestutzt habe. Ich dachte, das würde reichen. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher.

»Wo kommst du denn her?«, fragt Tyler und erhebt sich von der Couch. Kennedy folgt ihm.

»Von zu Hause. Warum?« Ich stolziere ins Wohnzimmer und klopfe Tyler zur Begrüßung so kraftvoll auf den Rücken, dass er mit einem Ruck nach vorn taumelt. Passiert mir oft, dass ich die eigene Kraft vergesse.

Er zuckt mit den Schultern. »Ich dachte, du wärst vielleicht direkt vom Training hergekommen, das ist alles.«

Ich blicke auf mein Shirt hinab. »Ne, mir sind bloß die frischen Sachen zum Anziehen ausgegangen, und mir war nicht danach, die Wäsche zu machen.« Das ist gelogen.

»Du weißt aber schon, dass Kennedy extra für dich Sydney eingeladen hat, oder?« Tyler spricht so leise, dass nur ich ihn hören kann.

Ich gebe mich ruhig, ungerührt. »Ja. Gibt’s irgendein Problem?«

»Nichts weiter. Ich dachte nur, du willst Sydney kennenlernen. Und dann kreuzt du so angezogen auf.« Tyler zeigt auf meine Brust.

Er muss wohl verärgert sein, weil er davon ausgeht, dass ihm Kennedy später eine Standpauke halten wird, aber vorerst hält sie den Mund.

Im Hintergrund läuft das Spiel. Die Stimmen der Kommentatoren dröhnen aus den Lautsprechern. Mir ist schnurzegal, wer dieses Jahr gewinnt, weil wir es ja nicht mal in die erste Runde der Playoffs geschafft haben. Trotzdem hoffe ich irgendwie, dass unsere direkten Konkurrenten vom Eis gefegt werden.

Als es an der Tür klingelt, folge ich Tyler und Kennedy aus dem Wohnzimmer den Flur hinab. Ich rage hinter Tyler auf und ein anzügliches Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus, denn Sydney sieht richtig heiß aus. In natura sogar noch heißer als online.

Ihre Fotos werden ihr nicht gerecht. Sie erzielt bei Tyler dieselbe Reaktion wie bei mir. Sydney ist eine Frau der Art, bei der man innehält, um sie zu bestaunen. Wäre Tyler nicht mit Kennedy zusammen, würden wir bereits konkurrieren und versuchen, uns gegenseitig zu übertrumpfen.

»Tyler«, sagt Sydney und streckt die Hand aus, als würde sie von ihm erwarten, dass er ihren Ring küsst. Sie strahlt einen immensen Geltungsanspruch aus, was sich in der Art äußert, wie sie spricht und sich bewegt.

Sydney lässt ein strahlend weißes Lächeln in Tylers Richtung aufblitzen. »Du bist also der Hengst, der mir meine Kennedy geklaut hat.«

Tyler schüttelt ihr die Hand. Die Geste wirkt so förmlich, dass sogar Sydney ein wenig perplex zu sein scheint. »Tut mir leid.«

Schulterzuckend betritt sie das Haus und schenkt mir keine Beachtung, als sie mit hoch erhobenem Haupt und vorgestreckter Brust losmarschiert. Ich lecke mir über die Lippen und trotte hinter ihr her, glotze dabei auf ihren perfekten Hintern. Zugegeben, ich bin nicht begeistert davon, wie sie einfach an mir vorbeifegt, als wäre ich ein Möbelstück, das ihr im Weg steht und das sie umgehen muss. Aber sie macht mich verdammt neugierig.

»Ich würde mich ja dafür entschuldigen, dass ich dir Kennedy abspenstig mache«, meint Tyler zu Sydney, als wir das Wohnzimmer betreten, »aber es fällt mir nun mal schwer, sie aus den Augen zu lassen.«

Sie schaut unter ihren langen Wimpern hervor zu ihm auf und schnippt sich dunkle Locken über die Schulter zurück. »Wie könnte ich je mit deinem Riesenschwanz konkurrieren? Aber ich denke, wir sollten uns einen Zeitplan einfallen lassen. Du weißt schon – du kriegst sie an einem Tag, ich am nächsten.«

Ich habe Mühe, keine Miene zu verziehen. Letztlich bin ich derjenige, der das Schweigen bricht. »Hast du grade Riesenschwanz gesagt?«

Trotz Sydneys Zwölf-Zentimeter-Absätzen bin ich so viel größer als sie, dass sie praktisch meine Brust vor dem Gesicht hat, als ich mich näher zu ihr bewege.

Sie legt den Kopf schief, als würde sie über ihre letzte Äußerung nachdenken. »Ja, hab ich wohl. Ist doch nichts dabei. Wer fährt nicht auf große Schwänze ab?«

»Ich bin Carter Donovan«, stelle ich mich vor, berühre ihre Schulter mit der Hand und versuche nicht mal, mein Gelächter zu unterdrücken.

»Wunderbar«, gibt sie zurück und schüttelt mich ab. »Sydney Carroway. Aber ich bin sicher, das hast du schon gewusst.« Sie wendet sich Kennedy zu, schenkt mir keine weitere Beachtung. »Ich bin am Verhungern. K, hilf mir mal, hier was zu essen aufzutreiben.«

Dann überrascht mich Sydney mit etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Sie stolziert aus dem Zimmer den Gang hinunter, als würde ihr die Hütte gehören. Ihre Absätze klicken über den Marmorboden, als sie in Richtung der Küche steuert. Ich will mehr. Einen Moment lang spiele ich mit dem Gedanken, ihr zu folgen. Aber ich will nicht übereifrig erscheinen.

»Das war verdammt schräg«, raune ich verdutzt zu Tyler.

»Könnte man so sagen.« Tyler wirkt genauso verwirrt von dem Wortwechsel mit Sydney. Für jemanden, der darum gebeten hat, mich kennenzulernen, hat sie eine komische Art, es zu zeigen.

»Aber sie ist heiß.« Ich stecke die Hände in die Taschen der Jogginghose, als wir weiter ins Wohnzimmer vorrücken.

»M-hm«, bestätigt Tyler. Vermutlich fragt er sich gerade, ob sie sich überhaupt mit mir abgeben wird. Ich selbst habe keine verdammte Ahnung.

»Was hältst du von Sydney?«, fragt Kennedy. »Sie ist toll, oder?«

»Sie hat gesagt, ich hätte ’nen Riesenschwanz.« Diesmal lacht Tyler. »Ich kann nicht fassen, dass du ihr das über mich erzählt hast. Und ich dachte, nur Kerle reden über solche Dinge miteinander.«

Sie bedenkt ihn mit einem Erwischt-Blick und beißt sich auf die Unterlippe. »Äh … ja. Weißt du, auch Frauen reden über solche Sachen. Und Schatz, deine Ausstattung ist auf jeden Fall was, worüber es wert ist zu reden. Sei froh, dass es das Thema nicht in unseren Blog geschafft hat, denn es ist schon mehrmals als mögliche Idee für einen Eintrag aufgekommen.«

»Ach ja, richtig.« Tyler beugt sich zu ihr und küsst ihr Haar. »Wie wolltet ihr den Artikel denn nennen?«

»Ich mag große Schwänze und kann nicht lügen«, scherzt sie.

Diese Unterhaltung ist gerade unheimlich interessant geworden. Kennedy kommt süß und unschuldiger als Sydney rüber, also kann ich mir ausmalen, wie eine gewöhnliche Unterhaltung mit Sydney wohl wäre. Die Frau hat über Tylers bestes Stück geredet, als wäre das ein völlig normales Gesprächsthema gegenüber Fremden. Sie fühlt sich wirklich wohl in ihrer Haut. Und das gefällt mir an ihr.

»Mir gefällt immer noch Alles fürs Team«, flüstert Tyler Kennedy ins Ohr, ohne zu bemerken, dass ich ihn hören kann. »Wenn du willst, können wir ins Badezimmer verschwinden, und du kannst mir zeigen, wie du’s euren Followern veranschaulichen würdest.«

Kennedy stupst ihn kräftig mit der Hüfte. »Netter Versuch, aber wir haben Gäste.«

Sydney kehrt mit einer Pizzaschachtel und einem Sechserpack Bier ins Wohnzimmer zurück. »Wer hat Hunger?«

Sie stellt die Schachtel und die Flaschen auf dem langen Tisch ab, der sich vor beiden Sofas erstreckt. Der Raum ist so groß, dass er förmlich nach überdimensionierten Möbeln schreit, um den Platz zu füllen.

»Ich könnte was vertragen«, rufen sowohl Parker als auch ich, und wir strecken uns beide, um uns ein Stück Pizza zu greifen, als sie die Schachtel öffnet.

Während ich esse, stehe ich bei Tyler und Kennedy und beobachte, wie Sydney mit Coach plaudert, als würden sich die beiden schon jahrelang kennen. Sydney scheint auf die Leute in ihrem Umfeld die Wirkung zu haben, dass sie sich ihr öffnen wollen.

Coach ist an sich ziemlich verschlossen, und dennoch erzählt sie Sydney gerade sämtliche Einzelheiten über Parker und ihre damalige Trennung. Das war für uns alle in der Mannschaft eine echt elende Zeit. Damals hatten wir das zweifelhafte Vergnügen, Parker um uns zu haben. Und um ehrlich zu sein: Es war echt beschissen. Von Coach getrennt war er durch und durch unausstehlich. Das hat die Stimmung der ganzen Mannschaft runtergezogen.

Kennedy und Tyler führen eine private Unterhaltung, flüstern sich gegenseitig etwas zu und schenken mir keinerlei Beachtung. Obwohl Sydney hier ist, komme ich mir wie das fünfte Rad am Wagen vor.

Ihre Stimmen steigen eine Oktave an, bevor Tyler einen so lauten Schrei ausstößt, dass es in meinen Ohren klingelt. »Juhu!«

Sein Freudenausbruch erregt die Aufmerksamkeit des Rests der Gruppe. Wir alle drehen uns mit verwirrten Mienen die Köpfe zu.

»Kennedy zieht bei mir ein«, verkündet Tyler und streckt die Hände in die Luft.

Ich gratuliere den beiden zusammen mit dem Rest der Gruppe, bevor Tyler seine Kennedy hochhebt und sie sich über die Schulter hievt. Mit der Hand auf ihrem Hinterteil rennt er praktisch aus dem Wohnzimmer. Seine Schuhe poltern laut über die Holzbohlen, als er die Treppe erklimmt und uns hinter sich zurücklässt. Sydney ist gerade erst eingetroffen, und die zwei verziehen sich, um es miteinander zu treiben?

Das ist irgendwie peinlich. Da die Turteltäubchen weg sind und ich allein mitten im Raum stehe, haben sich alle Augen auf mich geheftet. Wer macht so was, während man sich das letzte Spiel der Playoffs um den Stanley Cup ansieht? Es muss irgendeine ungeschriebene Regel geben, gegen die Tyler gerade verstoßen hat.

Sydney ist so brandheiß und einschüchternd, dass ich mich davor scheue, mich ihr zu nähern. Die Situation erinnert mich an die Highschool. Bei der Tanzveranstaltung im Turnsaal damals haben sich die Jungs auf einer Seite versammelt, die Mädchen auf der anderen, und sie haben sich nur gegenseitig angeglotzt. Sydney stellt Blickkontakt mit mir her und mustert mich wie ein Raubtier. Seit ich als Profi in der NHL spiele, rennen mir die Frauen nach. Dadurch bin ich irgendwie faul geworden, weil mir die Aufmerksamkeit zufliegt, ohne dass ich mir die geringste Mühe gebe.

Was, wenn sie wieder anfängt, von Riesenschwänzen zu reden? Das war schräg, aber irgendwie auch geil. Hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie über meine Ausstattung geredet hätte. Was würde ich nicht alles für eine Nacht mit Sydney tun oder sagen. Ich kann vor mir sehen, wie sich ihre vollen Lippen für mich teilen, und ich bemühe mich, das Bild nicht zu lange vor Augen zu behalten.

Sydney klopft auf den Platz neben ihr auf der Couch und schürzt die Lippen in meine Richtung. »Komm her, Großer. Erzähl mir deine Geheimnisse.«

Allein bei dem Gedanken zieht sich in mir alles zusammen. Zögernd gehe ich auf sie zu. Tyler und Kennedy sind als Puffer ausgefallen, und auf Coach und Alex kann ich mich auch nicht verlassen – die sind zu beschäftigt mit Schmusen. Schon bei der Erwähnung von Geheimnissen werde ich nervös.

»Da gibt’s nichts zu erzählen«, behaupte ich und lasse mich neben ihr nieder. Ihr Spitzname für mich ärgert mich. Man hat mir als Kind schon genug beschissene Spitznamen verpasst.

»Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Jeder hat Geheimnisse.« Sydney beugt sich zu mir und drückt die Lippen an mein Ohr, wodurch sie ein Beben direkt in meinem Schwanz auslöst.

Bitte krieg jetzt keinen Ständer, sage ich mir eindringlich und bemühe mich, an etwas anderes zu denken, als ihr gewaltiger Vorbau meinen Arm streift.

»Du verrätst mir deine Geheimnisse, ich verrate dir meine«, flüstert sie und nuckelt an meinem Ohrläppchen. »Ich mag Spiele. Wir könnten viel Spaß miteinander haben.«

Was zum Teufel passiert hier gerade? Bei ihrer Ankunft hat sie mich wie Luft behandelt, und jetzt geilt sie mich auf, indem sie an meinem Ohr knabbert. Diese Frau muss der Teufel höchstpersönlich sein.

Reden wir hier von Geheimnissen oder von Körperteilen? Ich habe nicht den leisesten Schimmer, und eigentlich ist es mir auch egal. Mich überkommt der Drang, sie mir über die Schulter zu werfen und sie in eines von Tylers zahlreichen Gästezimmern zu tragen. Ich glaube, sie hätte nichts dagegen. Hoffe ich zumindest. Zeit, seinen Mann zu stehen und es herauszufinden.

2

Sydney

Wo, verflixt noch mal, ist Carter Donovans verboten sexy Bart abgeblieben? Der Teufel soll ihn dafür holen, dass er ihn vor unserem Date gestutzt hat. Ich bin so stinksauer, dass ich ihn am liebsten aus Trotz für den Rest des Abends ignorieren will. Bei meiner Ankunft bin ich an ihm vorbei ins Haus gefegt und habe so getan, als würde ich ihn gar nicht wahrnehmen. Allerdings ist Carter schwer zu übersehen. Durch seine Größe, die starken Schultern und Arme und die definierten Muskelstränge bis hinunter zu den Oberschenkeln erinnert er mich an den unglaublichen Hulk.

Mein Gott, er ist zum Niederknien heiß. Der Mann bewirkt in meinem Innersten unfassbare Dinge, ohne mich auch nur anzufassen. Als ich mich auf der Couch über ihn beuge, kann ich nicht verhindern, dass ich nach unten starre und mich frage, ob sein Gemächt dem Rest von ihm gerecht wird. Jedenfalls hoffe ich es, denn allein neben ihm zu sitzen, macht mich unheimlich scharf. Ich necke ihn, indem ich die Lippen an sein Ohr drücke und ihn auffordere, mir seine Geheimnisse zu verraten.

Ich knabbere mit den Zähnen an seinem Ohrläppchen, sauge daran, atme schwer gegen seine Haut. Einige Sekunden lang erstarrt er, atmet tief ein und hält die Luft viel zu lange an, bevor er sie ausbläst.

»Mach ich dich scharf, Carter?«, flüstere ich, als er nicht auf meine erste Äußerung darüber reagiert, dass wir Geheimisse austauschen sollten. »Würdest du gern mit mir allein sein?«

Ich muss zugeben, dass ich dieses Spiel mehr genieße, als ich sollte.

Er dreht den Kopf gerade genug, damit sich unsere Blicke begegnen. »Red nur so weiter, Prinzessin, dann leg ich dich auf diese Couch und vergesse, dass wir nicht alleine sind.«

Seine Stimme ist so tief und männlich, dass ich die Augen schließe und mir vorstelle, er würde wirklich tun, was er mir gerade angedroht hat. Eine Herausforderung. Das gefällt mir. Anscheinend könnte die Sache zwischen uns funktionieren.

Ich mache so etwas oft, um Männer und ihre Grenzen auszuloten. Die Luschen ziehen in der Regel sofort den Schwanz ein, während die echten Männer Carters Beispiel folgen und mir zeigen, was sie zu bieten haben.

Ich fahre mit den Fingern seinen Arm entlang, taste mich nach unten über seinen Körper vor und halte inne, als ich seinen Oberschenkel erreiche. Seine Muskeln scheinen aus Stein gemeißelt zu sein. »Irgendwie hab ich gehofft, du würdest so was in der Art sagen.«

»Oh ja.« Er zieht mich in seine Arme. Hilflos wie eine Puppe falle ich auf seinen Schoß. »Fordere mich besser zu nichts heraus, was du dann nicht durchziehen kannst. Ich stehe auf Herausforderungen.«

»Das klingt unfassbar heiß. Du weißt echt, wie man eine Lady behandelt.« Ein kaum hörbares Stöhnen entringt sich meiner Kehle. Durch das Eishockeyspiel, das aus den Lautsprechern dröhnt, bemerkt es niemand. Nicht dass es mir etwas ausmachen würde, wenn uns jemand hört. In meinen Liebesromanen schreibe ich weit Heftigeres.

Das Haus ist voll von hormongesteuerten Paaren. Oben treibt es meine beste Freundin mit Tyler, und Coach und Alex stehen Sekunden davor, es ihnen gleichzutun. Keiner achtet auf das Hockeyspiel, für das sie eigentlich hergekommen sind. Genau mein Menschenschlag. Eishockey – oder jede sonstige Sportart, was das angeht – ist mir schnurzegal. Aber wenn es um Sex geht – meinen Lieblingssport –, bin ich voll dabei. Und Carter scheint bereit zu sein, mitzumachen.

Ich richte mich auf und stütze mich an seinen Schultern ab. Er ist so stark, dass ich ihn unmöglich auch nur einen Zentimeter bewegen könnte, wenn ich wollte. Mich begeistert, wie sich seine Muskeln unter meinen Fingern anfühlen, als ich die Umrisse seiner Tattoos nachfahre. Einige sind bunt, die meisten jedoch bestehen nur aus schwarzer Tinte.

»Mir gefallen deine Tätowierungen«, sage ich zu ihm. »Haben sie irgendeine Bedeutung?«

»Ja, haben sie.« Dabei belässt er es, was meinen Wunsch nur verstärkt, mehr über ihn und die Kunstwerke aus Tinte auf seinem Körper zu erfahren.

Ich fahre mit den Fingern durch sein dunkles Haar und drücke die Brust an seinen Arm. »Mehr bekomme ich nicht von dir, Großer?«

»Hör auf, mich so zu nennen«, fordert er mich gereizt auf, während er mir in den Ausschnitt starrt. Heute Abend habe ich die Mädels extra für ihn zur Schau gestellt. Vielleicht kriege ich ihn dazu zu tun, was ich will, indem ich ihm kleine Einblicke gönne.

»Hör du auf, mich Prinzessin zu nennen«, feuere ich zurück und gebe vor, beleidigt zu sein. Dabei ist es mir völlig egal. Mein Vater nennt mich schon seit meiner Geburt so.

Er zuckt mit den Schultern, bewegt mit der Geste meinen gesamten Körper. »Wenn’s aber doch stimmt?«

»Touché, Carter.« Ich verdrehe die Augen, während ich überlege, was ich als Nächstes zu ihm sagen soll.

Bei seinen Tätowierungen hat er mich abgewürgt. Was um alles in der Welt könnte so wichtig daran sein, dass er deswegen gleich dichtmacht?

»Was heißt das hier?« Ich zeige auf die Worte Lux in tenebris an seinem Handgelenk. Zwar weiß ich, dass es Latein ist, aber ich habe keine Ahnung, was es bedeutet. Fremdsprachen waren an der Highschool nie meine Stärke. Ich war zu beschäftigt damit, meinen Englischlehrer zu verführen, als im Unterricht aufzupassen.

»Licht in der Dunkelheit«, sagt er, lässt jedoch keine genauere Erklärung folgen. Auf den Armen hat er Tribals und verschiedene Symbole und Worte.

Schon komisch, wie schnell er wegen etwas so Banalem von heiß auf kalt geschwenkt hat. Offensichtlich ist die Bedeutung hinter seinen Tätowierungen ein heikles Thema. An dem Mann ist mehr dran, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Und ich habe vor herauszufinden, was Carter verbirgt.

»Gib mir irgendetwas«, murmle ich an seinem Ohr und reibe mich an seinem Oberschenkel.

Ja!, brülle ich innerlich triumphierend, als ich fühlen kann, dass ich ihn absolut nicht kalt lasse. Ich hatte schon Angst, er könnte einer dieser großen Kerle mit mickriger Ausstattung sein. Das ist das Schlimmste – wenn man nach einer eingehenden Begutachtung der Schuhe und Hände feststellen muss, dass sich zwischen den Beinen nicht viel abspielt. Der totale Lustkiller. Aber bei Carter trifft das nicht zu – schon jetzt kann ich sehen, wie gut er bestückt ist.

»Wie wär’s mit ’nem Rundgang durchs Haus?«, schlägt er vor und streift mit einer großen Hand seitlich meine Brust. Ich lasse es zu. Warum auch nicht? Es fühlt sich gut an.

Ich lehne mich ein Stück zurück, um ihn mit einem finsteren Blick zu bedenken. »Versuchst du grade, mich ins Bett zu kriegen, damit du meine Frage ignorieren kannst?«

»Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Komm doch mit, und wir finden’s raus.«

Er beugt sich vor, hebt mich über seine Schulter wie einen Sack Kartoffeln und steht mit mir von der Couch auf. Mir bleibt keine Zeit zum Protestieren, denn ich klammere mich bereits aus Leibeskräften an ihm fest, weil ich fürchte, er könnte mich fallen lassen. Traue ich ihm bei seiner Einstellung sogar zu.

Als er mich über seine Brust nach unten gleiten lässt, schlinge ich die Arme um seinen Nacken, um mich an ihm festzuhalten. Was hat es nur damit auf sich, dass diese Kerle ihre Frauen unbedingt tragen müssen? Ich weiß nur, dass ich mich nicht darüber beklagen kann. Die zwischen unseren Körpern knisternde Hitze jagt mir ein regelrechtes Buschfeuer über die Arme. Durch den engen Kontakt mit Carter verhärten sich meine Brustwarzen. Mir widerstrebt zutiefst, dass er diese starke Wirkung auf mich ausübt, die mir durch den ganzen Körper fährt.

»Ob du mich wohl runterlassen könntest, Großer?«, frage ich in verspieltem Ton, weil ich weiß, dass ich ihn damit noch mehr reizen werde. Aber er ist groß, deshalb verstehe ich nicht, was für ein Problem er mit dem Spitznamen hat. Und wenn er seine Karten richtig ausspielt, habe ich vor, daraus mein Großer zu machen. »Du zerdrückst mich, und meine Möpse sind zu groß, um so gequetscht zu werden. Lass mich lieber los, bevor sie platzen.«

Lachend marschiert er aus dem Wohnzimmer in den langen Marmorflur, der zur Treppe führt. »Ich glaub kaum, dass sie platzen werden. Sehen ziemlich echt für mich aus. Keine Sorge, Prinzessin. Ich kann sie für dich massieren, sobald ich mir überlegt hab, wohin ich dich bringe.«

»Womöglich nehm ich dich beim Wort.« Ich drücke ihm einen Kuss auf die Wange, hinterlasse meinen Lippenstift in seinem Gesicht. Mit den Umrissen meiner Lippen auf der Haut sieht er zum Niederknien sexy aus. Ich habe ihn markiert. Jetzt gehört er mir.

Wir erreichen den ersten Stock in Rekordzeit. Mein Innerstes brodelt vor Adrenalin und der Erregung des Unbekannten. Am liebsten hätte ich, dass Carter mich noch heute Abend stürmisch nimmt. Aber ich habe Regeln. Im Moment denkt er vielleicht noch, er kommt zum Schuss, allerdings liegt er damit völlig falsch. Ich rede zwar gern großspurig daher, setze aber selten etwas davon beim ersten Date um.

Wäre ich betrunken, sähe die Sache natürlich völlig anders aus. Dann könnte mich Carter auf jede beliebige Weise haben, und ich würde ihn nicht aufhalten. Deshalb trinke ich bei Dates nicht mehr. Wenn ich beschwipst bin, kann ich eine richtige Schlampe sein. Was schon zu etlichen verstörenden, peinlichen Morgen danach geführt hat. Kennedy denkt, jeder Mann würde auf mich ansprechen und mir sofort zu Füßen liegen. Ohne prahlen zu wollen, trifft das auch auf viele zu, nur haben die meisten Männer die bescheuerte Angewohnheit, dass sie sich nicht mehr melden, wenn man bereits in der ersten Nacht mit ihnen schläft.

Da ich Carter jetzt schon mag, will ich mir das auf keinen Fall mit einer bedeutungslosen Nacht voll Sex verderben. Ich spüre, dass mehr in ihm steckt, als man meinen möchte. Und ich will diejenige sein, die herausfindet, was das ist.

Als wir die letzte Tür am Ende des Flurs erreichen, stellt er mich ab und legt mir die Hände auf die Schultern. Und als er mir eindringlich in die Augen sieht, fühlt sich die Verbindung zwischen uns so stark an, dass mir der Atem stockt.

Carter beugt sich herab, um mich zu küssen. Dabei drehe ich den Kopf zur Seite, sodass daraus lediglich ein Schmatz auf meine Wange wird.

»Echt jetzt?« Er klingt verwirrt, was er auch sein sollte. »Du lässt dich nicht von mir küssen?«

Er ist schon ein sexy Traum von einem Kerl. Ich könnte mich gleich hier im Gang von ihm nehmen lassen und die beste Nacht meines Lebens haben. Oder ich kann ihn warten lassen und dazu bringen, um mehr zu betteln. Heute Abend entscheide ich mich für Option B. Denn im Gegensatz zu den meisten Typen, die ich kennenlerne, will ich Carter wiedersehen.

»Nicht heute Abend. Trotzdem hätte ich immer noch gern den Rundgang durchs Haus, wenn du’s mir zeigen willst.«

Leicht naserümpfend wendet er sich von mir ab und blickt den Gang hinunter. »Äh …«

Carter bringt mich so was von aus der Spur. Ich vermute, das beruht auf Gegenseitigkeit. Damit hat er nicht gerechnet. Man muss Männer immer auf Trab halten. Und sie in die Knie zwingen.

»Was willst du sehen? Sind nur ein Haufen Zimmer.«

»Wie du ja weißt, schreibe ich Liebesromane. Warum führst du mich nicht in jedes Zimmer und erzählst mir dazu ’ne Geschichte?«

»Eine Geschichte?« Er sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Worüber denn?«

»Über uns und darüber, was wir in jedem Raum anstellen würden, wenn du mit mir tun könntest, was du willst.«

Er schnaubt. »Du nimmst mich auf den Arm, richtig?«

Ich schüttle den Kopf. »Ne, ist mein voller Ernst. Ich mag Spiele. Das wird lustig. Spring mal ein bisschen über deinen Schatten, Carter. Probier’s einfach aus. Das wird uns helfen, einander kennenzulernen. Du wirst sehen.«

»Na schön«, lenkt er ein und öffnet die Tür des Zimmers vor uns. »Ich weiß echt nicht, was du gern hören würdest …«

Das Gästezimmer hat wie der Rest des Hauses eine hohe Decke und protzt mit großen Mahagonimöbeln, einem überdimensionierten Himmelbett und einer Couch an der Wand neben einem begehbaren Schrank.

Tyler muss eine Innenarchitektin engagiert gehabt haben, denn ein Mann hätte nie und nimmer diese Gardinen oder dieses Bettzeug ausgesucht, erst recht nicht ein Mann wie Tyler. Kennedy hat mir erzählt, dass er nicht mal daran denkt, seine Küchenschränke mit Lebensmitteln zu bevorraten.

»Benutz deine Fantasie.« Ich schlendere hinüber zum Bett und klopfe mit der Hand auf die blaue Seidensteppdecke. »Was würden wir jetzt tun, wenn ich bereit wäre, den Rock anzuheben, meinen Slip auszuziehen und die Beine für dich zu spreizen?«

Er schenkt mir ein verruchtes Grinsen und kommt näher, verringert drastisch den Abstand zwischen uns. »Kann ich ein wenig Inspiration kriegen?« Carter ist mir so nah, dass er praktisch zwischen meinen Schenkeln steht. »Vielleicht ’ne kleine Vorschau darauf, was noch kommt?«

»Oh, und wie du kommen wirst, Großer. So viel kann ich dir versprechen. Aber nicht heut Nacht. Zuerst musst du dir etwas Selbstbeherrschung angewöhnen. Beim Schreiben von Liebesromanen habe ich unter anderem gelernt, dass es bei Sex um Kontrolle und Macht geht. Wir müssen auf Augenhöhe sein, wenn wir uns aufeinander einlassen, sonst funktioniert’s nicht.«

»Hast ja schon reichlich drüber nachgedacht, wie ich sehe.«

Ungerührt von seiner Bemerkung zucke ich mit den Schultern. »Ich bin Schriftstellerin. Das liegt mir im Blut. Nachdenken ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Sich die Handlung für einen Roman zu überlegen, ist so, als würde man ein Spiel gewissenhaft so planen, dass sich alle Teile zusammenfügen und jeder gewinnt.«

»Es kann nicht immer nur Gewinner oder ein Happy End geben«, entgegnet er herausfordernd. Dann wirft er mich aus der Bahn, indem er mein Bein anhebt und die Haut mit einer Hand streichelt, während er sich den Oberschenkel an die Hüfte hält.

»Ich schreibe über Romantik, Carter. Meine Figuren leben immer glücklich bis an ihr seliges Ende zusammen. Sonst würden mich meine Leserinnen aufspüren und mein Apartment abfackeln.«

Er lacht. »Das ist dann doch ein bisschen überzogen. Meinst du nicht?«

Ich verdrehe die Augen. Hör auf, mich auf die Probe zu stellen.

»Na schön. Punkt für dich. Trotzdem will heutzutage niemand einen Liebesroman mit einem Ende wie Romeo und Julia lesen. Auch wenn Millionen Menschen das Theaterstück lieben, in einem modernen Roman würde es nicht funktionieren.« Sein Blick wandert von meinem Gesicht zu meinem Busen, also schnippe ich aufmerksamkeitsheischend mit den Fingern. »Kannst du wohl bitte bei der Sache bleiben? Du sollst mir unsere gemeinsame Szene beschreiben.«

»Oh, ich bin total bei der Sache«, erwidert er und streicht über die Innenseite meines Schenkels. »Ich bin voll auf dich konzentriert und bereit, das Bett hier angemessen zu verwenden. Was hältst du davon als Beschreibung einer Sexszene?«

Carter gestaltet es mir echt unmöglich, so zu funktionieren, wie ich will. Mein Kopf wird ganz leer, bevor ihn schlagartig Gedanken daran fluten, wie es mir Carter kräftig besorgt. Es ist eine Weile her, seit ich zuletzt Sex hatte. Jene letzte Begegnung hat als typischer Fall einer schnellen Nummer mit anschließendem fluchtartigen Verlassen des Orts des Geschehens geendet. Auf so etwas habe ich keine Lust mehr. Es kommt der Punkt im Leben, an dem man zu alt für solchen Quatsch wird, und ich habe meine Schwelle für One-Night-Stands und unerfreuliche Morgen danach längst überschritten.

»Das ist nicht, was ich im Sinn hatte.« Ich kralle die Finger in sein Shirt und ziehe ihn näher.

Er lässt sich nach vorn fallen, tut so, als wäre es ein Versehen. In Wirklichkeit ist es bloß ein Vorwand, um mich auf die Matratze zu drücken. Mit seinen Unterarmen zu meinen beiden Seiten hebt er die Hand und zwirbelt eine meiner Locken zwischen den Fingern, während er mir tief in die Augen sieht. Alles an ihm ist so intensiv. Ich würde ihn gern küssen. Aber das werde ich nicht.

Er haucht an meine Lippen, als er sagt: »Hattest du eher das im Sinn?«

»Nein. Aber wir können so tun, als ob, ohne es wirklich durchzuziehen. Ich hab Regeln und möchte, dass du sie befolgst. Damit können wir eine Menge Spaß haben. Bist du dabei?«

»Was immer du willst, Prinzessin.« Er grinst, und sein bestes Stück wird hart. Ich spüre es an meinem Bein. Oh … mein … Gott.

Ich bemühe mich bestmöglich, seine mächtige Erektion zu ignorieren, und nehme mir einen Augenblick Zeit, um mich zu sammeln. Ein kleiner Teil von mir möchte in seine Jogginghose greifen und das Teil herausholen, um einen genaueren Blick darauf zu werfen. Aber heute Abend muss ich mich benehmen. Oder vielleicht kann ich ja zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

»Gut.« Ich lächle so breit, dass mein Kiefer schmerzt. »Jetzt runter von mir und zieh die Hose aus.«

Verdattert reibt er über die dunklen Stoppeln an seinem Kinn. Ich verwirre Männer gerne. Ohne weitere Anweisungen stützt er sich mit einer Handfläche auf dem Bett ab und stemmt sich hoch.

Als er die Jogginghose über die Hüften runterschiebt, erwartet mich eine Überraschung. Denn Carter trägt keine Unterwäsche. Das hat er absichtlich gemacht.

Was zum Puck?

Mein Mund öffnet sich so weit, dass er seine gewaltige Mannespracht aufnehmen könnte. Wie soll ich auch sonst auf diese Größe reagieren? Über das Thema haben Kennedy und ich vor Monaten einen Artikel geschrieben – und ich muss Freude definitiv nicht bloß heucheln, als hätte ich gerade ein ungeliebtes Weihnachtsgeschenk ausgepackt. Nicht mal annähernd.

Mittlerweile bin ich so erregt, dass mein Schritt heftig pulsiert. Ich wünschte, Carter würde mich ausfüllen. Wie von selbst bewegt sich meine Hand zwischen meine Beine und ich stoppe mich erst, als sie auf meinem Oberschenkel landet. Was macht er bloß mit mir?

»Ich weiß, dass dir gefällt, was du siehst, Prinzessin.« Er grinst, der großspurige Mistkerl, weil er weiß, dass seine Ausstattung der Wahnsinn ist. Mehr als der Wahnsinn. Carter besitzt den heiligen Gral der Mannespracht.

Zuerst halte ich es tatsächlich für ein Trugbild. Am liebsten würde ich ihn anfassen, um mich zu vergewissern, dass der Anblick echt ist. Und um ihn gründlich zu inspizieren.

»Ich hab dir meins gezeigt. Jetzt zeig du mir deins«, fordert mich Carter mit rauer, sinnlicher Stimme auf.

Das entspricht so gar nicht dem, was ich vorhatte. Ist allerdings keine schlechte Idee. Ich bin mehr als erregt, sexuell ausgehungert, und die Unterversorgung meines Hirns mit Sauerstoff schwächt meine Willenskraft.

»Setz dich«, verlange ich von Carter und zeige auf die dem Bett zugewandte Couch an der Wand hinter ihm. »Regel Nummer eins: Nur gucken, nicht anfassen.«

Er fährt sich mit den Fingern durchs Haar und stößt heftig die Luft aus. »Du bist verrückt.«

»Zu deinem Glück hat meine spezielle Macke auch ihre Vorzüge. Wenn du brav bist und tust, was ich verlange, kriegst du im Gegenzug etwas dafür.«

Damit ernte ich ein Augenrollen, bei dem ich es nur noch mehr mit ihm treiben möchte. Aber er widerspricht nicht noch mal. »Ich hoffe echt, dass das gut wird.«

»Vertrau mir, Großer. Ich bin’s wert.«

Er streift die Turnschuhe und die Hose ab, dann bietet er mir einen herrlichen Ausblick auf seinen Hintern, als er zur Couch geht. Seine Beine sind muskulös und lang, die Arme strotzen genau an den richtigen Stellen vor Kraft. Sein abgeschnittenes Shirt muss weg, denn ich will mehr von ihm sehen. Einen so perfekt definierten Körper habe ich noch bei keinem Mann zuvor erlebt. Und ich hatte schon Dates mit echten Bodybuildern.

Er setzt sich mit gespreizten Beinen auf die Couch und legt die Hand um seinen Schaft. »Was jetzt, Prinzessin?«

»Zieh dein Shirt aus.« Obwohl ich ihn im Befehlston dazu auffordere, sitzt er nur da.

»Was kommt als Nächstes?«, fragt er und ignoriert meinen Wunsch.

Mir gefällt, dass er bei meinem spontanen Rollenspiel mitmacht. Schade nur, dass er zu stur ist, um sein Shirt auszuziehen. Ich wette, dass seine Bauchmuskeln genauso hart und definiert sind wie der Rest von ihm.

Es mag vielleicht merkwürdig erscheinen, aber Abende wie dieser helfen mir beim Schreiben. Viele meiner Bücher beruhen auf persönlichen Erfahrungen.

»Jetzt bringen wir unsere Szene zu Ende«, sage ich zu ihm und lasse den Blick auf das geheftet, was ich von seinem atemberaubenden Körper sehen kann.

Ich rutsche zum Fußende des Bettes und ziehe den Rock gerade weit genug rauf, damit er meinen rosa Stringtanga sehen kann. Er besteht aus durchscheinendem Spitzenmaterial, überlässt kaum etwas der Fantasie, aber ich will, dass Carter die Vorstellung in vollem Umfang genießt. Er muss mir nachgeben, bevor ich ihm restlos verfalle. In der Hinsicht habe ich einen Spleen, und wenn ihm das nicht passt, kann er ja gehen. Allerdings bezweifle ich das. Er will mich zu sehr, um jetzt schon das Handtuch zu werfen. Und ich wette, dass er sich noch als bereitwilliger Teilnehmer an diesem kleinen Spielchen erweisen wird.