Ice Breakers - Parker - Jillian Quinn - E-Book
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Ice Breakers - Parker E-Book

Jillian Quinn

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Beschreibung

Seine neue Agentin wird seine größte Herausforderung ...

Nach einer weiteren durchfeierten Nacht und einem Puck-Bunny-Skandal bekommt Alex Parker eine letzte Chance, sich zusammenzureißen. Seine Sportagentur versetzt den heißen Hockeyspieler nach Philadelphia, wo er das städtische Ice-Hockey-Team wieder auf Siegeskurs führen soll. Damit er nicht direkt wieder für Schlagzeilen sorgt, wird er fürs erste bei "Coach" untergebracht, einem erfolgreichen Sportagenten, der ein wachsames Auge auf ihn haben wird. Als Parker jedoch auf seinen neuen Mitbewohner trifft, muss er erstaunt feststellen, dass "Coach" eigentlich Charlotte Coachman heißt und nicht nur beeindruckend tough ist und viel von Sport versteht, sondern auch noch verdammt gut aussieht. Eine Mischung, die Parker daran zweifeln lässt, dass er sich lange von seiner braven Seite zeigen kann ...

Auftakt der ICE-BREAKERS-Reihe

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Seitenzahl: 369

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

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Epilog

Leseprobe

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von Jillian Quinn bei LYX

Impressum

JILLIAN QUINN

Ice Breakers

PARKER

Roman

Ins Deutsche übertragen von Cherokee Agnew

Zu diesem Buch

Seine neue Agentin wird seine größte Herausforderung …

Nach einer weiteren durchfeierten Nacht und einem Puck-Bunny-Skandal bekommt Alex Parker eine letzte Chance, sich zusammenzureißen. Seine Sportagentur versetzt den heißen Hockeyspieler nach Philadelphia, wo er das städtische Ice-Hockey-Team wieder auf Siegeskurs führen soll. Damit er nicht direkt wieder für Schlagzeilen sorgt, wird er fürs erste bei »Coach« untergebracht, einem erfolgreichen Sportagenten, der ein wachsames Auge auf ihn haben wird. Als Parker jedoch auf seinen neuen Aufpasser trifft, muss er erstaunt feststellen, dass »Coach« eigentlich Charlotte Coachman heißt und nicht nur beeindruckend tough ist und viel von Sport versteht, sondern auch noch verdammt gut aussieht. Eine Mischung, die Parker daran zweifeln lässt, dass er sich lange von seiner braven Seite zeigen kann …

1

ALEX

Die meisten Menschen hassen das laute, fiese Geräusch des Signalhorns, wenn beim Hockey ein Tor geschossen wird, aber ich gehöre definitiv nicht dazu. Für mich bedeutet es, dass mein Team einen Punkt erzielt hat und dem Sieg wieder ein Stück näher ist. Heute Morgen reißt mich das liebliche Geräusch, das ich so sehr mit Gewinnen assoziiere, aus dem Schlaf nach durchzechter Nacht. Es ist bereits das dritte Mal dieses Jahr, dass ich genau weiß, dass die Person am anderen Ende der Leitung schlechte Nachrichten für mich hat. Ich hebe den Kopf, öffne ein Auge und greife nach meinem Handy auf dem Nachttisch.

Doch ich bin überhaupt nicht in meinem Schlafzimmer.

Das hier ist auch nicht mein Apartment.

Wo zum Teufel bin ich?

Über der Tür des Kleiderschranks hängt ein flauschiger rosafarbener Bademantel, der aussieht, als würde er einem kleinen Mädchen gehören. Über dem winzigen Schreibtisch mit dem Computer klebt ein Poster von Harry Potter, am Stuhl hängt eine Schultasche. Der Raum hat in etwa die Größe eines Wohnheimzimmers.

Nein, das darf nicht wahr sein.

Ich wälze mich auf den Rücken und setze mich auf. Das schmale Bett ist viel zu kurz für meine langen Beine. Als ich mich gegen das Kopfteil lehne, entdecke ich die nackte Blondine neben mir. Da ihr Arm auf ihrem Gesicht liegt, weiß ich nicht, ob ich gestern, bevor wir die Bar verlassen haben, eine gute Wahl getroffen habe. Ich kann mich sowieso kaum noch an den Abend erinnern.

Sei bitte kein Studentenwohnheim.

Die Blondine bewegt sich, und ihr entweicht ein leises Geräusch.

Schnell stelle ich das Handy auf lautlos und seufze, als ich sehe, dass es mein Agent ist. Das ist gar nicht gut. Wenn ich jetzt rangehe, wird er mir sagen, dass ich bei den Washington Capitals keine Zukunft haben werde.

Ich habe mit der falschen Tussi geschlafen – und damit meine ich nicht die neben mir.

Woher hätte ich wissen sollen, dass das megaheiße Groupie die Enkelin des alten, runzligen Knackers ist, der mir meine Gehaltsschecks ausstellt?

Ich muss mich jetzt zusammenreißen und der Realität ins Auge blicken. Also rufe ich meinen Agenten zurück und bete dafür, dass der Vereinsbesitzer nach einer phänomenalen Saison Gnade walten lässt. Ich hätte es auf jeden Fall verdient. In unserer Liga sind wir auf Platz eins, und dank mir haben wir bei Unterzahl die beste Abwehrarbeit.

»Hey, Mick«, sage ich, während ich mit zitternder Hand das Smartphone ans Ohr presse. »Lass mich …«

Bevor ich den Satz zu Ende bringen kann, schreit Mickey Donoghue (in der Welt der Sportmanager auch bekannt als Mick the Dick): »Pack deine Sachen, du Wichser! Es geht nach Philadelphia. Versau es nicht, verstanden? Das ist deine allerletzte Chance!«

Ich setze mich auf, und mein Herz hämmert wie verrückt. Habe ich das gerade richtig verstanden? Die Philadelphia Flyers sind zwar nicht das schlechteste Team der Liga, aber auch nicht gerade das Beste. Ich habe mir den Arsch aufgerissen, um mein Team für die Playoffs zu qualifizieren. Letztes Jahr hätten wir fast den Stanley Cup gewonnen. Mit einem so jungen Team noch mal ganz von vorne anzufangen ist alles andere als ideal. Um ehrlich zu sein, es ist richtig scheiße.

Nach acht Jahren in der Liga sollte ich mir mein Team selbst aussuchen dürfen, doch nach meinem letzten Patzer habe ich einige meiner Sponsoren verloren. Dabei hatte ich noch Glück, dass Mick die nötigen Eier hatte, mich trotzdem in Washington, D. C., zu lassen. Aufgrund meines letzten Fehltritts hat sich das Team geweigert, mir einen Vertrag mit No-Trade-Klausel auszustellen, was bedeutet, dass sie mich ohne meine Einwilligung sonst wo hinschicken können.

»Kann ich mich bitte mit dem Besitzer treffen? Ich würde ihm gern erklären, dass das alles nur ein großes Missverständnis war.« Vor dem Skandal hatte ich ein gutes Verhältnis zum Vereinsbesitzer – bevor ich seine Enkelin im Aufzug des Ritz Carlton gevögelt habe. »Mick, ich dachte …«

»Nein, du denkst eben nicht, Junge. Das ist ja dein Problem. Du denkst nur mit dem Schwanz, und das Ergebnis ist immer dasselbe. Hör mal, du hast eine Menge Talent. Das hätte sich dein Vater nicht für dich gewünscht.«

Da hat er recht. Wenn mein Vater wüsste, was seit seinem Tod aus mir geworden war, würde er, nur um mir in den Hintern zu treten, seinem Grab entsteigen. Innerhalb eines halben Jahres kann eine Menge passieren. Ich habe noch mehr Mist gebaut als sonst – und jetzt muss ich meine Siebensachen packen und nach Philly ziehen, um für eins der letzten Teams zu spielen, die ich mir jemals ausgesucht hätte.

»Alex«, schnauft Mickey in den Hörer, »du bist mein Patenkind, und ich bin seit Beginn deiner Karriere an deiner Seite. Dein alter Herr war ein guter Kerl. Ein talentierter Spieler und ein noch besserer Coach. Er war mein bester Freund. Wir sind quasi eine Familie. Du bist wie mein eigener Sohn. Deshalb will ich nur das Beste für dich.«

»Ich weiß. Und ich weiß wirklich zu schätzen, was du bisher für mich getan hast, aber …«

Ich sehe Mickey förmlich vor mir, wie er die Hand hebt, um mich zum Schweigen zu bringen. »Betrachte es als Chance, noch einmal in einem Team durchzustarten, das von deiner Erfahrung profitieren kann. Du kannst den jungen Kerlen noch viel beibringen. Mit ein wenig Geduld und Zeit wirst du es mit ihnen in die Playoffs schaffen.«

Ich will aber kein Mentor sein. Ich will den Stanley Cup gewinnen.

Es folgt ein Moment des Schweigens, bevor er sich räuspert und mich aus meinen Gedanken reißt. Mein Kopf hämmert, als hätte er seinen eigenen Puls, und der üble Geschmack in meinem Mund dreht mir beinahe den Magen um. Beim Gedanken, mein Team zu verlassen, würde ich mich am liebsten ins Koma saufen. Aber ich habe keine andere Wahl.

»Wann muss ich nach Philly?«

»Du musst dich Ende der Woche in der Flyers Skate Zone in Voorhees, New Jersey, zum Training melden. Ich habe eine Wohnung für dich gemietet, in Philly, etwa dreißig Minuten entfernt. Sie gehört einer Agentin, die ein paar Immobilien am Wasser besitzt. Ich schicke dir die Adresse. Sobald wir auflegen, wird dich mein Büro anrufen, um die Details zu klären. Und ich werde dafür sorgen, dass jemand im Apartment auf dich wartet, um dir die Schlüssel zu übergeben. Da du sowieso ein Vagabundenleben führst, hast du wahrscheinlich nicht viele Sachen, aber ich habe ein Umzugsunternehmen engagiert, das dir unter die Arme greifen wird. Die Möbelpacker werden morgen früh um neun bei dir sein. Sieh zu, dass du um diese Uhrzeit wach bist. Keine Dummheiten mehr, Alex. Du bist jetzt siebenundzwanzig. Es ist Zeit, endlich erwachsen zu werden und sich wie ein Mann zu benehmen.«

Als das Mädchen neben mir die Hand hebt und sein Gesicht zum Vorschein kommt, rutsche ich vom Bett und greife unwillkürlich nach der Tischkante, um mich abzustützen.

»Danke, Mick«, erwidere ich mit Panik in der Stimme. »Muss Schluss machen. Ich ruf dich später noch mal an.«

»Hi«, sagt das Mädchen neckisch.

Sie sieht genauso jung aus, wie sie klingt. Nicht gerade beruhigend, aber ich verstehe jetzt, warum ich sie gestern Abend ausgesucht habe. Sie hat unendlich lange Beine und pralle Brüste.

»Warum so eilig, Alex?« Sie streicht sich das blonde Haar hinters Ohr und knabbert auf der Unterlippe.

Ich stehe nackt vor diesem Mädchen und denke darüber nach, ob ich von diesen schönen, vollen Lippen Gebrauch machen soll, als sie sagt: »Wir haben Zeit. Meine Mitbewohnerin kommt erst später nach Hause.«

Ich sehe mich um und entdecke ein zweites, ebenso schmales Bett und einen zweiten Schreibtisch mit Computer. Ja, ich bin in einem Wohnheim gelandet.

Fuck!

Ich fange an, nach meinen Klamotten zu suchen. »Wie alt bist du?« Ich halte die Luft an und hoffe, dass ich ihretwegen nicht im Knast lande. Ein weiterer Skandal ist das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann.

»Ich werde in ein paar Wochen neunzehn. Kannst du dich nicht daran erinnern? Gestern Abend hast du gesagt, du kommst zu meiner Geburtstagsparty und bringst ein paar Jungs aus deinem Team mit.«

Ich muss dringend aufhören zu viel zu trinken.

Erleichtert schüttle ich den Kopf. Wenigstens habe ich nichts Illegales getan. »Sorry, aber das wird nicht passieren. In ein paar Wochen bin ich nicht mehr hier. Das mit uns war ein Fehler. Vergiss, dass ich jemals hier gewesen bin.«

Auf dem Boden vor dem Schreibtisch liegen mein graues Shirt, meine Boxershorts, meine Jeans und meine Sneakers. Nachdem ich mich blitzschnell angezogen habe, richte ich notdürftig mein unordentliches braunes Haar vor dem Spiegel am Schrank und greife nach der Türklinke, als mich etwas Weiches am Kopf trifft. Ein Kissen fällt mir vor die Füße. Als ich über die Schulter blicke, zeigt mir das Mädchen zwei Stinkefinger.

»Fahr zur Hölle, Alex! Verschwinde aus meinem Zimmer!«

»Das musst du mir nicht zweimal sagen«, brumme ich, während ich bereits die Tür öffne. Bevor ich verschwinde, winke ich ihr noch mal kurz zu.

Jetzt bin ich erleichtert – bis ich feststelle, dass ich auf einem Collegecampus bin und auf einem Flur voller Mädchen stehe. Ihre überraschten Gesichter verraten mir, dass mich einige von ihnen kennen. Wie tief kann man eigentlich sinken?

Angewidert von mir selbst halte ich den Blick gesenkt, bis ich draußen bin. Ich arbeite mich durch die Menge und weiche Mädchen aus, die mich lüstern angaffen, und Jungs, die sich meinen Namen zuflüstern. Manche richten sogar ihre Handys auf mich.

Das kann auch nur mir passieren.

»Ist das Alex Parker?«, fragt ein Kerl, der mit dem Finger auf mich zeigt, als ich an ihm vorbeigehe.

»Kann nicht sein«, erwidert ein anderer.

»Ich habe gehört, er hat Jasons Freundin gevögelt.«

»Und ich habe gehört, dass er eine Tussi aus meinem Biokurs geknallt hat.«

Schlechte Nachrichten verbreiten sich eben schnell.

Nie hätte ich gedacht, dass ich mich mit siebenundzwanzig aus einem Studentenwohnheim schleichen würde. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mit einem Quickie im Aufzug meine Karriere ruinieren würde.

Als ich die Menge hinter mir gelassen habe, blicke ich an dem sechsstöckigen Gebäude hoch und beschirme die Augen mit der Hand, um nicht geblendet zu werden.

Wo bin ich hier?

Es strömen so viele Leute rein und raus – manche werfen mir neugierige Blicke zu –, dass ich am liebsten die Flucht ergreifen würde. Doch mein Kopf und mein Körper pochen wie verrückt. Wahrscheinlich habe ich meine ganze Energie an das Mädchen verschwendet, das ich gerade habe sitzen lassen.

Ich setze mich auf eine Mauer, schütze meine Augen weiter von der Sonne und ziehe mein Handy aus der Tasche. Ich zoome in die Karte hinein, um mir einen Überblick über die umliegenden Straßen zu verschaffen, und stelle fest, dass ich an der Universität von Georgetown gelandet bin. Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich bin. Fehlen nur noch das Wer und Warum.

Ich fasse nicht, dass das gerade wirklich passiert.

Ich gebe meinen Standort in die Uber-App ein und hoffe, dass mich gleich jemand abholt.

Eine aus sechs Jungs und sieben Mädchen bestehende Gruppe kommt abrupt zum Stehen, als ein Kerl mit blonder Igelfrisur etwa sechs Meter vor mir innehält und in meine Richtung deutet.

Er schlägt dem breiten, dunkelhaarigen Typen neben ihm auf den Arm. »Heilige Scheiße, Mann. Sieh mal.« Seine Stimme ist so laut, dass sie bestimmt über den ganzen Campus schallt.

Die Augen des Kerls fangen an zu funkeln, als er mich erkennt, und auf seinem Gesicht zeichnet sich ein breites Grinsen ab. Sie kommen auf mich zu. Scheint, als wären sie die Anführer der Gruppe, so wie die anderen ihnen folgen.

Ich könnte einfach aufstehen und gehen, aber welchen Unterschied würde das machen? Ständig werde ich von irgendwelchen Fans angesprochen, die ein Autogramm haben wollen. Ich gehöre nicht zu den Arschlöchern, die sich weigern, ihnen eins zu geben. Aber sie dürfen auf keinen Fall erfahren, warum ich hier bin.

Was zur Hölle soll ich sagen? Ähm, ich habe nur ein Mädel gevögelt, das hier auf dem Campus lebt. Keine Ahnung, wie sie heißt. Das würde den Journalisten sicher gefallen.

Umringt von seinen Freuden zupft der Blonde an seinem pastellfarbenen Hemd und sieht mich mit schief gelegtem Kopf an. Soll wohl cool wirken, aber er sieht aus wie ein Vollidiot. »Bist du Alex Parker?«

»Ja, der bin ich.«

»Ich wusste es«, sagt er zufrieden. »Du bist heute überall in den Nachrichten. Alle auf dem Campus reden über dich.«

»Ja, ich muss nach Philly wechseln.«

Sein Geschwafel nervt mich. Frag mich einfach nach einem Autogramm und verschwinde endlich.

Als hinter ihnen ein Auto hält, stehe ich auf. Der Blonde reißt seinen Mund so weit auf, dass er aufpassen muss, keine Fliege zu verschlucken. Er ist mindestens fünfzehn Zentimeter kleiner als ich und wiegt um die vierzig Kilo weniger. Während er nur ein Gerippe ist, bestehe ich praktisch aus Muskeln. Ein paar der Mädchen fangen an zu kichern und grinsen mich breit an, als ich ihnen zuzwinkere.

Lachend zieht er sein Handy hervor und drückt auf Play. »Nein, darüber wird nicht geredet.«

Ich werfe einen Blick auf das Display und bin entsetzt, als ich mich selbst sehe, wie ich mit zwei Mädels über den Schultern das Wohnheim betrete. »Scheiße«, knurre ich.

Es ist zwar dunkel, aber die Beleuchtung vor dem Gebäude ist hell genug, um unsere Gesichter perfekt auszuleuchten. Keins von beiden ist das Mädchen, neben dem ich heute Morgen aufgewacht bin. Die eine ist eine kurvige Rothaarige, die andere eine heiße Brünette mit riesiger Oberweite.

Was. Zum. Teufel?

Mehr hat der Vereinsbesitzer wahrscheinlich nicht gebraucht, um mich auszuwechseln. Er wollte mich nach der Sache mit seiner Enkelin – die sich übrigens älter geschwindelt hatte – schon loswerden, und dieses Video hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

»Du bist mein Held, Bro«, sagt der breite Typ. »Wie viele Weiber hast du gestern Nacht geknallt? Ernsthaft. Erklär mir, wie du es anstellst. Ich lerne schnell.«

Ich kann mich weder an die Mädchen erinnern noch daran, wie ich hierhergekommen bin. Hat man mich unter Drogen gesetzt?

Das ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen. Manche Frauen würden alles dafür tun, die Babysitterin eines berühmten Sportlers zu werden. Ich muss total weggetreten gewesen sein. Das passiert ziemlich häufig – öfter, als ich mir eingestehen will.

Ich grinse und ignoriere seine Frage einfach. »Mein Auto ist da. Muss los.«

Schnell umrunde ich die Gruppe und springe ins Auto. Zum Glück war der Fahrer so schnell da. Ein paar Minuten länger mit diesen Typen, und ich hätte mich gefühlt wie vor der Heiligen Inquisition. Ich sage ihm meine Adresse, und er fährt los in Richtung meines Apartments, das ich mir mit meinen ehemaligen Teamkollegen teile. Mit ehemalig meine ich, dass sie vor nicht einmal zwanzig Minuten noch meine Teamkameraden waren.

Mein Handy klingelt, und das Geräusch des Signalhorns durchbricht die Stille im Auto. Der Fahrer zuckt zusammen und schlägt die Hand vor die Brust. Nicht unbedingt der angenehmste Klingelton, aber er ist notwendig, wenn ich mal wieder stockbesoffen bin und schnell wach werden muss. Ich wusste, dieser Anruf würde kommen. Es ist meine Pressesprecherin Rebecca Stone. Da muss ich leider rangehen.

»Hey, Süße. Was verschafft mir die Ehre?«

»Ehre?«, schreit sie. »Nein, das ist ganz bestimmt keine Ehre, Alex! Was ist nur los mit dir?« Es folgt ein Moment des Schweigens, bevor sie fortfährt. »Hast du schon das YouTube-Video gesehen? Oder noch besser – die Nachrichten? Diesmal lautet die Schlagzeile ›Puck der Schande‹. Du hast dir dein eigenes Grab geschaufelt. Ich bin fertig mit dir. Ich kann dir nicht mehr helfen. Du bist …«

Ich unterbreche sie und versuche, so ruhig wie möglich zu bleiben. »Was soll das heißen, du bist fertig mit mir? Du bist erst fertig mit mir, wenn ich es dir sage. Du arbeitest für mich.«

Rebecca fängt an zu lachen, ein widerwärtiges Gackern, das mich an eine böse Hexe erinnert. »Ich arbeite für dich, weil du mich dafür bezahlst, du kleines Arschloch. Such dir eine neue PR-Agentin. Für diesen Scheiß bekomme ich nicht genug Geld.« Stöhnend schmettert sie irgendwas auf ihren Schreibtisch. »Jetzt sitze ich hier und kriege Stresspickel, weil du auf diesem Campus so eine Scheiße abgezogen hast. Von allen Unis musstest du dir unbedingt Georgetown herauspicken? Du kannst von Glück sagen, dass der Rektor die Sache genauso schnell vergessen will wie wir. Danach gibt es nichts mehr, was ich noch für dich tun könnte.«

»Doch, gibt es. Du kannst einfach weiter deinen Job machen, Becs.«

»Dann will ich aber das Dreifache. Dich wird man nicht mal mehr mit der Kneifzange anfassen. Du bist der Albtraum eines jeden PR-Agenten!«

Es hat keinen Zweck, die Wahrheit zu leugnen. Schon seit einem Jahr treibe ich sie in den Wahnsinn. Einmal habe ich sogar versucht, sie zu verführen, damit sie bei mir bleibt. Ich dachte, eine scharfe Lady wie sie würde einen jungen Hockeystar nicht von der Bettkante stoßen. Doch der Plan ging nach hinten los und war im Endeffekt einfach nur peinlich für mich.

»Na schön«, stimme ich zu. »Wie du willst.«

»Du brauchst dringend Hilfe, Alex. Das sage ich dir als Freundin, nicht als deine PR-Beraterin. Ich weiß, dass du den Tod deines Vaters nicht gut verkraftet hast, und ich kann es dir nicht mal verübeln. Aber du musst jetzt wieder zurück in die Spur. Selbst ich bin langsam mit meinem Latein am Ende. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo du dir selbst helfen musst.«

»Danke, Becs.« Ich halte das Handy vom Ohr weg, um zu sehen, wer mich jetzt anruft. Es ist DMG, die Donoghue Media Group, die Mickey nach dem College gegründet hat. Und jetzt? »Hör zu, ich muss Schluss machen. Mickey ist in der anderen Leitung. Ich bin dir was schuldig.«

»Du bist mir mehr als nur was schuldig«, schimpft sie, bevor sie auflegt.

In einem Punkt hat sie vollkommen recht: Ich muss wieder zurück in die Spur. Ein Wechsel nach Philadelphia mitten in der Saison sollte eigentlich ein Weckruf sein. Stattdessen hätte ich jetzt gern einen Drink.

2

COACH

»Entschuldigen Sie bitte, Miss.« Die Stewardess neben mir schnippt ungeduldig mit den Fingern.

Ich ignoriere sie zum dritten Mal und scrolle weiter auf meinem iPad. Der ESPN-Newsfeed auf meinem Display löst in mir zwar kein blankes Entsetzen aus, aber Empörung.

Sie stampft mit dem Fuß auf, doch ich sehe sie nicht mal an.

Irritiert räuspert sie sich und sagt in verärgertem Ton: »Der Captain hat vor fünf Minuten durchgesagt, dass wir uns im Landeanflug befinden. Sie müssen Ihre elektronischen Geräte nun ausschalten, den Sitz in eine aufrechte Position bringen und das Gepäck in den Fächern über Ihnen oder unter dem Sitz vor Ihnen verstauen.«

»Ist ja gut«, schnaube ich und puste mir eine lange, karamellfarbene Haarsträhne aus dem Gesicht. »Ganz ruhig bleiben. Ich schalte es ja schon aus.«

Der Junioragent neben mir fängt an zu kichern. Er versucht es mit einem Husten zu kaschieren, das jedoch schnell einem Würgen weicht.

Ich reiche Chuck die Wasserflasche aus dem Getränkehalter, und er stürzt es hinunter. Wasser quillt ihm aus den Mundwinkeln und rinnt über sein Kinn.

»Danke, Coach«, krächzt er mit Tränen in den Augen, während er die Plastikflasche zusammendrückt.

Dann sieht er zu der Stewardess auf, deren Lippen sich leicht öffnen, als er ihr zuzwinkert. Einer seiner Mundwinkel wandert aufwärts, während er darauf wartet, dass sie ihm die Flasche abnimmt. Sie errötet leicht, als sie sie entgegennimmt und verschwindet dann in den vorderen Teil des Flugzeugs.

Ich kenne Chuck noch nicht lange, aber ich habe schon kapiert, dass er nur zwinkern oder lächeln muss, und schon liegen ihm die Frauen zu Füßen. Als könnten sie sein Geld riechen. Das beobachte ich ständig bei den jungen Sportlern, die ich vertrete. Dieser Teil meines Jobs hängt mir zum Hals raus, aber daran wird sich wohl nie etwas ändern.

Ein paar Sekunden später kommt die Dame mit einem Glas Wasser zurück, das sie Chuck reicht. Während er daran nippt, ziehen sie sich mit ihren Blicken förmlich gegenseitig aus.

Ich kann es nicht erwarten, endlich aus diesem verdammten Flugzeug rauszukommen. Nachdem ich fünf Stunden lang aufbereitete Luft geamtet habe, beginnt der Geruch so vieler Körper auf engstem Raum mir in der Nase zu brennen.

Begonnen hat es mit einem schreienden Baby, danach folgte der alte Mann hinter uns, der die ganze Zeit im Schlaf gefurzt hat, und jetzt muss ich auch noch die beiden beobachten, wie sie einander in Gedanken vernaschen. Ganz zu schweigen von dem Shitstorm, der mich im Büro erwartet. Alex Parker – der Lieblingsklient meines Chefs Mickey Donoghue, ein Arschloch und einer der besten Verteidiger der NHL – hat mir den Tag noch mehr versaut.

»Wir landen in zehn Minuten«, raunt die Stewardess Chuck zu. Sie reicht ihm einen Notizzettel, flüstert ihm etwas ins Ohr und setzt sich auf ihren Platz.

»Das kann doch nicht wahr sein«, sage ich zu meinem Begleiter. In Los Angeles hat er die Bedienung und die Dame an der Hotelrezeption gevögelt. »Du bist echt eine Schlampe.«

Er lehnt sich zu mir, stützt den Ellbogen auf die Armlehne und dringt mit seiner breiten Gestalt in meinen persönlichen Bereich ein. »Besser, man ist der Spieler, als derjenige, mit dem gespielt wird.«

Ich kichere. »Klingt, als hättest du Angst, verletzt zu werden. Ich verstehe schon. Immer ganz der Playboy …«

Er kommt frisch vom College und lebt gedanklich immer noch in seiner Studentenverbindung. Doch er hat die Statur und den markanten Kiefer eines Endzwanzigers, wodurch er auch bei den älteren Damen gut ankommt. Die Flugbegleiterin ist mindestens fünf Jahre älter als ich, also ungefähr Anfang dreißig, plus minus ein paar Jahre.

Wenn man auf geschniegelte, verwöhnte reiche Muttersöhnchen steht, mit Polohemd, Khakihosen und einem Pullover um die Schultern, dann ist Chuck genau der Richtige. Ich stehe eher auf Männer mit Profil, die attraktiv sind, ohne geleckt zu wirken. Eine Mischung aus Tom Hardy und Charlie Hunnam – so einer wäre genau mein Typ.

Aber für ein Privatleben habe ich keine Zeit, nicht mal für eine Affäre. Von meinem Sexleben will ich gar nicht erst anfangen. Die meiste Zeit verbringe ich unter Sportlern mit riesigen Egos, die sie noch weiter aufblasen wollen, indem sie mit jungen, ambitionierten Agentinnen wie mir umspringen, wie es ihnen gerade passt. Aber da ich nicht mit Klienten ausgehe – mein oberstes Gebot –, ist die Auswahl begrenzt.

»So«, sagt Chuck und lehnt sich wieder zurück. »Was machen wir mit Alex Parker?«

Ich verschränke die Arme vor der Brust und blicke aus dem Fenster. Die Stadien an der Broad Street rücken immer näher. Philadelphia ist so nah, dass ich mein nächstes Käsesteak schon schmecken kann. »Gar nichts.«

»Mickey erwartet aber, dass wir Schadensbegrenzung betreiben«, erwidert er ernst.

Ich drehe den Kopf und sehe ihn an. »Da liegst du falsch. Du wirst mit niemandem über Alex sprechen. Nicht mal mit Mickey. Verstanden?«

Er blickt verwirrt drein. Ohne meine Aussage zu erläutern, beende ich die Diskussion mit einem Blick, der sagt: Fang gar nicht erst an. Während wir am Philadelphia International Airport landen, schaue ich wieder auf das Rollfeld hinaus.

Mein Boss hat mich gezwungen, Chuck mit nach Los Angeles zu nehmen, um uns dort mit dem Geschäftsführer der Dodgers zu treffen. Er hatte gehofft, es könnte für Chuck so etwas wie »Training« sein, aber es war mehr Stress als sonst was.

Der Kerl hat überhaupt keine Ahnung von Baseball und hat DMG mit seinen dummen Fragen total blamiert. Als der GM das Wort tater – ein Slangwort für einen Home Run – benutzte, dachte Chuck, er würde von Tater Tots sprechen. Ähm, nein, er meinte damit keine verdammten Kartoffeln.

Zu allem Übel hat er während der Führung durch das Dodger Stadion auch noch nach einem Spieler gefragt, der erstens nie für das Team gespielt hat und zweitens auf einer ganz anderen Position. Darauf folgte peinliche Stille, die er mit der Frage füllte, welches Gras sie für den Rasen nehmen. Es war das peinlichste Geschäftstreffen in den vier Jahren bei Mickey.

Ich bin eine einsame Wölfin. Und ich brauche ganz sicher keinen Mann an meiner Seite, um einen Deal abzuschließen. Dass er Chuck eingestellt hat, war ein Gefallen, den Mickey einer seiner Verbindungsbrüder von Princeton schuldig war. Offensichtlich hat Daddy dem kleinen Chucky einen Job besorgt.

Was soll ein zweiundzwanzigjähriger Kerl, der gerade das College absolviert hat, schon machen, wenn er keinen Bock hat, für seinen Vater zu arbeiten? Chuck fand den Film Jerry Maguire großartig und dachte sich, er könnte auch Sportmanager werden, wenn er mal groß ist.

Was für ein Glück!

Mickey besteht darauf, dass ich mich um die neuen Agenten kümmere, um zu testen, wie sie unter Druck funktionieren. Mickey ist mal ein geradliniger, unerbittlicher Kerl gewesen, doch seit dem Tod seines besten Freundes John, Alex Parkers Vater, ist er nicht mehr derselbe.

Für mich als eine der führenden Sportmanagerinnen des Landes gibt es keinen Spieler, mit dem ich nicht umgehen, und keinen Deal, den ich nicht aushandeln könnte. Aber da ich so erfolgreich bin, wendet sich mein Chef immer an mich, statt an einen seiner anderen Agenten. Ich werde härter rangenommen als eine Prostituierte auf dem Hollywood Boulevard – nur dass mir einer abgeht, wenn ich einen neuen Spieler unter Vertrag nehme und aus einem Niemand von der Highschool den nächsten Kobe Bryant mache.

Als die Durchsage kommt, dass die Türen nun geöffnet werden und wir aus der fliegenden Todesfalle aussteigen können, greife ich nach meiner Kuriertasche unter dem Sitz und stoße sie aus Versehen mit dem Fuß um. Ich stöhne genervt auf, als sich der gesamte Inhalt über den Fußboden ergießt. Chuck und ich beugen uns gleichzeitig hinunter, um die Sachen aufzusammeln, und stoßen mit den Köpfen zusammen, was die Migräne, die mir Alex Parker beschert hat, nicht gerade besser macht.

Chuck reicht mir eine Silberkette mit einer Trillerpfeife und einem Anhänger, auf dem ›Coach‹ – mein Spitzname seit dem College – eingraviert ist. »Wofür brauchst du die, Drill Sergeant?« Er grinst mich frech an.

»Falls du es unbedingt wissen willst …«, ich nehme ihm die Trillerpfeife weg, verärgert darüber, dass ich mich jetzt auch noch erklären muss. »Ich trainiere im Freizeitzentrum bei mir in der Nähe eine Basketball-Jugendmannschaft.«

Kichernd schlägt er mir auf die Schulter, als wären wir alte Kumpels. »Und ich dachte, du würdest Kinder zum Frühstück verspeisen.«

»Ha! Woher willst du wissen, dass ich keinen Käfig mit einem Hänsel habe, den ich mäste, bevor ich ihn aufesse?«

Chuck macht ein Würgegeräusch. »Du bist echt verrückt.«

Ich zucke mit den Schultern. »Vielleicht. Aber eigentlich will ich dir damit nur sagen, dass du dumme Antworten bekommst, wenn du dumme Fragen stellst.«

Mit beiden Händen sammle ich mein Portemonnaie, Tampons und allerhand anderer Dinge ein, stopfe sie zurück in die Tasche und schultere sie. Dann stoße ich Chuck an und bedeute ihm voranzugehen, damit wir endlich aus diesem verdammten Flugzeug rauskommen.

Doch er stolpert, was mir einen Hauch von Genugtuung verschafft. Bei seinem Versuch, sich irgendwo festzuhalten, greift er einer Dame mittleren Alters an die Brust. Eigentlich sollte sie entrüstet sein, stattdessen wirkt sie eher eingeschüchtert. Peinlich berührt. Entsetzt öffnet Chuck den Mund und murmelt eine Entschuldigung, bevor er den Gang hinab in Richtung Ausgang stürmt.

Nachdem wir das Auto in einem Parkhaus in der Innenstadt Philadelphias abgestellt haben und mit dem Aufzug zu unserem Büro an der Ecke 15th/Market Street hinauffahren, sieht mich Chuck zum ersten Mal wieder an. Während der Fahrt hat er jeden Blickkontakt vermieden. Von hier oben haben wir eine fantastische Aussicht auf die City Hall, einem der höchsten Mauerwerke der Welt und außerdem eines meiner Lieblingsgebäude.

An Tagen, an denen ich mir eine einstündige Mittagspause gönne, hole ich mir bei Dunkin’ Donuts einen Kaffee und einen Donut und setze mich an der Westseite des Rathauses in den Dilworth Park. Ein Ort der Entspannung, den ich so oft wie möglich aufsuche, doch in letzter Zeit bin ich nur selten dazu gekommen.

»Das hat bestimmt nichts Gutes zu bedeuten«, murmelt Chuck, als sich die Aufzugstüren öffnen. Mit großen Augen beobachtet er, wie eine der Empfangsdamen den Flur zu Mickeys Büro hinabeilt.

Alle Telefone klingeln gleichzeitig. Die Sekretärinnen und Junioragenten kommen kaum hinterher. Obwohl wir zu den führenden Sportagenturen des Landes zählen, ist nur selten so viel Trubel, und ich bezweifle, dass es allein daran liegt, dass Alex Parker nach Philadelphia wechselt.

Ich schüttle den Kopf. »Nein, das hat ganz sicher nichts Gutes zu bedeuten.«

Ich passiere den Empfangstresen, und zum ersten Mal seit Jahren blickt Linda nicht von ihrem Computermonitor auf, um mich zu begrüßen. Die blonden Locken fallen ihr ins Gesicht, während sie auf die Tastatur einhämmert und so schnell spricht, dass ich kein Wort verstehe. Eine Gruppe von Agenten hat sich um ihren Tresen versammelt, andere tummeln sich in dem Korridor, der zu Mickeys Büro führt.

Alle haben ihre Handys am Ohr, Unterlagen werden hin und her gereicht. Einer der Senioragenten, der sein Büro direkt neben Mickey hat, steht im Türrahmen, tippt wie besessen und auf seiner Unterlippe kauend auf seinem Smartphone.

Mit Chuck im Schlepptau stapfe ich schnurstracks in Mickeys Büro, das vollgestopft ist mit Büroangestellten, die auf den Sofas und um den Konferenztisch sitzen. Manche stehen an der Glasfront, gleichfalls mit Aussicht auf die City Hall.

Mickey hat die Hände so fest auf den Schreibtisch gestützt, dass seine Fingerknöchel weiß hervortreten. Er schreit in sein Bluetooth-Headset, das dunkle Haar steht ihm zu Berge. Ohne mich zu bemerken, tritt er hinter seinem Schreibtisch hervor und reicht einem der Agenten einen Notizblock.

Mickey sieht leicht wahnsinnig aus, doch dank des teuren marineblauen Anzugs und der dunkelbraunen Budapester wirkt er noch nicht komplett derangiert. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Die blau-weiß gestreifte Krawatte hängt lose um seinen Hals, die Weste hat er aufgeknöpft, sodass ein weißes Hemd mit Kaffeefleck zum Vorschein kommt. Um ehrlich zu sein, sieht er schrecklich aus.

Das letzte Mal, als ich ihn so gesehen habe, war, als …

Nein! Wir haben bestimmt einen Klienten verloren. Und wie es aussieht, einen ziemlich großen.

Mit den Hüften schubse ich ein paar Agenten beiseite und arbeite mich durch die Menge. Ich wedele mit der Hand vor Mickeys Gesicht herum. Er sieht von seinem Schreibtisch auf, hört kurz auf, seine Wut an wem auch immer auszulassen und gibt mir zu verstehen, dass er meine Anwesenheit zur Kenntnis genommen hat.

»Charlie«, sagt er erleichtert. »Endlich! Warum bist du nicht ans Telefon gegangen?« Er klingt verärgert.

Irritiert ziehe ich das Smartphone aus der Handtasche und stelle fest, dass der Akku leer ist. Kein Wunder, dass mir die Autofahrt vom Flughafen hierher so still vorkam. Ich halte ihm das Handy vor die Nase, worauf er frustriert schnaubt.

Dann nimmt er das Headset ab und reicht es einem großen Kerl hinter ihm, der, so glaube ich, in der Fernsehabteilung arbeitet. »Kümmere du dich darum.«

Statt alle anderen aus dem Raum zu schicken – was er oft tut –, fasst er mich an der Schuler und führt mich zur Tür. Er spricht kein Wort, bis wir das Ende des Korridors erreicht haben.

»Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte.« Deprimiert schüttelt er den Kopf und beginnt, den Blick auf den Marmorboden gerichtet, auf und ab zu marschieren. »Alles ist so gut gelaufen. Er ist seit der Highschool bei mir. Ich bin derjenige, der ihn in dieser verschlafenen Schule in Alabama aufgetan hat, nicht der Arsch Kevin Tomlinson. Ich wusste, er würde ein Star werden …«

Wir betreten den Konferenzraum, der mit einem riesigen Flachbildschirm an der Wand, einem Diaprojektor, Lautsprechern und dem ganzen technischen Schnickschnack ausgestattet ist, den wir für unsere Präsentationen benutzen. In der Mitte des Raums steht ein massiver Tisch aus Mahagoni, auf dem das Logo von DMG prangt, und eine unendlich lange Reihe Stühle, die genug Platz für eine ganze Armee bietet.

Ich ziehe die Tür hinter uns zu und setze mich ans Kopfende. »Mick, was ist los? Spuck’s endlich aus.«

Er setzt sich neben mich, faltet die Hände im Schoß und traut sich ein paar Sekunden lang nicht, mir ins Gesicht zu blicken. Schließlich sieht er mich seufzend an. Seine Augen sind rot und glasig. »Du musst nach Chicago fliegen, um mit Dante Fisher zu reden. Er hat mich vor einer Stunde angerufen und gesagt, dass er zu Kevin Tomlinson und diesen Wichsern von ASG wechseln will. Nach allem, was ich für ihn getan habe. Und das ist sein Dank? Verdammte Scheiße, ich habe ihn an Weihnachten sogar zu mir nach Hause eingeladen. Er gehörte praktisch zur Familie.«

Es ist eine von Mickeys Angewohnheiten, Leute bei sich aufzunehmen und sie wie seine eigenen Kinder zu behandeln – besonders bei Klienten. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Den Spitznamen Mick the Dick hat er sich eingehandelt, weil er dafür bekannt ist, ohne Rücksicht auf Verluste für seine Klienten zu kämpfen.

Beim Gedanken, zurück nach Chicago zu müssen, dreht sich mir der Magen um. Mickey weiß genau, dass ich die Stadt aufgrund meiner Vergangenheit meide wie die Pest. Aber wir dürfen Dante Fisher, den bestbezahlten Spieler der NBA, nicht verlieren. Mickey hat für ihn einen Vertrag ausgehandelt, von dessen Provision er Jahrzehnte lang leben könnte, ohne einen Finger krumm zu machen.

Er rollt mit seinem Stuhl näher an mich heran, legt seine Hand auf meine und drückt sie auf die Tischplatte. »Dante mag dich. Du hast selbst professionell Basketball gespielt. Mit dir hat er mehr gemeinsam als mit mir. Für ihn bist du nicht nur irgendein Anzugträger. Vielleicht kannst du ihn umstimmen. Er hat noch nicht bei ASG unterschrieben.«

Die meisten würden jetzt denken, Mickey würde mir indirekt sagen, ich solle mit einem unserer Klienten schlafen, aber so etwas würde er niemals verlangen. Vielleicht von einer anderen Agentin, aber nicht von mir. Im Laufe der Jahre ist das Fundament zwischen uns immer stärker geworden. Wir haben eher eine Vater-Tochter-Beziehung als dass wir nur Geschäftsführer und Senioragentin wären.

»Wann muss ich los?«

Er zieht den linken Ärmel zurück und wirft einen Blick auf seine Armbanduhr. »In zwei Stunden. Veronica hat schon einen Flug für dich gebucht. Ich hatte gehofft, dich noch am Flughafen zu erreichen.«

»Ich werde Chuck auf keinen Fall mitnehmen. Das ist meine einzige Bedingung.«

Er nickt. »So schlimm?«

Ich lache. »Schlimmer. Gib ihm einen Schreibtisch und lass ihn den ganzen Tag Kreuzworträtsel lösen. Das Einzige, was er macht, ist, allem nachzujagen, was einen Rock trägt, und dumme Kommentare abzugeben.«

Er lächelt ein wenig, aber sein Blick ist noch immer traurig. Er kümmert sich hingebungsvoll um seine Klienten und tut alles, um ihnen zu helfen. Unter der rauen Schale, die er der Öffentlichkeit präsentiert, ist Mickey ein guter Kerl und durch und durch ehrlich. Alles, was ich weiß, habe ich von ihm gelernt, was mir schon oft zugutekam.

So aufgebracht habe ich ihn noch nie erlebt. Nun ja, vielleicht als Alex Parkers Vater an Krebs gestorben ist. Sie waren seit Kindheitstagen beste Freunde, was letztendlich dazu geführt hat, dass Mickey Alex unter Vertrag genommen hat. Nachdem sein Vater letzten Sommer starb, hat DMG für einige Wochen die Schotten dichtgemacht, und Mickey hat zum ersten Mal sein Handy ausgeschaltet. Im Gegensatz zu Alex war John ein guter Kerl und einer der besten Coaches, denen ich je begegnet bin. Es war ein Segen, ihn zu kennen. Sein Tod hat uns alle getroffen.

Seither ist Mickey einfach nicht mehr derselbe. Es ist, als hätte er seinen Biss verloren. Jetzt verlässt er sich noch mehr auf mich, was mein Leben um einiges komplizierter macht. Außerhalb der Sportwelt habe ich null Privatleben. Selbst meine morgendlichen Nachrichten kommen von ESPN und Bleacher Report. Vor ein paar Jahren wäre Mickey noch selbst nach Chicago geflogen und hätte sich ins Zeug gelegt, um seinen Klienten zu halten. Jetzt muss ich mich darum kümmern.

Die meisten von Mickeys Klienten haben keine Ahnung, was ich alles für sie mache, Alex Parker – mein schlimmster Albtraum – inbegriffen. Genau genommen habe ich ihn noch nie getroffen, was seltsam erscheinen mag, wenn man bedenkt, was Mickey und John im Laufe der Jahre für mich getan haben.

Das einzige Mal, dass Mickey die letzten sechs Monate Feuer unterm Hintern hatte, war, als er für Alex einen Deal ausgehandelt hat. Nur dass ich diejenige war, die den Deal unter Dach und Fach gebracht hat, nicht Mickey. Einer meiner Klienten spielt Hockey bei den Flyers. Es brauchte nicht viel, um ihn an Bord zu holen und das Management zu überzeugen.

Ich beuge mich über den Tisch und drücke ein paar Knöpfe auf dem Konferenztelefon. Veronica, Mickeys Assistentin, nimmt nach dem ersten Klingeln ab, und ich unterbreche ihre Standardbegrüßung. »V, hier ist Coach. Ich brauche ein Auto zum Flughafen. Und wenn mir jemand vom Deli an der Ecke ein Sandwich für die Fahrt besorgen könnte, wäre das großartig. Ich bin am Verhungern.«

»Kein Problem. In zwanzig Minuten ist alles organisiert.« Ohne ein weiteres Wort legt sie auf. Wahrscheinlich gibt sie jetzt beim Deli die Bestellung auf und bittet den Parkwächter, der auf Mickeys Gehaltsliste steht, mein Sandwich auf dem Weg hierher abzuholen.

Mickey steht auf, und ich folge ihm auf dem Fuß.

»Danke. Auf dich kann ich immer zählen, Charlie.«

»Ich werde dafür sorgen, dass sich Dante wieder daran erinnert, wer ihn groß rausgebracht hat.«

Er hält mir die Tür auf. »Du enttäuschst mich nie.«

Ich verstecke meine Nervosität hinter einem gezwungenen Lächeln. Ich habe keine Ahnung, wie ich Dante davon überzeugen soll, bei uns zu bleiben. Alles, was ich habe, habe ich Mickey zu verdanken. Ich darf es auf keinen Fall vermasseln. Aber vielleicht komme ich irgendwie an Dante heran, schließlich habe ich früher auch mal Basketball gespielt.

Nach der Highschool bin ich von Chicago nach Pennsylvania gezogen. Ich hatte ein Basketball-Stipendium für die Villanova University. Ich hatte schon auf dem College genug Schwein, diesen Job zu ergattern, also bin ich geblieben. Da ich dort in Pflegefamilien aufgewachsen bin, hätte ich sowieso keinen Grund gehabt, nach Chicago zurückzukehren.

Die ersten drei Jahre an der Villanova war ich auf der Überholspur in Richtung Profikarriere in der WNBA, doch dann habe ich mir einen Kreuzbandriss zugezogen, und aus war der Traum. Stattdessen bin ich Sportmanagerin geworden. Mickey hat mich entdeckt, als er sich ein Heimspiel angesehen hat, um eine der anderen Spielerinnen zu begutachten. Zwischen uns hat die Chemie sofort gestimmt; unsere Beziehung ist im Laufe der Jahre immer inniger geworden. Nach meiner Verletzung hat er mir angeboten, meine Studiengebühren zu bezahlen, wenn ich für ihn arbeitete, vorausgesetzt, ich würde zuerst das College beenden.

Ich war ein armes Mädchen ohne Familie und ohne Geld. Ich hatte überhaupt keine Zukunftsperspektive. Ein Jobangebot von Mickey Donoghue war wie ein Lottogewinn. Die meisten Menschen würden töten, um für ihn arbeiten zu dürfen. Die letzten vier Jahre hat er mich unter seine Fittiche genommen, mir einen Job verschafft und die skrupellose Agentin aus mir gemacht, die ich heute bin.

Ich verlasse den Konferenzraum mit Mickey an meiner Seite und gehe zu meinem Büro am anderen Ende des Korridors.

Doch statt mir zu folgen, bleibt er im Türrahmen stehen. »Eine Sache noch: Ich habe dein leer stehendes Apartment an Alex Parker vermietet.« Mir fällt die Kinnlade fast auf den Boden. »Alex kann einfach keine erwachsenen Entscheidungen treffen. Du musst ihn im Auge behalten. Ich werde für ein, zwei Monate vom New Yorker Büro aus arbeiten. Ich bin gerade dabei, dort ein paar Deals abzuschließen, also ist es besser, wenn ich vor Ort bin. Meinst du, du kannst so lange die Stellung halten und dich für mich um Alex kümmern?«

Die letzte Person, die ich in meiner Wohnung haben will, ist eine männliche Schlampe wie Alex. Beim Gedanken daran, dass er irgendwelche Schlampen mit in mein Apartment bringt, schäume ich fast über vor Wut und bekomme Hitzewallungen. Ausgerechnet darum muss mich Mickey bitten. Dabei ist es genau das, was ich am allerwenigsten will. Hätte mich jemand anderes gefragt, ich hätte wohl niemals zugestimmt.

Aber Mickey würde ich niemals etwas abschlagen. Schon gar nicht, wenn er gerade den schlimmsten Tag seines Lebens durchmacht und ein bisschen Hilfe bitter nötig hat. Und jetzt, da John tot ist, fühlt er sich für Alex verantwortlich. Es ist einfach unmöglich, zu Mickey Nein zu sagen.

Ich setze ein Lächeln auf und mache mich daran, Unterlagen und Notizzettel auf meinem Schreibtisch zusammenzukratzen. »Aber natürlich. Sag Veronica, sie soll ihn anrufen, um einen Termin für die Schlüsselübergabe zu vereinbaren.«

In seinem Gesicht spiegelt sich Enttäuschung wider. In der letzten Woche ist er um mindestens zehn Jahre gealtert, daher sieht er jetzt viel älter aus als fünfundfünfzig. »Ich hatte gehofft, du würdest es selbst regeln. Ich weiß nicht, in welcher Verfassung er ist. Ich würde die Sache lieber familienintern klären.«

Mit der Wucht eines Fausthiebs treffen mich Schuldgefühle in die Magengrube. Er betont das Wort Familie, als wären wir alle miteinander verwandt. Alex und ich sind die Einzigen, die ihm geblieben sind, was uns zu einer Art seltsamer Sportfamilie macht.

Mit den Dokumenten in der Hand gehe ich zur Tür. »Ich werde ihn anrufen, sobald ich in Chicago bin.«

Er tätschelt mir den Rücken. »Hervorragend. Und jetzt hol unseren Klienten zurück.«

3

ALEX

Es klingt zwar irgendwie lächerlich, aber ich packe mein ganzes Leben in eine Hockeytasche. Alles, was ich besitze, passt in eine einzige Tasche. Doch ich denke nicht allzu lange darüber nach, denn in diesem Moment kommt mein – bald ehemaliger – Mitbewohner und Teamkollege mit zwei Heineken ins Zimmer.

Perfektes Timing.

Mit einem iPad unterm Arm setzt sich Tony neben mich aufs Bett und reicht mir eine der Bierflaschen, die ich nur zu gern entgegennehme.

Was kann ein weiteres Bier schon schaden?

Doch aus einem Bier werden schnell zehn. Eigentlich bevorzuge ich harten Alkohol, der selbst Bacardi 151 aussehen lässt wie Kinderhustensaft. Meine Teamkameraden haben mein Laster die letzten Monate verheimlicht, aber jetzt komme ich in ein neues Team mit neuen Persönlichkeiten. Nicht jeder wird so tolerant sein. Gute Kameraden zu finden braucht Zeit. Meiner Erfahrung nach haben die Flyers keinen so guten Zusammenhalt wie die Caps. Ich freue mich nicht gerade auf die bevorstehende Veränderung.

»Was ist los? Sehen wir uns jetzt einen Film an?« Lachend deute ich auf das iPad.

»Könnte man so sagen.« Er wischt über das Display; YouTube ist bereits geöffnet.

Ich nehme einen Schluck von meinem Bier, während ich darauf warte, dass er mir ein weiteres peinliches Video von mir zeigt. Diese Scheiße hört nie auf. Anscheinend bin ich die reinste Witzfigur.

Als wäre der kurzfristige Umzug nach Philadelphia nicht schon schlimm genug, klickt sich Tony durch diverse virale Videos mit mir und haufenweise Mädchen. Die Medien nennen den Vorfall »Puck der Schande«. Manche Videos tragen sogar Banner mit demselben Titel.

Ich dachte, Rebecca würde übertreiben, um mehr Geld aus mir herauszuholen. Studenten haben die Filme ins Internet gestellt und offenbart, wie tief ich gesunken bin. Was für ein verdammtes Desaster. In manchen Videos sieht man mich sogar nackt.

Offensichtlich hat es nicht lange gedauert, bis die Fernsehkanäle sämtliche Videos zusammen, meinen Schwanz unkenntlich gemacht und auf allen Bildschirmen des Landes verbreitet hatten. Als hätte das Sexvideo von mir und der Enkelin meines ehemaligen Vereinsbesitzers im Aufzug nicht gereicht, um meine Karriere zu ruinieren.

Tony holt tief Luft und atmet laut aus. Wäre es jemand anderes, würde er wahrscheinlich darüber lachen. Doch stattdessen ist er traurig. Nicht nur meinetwegen, sondern vor allem wegen des Teams und der Fortschritte, die wir in den letzten Jahren gemacht haben.