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Alter Berufskiller kurz vor dem Ruhestand: Er bricht endlich sein Schweigen und erzählt in der Ich-Form einmal, was ihn so bewegt, warum er den Job resp. die "Jobs" gemacht hat und was ihn daran fasziniert. Er warnt vor Amateuren und vor Billig-Killern aus Bulgarien. Mit vielen Tipps aus der Praxis. Interessant für am Job Interessierte und potenzielle Auftraggeber.
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Seitenzahl: 56
Veröffentlichungsjahr: 2014
Klaus Bock
Ich. Der Killer. Ein Berufsbild
"extended version 2". Korrigiert und verbessert gegenüber der Ursprungsversion
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Ich. Der Killer
Leseprobe ausPharmageddon. Simsalasin
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Impressum neobooks
Aus unser Serie „Ungewöhnliche Berufsbilder vorgestellt“
Eine wahrlich absurde Geschichte
Für die ohne Humor: Nicht ernst gemeint!
Aufgeschrieben von Klaus Bock im März 2014
Der Beruf des Killers, des Mörders, dürfte („gefühlt“) zu den zweitältesten Berufen der Menschheit zählen. Diverse Literatur-, Theater- [z.B. „Die Mausefalle“] und Filmgattungen leben von der Beschreibung des Berufes. Dieser literarische Bogen spannt sich (mindestens) von der Bibel über Shakespeare bis zu Tom Clancy. Insofern ist anzunehmen, dass der Beruf in der Bevölkerung imagemäßig bestens positioniert ist. Trotzdem tut sich die Branche schwer, geeigneten professionellen Nachwuchs zu finden – Amateure versuchen immer wieder, als Quereinsteiger in den Beruf zu finden, im Regelfall scheitern sie nach dem ersten bis maximal dritten Mord kläglich und enden vor den Schranken von irgendwelchen Gerichten.
Nach der Verbüßung von Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren in einschlägigen Fortbildungseinrichtungen ist ein Wiedereinstieg in den Beruf fast unmöglich. Und nur in Ausnahmefällen (mir ist eigentlich keiner bekannt) wird die Position freigehalten.
Aber auch für den professionellen Killer ist das Leben nicht immer so glamourös, wie es Filme und Romane zu schildern versuchen.
Manchmal bedaure ich es, dass ich mit Freunden und Nachbarn nicht so über meinen Beruf reden kann, wie es andere problemlos tun. Diese anderen erzählen auf Familienfeiern, auf Parties (gibt es die noch?) oder in Kneipen Geschichten aus der Firma – und wenn sie mich fragen, was ich denn heute so erlebt habe, kann ich nicht sagen, dass ich heute einen oder manchmal sogar zwei Jobs zur besten Zufriedenheit erledigt habe; das geht nicht, auch nicht im engsten Kreis. Außerdem würden die mir nie glauben: „Komm, hör auf“, würden die anderen sagen, „du immer mit deinen Lügengeschichten und Döntjes …! Die kennt man ja, und jetzt das, nee, vergiss es“, würden sie sagen und sich dabei weglachen wollen. „Killer? Duuu, ausgerechnet? Du spinnst ja!“. Mindestens.
Wahrscheinlich sehe ich auch nicht so aus, wie andere sich einen Killer vorstellen. Mit einem Aussehen á la Alain Delon kann ich leider nicht dienen und, nein, Hut und Trenchcoat trage ich auch nicht, das wäre viel zu auffällig heutzutage, und mit Charles Bronsons pickeliger Gesichtsgefährlichkeit kann ich aussehensmäßig genauso wenig mithalten wie mit Jürgen Prochnow. Leider habe ich in der Pubertät nicht unter Akne gelitten.
Wahrscheinlich liege ich irgendwo dazwischen, im Mittelfeld der Durchschnittlichen, der grauen Mäuse, der ganz Unscheinbaren – was für einen echten Auftragskiller natürlich viel besser ist. Natürlich, ist doch einsehbar, man – sonst würde ein eventueller Zeuge sich an einen Mann erinnern, der wie Delon, Bronson oder Prochnow aussah. Und das wäre dann ich. Nein, besser nicht.
Zurück zu meinen Bekannten und Nachbarn - der Durchschnittsfreund oder –nachbar hätte/hat nach meiner Erfahrung/Einschätzung wenig Verständnis für unsereinen, wenn er von meinem Beruf wüsste. Vielleicht hätten die auch nur Angst? Ich weiß nicht, aber eine eventuelle Angst verstehe ich beim besten Willen nicht: Ich tue doch niemandem etwas, im Grunde meines Herzens bin ich ein netter Kerl, ein guter Nachbar, Tierfreund bin ich auch – außer ich habe einen Auftrag. Und auch dann meine ich das ja nicht persönlich, ich bin ich ja nur der „Zeigefinger, der gekrümmt wird“. Und wenn ich es nicht machte, würde es ein anderer tun. Also?
Zugegeben, der Scharfrichter war früher auch nicht unbedingt ein Liebling der Gesellschaft. Dabei brauchte es ihn damals so, wie es heute uns braucht, uns, die Killer, durchaus. Die Gesellschaft braucht uns immer noch.
Wir sind so etwas wie die Sozialmüllmänner der Gesellschaft, wir beseitigen den menschlichen Müll, wo oder wenn die Gesellschaft noch zögert. Und von diesem Müll gibt es mehr, als der Durchschnittsnachbar glaubt. Der denkt immer, die junge Familie eine Etage drüber, die ist Abschaum … Weit gefehlt, die hören bloß etwas lauter Musik, oder die haben zwei kleine Kindern, die mal durch die Wohnung rennen. Sie, solche Nachbarn sind doch reines Gold, lassen Sie sich das von mir sagen, ich kenne den wahren „Müll“ (den würden Sie nicht einmal mit handschuhen anfassen wollen), ganz anders als der Müllmann, der einmal die Woche vorbeigefahren kommt, der kennt nur Abfall (in Tüten).
Wer, wenn nicht ich, soll sich denn sonst um den Mann kümmern, der seine Frau jahrelang immer wieder schwer vertrimmt hat? Die Frau, die sich nie gewehrt hat, weil er sonst noch viel stärker zuschlagen würde? Nein. Die Frau, von der erwartet wird, dass sie behauptet, sie liebe ihn trotzdem? Nein. Sie? Nein, Sie schließen doch lieber die Augen, wenn Sie sie mit ihren blau geschlagenem Gesicht sehen. Aber eines Tages hat er dann einmal zuviel zugeschlagen.
Dann kommt sie zu mir. Endlich. Sie bittet mich um Hilfe. Aber nicht, um ihn anzuzeigen, das traut sie sich nicht mehr. Auch wegen Ihnen, dem Nachbarn … Sie will, sie muss ihn endlich loswerden. Endgültig. Und dann komme ich. Und ich kümmere mich …
Von wegen „Müll“: Hier bei uns um die Ecke leb(t)en ein paar junge Kerle, die das Quartier terrorisiert haben – sie pressten Schulkindern das karge Taschengeld ab oder überfielen nachts auf der Straße schon einmal Frauen - nur so, zum Spaß, vielleicht vergewaltigen sie sie auch ein bisschen, auch nur so, zum Spaß, und vielleicht glauben sie in ihrer abgrundtiefen Dummheit sogar, die Frau wollte das … (weil sie den Fehler gemacht hatte, höflich zu grüßen).
Die Polizei hat nie wirklich eingegriffen (Sie kennen das: „Keine Beweise“, mehr „Mitgefühl“ (der institutionalisierten Gesellschaft) mit den „armen sozialgestörten Tätern“ als mit den Opfern, eingeschüchterte Zeugen, „das ganze Programm“, würde Dittsche sagen, „das ganze Programm“!). Und wenn wirklich mal einer verhaftet wurde, war der nach einigen Stunden in Gewahrsam wieder frei …, hörte man.
Als ich schließlich mitbekommen habe, dass solcher Terror für einige (Frauen) nicht mehr auszuhalten war, habe ich mich dann um zwei von „denen“ (die Tätern, nicht die Frauen!) gekümmert…
Einen von „denen“ hat man seitdem nicht mehr gesehen, was mich nicht wundert [ ;-)], ein anderer humpelt seitdem mit einem steifen Knie durch die Gegend …
