Ich glaube - hilf meinem Unglauben! - Elke Werner - E-Book

Ich glaube - hilf meinem Unglauben! E-Book

Elke Werner

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Beschreibung

Das Buch zur Jahreslosung 2020! Jedes Jahr begleitet die Jahreslosung Christen aller Konfessionen. Die beliebte Autorin und proChrist-Evangelistin Elke Werner schreibt über das Wort für 2020, "Ich glaube; hilf meinem Unglauben" (Markus 9,24), und zeigt, welche Schätze darin verborgen liegen. Dabei beleuchtet sie nicht nur den biblischen Zusammenhang, sondern erzählt auch aus ihrem Leben und zeigt ganz praktisch, was dieser Vers heute für uns bedeuten kann.

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Seitenzahl: 155

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Elke Werner

Ich glaube –hilf meinemUnglauben!

Das Buch zurJahreslosung 2020

SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

ISBN 978-3-7751-6035-3 (E-Book)

ISBN 978-3-7751-5978-4 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck

© 2019 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH

Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen

Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: [email protected]

Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelzitate folgender Ausgabe entnommen:

Das Buch. Neues Testament – übersetzt von Roland Werner, © 2009 SCM

R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen

Weiter wurden verwendet:

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (Lut 2017)

Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002, 2006 und 2017

SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB)

Lektorat: Mirja Wagner, Marburg, www.lektorat-punktlandung.de

Umschlaggestaltung: Miriam Gamper-Brühl, Agentur 3Kreativ, Essen

(www.3kreativ.de)

Titelbild: Shutterstock.com; Bild-ID: 1292928373; Nebula Cordata

Autorenfoto: Matthias Schüssler

Satz: Christoph Möller, Hattingen

Inhalt

Über die Autorin

Einladung zu einem Abenteuer

1. Glaube ist nicht gleich Glaube

Was die Leute über den Glauben sagen

Glauben heißt: Eine lebendige Beziehung leben

2. Was ist denn dann Glaube?

Glauben heißt: Stille auch im Alltag

Glauben heißt: Die Bitte an Jesus richten

Glauben heißt: Überzeugt sein

Glauben heißt: Von Gott getragen werden

Glauben heißt: Allein aus Gnade gerettet sein

Glauben heißt: Der Vergebung gewiss sein

3. Drei Lesarten des Glaubens

Pistis: Glauben heißt vertrauen

Credo: Glauben heißt, das Herz schenken

Aman: Glauben heißt, fest stehen

4. Glaube und Werke

Glaube: Kein Weg zur Selbsterlösung

Glaube: Woraus Taten wachsen

Glaube: Taten und Glaube gehören zusammen

Glaube: Die Gemeinde als Nährboden

5. Hilf meinem Unglauben

Zweifel: Der verzweifelte Vater

Zweifel in unserem Leben: Aufgeben oder dranbleiben?

Zweifel: Woher kommt er?

Zweifel im Herzen: Die Jünger

Leiden: Jesus kennt den Unterschied – Krankheit oder Dämon

Unglaube: Wer ist denn eigentlich ungläubig?

Glaube: Wie viel Glauben muss man haben?

Glaube: In allen Dingen Gott vertrauen – James Hudson Taylor

Zweifeln erlaubt: Der ungläubige Thomas

Zweifel: Er gehört zum Glauben dazu

Glaube: Das Abenteuer geht weiter

Ganz zum Schluss: Der Blick auf Jesus

Wie kann das Abenteuer Glaube beginnen?

Anmerkungen

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Über die Autorin

Elke Werner (Jg. 1956) ist verheiratet mit Roland und lebt in Marburg. Die proChrist-Evangelistin ist u. a. Gründerin und Leiterin von WINGS – Women in God’s Service. Außerdem engagiert sie sich im Zinzendorf-Institut.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Einladung zu einem Abenteuer

»Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« So schreit es der Vater eines Jungen, als er vor Jesus steht.

Eine merkwürdige Zusammenstellung einer Zusage und einer Bitte. Im Herzen des verzweifelten Vaters findet sich in diesem Moment beides, die Aussage: »Ja, ich glaube …« und die Bitte »Hilf meinem Unglauben!« Darüber lohnt es sich, nachzudenken, denn oft genug befinden wir uns selbst genau in diesem Spannungsfeld zwischen Glauben und Unglauben.

Ein ganzes Jahr lang kann uns diese Bitte, die für das Jahr 2020 als Jahreslosung ausgewählt wurde, nun begleiten. Ob und wie intensiv, das liegt allein bei uns. An manchen Tagen werden wir die Bitte: »Hilf meinem Unglauben!« sehr gut nachvollziehen können und uns selbst fragen, was wir glauben, was wir nicht glauben können und ob unsere Zweifel berechtigt sind. An anderen Tagen werden wir fröhlich und voller Überzeugung mitsprechen können: »Ich glaube!« und gerade diese Festigkeit in uns als sehr befreiend erleben.

Wie wäre es, wenn wir diese Jahreslosung zu unserem eigenen Gebet und uns dadurch eins mit dem Vater eines kranken Jungen machten, der einst diese ehrliche Bitte an Jesus gerichtet hat: »Ich glaube, hilf meinem Unglauben!«? Ein Abenteuer würde beginnen. Ich lade Sie dazu ein.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

1. Glaube ist nicht gleich Glaube

Glaube ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Damit meine ich zunächst einmal nicht den Glauben an Gott. Es ist im täglichen Leben notwendig, Dinge zu glauben, sie für wahr zu halten, sich auf sie zu verlassen, auch wenn wir sie nicht beweisen oder selbst überprüfen können. So glauben wir dem Busfahrer, dass er einen Führerschein hat und den Bus sicher ans Ziel lenken kann. Wir vertrauen dem Statiker, dass das Haus, in dem wir leben, nicht schon bald in sich zusammenfallen wird. Wir glauben dem Arzt, der die Diagnose stellt, und nehmen voller Vertrauen das Medikament, das er verordnet hat. Wir glauben Menschen unseres Vertrauens, dass sie uns lieben und es gut mit uns meinen. Ohne diese ständig präsente und alltägliche Form des Glaubens könnten wir nicht leben. Aus diesen wenigen Beispielen geht hervor, dass Glaube eine Sache des Vertrauens ist. Wir vertrauen jemandem und deshalb können wir glauben, was er oder sie sagt.

Bei dem vielen Wissen, das wir uns in bestimmten Bereichen unseres Lebens aneignen können, bleibt jedoch immer noch ein großer Bereich des Nicht-Wissens und Nicht-Verstehens. Und dieser Bereich ist der des Vertrauens, des Glaubens.

Was die Leute über den Glauben sagen

»Ich glaube an das Gute im Menschen.« So hört man viele Menschen unserer Zeit sagen. Doch je älter man wird, je mehr man von Menschen gesehen und erfahren hat, desto weniger lässt sich dieser Glaube an das Gute im Menschen halten. Im Gegenteil. Die Erfahrung macht uns eher misstrauisch.

»Ich glaube nur, was ich sehen und anfassen kann«, sagen andere. Doch wie kann man Liebe oder Freude sehen oder anfassen? Man kann ihre Auswirkung in Menschen sehen, aber sie sind weder naturwissenschaftlich beweisbar noch allein mit der Vernunft erklärbar. Sie haben mit Beziehungen zu tun und sind deshalb nur subjektiv erfahrbar und in den Reflexionen und Reaktionen im Leben eines Menschen zu erkennen.

»Glaub nicht alles, was man dir erzählt.« Das ist ein guter Rat. Denn Fakt ist: Man kann uns viel erzählen. Doch nicht alles ist wahr und nicht alles ist richtig. Oft werden Informationen gezielt so gestreut, dass ein bestimmtes Denken oder Verhalten beim Empfänger der Nachricht erreicht werden soll. Es ist ein Phänomen unserer Zeit, verstärkt durch unsere Medien, dass wir zunehmend mit sogenannten Fake News, also mit falschen Behauptungen, konfrontiert werden. An manchen Stellen hat man den Eindruck, dass die Gesellschaft durch gezielte Desinformation manipuliert und dadurch letztlich im Sinne des vermeintlichen Mainstreams der Gesellschaft umerzogen werden soll. Und das ist nicht neu: Lüge und Betrug haben in der Geschichte der Menschheit oft erreicht, dass Menschen sich einer anderen Person, einem religiösen Führer oder einem Despoten komplett anvertraut haben und am Ende dann bitter enttäuscht wurden. Gezielte Propaganda hat oft genug dazu geführt, dass Menschen zerstörerischen Ideologien nachgelaufen sind, die erst durch den Verlauf der Geschichte eine Korrektur erfahren haben. Anders kann man sich das Entstehen des Nationalsozialismus, aber auch so manche gesellschaftliche Entwicklung unserer Tage nicht erklären. Leichtgläubigkeit ist gefährlich, Misstrauen scheint angebracht.

In der deutschen Sprache finden wir noch eine weitere Verwendung des Wortes »Glaube«. Man sagt: »Ich glaube, es wird heute noch regnen.« Was damit gemeint ist, ist keine Aussage etwa einer Religionszugehörigkeit, sondern man spricht über eine Wahrscheinlichkeit. »Ich glaube« heißt in diesem Fall so viel wie: »Ich vermute«. Doch das hat mit dem Glauben, um den es in der Jahreslosung geht, sehr wenig zu tun. Im Glauben an Gott geht es um Vertrauen, um eine Beziehung, um ein festes Fundament, nicht um vage Vermutungen.

Glauben heißt: Eine lebendige Beziehung leben

Wem kann ich vertrauen, wem kann ich glauben? Diese Frage ist entscheidend. Im christlichen Glauben geht es nicht um ein blindes Vertrauen oder um ein reines Auswendiglernen oder Für-wahr-Halten von Glaubenssätzen. Es geht um eine Beziehung. Um die ganz persönliche Beziehung zu Gott. Und es geht um den, dem wir glauben oder vertrauen können. Weil Gott glaubwürdig ist, können wir ihm glauben. Weil Gott ehrlich und wahrhaftig ist, können wir uns ihm anvertrauen. Weil Gott zu seinem Wort steht und sein Wort hält, können wir unser Leben darauf aufbauen.

Unser Vertrauen auf Gott, unser Glaube an ihn hängt jedoch davon ab, welches Gottesbild wir haben. Ist Gott für uns weit entfernt, uninteressiert, ein alter Greis, der die Welt von heute nicht mehr versteht, ein Spaßverderber, ein himmlischer Polizist? Manche Spötter sagen, dass Gott die Abkürzung sei für »Guter Opa Total Taub«. Wenn wir Gott so einordnen, gibt es keine Notwendigkeit, an ihn zu glauben. Oder ist Gott so, wie die Bibel ihn uns vorstellt: ein liebender Vater, der Schöpfer und Erhalter der Welt, der rettende Richter, der Freund und Gefährte? Ist Gott der Herr dieser Welt und werden wir Menschen unser Leben, unser Tun und Lassen, vor ihm verantworten müssen? Wir sehen, die Vorstellung, die wir von Gott haben, das Bild, das sich in uns geformt hat, ist entscheidend dafür, wie wichtig wir die Frage nach Gott, die Frage nach dem Glauben wirklich nehmen. In unserer westlichen Welt ist in den letzten Jahrhunderten der Glaube zunehmend zur Privatsache erklärt worden. Man spricht nicht drüber. Glaube ist für viele Menschen im Westen ein peinliches Thema und wird in alltäglichen Konversationen eher vermieden.

Anders ist es in anderen Kulturen und bei Anhängern anderer Religionen. Meine Arbeit mit Frauen in aller Welt führt mich oft in islamische Länder. Hier ist die Frage nach dem Glauben Gegenstand fast jeder ersten Begegnung: »Bist du Muslimin?«, werde ich gefragt. Und häufig wird auf die Verneinung dieser Frage gleich angefügt: »Willst du das muslimische Glaubensbekenntnis nachsprechen und jetzt Muslimin werden?« Immer wieder ergeben sich daraus gute Gespräche über den Glauben. Die Frage nach dem Glauben ist im Orient sehr wichtig, ein Gespräch darüber sogar erwünscht. Es ist in vielen Gegenden der Welt kaum vorstellbar, dass man gar nicht glaubt. Dort lautet die Frage nicht, ob ich an Gott glaube, sondern an welchen Gott.

Die Frage nach Gott, nach dem Glauben findet sich auch schon bei Johann Wolfgang von Goethe. Dieser hat in seinem monumentalen Werk Faust I zwei Lebenskonzepte und zwei Glaubenskonzepte aufeinandertreffen lassen. Gretchen, ein junges Mädchen aus gläubigem Haus, trifft auf den älteren und gebildeten Faust, der im Pakt mit dem Teufel steht. Gretchen wird von Faust umworben und fragt ihn schließlich: »Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?/Du bist ein herzlich guter Mann, /Allein ich glaub’, du hältst nicht viel davon.«1 Faust hat eine pantheistische Weltsicht entwickelt, glaubt also nicht mehr an den Gott der Bibel. Gretchen erkennt: »Denn du hast kein Christentum.«2 Aus diesem Zusammenhang entstand der landläufige Begriff der »Gretchenfrage«. Er hat inzwischen die Bedeutung von einer Frage, die von grundlegender und entscheidender Wichtigkeit ist. Und das ist ja bis heute die Frage nach dem persönlichen Glauben, die sich auch in unserem Kulturkreis stellt: Glaube ich an Gott und wenn ja, an welchen?

Menschliche Vorstellungen, wie ein Gott sein könnte oder müsste, haben in den verschiedenen Ländern und Kulturen zu vielen verschiedenen Gottheiten geführt, die die Menschen anbeten. Viele dieser Gottheiten werden bildlich dargestellt, ob in Stein gehauen, aus Holz geschnitzt oder in Gold gegossen. Für diese alle gilt: Sie entspringen der menschlichen Fantasie oder sind Vergöttlichungen von Naturgegebenheiten wie der Erde, dem Sturm oder Regen oder von Himmelskörpern wie Sonne, Mond, Sterne oder auch von Geld, Macht oder Sexualität bzw. Fruchtbarkeit. Für das Volk Israel war es im Laufe seiner Geschichte immer wieder eine Versuchung, sich den umliegenden Völkern anzupassen und ebenfalls Götterstatuen und Götzen für diese Mächte und Kräfte herzustellen und diese anzubeten. Die große Herausforderung war, sich kein sichtbares Gottesbild zu schaffen und stattdessen dem unsichtbaren Gott zu vertrauen und ihn allein anzubeten.

Vor allem in Naturreligionen gab und gibt es unterschiedliche Gottheiten für verschiedene Bereiche des Lebens. Der eine Gott ist zum Beispiel für die Finanzen zuständig, der andere für Sonne und Regen, der dritte für Bewahrung auf Reisen. So ist es im Hinduismus möglich, immer wieder neue Götter in den Reigen der verehrten Gottheiten aufzunehmen. Man sichert sich ab, indem man alle integriert. Anders war und ist es bei dem Gott, von dem die Bibel spricht. Er ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi. Er ist allein Gott und will uns davor bewahren, uns selbst zu täuschen und toten Gegenständen unser Vertrauen zu schenken, denn sie können uns weder hören noch uns helfen. Schon im ersten Gebot, das Gott durch Mose seinem Volk gab, wird klar, dass Gott keine anderen Götter neben sich duldet.

»Dann sprach Gott folgende Worte: ›Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Du sollst außer mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Götzenbild anfertigen von etwas, das im Himmel, auf der Erde oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie weder verehren noch dich vor ihnen zu Boden werfen, denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott! Ich lasse die Sünden derer, die mich hassen, nicht ungestraft, sondern ich kümmere mich bei den Kindern um die Sünden ihrer Eltern, bis in die dritte und vierte Generation. Denen aber, die mich lieben und meine Gebote befolgen, werde ich bis in die tausendste Generation gnädig sein.‹«

2. Mose 20,1-6, NLB

Gott will, dass der Glaube unser Leben fördert und verändert. Tote Götzen sind dabei keine Hilfe. Im Gegenteil: Sie lassen uns Menschen mit unseren eigenen Vorstellungen allein. Es geht Gott darum, dass wir uns abkehren von selbst erschaffenen Göttern und uns ihm, dem lebendigen Gott, zuwenden.

Auch als Christen stehen wir immer wieder in der Gefahr, uns unsere eigenen Vorstellungen und Bilder von Gott zu machen. Wie Gott wirklich ist, können wir aber nur dort erfahren, wo er sich selbst geoffenbart hat: in der Bibel. Und weil Gott so ist, wie die Bibel sagt – ewig, treu, barmherzig –, und weil er der Schöpfer der Welt ist, der uns liebt, ist allein er es wert, von uns angebetet zu werden. Als Jesus in diese Welt kam, zeigte er uns, wie Gott ist. So sagt er über sich selbst: »Wer mir vertraut, der vertraut damit eigentlich nicht mir, sondern dem, der mich beauftragt und in die Welt gesandt hat. Und wer mich sieht, der sieht auch nicht nur mich, sondern den, der mich gesandt hat« (Johannes 12,44-45).

Jesus war zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott. In Jesus erfahren wir, wie Gott ist. In all seinen Worten und Taten sehen wir, wie er den Menschen Gutes tat und ihnen eine gute und für das eigene Leben hilfreiche und zugleich herausfordernde Lehre mit auf den Weg gab. Nicht nur die zwölf Jünger setzten ihr Vertrauen auf ihn. Der Glaube an den lebendigen Gott, der in Jesus Mensch wurde, hat sich bis in unsere Tage hinein über die ganze Welt verbreitet. Milliarden von Menschen setzten und setzen bis heute ihr Vertrauen auf Jesus. Sie glauben den Aussagen der Bibel und versuchen, durch das Lesen und Verstehen der biblischen Texte ihr eigenes Bild von Gott und von Jesus immer wieder zu korrigieren und ihn immer besser kennenzulernen, so, wie er sich uns selbst vorgestellt hat.

Es gibt viele Bilder, die sich die Menschen von Jesus Christus machen, und im Laufe der Geschichte haben sie unterschiedliche Formen angenommen. Mal war er der Wundertäter, mal der Lehrer, mal der Revolutionär und vieles andere mehr. Natürlich lässt es sich kaum vermeiden, dass wir beim Lesen der Bibel eine kulturelle Brille aufhaben, durch die hindurch wir die Berichte über Jesus lesen, verstehen und deuten. Abhängig von unserem eigenen schon vorhandenen Wertesystem, mit dem wir uns den Aussagen nähern, empfinden wir dann bestimmte Eigenschaften von Jesus als besonders wertvoll oder auch herausstechend. Die Gefahr dabei besteht aber darin, dass auf diese Weise ein Zerrbild von Jesus entsteht. Deshalb ist es umso wichtiger, sich auf die biblischen Aussagen im Gesamtzusammenhang zu stützen und sich selbst beim Lesen der Bibel immer wieder zu überprüfen, ob das in uns entstandene Bild von Gott und Jesus noch dem entspricht, was wir im Gesamtzusammenhang des Alten und Neuen Testaments vorfinden. Die uns möglicherweise unangenehm oder hart erscheinenden Aussagen von Jesus sind genauso wichtig wie die liebevollen und einladenden, weil sie uns möglicherweise unsere blinden Flecke zeigen und somit ein wichtiges Korrektiv für unsere eigene Wunschvorstellung sind. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir uns einen Jesus nach eigenen Wünschen und Vorlieben zusammenstellen.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

2. Was ist denn dann Glaube?

War es eigentlich leichter, an Jesus zu glauben, als er noch selbst als Mensch auf der Erde unterwegs war? Manchmal stelle ich mir diese Frage. Die Menschen damals konnten Jesus sehen, ihn mit ihren Ohren hören, seine Wunder live miterleben. Sie erkannten an seiner Stimme seine Gemütslage, sie verstanden seine Körpersprache, sie hatten einen unmittelbaren Zugang zu ihm. Doch wenn ich die biblischen Texte lese, stelle ich fest, dass es auch für die Zeitgenossen Jesu, ja sogar für seine engsten Vertrauten – seine Jünger – nicht unbedingt einfach war, ihn zu verstehen und ihm zu glauben. Es stimmt, sie waren dicht an Jesus dran und ja, sie waren seine Schüler und nahmen seine Lehre auf, versuchten seinen Taten nachzueifern. Doch zu seinen Lebzeiten hatten sie dennoch ihr eigenes Bild von Jesus. Oft verstellte ihnen ihr Vorverständnis von einem Messias ihren Blick auf den realen und so anderen Messias Jesus.

Noch viel schwerer war es wohl damals für die Menschen, die nur Berichte über Jesus gehört hatten. Gab es da auch so etwas wie den »Stille-Post-Effekt«, bei dem beim Übermitteln einer Botschaft am Ende der Kette etwas ganz anderes herauskommt, als es der anfängliche Wortlaut der Botschaft war? Im ganzen Land hörten Menschen von den großen Taten von Jesus und kamen in Scharen, um ihn selbst mit eigenen Ohren zu hören. Ebenso machten sich viele kranke Menschen auf, um bei Jesus Heilung zu finden. Darunter war auch ein Vater, dessen Sohn schon viele Jahre durch eine dämonische Belastung in großer Gefahr war. Doch Jesus war nicht da, wo der Vater ihn suchte. Er fand nur einige Jünger vor, die ihm und seinem Sohn aber nicht helfen konnten. Jetzt warteten alle auf die Rückkehr Jesu, denn dieser war mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg gestiegen. Dort oben erschienen Jesus Mose und Elia, und die Jünger erlebten das live mit (Markus 9). Sie wurden Zeugen einer für sie unfassbaren und unbegreiflichen Begegnung mit den Vorfahren des jüdischen Volkes und den Vorbildern ihres Glaubens. Dort auf dem Berg hörten sie, wie Gott sagte, dass Jesus der Sohn Gottes, der durch die Propheten verheißene und von ihnen sehnlichst erwartete Messias ist: »Da entstand eine Wolke, die sie umhüllte. Eine Stimme kam aus der Wolke: ›Dieser ist mein Sohn, auf dem meine ganze Liebe ruht! Auf ihn sollt ihr hören!‹« (Markus 9,7).