Ich will schreiben! Aber ... - Mara Laue - E-Book

Ich will schreiben! Aber ... E-Book

Mara Laue

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Beschreibung

Viele Menschen wollen lernen, gute Geschichten oder Romane zu verfassen und besuchen deshalb Kurse für kreatives Schreiben. Doch die Realität des Lernprozesses sieht ganz anders aus, als die meisten sich das vorgestellt haben. Mara Laue, selbst erfolgreiche Autorin und Schreibcoach, plaudert in diesem Buch humorvoll aus dem Nähkästchen ihrer Unterrichtserfahrung und schildert, was Kursteilnehmende und Unterrichtende in einem Kurs zu erwarten haben. Ferner gibt sie wertvolle Tipps, wie man einen Schreibkurs im Alltag managt, um den Traum vom eigenen Buch zu verwirklichen. – Ein Ratgeber für alle, die das Schreibhandwerk lernen oder selbst Schreibkurse unterrichten wollen.

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Seitenzahl: 131

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Mara Laue

Ich will schreiben! Aber ...

„Nähkästchen-Plaudereien“ aus dem Schreibkurs

Titel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mara Laue

 

Ich will schreiben! Aber ...

 

„Nähkästchen-Plaudereien“ aus dem Schreibkurs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

Mara Laue – Ich will schreiben! Aber ...

1. Auflage – 2020

© vss-verlag, 60389 Frankfurt am Main

[email protected]

Titelbild: Hermann Schladt unter Verwendung eines Fotos von Pixabay

Lektorat: Hermann Schladt

 

Ich will schreiben!

 

Irgendwann ist sie da – die Idee, statt immer nur zu lesen, selbst einmal (oder öfter) Geschichten oder sogar einen Roman zu schreiben. Die Gründe dafür sind so vielfältig, wie es Menschen gibt, die kreativ schreiben (wollen). Die einen möchten eine wunderbare Reise und die sie begleitenden Erlebnisse literarisch verewigen. Andere wollen ihrem geliebten Haustier – meistens Hund oder Katze – in humorvollen Geschichten ein Denkmal setzen. Wieder andere möchten ihre Biografie und ihr „ganzes Leben“ den Kindern und Enkelkindern schriftlich hinterlassen und ihre Lebenserfahrungen auch anderen Menschen zugänglich machen, indem sie die veröffentlichen. Es gibt Menschen, die von der Muse geküsst und dadurch zu unzähligen oder auch nur einer einzigen fantastischen, spannenden, ungewöhnlichen fiktiven Geschichte(n) inspiriert werden und diese aufschreiben wollen. Und es gibt solche, denen die in Büchern veröffentlichten Geschichten nicht gefallen. Sie suchen das Besondere, das „Andere“, finden es aber nicht. Deshalb entschließen sie sich eines Tages, ihre eigenen Geschichten zu schreiben.

Zu diesen Menschen gehörte ich selbst. Als ich im Jahr 1970 zu schreiben begann, war ich gerade zwölf Jahre alt. Ich liebte Abenteuergeschichten, besonders solche, in denen Pferde die Hauptrolle spielten („Blitz, der schwarze Hengst“ von Walter Farley). Ich war Fan von „Bomba, der Dschungelboy“ (Roy Rockwood) und habe alle „Tarzan“-Bücher (Edgar Rice Bourroughs) verschlungen. Ich mochte auch die Abenteuer der „Fünf Freunde“ und die „Rätsel um ...“ (beides Reihen von Enid Blyton). Später liebte ich die Krimis von Edgar Wallace, die gruseligen Geschichten von Edgar Allan Poe und die Science-Fiction-Romane von Isaac Asimov und John Wyndham.

Aber etwas fehlte mir bei allen Büchern, so spannend sie auch waren: Frauen und Mädchen als Heldinnen. Nein, ich war damals keine „Feministin“ und erst recht keine „Emanze“. Beide Begriffe lernte ich erst kennen, als ich ungefähr achtzehn war. Ich lebte lediglich in einer Familie von „starken“ Frauen, die ich aber gar nicht so empfand, weil ihre Stärke meine Normalität war. Alle waren berufstätig – nicht unbedingt in „typischen Frauenberufen“ – und managten nicht nur ihre Familien, sondern teilweise auch eigene Geschäfte. Und keine ließ sich von irgendwem die Butter vom Brot nehmen.

Ganz anders sah das Bild in den Romanen aus. Sofern Frauen und Mädchen überhaupt vorkamen, waren sie nicht die Hauptpersonen, sondern nur „schmückendes Beiwerk“. Wenn sie Glück hatten, gönnten ihnen die Autorinnen und Autoren wenigstens einen gewissen Grips, hatten sie Pech, waren Ängstlichkeit und eine extrem produktive Tränendrüse ihre hervorstechendsten und meistens einzigen Merkmale (neben Schönheit bei erwachsenen Frauen). Oder – Stichwort „Hanni und Nanni“ (ebenfalls von Enid Blyton) – sie hatten nichts anderes im Kopf als dumme Streiche und Zickenkrieg im Internat.

Mit besagten zwölf Jahren hatte ich die Schnauze gestrichen voll von diesen aus meiner Sicht unrealistischen Figuren. Und weil ich in der Literatur nichts anderes fand, schrieb ich meine erste eigene Geschichte mit einem Mädchen und einer Wildpferdstute als Heldinnen. Ihr folgten unzählige weitere, und mit achtzehn traute ich mich an meinen ersten Roman, einen Krimi. Bis heute kann ich einfach nicht aufhören zu schreiben, denn die Ideen sprudeln nur so aus mir heraus. (Nebenbei: Sehr viele heute erfolgreiche Autorinnen und Autoren haben schon im Kindheits- und Jugendalter mit dem Schreiben begonnen und waren zunächst begeisterte Leseratten, woraus später der Drang zum eigenen Schreiben erwuchs.)

Was auch immer Menschen veranlasst, selbst zu schreiben, die meisten haben ihre ersten schriftstellerischen Gehversuche im „Aufsatzstil“ verfasst, sofern sie nicht zu dem Zeitpunkt Germanistik, Literaturwissenschaft oder artverwandte Fächer studiert haben. Denn der Aufsatz ist die erste Form, die wir lernen, um Geschichten oder andere selbst formulierte Texte zu schreiben. In Anlehnung an die vielen zuvor gelesenen Romane sind die ersten eigenen Texte mit wörtlicher Rede gespickt und orientieren sich in Aufbau und Handlung an den Romanen, die uns gefallen (haben). Doch klingen die ersten Texte nie so wie die Romane. Dafür gibt es zwei Gründe.

1. Uns fehlt zu Anfang die fundierte Kenntnis über das Schreibhandwerk. Wer mit dem kreativen Schreiben beginnt und keinen literaturrelevanten Beruf ausübt oder studiert, hat in der Regel noch nie etwas von Plotstruktur und Spannungsbogen, von der Prämisse „Zeigen, nicht erzählen!“ gehört, kann mit dem Begriff „Subtext“ nichts oder nur wenig anfangen, und „Stringenz“ oder „Heldenreise“ sind unbekannte Größen. Mangels dieser und der anderen zum Handwerk gehörenden Kenntnisse und Fähigkeiten geraten die Texte suboptimal. Manchmal landen wir an einigen Stellen „Zufallstreffer“, weil wir dort Passagen aus anderen Bücher imitiert (nicht kopiert!) haben. Aber etwas zufällig oder intuitiv oder durch Imitation richtig zu machen, stellt keine Beherrschung des Handwerks dar.

2. Uns fehlt (auch nach dem Erlernen des Handwerks) zunächst die Übung. Sie kennen sicherlich das Sprichwort: „Nur Übung macht die Meisterschaft.“ Das gilt für jeden Beruf, jede sportliche Freizeitbeschäftigung und jedes Hobby, das nicht zum Beispiel ausschließlich im Sammeln und Horten von Gegenständen oder anderen „konsumierenden“ Dingen besteht, sondern bei denen man aktiv etwas tun, etwas herstellen muss. Erst mit der Übung und der damit einhergehenden gesammelten Erfahrung gelingt uns vielleicht nicht unbedingt die Meisterschaft. Aber wir erwerben dadurch die Routine und das Know-how, um gute Leistungen zu erbringen oder ein Produkt anzufertigen, das sein Geld wert ist, falls wir es verkaufen wollen.

Beim kreativen Schreiben verhält es sich genauso.

Die meisten Schreibbegeisterten erkennen das früher oder später. Sofern sie ihre Texte nicht ausschließlich für sich selbst schreiben, sondern sie auch veröffentlichen möchten, wollen sie die Kunst, gute Storys und/oder Romane zu schreiben, erlernen. Aber wie?

Für viele ist die erste Anlaufstelle der Blick ins Kursangebot der örtlichen Volkshochschule oder eines anderen Instituts für Erwachsenenbildung. Doch die wenigsten bieten Kurse im kreativen Schreiben an. Falls doch, so handelt es sich dabei um „Themenkurse“, die sich zum Beispiel mit dem Schreiben von Kurzgeschichten oder Gedichten befassen. Kurse, die einem die gesamten Grundlagen des Handwerks beibringen und wie man erfolgreich Romane schreibt, werden wegen des Umfangs und der Komplexität des Lehrmaterials dort nicht angeboten. Denn wenn Sie das Handwerk von der Pike auf fundiert erlernen wollen, benötigen Sie dazu mindestens drei Jahre bei regelmäßiger Lernzeit von mehreren Stunden pro Woche.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Bei einem Zeitaufwand von ca. 8 bis 10 Stunden pro Woche als Mindest(!)investition dauert das Erlernen des Schreibhandwerks mindestens drei Jahre. Übrigens auch, wenn Sie „literarisches Schreiben“ an einer Universität mit Bachelor-Abschluss studieren wollen. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester (= drei Jahre). Haben Sie weniger Zeit zur Verfügung als die empfohlene Wochenstundenzahl, können es locker fünf Jahre werden.

Was denn – wirklich SO lange? Ja, wirklich so lange, wenn Sie das Handwerk ordentlich erlernen wollen.

Vermutlich fragen Sie sich spätestens jetzt, ob sich der Aufwand und die damit verbundenen Kosten überhaupt lohnen. Das kommt darauf an, welches Ziel Sie mit dem Schreiben verfolgen. Wenn Sie nur für sich selbst schreiben und Ihre Texte allenfalls im Familienkreis die Runde machen sollen, können Sie ohnehin schreiben, wie es Ihnen gefällt, ohne Rücksicht auf Qualität oder handwerkliche Finesse. Dann müssen Ihre Texte nur Ihnen gefallen und niemand anderem.

Wollen Sie Ihre Texte aber veröffentlichen und somit verkaufen, dann ist ein Mindestmaß an Qualität ein unabdingbares Muss. Der Grund: Die künftigen Käuferinnen und Käufer Ihres Buches/Ihrer Bücher haben für das Geld, das sie dafür ausgeben, Anspruch auf ordentliche Arbeit. Anders ausgedrückt: Ihr Buch muss das Geld wert sein, das man dafür bezahlt. Und diesen Gegenwert können Sie nur liefern, wenn Sie das Handwerk beherrschen, Sie es also von Grund auf erlernt haben.

 

Weil aber nicht jeder Mensch, der Romane und/oder Storys schreiben will, die Absicht oder auch nicht die Gelegenheit hat, gleich zum Studium an die Uni zu gehen, entscheiden sich viele für ein privates Fernstudium. Entweder bei einem Institut, das sich auf das Unterrichten einer ganzen Palette von Studienfächern spezialisiert hat und auch kreatives Schreiben anbietet, oder bei erfahrenen Autorinnen/Autoren, die neben der Arbeit an ihren eigenen Werken Schreibkurse unterrichten.

Wie Schreibkurse ablaufen

 

Sofern Sie nicht einen Gruppenkurs besuchen, der zum Beispiel als Wochenendseminar oder Volkshochschulkurs (oder von anderen Institutionen) angeboten wird, sondern „Einzelunterricht“ als Fernkurs buchen, laufen die Kurse nach den folgenden Mustern ab.

 

 

1. Basis- und Themenkurse

 

Beim Basiskurs/Grund(lagen)kurs erlernen Sie die Grundlagen des Schreibhandwerks von der Pike auf. Sie fangen bei den elementarsten Dingen an, bei „Adam und Eva“. Bei manchen Anbietenden gehört dazu ein kurzer historischer Überblick über die Entwicklung der Literatur vom Altertum bis zur Neuzeit, andere steigen gleich „in die Vollen“ ein und beginnen mit den ersten Übungen. Wieder andere stellen als Motivation eine Liste erfolgreicher Schriftstellerinnen und Schriftsteller zusammen mit der Aufzählung der Berufe, in denen sie tätig waren, bevor sie die an den Nagel hängten, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Kurzum: Die erste „Lektion“ ist so unterschiedlich wie die Coaches und Institute, die sie anbieten.

Weitgehend identisch ist zumindest bei den etablierten Fernkursinstituten (wie auch bei mir), dass Ihr „Lehrbuch“ in einzelne Lektionen aufgeteilt ist, die sogenannten „Lehrbriefe“, die Sie einzeln zugeschickt bekommen. Mit dem Erhalt beginnt Ihre Arbeit.

Sie arbeiten die Lektion durch (studieren sie aufmerksam), idealerweise mehrfach, bis Sie sich sicher sind, den Inhalt verstanden zu haben. Am Ende jeder Lektion oder manchmal auch schon zwischendurch steht eine oder stehen mehrere Übungsaufgaben. Nach den dort verlangten Kriterien schreiben Sie einen Übungstext, der den Coaches zeigt, ob Sie die Lektion verstanden haben und auch umsetzen können. (Ja, wie eine Hausaufgabe in der Schule oder eine Klassenarbeit.) Diesen Text senden Sie Ihrem Coach ein.

Ihr Coach kommentiert den Text und gibt Ihnen Hinweise, wo Sie noch Schwächen haben, korrigiert selbstverständlich auch Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichenfehler und lobt natürlich auch die Dinge, die Sie gut hinbekommen haben. (Nebenbei: Später im Lektorat beim Verlag läuft die Sache genauso ab. Ein solcher Schreibkurs ist bereits eine gute Vorbereitung auf die künftige Zusammenarbeit mit den Lektorierenden im Verlag.) Danach erhalten Sie Ihren Text zurück. Haben Sie die Lektion gut gelernt und umgesetzt, erhalten Sie den nächsten Lehrbrief, mit dem Sie genauso verfahren: Intensiv durcharbeiten, Übungstext schreiben, einsenden, Korrektur erhalten, zur nächsten Lektion übergehen.

Zeigt Ihr Text, dass Sie den Lektionsinhalt noch nicht richtig verstanden haben oder noch nicht optimal umsetzen konnten, werden Sie gebeten, ihn zu verbessern und nochmals einzureichen. Gute Coaches/Institute lassen Sie erst vom „Haken“ einer Lektion, wenn Sie einen guten Text abgeliefert haben, der beweist, dass der „Stoff“ bei Ihnen „sitzt“. (Ja, genau wie damals in der Schule.) Erst danach erhalten Sie den nächsten Lehrbrief.

Nach diesem Prinzip geht der Kurs weiter, bis Sie die letzte Lektion durchgearbeitet haben. Bei Instituten erhalten Sie im Anschluss eine Teilnahmeurkunde, in der aufgelistet wird, welche Sachgebiete Sie im Lauf des Kurses durchgenommen haben. Viele Privatanbietende tun das ebenfalls. Wenn nicht, scheuen Sie sich nicht, um die Ausstellung einer solchen Urkunde zu bitten.

 

Für Themenkurse, die nur ein Teilgebiet des Gesamthandwerks behandeln, gilt im das gleiche Prinzip: Sie werden im Lehrmaterial mit der Theorie des Themas vertraut gemacht, zum Beispiel Schreiben von Kurzgeschichten oder Spannungserzeugung oder die Kunst der Dialoggestaltung, schreiben Übungstexte als „Hausaufgaben“ und reichen diese ein. Sie erhalten Sie kommentiert zurück, verbessern sie, reichen sie notfalls ein zweites Mal ein, und gehen anschließend zur nächsten Lektion über.

Mit Ausnahme von Kurzgeschichtenkursen (oder Lyrikkursen), die eine eigenständige Kategorie darstellen, eignen sich Themenkurse in der Regel nur für Fortgeschrittene, weil sie voraussetzen, dass die Kursteilnehmenden die Grundlagen des Schreibens bereits beherrschen. In Themenkursen werden diese Grundlagen vertieft und erweitert. Ohne vorherige Grundkenntnisse, ohne ein fest „zementiertes“ Basiswissen, nützen Themenkurse wenig.

 

Wenn Sie Kursangebote prüfen, sollten Sie darauf achten, dass in einem Grundlagenkurs für belletristisches Schreiben folgende Themen als Minimum enthalten sind:

• Einführung, Grundlagen, Ideenfindung

• Unterschiede von Kurzgeschichte und Roman

• Sprachstil (gutes Deutsch)

• Die Kunst des guten Beschreibens

• Plotentwicklung (Anfang, Ende, innere Logik, Plotpoints etc.)

• Konfliktstruktur

• Spannungserzeugung und Spannungssteigerung

• Figurenentwicklung

• Perspektive

• Dialogaufbau

• Überarbeitung von Texten

• Exposéschreiben

• Formales (Normseite, Manuskriptgestaltung, Verlagsanforderu- gen etc.)

 

Manchmal sind die einzelnen Inhalte in eine andere Lektion integriert und stellen keine eigene dar. Zum Beispiel gehört die Konfliktstruktur in die Plot-Lektion, weil man keinen Plot ohne Konflikte entwickeln kann. Ein Kapitel über gute Sprache steckt oft in der Einführungslektion. Die Finesse der Spannungserzeugung kann auch in die Plot-Lektion integriert sein und Dialogaufbau kann ein Unterkapitel der Figurenentwicklung sein. Wichtig ist nur, dass alle diese Kapitel als absolutes Minimum einer guten schreibhandwerklichen Basis abgehandelt werden. Bekommen Sie mehr (an)geboten, freuen sie sich!

 

 

2. Textarbeit

 

Manche Privatanbietenden unterrichten ausschließlich in Form von Textarbeit. Sie geben Ihnen Aufgaben, die Sie in Übungstexten umsetzen sollen. Zum Beispiel: „Schreiben Sie einen Dialog!“ Oder: „Schreiben Sie eine halbseitige Szene in der personalen Perspektive!“ Anhand der Fehler, die Sie in Ihren Texten machen, werden Ihnen die für die jeweilige Aufgabe wichtigen Grundlagen erläutert, und Sie überarbeiten den Text so lange, bis er „rund“ ist. Danach schreiben Sie einen Text für das nächste „Fachgebiet“ und so weiter.

Jedoch eignet sich diese Form des Coachings meistens nicht für absolute Neulinge, die zum Beispiel noch gar nicht wissen, was eine „personale Perspektive“ ist. Außerdem lernen Sie auf diese Weise nur konkrete, auf einen einzelnen Text bezogene Kniffe, die sich zwar auch auf andere Texte anwenden lassen, aber nicht die gesamten Grundlagen eines Themengebietes vermitteln, weil das die Textarbeit sprengen würde.

Das Beste ist, erst eine solide Basis zu schaffen, bevor man zur Textarbeit übergeht. Doch es gibt Menschen, die auch als Neulinge gut mit dieser Methode klarkommen.

 

Eine Besonderheit der Textarbeit ist das Roman-Coaching oder „(Kurs) Romanentwicklung“ genannt. Bei dieser Form des Schreibkurses gibt es zwei Varianten.

 

1. Sie entwickeln zusammen mit Ihrem Coach einen Roman von der Pike auf. Das heißt, Sie beginnen mit der Ausarbeitung des Plots (Handlungsplan), entwerfen die handelnden Figuren im Detail (oft mithilfe eines „Steckbriefes“, in dem Sie ihnen alle Eigenschaften und ihr „Leben vor der Romanhandlung“ auf den Leib schreiben) und schleifen alles gemeinsam mit Ihrem Coach, bis Handlung und Figuren stimmig sind. „Stimmig“ heißt, die Figuren sind glaubhaft konstruiert und könnten „echte Menschen“ sein, wenn sie nicht nur im Roman leben würden, und auch die Handlung könnte sich genauso in der Realität zutragen (von Romanen der Genres Fantasy und Science Fiction mit allen ihren Unterarten abgesehen).

Danach beginnen Sie mit dem Schreiben des eigentlichen Romans und reichen dem Coach jedes einzelne Kapitel (oder gleich den ganzen Roman) zur Begutachtung ein. Wieder schleifen Sie gemeinsam den Text, bis er gut genug ist, um veröffentlicht zu werden, sobald Ihr Roman fertig ist.

 

2. Sie haben bereits einen Romantext fertig und Ihr Coach lektoriert ihn. Im Gegensatz zum echten Lektorat später im Verlag unterbreitet Ihr Coach Ihnen aber nicht nur Verbesserungsvorschläge, sondern erklärt Ihnen detailliert die handwerklichen Finessen anhand Ihres Textes, den Sie so lange überarbeiten, bis er veröffentlichungsreif ist.

Auch diese Form der Textarbeit eignet sich in der Regel nicht für Neulinge, die noch keinen Grundlangenkurs absolviert oder entsprechende Schreibratgeber studiert haben. Ich kenne etliche solcher Fälle aus meiner Praxis, bei denen Neulinge gleich einen Romantext einreichten, den sie für gut gelungen hielten. Alle diese Fälle liefen darauf hinaus, dass die Autorinnen/Autoren erst die Grundlagen erlernen und danach ihren Roman komplett neu schreiben mussten. Auf einen anderen Bereich übertragen: Wenn ich eine fremde Sprache erlerne und gerade mal die tausend wichtigsten Vokabeln kenne, kann ich in dieser Sprache keinen komplexen Roman schreiben. Denn, wie schon erwähnt, sind Alltagsdeutsch und Aufsatzdeutsch eine ganz andere „Sprache“ als Literaturdeutsch.