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Im Banne der Engelsburg ist ein fesselndes Werk, das den Leser in das mysteriöse und historischen Labyrinth Roms entführt. Der anonyme Autor vermischt meisterhaft Elemente des Historischen Romans mit subtilen Fantasyelementen und schafft so eine Atmosphäre der Intrige und des Ungewissen. Die düstere und zugleich fesselnde Erzählweise lässt die Leser in die Schatten vergangener Zeiten eintauchen und die geheimnisvollen Geschichten, die sich in den Mauern der Engelsburg abspielen, nachfühlen. Thematische Schwerpunkte sind Machtgier, Loyalität und der Kampf um das Überleben in einer von Intrigen durchzogenen Welt, die den Leser bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht. Der Verfasser bleibt anonym und sein Hintergrund bleibt im Dunkeln, was dem Text eine zusätzliche aura mysteriöser Anziehung verleiht. Diese Anonymität verstärkt das Gefühl der Zeitlosigkeit und Universalität der Themen, die er behandelt. Man könnte spekulieren, dass der Autor selbst tiefgehende Kenntnisse über die geschichtlichen und kulturellen Gegebenheiten Roms besitzt oder von den Legenden und Mythen dieser Stadt geprägt ist, die auch heute noch die Fantasie der Menschen anregen. Das Buch ist jedem empfohlen, der sich für historische Romane interessiert, die über die bloße Nacherzählung von Fakten hinausgehen. Es fordert den Leser auf, eigene Schlüsse zu ziehen und die Grauzonen zwischen Wahrheit und Fiktion zu erkunden. Im Banne der Engelsburg ist eine packende Lektüre, die sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt, und sicherlich einen Platz in der Bibliothek jedes Liebhabers historischer Literatur verdient. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Nichts ist bezeichnender für die Fortschritte, welche der Katholicismus [1q] vermittels des Jesuitismus in neuester Zeit gemacht zu[2q] haben glaubt, nichts bekundet schlagender das Gefühl der Sicherheit[3q], welches man in Rom in Bezug auf die Einheit der Kirche[4q] hegt, als die Einberufung dieses jetzigen Concils, welcher der Welt beweisen soll, daß das Papstthum trotz aller äußeren Veränderungen[5q], die sich in Rom und Italien während der letzten Jahre vollzogen haben, eine göttliche, durch nichts zu erschütternde Macht ist;[6q] welches die Einigkeit der katholischen Kirche in ihrer Unterordnung unter den Stattalter Christi auf Erden in einem noch nie dagewesenen Grade der erstaunten Welt bezeugen soll. Indessen kann[7q] auch hier sich möglicherweise das alte Wort bewahrheiten, daß eine zu straff angespannte Bogensehne oft springt. Selbst in dieser[8q] katholischen Welt, in der jede freie Willensäußerung todt, jede[9q] Regung von Selbstständigkeit unter den Bischöfen erloschen zu sein[10q] schien, haben sich bereits deutliche Zeichen herausgestellt, welche[11q] beweisen, daß dem wenigstens nicht ganz so ist, daß man nicht[12q] allen Bischöfen auch geradezu Alles zumuthen kann, unter anderm[13q] auch das: ihre eigne Macht durch Annahme des Dogmas von der[14q] päpstlichen Unfehlbarkeit völlig und für alle Zeiten zu Grabe zu[15q] tragen. Es hat sich, das steht trotz alles Ableugnens der römisch-klerikalen Organe bereits ganz fest, eine Oppositionspartei, eine Linke, gebildet, welche gegen die extremsten Forderungen der Päpstlichen Front macht. Wir erlauben uns diese parlamentarischen[16q] Ausdrücke auch auf das Concil anzuwenden, obwohl die klerikale[17q] Presse eifrig bemüht ist, dergleichen profane Ausdrücke als ganz und gar unpassend für dasselbe zu erweisen, welches als eine direct vom heiligen Geiste inspirirte Versammlung mit den streitenden, revolutionären Ideen ergebenen „Kammern“ der modernen Zeit in keinem Punkte zu vergleichen sei und nicht etwa parlamentarisch die absolute Gewalt des Papstes beschränke[18q].
Nun, zum Streit kommt es auf alle Fälle in dieser erlauchten und „vom heiligen Geiste erleuchteten“ Versammlung, und es fragt sich nur, ob der Sieg der Römlinge ein wirklich so beklagenswerthes Ereigniß sei, als man in der Regel annimmt. Ich kann mir nämlich nimmermehr vorstellen, daß eine wahrhaft liberale Richtung innerhalb der katholischen Kirche auf die Dauer wirklich möglich sei, während ein vollständiger Triumph der Jesuitenpartei, also directe Billigung des Syllabus und Proclamirung des Infallibilitätsdogmas, das Princip des Katholicismus dergestalt auf die Spitze treiben würde, daß man wie in allen historischen Erscheinungen so auch hier mit Recht einen Rückschlag, eine Reaction erwarten dürfte, welche mehr liberale Verbesserungen, als die schwache Opposition der Bischöfe jemals durchsetzen kann, in ihrem Gefolge haben würde.
Doch kehren wir von dieser Ausschau in die Zukunft und von der immer sehr gewagten historischen Möglichkeitsrechnung zurück auf den wirklichen Boden des Concils. Ich will versuchen unbefangen und ohne Vorurtheil den Eindruck zu schildern, welchen die Stadt des Concils macht, diese alte ewige Roma, welche jetzt wieder einmal als Weltstadt im vollen Sinne des Wortes sich zeigt, da sie neben den kirchlichen Spitzen des katholischen Erdkreises gläubige und ungläubige Fremde aus aller Welt – mehr vielleicht augenblicklich als irgend eine andere Stadt – innerhalb des alten Aurelianischen Mauergürtels vereinigt.
Zunächst muß zugestanden werden, daß noch kein Concil mit solchem Glanze eröffnet worden ist wie dieses. Nach dem jetzt erschienenen officiellen Ausweis, den die „Civiltà Cattolica[3]“, das hohe Organ der hierarchisch-römischen Partei, bringt, waren am Tage der Eröffnung gegenwärtig und in der großen Procession befindlich der Papst, neunundvierzig Cardinäle (und zwar fünf Cardinalbischöfe, sechsunddreißig Cardinalpriester und acht Cardinaldiakonen), neun Patriarchen, vier Primaten, hundertdreiundzwanzig Erzbischöfe, fünfhundertundein Bischöfe, achtundzwanzig Aebte und neunundzwanzig Generale oder Generalvicare geistlicher Orden. Diese Männer waren gekommen aus allen Gegenden der bewohnten Erde, denn wo wäre ein Land, eine Insel, wo nicht der thätige Katholicismus seine Netze ausgespannt, ein Bisthum oder ein Kloster gegründet und Convertirungen versucht hätte! So war die Procession, welche das großartige Gebäude der römischen Kirche vor den Augen der Zuschauer in einem Bilde entrollte, zugleich eine wahre Ausstellung interessanter Nationaltypen.
Zwischen den meist einfach weißdamastenen Gewändern der Bischöfe des Occidents funkelten in goldenen edelsteinbesetzten Kronen und bunten in allen Farben spielenden Gewändern von schwerer Seide diejenigen der verschiedenartigen orientalischen Riten. Von ihren oft ausdrucksvollen und schönen Greisengesichtern wallte der volle silberne Bart bis tief auf die Brust herab. Dann sah man wieder Bischöfe aus Innerasien, China, Afrika mit eigenthümlich verschmitzten und confiscirten Gesichtern; schöne feurige Creolenköpfe befanden sich unter den amerikanischen Prälaten, und zwischen alle diese mit weiten, bis zu den Füßen wallenden Gewändern bekleideten Gestalten mischte sich die geschmackvolle spanische Hoftracht, in der die Beamten, der Hofstaat des Papstes, einherschritten, und die reiche Kleidung der Spalier bildenden und vor den Thoren der großen Kirche Wache haltenden Soldaten des Kirchenstaates.
Ich übergehe alle näheren Einzelnheiten dieser Feierlichkeit, welche aus den Zeitungen auch in Deutschland hinreichend bekannt sein werden. Es drängt sich aber zunächst die Frage auf: aus welcher Casse fließen die Gelder, welche solche Feste kosten? Wer unterhält die vielen armen Bischöfe, die in der vertheuerten Stadt standesgemäß zu leben gezwungen sind? Dies thut Alles der anfangs so verspottete Peterspfennig, dieser „freiwillige Tribut[20q]“ der katholischen Christenheit an das Oberhaupt der Kirche. Seitdem 1860 der Staat des Papstes um mehr als zwei Drittel verkleinert worden war, hat man zu diesem von alten Zeiten her bekannten Mittel, den Säckel St. Petri mit Geld zu füllen, zurückgegriffen, und das Mittel schlug vermöge der Organisation, welche durch die katholischen Jünglingsvereine, Marianischen Sodalitäten etc. auf das Geschickteste über die römische Kirche verbreitet ist, ganz prächtig an. So kam man, allmählich kühner werdend, auf den Plan, auch die päpstliche Armee durch diese Gelder zu reformiren, und da man in Rom keine tüchtigen Soldaten fand (denn man traute den eigenen Unterthanen nicht recht), so beschloß man, wie das Geld so auch die Mannschaften selbst vom gesammten katholischen Erdkreise zu beziehen. Auch dies gelang vortrefflich. So hat man jetzt eine aus nahezu fünfzehntausend Mann bestehende Truppe, ein Heer, welches, für den kleinen Staat viel zu groß, ihn in unerhörter Weise belasten würde, wenn man nicht die Unterhaltungskosten auf die beschriebene Weise decken könnte. Die Gläubigen aber, anstatt nachzulassen in Spendelust, zahlten den Peterspfennig immer reichlicher. Die Jesuiten sorgten dafür, daß es in frommen und reichen Familien katholischer Länder, besonders unter den reichen Kaufleuten Belgiens und Hollands, unter den legitimistischen Adeligen Frankreichs, Styl wurde, gewissermaßen zum guten Ton gehörte, einen der Söhne, auf zwei oder mehr Jahre dem Vater der Christenheit zur Verfügung zu stellen. Für solche Freiwillige und Reiche, die sich natürlich selbst unterhalten, bildete man vorzugsweise das Corps der Zuaven[2], die Elitetruppe der päpstlichen Armee. Die Aermeren werden größtentheils in die anderen Regimenter gesteckt, nur ein Regiment besteht aus geborenen Römern.
