In alle Ewigkeit - Åke Edwardson - E-Book

In alle Ewigkeit E-Book

Åke Edwardson

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Beschreibung

Als in einem Göteborger Park eine junge Frau vergewaltigt wird und danach nur knapp ihrem Peiniger entkommt, fühlt sich Kommissar Winter an einen schrecklichen Mord erinnert, der vor fünf Jahren an genau dieser Stelle begangen wurde. Ein Fall, den er nie lösen konnte. Die Schatten der Vergangenheit lasten schwer auf Erik Winter. Und tatsächlich: Schon bald erschüttert der Fund einer weiteren Leiche die Stadt. Alles deutet darauf hin, dass der Täter von damals zurückgekehrt ist ...

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Das Buch

Als Kriminalkommissar Erik Winter den Ort aufsucht, an dem kurz zuvor eine junge Frau vergewaltigt wurde, werden unangenehme Erinnerungen in ihm wach. Hier, an einer dunklen Stelle in einem öffentlichen Park von Göteborg, war fünf Jahre zuvor ein junges Mädchen ermordet worden; ein Fall, der unaufgeklärt zu den Akten gelegt werden musste. Doch keiner im Kreis der Ermittler um Erik Winter hatte ihn je vergessen können. War der Mörder jetzt zurückgekehrt? Das jüngste Opfer, Jeanette Bielke, konnte ihrem Vergewaltiger zwar entkommen, doch ihre Aussage hilft der Polizei kaum weiter. Energisch macht sich Winter an die Ermittlungen und rollt auf der Suche nach möglichen Spuren auch den alten Fall wieder auf. Doch nur wenige Tage später wird an derselben Stelle im Park eine junge Frau ermordet aufgefunden. Und als diese Tat kein Einzelfall bleibt, müssen Erik Winter und sein Team erkennen, dass sie es hier womöglich mit einem Serienmörder zu tun haben … Psychologisch raffiniert und voller Spannung – Åke Edwardson beweist einmal mehr, dass seine Bücher süchtig machen.

Der Autor

Åke Edwardson, Jahrgang 1953, lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Göteborg. Bevor er sich dem Schreiben von Romanen widmete, arbeitete er als erfolgreicher Journalist, u.a. im Nahen Osten, schrieb Sachbücher und hat an der Universität in Göteborg Creative Writing unterrichtet. Seine Kriminalromane wurden mit dem Crime Writer’s Award der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Von Åke Edwardson sind in unserem Hause bereits folgende Erik-Winter-Krimis erschienen:

Tanz mit dem Engel · Das vertauschte Gesicht · In alle Ewigkeit · Der Himmel auf Erden · Segel aus Stein · Zimmer Nr. 10

Außerdem:

Allem, was gestorben war · Geh aus, mein Herz · Der Jukebox-Mann · Der letzte Abend der Saison · Samuraisommer

Åke Edwardson

In alle Ewigkeit

Roman

Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch

Besuchen Sie uns im Internet:www.list-taschenbuch.de

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen,

wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung,

Speicherung oder Übertragung

können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Ungekürzte Ausgabe im List Taschenbuch

List ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin.

1. Auflage April 2003

6. Auflage 2008

© für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004

© 2003 für die deutsche Ausgabe by Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG

© 2002 für die deutsche Ausgabe by Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG, München/Claassen Verlag

© Åke Edwardson 2000

Titel der schwedischen Originalausgabe: Låt det aldrig ta slut

(Norstedts Förlag, Stockholm)

Umschlaggestaltung: Jorge Schmidt, München

Foto: Akg-images (Gemäldeausschnitt von Anbetung der Hirten, 1476–1478, Hugo van der Goes)

E-Book-Konvertierung: CPI books GmbH, Leck

ISBN 978-3-8437-0572-1

1

Etwas stach sie unterm rechten Fuß, unter den Zehen. Sie war vorsichtig gegangen, aber hier nützte es nicht viel. Der Grund war mit Tang bedeckt, wie mit hohem, dickem Gras, das sich in der Strömung bewegte, braun und eklig. Wie tote Blumen.

Jetzt stand sie auf einem Stück Sandboden. Sie balancierte auf einem Bein, hielt den rechten Fuß hoch und sah, dass er blutete, aber nur ein bisschen. Es war nicht das erste Mal in diesem Sommer. Es gehörte dazu.

Plötzlich musste sie an einen engen Klassenraum denken, in dem es nach feuchter Kleidung roch. Regen an der Fensterscheibe. Fragen auf einem Blatt Papier und das Kratzen von Stiften. Antworten, die schon wieder vergessen sein würden, wenn die Arbeit abgegeben war. Jetzt war sie jedenfalls fertig. Sie würde studieren, zum Teufel, sie war gut. Und dazu dieser Sommer, der kein Ende nahm. Lass es niemaaals enden. Sie kriegte die Melodie nicht aus dem Kopf.

Heute Abend würde die Wunde nur noch ein kleiner Kratzer sein, sie würde ihn nicht mehr spüren, wohl aber noch die Wärme auf der Haut fühlen, Sonne und Salz. Nach dem Duschen. Bevor der Abend begann.

Sie schwamm und schlug mit den Beinen, das Wasser war wie eine Kaskade um sie herum. Ein Segelboot lief mit gedrosseltem Motor in die Bucht ein. Sie konnte die Passagierdampfer sehen, zählte von hier aus drei Stück. All die Leute, die auf dem Weg in die südlichen Schären waren. Sie ließ sich treiben. Das Wasser war nicht mehr zu spüren, es war ein Gefühl, als triebe sie in der Luft. Ich kann fliegen, dachte sie. Ich kann alles. Werden, was ich will. Ich kann berühmt werden. Fame. I wanna live forever.

Noch dieser Sommer und dann würde sie anfangen, Medizin zu studieren, aber bis dahin waren es noch Millionen Jahre, Millionen Wassertropfen, die nach Salz und Sand schmeckten, wenn sie tauchte.

Das Wasser war grün und trüb. Sie sah einen Schatten, vielleicht ein Fisch. Oder ein Froschmann.

Sie würde ein Jahr studieren, und dann würde sie ein Jahr Pause machen, da konnte Papa sagen, was er wollte. Er würde sagen, sie sei ja ganz gut darin, sich ihre Freiheit zu nehmen, aber was sollte aus allem anderen werden?

Sie wollte nicht mehr zu Hause wohnen.

Sie blieb so lange unter Wasser, wie sie sich traute, dann stieß sie sich vom Grund ab und glitt wieder an die Oberfläche. Sie schwamm zurück zu den Felsen, stakste vorsichtig durch den Tang und zog sich auf einen Stein hoch, der von einem Felsen herausragte.

Die Wunde unter dem großen Zeh blutete, aber nur ein wenig. Sie kletterte zu ihrer Decke hinauf, zog das Handtuch aus dem Netz, trocknete sich die Haare und trank etwas Wasser. Dann setzte sie sich auf die Decke und blinzelte ein paar Tropfen Salzwasser aus den Augen. Sie holte Luft und noch einmal, tief Luft, die voller Sonne war, es brannte fast in den Lungen. Die Wasseroberfläche glänzte wie Fischschuppen, als ob sich dort zehntausend Fische bewegten. Sie hörte ferne Geräusche von den Schiffen, die in alle Richtungen fuhren. Einige verschwanden am Horizont, lösten sich auf. Dort war der Himmel fast weiß, aber nirgends waren Wolken zu sehen. Sie legte sich auf den Rücken. Ein Wassertropfen aus dem Haaransatz lief über ihre Wange, fast spürte sie den Geschmack auf den Lippen. Sie hatte die Augen schon geschlossen. Jetzt war alles rot und gelb in ihrem Kopf. Sie hörte Stimmenfragmente von den Leuten um sie herum, halbe Wörter, das Bruchstück eines Lachens, das aufblitzte wie die Wasseroberfläche in der Sonne.

Sie hatte keine Kraft zu lesen. Sie wollte nichts tun, nur hier liegen, so lange es ging. Nichts tun, nur für immer leben.

Die Sonne stand in Augenhöhe, als sie ihre Sachen zusammensuchte und den Berg hinaufkletterte und den kleinen Hohlweg abstieg hinunter zum Fahrradstand. Ihr war ein wenig schwindlig. Auf ihren Schultern brannte es, obwohl sie sich eingecremt hatte. Auch ihre Wangen brannten, aber nicht zu sehr. Heute Abend würde sich das geben, als ob es in der Haut versunken wäre. Es würde gut aussehen im schummrigen Licht des Straßencafés. Oh, là là.

Sie fuhr am Bootshafen vorbei, schlängelte sich durch eine Gruppe Menschen, die von den Schärendampfern zu den Bussen und Straßenbahnen strömten. Tausend Radfahrer schlängelten sich so voran. Alle wollten gleichzeitig nach Hause, als ob alle immer das Gleiche täten.

Vielleicht tun wir das ja, dachte sie. Im Sommer ergibt sich das so. Alles wird einfacher. Sich sonnen, baden, duschen, feiern. Baden, sonnen, duschen, feiern. Duschen, sonnen, baden, feiern. Sie hielt an, stellte ihr Fahrrad ab und reihte sich in die Schlange vor der Eisbude ein und kaufte sich einen Becher mit zwei Kugeln: Vanille mit »himmlischem Allerlei« wie aus Großmutters Zeiten. Das Eis fing sofort an zu tropfen, aber in einer Waffel wäre es noch schlimmer gewesen. Eine Frau neben ihr sagte, es seien dreiunddreißig Grad. Abends um sechs dreiunddreißig Grad. Man soll sich nicht beklagen, sagte der Mann, der rechts von der Frau stand. Aber trotzdem, sagte die Frau, die Mitte vierzig sein mochte, oder sechzig. Der Boden ist zu trocken.

Mir doch egal, dachte sie, als sie weiterfuhr. Lass es niemals enden. Der Boden kriegt schon, was er braucht, im Herbst.

Über den Feldern an der anderen Seite der Straße, die sich zur Meeresbucht senkten, roch es nach Heu. Sie fuhr durch das kleine Villenviertel, fuhr schneller auf dem Fahrradweg, der neben der Straßenbahnlinie verlief, und war in zehn Minuten zu Hause. Der Vater saß auf der Veranda mit einem Glas, das Whisky zu enthalten schien.

»Da kommt eine Rote Rübe.«

Sie gab keine Antwort.

»Besser als eine Lauchstange.«

»Lauch?«

»Wegen dem Weiß.«

»Ich geh nach oben«, sagte sie und stieg die Treppe hinauf. Es war Whisky. Sie konnte ihn riechen.

»In genau zehn Minuten schmeiß ich den Grill an.«

»Was gibt es?«

»Lachs am Spieß und Anglerfisch, unter anderem.«

»Wann essen wir?«

»In genau fünfundvierzig Minuten.«

Ihr Vater nahm einen Schluck und blickte über den Garten. Das Eis klirrte. Sie konnte es nicht ausstehen, wenn er Whisky trank.

Als sie sich fertig machte, war die Sonne schon hinter den Häusern untergegangen, die Farben wurden dunkler. Das Zimmer lag im Schatten. Sie zog die Vorhänge zurück und ließ die Abenddämmerung herein. Es roch warm und trocken, und das war sie selbst, ihre Haut. Sie stand in Slips vorm Spiegel. Ihre Brüste leuchteten weiß wie Zähne.

Jetzt duftete es nach dem After-Sun-Gel, mit dem sie sich gerade eingerieben hatte. Die Haut war nach dem Duschen schon weicher geworden, vom Süßwasser. Ein schönes Wort. Süßwasser.

Der Vater rief aus dem Garten, und genau in dem Augenblick nahm sie den Geruch nach gegrilltem Fisch wahr, und genau in dem Augenblick merkte sie, was für einen Hunger sie hatte. Wahnsinnigen Hunger. Und Durst.

Elins Zähne blitzten auf der anderen Seite des Tisches.

»Was machst du morgen?«

»Sonnen und baden.«

»Trinken wir noch etwas?«

»Ich glaube nicht. Mir dreht sich schon alles«, sagte sie und nickte zum Bierglas auf dem Tisch.

»Du bist wirklich braun geworden«, sagte Elin.

»Danke.«

»Und dein Haar wird ganz weiß.«

»Soll das ein Kompliment sein?«

»Das steht dir doch richtig gut.«

»Dann also danke.«

»Ich glaube, ich möchte noch ein Bier«, sagte Elin. »Bei der Hitze hat man ja ständig Durst.« Sie stand auf. »Am besten, ich hol es mir selbst. Bis hierher an den Rand schafft es die Bedienung nie.«

Sie saßen in der äußersten linken Ecke des Straßencafés, hinter ihnen war eine kleine Einbahnstraße.

»Du möchtest also nichts mehr?«

Sie schüttelte den Kopf. Elin ging zum Tresen, sie sah, wie sie sich zwischen den Tischen hindurchschlängelte, und musste daran denken, wie sie sich selbst heute im Meer an den Quallen vorbeigeschlängelt hatte.

»Übrigens«, rief sie, »ich nehm doch noch ein Kleines.«

Sie blieben sitzen, lange. Die Wärme stand zwischen den Häusern, hatte sich langsam auf die Straße gesenkt.

»Es ist immer noch genauso warm«, sagte Elin. »Keine Sonne mehr, aber die Wärme bleibt.«

Sie nickte, ohne zu antworten.

»Die Abende sind eigentlich das Schönste am Sommer in der Stadt«, sagte Elin. »Summer in the city.«

Sie nickte wieder.

»Mensch, bist du heute aber gesprächig!«

»Ich bin nur so verflixt müde.«

»Es ist doch gerade erst kurz nach Mitternacht.«

»Ich weiß. Es muss von der Sonne kommen.«

»Und dabei hab ich mich den ganzen Tag hinter der Kasse gequält.«

»Morgen hast du frei.«

»Gerade deshalb hab ich jetzt Lust auf ’ne kleine Paaarty.« Sie wiederholte es: »Paaarty.«

»Ich weiß nicht, Elin.«

»Himmel. Das mit dem weißen Haar hab ich doch nicht wörtlich gemeint. Weißes Haar braucht doch nicht siebzig plus zu bedeuten. Mensch! Du gähnst ja schon wieder.«

»Ich weiß. Entschuldige.«

»Und was machen wir jetzt?«

»Heute Abend? Oder heute Nacht?«

»Nein, ich meine natürlich einen Abend im November 2003.«

»Ich weiß nicht …«

»Soll ich etwa allein in den Club gehen?«

»Nein«, antwortete sie, »schau mal, da kommt ja die ganze Clique.«

Es war die Clique. Drei Jungen und zwei Mädchen. Für sie war es das perfekte Timing, denn sie hatte nicht die Absicht, die ganze Nacht durchzumachen. Es musste von der Sonne kommen. Eine reichliche Überdosis Sonne.

»Nur meinetwegen musst du jetzt nicht mitkommen«, sagte Elin.

»Was?«, fragte einer der Jungen.

»Sie braucht ihren Schlaf«, sagte Elin und nickte lächelnd in ihre Richtung.

»Ich bin plötzlich so wahnsinnig müde«, sagte sie.

»Dann fahr doch nach Hause und leg dich schlafen«, sagte der Junge. »Soll ich dir einen Fahrer vom Pflegedienst bestellen?«

Sie streckte ihm die Zunge heraus, und er lachte. »Ich gehe.«

»Du gehst?«

»Ja, ich geh, ein Stück.«

»Mensch, das ist doch weit. Und die letzte Straßenbahn ist bestimmt schon weg.«

»Es gibt doch noch den Nachtbus. Fürs letzte Stück nehm ich ein Taxi.«

»Nimm besser eins direkt von hier aus«, sagte Elin.

»Was soll denn das jetzt? Was meinst du denn damit?«

»Dass man um diese Zeit nicht allein durch die Stadt rennen soll.«

Sie blickte sich um.

»Allein? Die ganze Stadt wimmelt doch von Menschen.« Sie sah sich noch einmal um. »Und alles Leute in unserem Alter.«

»Mach, was du willst«, sagte Elin.

»Gehen wir?«, fragte jemand aus der Clique.

Sie standen auf.

»Also morgen um elf?«, sagte Elin.

»Bist du dann schon wach?«

»Wenn’s ums Sonnen geht, schaff ich das.«

»Du weißt, wo ich liege«, sagte sie, sagte tschüss und machte sich Richtung Süden auf den Weg.

»Ruhe in Frieden«, sagte einer der Jungen.

»Was für ein dämlicher Kommentar«, sagte Elin.

Am Taxistand zögerte sie. Plötzlich war sie wieder munter, als ob der Spaziergang sie wieder wach gemacht hätte oder so was. Sie zögerte. Schaute zum Park. Dort waren genauso viele Leute wie in dem Straßencafé, fast noch mehr. Alles war erleuchtet, die Bäume und Büsche glänzten in einer kräftigen Farbe, es sah aus, als ob die Blätter angemalt wären. Von dort kam eine angenehme Kühle, sie spürte es. Es roch gut. Und dazu die Kühle. Sie konnte den Park durchqueren und auf der Straße dahinter rauskommen. Rundherum waren Tausende von Leuten, überall. Sie hörte Musik aus dem Lokal, das auf der anderen Seite vom Teich lag. Bis dahin waren es nur hundert Meter.

Etwas zog sie an, aus dem Park. Sie stand im Gras. Dort roch es noch besser. Überall hörte sie Stimmen, wie heute am Strand. Wenn sie die Augen schloss, hörte sie Fragmente der Stimmen, Bruchstücke.

Im Kopf war es jetzt nicht mehr rot und gelb, eher grün mit vielleicht ein bisschen Gelb. Sie öffnete die Augen wieder und überquerte den Rasen. Überall Leute. Überall Stimmen. Sie ging unter Bäumen entlang und konnte die Straße dahinter sehen. Vielleicht zwanzig Meter.

Plötzlich war sie wach, richtig wach, wie am Morgen nach einem langen Schlaf und Frühstück und allem, was dazu gehört.

Über ihr in den Bäumen raschelte es. Sie hatte das Gefühl, durch einen Hain zu gehen. Sie sah die Straßenlaternen. Es wurde schon wieder heller, der Himmel war vor einer Stunde noch blauer gewesen. Es war kurz nach eins. Es rauschte, raschelte. Sie hörte Autos, ein Lachen. Sie überlegte schon, wann das erste Taxi draußen auf der Straße herankommen würde.

Rechts knisterte es, ein Schatten aus den Augenwinkeln wahrgenommen, vielleicht. Sie hörte etwas, einen Vogel. Ein Lachen auf der anderen Seite. Ein Busch bewegte sich in einem plötzlichen Windstoß.

Bald würde sie das letzte Stück hinter sich haben und die andere Seite erreicht haben. Dort würden überall Leute sein, sie hatte keine Angst. Dazu hatte sie ja auch keinen Grund. Fast hätte sie darüber gelacht. Es waren nur noch wenige Schritte.

2

Sie war wie abgestorben, wie in Bewusstlosigkeit versunken, wieder zum Leben erwacht. War nach Hause gekommen. Die Sonne brannte schon heiß, es mochte früher Vormittag sein. Sie war mit gesenktem Kopf über den Berg gegangen, damit ihr niemand ansehen konnte, was sie erlebt hatte, was sie GETAN hatte. Was jemand anders mit ihr gemacht hatte.

Das Zimmer sah wie vorher aus, aber nichts konnte jemals wieder so wie früher werden.

Sie riss sich die Kleider vom Körper, RISS sie herunter und steckte alles in die Waschmaschine, ohne hinzuschauen, und setzte das Programm in Gang. Das Rauschen des Wassers war ein Trost.

Sie stellte sich unter die Dusche und wusch sich UNTER der Haut, so ein Gefühl war das. Lange stand sie da und knetete ihren Körper und beseitigte alle Beweise, während die Waschmaschine die Unterwäsche hin und her schleuderte, die Beweise auflöste, hin und her. Es gab keine mehr, als Kriminalinspektor Fredrik Halders und Aneta Djanali eine Stunde später vom Ermittlungsdezernat des Landeskriminalamts kamen, und nichts, als die Spurensicherer im Polizeipräsidium am Ernst Fontells Plats schließlich versuchten, doch noch etwas im Gewebe zu finden.

Kriminalkommissar Winter hatte sie geschickt, Erik Winter, der jedes Mal einen Serienvergewaltiger im Verdacht hatte. Und bei zwei früheren Fällen hatte er Recht gehabt.

Aneta Djanali sah den Park, als sie daran vorbeifuhren. So viel wussten sie: Das Mädchen hatte ihren Eltern erzählt, dass es im Park passiert war. Winter hatte Leute losgeschickt. Aneta Djanali sah den Hund. Kein Hund zum Spielen. Nichts war hier Spiel. Drei uniformierte Polizisten standen auf dem Parkplatz herum. Dort waren an die zehn Autos abgestellt.

»Glaubst du, die kontrollieren die Autos?«, fragte Halders hinterm Steuer.

»Jedenfalls nicht in diesem Augenblick.«

»Es ist zum Verrücktwerden. Fünfundzwanzig Bullen mit den Händen in den Hosentaschen, und der Kerl ist längst über alle Berge und hat das Auto vergessen, und es ist der grüne Manta in der Mitte. Oder der schwarze Volvo.«

»Es sind drei Leute, nicht fünfundzwanzig.«

Aneta sah, wie einer der Polizisten einen Notizblock hervorholte und anfing, die Autokennzeichen aufzuschreiben.

»Jetzt fangen sie an.«

Das Haus lag ein Stück abseits von der Straße, hinter einer Mauer. Auf der anderen Seite glänzte das Meer, nur ein paar hundert Meter entfernt. Halders roch das Meer, hörte die Möwen, sah das Wasser, die Segel, einige Fähren, einen Katamaran, Öltanks, drei Kräne auf der stillgelegten Werft am anderen Flussufer. Den Horizont.

Das Haus zählte zur Fünf-Millionen-Klasse, aber das durfte ihn nicht beeinflussen. Die Leute hatten das Recht, mehr Geld zu besitzen als er. Es könnte neu gebaut worden sein. Von griechischer Architektur inspiriert. Zum Teufel, es sah aus wie ein ganzes griechisches Dorf.

Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, spürte seinen Rücken unter dem Hemd. Aneta wirkte richtig kühl dagegen. Musste was mit den Genen zu tun haben. Außen schwarz und innen kühl.

»Okay«, sagte er und drückte auf den Klingelknopf, der klein und kaum auf dem gelblichen Putz zu erkennen war.

Die Tür öffnete sich unmittelbar, als ob der Mann dahinter gestanden und auf das Klingeln gewartet hätte. Er trug eine kurze Hose und ein Hemd, war barfuß, sonnengebräunt, um die fünfzig, Brille mit dünnem Rand, dünnes Haar, das im Nacken länger war, insgesamt alles an ihm ziemlich dünn, dachte Halders. Rote Augen. Ängstliche Augen. Etwas Neues, Unbekanntes war in sein Heim eingedrungen.

Die Wirklichkeit stürmte gleich zweimal auf den Mann ein: erst die vergewaltigte Tochter, dann zwei Bullen in Zivil. Das eine folgte dem anderen. Noch nie auf so eine Idee gekommen, dachte Halders. Wir sind die einen, die dem anderen folgen, das Gute nach dem Bösen, aber dem Mann ist das sowieso verdammt egal.

Sie stellten sich vor.

Der Mann, der Kurt Bielke hieß, führte sie ins Haus.

»Jeanette ist in ihrem Zimmer.«

Halders schaute die Treppe hinauf. »Es wird nicht lange dauern. Danach muss sie sofort in die Frauenklinik.«

»Ich weiß, dass sie untersucht werden muss«, sagte Kurt Bielke und strich sich mit der Hand über die hohe Stirn. »Aber muss sie wirklich dahin?« Er wandte sich an Aneta Djanali. »Sie will das nicht.«

»Es ist wichtig«, sagte Aneta Djanali. Aus mehreren Gründen, dachte sie.

»Können wir jetzt mit ihr sprechen?«, fragte Halders.

»Ja … natürlich.« Bielke ging in Richtung Treppe. Dann blieb er stehen, wie angewurzelt, bevor sich sein Kopf wieder bewegte. Er sah sie nicht an. »Es ist da oben.«

Sie stiegen die Treppe hinauf und blieben vor einer geschlossenen Tür stehen. Aneta Djanali hörte von draußen die Geräusche des Sommers. Ein Seevogel lachte laut, gefolgt von einem Echo, das in der Meeresbucht verschwand. Ein Hund bellte. Ein Auto hupte. Ein Kind rief etwas mit schriller Stimme.

Der Mann klopfte an die Tür. Keine Antwort. Er klopfte noch einmal.

»Jeanette?«

Von drinnen hörte man eine Stimme, aber keine Wörter.

»Jeanette? Die Pol… Polizei ist da.«

Wieder Laute von drinnen.

»Wir gehen jetzt rein«, sagte Halders.

»Soll ich dabei bleiben?«, fragte der Mann.

»Nein«, sagte Halders und klopfte selbst an die Tür. Dann drückte er die Türklinke herunter, die Tür war offen, und sie betraten das Zimmer.

Das Mädchen saß im Morgenmantel auf einem Bett. Es war so dunkel im Zimmer, wie es eben sein konnte hinter heruntergelassenen Jalousien. Die Sonne war gleich da draußen, und das grelle Licht versuchte ins Zimmer einzudringen. Als ob sie Schutz davor in einer Ecke des Bettes sucht, dachte Aneta Djanali. Sie drückte sich gegen die Wand. Jeanette heißt sie, nicht »sie«. Sie hat einen Namen, aber plötzlich bedeutet das nichts, manchmal nicht mal für das Opfer selbst.

Jetzt bin ich mit Reden an der Reihe.

Aneta Djanali stellte sich und Halders vor. Er nickte, sagte nichts, setzte sich auf den Schreibtischstuhl und sah sie an, nickte freundlich.

Jeanettes Gesicht wurde zum Teil von dem Handtuch verborgen, das sie nach dem langen Duschen um den Kopf geschlungen hatte. Den Morgenmantel hielt sie am Hals mit einer schmalen Hand zusammen. Anetas Augen hatten sich an das Dämmerlicht im Zimmer gewöhnt, und sie sah die zarte Haut auf den Mädchenfingern. Sie war wie aufgeweicht.

Sie muss stundenlang unter der Dusche gestanden haben. Das hätte ich auch getan.

Aneta Djanali stellte einige kleine Fragen, was ihr gerade so einfiel, jetzt zu Beginn des ersten Verhörs. Die Antworten waren knapp, kaum zu verstehen. Sie mussten näher heranrücken, aber nicht zu nah. Jeanette erzählte vom Park. Ja, es war spät gewesen. Nein, früh. Spät und früh. Sie war allein gewesen. Sie war diesen Weg schon öfter gegangen. Viele Male, auch nachts. Allein? Ja, allein.

Diesmal hatte sie sich von den anderen jedenfalls gerade erst getrennt. Sie war vorher an zwei verschiedenen Orten gewesen, nannte die Namen. Halders machte Notizen. Sie erzählte, wer dabei gewesen war, jedenfalls eine Weile.

Sie waren auf einer kleinen Abi-Nachfeier gewesen. Ein Viertel der Klasse. Seit dem Abi war ein Monat vergangen.

Aneta sah die weiße Mütze auf der Kommode unterm Fenster. Sie leuchtete wie von innen heraus in der Dämmerung.

Eine kleine Abifeier. Anetas Blick wanderte von der Studentenmütze zu Jeanettes Gesicht. Neunzehn Jahre alt. Sie wollte nach Freunden fragen, wusste aber, dass es besser war, damit zu warten. Jetzt war das unmittelbar Geschehene wichtig, die wenigen Fragen danach, was passiert war, wann, wie, wann, wie, wann, wie. Fragen, zuhören, schauen. Das hatte sie schon oft genug gemacht, um zu wissen, dass es für sie als Ermittlerin das Wichtigste war, das zu sehen, was sie das Ereignis hinter dem Ereignis nannte. Einen Bericht nicht einfach sofort hinzunehmen. Den Bericht des Opfers. Schon jetzt über die schwere Frage nachzugrübeln: War es wirklich so? Hat es sich wirklich so abgespielt?

Sie bat Jeanette Bielke zu erzählen, wie viel sie von dem Mann gesehen hatte, der sie vergewaltigt hatte.

Plötzlich sagte Jeanette, sie wolle zum Krankenhaus fahren, sofort wolle sie hinfahren. Aneta Djanali hatte gewusst, dass es so kommen würde oder vielleicht so kommen musste.

»Gleich. Nur noch eine Frage. Eine Sekunde.«

»Aber ich will JETZT fahren.«

»Können Sie uns nichts von diesem Mann erzählen?«

»Ich erinnere mich nicht.«

»War er groß?«

»Er war groß. Stark, weil ich doch nicht … wag… woll… gewagt habe, mich zu befreien. Zuerst hab ich es versucht … aber dann ging es nicht.«

Sie hatte angefangen zu weinen, zerrte am Handtuch und wischte sich damit über die Augen, es löste sich und fiel herunter und entblößte ihre nassen Haare, sie lagen wie festgeklebt um ihren Kopf.

»Er … hat mich festgebunden«, sagte sie.

»Sie festgebunden?«

»Ja.«

»Wie?«

»Er hat mir … eine Schlinge um den Hals … um den Hals gelegt. Und die Arme … dann …« Sie griff sich an den Hals. Aneta Djanali sah es jetzt, um ihren Hals lief ein schmaler roter Strich.

»Es war wie eine Leine«, sagte Jeanette. »Die roch zwar nicht nach Hund, aber es war so eine Leine.« Sie sah Aneta Djanali jetzt direkt an. »Ich hab gesehen, dass es geblitzt hat. Glaube ich.«

»Geblitzt?«

»Etwas an der Leine hat geblitzt. Ich glaube, so war es. Als ob da Nieten oder so was dran gewesen wären.«

Sie schüttelte sich, räusperte sich, schüttelte sich wieder. Aneta sah Fredrik an, der nickte.

»Noch eine letzte Frage, Jeanette. Hat er was gesagt?«

»Er hat … etwas … gesagt.«

»Was hat er gesagt?«

»Ich hab’s nicht verstanden.«

»Aber Sie haben Wörter gehört?«

»Ja …«

»Aber die Sprache haben Sie nicht verstanden?«

»Das war keine Sprache.«

»Wie meinen Sie das? Keine Sprache?«

»Es war wie ein Reim – ohne Sinn. Er hat was vor sich hin gebrabbelt, das ich nicht verstehen konnte.«

Aneta Djanali nickte, wartete. Jeanette sah sie an.

»Dreimal hat er das gemacht, gebrabbelt. Oder war es nur einmal? Genau in dem Moment, als er … als er …«

Vor dem Fenster lachten die Möwen, sie kamen vom Meer zurück. Ein Automotor wurde gestartet. Wieder rief ein Kind. Jeanette rubbelte ihre Haare mit dem Handtuch. Es war warm im Zimmer, stickig.

Aneta Djanali wusste, dass Jeanette alles gesagt hatte, was sie im Moment sagen konnte, und jetzt war es höchste Zeit, dass sie ins Krankenhaus kam.

Sie sah, wie Fredrik sich erhob. Alles hatte seinen normalen Lauf genommen: Vergewaltigung. Anzeige. Das erste Verhör. Antrag auf gerichtsmedizinisches Attest. Transport zur Frauenklinik.

Scheiße.

Es war eine wirkliche. Keine Fantasie.

Jeanette Bielke war auf dem Weg zum Östra-Krankenhaus, Aneta Djanali und Halders fuhren zu dem Park, in dem es passiert war.

»Was hältst du von der Personenbeschreibung?«

Halders zuckte mit den Schultern.

»Groß. Stark. Dunkler Mantel. Hat nach nichts Besonderem gerochen. Mit einer Würgeleine bewaffnet. Hat Reime gebrabbelt. Oder nur was Unverständliches gesagt.«

»Könnte irgendein Sven Svensson gewesen sein«, sagte Halders.

»Findest du glaubwürdig, was sie erzählt hat?«

»Ja.«

»Ich hätte sie mehr fragen wollen.«

»Du hast herausbekommen, was du im Moment herausbekommen konntest.«

Aneta schaute hinaus in den Sommer. Die Leute waren leicht bekleidet. Ihre Gesichter leuchteten mit der Sonne um die Wette. Der Himmel war blau, keine Wolken. Eis, leichte Kleidung und lockeres Leben. Da draußen blies einem der Wind nicht ins Gesicht.

»Es ist beschissen.«

»Hoffentlich ist das nicht bloß der Anfang.« Halders warf ihr einen Blick zu. »Du weißt, was ich meine.«

»Sag es nicht.«

Halders dachte daran, was Jeanette vom Aussehen des Mannes erzählt hatte, das, was sie hatte sehen können. Der Vergewaltiger. Sie mussten die Untersuchung abwarten, aber er war sicher, dass es hier um Vergewaltigung ging.

Nie konnten sie sicher sein, was das Aussehen betraf. Die Personenbeschreibung war das Schwerste. Verlasst euch nie ganz und gar auf die Täterbeschreibung, sagte er immer. Nichts braucht mit den wirklichen Umständen übereinzustimmen. Dieselbe Person kann in den Augen des Zeugen und in seiner Erinnerung in der Größe von 1,62Meter bis 1,97Meter variieren. Alles kann variieren.

Im letzten Jahr hatten sie einen Verrückten gehabt, der schlug die Leute von hinten nieder, wahllos, ohne erkennbares Muster, er schlug sie nieder und klaute ihr Geld, aber er hatte die Eigenart, sich von der Seite zu zeigen, das war wohl das Muster. Eine Art Gruß, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und dann schlug er zu.

In einer Sache waren sich die Opfer ziemlich einig: Er erinnerte an den Glöckner von Notre-Dame; untersetzt, krummrückig, Glatze, zog den einen Fuß nach, als würde er Kartoffeln setzen …

Als sie ihn dann schnappten, tatsächlich auf frischer Tat, zeigte es sich, dass er 1,95 Meter war, dicke krause Haare. Er hätte in jeder Soap opera den feurigen Liebhaber spielen können.

Es hing von so vielem ab. Was man sah. Die Dunkelheit. Wie das Licht einfiel. Der Schreck, die Angst. Vor allen Dingen der Schreck.

Er bog ab und parkte ein. Die Uniformierten waren nicht mehr da. Das Gebiet war abgesperrt, zwei Leute von der Spurensicherung krochen auf der Erde herum. Eine Gruppe Kinder stand vor der hintersten Absperrung, sie flüsterten und guckten. Erwachsene kamen vorbei, blieben stehen, gingen weiter.

»Was gefunden?«, rief Halders, und die Leute von der Spurensicherung schauten auf und dann wieder runter, ohne zu antworten. Halders hörte kurzes Hundebellen und sah den Hund und seinen Führer.

»Was gefunden?«, wiederholte er seine Frage an den Hundeführer gerichtet.

»Zack hat da hinten irgendwas gewittert, aber der Wind hat es weggetragen.«

»Vielleicht hinauf in den Baum.« Halders guckte nach oben.

»Warst du dabei, als wir letztes Jahr den Kerl geschnappt haben, der sich auf einem Baum zu verstecken versuchte?«, fragte der Hundeführer.

»Ich hab davon gehört.«

»Diese Bäume hier sind sauber.«

»Wie ist er denn von hier weggekommen?«

»Gelaufen, nehme ich an. Oder gefahren. Da musst du mit den Leuten von der Spurensicherung reden.«

»Ja.«

»Aber wahrscheinlich gibt es keine Spuren. Es ist ja so verdammt trocken.«

Halders sah sich um. Aneta Djanali schaute zu den Leuten der Spurensicherung. Der Hundeführer blieb stehen. Sein Schäferhund studierte Halders, dann die anderen Polizisten. Halders sah sich wieder um, ging ein paar Schritte.

»Bist du früher schon mal hier gewesen?«, fragte er den Hundeführer.

»Wie meinst du? Wegen eines Verbrechens?«

»Ich rede nicht von deinem Privatleben, Sören. Musstest du schon mal hier anrücken wegen einer Vergewaltigung?«

»Zu diesem Park?«

»Ja, und an dieser Stelle.«

Halders stand direkt vor der kleinen Absperrung, sie wirkte albern, als hätten die Kinder, die immer noch zuschauten, sie aufgebaut. Rechts lag der Teich. Die Flamingos, die dort am Wasserrand auf einem Bein standen, leuchteten rosa.

Die Techniker krochen um ein Gebüsch herum.

Daneben standen zwei Bäume. Bis zu denen waren es an die drei Meter. Ahorn? Zwischen den beiden Bäumen war ein Durchgang, breit genug für einen Menschen, um hindurchzugehen. Dahinter war es schattig. Ein großer Steinblock bildete eine höhlenähnliche Kluft hinter den Bäumen. Die Techniker bewegten sich jetzt dort drinnen, waren auf dem Weg in die Höhle.

Ein idealer Vergewaltigungsort.

Guter Gott, dachte Halders. Jetzt sah er es. HIER ist das ja gewesen.

Der asphaltierte Weg führte zehn Meter entfernt vorbei, aber es könnten genauso gut hundert sein. Tausend. Hinter dem Parkplatz war eine kleinere Straße. Eine Hecke trennte die Autos vom Park. Die Beleuchtung im Park war ein Witz. Hundert Nächte war er hier Streife gegangen, und die Beleuchtung war eher ein Hindernis als eine Hilfe gewesen. Sie war nicht verbessert worden, trotz dessen, was hier schon einmal passiert war.

Ein idealer Ort. Der Schatten zwischen den Bäumen schien nur zu warten.

Er hatte es nicht sofort begriffen.

»An dieser Stelle?« Der Hundeführer sah sich um. »Nee, ich glaub nicht.« Er schaute Halders an. »Wieso?«

»Es ist schon mal passiert«, sagte Halders.

»Jetzt kann ich dir nicht folgen.«

»Es war genau hier. Scheiße, Sören, es ist dieselbe Stelle. DERSELBE Ort.«

»Das musst du mir erklären.«

»Hast du vor fünf Jahren noch nicht hier gearbeitet?«

»Ich bin erst vor vier Jahren gekommen.«

»Aber du kennst doch den Fall Beatrice?«

Der Hundeführer sah Halders an.

»Beatrice? Das Mädchen, das ermordet wurde?«

»Vor fünf Jahren. Erst ist sie vergewaltigt worden. Vergewaltigt und dann ermordet.«

»Ach so, das, natürlich weiß ich davon. Hab’s ja damals gelesen. Wir haben …«

»Hier war das«, sagte Halders.

»Hier?«

»Hier ist das passiert«, sagte Halders zum Hundeführer und zu Aneta Djanali, die gerade auftauchte. »Hier ist Beatrice gefunden worden. Sie lag da drinnen in der Spalte. Zwischen den Bäumen lag sie, wie in einer Höhle.«

Vergewaltigt und erwürgt mit einer Hundeleine, dachte er. Wir haben die Leine nicht gefunden, aber so war es.

Er sah, wie der Hund seinem Blick zur Höhle folgte und zurück. Der Hund zerrte an der Leine, dann wurde er ruhig.

3

Winter spürte den festen Griff der Hand um seinen Finger. Elsa gurgelte zur Begrüßung. Er küsste sie hinters Ohr, sie lachte, er pustete ein bisschen gegen ihren Hals, und sie lachte noch mehr.

Er hatte sich immer noch nicht an dieses Lachen und dieses Gurgeln gewöhnt, das lange durch die Wohnung rollen konnte. Seine Tochter war bald fünfzehn Monate alt. Ihre Laute rissen die Stille von den Wänden wie eine trockene Tapete. Dass ein so kleiner Körper so laute Geräusche hervorbringen konnte!

Angela kam aus der Küche, setzte sich in einen der Sessel und knöpfte das karierte Hemd auf. Sie sah Winter und Elsa auf der Decke auf dem Fußboden an.

»Frühstück«, sagte sie.

Winter blies hinter Elsas Ohr.

»Zeit fürs Frühstück«, sagte Angela.

Elsa lachte.

»Sie scheint keinen Hunger zu haben«, sagte Winter und sah Angela an.

»Bring sie her, dann wirst du schon sehen.« Angela lachte. »Aber das wird das letzte Mal. Ich will nicht mehr stillen. Himmel.«

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