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Sascha schreibt gerne erotische Geschichten. Doch an diesem Tag steckt er in einer tiefen Schaffenskriese. Das, was ihm sonst so leicht aus dem Kopf und durch seine Finger in die Tastatur seines Laptops geflossen ist, will einfach nicht mehr funktionieren. Da meldet sich seine beste Freundin Nadine bei ihm. Als sie erfährt, welches Problem Sascha plagt, lässt sie alles liegen und stehen und sucht ihn auf. Mit den passenden Stichwörtern und prickelnden Ideen versucht sie, ihm wieder auf die kreative Schiene zu bringen. Aus Nadines spontanem Rettungsversuch wird schließlich fast eine ganze Nacht. Und irgendwann erkennt Sascha, dass er gerne mehr wäre, als Nadines bester Freund...
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Veröffentlichungsjahr: 2013
Ich sitze hier an meinem Schreibtisch und starre auf meinen Laptop. Die Tastatur scheint mich ebenso anzustarren. Aufreizend. Gehässig. Schadenfroh. Als wollte sie mir sagen: Du hast es nicht mehr drauf! Vielleicht hat sie ja recht. Überhaupt scheint sie in den letzten Tagen mein absoluter Feind zu sein. Jeden meiner Gedanken, den ich ihr eingebe, verwandelt sie auf dem Bildschirm in den letzten Mist. In meinem Kopf hat sich eine merkwürdige Leere breit gemacht. Und ich schaffe es einfach nicht, diese Leere wenigstens ein bisschen zu füllen. Meine Gedanken versuchen verzweifelt, die eine oder andere Idee festzuhalten. Es gelingt nicht. Mein Blick wandert zum Fenster meines Arbeitszimmers. Ich schaue auf die andere Seite des Hinterhofes, wo das Badezimmerfenster der gegenüberliegenden Wohnung ist. Die Frau, die dort wohnt kenne ich nur vom Sehen. Sie mag mittleren Alters sein, vielleicht Mitte dreißig. Etwa eins sechzig groß. Lange, glatte, blonde Haare. Ihre Figur ist schwer einzuschätzen, da sie meistens weit geschnittene Klamotten trägt, obwohl ihr körperbetonte Kleidung sicherlich besser stehen würden.
Das Fenster ist von innen bis zur Sichthöhe mit dieser Folie beklebt, die alle Konturen verwischen lässt. Es ist später Nachmittag. Um diese Zeit kommt sie meistens von der Arbeit nach Hause. Ich hab keine Ahnung, womit die Frau sich ihren Lebensunterhalt verdient. Auch lebt sie offensichtlich alleine. Jedenfalls habe ich noch nie gesehen, dass sich jemand anderes, als sie dort drüben aufhält.
Jetzt steht sie im Bad. Anscheinend ist sie gerade aus der Dusche gekommen. Auch eine Angewohnheit von ihr. Wenn ich auch sonst nichts von ihr weiß, so sind es doch diese wiederkehrenden Dinge, die mir auffallen und in meinem Gedächtnis bleiben. Sie scheint vor dem Spielgel zu stehen mit einem Haartrockner in der Hand. Und sie scheint nackt zu sein. Das lässt zumindest die tanzende Kontur auf der Folie erahnen. Wenn ich diese Kontur in Gedanken auf die reale Gestalt der Frau interpoliere, dann hat sie sicherlich einen hinreißenden Körper. Schlank und wohl proportioniert. Meine Vermutung stützt sich allerdings nur auf den Bereich von ihrem Bauch aufwärts. Möglicherweise hat sie darunter einen ziemlich dicken Hintern. Doch das kann ich mir nicht wirklich vorstellen.
Doch auch dieser, sich fast jeden Tag wiederholende Anblick schafft es nicht, dieses blöde Loch in meinem Kopf zu stopfen. Es ist fast so, als hätte sich eine metallene Spange um meinen Schädel gelegt, die jede meiner Ideen im Keim erstickt. Nicht mal der kleinste verwertbare Gedanke schafft es an diesem Hindernis vorbei.
Mein Blick fällt wieder auf den Laptop und ich versuche, das hämische Grinsen der Tastatur zu ignorieren. 17:47 steht in der rechten unteren Ecke des Bildschirms. Resignierend klappe ich ihn zu und lehne mich zurück. Dann schaue ich wieder hinüber zu dem Fenster, hinter dem noch immer die Blondine steht und sich jetzt die langen Haare durch bürstet. Noch immer hat sie nichts an. Ich versuche, ein bestimmtes Bild in meinen Gedanken zu formen. Wie sich meine Hände auf ihre Taille legen und langsam nach vorne auf ihren Bauch wandern. Doch dann platzt auch diese Vorstellung, wie eine Seifenblase, Millionen mikroskopisch kleine Tröpfchen in der Luft hinterlassend. Und auch diese Tröpfchen grinsen mich schaden froh an. Scheiße!
Schwerfällig stemme ich mich aus dem Stuhl hoch. Ein leises Grollen in meinem Bauch macht mich darauf aufmerksam, dass ich was essen sollte. So weit ist es also schon. Noch nicht einmal auf den Gedanken, dass ich Hunger habe, komme ich von selbst. Also gehe ich in die Küche. Es ist vielmehr ein Schlurfen und meine Körpersprache gibt die Blockade, die mein Hirn umgibt, in ihrer ganzen Deutlichkeit wider. Mehr instinktiv öffnet meine Hand den Kühlschrank. Meine Augen sehen Wurst, Käse, Salzbutter und ein Glas Gurken ohne wirklich die Erkenntnis in meinem Kopf zu wecken, dass diese Dinge der Nahrungsaufnahme dienen. In der Tür steht eine Flasche Orangensaft. Daneben noch eine Flasche Prosecco. Seit wann steht die da? Ich ignoriere die Getränke und hole die Wurst und die Salzbutter heraus und lege beides auf die Theke unter dem Fenster. Der Griff in die Schublade nach einem Messer ist ebenso mechanisch, wie das Hervorholen von Brot und Brotschneidemaschine aus dem Schrank über der Spüle. Die beiden Scheiben, die ich von dem Laib herunter schneide sind dünn, wie Zeitungspapier. Nicht mal das funktioniert...
Die Melodie des Telefons schreckt mich auf. Ravels Bolero. Ich weiß nicht mehr, was mich mal geritten hat, ausgerechnet diesen Klingelton einzustellen. Ich gehe wieder ins Arbeitszimmer, greife nach dem Telefon und schaue aufs Display. Nadine... Von der habe ich seit zwei Wochen nichts mehr gehört. Sicher war sie sauer auf mich, weil ich sie versetzt habe, als sie mit mir Essen gehen wollte. Das war vor ziemlich genau zwei Wochen gewesen. Der Tag, an dem ich meiner Tastatur meinen letzten guten Gedanken mitgeteilt habe. Mein Daumen drückt auf den Knopf mit dem grünen Hörersymbol.
„Hallo Nadine!“ sagt meine Stimme. Es dauert zwei Sekunden, bis die Antwort an mein Ohr dringt.
„Woher weißt Du, dass ich das bin?“ Nadines Stimme ist wie immer Glocken klar. Ihre Lippen haben noch nie in ihrem Leben eine Zigarette gesehen. Und sie klingt freundlich. Also kein Anzeichen, dass sie noch irgendwie verstimmt wäre.
„Mein Telefon kennt Deine Nummer...“ Meine Stimme klingt gleichgültig. Zu gleichgültig, obwohl ich mich freue, ihre Stimme zu hören.
„Ach so... Ja, nee... Schon klar...“ Eine blöde Spruchkombination. Doch bei Nadine klingt sie irgendwie anders.
„Was gibt es denn?“ frage ich. Vielleicht will sie wieder mit mir Essen gehen. Oder vielleicht ins Kino. Der Zeitpunkt wäre angesichts meiner Gedankenblockade nicht mal ungünstig.
„Ich wollte mich mal erkundigen, wie es Dir geht.“ Eine Allerweltsfrage. Wenigstens kein Vorwurf wegen der Sache vor zwei Wochen.
„Geht so...“ sage ich einsilbig. Verdammt! Warum kann ich nicht wenigsten durch meine Stimme zeigen, dass mir Nadines Anruf jetzt gerade recht kommt.
„Geht so bedeutet, dass es Dir scheiße geht!“ Sie kennt mich zu gut. „Bist Du am Schreiben?“ Und sie trifft prompt den springenden Punkt. Sie kennt mich wirklich gut. Nadine ist meine beste Freundin. Und eine der Frauen, mit denen ich noch nie was hatte und mit der ich auch noch niemals im Bett gelandet bin. Wenn ich es recht bedenke, dann kann man das Verhältnis zwischen uns schon eher wie Schwester und Bruder beschreiben.
„Ich versuche es.“ antworte ich wahrheitsgemäß.
„Das bedeutet, dass nichts – und ich meine absolut gar nichts – zusammen geht. Richtig?“ Manchmal glaube ich sogar, dass sie in der Lage ist, meine Gedanken zu lesen. Genauso oft, wie ich versucht habe, mir vorzustellen, wie es wäre, sie zu berühren. Und zwar da, wo sich Freunde normalerweise nicht berühren. Ich seufze.
„Richtig...“
„Was ist los mit Dir?“ Ehrliches Interesse liegt in ihrer Stimme. Kein versteckter Vorwurf. „In den letzten zwei Wochen hab ich Dein letztes eBook gelesen. Wirklich klasse!“
„Tatsächlich?“ Ich bin ein bisschen überrascht. „Ich dachte schon... Weil Du Dich nicht mehr gemeldet hast...“
„Dass ich sauer auf Dich bin?“ unterbricht sie mich. „Weil Du mich versetzt hast?“ Sie hat es also doch nicht vergessen. „Am Anfang schon.“ Mist! Jetzt kommt der Anschiss. „Aber nicht lange.“ Ihr Lächeln dringt bis zu mir. Sofort hellt sich meine schlechte Laune ein wenig auf. Zwar nur ein kleines Bisschen, aber immerhin. „Ich weiß doch, dass Dich nichts mehr halten kann, wenn die Gedanken aus Dir heraus sprudeln.“
„Es... Es tut mir leid...“ stammele ich kleinlaut und wundere mich gleichzeitig darüber, warum ich mich wie ein getretener Hund verhalte.
„Vergiss es!“ Für sie war das Thema schon vor zwei Wochen beendet. „Ich war mit Nina und ihrer Zwillingsschwester zum Essen.“
„Und? Wie war es?“ frage ich, froh über den kleinen Richtungswechsel.
„Na wie schon? Gegackere und Ablästern über die Kerle!“ Ihr Lachen klingt wundervoll in meinen Ohren. Ich liebe die Befreiung, die darin steckt. An eine Gelegenheit, wo Nadine ernsthaft sauer über irgendwas oder irgend wen war, kann ich mich nicht erinnern.
„Mich inklusive...“ hake ich ein.
„Möglich...“ sagt sie mit diesem geheimnisvollen Unterton, der sowohl Ja logisch, als auch Wo denkst Du hin ausdrückt.
„Jetzt sag mal... Was ist los?“ Sie überhört nichts und ihr entgeht keine einzige meiner Gefühlsregungen.
„Ach... Es ist...“ Ich suche jetzt genauso nach Worten, wie vor fünfzehn Minuten vor dem Laptop. „Es ist wie verhext. Als ob ich ein Loch im Hirn hätte.“
„Ja nee... Schon klar!“ Schon wieder dieser Spruch. „Gehirnwindungskrämpfe. Eisenspangen-Syndrom. Kriegserklärung mit Deiner Tastatur.“
„So in etwa...“ sage ich. Jeder ihrer Begriff trifft genau ins Schwarze.
„Bleib, wo Du bist!“ Was hat sie vor? „Ich bin gleich bei Dir!“ Das Klicken im Hörer klingt wie ein Peitschenknall in meinem Ohr. Noch bevor ich das Telefon wieder in die Ladeschale stellen kann, ertönt wieder der Bolero.
„Ja...?“
„Hab ich noch vergessen... Koch Kaffee!“ Wieder der Klick. Doch diesmal nicht mehr so laut.
Verwirrt stelle ich das Telefon in die Ladeschale. Einen Moment starre ich es genauso an, wie zuvor die Tastatur meines Laptops. Was hat sie vor? Nadine hat meinen Hang zum Schreiben immer toleriert. Obwohl ich nie den Eindruck hatte, dass sie darin mehr sieht, als nur ein eigenwilliges Hobby von mir. Sie hat zwar immer meine Geschichten gelesen und es auch nicht versäumt, kritische Anmerkungen dazu zu machen. Kritisch im Sinne des Wortes. Was immer sie auch in der Richtung zu sagen hatte, hat mich irgendwie weiter gebracht. Doch jetzt ist sie auf dem Weg hier her.
Koch Kaffee! Wird das jetzt eine längere Sitzung, in deren Verlauf sie mich in der Art einer Psychotherapeutin von meiner Blockade befreien will? Ich habe nicht die geringste Ahnung.
In der Küche sehe ich die beiden Scheiben Brot, so dünn geschnitten, wie Lachschinken. Würde ich jetzt versuchen, sie mit der Salzbutter zu bestreichen, dann würden sie wahrscheinlich zerbröseln. Ich wende mich ab und öffne den Schrank, wo das Kaffeepulver steht. Wenn Nadine von Kaffee kochen spricht, dann meint sie eine ganze Kanne voll. Also fülle ich den Wasserbehälter bis zu oberen Markierung, packe die entsprechende Menge Kaffeepulver in den Filter und schalte die Maschine ein. Nadine wohnt nicht weit weg. Mit etwas Glück ist der Kaffee gerade fertig, wenn sie vor meiner Tür steht.
Das Brot, die Wurst und die Butter räume ich wieder weg. Das leise Grollen im Magen ist bei dem Gedanken, was Nadine wohl vorhat, verschwunden. Vielleicht können wir später auch noch was zusammen essen. Besser wäre das bestimmt, denn nur Kaffee im Magen ist auch nicht gerade gesund.
Mein Blick fällt auf die Uhr an der Mikrowelle. 18:25 Uhr. Wenn mich mein Zeitgefühl nicht trügt, dann klingelt es gleich. Ding Dong! Wie auf Kommando. Ich gehe zur Wohnungstür und drücke auf den Knopf der Gegensprechanlage.
„Ja?“ Dumme Frage! Ich weiß doch, wer unten steht und klingelt.
„Hier ist Deine Muse!“ flötet Nadines Stimme aus dem Lautsprecher. Ich gebe keine Antwort und drücke auf den Türöffner. Wenn der Aufzug nicht wieder außer Betrieb ist, dann braucht sie etwa fünf Minuten bis zu mir in den sechsten Stock. Ich gehe nochmal schnell in die Küche und schaue nach, ob alles in Ordnung ist. Im Prinzip überflüssig, denn ich erwarte schließlich kein Date. Innerlich zähle ich die Zeit herunter. Dann höre ich auch schon Schritte im Hausflur. Warum klopft mein Herz? Nadine ist nicht zum ersten Mal bei mir. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft wir schon zusammen an der kleinen Frühstückstheke in der Küche gesessen und uns die Köpfe über alle möglichen Themen heiß geredet haben.
Obwohl ich weiß, dass es passiert, zucke ich zusammen, als es an der Wohnungstür klopft. Ich laufe hin und reiße sie auf. Nadine – wer sonst – steht davor und fährt erschrocken zusammen.
„Nadine?“ entfährt es mir. Warum stelle ich diese blöde Frage?
„Hallo Sascha...“ sie sieht mich an, wie eine Erscheinung. „Hast Du jemanden anderen erwartet?“
„N... Nein.“ Ich öffne die Tür ganz. „Komm doch rein.“ Nadine geht an mir vorbei, als wäre sie selbst hier zu Hause und bedenkt mich mit einem vielsagenden Blick.
„Willst Du nicht ablegen?“ Ich schließe die Wohnungstür und strecke meine Hände nach ihren Schultern aus, um ihr die Jacke abzunehmen. Zum Glück habe ich nichts von Ausziehen gesagt. So wie ich im Moment durch den Wind bin, hätte mir das leicht passieren können.
„Hoppla…?“ Sie betrachtet mich mit skeptischem Blick, während sie sich aus ihrer Jacke windet. „So förmlich heute?“ Ich bringe nur ein schiefes Grinsen zustande und zucke verlegen mit den Schultern. Dann hänge ich hastig die Jacke an den nächst besten Haken und bleibe vor ihr stehen. Meinen Fingern fällt anscheinend auch nichts anderes ein, als sich krampfhaft ineinander zu verwinden. Nadine steht vor mir und schaut mich erwartungsvoll an. Zum Glück fällt mir der Kaffee wieder ein.
„Der Kaffee ist fertig.“ sage ich und deute in Richtung Küche. Mit schnellen Schritten gehe ich voran. Wie kann eine völlig normale Situation mit Nadine nur so peinlich werden? Sie bückt sich und zieht ihr Schuhe und auch die Socken aus. So ist sie nun mal. Locker, unkompliziert und manchmal auch ein bisschen unkonventionell. Mit ein Grund, warum ich sie so sehr mag. Sie folgt mir in die Küche und setzt sich ohne Aufforderung an den kleinen Frühstückstisch, während ich zwei Tassen und Zucker aus dem Schrank hole. Dabei beobachtet Nadine mich, als wollte sie in meinen Bewegungen lesen und vielleicht ein passendes Rezept gegen meine Blockade ableiten. Ich stelle die Tassen auf den Tisch und schenke uns Kaffee ein. Nachdem ich die Kanne wieder in die Kaffeemaschine gestellt habe, setze ich mich auch hin.
„Du bist irgendwie verändert...“ meint sie und rührt in ihrem Kaffee.
„Wie meinst Du das?“ frage ich, obwohl ich selbst ahne, dass es einen Grund für meinen Zustand geben muss.
„Ich weiß nicht. Du wirkst verändert.“ Ich rühre auch in meiner Tasse und zucke mit den Schultern. Bei Nadine habe ich immer das Gefühl, dass sie in mir lesen kann, wie in einem offenen Buch. Normalerweise denke ich darüber nicht nach, dann wir sind uns so vertraut geworden, dass das naheliegend erscheint. Doch heute ruft der Gedanke eine merkwürdige Beklemmung in mir hervor.
„Verändert?“ Sonst rede ich mit ihr, wie mir die Zunge gewachsen ist, doch jetzt fällt mir auch da nichts Besseres ein. Ich lege den Löffel auf den Tisch und greife nach meiner Tasse. Die dunkle Flüssigkeit schlägt kleine Wellen und verrät ein leichtes Zittern meiner Hand. Hoffentlich merkt sie es nicht!
„Sascha...!“ Nadine zieht das Wort in die Länge. Das tut sie immer, wenn sie mit einer Reaktion von mir oder dem, was ich sage, nicht einverstanden ist. „Mach mir doch nichts vor! Du... Der Schreiberling unter der Sonne. Normalerweise gibt man Dir nur zwei oder drei Stichworte und Deine Finger spielen Tornado auf der Tastatur.“
Das ist keine Übertreibung. Manchmal könnte ich aus einer Idee oder einem Gedanken, der nicht länger, als zwei Sätze ist, ein ganzes Buch machen. Doch seit knapp zwei Wochen ist totale Ebbe in meinem Kopf.
„Ja... Schon...“ Ich schüttele unwillig den Kopf. „Ach, ich weiß auch nicht!“
„Kann das sein, dass Du verliebt bist?“ platzt Nadine in ihrer direkten Art heraus. Fast erschrocken hebe ich den Blick und verschütte fast meinen Kaffee.
„Was? Verliebt? Ich?“ Oder doch? „Wo denkst Du hin?“
„Nicht?“ Sie hebt die Augenbraue. „Das soll ich Dir jetzt glauben...?“ Ich weiß nicht, wie ich schauen soll. Wohin ich schauen soll.
„Lassen wir das...“ Nadine winkt ab und nippt an ihrem Kaffee. Ihr Gesicht ist ernst, doch ihre Augen lachen mich aus. Wie kann ein Mensch nur zwei Gesichtsausdrücke gleichzeitig haben? Nadine kann das.
„Du hast also ein Loch in Deinen Gedanken.“ Ich bin froh, dass sie das Thema wechselt und ihre Bemerkung von eben nicht weiter vertieft. Sie sieht mich mit ihrem eigentümlichen Nadine-Grinsen an, hält ihre Tasse in beiden Händen und hebt sie neben ihr Gesicht. „Ich denke, ich muss Dir ein wenig auf die Sprünge helfen...“
„Und wie?“ Interessiert sehe ich sie an und bin gespannt, was jetzt kommt.
„Mir ist da gerade spontan was eingefallen...“ Nadine stellt die Tasse wieder ab, verschränkt ihre Arme auf der Tischplatte und schürzt die Lippen. Sie macht eine Pause und ich hebe ungeduldig die Augenbrauen. Es erfüllt sie offensichtlich mit Heiterkeit, mich zappeln zu lassen. Doch sie hat schließlich ein Einsehen. „Ich gebe Dir jetzt ein paar Stichworte. Mal sehen, ob es da oben...“ Ihr Finger zeigt auf meinen Kopf. „...was auslöst...“ Ich nicke. Sie nickt ebenfalls.
„Badesee... Hecken... zwei junge Frauen...“ Ich lasse die Worte in meinem Geist nachklingen und habe keine Idee, welcher Einfall dahinter steckt. Nadines Gesicht verdüstert sich etwas. „Erde an Sascha!“ Sie wedelt mit der Hand vor meinem Gesicht herum. „Noch nichts?“
„N... Nein...“ Ich kann meine Ratlosigkeit nicht verbergen.
„Na gut. Ich muss wohl deutlicher werden.“ Sie holt tief Luft. „Oben ohne... Beobachten...“ Als sie meinen verständnislosen Gesichtsausdruck sieht, verdreht sie die Augen. Die Finger ihrer rechten Hand biegen sich zu einer Art Röhre und vollführen eine charakteristische Auf-und-Ab Bewegung. „Mas-tur-ba-tion... Hat es jetzt Klick gemacht?“
Ich kann mir wage vorstellen, in welche Richtung es gehen soll. „Nicht wirklich...“ gebe ich zu.
Nadine springt so abrupt von ihrem Stuhl auf, dass er beinahe umkippt. Sie nimmt ihre Tasse, kommt um den Tisch herum und greift unter meinen Arm. „Oh Mann! Du bist heute eine verdammt harte Nuss!“ Ich fühle mich hoch gezogen und kann gerade noch meine eigene Kaffeetasse greift, aus der ich wie durch ein Wunder nichts verschütte. Sie zieht mich aus der Küche hinaus und nach drüben in mein Arbeitszimmer. Erst vor dem Schreibtisch lässt Nadine meinen Arm los und zeigt auf den Stuhl. „Setz Dich!“ fordert sie mich auf. Ich bin so paralysiert, dass ich widerspruchslos gehorche. Etwas verstört trinke ich einen Schluck. Die Bewegung wirkt roboterhaft. Ihr Blick fällt auf meinen Laptop.
„Ist das da nicht Dein Lieblingsfeind?“ Sarkasmus trieft aus ihren Worten. Mit Widerwillen folge ich ihrem Blick. Das Notebook ist zugeklappt, so dass ich – noch – vom Grinsen der Tastatur verschont bin. Doch ich weiß genau, dass diese Schonfrist gleich vorüber ist.
„Mach in auf!“ Ich stelle meine Tasse auf den Schreibtisch und hebe resignierend die Hände. Nadines fast überfallartiger Bestimmtheit habe ich nichts entgegen zu setzen. Meine Augen schließen sich automatisch, als meine Hände diese Manifestation meiner aktuellen Unfähigkeit aufklappen. Ich komme mir vor wie das kleine Kind, dass sich vor einem Alptraum versteckt. Wenn ich Dich nicht sehen kann, dann bist Du auch nicht da...
Nadine wendet sich ab und lässt sich dann in mein Sitzkissen sinken, ohne dass auch nur ein Tropfen Kaffee verloren geht. Sie nimmt geräuschvoll einen Schluck und schürzt wieder die Lippen. Ich sehe sie an und lasse das Bild auf mich wirken. Sie trägt ihre ausgewaschen Jeans und ein taubenblaues T-Shirt unter dem sich in dieser Sitzposition ihre Brüste abzeichnen. Nadine trägt keinen BH. Sie trägt so gut wie nie einen BH. Sie hasst die hässlichen Druckränder auf der Haut. Die roten Locken scheinen über ihre Schultern zu fließen.
„Und jetzt?“ frage ich und mein Gesicht muss ziemlich dümmlich aussehen.
„Da Du von selbst nicht darauf zu kommen scheinst, welche Steilvorlage ich Deinem lahm gehenden Hirn geben wollte, muss ich Dir wohl eine richtige Starthilfe geben.“ Sie wedelt mit der freien Hand in Richtung Laptop. „Schreib!“
Ich verdrehe die Augen und schaue ergeben an die Decke. Dann drehe ich mich mit einem tiefen Seufzer zum Schreibtisch. Meine Hände fühlen sich schwer wie Blei an. Aber irgendwie schaffe ich es, sie auf die Tasten zu wuchten, die mir schadenfroh entgegen grinsen. Ich schließe kurz die Augen in der Hoffnung, dass das alles nur ein böser Traum ist. Doch Nadines Stimme macht mir klar, dass es Wirklichkeit ist. Unten rechts in der Ecke des Bildschirms steht 18:59.
Es ist ein herrlicher Sommertag. Der Junge liegt an seinem Lieblingsplatz am Badeweiher. Es ist später Nachmittag und er genießt die wärmenden Strahlen der Sonne auf seiner Haut. Zu dieser Tageszeit ist er am liebsten hier. Es sind noch keine Schulferien und die Eltern mit ihren Kindern sind um diese Zeit schon fast alle wieder auf dem Heimweg. Der Junge schaut sich kurz um. Als er niemanden mehr in seiner Nähe sehen kann, schleicht sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Endlich! denkt er sich und rappelt sich hoch. Seine Finger haken sich in den Bund seiner Badehose und ziehen sie herunter. Nackt baden ist für ihn das Schönste überhaupt. Es gibt für ihn nichts Besseres beim Schwimmen, als wenn das kühle Wasser um seine nackten Lenden strömt.
Es lässt die Badehose einfach fallen und ist gerade im Begriff den ersten Schritt in Richtung Wasser zu machen, als er plötzlich Stimmen in seiner Nähe hört. Alarmiert geht er in die Hocke und macht sich so klein, wie möglich. Er lauscht. Die Stimmen kommen eindeutig von rechts. Die Hecke neben seinem Liegeplatz versperrt ihm die Sicht, so dass er nicht sehen kann, zu wem die Stimmen gehören. Dass es weibliche Stimmen sind, ist unverkennbar. Langsam, ohne auch nur den geringsten verräterischen Laut zu erzeugen, arbeitet sich der Junge vorsichtig an die Hecke heran. Er wagt es nicht, die Äste zu Seite zu biegen. Also verändert er solange seine Position in verschiedene Richtungen, bis er endlich eine Lücke zwischen den Blättern findet. Und was er durch die Lücke sieht, lässt ihn erstaunt den Atem anhalten.
Auf der anderen Seite der Hecke, keine drei Meter von ihm entfernt liegt das süße rothaarige Mädchen aus seiner Klasse, auf die er seit geraumer Zeit schon ein Auge geworfen hatte. Das Mädchen, dass ihm schon einige schöne Träume verursacht hat. Und die meisten dieser Träume endeten feucht...
Der Rotschopf ist nicht alleine. Neben ihr liegt die kleine blonde, die zwar in eine andere Klasse geht, mit der sie aber jede Pause verbringt. Der Junge weiß es nicht genau, aber er hatte gehört, die beiden seien Schwestern. Doch die so unterschiedliche Haarfarbe der beiden lässt ihn daran zweifeln. Immerhin tragen sie den gleichen Bikini. Das trifft jedenfalls auf die Höschen zu. Etwas anderes lässt ihm allerdings das Blut in die Wangen schießen, um dann ganz allmählich den Weg zu seinen Lenden anzutreten. Die Mädchen sind oben ohne! Und das scheint für die beiden eine ganz normale Sache zu sein, denn ihre Brüste zeigen keinerlei blassen Zonen, die normalerweise entstehen, wenn beim Sonnenbaden der Bikini vollständig bleibt.
Wie gebannt späht der Junge durch das Blattwerk der Hecke. Er wagt es kaum, sich zu rühren, oder zu laut zu atmen. Auf keinen Fall will er entdeckt werden. Der Anblick, der sich ihm da bietet, ist zu faszinierend, um ihn durch eine unbedachte Bewegung zu zerstören. Noch schlimmer, würden ihn die Mädchen entdecken, wie er sie beobachtet. Er würde wie ein elender Spanner dastehen und in der Schule zum Gespött der anderen werden.
Die Mädchen liegen auf dem Rücken. Die blonde ist von ihm aus gesehen am nächsten. Die Rothaarige dreht sich zu ihr hin und stützt sich auf dem Ellenbogen ab. Sie reden miteinander, doch was sie sagen, kann der Junge nicht verstehen und es ist ihm auch egal. Nur der Anblick ihrer halbnackten Körper ist ihm in diesem Augenblick wichtig. Manchmal lachen sie über irgendetwas und ihre Brüste wippen dabei auf und ab. Die Augen des Jungen saugen sich förmlich daran fest. An dieser zarten Haut und den kleinen Brustwarzen, die bei der blonden ganz leicht aufgerichtet sind.
Jetzt dreht sich der Rotschopf auf die andere Seite und kramt in ihrer Badetasche. Sie zieht eine Flasche hervor, deren Inhalt nichts Anderes als Sonnenöl sein kann. Jetzt dreht sie sich wieder zurück und hält dem anderen Mädchen die Flasche hin, worauf diese nickt. Die Rothaarige öffnet den Verschluss und lässt ein wenig von dem Sonnenöl auf den Bauch der Blondine tropfen. Das Öl bahnt sich seine eigenen Wege auf der gebräunten Haut. Der Junge vergisst alles um sich herum und starrt gespannt durch die Lücke in der Hecke. In seinem Kopf formt sich die Frage, wer das Sonnenöl auf der zarten Haut verteilt. Sie beantwortet sich von selbst, als Rotschopf die Flasche zur Seite stellt und ihre Hand auf den Bauch der Anderen legt und die Lotion langsam verreibt. Die Blonde streckt ihre Arme nach oben und kreuzt sie über ihrem Kopf. Ihre Augen sind geschlossen. Ihre Lippen leicht geöffnet. Stetig wandert die Hand der Roten weiter. Über den Bauchnabel zum Bund des Bikinihöschens. Die Blonde presst ihre Lippen zusammen und spannt ihren Körper unmerklich an, worauf die Andere lächelt. Sie schiebt ihre Hand wieder aufwärts. Über den Bauchnabel zurück an die Stelle, wo sie ihre Arbeit begonnen hatte. Jetzt nimmt sie wieder die Flasche und lässt ein weiteres Mal Sonnenöl heraus. Diesmal landet das leicht bräunliche und dickflüssige Öl zwischen den Brüsten der Blondine. Die Flasche wandert wieder auf die Decke, die sich die beiden Mädchen teilen.
Der Junge ist völlig im Bann der Szene, die sich ihm da auf der anderen Seite der Hecke bietet. Nur ganz am Rande seines Unterbewusstseins nimmt er das zunehmende Spannen unterhalb seiner Leiste wahr, dass seine sich aufbauende Erektion ankündigt.
Die Rothaarige legt ihre Hand auf das Brustbein der Blonden und streicht langsam vom Halsansatz her zwischen den Brüsten hindurch nach unten. Sie zeichnet den Weg in entgegengesetzter Richtung nach. Jetzt wählt sie die Linie entlang der Schlüsselbeine. Nach rechts und nach links. Der Junge hört das Blut in seinen Ohren rauschen und weiß nicht, wo er seine Hände hintun soll. Er weiß nur, dass er jetzt am liebsten mit der Rothaarigen den Platz tauschen würde, deren Hand sich auf die Brust des anderen Mädchens legt und ganz leicht drückt. Der Effekt ist sofort sichtbar. Die Blondine öffnet ihre Lippen und sauft zwischen zusammen gebissenen Zähnen deutlich die Luft ein. Ihre Brustwarzen stellen sich unter der Berührung der Rothaarigen noch ein wenig mehr auf. Der Vorgang wiederholt sich auf der anderen Brust. Jetzt bildet sich um die kleinen rosa Brustwarzen eine deutliche Gänsehaut, die sich langsam über diese wundervollen Brüste ausbreitet.
Wie von einem merkwürdigen Eigenleben getrieben wandert die rechte Hand des Jungen zwischen seine Oberschenkel. Die Fingerspitzen berühren seinen Penis, der schon längst schmerzhaft hart geworden ist. Deutlich zeichnet sich die Äderung unter der gespannten Haut ab. Doch das nimmt er nicht bewusst wahr. Zu sehr fesselt ihn das Geschehen direkt vor seinen Augen.
Das rothaarige Mädchen flüstert der Anderen etwas zu, worauf die Blondine nickt und sich ihr Mund zu einem äußerst zufriedenen Lächeln verzieht.
Doch dann geschieht etwas völlig unerwartetes. Das blonde Mädchen legt seine Hand auf die des Rotschopfes und drückt sie fester auf ihre Brust. Dabei dreht sie den Kopf und schaut direkt in die Richtung des Jungen. Erschrocken zuckt er zurück und fällt beinahe nach hinten um.
Seine Gedanken wirbeln durcheinander. Hat sie ihn bewusst angeschaut? Können die Mädchen ihn hinter der Hecke sehen? Gehetzt schaut er sich um. Doch da ist niemand, der ihn sehen kann. Verwirrt schüttelt er den Kopf. Vorsichtig versucht er sich wieder in die Stellung zu bringen, in der er durch die Lücke in der Hecke spähen kann. Es gelingt ihm tatsächlich wieder, den gleichen Blickwinkel wir vorher zu erwischen. Doch zu seinem Entsetzen ist die Decke, auf der die beiden Mädchen gelegen haben leer. Wieder lässt er sich zurück sinken und überlegt krampfhaft, ob er nicht doch entdeckt worden ist. Und wenn ja, wie er sich jetzt verhalten soll. Ein Anflug von Panik steigt in ihm auf. Wieder späht er durch die Hecke, doch die Decke auf der anderen Seit ist immer noch leer. Noch einmal schaut er sich um. Es ist niemand zu sehen.
Der Junge beschließt, dass es jetzt besser ist, das Feld zu räumen. Hastig greift er nach seiner Badehose. Sein Blick ist auf den See gerichtet, als er sie gerade über seine Beine nach oben streifen will. Und im nächsten Moment scheint ihm das Blut in den Adern zu gefrieren.
„Na, was haben wir denn da?“ die Stimme ist direkt hinter ihm. Erschrocken fährt er herum. „Du kleiner mieser Spanner!“
Vor dem Jungen steht das rothaarige Mädchen. Breitbeinig, wie eine Amazone auf Rachefeldzug und die Hände zornig in die Hüften gestemmt. Ihr Gesichtsausdruck ist wie in Stein gemeißelt und ihr finsterer Blick verheißt nichts Gutes. Hastig versucht der Junge seine Badehose, die noch über seinen Beinen hängt, ganz nach oben zu ziehen, um seinen vor Schreck halb erschlafftes Glied zu verhüllen. Doch seine fahrigen Hände versagen ihm den Dienst. Bei dem verzweifelten Versuch, seine Blöße zu verdecken, schlägt er fast lang hin.
„Ich… Äh…“ stammelt er. „Ich hab nur…“ Weiter kommt er nicht. Das rothaarige Mädchen unterbricht ihn mit einer entschiedenen Handbewegung.
„Du hast was? Hinter der Hecke gekauert, uns beobachtet und Dir dabei einen runter geholt?“ Ihr ausgestreckter Finger zeigt auf die Stelle in der Hecke, wo die Lücke im Blattwerk ist. Also hat sie ihn doch entdeckt und will ihn jetzt zur Rede stellen. Doch warum ist sie alleine erschienen? Und wo ist das blonde Mädchen?
„Ich… Nein!“ versucht der Junge verzweifelt zu leugnen. Doch er weiß, dass sie Situation eindeutig gegen ihn spricht.
„Ach…“ Er spürt fast körperlich den Blick des Mädchens auf seinem unverhüllten Geschlechtsteil ruhen, dass noch immer eine anormale Größe aufweist. „Und das soll ich Dir jetzt glauben?“